Deutsche Wirtschaft stagniert 2025 – Investitionskrise verschärft sich weiter

Schwache Industrie, rückläufige Investitionen und eine getrübte Außenwirtschaft: Die deutsche Wirtschaft erholt sich 2025 nicht, wie die neue Konjunkturprognose des IW Köln zeigt. Erst im kommenden Jahr ist eine Trendwende in Sicht.

IW Köln, Pressemitteilung vom 17.09.2025

Schwache Industrie, rückläufige Investitionen und eine getrübte Außenwirtschaft: Die deutsche Wirtschaft erholt sich 2025 nicht, wie die neue Konjunkturprognose des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt. Erst im kommenden Jahr ist eine Trendwende in Sicht.

Die deutsche Wirtschaft stagniert 2025. Erst 2026 ist mir einer leichten Erholung zu rechnen – mit gut einem Prozent wird der Aufschwung jedoch nur schwach ausfallen. Das zeigt die neue IW-Konjunkturprognose. Hohe Energie- und Arbeitskosten, überbordende Regulierung sowie geopolitische Unsicherheiten und protektionistische Tendenzen setzen Deutschland weiterhin unter Druck.

Die Ergebnisse im Detail

Trotz Zoll-Deal mit Trump: Die deutsche Wirtschaft leidet besonders unter der unberechenbaren US-Außenhandelspolitik. Die Exporte werden 2025 voraussichtlich um rund 0,5 Prozent sinken. 2026 dürften sie sich höchstens leicht erholen. Eine Rückkehr zu alten Verhältnissen ist aber wegen der schwierigen Weltlage nicht in Sicht.

Die ungewisse Weltlage und der Reformstau in Deutschland bremsen die Investitionen spürbar aus: Die Bruttoanlageinvestitionen lagen im ersten Halbjahr 2025 1,7 Prozent unter dem Vorjahr; das Investitionsniveau liegt etwa elf Prozent unter dem Stand von 2019. Besonders gravierend ist der Rückgang bei den Ausrüstungsinvestitionen (minus 2,5 Prozent in diesem Jahr) – sie entscheiden, welches Wachstum in den kommenden Jahrzehnten möglich ist.

Auch die Baubranche erholt sich nicht: Die Bauinvestitionen bleiben im Minus – 2025 geht es erneut um 1,7 Prozent bergab, im Wohnungsbau sogar noch kräftiger. Erst 2026 werden sich die Investitionsmittel des Staates positiv auswirken.

Der Konsum erholt sich nur langsam: Die privaten Konsumausgaben legen 2025 nur schwach um etwa ein Prozent zu. Die Wirtschaftskrise ist auch bei den Menschen angekommen: Viele Haushalte sparen, aus Sorge ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

Und das nicht grundlos. Denn die Situation auf dem Arbeitsmarkt wird sich fürs Erste nicht verbessern: Die Erwerbstätigkeit stagniert bei rund 46 Millionen, die Arbeitslosenquote verharrt auf erhöhtem Niveau. Reformen wie beim Bürgergeld dürften frühestens 2026 Wirkung zeigen.

Regierung muss Reformstau auflösen

Die erhofften positiven Effekte des Infrastruktur-Sondervermögens lassen auf sich warten. Deutschland steckt weiterhin in einer Investitions- und Strukturkrise. „Stellt die Bundesregierung im Herbst der Reformen endlich die richtigen Weichen, könnte es im kommenden Jahr wieder bergauf gehen“, sagt IW-Konjunkturchef Michael Grömling. Dazu brauche es aber dringend eine Unternehmenssteuerreform, spürbare Bürokratieentlastungen und gezielte Investitionsanreize.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, IW Köln

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Volkswirtschaftliche Bedeutung der kleinen und mittleren Unternehmen bleibt trotz Krisen hoch

Trotz der vielen geopolitischen Herausforderungen erwirtschafteten die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) lt. IfM Bonn 2,8 Billionen Euro im Jahr 2023. Das waren 28 % des gesamten Umsatzes in Deutschland.

IfM Bonn, Pressemitteilung vom 16.09.2025

Mittelstand umfasst neben KMU auch die größeren Familienunternehmen

Trotz der vielen geopolitischen Herausforderungen erwirtschafteten die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) 2,8 Billionen Euro im Jahr 2023 laut den aktuellsten verfügbaren Daten. Das waren 28 % des gesamten Umsatzes in Deutschland. Obwohl der absolute Umsatz der KMU im Vergleich zu 2022 gestiegen war, sank dennoch ihr Anteil am Gesamtumsatz, weil die Großunternehmen ihren Umsatz noch stärker steigern konnten. Mehr als 3,4 Millionen Unternehmen in Deutschland zählen gemäß der KMU-Definition der Europäischen Kommission zu den kleinen und mittleren Unternehmen, das sind über 99 % aller Unternehmen der Privatwirtschaft.

In den Kleinst-, Klein- oder mittelgroßen Unternehmen arbeitet weiterhin mehr als die Hälfte aller abhängig Beschäftigten (19 Millionen von rund 36 Millionen). Auch die Ausbildung von Fachkräften findet überwiegend in den Unternehmen dieser Größenklassen (69,4 %) statt. Allerdings sinkt seit Jahren der Anteil der Auszubildenden in den Kleinst- und Kleinbetrieben, während der Anteil in den größeren Betrieben stetig steigt.

Nur unabhängige KMU zählen zum Mittelstand

In der breiten Öffentlichkeit wird der Mittelstand gerne mit den kleinen und mittleren Unternehmen gleichgesetzt. Nach Definition des IfM Bonn zählen hierzu aber nur die Unternehmen, bei denen eine Einheit von Eigentum und Leitung besteht – unabhängig von ihrer Größe. Daher gehören auch Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten zum Mittelstand, wenn zwei natürliche Personen oder ihre Familienangehörigen mindestens 50 % der Unternehmensanteile halten und zugleich aktiv in der Geschäftsführung tätig sind. Dagegen zählen KMU, die Teil einer Unternehmensgruppe sind, nicht zum Mittelstand.

Da die qualitativen Merkmale des Mittelstands (Art der Geschäftsführung, Eigentumsverhältnisse und wirtschaftliche Unabhängigkeit) nicht in den amtlichen Statistiken berücksichtigt sind, ermittelt das IfM Bonn jährlich die volkswirtschaftliche Bedeutung des Mittelstands auf Basis der KMU-Definition der Europäischen Kommission. Zugleich schätzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in unregelmäßigen Abständen die Anzahl aller Familienunternehmen. Demnach waren in 2019 insgesamt rund 90 % aller Unternehmen in Deutschland im Besitz von Familien – und wurden auch von ihnen geführt. Die Familienunternehmen erwirtschafteten zu diesem Zeitpunkt mehr als ein Drittel aller Umsätze und beschäftigten über die Hälfte aller sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Quelle: Institut für Mittelstandsforschung, IfM Bonn

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ZEW-Index stabilisiert sich, Lage verschlechtert sich weiter

Nach dem jüngsten Einbruch im August 2025 stabilisieren sich lt. ZEW die Erwartungen im September. Sie liegen mit plus 37,3 Punkten um plus 2,6 Punkte über dem Vormonatswert. Die Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage sinkt dagegen weiter. Der Lageindikator für Deutschland liegt mit minus 76,4 Punkten um minus 7,8 Punkte unter dem Vormonatswert.

ZEW, Pressemitteilung vom 16.09.2025

Der ZEW-Indikator liegt bei plus 37,3 Punkten

Nach dem jüngsten Einbruch im August 2025 stabilisieren sich die Erwartungen im September. Sie liegen mit plus 37,3 Punkten um plus 2,6 Punkte über dem Vormonatswert. Die Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage sinkt dagegen weiter. Der Lageindikator für Deutschland liegt mit minus 76,4 Punkten um minus 7,8 Punkte unter dem Vormonatswert.

„Die Finanzmarktexpertinnen und -experten sind verhalten optimistisch: die Erwartungen stabilisieren sich, die Lage hat sich dagegen verschlechtert. Die Risiken sind weiterhin beachtlich, denn die Unsicherheit bezüglich der US-amerikanischen Zollpolitik sowie des deutschen „Herbsts der Reformen“ bleibt bestehen“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, PhD die aktuellen Ergebnisse. Insbesondere verbessern sich die Aussichten für exportorientierte Branchen, die zuletzt einen Einbruch erlebt haben. Am meisten profitieren die Automobilbranche, sowie die Chemie- und Pharmaindustrie, eine Verbesserung verzeichnet auch die Metallproduktion. Jedoch bleiben alle drei Salden der genannten Branchen weiterhin im negativen Bereich.

Auch die Erwartungen für die Eurozone verbessern sich leicht. Diese liegen aktuell mit plus 26,1 Punkten um plus 1,0 Punkte über dem Vormonatswert. Im Unterschied zum Indikator für Deutschland steigt die Lagebewertung für die Eurozone leicht an. Mit minus 28,8 Punkten liegt sie aktuell um plus 2,4 Punkte über dem Vormonatswert.

Quelle: ZEW

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Durchbruch bei Künstlicher Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist in den vergangenen Monaten in der Breite der deutschen Wirtschaft angekommen. Inzwischen nutzt etwa jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) KI. Vor einem Jahr betrug er noch 20 Prozent. Zudem plant oder diskutiert fast jedes zweite Unternehmen (47 Prozent) aktuell den KI-Einsatz (Vorjahr: 37 Prozent). Demgegenüber sagen nur noch 17 Prozent, dass KI für sie kein Thema ist, nach 41 Prozent im Vorjahr. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom.

