Das größte Fachkräftepotenzial in Deutschland liegt bei Frauen, die nicht oder nur in geringem Maße erwerbstätig sind. Daher plädiert der DIHK für eine partnerschaftlichere Arbeitsteilung, von der Eltern und Wirtschaft gleichermaßen profitieren könnten. Allerdings müssten solche Modelle individuellen Lösungen Raum lassen und dürften nicht gesetzlich verordnet werden.
DIHK, Mitteilung vom 10.04.2014
Bis 2025 wird das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland um mehrere Millionen sinken. Schon heute sehen 37 Prozent der Unternehmen im Fachkräftemangel ein Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Um diesem Trend entgegenzuwirken, bedarf es zukunftsorientierter Strategien. Das größte Fachkräftepotenzial liegt hierzulande bei den Frauen, die bislang häufig nicht oder nur in geringem Maße erwerbstätig sind. Fast jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet Teilzeit – mit durchschnittlich nur 18,6 Stunden pro Woche. Würden Frauen in Deutschland so viele Wochenstunden arbeiten wie z. B. schwedische Frauen, könnten wir 2,1 Millionen Vollzeitarbeitsplätze mehr besetzen. Eine partnerschaftliche Arbeitsteilung kann hier einen Beitrag leisten, von dem Eltern und die Wirtschaft insgesamt profitieren.
40 plus 40 plus Familie ist kaum möglich
Vollzeitarbeit und Familienaufgaben sind in der Regel schwer miteinander zu vereinbaren, viele Frauen arbeiten deshalb Teilzeit. Zugleich würde die Hälfte der teilzeitbeschäftigten Frauen ihre Arbeitszeit aber gerne ausweiten. Gleichzeitig sind Väter immer öfter bereit, mehr Familienaufgaben wahrzunehmen. Die Grundidee: Väter, die das wollen, reduzieren dort, wo das betrieblich möglich ist, ihre Arbeitszeit in Absprache mit dem Chef ein wenig.
Die so entlasteten Mütter haben dann den Spielraum, ihre Wochenstunden aufzustocken, woran oft die Unternehmen ebenfalls ein Interesse haben. Bei der richtigen Organisation könnten beide Partner zum Beispiel jeweils 35 Stunden arbeiten, möglichst in der Summe mehr Stunden als zuvor. Denn gesamtwirtschaftlich ist es wichtig, dass Eltern ihre Potenziale am Arbeitsmarkt insgesamt besser nutzen können als bisher. Letztlich würde auch der Staat durch steigende Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge profitieren.
Individuellen Lösungen Raum lassen
Solche Modelle dürfen weder für Paare, noch für Betriebe zum Zwang werden. Flexible Arbeitszeitveränderungen funktionieren nur, wenn sie sich mit den betrieblichen Erfordernissen in Einklang bringen lassen. Gerade für kleine Betriebe ist es schwierig, diese häufigeren, aber geringeren Arbeitszeitreduktionen zu kompensieren: Für fünf Stunden kann man niemanden extra einstellen, gerade bei anspruchsvolleren Tätigkeiten.
Allerdings sind vollzeitnahe Teilzeittätigkeiten in der Regel viel besser für die Betriebe nutzbar als geringere Arbeitszeiten. In jedem Fall ist es daher wichtig, dass Betriebe und ihre Beschäftigten jeweils für beide Seiten passende Lösungen finden.
Kein Platz für Rechtsansprüche
Möglichkeiten für Eltern, sich für eine partnerschaftliche Arbeitsteilung zu entscheiden, gibt es im Rahmen der bestehenden gesetzlichen Elternzeit- und Teilzeitbestimmungen.
Weitergehende Regelungen, wie etwa einen Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit oder Ähnliches, lehnt die IHK-Organisation ab. Unternehmen haben ein eigenes Interesse daran, gemeinsam mit ihren Mitarbeitern nach Lösungen zu suchen. 80 Prozent der Unternehmen bieten bereits flexible und familienorientierte Arbeitszeitmodelle an. Mit weiteren Rechtsansprüchen in diesem Bereich wäre den Unternehmen die Möglichkeit genommen, sich als attraktiver Arbeitgeber mit einer familienorientierten Personalpolitik einen Vorsprung im Wettbewerb um Fachkräfte zu verschaffen.
Kinderbetreuung ist das A und O
Individuelle Arbeitszeitvereinbarungen zwischen Unternehmen und Beschäftigten gehen aber nicht ohne gesicherte und gute Kinderbetreuung. Der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für unter Dreijährige war ein wichtiger Schritt. Doch wenn das Kind in die Grundschule kommt und dann mittags vor der Tür steht, haben die Eltern erneut ein Problem. Ein perspektivischer Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz für alle Eltern, die das wünschen, könnte hier Abhilfe schaffen.
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Quelle: DATEV eG