EU-Digitalpolitik neu ausrichten: Mehr fördern, weniger überfordern

Die Europawahl markiert das Ende einer Legislaturperiode, die insbesondere im Digitalbereich eine enorme Menge an Gesetzen hervorgebracht hat. Doch wie geht es in der EU-Digitalpolitik weiter, fragt sich der DIHK. Die weitere Weichenstellung ist für die Wirtschaft von großer Bedeutung, denn die Ausrichtung der Digitalpolitik ist ein wesentlicher Faktor im globalen Wettbewerb, in dem sich der Wirtschaftsstandort Europa auch im Zuge der weltweiten Digitalisierung und harter Konkurrenz behaupten muss.

DIHK, Mitteilung vom 17.05.2024

Die Europawahl markiert das Ende einer Legislaturperiode, die insbesondere im Digitalbereich eine enorme Menge an Gesetzen hervorgebracht hat. Von Künstlicher Intelligenz über Datenökonomie bis zu Plattformen und vielen weiteren Themen sind neue Regeln für Unternehmen entstanden. Nun stellt sich die Frage, wie es in der EU-Digitalpolitik weitergehen soll. Die weitere Weichenstellung ist für die Wirtschaft – kleine wie große Betriebe quer durch alle Branchen – von großer Bedeutung. Denn die Ausrichtung der Digitalpolitik ist ein wesentlicher Faktor im globalen Wettbewerb, in dem sich der Wirtschaftsstandort Europa auch im Zuge der weltweiten Digitalisierung und harter Konkurrenz behaupten muss. Sie entscheidet auch darüber, wie Startups und klassische Betriebe künftig ihre Geschäfte auf der Basis von Daten zukunftsträchtig betreiben können.

Wirtschaftsstandort Europa stärken

Eine Vielzahl neuer Digitalregelungen haben in den vergangenen Jahren für etliche Bereiche wichtige Rechtssicherheit geschaffen, aber auch die Unternehmen mit neuen Verpflichtungen konfrontiert. Insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hat das häufig Überforderung ausgelöst und damit eigentlich notwendige Investitionen in digitale Zukunftstechnologien gebremst. So nannten in der DIHK-Digitalisierungsumfrage 2023 nahezu ein Drittel der Unternehmen rechtliche Unsicherheiten als Herausforderung bei der Digitalisierung. Im Bereich der Datennutzung ist der Punkt mit 62 Prozent sogar das meistgenannte Hindernis.

Daher darf die Prämisse der neuen EU-Kommission nicht sein, im gleichen Tempo weiter zu regulieren. Stattdessen sollte es nun darum gehen, die vorhandenen Gesetze sinnvoll aufeinander abzustimmen, ihre Implementierung zu vereinfachen und gleichzeitig Europas digitale Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten.

Maßnahmen zur Verbesserung der Digitalpolitik umsetzen

In einem aktuellen Impulspapier zur europäischen Digitalpolitik hat die DIHK konkret e Punkte auf der Basis vieler Rückmeldungen aus der unternehmerischen Praxis formuliert. So soll beispielsweise eine europaweit einheitliche Umsetzung der Regelungen dafür sorgen, dass Unternehmen gleiche rechtliche Bedingungen vorfinden. Dies trägt zur Stärkung des Standorts Europa bei – sowohl intern als auch im globalen Wettbewerb. Um dies zu erreichen, sollte die Kommission die Implementierung der Regeln aktiv vorantreiben und den Betrieben praktische Unterstützung in allen Amtssprachen anbieten, beispielsweise durch Leitlinien und „Fragen und Antworten“ (Q&As). Auf diese Weise können viele Anliegen direkt beantwortet werden, wie etwa welche Unternehmen betroffen sind und welche Regeln für spezielle Fälle gelten.

