Der Optimismus der deutschen Verbraucher wächst lt. GfK-Konsumklimastudie weiter. Für April prognostiziert der Gesamtindikator 10,0 Punkte nach 9,7 Zählern im März. Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung legen noch einmal zu.
Ergebnisse der GfK-Konsumklimastudie für Deutschland für März 2015
GfK, Pressemitteilung vom 26.03.2015
Der Optimismus der deutschen Verbraucher wächst weiter. Für April prognostiziert der Gesamtindikator 10,0 Punkte nach 9,7 Zählern im März. Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung legen noch einmal zu.
Das Tauziehen in Europa um die Zukunft Griechenlands lässt die deutschen Verbraucher im Hinblick auf ihre Konsumstimmung derzeit völlig unbeeindruckt. Gestützt auf einen schwachen Euro, der die Exporte stimuliert, sowie niedrige Energiekosten sehen die Konsumenten die deutsche Wirtschaft klar im Aufwärtstrend. Im Sog steigender Konjunkturaussichten verbessern sich auch die Einkommenserwartung und die Anschaffungsneigung noch einmal und toppen ihre Spitzenwerte aus dem Vormonat.
Konjunkturerwartung: Der Aufschwung stabilisiert sich
Auch im März setzt sich die Aufwärtsbewegung der Konjunkturerwartung ungebremst fort. Der Indikator gewinnt 9,6 Punkte und steigt auf 36,8 Zähler. Dies ist bereits der vierte Anstieg in Folge. Ein höherer Wert wurde zuletzt im Juli 2014 mit 45,9 Punkten gemessen. Damit hat sich der Aufwärtstrend des Konjunkturindikators klar stabilisiert.
Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank setzt den Euro unter starken Abwertungsdruck setzt. Damit verbessert sich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exporte in den Nicht-Euro-Raum stark. Außerdem wirken die überaus niedrigen Energiekosten für Haushalte und Unternehmen wie ein kleines Konjunkturprogramm.
Als Folge sehen die Wirtschaftsexperten die ursprüngliche Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt von 1,5 Prozent in diesem Jahr als zu konservativ an. Sie rechnen inzwischen mit einem Plus von fast 2 Prozent.
Auch die Unternehmen sehen die deutsche Wirtschaft klar im Aufwind, wie der fünfte Anstieg in Folge des ifo-Geschäftsklimas im März belegt.
Einkommenserwartung: Aufwärtstrend setzt sich fort
Im Sog der signifikant gestiegenen Konjunkturaussichten legen auch die Einkommenserwartungen zu. Nach einem Plus von 2,5 Punkten steigt der Indikator auf 53,1 Zähler. Dies ist der dritte Anstieg in Folge auf einem ohnehin sehr hohen Niveau.
Die Kombination aus steigender Beschäftigung, guten Tarifabschlüssen und sehr niedriger Inflation lässt den Einkommensoptimismus der Verbraucher weiter wachsen. Und dieser Optimismus ist nicht unbegründet. So haben die ersten Tarifabschlüsse in der Metall- und Elektroindustrie in Höhe von 3,4 Prozent sicherlich eine gewisse Signalfunktion für viele Beschäftigte in anderen Branchen. Sie können in diesem Jahr auf signifikante, reale Lohnzuwächse hoffen. Und da die Renten eng an die Entwicklung der Löhne und Gehälter gekoppelt sind, werden auch die Rentner in diesem Jahr mit deutlichen realen Einkommenssteigerungen rechnen können. So sollen nach Informationen der Regierung zum 1. Juli dieses Jahres die Altersbezüge im Westen um 2,1 Prozent und in den neuen Ländern um 2,5 Prozent angehoben werden.
Anschaffungsneigung mit sechstem Anstieg in Folge
Mit dem sechsten Anstieg in Folge übertrifft die Anschaffungsneigung zum wiederholten Male ihr Acht-Jahres-Hoch. Nach einem Plus von 3,9 Punkten klettert der Indikator auf 63 Punkte. Damit fehlen der Konsumneigung nur noch knapp eineinhalb Punkte zum historischen Höchststand, der im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung im Oktober 2006 mit 64,4 Zählern zu verzeichnen war.
Die Gründe für den Höhenflug der Anschaffungsneigung liegen auf der Hand: Steigende Beschäftigung und Einkommensaussichten sowie niedrige Energiepreise geben den Konsumenten Planungssicherheit, aber auch die finanziellen Mittel, um verstärkt größere Anschaffungen zu tätigen.