Bitkom, Pressemitteilung vom 15.09.2025

  • Jedes dritte Unternehmen in Deutschland nutzt inzwischen KI – fast doppelt so viele wie vor einem Jahr
  • 8 von 10 Unternehmen sehen KI als wichtigste Zukunftstechnologie
  • 93 Prozent würden einen KI-Anbieter aus Deutschland bevorzugen

Künstliche Intelligenz ist in den vergangenen Monaten in der Breite der deutschen Wirtschaft angekommen. Inzwischen nutzt etwa jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) KI. Damit ist der Anteil fast doppelt so hoch wie noch vor einem Jahr, als er 20 Prozent betrug. Zudem plant oder diskutiert fast jedes zweite Unternehmen (47 Prozent) aktuell den KI-Einsatz, das sind ebenfalls deutlich mehr als im Vorjahr mit 37 Prozent. Demgegenüber sagen nur noch 17 Prozent, dass KI für sie kein Thema ist, nach 41 Prozent im Vorjahr. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 604 Unternehmen in Deutschland ab 20 Beschäftigten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Künstliche Intelligenz hat den Durchbruch in der deutschen Wirtschaft geschafft“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Die Unternehmen haben nicht nur die Möglichkeiten von KI erkannt, sie setzen KI ein und investieren. Das ist eine gute Nachricht für die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.“

Chancen-Perspektive auf KI dominiert

Inzwischen sind 8 von 10 Unternehmen (81 Prozent) sicher, dass KI die wichtigste Zukunftstechnologie ist (2024: 73 Prozent), nur noch 17 Prozent halten sie für einen Hype, der vorübergeht (2024: 26 Prozent). Erstmals glaubt eine knappe Mehrheit von 51 Prozent, dass Unternehmen, die KI nicht nutzen, keine Zukunft haben (2024: 48 Prozent). Umgekehrt meinen nur noch 31 Prozent, dass KI zwar spektakulär aussieht, aber im Unternehmen keinen konkreten Nutzen bringt. Vor einem Jahr lag der Anteil mit 46 Prozent noch deutlich höher.

Mit Blick auf das eigene Unternehmen sehen 83 Prozent KI als Chance, vor einem Jahr waren es erst 78 Prozent, 2023 sogar nur 68 Prozent. Lediglich 14 Prozent sehen KI eher als Risiko, gerade einmal noch 1 Prozent glaubt, dass KI keine Auswirkungen auf das eigene Unternehmen hat. Rund ein Viertel (24 Prozent) geht davon aus, dass KI das eigene Geschäftsmodell verändern wird. Fast ebenso viele (23 Prozent) sorgen sich, dass KI die Existenz des Unternehmens gefährdet. „KI bietet den Unternehmen riesige Chancen, unabhängig von Größe und Branche. Die größte Gefahr ist es, KI einfach zu ignorieren und den KI-Zug zu verpassen“, so Wintergerst.

29 Prozent der Unternehmen wollen ihre KI-Investitionen erhöhen

Im laufenden Jahr wollen 8 Prozent der Unternehmen, die KI nutzen, den Einsatz planen oder diskutieren, deutlich mehr in KI investieren als noch 2024. Weitere 21 Prozent planen eher höhere Investitionen. Demgegenüber wollen nur 5 Prozent die Investitionen eher reduzieren, kein Unternehmen will sie deutlich zurückfahren. 4 Prozent haben noch nie investiert und haben keine solchen Pläne, nutzen also offenkundig lediglich kostenlose Angebote. Die große Mehrheit von 60 Prozent hält KI-Investitionen stabil auf Vorjahresniveau. „Der Einstieg in die KI ist für Unternehmen so günstig wie noch nie. Um sich einen ersten Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen, gibt es eine Vielzahl kostenloser Angebote“, sagt Wintergerst. „Besonders leistungsfähige und rechtssichere KI, die speziell auf die Bedarfe des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten und tief in die Unternehmens-IT integriert ist, gibt es aber nicht zum Nulltarif.“

KI-Einsatz: Kundenkontakt und Kommunikation dominieren

Eingesetzt wird KI in den Unternehmen ganz überwiegend im Kundenkontakt (88 Prozent) sowie in Marketing und Kommunikation (57 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen dahinter der KI-Einsatz in Forschung und Entwicklung (21 Prozent), innerhalb von Produktionsabläufen (20 Prozent), in Controlling und Rechnungswesen (17 Prozent), in der Personalabteilung (14 Prozent) sowie beim internen Wissensmanagement (11 Prozent). Kaum im Einsatz ist KI im Management, in der Rechts- bzw. Steuerabteilung und im Vertrieb (je 5 Prozent) sowie in der IT-Abteilung (2 Prozent). Rund jedes achte Unternehmen (12 Prozent), das KI einsetzt, implementiert Künstliche Intelligenz in die eigenen Produkte und Dienstleistungen. „Viele Unternehmen nutzen KI derzeit noch punktuell. Mit den ersten Erfahrungen und dem Know-how, das dabei im Unternehmen entsteht, können weitere Anwendungsfelder erschlossen werden. Nur so kann das volle Potenzial von KI ausgeschöpft werden“, sagt Wintergerst.

Der meist erst punktuelle KI-Einsatz zeigt sich in der Anzahl der KI-Anwendungen, die in den Unternehmen verwendet werden. Ein Viertel der Unternehmen (24 Prozent), die KI nutzen, setzt nur eine Anwendung ein, weitere 27 Prozent zwei Anwendungen und 24 Prozent drei Anwendungen. Vier Anwendungen nutzen gerade einmal 6 Prozent, fünf und mehr Anwendungen sogar nur 2 Prozent. 17 Prozent können oder wollen dazu keine Angaben machen.

20 Prozent rechnen mit weniger Beschäftigung durch KI, 7 Prozent mit mehr

Welche Auswirkungen KI auf den Arbeitsmarkt haben wird, lässt sich aktuell nur schwer abschätzen. Die große Mehrheit (67 Prozent) der Unternehmen in Deutschland erwartet, dass KI keinen Einfluss auf die Anzahl der Beschäftigten haben wird. Ein Fünftel (20 Prozent) glaubt, dass die Anzahl der Beschäftigten durch KI sinken wird – und zwar im Durchschnitt um 7 Prozent. Zugleich rechnen 7 Prozent der Unternehmen damit, dass durch KI die Beschäftigtenzahl steigen wird, im Schnitt um 8 Prozent. Bei den Unternehmen, die KI bereits einsetzen, erwarten 28 Prozent einen Rückgang der Beschäftigtenzahl im Schnitt um 7 Prozent, 9 Prozent erwarten einen Anstieg, im Durchschnitt um 9 Prozent. 57 Prozent gehen davon aus, dass KI keinen Einfluss auf die Anzahl der Stellen haben wird. Rund ein Drittel aller Unternehmen (31 Prozent) glaubt, dass KI dabei helfen wird, den Fachkräftemangel in Deutschland zu lindern. „KI wird Berufsbilder verändern, manche werden sogar verschwinden. Dafür werden andere, neue Berufe entstehen“, so Wintergerst. „Für den deutschen Arbeitsmarkt mit seiner herausfordernden demographischen Struktur und einem bereits hohen Fachkräftemangel ist KI eine große Chance: Wir haben in Zukunft mehr Arbeit als Menschen, die sie leisten können, wir brauchen Digitalisierung und neue Technologien, um in den Unternehmen wettbewerbs- und in den Verwaltungen leistungsfähig zu bleiben.“

Aktuell stellen gerade einmal 5 Prozent aller Unternehmen gezielt Fachkräfte mit KI-Kenntnissen ein. Weitere 27 Prozent haben das geplant, 24 Prozent diskutieren darüber, aber für 43 Prozent ist das kein Thema. Und nur 8 Prozent bieten KI-Schulungen für alle Beschäftigten an, weitere 21 Prozent für einen Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 25 Prozent für ausgewählte. Aber 43 Prozent haben keine entsprechenden Angebote. „Die Unternehmen sind in der Verantwortung, selbst KI-Know-how aufzubauen. Jedes Unternehmen sollte deshalb seine Beschäftigten zu KI weiterbilden. Unternehmen, die KI einsetzen, sind dazu sogar durch den AI Act verpflichtet“, sagt Wintergerst.

KI-Hürden: Rechtliche Verunsicherung, fehlendes Know-how und kein Personal

Die größten Hemmnisse beim KI-Einsatz in der deutschen Wirtschaft sind die Verunsicherung durch rechtliche Hürden und Unklarheiten (53 Prozent), fehlendes technisches Know-how (53 Prozent) und fehlende personelle Ressourcen (51 Prozent). 48 Prozent beklagen die hohen Anforderungen an den Datenschutz, 39 Prozent haben Angst, dass Daten in falsche Hände geraten, 38 Prozent nennen die mangelnde Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse, 36 Prozent die schlechte Qualität der Ergebnisse, ebenfalls 36 Prozent fehlt es am Geld und 35 Prozent sorgen sich vor künftigen rechtlichen Einschränkungen der Technologie. Für 31 Prozent ist die fehlende Akzeptanz der Beschäftigten eines der größten Hemmnisse, 24 Prozent fehlt es an Daten für die KI-Nutzung, 23 Prozent sehen keine Anwendungsfälle und 17 Prozent haben ethische Bedenken.