Um im internationalen Technologie-Wettbewerb gegen die USA und China zu bestehen, müssen Innovationen aus Europa mehr gefördert werden. Dies gelingt nur, wenn frühzeitig in Forschung, Entwicklung und die Ausbildung hochqualifizierter Arbeitskräfte investiert wird. Eine praxisorientierte berufliche Ausbildung mit starkem Einbezug der Wirtschaft und hohen Lernanteilen im real betrieblichen Arbeitsumfeld bleibt ein grundlegender Schwerpunkt. Die EU muss auch attraktiv für internationale Fachkräfte sein, um die europäische Position im globalen Wettbewerb um Talente zu stärken. Es ist wichtig, die Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups und KMU zu verbessern, um den Verlust von Wissen ins Ausland zu verhindern. Leicht zugängliche, bürokratiearme Förderprogramme sind entscheidend.

Laut der aktuellen DSGVO-Umfrage der DIHK geben auch fast sechs Jahre nach Anwendbarkeit der Datenschutzgrundverordnung 77 Prozent der Unternehmen an, dass die Umsetzung hohen bis extremen Aufwand mit sich bringt. Daraus ergibt sich, dass Erleichterungen dringend erforderlich sind, denn: Die Handhabung und Nutzung von Daten sind entscheidende Zukunftsthemen und für technologische Innovationen unerlässlich. Die Fortschritte im Bereich der Datenökonomie und des Datenzugangs, wie sie durch Gesetze wie den Data Act erzielt wurden, müssen in der nächsten Amtszeit konsequent fortgesetzt werden.

Auch eine sinnvolle Abstimmung der vielen Digitalgesetze ist wichtig. Nicht immer ist klar, wie weit sich ihr Geltungsbereich erstreckt und wie einzelne Regeln zusammenhängen. Eine Harmonisierung, beispielsweise zwischen der KI-Verordnung und sektorspezifischen Regeln zu Medizinprodukten oder Maschinen, aber auch mit der DSGVO, ist elementar. Damit einher geht die Notwendigkeit einer einheitlichen Umsetzung.

Immer wichtiger wird auch der Umgang mit Daten als Grundlage für einen Großteil von Zukunftstechnologien. Hohe Datenverfügbarkeit, aber auch realistische und praktikable Anforderungen an die Datenwirtschaft können hierzu beitragen. Auf noch grundlegenderer Ebene kann der digitale Wandel nur funktionieren, wenn die öffentliche Verwaltung umfassend digitalisiert und die digitale Infrastruktur wettbewerbsfähig gestaltet wird. Dies gelingt durch leistungsfähige und flächendeckende Glasfaser- und Mobilfunknetze und eine belastbare Supercomputing-Infrastruktur. Die DIHK-Digitalisierungsumfrage zeigt: Unternehmen sind erst ab der flächendeckenden Versorgung mit 1 Gbit/s durchgängig zufrieden. Auch der Digitalisierungsstand der öffentlichen Verwaltung wurde in diesem Kontext als ungenügend kritisiert. Konsequente Digitalisierung der Verwaltung könnte bürokratische Pflichten für Unternehmen effektiv reduzieren. Nicht zuletzt gilt es, Zukunftsthemen wie Quantentechnologien oder virtuelle Welten im Blick zu behalten – mit einem Fokus auf europäische Innovationsfähigkeit statt frühzeitiger (Über-)Regulierung.

Digitale europäische Zukunft gestalten

Die aufgestellten Forderungen zeigen, wohin der Weg gehen muss, wenn Europa im globalen Wettbewerb um Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit bestehen will. Gleichwohl sind sie nur ein erster Schritt – die nächsten Monate und Jahre gilt es, die Anforderungen im stetigen Austausch zwischen Unternehmen und Politik zu konkretisieren. Nur so kann dafür gesorgt werden, dass die Wirtschaft hoffnungsvoll in Richtung einer europäischen digitalen Zukunft blicken kann.

Quelle: DIHK

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Wirtschaftsstandort Deutschland – ein gemischtes Bild

Die systematische Betrachtung des Wirtschaftsstandorts Deutschland ergibt ein gemischtes Bild mit Stärken und Schwächen. Insgesamt besteht ein hoher Handlungsdruck, um die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts zu sichern. So die KfW.