Darüber hinaus dürfte sicherlich auch die Geldpolitik der EZB, deren Ziel es ist, die Zinsen in den Keller zu drücken, die Konsumlust fördern, da die Alternative – das Sparen – derzeit wenig attraktiv ist. Die Sparneigung verbleibt weiter im Keller, wenn auch im März ein leichter Anstieg zu verzeichnen ist.
Konsumklima: höchster Wert seit über 13 Jahren
Für April 2015 prognostiziert der Gesamtindikator 10,0 Punkte nach 9,7 Zählern im März. Das ist der höchste Wert seit Oktober 2001. Damals stand er bei 11,0 Punkten. Damit setzt das Konsumklima in Deutschland seinen Aufschwung fort.
GfK bestätigt seine Prognose von Beginn dieses Jahres, wonach die realen privaten Konsumausgaben 2015 um etwa 1,5 Prozent steigen werden. Sie werden damit eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur sein.
Trotz dieses positiven Ausblicks bleiben aber Risiken. Auch wenn sich die Bundesbürger momentan offenbar unbeeindruckt zeigen, könnte das derzeitige Ringen um die Zukunft Griechenlands aufgrund der nicht kalkulierbaren Risiken die Konsumenten in Deutschland in den nächsten Monaten auch verunsichern. Gibt es tatsächlich einen „Grexit“, also die Abkehr Griechenlands vom Euro und damit den Austritt aus dem Euro-Raum, könnte dies der Konsumkonjunktur einen herben Rückschlag versetzen.
Zur Studie
Die Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie „GfK-Konsumklima MAXX“ und basieren auf monatlich rund 2.000 Verbraucherinterviews, die im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt werden. In diesem Report werden die Indikatoren grafisch aufbereitet, prognostiziert und ausführlich kommentiert. Darüber hinaus finden sich darin auch Informationen über die Ausgabevorhaben der Verbraucher für 20 Bereiche der Gebrauchsgüter-, Verbrauchsgüter- und Dienstleistungsmärkte. Die GfK-Konsumklimastudie wird seit 1980 durchgeführt.
Das Konsumklima bezieht explizit auf die gesamten privaten Konsumausgaben. Der Einzelhandel macht jedoch – je nach Abgrenzung – lediglich etwa 30 Prozent der privaten Konsumausgaben aus. Der Rest sind Dienstleistungen, Reisen, Miete, Gesundheitsdienstleistungen sowie der gesamte Wellness-Bereich.
GfK prognostiziert für das Jahr 2015 einen Anstieg des privaten Konsums von 1,5 Prozent.
Auch hierbei geht es nicht um die Einzelhandelsumsätze, sondern um die gesamten Konsumausgaben der Verbraucher. Im vergangenen Jahr prognostizierte GfK ebenfalls einen Anstieg des privaten Konsums um 1,5 Prozent. Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist der private Konsum im Jahr 2014 real um 1,2 Prozent gestiegen.
Die Anschaffungsneigung ist – wie alle anderen Indikatoren auch – ein Stimmungsindikator. Sie fragt, ob die Verbraucher es derzeit für ratsam halten, größere Anschaffungen zu tätigen.
Selbst wenn sie dies mit „Ja“ beantworten, müssen noch zwei weitere Voraussetzungen für einen Kauf vorhanden sein: Der Verbraucher muss das nötige Geld für eine solche größere Anschaffung besitzen und auch eine Notwendigkeit für diese Anschaffung sehen. Zudem handelt es sich hier tatsächlich ausschließlich um langlebige Gebrauchsgüter, die auch ein größeres Budget erfordern.
Die Ergebnisse der Stimmungsbefragung stammen aus monatlich durchgeführten persönlichen Interviews bei etwa 2.000 Personen, die repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland sind. Dieses Befragungsinstrument unterliegt ständigen Qualitätskontrollen, vor allem auch im Hinblick auf seine Repräsentativität. Die ausgesprochen hohe Qualität dieser Erhebung zeigt sich auch daran, dass sie für Umfragen im Bereich der empirischen Rechtsforschung (z. B. Verwechslungsgefahr von Produkten) verwendet und anerkannt ist.
Das heißt, die Ergebnisse haben Gutachterqualität und müssen jeweils vor Gericht standhalten.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der GfK.
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Quelle: DATEV eG