Für 9 von 10 Unternehmen ist das Herkunftsland des KI-Anbieters wichtig

Für eine breite Mehrheit von 88 Prozent der Unternehmen ist das Herkunftsland des KI-Anbieters wichtig. Dabei würden 93 Prozent eine KI aus Deutschland bevorzugen, dahinter folgen mit deutlichem Abstand die USA (51 Prozent), Japan (43 Prozent), EU-Länder außer Deutschland und Frankreich (40 Prozent) sowie Frankreich (38 Prozent) und Großbritannien (37 Prozent), Südkorea (29 Prozent), Israel (27 Prozent), Indien (22 Prozent), die Ukraine (19 Prozent) und China (18 Prozent). Eine KI aus Russland kommt für kein Unternehmen in Frage. „Die Unternehmen wünschen sich KI-Anbieter aus Deutschland. Allerdings werden diese nur Erfolg haben, wenn sie ebenso leistungsfähig sind wie die Angebote aus dem Ausland und preislich wettbewerbsfähig“, sagt Wintergerst. „Wir dürfen uns in Deutschland nicht mit einer Rolle als KI-Anwenderland abfinden, wir müssen KI-Anbieterland werden.“

Eine Mehrheit sieht im AI Act mehr Nachteile als Vorteile

Allerdings wird die aktuelle KI-Regulierung von den Unternehmen kritisch gesehen. 56 Prozent sind der Meinung, der europäische AI Act schaffe mehr Nachteile als Vorteile für deutsche Unternehmen. Dabei erwarten 23 Prozent der Unternehmen, dass sie als Anwender vom AI Act betroffen sind, 1 Prozent als Anbieter. 32 Prozent sehen sich als nicht vom AI Act betroffen an, 30 Prozent prüfen das derzeit noch und 11 Prozent haben sich noch nicht mit dem AI Act beschäftigt.

Von den Unternehmen, die erwarten unter die EU-Regulierung zu fallen, gehen 93 Prozent davon aus, dass das für sie einen hohen Aufwand bedeutet: 49 Prozent rechnen mit sehr hohem Aufwand, 44 Prozent mit eher hohem Aufwand. Rund ein Drittel der betroffenen Unternehmen (37 Prozent) geht davon aus, ein sog. Hochrisiko-KI-System zu betreiben, bei 29 Prozent sind es zwei. Nur 4 Prozent gehen von drei oder mehr Hochrisiko-Systemen aus, 2 Prozent haben kein Hochrisiko-System. Aber 29 Prozent können oder wollen dazu noch keine Aussage treffen. „Beim AI Act brauchen wir rasch Klarheit für die Unternehmen, was die genaue Umsetzung angeht. Und die Unternehmen brauchen einen Ansprechpartner auf Bundesebene, der sie beim AI-Act-konformen KI-Einsatz unterstützt“, sagt Wintergerst. Unbedingt müssten die Umsetzungsfristen für die Hochrisiko-Anforderungen um mindestens zwei Jahre verschoben werden. Aufgrund fehlender Standards und daraus resultierender Rechtsunsicherheit drohe ansonsten „eine Innovationsvollbremsung im Hochrisiko-KI-Bereich“, so Wintergerst. Darüber hinaus sollten die Hochrisiko-Anforderungen in den bereits stark regulierten Sektoren wie Medizinprodukte und Maschinen flexibler ausgestaltbar werden, um keine Inkonsistenzen und Redundanzen mit bestehender Regulierung zu erzeugen.

Was die Politik für KI tun sollte

Von der Politik wünschen sich die Unternehmen vor allem eine Förderung deutscher KI-Anbieter (51 Prozent), eine Reformierung des AI Acts (46 Prozent) sowie einen besseren Zugang zu Daten (45 Prozent). Jeweils rund ein Drittel der Unternehmen würde einen Schwerpunkt auf die Förderung der KI-Forschung (36 Prozent), Investitionen in KI-Recheninfrastruktur (34 Prozent) sowie die Förderung des KI-Einsatzes in Verwaltung und Behörden (31 Prozent) legen. 28 Prozent plädieren für die Förderung des KI-Einsatzes in der Wirtschaft, 17 Prozent für die Förderung von KI-Startups und 6 Prozent für die Förderung von KI-Talenten. Nur 8 Prozent sind der Meinung, die Regierung sollte keinen Fokus auf KI legen. Mehr als jedes dritte Unternehmen (37 Prozent) wünscht sich sogar, dass 10 Jahre lang auf eine Regulierung von KI verzichtet wird – eine Idee, die in den USA diskutiert wurde. „Bei der KI-Förderung brauchen wir eine gesamtheitliche Strategie“, sagt Wintergerst. „Dazu gehört, sowohl bei der Breite der Maßnahmen als auch bei den Investitionssummen deutlich ambitionierter zu werden.“

Quelle: Bitkom

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Großhandelspreise im August 2025: +0,7 % gegenüber August 2024

Die Verkaufspreise im Großhandel waren im August 2025 um 0,7 % höher als im August 2024. Im Juli 2025 hatte die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat bei +0,5 % gelegen, im Juni 2025 bei +0,9 %. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, fielen die Großhandelspreise im August 2025 gegenüber dem Vormonat Juli 2025 um 0,6 %.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 15.09.2025

Großhandelsverkaufspreise, August 2025
+0,7 % zum Vorjahresmonat
-0,6 % zum Vormonat

Die Verkaufspreise im Großhandel waren im August 2025 um 0,7 % höher als im August 2024. Im Juli 2025 hatte die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat bei +0,5 % gelegen, im Juni 2025 bei +0,9 %. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, fielen die Großhandelspreise im August 2025 gegenüber dem Vormonat Juli 2025 um 0,6 %.

Gestiegene Preise für Nahrungs- und Genussmittel, Getränke und Tabakwaren sowie für Nicht-Eisen-Erze, Nicht-Eisen-Metalle und Nicht-Eisen-Metallhalbzeug

Hauptursächlich für den Anstieg der Großhandelspreise insgesamt gegenüber dem Vorjahresmonat war im August 2025 der Preisanstieg bei Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken und Tabakwaren. Die Preise lagen hier im Durchschnitt 4,2 % über denen von August 2024 (-0,2 % gegenüber Juli 2025). Insbesondere Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze waren auf Großhandelsebene erheblich teurer als ein Jahr zuvor (+17,7 %). Zucker, Süßwaren und Backwaren kosteten ebenfalls mehr als im Vorjahresmonat (+14,5 %). Ebenfalls merklich mehr bezahlt werden musste binnen Jahresfrist für Fleisch und Fleischwaren (+9,6 %), lebende Tiere (+8,9 %) sowie für Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette (+7,4 %).

Einen deutlichen Anstieg der Preise gegenüber dem Vorjahresmonat gab es auch im Großhandel mit Nicht-Eisen-Erzen, Nicht-Eisen-Metallen und Halbzeug daraus (+21,1 %). Gegenüber Juli 2025 verteuerten sie sich ebenfalls (+1,6 %).

Niedriger als im August 2024 waren dagegen die Preise im Großhandel mit festen Brennstoffen und Mineralölerzeugnissen (-6,9 %). Gegenüber Juli 2025 fielen die Preise um 4,2 %.

Ebenfalls günstiger im Vorjahresvergleich waren auf Großhandelsebene Altmaterial- und Reststoffe (-10,4 %). Auch gegenüber Juli 2025 wurden sie billiger (-3,3 %). Niedrigere Preise gegenüber dem Vorjahresmonat gab es auch im Großhandel mit Datenverarbeitungs- und peripheren Geräten (-4,9 %) sowie mit Eisen, Stahl und Halbzeug daraus (-4,6 %).

Quelle: Statistisches Bundesamt

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im September 2025

Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal fiel stärker aus, als zunächst erwartet.

BMWE, Pressemitteilung vom 12.09.2025

  • Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal fiel stärker aus, als zunächst erwartet. Ursächlich hierfür waren vor allem Sondereffekte im Zusammenhang mit dem Vorziehen von Exporten in die USA im ersten Quartal, die im folgenden Quartal zu einem „Rückprall“ führten. Aber auch die binnenwirtwirtschaftliche Nachfrage schwächte sich im zweiten Quartal spürbar ab. Aktuelle Stimmungsindikatoren im Unternehmenssektor wie die Auftragseingänge zeigen Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung; die Konsumlaune der privaten Haushalte schwächte sich zuletzt allerdings wieder etwas ab. Insgesamt dürfte die wirtschaftliche Erholung im dritten Quartal noch verhalten bleiben, bis im späteren Jahresverlauf dürften die Impulse der wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung stärker zum Tragen kommen.
  • Die Produktion im Produzierenden Gewerbe nahm im Juli preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,3 % zu, getragen vor allem vom Maschinenbau (+9,5 %), Automobilindustrie (+2,3 %) und Pharma (+8,4 %). Der Bausektor legte leicht zu (+0,3 %), die Energieerzeugung sank deutlich (-4,5 %). Mit der Aufwärtsrevision der Juni-Daten zeigt sich im Dreimonatsvergleich insgesamt eine Stagnation, wobei Kfz-Produktion zulegte (+4,2 %), andere Industriezweige jedoch Verluste verzeichneten. Insgesamt deutet sich eine Stabilisierung der Industrieproduktion an, getragen von Schlüsselbranchen, bei gleichzeitig anhaltenden Unsicherheiten und geopolitischen Risiken.
  • Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (saisonbereinigt, ohne Kfz) sind im Juli um 1,5% gegenüber dem Vormonat gesunken Gegenüber dem Vorjahresmonat meldete der Einzelhandel im Juli ein reales Umsatzplus von 1,8 %, insbesondere weil der Internet- und Versandhandel gegenüber dem Vorjahr beträchtlich um 14,0 % anzog. Bei den PKW-Neuzulassungen durch Privatpersonen ergab sich im August im Vormonatsvergleich ein Minus von 2,0 %; in der Dreimonatsbetrachtung zeigt sich jedoch eine Zunahme um 8,5 %. Das aktuelle Stimmungsbild deutet weiterhin nicht auf eine Trendwende der verhaltenen Konsumstimmung hin. Verbraucherinnen und Verbraucher zeigen sich mit Blick auf die angespannte Arbeitsmarktsituation und geopolitische Unsicherheiten zurückhaltend.
  • Die Inflationsrate ist im August leicht auf 2,2 % gestiegen. Wesentlicher Treiber bleiben die Dienstleistungen, deren Preisdynamik jedoch spürbar nachlässt. Die Kerninflation liegt seit Jahresbeginn stabil bei etwa 2,7%. Dämpfend wirken nach wie vor die Energiepreise, die im August im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 % niedriger lagen. Für den weiteren Jahresverlauf wird erwartet, dass sich die Inflation um 2 % einpendelt.
  • Die Arbeitslosigkeit hat aufgrund des üblichen Anstiegs im August die Zahl von drei Millionen Personen überschritten. In saisonbereinigter Betrachtung stabilisierten sich die Arbeitslosenzahlen zuletzt jedoch. Angesichts der anhaltend schwachen Arbeitskräftenachfrage und in vielen Branchen weiterhin gedämpften Beschäftigungsperspektiven dürfte eine spürbare Belebung des Arbeitsmarktes allerdings noch auf sich warten lassen.
  • Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist nach amtlicher Statistik im 1. Halbjahr 2025 ggü. dem 1. Halbjahr 2024 um 12,2 % gestiegen. Im Juni sind die Unternehmensinsolvenzen zwar um 3,9 % gegenüber dem Vormonat auf 1.957 Fälle gesunken. Im Vergleich zum Juni 2024 wurden jedoch 18,4 % mehr Insolvenzen gezählt. Der IWH-Insolvenztrend für Personen- und Kapitalgesellschaften weist für August einen Rückgang von 11,3 % gegenüber dem Vormonat aus.