KfW, KfW Research, Pressemitteilung vom 17.05.2024

  • Systematische Betrachtung der Standortfaktoren ergibt ein gemischtes Bild
  • Zu Stärken zählen Innovationskraft, die Logistikinfrastruktur und gut ausgebildete Arbeitskräfte
  • Zu den Herausforderungen gehören die ausgeprägte demografische Alterung, niedrige öffentliche Investitionen und hohe Unternehmenssteuern
  • Hoher Handlungsdruck zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit

„Die systematische Betrachtung des Wirtschaftsstandorts Deutschland ergibt ein gemischtes Bild mit Stärken und Schwächen. Insgesamt besteht ein hoher Handlungsdruck, um die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts zu sichern“, sagt KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib anlässlich der Vorstellung einer neuen Standortstudie von KfW Research. Die Analyse vergleicht zum einen fünf internationale Standort-Rankings, etwa von der Weltbank, dem International Institute for Management Development oder dem Weltwirtschaftsforum, zum anderen die G7-Staaten inklusive Deutschland sowie China und Schweden in 22 Standortindikatoren, und zwar in fünf Clustern: Arbeitsangebot, Kapitalangebot, Innovationsfähigkeit, Energieversorgung sowie staatliche Rahmenbedingungen und Abhängigkeiten.

„Selbst wenn bei den Stärken das Niveau der Indikatoren noch gut ist, legen deren Trends nahe, dass andere Wirtschaftsräume ihre Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich verbessern“, konstatiert Köhler-Geib. Bei der Einordnung ist relevant, dass Deutschland in der Periode von 2005 bis 2020 das einzige G7-Land war, dem es gelungen ist, beim kaufkraftbereinigten Pro-Kopf-Einkommen zu den USA aufzuschließen. Außerdem wuchsen von 2012 bis 2023 die deutschen Exporte von Waren und Dienstleistungen preisbereinigt um 27 % und damit schneller als etwa in Kanada (23 %) oder den USA (17 %).

Erst mit den Schocks, angefangen mit der Corona-Pandemie seit 2020, ist Deutschland auf hohem Niveau zurückgefallen.

„Die gute wirtschaftliche Entwicklung hat den Handlungsdruck bei den sich abzeichnenden strukturellen Herausforderungen lange verringert. Jetzt besteht in der konjunkturellen Schwäche die Gelegenheit, von einer in vielen Bereichen noch guten Ausgangslage die strukturellen Herausforderungen anzugehen“, sagt Köhler-Geib.

Die Innovationskraft zählt laut der Analyse zu Deutschlands Stärken, was insbesondere der Global Innovation Index belegt (Rang 8 von 132 Ländern). Es hapert jedoch beim Technologietransfer in kleinere Unternehmen und bei der Umsetzung von Erfindungen in Unternehmensgründungen. Dabei zeigt sich eine noch zu geringe Rolle der Wagniskapitalfinanzierung.

Weitere Stärken liegen beim Kapitalangebot durch einen guten Finanzierungszugang, auch für kleine und mittelständische Unternehmen, sowie bei einer international hervorragend bewerteten Transportinfrastruktur. Beim Infrastructure Score, als Teil des Weltbank-Logistic-Performance-Index, liegt Deutschland 2023 auf Rang 3 von 139 Ländern.

Während mittelständische Unternehmen die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften vielfach als Wettbewerbsvorteil wahrnehmen, gefährdet die demografische Entwicklung mit einem in den kommenden Jahren besonders ausgeprägten Rückgang der Erwerbsbevölkerung diese Stärke. Ein deutlich negativer Trend bei schulischen Grundqualifikationen im internationalen Vergleich zeigt mit Blick auf die Qualifikation zukünftiger Erwerbspersonen dringenden Handlungsbedarf auf. Weitere Schwächen sind laut den Zahlen relativ niedrige öffentliche Investitionen und hohe Unternehmenssteuern.

