Die einschlägigen Indikatoren deuten lt. IWH Halle darauf hin, dass das BIP in Deutschland im dritten Quartal des Jahres 2012 zunächst noch einmal zulegen dürfte, bevor es im Winterhalbjahr 2012/2013 tendenziell stagnieren wird. Gründe für die bevorstehende Eintrübung sind eine schwächere weltwirtschaftliche Entwicklung und ein weiterer Rückgang der Nachfrage nach deutschen Produkten aus dem Euroraum. Auch die Konjunktur in Ostdeutschland gerät in den Sog dieser Entwicklung.
IWH Halle, Pressemitteilung vom 13.09.2012
Die einschlägigen Indikatoren deuten darauf hin, dass das Bruttoinlands-produkt in Deutschland im dritten Quartal des Jahres 2012 zunächst noch einmal zulegen dürfte, bevor es im Winterhalbjahr 2012/2013 tendenziell stagnieren wird. Gründe für die bevorstehende Eintrübung sind eine schwächere weltwirtschaftliche Entwicklung und ein weiterer Rückgang der Nachfrage nach deutschen Produkten aus dem Euroraum. Auch die Konjunktur in Ost-deutschland gerät in den Sog dieser Entwicklung. Mittelfristig dürfte die Auslastung der deutschen Wirtschaft aufgrund der expansiven Geldpolitik jedoch überdurchschnittlich sein.
Im Herbst 2012 stellen sich Lage und Aussichten für die deutsche Konjunktur deutlich schlechter dar als vor einem halben Jahr. Hauptgrund dafür sind die immer neuen Schübe der Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum. Sie trüben Stimmung und Erwartungen weiter ein, und die Unternehmen bekommen die Auswirkungen der Krise zunehmend zu spüren. Die Nachfrage aus dem übrigen Euroraum, dem Hauptabsatzmarkt für deutsche Produkte, schrumpft schon seit Mitte 2011, und seit dem Frühjahr in beschleunigtem Tempo. Die Weltkonjunktur hat jedoch auch generell an Kraft verloren. So hat sich die Rezession in Großbritannien zuletzt noch einmal verschärft. Die Erholung in den USA verlangsamt sich seit Jahresbeginn, und in Japan verliert der Produktionszuwachs seit dem Frühjahr an Fahrt. In wichtigen Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien hat sich das Expansionstempo schon im Lauf des vergangenen Jahres verlangsamt.
Das Ankaufsprogramm für Staatsanleihen der EZB könnte – bei allen Nachteilen, die diese Vorgehensweise mittel- bis langfristig mit sich bringt – dazu geeignet sein, die Risikoaufschläge auf Staatsanleihen der Krisenländer dauerhaft zu verringern, die enormen Kapitalabflüsse aus diesen Ländern zu stoppen und so maßgeblich zur Beruhigung der internationalen Finanzmärkte, zur Begrenzung der Finanzierungs-kosten der Krisenländer und damit letztlich zur kurzfristigen Stabilisierung der Konjunktur beitragen. Allerdings ist keineswegs ausgemacht, dass das Programm seine Wirkung auf Dauer in der erhofften Weise entfaltet. Es bestehen nach wie vor erhebliche Risiken für einen erneuten Rückschlag. So ist der Verbleib Griechenlands in der Eurozone nach wie vor ungewiss, auch wenn er – zumindest für den Prognosezeitraum – wahrscheinlich ist. Eine Rückkehr Griechenlands zur Drachme würde den Verkaufsdruck auf Staatsanleihen der anderen Krisenländer wohl erheblich erhöhen und vor allem zu einem verstärkten Abzug von Bankeinlagen aus den anderen Krisenstaaten führen. Die EZB müsste dann – neben verstärkten Liquiditätshilfen für die dortigen Bankensysteme – das Ankaufsprogramm umsetzen, und die Regierungen in den Krisenländern müssten tatsächlich einen Hilfsantrag beim ESM stellen, der wohl Auflagen für eine neue Runde von Konsolidierungsmaßnahmen nach sich zöge, welche die gesamtwirtschaftliche Stabilität der Länder eher gefährden als befördern dürfte. Zugleich bringt das Aufkaufprogramm aufgrund seines quasi-fiskalischen Charakters erhebliche Risiken für die mittelfristige Preisstabilität im Euroraum mit sich.
