IW Köln, Pressemitteilung vom 18.06.2026
Der Strukturwandel schreitet voran: Die Industrie reduziert Arbeitsplätze, die Stellenausschreibungen sind auf dem tiefsten Stand seit der Jahrtausendwende. Der Rückgang trifft die Regionen unterschiedlich stark, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Von 2019 bis 2025 sind rund 420.000 Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe weggefallen. Der Rückgang läuft dabei nicht über Massenentlassungen. Das Risiko, aus einer Industriestelle heraus arbeitslos zu werden, ist historisch niedrig; stattdessen besetzen Unternehmen freiwerdende Stellen nicht mehr nach. Zuletzt schrieb die Industrie so wenige Stellen aus wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Das zeigt eine IW-Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit.
Industriestarke Standorte halten sich noch
Die Entwicklung fällt regional sehr unterschiedlich aus. In industriestarken Kreisen, vor allem in Süddeutschland, entstanden bis 2019 überdurchschnittlich viele Industriearbeitsplätze. Seitdem wächst auch dort der Druck. Exemplarisch für den Deutschland-Trend stehen Kronach, Kassel und das Altenburger Land: Nach Beschäftigungsaufbau von 2014 bis 2019 folgte von 2019 bis 2024 ein Rückgang.
Zugleich driften die Regionen stärker auseinander, wie bereits ein Blick auf ausgewählte Regionen verrät. Erlangen verlor seit 2014 rund 34 Prozent seiner Industriearbeitsplätze, Gelsenkirchen knapp ein Drittel. Stuttgart dagegen legte von 2014 bis 2024 um mehr als ein Drittel zu. Den stärksten Aufbau verzeichnete der Landkreis Oder-Spree: Die Tesla-Fabrik in Grünheide verdoppelte die Industriebeschäftigung dort binnen weniger Jahre. Solche Einzeleffekte zeigen, dass regionale Standortpolitik wirkt – am bundesweiten Trend ändern sie gleichwohl wenig.
Warnsignal: Unternehmen verlieren Vertrauen in den Standort
Besserung ist nicht in Sicht: Laut IW-Konjunkturumfrage vom April wollen 37 Prozent der Industrieunternehmen in diesem Jahr Personal abbauen, nur 14 Prozent planen Neueinstellungen. Zwar sind industrietypische Berufe außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes seit 2014 um 15 Prozent gewachsen – Ingenieure und Techniker arbeiten zunehmend bei Dienstleistern. Doch die Industrialisierung des Dienstleistungssektors kann ins Stocken geraten, wenn die Krise länger anhält. „Die Entwicklung ist ein Warnsignal: Nicht die Entlassungen sind das Problem, sondern dass Unternehmen kaum noch einstellen. Eine Trendwende ist möglich – sie erfordert aber, dass Deutschland als Industriestandort wieder an Attraktivität gewinnt“, sagt IW-Arbeitsmarktexpertin Stefanie Seele.
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Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des IW Köln.
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.
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