Die deutsche Wirtschaft dürfte dem DIW Berlin zufolge in diesem Jahr trotz des eingetrübten weltwirtschaftlichen Umfelds um 1,6 Prozent wachsen. Damit halten die Konjunkturforscher ihre Prognose im Vergleich zum Dezember 2015 nahezu stabil.
Deutsche Wirtschaft trotz schwierigen Fahrwassers auf Wachstumskurs
Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 1,6 Prozent steigen – Robuster Arbeitsmarkt, steigende Löhne und Ausgaben für Geflüchtete befeuern Konsum – Investitionen und Weltwirtschaft dämpfen Wachstum
DIW Berlin, Pressemitteilung vom 16.03.2016
Die Risiken für die Weltkonjunktur haben zugenommen. Insbesondere die erhöhte Volatilität an den Finanzmärkten und die teilweise Verschlechterung der privaten Finanzierungsbedingungen könnten das Wachstum belasten. Die niedrigen Ölpreise setzen zudem Energieunternehmen, deren Gläubiger und die Staatshaushalte rohstoffexportierender Länder zunehmend unter Druck. Auf den Finanzmärkten könnte es erneut zu Verwerfungen kommen. Ein weiteres Risiko für die Prognose besteht in fortbestehender Deflation im Euroraum. Sie würde zu Kaufzurückhaltung bei Haushalten führen und den privaten sowie staatlichen Schuldenabbau erschweren. Schließlich gibt es in Europa politische Differenzen, etwa hinsichtlich der mit den Flüchtlingsströmen verbundenen Herausforderungen, die den politischen Integrationsprozess umkehren könnten. Sollte die Transformation der chinesischen Wirtschaft – anders als für die DIW-Prognose unterstellt – doch zu größeren Verwerfungen führen, würde dies die Weltkonjunktur und damit insbesondere die international stark verflochtene deutsche Wirtschaft spürbar belasten.
Weltwirtschaft kommt kaum in Schwung
Die Weltwirtschaft kommt nur allmählich wieder in Fahrt. Die niedrigen Rohstoffpreise – insbesondere beim Öl – sorgen für ein zweigeteiltes Bild: Auf der einen Seite brechen in rohstoffexportierenden Ländern wie Brasilien und Russland Einnahmen weg und die Staatshaushalte geraten zunehmend unter Druck. Auf der anderen Seite sind die niedrigen Energiepreise in vielen Industrieländern ein wichtiger Impulsgeber, da sie die Kaufkraft stärken und die Binnennachfrage antreiben. Insgesamt sind es hauptsächlich die Schwellenländer, die das globale Wachstum dämpfen: So schwächt sich die Konjunktur in China aufgrund von Überkapazitäten im Industriesektor und der Umstellung auf eine eher konsumorientierte Wirtschaftsstruktur weiter ab. Größere Verwerfungen erwartet das DIW Berlin aber nicht. Unter dem Strich dürfte die Weltwirtschaft in diesem Jahr nur um 3,3 Prozent wachsen. Für das kommende Jahr ist mit 3,7 Prozent ein etwas kräftigeres Plus zu erwarten, wenn sich die Konjunktur in einigen Schwellenländern auch aufgrund wieder stabilerer Rohstoffpreise etwas erholt.
Industrieproduktion in Deutschland kommt wieder in Schwung – Treiber des Wachstums ist aber nach wie vor der private Konsum
Im Zuge einer langsam wieder steigenden Auslandsnachfrage dürften auch die deutschen Ausfuhren wieder an Tempo gewinnen. Weil der Exportmotor derzeit aber noch stottert, vor allem aber weil Sorgen über das außenwirtschaftliche Umfeld belasten, halten sich viele Unternehmen weiterhin mit Investitionen zurück. In der zweiten Jahreshälfte 2015 sind die privaten Ausrüstungsinvestitionen sogar gesunken. Die rückläufige Industrieproduktion war jedoch vorübergehender Natur, bereits zum Jahresauftakt legte sie wieder zu. Vor allem die Binnenkonjunktur hat zum Wachstum beigetragen – und wird dies auch weiterhin tun. Der private Verbrauch profitiert von der ölpreisbedingt geringen Teuerung, Lohnsteigerungen und dem anhaltenden Beschäftigungsaufbau. Zwar wird die Arbeitslosenquote, nachdem sie in diesem Jahr erneut sinkt (auf 6,2 Prozent), im kommenden Jahr auf 6,6 Prozent steigen – allerdings nicht, weil Beschäftigung abgebaut würde, sondern weil immer mehr nach Deutschland geflüchtete Menschen eine Arbeitserlaubnis erhalten und die Zahl der Erwerbspersonen daher schneller steigen dürfte als die der Beschäftigten.
Die öffentlichen Haushalte werden trotz der Mehrausgaben in Zusammenhang mit der Flüchtlingsmigration voraussichtlich auch in den Jahren 2016 und 2017 mit Überschüssen abschließen. Die Steuereinnahmen nehmen weiter deutlich zu, insbesondere die Sozialbeiträge steigen aber kräftig. Allerdings expandieren die Ausgaben noch stärker – vor allem, weil die Ausgaben des Staates in Zusammenhang mit der Flüchtlingsmigration in diesem Jahr bei 15 Milliarden Euro und im kommenden Jahr bei 18,3 Milliarden Euro liegen werden. Der Finanzierungssaldo sinkt von 0,6 Prozent im vergangenen Jahr auf 0,5 Prozent in diesem und 0,4 Prozent im kommenden Jahr.
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DIW Wochenbericht 11/2016
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Quelle: DATEV eG