Aktuelle HWWI-Konjunkturprognose im Juni

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland aktualisiert und angesichts des über Erwarten günstigen ersten Quartals leicht angehoben. Für dieses Jahr wird wegen der erhöhten Ausgangslage nun ein Wirtschaftswachstum von 1,5 % erwartet.

 

Aktuelle HWWI-Konjunkturprognose im Juni

 

HWWI, Pressemitteilungen vom 07.06.2016

 

  • Wirtschaftsleistung in Deutschland wächst dieses Jahr um 1,5 %
  • Gute Binnenkonjunktur, negativer Wachstumsbeitrag von außen

 

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland aktualisiert und angesichts des über Erwarten günstigen ersten Quartals leicht angehoben. Für dieses Jahr wird wegen der erhöhten Ausgangslage nun ein Wirtschaftswachstum von 1,5 % erwartet. Für das Jahr 2017 wird bei stabiler Aufwärtsentwicklung der Konjunktur, aber wegen eines geringeren Überhangs, mit einem Wachstum von 1,3 % gerechnet. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin recht positiv; die zuwanderungsbedingte Erhöhung des Erwerbspersonenpotentials hat die Arbeitslosigkeit bisher nicht ansteigen lassen. Bei den Verbraucherpreisen ist die Trendwende eingeleitet und sie werden wieder anziehen.

 

Im Detail

Die deutsche Wirtschaft verzeichnete im ersten Quartal ein kräftiges Wachstum. Dabei wurde die gute Binnenkonjunktur allerdings durch Sondereinflüsse zusätzlich begünstigt. Dank des milden Winters konnte die Bautätigkeit stärker als saisonüblich ausgeweitet werden. Zudem stiegen die Ausgaben aufgrund des bis zur Jahreswende starken Flüchtlingszustroms nochmals deutlich. Staat und private Haushalte weiteten so ihre Konsumausgaben merklich aus, letztere auch dank der deutlich gestiegenen Realeinkommen. Positiv zu verzeichnen ist zudem das Wiederanspringen der Unternehmensinvestitionen. Von außenwirtschaftlicher Seite hielten jedoch die bremsenden Einflüsse an. Die Exporte haben bei schwacher Weltkonjunktur nur wenig zugenommen. Die Importe entwickelten sich aufgrund der günstigen Binnenkonjunktur hingegen besser. Der Wachstumsimpuls von außen war somit insgesamt negativ. Die Arbeitsmarktsituation verbesserte sich bei dieser gesamtwirtschaftlichen Entwicklung weiter. Die Verbraucherpreise haben inzwischen ihren Tiefpunkt durchschritten, nachdem Öl- und andere Rohstoffpreise wieder anziehen.

 

Das im ersten Quartal überraschend kräftige Wachstum wird sich, ohne dass sich die konjunkturelle Grundtendenz grundsätzlich ändert, so nicht fortsetzen. Der Flüchtlingszustrom hat erheblich nachgelassen, die dadurch bedingten Ausgaben werden folglich sinken, und die witterungsbedingt positiven Einflüsse im ersten Quartal werden sich im zweiten Quartal in der Saisonbereinigung in einer „Normalisierung“ niederschlagen und dann die laufende Wachstumsrate merklich dämpfen. Unabhängig von derart statistischen Einflüssen wird die Inlandsnachfrage stabil bleiben. Die gute Beschäftigungsentwicklung und die steigenden Realeinkommen stützen den privaten Konsum. Die Bautätigkeit wird zudem durch historisch niedrige Zinsen getrieben. Auch scheinen nun die Unternehmensinvestitionen wieder an Fahrt zu gewinnen. Schwachpunkt der Konjunkturentwicklung bleibt vorläufig die außenwirtschaftliche Entwicklung. Die Importe werden aufgrund der günstigen Binnenkonjunktur weiterhin stärker zunehmen als die Exporte bei schwächelnder Weltkonjunktur. Insgesamt wird das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1 ½ % zunehmen.

 

Auch im nächsten Jahr bleibt die Binnenwirtschaft die Wachstumsstütze in Deutschland, doch dürfte die Dynamik einzelner Aggregate der Inlandsnachfrage etwas nachlassen. Speziell der private Konsum wird bei wieder anziehenden Preisen nicht mehr so kräftig zulegen. Auf der anderen Seite besteht die Hoffnung, dass sich die Weltkonjunktur und damit die Auslandsnachfrage wieder belebt. Unter diesen Bedingungen sollte sich im nächsten Jahr die konjunkturelle Aufwärtsbewegung fortsetzen. Wegen des geringeren Überhangs Ende 2016 im Vergleich zu 2015 ist jedoch mit einer etwas niedrigeren Wachstumsrate von 1 ¼ % zu rechnen.

 

Die Beschäftigung wird im Prognosezeitraum weiter zunehmen, doch dürfte sich der Anstieg verlangsamen. Da sich durch die Nettozuwanderung und die erhöhte Erwerbsbeteiligung allerdings zugleich das Erwerbspersonenpotenzial vergrößert, ist im kommenden Jahr nach langer Zeit wieder mit einem leichten Anstieg der Zahl der Arbeitslosen zu rechnen.

 

Die Verbraucherpreise werden schon in nächster Zukunft wieder merklicher anziehen. Dazu tragen sowohl die Umkehr bei der Entwicklung der Öl- und anderer Rohstoffpreise bei, wie auch deutlich gestiegene Löhne. Die Lohnstückkosten haben sich in den letzten Jahren merklich erhöht, zumal die günstige Beschäftigungsentwicklung mit einem relativ geringen Produktivitätsanstieg einherging. Bei sich weiter bessernder Konjunktur eröffnen sich auch wieder mehr Überwälzungsspielräume.

 

Risiken für diese Prognose liegen in den vielfältigen geopolitischen und weltwirtschaftlichen Unsicherheiten. Erhebliche Gefahren liegen insbesondere in der labilen Wirtschaftsentwicklung zahlreicher Schwellenländer, wobei diese teils noch mit politischen Krisen einhergehen. Unter diesen Umständen ist auch unsicher wie nachhaltig die zuletzt eingetretene Stabilisierung der Öl- und anderer Rohstoffpreise ist, die für viele der vorgenannten Länder auch wichtig für deren gesamtwirtschaftliche Stabilisierung ist.

 

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Quelle: DATEV eG