Außenhandel dämpft Entwicklung im Frühsommer spürbar

Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland stellte sich im Frühsommer nach den detaillierten Ergebnissen des Statistischen Bundesamts etwas ungünstiger dar als zuvor angenommen: Im zweiten Quartal ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück. Ursächlich für die wirtschaftliche Abschwächung waren nicht zuletzt Sondereffekte im Zusammenhang mit Vorzieheffekten infolge der US-Zollpolitik. So nahmen die saisonbereinigten deutschen Warenexporte in die USA im ersten Quartal zunächst deutlich um 5,1 Prozent im Vorquartalsvergleich zu, was zu einem spürbar positiven Wachstumsbeitrag des Außenhandels und einer erhöhten Produktionsstätigkeit im Inland beitrug. Im zweiten Quartal erfolgte dann ein „Rückprall“ im Zuge eines Einbruchs der US-Importe um 11,1 Prozent im Quartalsvergleich, der mit einem negativen Wachstumsimpuls vom Außenbeitrag (Exporte abzüglich Importe) von -0,7 Prozentpunkten und einer rückläufigen Industrieproduktion einherging. Stabilisierende Effekte gingen dagegen vom öffentlichen Konsum sowie der Vorratsveränderung aus, während die privaten Konsumausgaben nur stagnierten. Auch die Investitionstätigkeit schwächte sich im zweiten Quartal deutlich ab, vor allem bei den Bauten, aber auch bei den Ausrüstungsinvestitionen; letztere wurden von einem deutlichen Rückgang der öffentlichen Ausrüstungsinvestitionen, die zuletzt im Zuge der Beschaffung von Rüstungsgütern sehr volatil waren, gedämpft.

Die bislang vorliegenden Indikatoren für das dritte Quartal lassen noch keine spürbare Belebung erkennen. Zwar haben sich die Stimmungsindikatoren in den Unternehmen im Trend der letzten Monate etwas aufgehellt, vor allem getragen von positiveren Geschäftserwartungen. Auch die Auftragseingänge aus dem Ausland sind in der Tendenz aufwärtsgerichtet und deuten eine schrittweise Belebung der weltwirtschaftlichen Nachfrage an. Zudem war die die Produktion im Produzierenden Gewerbe im Juli mit einem saisonbereinigten Zuwachs von 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat deutlich aufwärtsgerichtet. Allerdings deutet der merkliche Rückgang des LKW-Mautfahrleistungsindex im August auf eine schwache Entwicklung der Industrieproduktion am aktuellen Rand hin. Da vor allem die Kfz-Produktionszahlen des VDA im August im Vorjahresvergleich deutlich rückläufig waren, steht dies vermutlich im Zusammenhang mit späteren Werksferien in einigen Unternehmen der Automobilindustrie in diesem Jahr, wovon die Industrieproduktion im Juli profitieren konnte, im August aber gedämpft werden dürfte.

Der private Verbrauch zeigt sich zu Beginn des dritten Quartals weiter verhalten: Ungeachtet der zuletzt spürbaren Zuwächse bei den Reallöhnen waren die Umsätze im Einzelhandel im Juli im Vormonatsvergleich rückläufig und auch die Konsumentenstimmung – gemessen an HDE-Konsumbarometer und dem GfK-Konsumklima – hat sich zuletzt wieder eingetrübt, so dass spürbare Impulse vom privaten Konsum kurzfristig nicht zu erwarten sind.

Im weiteren Jahresverlauf dürften sich die wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung, wie die im Rahmen des Investitionssofortprogramms zum 1. Juli günstigeren Abschreibungsbedingungen für Anlagegüter sowie die steuerliche Förderung von gewerblichen Elektrofahrzeugen, zunehmend bemerkbar machen. So gehen einige Wirtschaftsforschungsinstitute in ihren kürzlich veröffentlichten Herbstprognosen für das zweite Halbjahr von einer moderaten konjunkturellen Belebung in diesem Jahr aus, bevor die wirtschaftliche Dynamik in den kommenden Jahren, vor allem auch infolge der wirtschafts- und finanzpolitischen Impulse, an Fahrt aufnimmt.

Weltwirtschaftliche Entwicklung bisher robust, Zollpolitik hinterlässt aber erste Spuren

Die weltweite Industrieproduktion lag im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,2 % im Plus, gegenüber Mai nahm sie saisonbereinigt um 0,4 % zu. Während die Produktion in den Industrieländern stagnierte, expandierte sie in den Schwellenländern um 0,7 %. Im weniger volatilen Quartalsvergleich war ein Anstieg der weltweiten Ausbringungsmenge um 0,6 % zu verzeichnen, nach 1,0 % im ersten Quartal. Frühindikatoren für die Weltkonjunktur senden aktuell heterogene Signale: Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die Weltwirtschaft ist im August um 0,4 Punkte auf 52,9 Punkte gestiegen und weist damit auf ein etwas höheres Wachstum als im Juli hin. Während sich der Index in der Industrie merklich verbesserte und mit 50,9 Punkten wieder über der Wachstumsschwelle liegt, veränderte sich die Stimmung im Dienstleistungsbereich gegenüber dem Vormonat mit einem geringfügigen Rückgang um 0,1 Punkte auf 53,4 Punkte kaum. Der Sentix-Konjunkturindex für die Weltwirtschaft ist im September infolge einer leichten Verbesserung der Erwartungskomponente nach dem vorangegangenen Rückgang wieder geringfügig gestiegen. Die befragten Investoren beurteilten die Konjunkturaussichten in Asien zuletzt zwar als robust, mit Blick auf den Euroraum und die USA hat sich die Stimmung aber gegenüber dem Vormonat merklich eingetrübt.

Der weltweite Warenhandel war laut CPB World Trade Monitor im Juni mit einem Minus von 0,3 % gegenüber dem Vormonat zum dritten Mal in Folge abwärtsgerichtet. Hierzu trugen geringere Importe der USA (-4,5 %) und der asiatischen Schwellenländer ohne China (‑2,5 %) bei. Nach dem spürbaren Zuwachs von 1,9 % im ersten Quartal, als US-Importeure in Erwartung von Zollanhebungen im April Bestellungen vorzogen und Lager auffüllten, lag der Welthandel im zweiten Quartal insgesamt damit aber immer noch um 0,5 % im Plus. Für die weiteren Sommermonate deuten aktuell verfügbare Indikatoren auf eine stabile Handelsaktivität hin: Der RWI/ISL-Containerumschlag-Index hat im Juli die vorherigen beiden Rückgänge mit einem Anstieg von 135,4 auf 137,5 Punkte wieder wettgemacht, wobei sich besonders die Aktivität in den chinesischen Häfen erholt hat, während der Containerumschlag in den europäischen Häfen moderat expandierte. Der Trade Monitor des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Schiffsbewegungsdaten zur Abschätzung des globalen Warenhandels nutzt, signalisiert zwar eine geringe Dynamik, im Juli und August stieg der Indikator aber wieder etwas an. Ab dem zweiten Halbjahr 2025 ist vor dem Hintergrund der höheren US-Einfuhrzölle und der nach wie vor hohen handelspolitischen Unsicherheit mit einer Abschwächung des Welthandels zu rechnen; internationale Organisationen wie der IWF und auch die Wirtschaftsforschungsinstitute gehen in ihren aktuellen Prognosen für das kommende Jahr von deutlich geringeren Zuwachsraten des Welthandels im Vergleich zu den Vorjahren und zum weltweiten BIP aus.

Außenhandel schwächt sich im Juli wieder ab

Der deutsche Außenhandel bleibt vor dem Hintergrund der handelspolitischen Entwicklungen volatil. Dies trifft insbesondere auch den exportorientierten Mittelstand. Die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen gaben im Juli saison- und kalenderbereinigt gegenüber dem Vormonat mit -0,6 % wieder etwas nach. Damit liegen sie zu Beginn des dritten Quartals in etwa auf dem Durchschnittsniveau des zweiten Quartals, in dem die Ausfuhren nach den vorangegangenen deutlichen Vorzieheffekten im US-Geschäft schon etwas gefallen waren. Während die Lieferungen in die EU-Länder um 2,5 % expandierten, gingen sie in die USA zum vierten Mal in Folge um 7,9 % gegenüber Vormonat zurück, und auch nach China wurde mit -7,3 % deutlich weniger exportiert. Nach dem kräftigen Anstieg im Vormonat fielen auch die nominalen Einfuhren von Waren und Dienstleistungen im Juli saison- und kalenderbereinigt mit -0,4 % gegenüber dem Vormonat etwas geringer aus, im Vergleich zum Durchschnitt des zweiten Quartals liegen sie aber aktuell um 1,0 % im Plus. Auch importseitig nahm im Juli der Handel mit den europäischen Nachbarländern zu, aus den Drittstaaten, allen voran aus den USA, wurde weniger importiert. Der monatliche Außenhandelsüberschuss verringerte sich infolge des stärkeren Rückgangs der Exporte im Vergleich zu den Importen saisonbereinigt von 8,1 Milliarden Euro auf 7,8 Milliarden Euro.