Auch wenn der Trend bei den deutschen Strom- und Gaspreisen seit 2023 wieder deutlich nach unten zeigt, hat Deutschland einen Kostennachteil bei der Energieversorgung, vor allem in Relation zu den USA und Kanada. Erforderlich seien „erhebliche öffentliche und private Investitionen in die Erzeugungskapazitäten sowie die damit verbundenen Technologien wie Stromnetze und Speicher“, sagt Köhler-Geib. In Sachen Energieeffizienz schneidet die deutsche Industrie der Untersuchung zufolge sehr gut ab, beim Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch befindet sich Deutschland jedoch nur im Mittelfeld.

„In einem Umfeld mit zunehmenden geopolitischen Konflikten und Handelsbeschränkungen ist Deutschland aufgrund seiner hohen Exportorientierung sehr verletzlich“, erklärt die KfW-Chefvolkswirtin. Die Diversifikation der deutschen Export- und Importmärkte sei zwar insgesamt hoch, China beim Handel und bei den Gewinnen aus Direktinvestitionen aber ein Klumpenrisiko. Beträchtliche Abhängigkeiten bestehen demnach außerdem in der deutschen Rohstoffversorgung, für die China und andere autoritär regierte oder instabile Staaten eine große Rolle spielen.

„Alles in allem zeigt die systematische Betrachtung der Standortfaktoren dringenden Handlungsdruck, auf Stärken aufzubauen und Schwächen in den Griff zu bekommen. Nur so lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland auch zukünftig sicherstellen“, sagt Köhler-Geib. In der Vergangenheit hätten die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft immer wieder bewiesen, dass der Standort Veränderungen bewältigt und sich an neue Gegebenheiten anpasst. Dazu müssten jetzt alle Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ihren Beitrag leisten.

Quelle: KfW

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Erwerbstätigkeit in Deutschland steigt im 1. Quartal 2024 leicht

Im 1. Quartal 2024 waren rund 45,8 Mio. Personen in Deutschland erwerbstätig. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes stieg die Erwerbstätigenzahl im Vergleich zum Vorquartal saisonbereinigt um 38.000 Personen (+0,1 %) nach einem Zuwachs von 21.000 Personen (0,0 %) im 4. Quartal 2023 und einem Rückgang von 10.000 Personen (0,0 %) im 3. Quartal 2023.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 17.05.2024

Dienstleistungen mit Beschäftigungszuwachs, Rückgänge im Produzierenden Gewerbe und im Baugewerbe

Erwerbstätige mit Arbeitsort in Deutschland, 1. Quartal 2024
+0,1 % zum Vorquartal (saisonbereinigt)
-0,9 % zum Vorquartal (nicht saisonbereinigt)
+0,3 % zum Vorjahresquartal

Im 1. Quartal 2024 waren rund 45,8 Millionen Personen in Deutschland erwerbstätig. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) stieg die Erwerbstätigenzahl im Vergleich zum Vorquartal saisonbereinigt um 38.000 Personen (+0,1 %) nach einem Zuwachs von 21.000 Personen (0,0 %) im 4. Quartal 2023 und einem Rückgang von 10.000 Personen (0,0 %) im 3. Quartal 2023. Damit hat sich die Erwerbstätigkeit zum Jahresbeginn 2024 leicht positiv entwickelt (siehe auch Pressemitteilung Nr. 171 zur Erwerbstätigkeit im März 2024 vom 30. April 2024).

Ohne Saisonbereinigung ging die Zahl der Erwerbstätigen gegenüber dem 4. Quartal 2023 um 404.000 Personen oder 0,9 % zurück. Ein Rückgang der Erwerbstätigkeit ist im 1. Quartal eines Jahres saisonal üblich. Im Jahr 2024 war die Abnahme allerdings stärker als im Durchschnitt der Jahre 2022 und 2023 (-283.000 Personen; -0,6 %).

