47 Prozent der deutschen Industriebetriebe wollen 2016 jenseits der Grenzen investieren. Das zeigt die aktuelle Umfrage „Auslandsinvestitionen in der Industrie“, die der DIHK vorgelegt hat.
Deutsche Industrie weiterhin stark im Ausland engagiert
„Europa schließt die Lücke, die China öffnet“
DIHK, Pressemitteilung vom 29.04.2016
„Die deutschen Industrieunternehmen bleiben global äußerst aktiv“, fasste DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier die Ergebnisse der Untersuchung, die auf den Antworten von rund 2.500 Betrieben beruht, gegenüber der “ Frankfurter Allgemeinen Zeitung “ zusammen. „Ihre Auslandsinvestitionen entwickeln sich auch 2016 dynamischer als die inländischen. Die dafür eingesetzten Budgets steigen sogar leicht gegenüber 2015.“
Allerdings sind es laut Treier seit 2013 zunehmend Kostenüberlegungen, die die Betriebe ins Ausland treiben – entsprechend würden Auslandsinvestitionen wieder zulasten des Inlands vorgenommen. Das Kostenmotiv steige im dritten Jahr in Folge: „Rund ein Viertel der Investoren geht aus diesem Grund ins Ausland – vor drei Jahren war es nur jeder fünfte“, erläuterte der DIHK-Außenwirtschaftschef.
Die Kostenstruktur hierzulande habe sich durch vergleichsweise hohe Energiepreise und steigende Arbeitskosten verschlechtert. Zudem komme in den Planungen der Betriebe die unternehmerische Sorge zum Ausdruck, dass eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts derzeit kaum auf der politischen Agenda zu finden sei.
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Europa gewinnt als Zielregion weiter an Bedeutung. Fast drei Viertel der Unternehmen, die 2016 im Ausland investieren wollten, setzten auf andere EU-Standorte, berichtete Treier, „- so viele wie nie seit der Finanzkrise“.
Der DIHK-Außenwirtschaftschef sieht darin einen Beleg für die „Fitnesskur“, der sich viele EU-Länder in puncto Wettbewerbsfähigkeit unterzogen hätten. „Zudem unterstreicht es die enorme Bedeutung des EU-Binnenmarktes für die deutsche Wirtschaft.“
Vor dem Hintergrund, dass sich diese Märkte in der Regel auch von Deutschland aus beliefern ließen, dominierten bei den Auslandsinvestitionen die Aspekte Vertrieb und Service, so Treier. „Einer reibungslosen Lieferung können Grenzkontrollen an Binnengrenzen freilich einen Strich durch die Rechnung machen.“
Unter den Zielregionen hält der langjährige Spitzenreiter China 2016 zumindest Platz zwei. Allerdings ist die Volksrepublik nur noch für 37 Prozent der im Ausland investierenden Unternehmen eine Zielregion – 2015 galt das noch für 45 Prozent. „Die Verlangsamung des Wachstums, Überkapazitäten, Börsenturbulenzen, die Angst vor dem Platzen einer Immobilienblase und Umweltprobleme hinterlassen Spuren“, erklärte der DIHK-Außenwirtschaftschef die Entwicklung. „Europa schließt damit die Lücke, die China öffnet.“
Insgesamt profitiere der Standort Deutschland bislang von den Auslandsinvestitionen, so sein Resümee: „Der DIHK rechnet in diesem Jahr mit 15.000 zusätzlichen Industriearbeitsplätzen im Inland, die dadurch entstehen, dass die Betriebe durch Auslandsinvestitionen ihre Position auf dem Weltmarkt stärken.“ Bei einer vorteilhafteren Kostensituation in Deutschland könnte es nach Treiers Einschätzung aber zu einem stärkeren Beschäftigungsplus kommen.
Weltweit bringen die deutschen Auslandsinvestitionen sogar ein Plus von 200.000 Arbeitsplätzen, sodass dort am Jahresende erstmals mehr als 7,2 Millionen Beschäftigte in deutschen Unternehmen arbeiten.
-
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des DIHK.
———————-
Quelle: DATEV eG