Die Einfuhrpreise sind – vor allem dank günstigerer Preise im Verarbeitenden Gewerbe – im Juli saisonbereinigt um 0,4 % gegenüber dem Vormonat gefallen. Die Ausfuhrpreise gaben mit -0,2 % ebenfalls etwas nach, so dass sich die Terms of Trade gegenüber Juni um 0,2 % verbesserten. In realer Betrachtung dürfte der Rückgang der Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen entsprechend etwas geringer ausgefallen sein, die Wareneinfuhren dürften real in etwa stagniert haben.

Die Frühindikatoren zeigen nach wie vor ein gemischtes Bild: Die Auftragseingänge aus dem Ausland sind im Juli saisonbereinigt mit -3,1 % gegenüber dem Vormonat weiter zurückgegangen. Hierzu trug ein kräftiges Minus von 17,6 % bei den Bestellungen von Vorleistungsgütern aus dem Nicht-Euroraum sowie eine geringere Nachfrage nach Investitionsgütern aus dem Euroraum bei (-7,6 %). Ohne Großaufträge veränderten sich die Auslandsorder zuletzt mit -0,1 % kaum, im Dreimonatsvergleich lagen sie insgesamt mit 3,4 % weiter im Plus. Laut ifo Exporterwartungen blickte das Verarbeitende Gewerbe im August vor dem Hintergrund der höheren US-Basiszölle von 15 % ernüchtert auf die Exportperspektiven in den kommenden drei Monaten; der Saldo gab wieder von -0,3 auf -3,6 Punkte nach und liegt seit über zwei Jahren durchweg im negativen Bereich. Kleine Lichtblicke gab es in der chemischen Industrie und bei den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen, die steigende Exporte erwarten.

Nach der durch deutliche Vorzieheffekte bedingten hohen Exportdynamik zu Jahresbeginn war eine Korrektur bei der Entwicklung der Warenausfuhren im weiteren Verlauf zu erwarten. Angesichts der anhaltenden handelspolitischen Unsicherheiten, der Anhebung des US-Basiszolls auf Importe aus der EU von 10 auf 15 % und der schleppenden Auslandsnachfrage bleiben die Exportperspektiven gedämpft.

Industriekonjunktur startet kräftig in das zweite Quartal

Das Produktionsvolumen im Produzierenden Gewerbe ist im Juli preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 1,3 % gestiegen, nachdem sie gemäß revidierten Angaben im Juni stagnierte (-0,1 %). Die Industrieproduktion erhöhte sich um 2,2 % gegenüber Juni, der Bausektor verzeichnete einen leichten Aufwuchs von 0,3 %. Im Energiebereich nahm der Output um 4,5 % gegenüber Juni ab.

Die Aufschlüsselung der Daten für Juli nach Wirtschaftsbereichen ergibt ein gemischtes Bild: Besondere Triebfedern waren der Maschinenbau (+9,5 %), die Produktion von Kfz und Kfz-Teilen (+2,3 %), die Herstellung von Pharmazeutischen Erzeugnissen (+8,4 %) und von Datenverarbeitungsgeräten und elektrischer/optischer Ausrüstung (+2,3 %). Die Produktion von Metallerzeugnissen (-0,2 %) sowie chemischer Erzeugnisse (-0,1 %) stagnierte hingegen nahezu.

Die deutliche Aufwärtsrevision des Produktionsindex für den Berichtsmonat Juni ist laut Angaben des Statistischen Bundesamtes auf Korrekturmeldungen eines Unternehmens aus der Automobilindustrie sowie Datenergänzungen zurückzuführen. Im Ergebnis zeigt sich dadurch eine etwas günstigere Entwicklung als zuvor angenommen: Im Dreimonatsvergleich hat der Ausstoß des Produzierenden Gewerbes insgesamt stagniert (-0,1 %).

Die Auftragslage der Industrie entwickelt sich ebenfalls noch gedämpft. So sind die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im Juli zum dritten Mal in Folge mit einem preis-, kalender- und saisonbereinigt Minus von 2,9 % gegenüber dem Vormonat gesunken. Der Rückgang ist vor allem durch den starken Rückgang im schwankungsanfälligen Sonstigen Fahrzeugbau zu erklären. Ohne Berücksichtigung von Großaufträgen, unter anderem aus diesem Bereich, stiegen die Auftragseingänge insgesamt um 0,7 %. Im Juni war es revidiert zu einer Abnahme um 0,2 % gekommen (zuvor: -1,0 %). Zuletzt waren Bestellungen aus dem Ausland mit einer Verringerung um 3,1 % etwas stärker rückläufig als Inlandsaufträge, die um 2,5 % abnahmen. Die Nachfrageschwäche aus dem Euroraum war dabei mit -3,8 % am stärksten. Bestellungen aus Ländern außerhalb der Währungsunion gingen um 2,8 % zurück.

Im Vergleich der einzelnen Wirtschaftszweige war eine uneinheitliche Entwicklung zu beobachten. Die deutlichsten Nachfragerückgänge waren im Sonstigen Fahrzeugbau (‑38,6 %), bei elektrischen Ausrüstungen (-16,8 %), bei Chemischen Erzeugnissen (-2,6 %) und bei der Metallerzeugung (-1,4 %) zu verzeichnen. Von einer dynamischeren Bestelltätigkeit konnten hingegen Branchen wie Pharmazeutische Erzeugnisse (+14,8 %), Bekleidung (+10,0 %), EDV und optische Geräte (+8,2 %) sowie Kfz- und Kfz-Teile (+6,5 %) profitieren. Auch der Maschinenbau vermeldete ein Plus von 1,8 %.

Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich ergibt sich ein leichtes Plus von 0,2 % gegenüber der Vorperiode. Die Volatilität der Auftragsentwicklung ist nach wie vor von den hohen handels- und geopolitischen Unsicherheiten geprägt. Die starken Schwankungen bei den Bestellungen im Sonstigen Fahrzeugbau dürften zudem auch die Fortschritte in der Beschaffung von Rüstungsgütern im In- und Ausland widerspiegeln.

Die aktuellen Daten zeichnen insgesamt eine etwas günstigere Industriekonjunktur am aktuellen Rand und deuten auf eine sich langsam stabilisierende Industrieproduktion, getrieben von Schlüsselbranchen wie dem Maschinenbau und der Automobilindustrie. Trotz der insgesamt noch verhaltenen Stimmungslage deutet die Aufwärtstendenz bei den Geschäftserwartungen auf eine Bodenbildung bei der Industriekonjunktur im weiteren Jahresverlauf hin. Dennoch bleiben Unsicherheiten angesichts der geopolitischen Rahmenbedingungen und der Entwicklung der in- und ausländischen Nachfrage hoch.

Einzelhandel im Minus; Stimmungsindikatoren zunehmend eingetrübt

Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (saisonbereinigt, ohne Kfz) sind im Juli um 1,5 % gegenüber dem Vormonat gesunken. Sowohl der Handel mit Lebensmitteln (-1,8 %) als auch der Umsatz mit Nicht-Lebensmitteln (-0,7 %) ließen im Vergleich zum Vormonat nach. Gegenüber dem Vorjahresmonat meldete der Einzelhandel im Juli ein reales Umsatzplus von 1,8 %, insbesondere weil der Internet- und Versandhandel gegenüber dem Vorjahr beträchtlich um 14,0 % anzog. Der Handel mit Nicht-Lebensmitteln erhöhte sich gegenüber Juli 2024 um 3,5 %, während der Umsatz mit Lebensmitteln stagnierte. Im Dreimonatsvergleich verzeichnet der Einzelhandel nach vier Anstiegen in Folge ein Minus von 0,3 %. Die Neuzulassungen von Pkw insgesamt sind im August im Vormonatsvergleich um 4,6 % gestiegen; in der Dreimonatsbetrachtung legten sie um 5,3 % zu. Gegenüber August 2024 kam es zu einem Plus von 5,0 %. Bei den PKW-Neuzulassungen durch Privatpersonen ergab sich im Vormonatsvergleich ein Minus von 2,0 %; in der Dreimonatsbetrachtung zeigt sich jedoch eine Zunahme um 8,5 %. Pkw-Neuzulassungen von Unternehmen und Selbstständigen erhöhten sich im Juli um 8,1 % gegenüber dem Vormonat. Der Umsatz im Gastgewerbe fiel im Juni ggü. dem Vormonat nominal 3,9 % und preisbereinigt 2,5 % niedriger aus. Gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnete das Gastgewerbe einen nominalen Umsatzrückgang von 3,4 %, in realer Rechnung von 5,9 %. Auch im Halbjahresvergleich konnte das mittelständisch geprägte Gastgewerbe real wie nominal keine Umsatzsteigerungen erwirtschaften.

