Die europäische Staatsschuldenkrise dämpft lt. Bankenverband derzeit die deutsche Wirtschaft, die im 2. Halbjahr kaum vom Fleck kommen wird. Wegen des noch guten 1. Halbjahrs dürfte im gesamten Jahr 2012 ein Wirtschaftswachstum von knapp 1 Prozent erreicht werden. Spätestens zum Jahreswechsel sollte sich aber eine Erholung abzeichnen.
Bankenverband, Pressemitteilung vom 19.09.2012
„Die europäische Staatsschuldenkrise dämpft derzeit die deutsche Wirtschaft „, stellt Hans-Joachim Massenberg, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bankenverbandes, am 19.09.2012 bei der Vorstellung der Herbst-Konjunkturprognose in Berlin fest. Dies sei besonders bei den Ausrüstungsinvestitionen zu erkennen. Diese schrumpfen bereits seit Jahresanfang. Und das obwohl extrem niedrige Zinsen und die hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit die Unternehmen eigentlich beflügeln sollten.
Die im Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik vertretenen Chefvolkswirte der privaten Banken gehen daher davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Halbjahr kaum vom Fleck kommen wird. Wegen des noch guten ersten Halbjahrs dürfte im gesamten Jahr 2012 ein Wirtschaftswachstum von knapp 1 Prozent erreicht werden. Spätestens zum Jahreswechsel sollte sich aber eine Erholung abzeichnen. Diese wird allerdings nur moderat ausfallen und bei leicht anziehenden vierteljährlichen Steigerungsraten im Jahresdurchschnitt 2013 zu einem Wirtschaftswachstum von etwas über 1 Prozent führen.
„Derzeit halten sich viele Unternehmen bei ihren Investitionen zurück. Sobald die negativen Folgen der Staatsschuldenkrise abklingen, sollte sich die gegenwärtige Blockade wieder lösen“, erklärt Massenberg. Zum einen sei damit zu rechnen, dass das Schrumpfen der Wirtschaft in den südeuropäischen Staaten allmählich zum Stillstand kommt. Zum anderen sollte das Risiko, dass die Währungsunion auseinanderbricht, sinken – nicht zuletzt auch wegen der jüngsten Entscheidungen der EZB und des Bundesverfassungsgerichts zum nun absehbaren Start des ESM.
„Das neue Ankaufprogramm der EZB für Staatsanleihen verfolgen wir dennoch mit sehr gemischten Gefühlen“, so Massenberg weiter. Kurzfristig wirke bereits die Ankündigung des Programms auf den Märkten. Auch seien Anstrengungen der Politik richtig, mit dem ESM einen dauerhaften Rettungsschirm bereitzustellen. „Die Hilfen der Euro-Staaten und die Risiken, die die EZB auf sich nimmt, sind allerdings nur zu rechtfertigen, wenn die betroffenen Länder mit umfassenden Reformen auch die Kernprobleme der aktuellen Krise angehen: mangelnde internationale Wettbewerbsfähigkeit, niedriges Wachstumspotenzial sowie eine wenig vertrauenserweckende Haushaltspolitik.“ Ohne nennenswerte Fortschritte auf diesen Feldern lasse sich die Krise nicht lösen. Hier seien jetzt die Regierungen in den einzelnen Euro-Staaten gefordert, den eingeschlagenen Kurs entschlossen fortzusetzen. Doch genauso wichtig wie ein entschlossenes Handeln sei es, die Reformen auch überzeugend zu vermitteln. „Gerade die Staatschefs müssen ihre Bevölkerung auf dem schwierigen Reformpfad mitnehmen. Jeder Eindruck, nur von außen zu Maßnahmen gedrängt zu werden, ohne selbst dahinter zu stehen, wäre fatal“, mahnt Massenberg.
Im Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bankenverbandes sind zurzeit 14 Chefvolkswirte von privaten Banken in Deutschland sowie des Bankenverbandes vertreten. Das Gremium veröffentlicht zweimal im Jahr eine Konjunkturprognose, die auf einer Umfrage unter den Mitgliedern des Ausschusses und der anschließenden Diskussion der Umfrageergebnisse beruht.
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Quelle: DATEV eG