Inflationsraten insbesondere bei Familien gesunken durch Tankrabatt und geringere Teuerung bei Nahrungsmitteln

Die Inflationsrate in Deutschland sank im Mai 2026 auf 2,6 Prozent, wobei insbesondere Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen durch den Tankrabatt und die geringe Teuerung bei Lebensmitteln entlastet wurden. Die jüngste Zinserhöhung der EZB kritisiert das IMK der Hans-Böckler-Stiftung als wirtschaftlich nicht gerechtfertigt.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 19.06.2026

Die Inflationsrate in Deutschland ist im Mai auf 2,6 Prozent gesunken – 0,3 Prozentpunkte weniger als im April. Ausschlaggebend dafür war der Tankrabatt, der den Preisschock bei Kraftstoffen und Heizöl gedämpft hat. Die Kraftstoffpreise prägen aktuell auch die haushaltsspezifischen Inflationsraten: Familien, und insbesondere die mit niedrigen und mittleren Einkommen, sind grundsätzlich von der durch den Iran-Krieg ausgelösten Teuerungswelle besonders stark betroffen, weil in ihren Warenkörben Ausgaben für Auto-Kraftstoffe ein relativ hohes Gewicht haben. Dementsprechend hat der Tankrabatt, in Kombination mit einer sehr moderaten Preisentwicklung bei Lebensmitteln im Mai, die Inflationsrate dieser Familien-Haushalte am deutlichsten gebremst. So ging im Vergleich von neun repräsentativen Haushaltstypen, die sich nach Zahl und Alter der Mitglieder sowie nach dem Einkommen unterscheiden, die Inflationsrate von Paarfamilien mit geringen Einkommen am stärksten zurück – um 0,5 Prozentpunkte von 2,9 Prozent im April auf 2,4 Prozent im Mai. Bei Paarfamilien mit mittleren Einkommen waren es 0,4 Prozentpunkte von 3,0 auf 2,6 Prozent. Die geringste Teuerung verzeichneten im Mai Alleinlebende mit niedrigen Einkommen (1,9 Prozent nach 2,1 Prozent im April). Diese wurden zwar vom Tankrabatt nur wenig entlastet, weil sie oft kein Auto besitzen. Bei ihnen wirkt sich aber aus, dass der Nahrungsmittelpreisanstieg mit 0,4 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit gut zwei Jahren war und dass sich der Höhenflug des Weltmarktpreises von Erdgas bislang noch nicht auf die Preise für Haushaltsenergie übertragen hat. Alle weiteren untersuchten Haushaltstypen lagen mit Raten von 2,4 bis 2,6 Prozent sehr nahe beieinander. Zu diesem Ergebnis kommt der neue IMK Inflationsmonitor.

Der Krieg gegen den Iran und die Blockade der Straße von Hormus dürften sich zwar mit etwas Zeitverzug indirekt auswirken auf höhere Energie-, Transport und Düngemittelpreise, was wiederum auch die Preise für andere Warengruppen antreiben wird. Sollte sich die Verständigung zwischen US- und iranischer Regierung auf ein Ende des Krieges als belastbar erweisen, könnte dieser Effekt aber sehr begrenzt bleiben, analysiert IMK-Inflationsexpertin und Studienautorin Dr. Silke Tober.

In dieser Situation sei die vergangene Woche von der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossene Leitzinserhöhung „verfrüht“ gewesen und ein unnötiger zusätzlicher Gegenwind für die ohnehin schwache wirtschaftliche Entwicklung, kritisiert Tober. Es fehle aktuell ein „hinreichender ökonomischer Grund, die Konjunktur zusätzlich zu bremsen“, so Tober. Weder direkte noch indirekte Effekte von Preisschocks rechtfertigten eine Zinserhöhung, sondern nur Zweitrundeneffekte, die der Inflation Persistenz verleihen würden. Ob es zu Zweitrundeneffekten kommt, lasse sich derzeit gar nicht abschätzen, zumal die Dauer der hohen Rohöl- und Erdgaspreise völlig unbestimmt sei. Aktuell deute die Verständigung zwischen den USA und dem Iran sogar darauf hin, dass sich der Energiepreisschock rasch zurückbilden könnte.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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