Nach der leichten Belebung des privaten Konsums im ersten Quartal 2025 und einer Stagnation im zweiten Quartal zeigen die Frühindikatoren für die Entwicklung am aktuellen Rand ein gedämpftes Bild: Laut Prognose der GfK wird sich das Konsumklima im September mit einem Rückgang um 1,9 Zähler auf -23,6 Pt. zum dritten Mal in Folge abschwächen. Im August nimmt die Verbraucherstimmung laut dem Marktforschungsinstitut mit -1,4 Zählern ebenfalls ab und verbleibt mit -21,7 Pt. deutlich im negativen Bereich. Grund für die Abkühlung im August ist eine deutliche Eintrübung der Einkommenserwartungen, wobei sich Sparneigung und Anschaffungsneigung leicht verringerten. Das HDE-Konsumbarometer zeigt sich in der Tendenz aufwärtsgerichtet, trübte sich am aktuellen Rand jedoch ein. Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel (inkl. Kfz) erlebte nach einem deutlichen Anstieg im Mai den dritten Rückprall in Folge und ging im August um 1,1 Zähler auf -24,0 Punkte zurück. Während sich die Beurteilung der aktuellen Lage eintrübte, legten die Erwartungen zu. Beide Indikatoren bewegen sich weiterhin spürbar im negativen Bereich.

Das aktuelle Stimmungsbild deutet weiterhin nicht auf eine Belebung der eingetrübten Konsumstimmung hin. Verbraucherinnen und Verbraucher zeigen sich mit Blick auf die zunehmend angespannte Arbeitsmarktsituation und geopolitische Unsicherheiten weiter zurückhaltend.

Inflationsrate leicht auf 2,2 % gestiegen

Die Inflationsrate, also der Anstieg des Preisniveaus binnen Jahresfrist, erhöhte sich im August leicht auf +2,2 % nach +2,0 % im Juli. Im Vergleich zum Vormonat stieg das Verbraucherpreisniveau saisonbereinigt leicht um +0,2 %. Dämpfend wirkten weiterhin die Energiepreise, die gegenüber August 2024 deutlich zurückgingen (-2,4%).  Die Kernrate – ohne Energie und Nahrungsmittel – lag im August unverändert bei +2,7 %. Haupttreiber für höhere Preise bleiben Dienstleistungen, deren Preisdynamik jedoch spürbar nachlässt. Bis zum Jahresende dürfte sich die Inflation angesichts weniger dynamischer Tariflohnsteigerungen und einer zunächst noch verhaltenen gesamtwirtschaftlichen Dynamik bei rd. 2% einpendeln.

Erste Stabilisierungstendenzen auf dem Arbeitsmarkt erkennbar

Am aktuellen Rand sind erste Anzeichen erkennbar, dass die Entwicklung am Arbeitsmarkt ihre Talsohle erreicht haben könnte: Nach abnehmenden Zugängen in den letzten Monaten hat sich Arbeitslosigkeit im August in saisonbereinigter Rechnung mit einem Minus von 9 Tausend Personen zum ersten Mal seit Dezember 2022 verringert. Im Rahmen üblicher saisonaler Muster ist der Ursprungswert allerdings über 3 Mio. Personen gestiegen. Zuletzt ist dieser Fall im Februar 2015 eingetreten. Gleichzeitig verringerte sich die Unterbeschäftigung im August mit einem Rückgang um 7 Tausend Personen zum dritten Mal in Folge. Die Erwerbstätigkeit blieb im Juli mit einem geringen Plus von 4 Tausend Personen nahezu konstant. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung konnte mit einer Steigerung um 25 Tausend Personen im Juni den höchsten Zuwachs seit über einem Jahr verzeichnen. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit folgt im Juni mit 211 Tsd. Personen ihrem seit Jahresbeginn abwärtsgerichteten Trend. Diese Entwicklung ist auch für die Zahl der Anzeigen von Kurzarbeit ist im August zu erwarten, sodass hier der geringste Wert seit der Pandemie erreicht werden könnte.

Die Frühindikatoren bewegten sich zuletzt weiterhin auf verhaltenem Niveau. So ist der gemeldete Arbeitskräftebedarf gemäß Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit im August unverändert geblieben. Gleichzeitig weist das ifo Beschäftigungsbarometer auf einen anhaltenden Stellenabbau im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor hin. Angesichts der zuletzt schwachen wirtschaftlichen Entwicklung und der erst zur Jahreswende erwarteten konjunkturellen Belebung dürfte sich die Stagnation am Arbeitsmarkt daher zunächst fortsetzen.

Unternehmensinsolvenzen verbleiben auf hohem Niveau

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im Juni 2025 nach amtlicher Statistik um 3,9 % gegenüber dem Vormonat auf 1.957 beantragte Verfahren gesunken. Gegenüber Juni 2024 ist ein Anstieg von 18,4 % zu verzeichnen. Insgesamt gab es im 1. Halbjahr 2025 12,2 % mehr Insolvenzen als im 1. Halbjahr 2024. Die mit den Unternehmensinsolvenzen verbundenen voraussichtlichen Forderungen sind im selben Zeitraum um 13,2 % gesunken, was darin begründet liegen dürfte, dass im 1. Halbjahr 2025 weniger wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt haben als im 1. Halbjahr 2024. Als Ursachen für die weiterhin dynamische Entwicklung des Insolvenzgeschehens sind mehrere Faktoren zu nennen, darunter die weiterhin gedämpfte gesamtwirtschaftliche Entwicklung, strukturelle Herausforderungen, gestiegene Kosten und geopolitische Unsicherheiten.

Der im Vergleich mit der amtlichen Statistik methodisch enger gefasste und zeitlich aktuellere IWH-Insolvenztrend für Personen- und Kapitalgesellschaften weist im August einen Rückgang von 11,3 % gegenüber dem Vormonat sowie einen Anstieg von 10,8 % gegenüber August 2024 aus. Gleichzeitig lag die Zahl der betroffenen Beschäftigten 29,6 % über dem Wert vom Juli und 56 % über dem August-Mittelwert der Jahre 2016 bis 2019. Für den Herbst erwartet das IWH auf der Basis von Frühindikatoren weiterhin steigende Insolvenzzahlen.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

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Inflationsrate im August 2025 bei +2,2 %

Die Inflationsrate in Deutschland – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im August 2025 bei +2,2 %. Im Juli und Juni 2025 hatte sie jeweils +2,0 % betragen.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 12.09.2025

Inflationsrate legt erstmals seit Jahresbeginn leicht zu

 

Verbraucherpreisindex, August 2025:
+2,2 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
+0,1 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Harmonisierter Verbraucherpreisindex, August 2025:
+2,1 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
+0,1 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Die Inflationsrate in Deutschland – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – lag im August 2025 bei +2,2 %. Im Juli und Juni 2025 hatte sie jeweils +2,0 % betragen. „Die Inflationsrate hat sich erstmals in diesem Jahr leicht erhöht“, sagt Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes (Destatis). „Der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln hat sich im August verstärkt. Zudem dämpfte der Preisrückgang bei Energie die Inflationsrate weniger stark als in den Vormonaten.“ Gegenüber dem Vormonat Juli 2025 stiegen die Verbraucherpreise im August 2025 um 0,1 %.

Energieprodukte verbilligten sich um 2,4 % gegenüber August 2024

Die Preise für Energieprodukte lagen im August 2025 um 2,4 % niedriger als im Vorjahresmonat. Der Preisrückgang für Energie hat sich damit im vierten Monat in Folge abgeschwächt und fiel deutlich niedriger aus als im Vormonat Juli 2025 (-3,4 %). Binnen Jahresfrist gingen im August 2025 sowohl die Preise für Kraftstoffe (-2,5 %) als auch für Haushaltsenergie (-2,3 %) zurück. Insbesondere konnten die Verbraucherinnen und Verbraucher weiterhin von günstigeren Preisen für leichtes Heizöl (-5,2 %) sowie für Brennholz, Holzpellets oder andere Brennstoffe (-3,5 %) profitieren. Auch Strom (-1,7 %) und Fernwärme (-1,6 %) verbilligten sich gegenüber dem Vorjahresmonat. Etwas teurer als ein Jahr zuvor war hingegen Erdgas (+0,7 %).

Nahrungsmittel verteuerten sich binnen Jahresfrist um 2,5 %

Die Preise für Nahrungsmittel waren im August 2025 um 2,5 % höher als im Vorjahresmonat und lagen damit erneut über der Gesamtteuerung. Im Juli 2025 hatte der Preisauftrieb für Nahrungsmittel etwas niedriger bei +2,2 % gelegen. Von August 2024 bis August 2025 verteuerten sich vor allem Obst (+7,1 %) sowie Zucker, Marmelade, Honig und andere Süßwaren (+6,9 %). Auch für Molkereiprodukte und Eier (+3,2 %) sowie Fleisch und Fleischwaren (+2,9 %) fiel die Preiserhöhung deutlich aus. Günstiger als ein Jahr zuvor wurden hingegen Speisefette und Speiseöle (-1,3 %) sowie Gemüse (-1,1 %). Im Einzelnen standen auffälligen Preiserhöhungen (zum Beispiel Schokoladen: +21,3 %) auch auffällige Preisrückgänge (zum Beispiel Olivenöl: -22,6 %) gegenüber.

Inflationsrate ohne Nahrungsmittel und Energie bei +2,7 %

Im August 2025 lag die Inflationsrate ohne Energie ebenso wie schon im Juli und Juni 2025 bei +2,6 %. Die Inflationsrate ohne Berücksichtigung von Nahrungsmitteln und Energie, häufig auch als Kerninflation bezeichnet, lag im August 2025 wie in den beiden Vormonaten bei +2,7 %. Beide Kenngrößen verdeutlichen, dass die Teuerung in anderen wichtigen Güterbereichen weiterhin überdurchschnittlich hoch war.

