IMK-Konjunkturindikator springt auf „rot“ – Strategisches Investitionsprogramm kann Folgen einer Rezession mildern
Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 12.09.2019
„Die bisherige Hoffnung, dass die gute Inlandsnachfrage Deutschland vor der Rezession retten kann, schwindet zunehmend“, sagt Prof. Dr. Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des IMK. Nun sei die Wirtschaftspolitik in Deutschland gefragt, um einer Rezession gegenzusteuern oder zumindest ihre Effekte abzumildern. Zudem, so Dullien „erhöht sich der Druck auf die Europäische Zentralbank, die Geldpolitik weiter zu lockern.“
Der starke Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit basiert nach Analyse des IMK auf einer breiten Palette von Frühindikatoren. Darunter sind rückläufige Zahlen für die Produktion und für die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe, weniger offene Stellen auf dem deutschen Arbeitsmarkt und eine gedrückte Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Stabilisiert wird das Prognoseresultat demgegenüber nur durch die mittelfristig weiter günstigen Finanzierungsbedingungen für Unternehmen sowie durch die etwas bessere Entwicklung der Aktienkurse. Entscheidend für die Eintrübung des Indikators sind laut IMK die beträchtlichen außenwirtschaftlichen Risiken, also ein harter Brexit, die US-Handelskonflikte und geopolitische Spannungen. Hinzu kämen strukturelle Schwächen deutscher Schlüsselindustrien wie der Automobilindustrie, die sich derzeit etwa in verzögerter Markeinführung neuer Modelle, einem Modellportfolio, das nicht der aktuellen Nachfrage entspricht, sowie der Unsicherheit über künftige Antriebstechnologien zeigten.
„Mit den vorliegenden Ergebnissen mehren sich die Indizien dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt auch im dritten Quartal des Jahres zurückgehen wird“, sagt Dr. Thomas Theobald, Experte für Finanzmärkte und Konjunktur am IMK. „Damit wäre Deutschland nach landläufiger Definition in der Rezession angekommen. Damit diese keine tiefen Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlässt, sollte die Wirtschaftspolitik möglichst zeitnah reagieren. Auch die Ankündigung eines strukturellen Ausbaus der öffentlichen Investitionen wäre jetzt hilfreich, da diese die Nachfrageaussichten der Unternehmen zu einem konjunkturell sinnvollen Zeitpunkt verbessert“, sagt der Forscher.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Hans-Böckler-Stiftung.
Powered by WPeMatico