Finanzierungsalternativen stärken: Freiraum für Wachstum schaffen

Noch ist die Finanzierungssituation für die Unternehmen in Deutschland entspannt; allerdings werden die Vorboten von Basel III und die Unsicherheiten durch die Staatsschuldenkrise bereits spürbar. Künftig werden die Betriebe für Investitionen mehr Eigenmittel aufbauen müssen. Der DIHK fordert deshalb von der Politik, die Rahmenbedingungen für Wagniskapital und Private Equity zu verbessern und endlich die steuerliche Benachteiligung von Eigenkapital zu verringern.

 

DIHK, Pressemitteilung vom 26.06.2012

 

Trotz der derzeit entspannten Finanzierungssituation für Unternehmen in Deutschland werden die Vorboten von Basel III, aber auch die Unsicherheiten durch die Staatsschuldenkrise spürbar: So werden die Betriebe bereits jetzt mit höheren Anforderungen an Sicherheiten und Eigenanteilen bei Bankkrediten konfrontiert. Betriebsmittelfinanzierungen oder die traditionell schon schwierige Finanzierung von Unternehmensgründungen und Innovationen gestalten sich oftmals kompliziert. Die Perspektive: Die Unternehmen müssen für Investitionen in Zukunft mehr betriebliche Eigenmittel aufbauen. Denn die Eigenkapitalquoten deutscher Unternehmen sind im internationalen Vergleich bislang eher niedrig. Die Politik ist gefordert, die Rahmenbedingungen für den Aufbau von Eigenkapital zu verbessern.

 

Leasing entlastet Eigenkapital
Viele Unternehmen nutzen bereits Leasing, um ihr Eigenkapital zu entlasten. Knapp die Hälfte aller fremdfinanzierten Unternehmensinvestitionen wird inzwischen dadurch realisiert. Feste, gleichbleibende Zinsen für die gesamte Vertragsdauer sind dabei eine klare Kalkulationshilfe für Betriebe. Somit können Kreditspielräume der Hausbank anderweitig genutzt werden und Liquidität erhalten bleiben.

 

Factoring erhöht Liquidität und reduziert Ausfallrisiko
Neben Leasing bietet auch Factoring vielen Unternehmen eine Möglichkeit, ihr Liquiditäts- und Forderungsmanagement zu optimieren. So kann ein Betrieb mit dem Verkauf seiner Forderungen häufig auch das Forderungsausfallrisiko und weitere Aufgaben wie z. B. das Debitorenmanagement auf die Factoring-Gesellschaft übertragen. Durch das Verkaufen der Forderungen erhält das Unternehmen sofort Liquidität aus seinen Außenständen.

 

Rahmenbedingungen für Wagniskapital und Private Equity verbessern
Für viele Unternehmen kann es sinnvoll sein, das Eigenkapital auch über externe Geber zu stärken, z. B. durch Wagnis- oder Beteiligungskapital. Doch insbesondere im Wagniskapitalbereich ist das Angebot im Vergleich zu anderen hochentwickelten Staaten gering. Vor diesem Hintergrund wurde eine ganze Reihe von politischen Unterstützungsmaßnahmen initiiert bzw. aufgestockt (z. B. High-Tech-Gründerfonds, ERP-Startfonds, Business Angels Fonds). Ein zentrales Hemmnis in diesem Segment bleibt jedoch weiterhin die restriktive Regelung zur steuerlichen Nutzung des Verlustvortrags, denn sie macht Investitionen in junge innovative Unternehmen unattraktiv.

 

Hausaufgaben der Politik
Der Gesetzgeber kann noch viel tun und insbesondere die steuerliche Benachteiligung von Eigenkapital endlich verringern: Die gewerbesteuerliche Hinzurechnung von Mieten, Pachten, Lizenzen und Zinsen, die Beschränkung der Verlustverrechnung und die Zinsschranke belasten das Eigenkapital der Unternehmen und schwächen damit deren
Investitionsspielraum. Im Extremfall müssen Steuern sogar aus dem Eigenkapital gezahlt werden. Diese Besteuerung von Kosten muss ein Ende haben.

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Quelle: DATEV eG