Dienstleistungen verteuerten sich binnen Jahresfrist überdurchschnittlich um 3,1 %

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt lagen im August 2025 um 3,1 % höher als im Vorjahresmonat, nach ebenfalls +3,1 % im Juli 2025. Von August 2024 bis August 2025 erhöhten sich Preise vor allem für kombinierte Personenbeförderung (+11,1 %) und Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+8,1 %). Deutlich teurer als ein Jahr zuvor waren unter anderem auch stationäre Gesundheitsdienstleistungen (+6,5 %), Versicherungen (+6,4 %) sowie Wasserversorgung und andere Dienstleistungen für die Wohnung (+4,0 %). Bedeutsam für die Preisentwicklung blieben auch im August 2025 die Nettokaltmieten mit +2,0 %. Dagegen waren nur wenige Dienstleistungen günstiger als im Vorjahresmonat, zum Beispiel internationale Flüge (-8,2 %).

Waren verteuerten sich gegenüber August 2024 um 1,3 %

Waren insgesamt verteuerten sich von August 2024 bis August 2025 um 1,3 % (Juli 2025: +1,0 %). Die Preise für Verbrauchsgüter stiegen dabei um 1,5 % und für Gebrauchsgüter um 0,9 %. Neben dem Preisanstieg bei Nahrungsmitteln (+2,5 %) wurden einige andere Waren deutlich teurer, insbesondere alkoholfreie Getränke (+8,7 %, darunter Kaffee, Tee und Kakao: +18,5 %) sowie gebrauchte Pkw (+7,2 %). Für die meisten Waren wurde eine geringe Preiserhöhung ermittelt, zum Beispiel für Möbel und Leuchten (+0,5 %) sowie für Bekleidungsartikel (+0,6 %). Preisrückgänge waren hingegen außer bei der Energie (-2,4 %) unter anderem bei Geräten der Unterhaltungselektronik (-2,8 %) und der Informationsverarbeitung (-2,4 %) zu verzeichnen.

Preise insgesamt stiegen gegenüber dem Vormonat um 0,1 %

Im Vergleich zum Juli 2025 stieg der Verbraucherpreisindex im August 2025 um 0,1 %. Die Preise für Energie insgesamt sanken um 0,4 % gegenüber dem Vormonat, insbesondere wurde hier leichtes Heizöl günstiger (-4,1 %). Die Preise für Nahrungsmittel insgesamt blieben binnen Monatsfrist nahezu stabil (+0,1 %). Bei den alkoholfreien Getränken setzte sich für Kaffee und Ähnliches der seit Dezember 2024 anhaltende Preisanstieg im Vormonatsvergleich fort. Diese Produkte kosteten +3,1 % mehr als im Vormonat Juli 2025.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

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Beantragte Regelinsolvenzen im August 2025: +11,6 % zum Vorjahresmonat

Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im August 2025 um 11,6 % gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 11.09.2025

  • 1. Halbjahr 2025: 12,2 % mehr Unternehmens- und 7,5 % mehr Verbraucherinsolvenzen als im 1. Halbjahr 2024
  • Juni 2025: 18,4 % mehr Unternehmens- und 9,9 % mehr Verbraucherinsolvenzen als im Juni 2024

Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im August 2025 um 11,6 % gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Bei den Ergebnissen ist zu berücksichtigen, dass die Anträge erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik einfließen. Der tatsächliche Zeitpunkt des Insolvenzantrags liegt in vielen Fällen annähernd drei Monate davor.

12,2 % mehr Unternehmensinsolvenzen im 1. Halbjahr 2025 als im 1. Halbjahr 2024

Für das 1. Halbjahr 2025 meldeten die Amtsgerichte nach endgültigen Ergebnissen 12.009 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 12,2 % mehr als im 1. Halbjahr 2024.

Die Forderungen der Gläubiger aus den im 1. Halbjahr 2025 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte auf rund 28,2 Milliarden Euro. Im 1. Halbjahr 2024 hatten die Forderungen bei rund 32,4 Milliarden Euro gelegen. Dieser Rückgang der Forderungen bei gleichzeitigem Anstieg der Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist darauf zurückzuführen, dass im 1. Halbjahr 2024 mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten als im 1. Halbjahr 2025.

Im Juni 2025 gab es 1.957 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 18,4 % mehr als im Juni 2024.

Insolvenzhäufigkeit im Bereich Verkehr und Lagerei am höchsten

Bezogen auf 10.000 Unternehmen gab es im 1. Halbjahr 2025 in Deutschland insgesamt 34,6 Unternehmensinsolvenzen. Die meisten Insolvenzen je 10.000 Unternehmen entfielen auf den Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei mit 64,5 Fällen. Danach folgte das Gastgewerbe mit 52,7 Fällen sowie das Baugewerbe mit 52,3 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen.

7,5 % mehr Verbraucherinsolvenzen im 1. Halbjahr 2025 als im 1. Halbjahr 2024

Im 1. Halbjahr 2025 gab es 38.016 Verbraucherinsolvenzen. Damit stieg die Zahl der Verbraucherinsolvenzen um 7,5 % gegenüber dem 1. Halbjahr 2024.

Im Juni 2025 wurden 6.510 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Das waren 9,9 % mehr als im Juni 2024.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

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Glasfaser-Ausbau: Zwei von drei Unternehmen fühlen sich durch langsames Internet beeinträchtigt

Trotz milliardenschwerer Förderprogramme leidet die Mehrheit der Unternehmen unter schlechter Internetversorgung, zeigt eine Studie des IW Köln. Das liegt nicht nur an der Verfügbarkeit von Glasfaser.

IW Köln, Pressemitteilung vom 11.09.2025

Trotz milliardenschwerer Förderprogramme leidet die Mehrheit der Unternehmen unter schlechter Internetversorgung, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Das liegt nicht nur an der Verfügbarkeit von Glasfaser.

Schlechtes Internet bleibt ein Problem für die deutsche Wirtschaft. 64,5 Prozent der Unternehmen berichten, dass mangelhafte Kommunikationsnetze ihre Abläufe behindern. Das zeigen neue Ergebnisse aus dem IW-Zukunftspanel, für das mehr als 1.000 Industrieunternehmen befragt wurden. Rund 31 Prozent berichten sogar von deutlichen Einschränkungen in ihren Geschäftsabläufen.

Im Norden ist das Netz am besten

Besonders hoch ist der Anteil stark beeinträchtigter Unternehmen in Sachsen und Thüringen (40 Prozent), in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (36 Prozent) sowie in Baden-Württemberg (36 Prozent). Am besten schneiden die norddeutschen Länder ab: In Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg fühlen sich nur 23 Prozent der Unternehmen deutlich eingeschränkt.

Das deckt sich weitestgehend mit dem bisherigen Ausbau des Glasfasernetzes: Während in Schleswig-Holstein etwa neun von zehn Haushalten und Unternehmen heute schon einen Glasfaseranschluss erhalten könnten, sind es im Saarland, in Baden-Württemberg oder Thüringen weniger als die Hälfte.

Zu viele Unternehmen nutzen alte Technik

Trotzdem klagt auch im Nordwesten jedes fünfte Unternehmen über Probleme. Das hängt mit der schleppenden Glasfaser-Adaption der Unternehmen zusammen. Denn viele Unternehmen setzen weiterhin auf VDSL- oder Kabelanschlüsse. Bundesweit waren 2025 nur 27 Prozent der Glasfaseranschlüsse tatsächlich aktiviert.

Die steigenden Datenanforderungen – die etwa KI-Anwendungen verursachen – kann langfristig nur Glasfaser erfüllen. „Die Ergebnisse zeigen, dass der Netzausbau allein nicht reicht“, sagt IW-Digitalexpertin Barbara Engels. „Politik und Wirtschaft müssen dafür sorgen, dass die Anschlüsse auch genutzt werden.“ Dabei helfen könnten branchenspezifische Informationsangebote oder modernere IT-Infrastrukturen auf Seiten der Unternehmen.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. – Autoren: Jan Büchel / Barbara Engels / Edgar Schmitz

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Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit: Knapp drei Viertel der Beschäftigten fürchten negative Folgen sehr langer Arbeitstage

Knapp drei Viertel der Beschäftigten befürchten negative Folgen für Erholung und Gesundheit, für die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familienleben sowie die Organisation ihres Alltags, wenn generell Arbeitstage von mehr als zehn Stunden möglich werden. Das wäre eine Folge der von der Bundesregierung favorisierten Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit. Frauen rechnen noch deutlich häufiger mit negativen Wirkungen als Männer, was daran liegen dürfte, dass sie deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit zusätzlich zum Erwerbsjob leisten. Das ergibt eine neue WSI-Studie der Hans-Böckler-Stiftung.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 09.09.2025

Knapp drei Viertel der Beschäftigten befürchten negative Folgen für Erholung und Gesundheit, für die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familienleben sowie die Organisation ihres Alltags, wenn generell Arbeitstage von mehr als zehn Stunden möglich werden. Das wäre eine Folge der von der Bundesregierung favorisierten Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit. Frauen rechnen noch deutlich häufiger mit negativen Wirkungen als Männer, was daran liegen dürfte, dass sie deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit zusätzlich zum Erwerbsjob leisten. Das ergibt eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Sie basiert auf einer Online-Befragung vom Juli 2025 unter mehr als 2000 Beschäftigten. Um Aussagen über die Gesamtheit der Arbeitnehmer*innen in Deutschland treffen zu können, wurden die Daten gewichtet. Die Befragungsergebnisse unterstreichen auch, dass sehr lange und flexible Arbeitszeiten in Deutschland längst verbreitet sind. Immerhin 12 Prozent der vom WSI Befragten arbeiten wenigstens an einzelnen Tagen in der Woche länger als zehn Stunden. Und knapp 38 Prozent der Beschäftigten nehmen zumindest ab und zu abends nach 19 Uhr ihre Erwerbsarbeit nochmal auf, nachdem sie sie tagsüber aus privaten Gründen unterbrochen haben, etwa, wenn die Kinder aus der Schule kommen. „Die vorliegenden Ergebnisse zeigen: Eine Abschaffung der gesetzlichen täglichen Arbeitszeitgrenze ist weder erforderlich noch sinnvoll“, lautet daher das Fazit der Studienautorinnen Dr. Yvonne Lott und Dr. Eileen Peters vom WSI.