Anders als im übrigen Euroraum hat die Produktion in Deutschland in der ersten Jahreshälfte weiter zugelegt. Auch im dritten Quartal 2012 dürfte die Produktion weiter zunehmen und um 0,4 % über dem Vorquartal liegen. Die Industrieproduktion übertraf im Juli ihren Stand vom zweiten Quartal um 1,8 %, die Bauproduktion lag um 1,9 % über dem Vorquartal. Zwar ist angesichts der in der Tendenz rückläufigen Auftragseingänge in der Industrie mit einer Gegenbewegung in den Folgemonaten zu rechnen; unter dem Strich dürfte die Produktion im Produzierenden Gewerbe – anders als in den beiden Vorquartalen – jedoch leicht im Plus sein, zumal die Beurteilung der Geschäftslage seitens der Unternehmen nach wie vor recht gut ist. Für das Winterhalbjahr 2012/2013 deutet sich dann allerdings eine merkliche Verlangsamung des konjunkturellen Fahrtempos an. Sowohl die Geschäftserwartungen in Deutschland und die Exporterwartungen im Verarbeitenden Gewerbe als auch internationale Stimmungsindikatoren sind im Sommer deutlich gefallen und indizieren nun, dass die Wirtschaft im Winterhalbjahr wohl kaum mehr als stagnieren wird.
Alles in allem wird das reale Bruttoinlandsprodukt 2012 voraussichtlich um 0,9 % und 2013 um 0,8 % zulegen. Das 66 %-Prognoseintervall liegt für das Jahr 2012 zwischen 0,7 % und 1,1 %; im Jahr 2013 reicht es von -0,2 % bis 1,8 %. Die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten bleiben wohl überausgelastet, sodass sich der öffentliche Finanzierungssaldo, der im Jahr 2012 -0,1 % und im Jahr 2013 dann 0,2 % in Relation zum Bruttoinlandsprodukt betragen dürfte, vor allem aus konjunkturellen Gründen verbessert. Der Anstieg des Verbraucherpreisindex dürfte in den Jahren 2012 und 2013 jeweils 1,9% betragen. Die Beschäftigung wird unter der vorübergehenden konjunkturellen Schwäche kaum leiden; die Arbeitslosenquote dürfte in den Jahren 2012 und 2013 bei 6,5 % liegen.
Die konjunkturelle Schwächephase im Winterhalbjahr 2012/2013 wirkt sich auch auf das mittelfristige Wirtschaftswachstum in Deutschland aus. Es ist nunmehr mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate des preisbereinigten Bruttoinlandsproduktes von 1¼ % pro Jahr zwischen 2011 und 2017 zu rechnen. Dabei wird unterstellt, dass die Auslastung der deutschen Wirtschaft nach der vorübergehenden konjunkturellen Schwächephase noch eine Zeit lang überdurchschnittlich sein wird, weil die einheitliche europäische Geldpolitik in Deutschland noch längere Zeit expansiv wirken dürfte.
Die ostdeutsche Wirtschaft ist in schwieriges Fahrwasser geraten. Vor allem die Industrie verliert ihre konjunkturelle Antriebskraft. Zuwächse erzielen die privatwirtschaftlich organisierten Dienstleistungszweige und das Gesundheitsgewerbe. Im öffentlichen Sektor und hier insbesondere im Verwaltungs- und Bildungsbereich hält der Konsolidierungsprozess an und belastet die Wertschöpfung. Ein Teil der Eintrübung wird kompensiert durch die steigende Nachfrage der privaten Haushalte nach Konsumgütern und Wohnungen. Dämpfend wirken dabei allerdings die Aus-richtung der Produktion in Ostdeutschland auf Standardprodukte und auf Regionen in Westeuropa sowie der demographische Faktor. Beschäftigung wird zunächst weiter aufgebaut, die schwache Konjunktur und die leicht steigenden Lohnstückkosten bremsen jedoch die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen. Der Aufschwung am Arbeitsmarkt läuft im Jahr 2012 aus. Das Bruttoinlandsprodukt der ostdeutschen Flächenländer wächst wohl auch in diesem Jahr langsamer als in Westdeutschland. Der wirtschaftliche Aufholprozess stagniert pro Einwohner. Der Abstand in der Arbeitsproduktivität verringert sich leicht.
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Quelle: DATEV eG