Negativrekord bei Existenzgründungen droht: Weichen jetzt richtig stellen

Der Gründer-Boom ist Vergangenheit: 2012 werden nach Einschätzung des DIHK in Deutschland weniger neue Betriebe entstehen als je zuvor seit der Wiedervereinigung.

 

DIHK, Pressemitteilung vom 27.09.2012

 

Der Gründer-Boom ist Vergangenheit: 2012 werden nach Einschätzung des DIHK in Deutschland weniger neue Betriebe entstehen als je zuvor seit der Wiedervereinigung. Bürokratieabbau, bessere Finanzierungsmöglichkeiten sowie ein besseres Image der Unternehmer könnten die Gründerstarre lösen.

2012: Starker Rückgang bei Neugründungen…

70 Prozent der IHKs rechnen in ihren Regionen mit weniger Gründungen. Darauf basierend rechnet der DIHK mit weniger als 400.000 neuen Unternehmen – ein Negativrekord. Die Tendenz bestätigt das Statistische Bundesamt, schon im ersten Halbjahr 2012 wurden 7,2 Prozent weniger Betriebe gegründet als im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang kündigte sich schon im letzten Jahr an: 8,7 Prozent weniger Personen erkundigten sich 2011 bei den IHKs zur unternehmerischen Selbständigkeit.

… wegen noch immer guter Konjunktur

Arbeitslosigkeit ist hierzulande für 60 Prozent aller Gründungsinteressierten das Hauptmotiv zur Selbständigkeit. Folglich ziehen die seit Jahren sinkenden Arbeitslosenzahlen geringere Gründerzahlen nach sich.

… wegen hohem Sicherheitsbedürfnis

Das in Deutschland recht ausgeprägte Bedürfnis nach Sicherheit hält viele hoch qualifizierte Fachkräfte vom Sprung in die Selbständigkeit ab. Sie ziehen gerade in Zeiten des Fachkräftemangels häufig eine gut dotierte Beschäftigung als Arbeitnehmer dem „Abenteuer Gründung“ vor.

… wegen strengerer Gründungsförderung für Arbeitslose

Auf den Gründungszuschuss für Arbeitslose gab es bis Jahresende 2011 einen Rechtsanspruch, nun ist die Bewilligung in das Ermessen der Arbeitsagenturen gestellt. Zudem wurden die Zuschüsse gekürzt. Dennoch ist der Zusammenhang nicht so stark wie manchmal vermutet: Während im ersten Halbjahr 81 Prozent weniger Arbeitslose mit dem Gründungszuschuss gefördert wurde als im Vorjahreszeitraum, sank die Zahl der Kleingründungen, die vor allem von Arbeitslosen unternommen werden, mit 14,2 Prozent längst nicht so drastisch.

Gründerstarre lösen -drei Stellschrauben:

 
  1. Konsequenter Bürokratieabbau würde Existenzgründungen attraktiver machen. Die Länder sollten den IHKs das Angebot der rechtsgültigen Gewerbeanzeige ermöglichen. So erhielten Gründer einen Komplettservice aus Beratung und Hilfe bei der Erledigung von Formalia. Das würde den mühsamen Weg von Pontius zu Pilatus ersparen.
  2. Der private Markt für Beteiligungskapital muss belebt werden. Dringend erforderlich ist ein tragfähiger gesetzlicher Rahmen für Investoren. Derzeit kann sich ein ausländischer Investor nicht sicher sein, ob seine in Deutschland erzielten Beteiligungsgewinne zusätzlich zum Heimatland auch hierzulande besteuert werden. Zudem sollte die Begrenzung des Verlustvortrages gelockert werden, diese macht derzeit Investments in
    innovative Gründungen, die von langen Vorlaufzeiten und oft unsicherem Markterfolg geprägt sind, unattraktiv.
  3. Junge Menschen brauchen viel mehr Informationen über die Chancen und
    Herausforderungen der Selbstständigkeit. Hierzu müssen Schulen, Hochschulen und Politik ebenso beitragen wie auch die Wirtschaft. Denn wer könnte besser für den Beruf „Unternehmer“ werben als die Unternehmer selbst.

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Quelle: DATEV eG