Die Bundesregierung und Arbeitgeberverbände wollen mehr Möglichkeiten für sehr lange Arbeitstage schaffen, indem die Höchstarbeitszeit für den Erwerbsjob nicht mehr pro Tag, sondern pro Woche geregelt wird. Damit würden kurzfristig generell Erwerbsarbeitstage von mehr als zehn Stunden, im Extremfall sogar von mehr als 12 Stunden möglich, die dann über einen längeren Zeitraum auf durchschnittlich acht Stunden ausgeglichen werden müssen. Aktuell ist der Acht-Stunden-Tag der gesetzliche Referenzrahmen, allerdings kann die Arbeitszeit ohne Rechtfertigung auf bis zu zehn Stunden täglich ausgeweitet werden, wenn innerhalb von sechs Monaten ein Ausgleich erfolgt. Darüber hinaus lässt das Arbeitszeitgesetz zahlreiche branchen- bzw. tätigkeitsbezogene Abweichungen und Ausnahmen zu, die auch in erheblichem Umfang genutzt werden. Diese müssen aber transparent geregelt sein durch einen Tarifvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder durch behördliche Erlaubnis, wobei im Regelfall ein entsprechender Zeitausgleich gewährleistet sein muss.

Trotz dieser erheblichen Gestaltungsmöglichkeiten argumentieren Befürworter*innen einer generellen Deregulierung unter anderem mit mehr Flexibilität, die nicht nur im Interesse von Arbeitgebern sondern auch von Beschäftigten sei.

Weniger als 10 Prozent der Befragten sehen mögliche Vorteile

Das sieht eine große Mehrheit der potenziell Betroffenen jedoch ganz anders: 72,5 Prozent jener befragten Arbeitnehmer*innen, die bislang noch nicht länger als zehn Stunden an einzelnen Tagen in der Woche arbeiten, sagen, dass auch schon einzelne derart lange Arbeitstage ihre Fähigkeit, nach Feierabend abzuschalten und sich zu erholen, etwas bis deutlich verschlechtern würden. Nur sechs Prozent erwarten eine Verbesserung. Die kritische Einschätzung deckt sich mit Erkenntnissen aus der Arbeitsmedizin. Danach kommt es bei sehr langen täglichen Arbeitszeiten langfristig häufiger zu stressbedingten Erkrankungen. Es steigt sowohl das Risiko für psychische Leiden wie Burnout und Erschöpfungszustände, als auch für körperliche Probleme, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zusätzlich wächst auch das Unfallrisiko ab der 8. Arbeitsstunde exponentiell an, sodass Arbeitszeiten über zehn Stunden täglich als hoch riskant eingestuft werden.

Sogar 75 Prozent der Befragten rechnen damit, dass Arbeitstage über zehn Stunden für sie die Möglichkeit verschlechtern, familiäre oder private Verpflichtungen zu erfüllen. 73,5 Prozent erwarten negative Auswirkungen auf gemeinsame familiäre oder private Aktivitäten, 71,6 Prozent sehen die Gestaltung ihres Alltags erschwert. Der Anteil der Befragten, die hier Positives erwarten, liegt jeweils unter zehn Prozent. „Eine Aufhebung der täglichen Arbeitszeitgrenze droht, die Work-Life-Balance der Beschäftigten zu verschlechtern“, fassen die WSI-Forscherinnen Lott und Peters die Sicht der meisten Arbeitnehmer*innen zusammen.

Deregulierung könnte Unwucht bei der Sorgearbeit noch weiter verschärfen – und so Erwerbstätigkeit von Frauen behindern

Die Deregulierung könne zudem Geschlechterungleichheiten verschärfen – weibliche Beschäftigte befürchten noch häufiger Verschlechterungen als Männer. Ein wesentlicher Grund dürfte nach Analyse der WSI-Expertinnen darin liegen, dass Frauen in Beziehungen neben ihrem Erwerbsjob deutlich mehr als Männer unbezahlte Arbeit in Haushalt, Pflege von Angehörigen oder mit Kindern leisten. Realistisch ist, dass diese Unwucht weiter wächst, wenn der Partner künftig noch länger arbeitet.

Das legen auch die Aussagen jener 12 Prozent der Beschäftigten nahe, die bereits jetzt zumindest an einzelnen Tagen in der Woche länger als zehn Stunden im Erwerbsjob arbeiten. 48 Prozent von ihnen berichten, dass am Abend die Partnerin oder der Partner schon gelegentlich oder häufig bei Hausarbeiten oder der Kinderbetreuung für sie einspringen mussten. Bei den Befragten ohne Zehn-Stunden-Tage sagen das gut 17 Prozentpunkte weniger. Da die befragten Männer fast doppelt so häufig wie die Frauen zumindest gelegentlich mehr als 10 Stunden im Erwerbsjob arbeiten (15,4% gegenüber 8 %), bleibt die häusliche Mehrarbeit vor allem an Frauen hängen.

„Das ist nicht nur ein individuelles Problem der direkt Betroffenen, sondern es macht es insbesondere Müttern noch schwerer, ihre Arbeitszeit auszuweiten“, sagt Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI. „Damit könnte die Deregulierung der Höchstarbeitszeit ausgerechnet den Zuwachs bei der Erwerbstätigkeit von Frauen bremsen, der in den vergangenen Jahren wesentlich zu Rekordwerten bei Erwerbstätigkeit und Arbeitsvolumen in Deutschland beigetragen hat. Gleichzeitig könnte sie Probleme bei Gesundheit und Demografie verschärfen, höhere Krankenstände begünstigen und die Entscheidung für Kinder schwerer machen. Die Deregulierung erscheint damit auch wirtschaftlich kontraproduktiv.“

Ohnehin ist die Flexibilität, mit der berufliche und private Anforderungen unter einen Hut gebracht werden sollen, bereits jetzt hoch und offenbar mit dem geltenden Arbeitszeitrecht vereinbar. So geben 37,6 Prozent der Befragten an, dass es zumindest gelegentlich bei ihnen vorkommt, dass sie die Arbeit tagsüber aus privaten Gründen für mehrere Stunden unterbrechen und dafür nach 19 Uhr weiterarbeiten.

Wichtige Gründe für Unterbrechungen sind Haushalt/Besorgungen, Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen. Dass sie nach 19 Uhr die Erwerbsarbeit fortsetzen, begründen 60 Prozent der Befragten mit derart „fragmentierten“ Arbeitstagen damit, dass sie sonst nicht ihre Arbeit schaffen würden. Jeweils ein gutes Drittel sagt zudem, dass es die Arbeit erfordere, beispielsweise, weil sie mit beruflichen Kontakten in anderen Zeitzonen kommunizieren müssen, oder dass sie sonst nicht auf ihre Arbeitszeit kommen. Bei einem knappen Viertel der Befragten, die nach 19 Uhr noch einmal loslegen, erwarten das die Vorgesetzten.

Gut 60 Prozent der Befragten, die zumindest gelegentlich nach 19 Uhr noch einmal die Erwerbsarbeit aufgreifen, geben an, dass sie im Gegenzug „immer“ oder „meistens“ am Folgetag später mit der Arbeit beginnen können, weitere knapp 23 Prozent sagen, das sei „in Ausnahmefällen“ möglich. Wenn der Arbeitsbeginn entsprechend später erfolgt, kann die im Arbeitszeitgesetz vorgeschriebene und für die Gesundheit wichtige Ruhezeit von 11 Stunden zwischen zwei Arbeitstagen eingehalten werden.

Allerdings geben Beschäftigte mit „fragmentierten“ Arbeitstagen deutlich häufiger als andere an, dass abends die Partnerin oder der Partner schon bei Haushalt oder Kinderbetreuung für sie einspringen mussten. „Wir wissen auch aus anderen Studien, dass fragmentierte Arbeitstage und Arbeit am Abend für viele Beschäftigte bestenfalls eine Not- und keine Wunschlösung sind. Häufig sind sie verbunden mit hohem Stress und Zeitdruck“, sagt WSI-Arbeitszeitexpertin Yvonne Lott. „Sie werden aber genutzt, um Vereinbarkeitskonflikte zu entschärfen, und offenbar funktioniert das mit dem aktuellen Arbeitszeitgesetz. Die von der Bundesregierung angekündigte Deregulierung dürfte hingegen das fragile Verhältnis von Flexibilität und notwendigen Begrenzungen aus dem Gleichgewicht bringen, weil es gleichzeitig sehr lange und fragmentierte Arbeitstage begünstigt.“

Anstelle der Abschaffung der täglichen Arbeitszeitgrenze seien vielmehr Reformen nötig, die Work-Life Balance und Partnerschaftlichkeit unterstützen, analysieren die Wissenschaftler*innen. Zu den zentralen arbeitszeitpolitischen Maßnahmen zählen sie:

  • Die Verlängerung der Partnermonate beim Elterngeld, wie im aktuellen Koalitionsvertrag vorgesehen
  • Bessere Rahmenbedingungen für pflegende Angehörige, wie sie der Unabhängige Beirat für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf empfiehlt
  • Eine Reform der Brückenteilzeit, indem Schwellenwerte abgeschafft, individuelle Arbeitszeitwünsche stärker berücksichtigt und flexible Anpassungen während der Laufzeit ermöglicht werden

Da sich Zeitwünsche und Bedarfe im Lebensverlauf der meisten Beschäftigten verändern, brauche es darüber hinaus Arbeitszeitmodelle, die Beschäftigten mehr Kontrolle über Dauer, Lage und Verteilung ihrer Arbeitszeit sowie über den Arbeitsort ermöglichen.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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