Die Rezession im Euroraum setzt sich fort. Im zweiten Quartal verringerte sich die gesamtwirtschaftliche Produktion um 0,7 Prozent. Die Staatschuldenkrise und die weiterhin fragile Lage des europäischen Bankensektors trübte sich die Zuversicht der Unternehmern und der Verbraucher seit dem Frühjahr noch einmal drastisch ein. Das IfW Kiel berichtet.
IfW Kiel, Pressemitteilung vom 13.09.2012
Die Rezession im Euroraum setzt sich fort. Im zweiten Quartal verringerte sich die gesamtwirtschaftliche Produktion um 0,7 Prozent (annualisiert). Bedingt durch die Staatschuldenkrise und die weiterhin fragile Lage des europäischen Bankensektors trübte sich die Zuversicht der Unternehmen und der Verbraucher seit dem Frühjahr noch einmal drastisch ein.
Die Geldpolitik wird unserer Einschätzung nach ihren extrem expansiven Kurs im gesamten Prognosezeitraum beibehalten. Die EZB dürfte den Hauptrefinanzierungssatz vor dem Hintergrund der stark unterausgelasteten Produktionskapazitäten im Euroraum und den moderaten langfristigen Inflationserwartungen im gesamten Prognosezeitraum bei 0,75 Prozent belassen. Die meisten Länder mit merklichen Haushaltsdefiziten befinden sich auf Konsolidierungskurs. So erwarten wir, dass von der Finanzpolitik sowohl in diesem als auch nächsten Jahr ein negativer Impuls auf die Konjunktur im Euroraum ausgehen wird.
Der Prognose liegt die Annahme zugrunde, dass sich die Verspannungen an den Finanzmärkten in der nächsten Zeit verringern. Dazu beitragen dürfte die Ankündigung der EZB unter bestimmten Umständen Staatsanleihen der Krisenländer auf dem Sekundärmarkt zu erwerben. Darüber hinaus wurden Schritte zur Sanierung des spanischen Bankensektors eingeleitet. Allerdings ist die Politik von einer überzeugenden Lösung der Probleme immer noch weit entfernt; nach wie vor ist ein Konsens über die langfristige Ausgestaltung der Währungsunion nicht absehbar. Auch erfolgt die Umsetzung der notwendigen Strukturreformen in den Krisenländern nicht selten zögerlich. So könnte die Krise durch ein Aufbrechen politischer Widersprüche aufs Neue eskalieren mit der Folge eines neuerlichen Anstiegs der Unsicherheit und massiver Belastungen für die Konjunktur im Euroraum. Daher ist die Prognose mit beträchtlichen Unsicherheiten belastet.
Für das Jahr 2012 rechnen wir mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Euroraum um 0,4 Prozent. Im kommenden Jahr dürfte es leicht um 0,3 Prozent steigen. Im Euroraum ohne Deutschland dürfte die Konjunktur deutlich schwächer verlaufen. Die gesamtwirtschaftliche Aktivität wird in diesem Jahr wohl um 0,9 Prozent zurückgehen und im kommenden Jahr stagnieren. Die Inflationsrate wird im Durchschnitt des Jahres 2012 voraussichtlich 2,4 Prozent betragen, und erst im Verlauf des kommenden Jahres unter die 2-Prozent-Marke sinken. Die Arbeitslosenquote wird aufgrund der Rezession erneut steigen. Im Jahresdurchschnitt 2012 werden in etwa 11,3 Prozent der Erwerbspersonen ohne Arbeit sein; im nächsten Jahr dürfte sich ihr Anteil auf rund 12 Prozent erhöhen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der IfW Kiel.
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Quelle: DATEV eG