Vorjahresvergleich: Aufwärtstrend weiter verlangsamt

Verglichen mit dem 1. Quartal 2023 stieg die Zahl der Erwerbstätigen im 1. Quartal 2024 um 129.000 Personen (+0,3 %). Damit setzte sich der Beschäftigungsanstieg im Vorjahresvergleich zwar weiter fort, die Dynamik ließ jedoch deutlich nach (4. Quartal 2023: +212.000 Personen; +0,5 %).

Dienstleistungsbereiche mit stärkstem Beschäftigungszuwachs

Im 1. Quartal 2024 trugen weit überwiegend die Dienstleistungsbereiche zum Anstieg der Erwerbstätigenzahl gegenüber dem Vorjahresquartal bei (+158.000 Personen; +0,5 %). Der größte Zuwachs darunter fand im Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit mit +160.000 Personen (+1,3 %) statt. Alle anderen Beschäftigungsentwicklungen innerhalb der Dienstleistungsbereiche blieben dagegen absolut gesehen gering: Die zweitgrößte absolute Zunahme im 1. Quartal 2024 betraf den Bereich Sonstige Dienstleistungen (unter anderem Verbände und Interessenvertretungen) mit +16.000 Personen (+0,5 %), gefolgt von den Finanz- und Versicherungsdienstleistern mit +5.000 Personen (+0,5 %) und Information und Kommunikation (+5.000 Personen; +0,3 %). Im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe gab es nur einen sehr geringen Zuwachs von 3.000 Personen (0,0 %). Bei den Unternehmensdienstleistern, zu denen auch die Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften gehört, sank die Zahl der Beschäftigten nach einem Nullwachstum im 4. Quartal 2023 erstmals seit dem 1. Quartal 2021, und zwar um 28.000 Personen (-0,4 %).

Aufwärtstrends im Produzierenden Gewerbe und im Baugewerbe beendet

Im Produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) ging die Erwerbstätigenzahl im 1. Quartal 2024 gegenüber dem Vorjahresquartal erstmals seit dem 4. Quartal 2021 wieder zurück (-16.000 Personen; -0,2 %). Im Baugewerbe ist der seit dem 4. Quartal 2015 langanhaltende Aufwärtstrend nach einer Stagnation im Vorquartal zu Ende gegangen: Hier sank die Beschäftigung im 1. Quartal 2024 um 20.000 Personen (-0,8 %). In der Land- und Forstwirtschaft, Fischerei stieg die Zahl der Erwerbstätigen um 7.000 Personen (+1,3 %).

Mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, weniger Selbstständige

Zum Anstieg der Erwerbstätigkeit gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,3 % trug im 1. Quartal 2024 maßgeblich die positive Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung bei. Leichte Beschäftigungsverluste gab es bei der Zahl der Beschäftigten mit ausschließlich marginalen Tätigkeiten (geringfügig entlohnte und kurzfristig Beschäftigte sowie Personen in Arbeitsgelegenheiten). Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im 1. Quartal 2024 im Vergleich zum 1. Quartal 2023 um 168.000 (+0,4 %) auf 41,9 Millionen Personen. Die Zahl der Selbstständigen einschließlich mithelfender Familienangehöriger ging dagegen weiter zurück. Ihre Zahl sank im Vorjahresvergleich um 39.000 Personen (-1,0 %) auf 3,9 Millionen.

Arbeitsvolumen nimmt um 0,6 % ab

Die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je erwerbstätiger Person reduzierten sich nach ersten vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit im 1. Quartal 2024 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,8 % auf 344,5 Stunden. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen – also das Produkt aus der gestiegenen Erwerbstätigenzahl und den verringerten geleisteten Stunden je erwerbstätiger Person – nahm im gleichen Zeitraum um 0,6 % auf 15,8 Milliarden Stunden ab.

Erwerbstätigenzahlen in der EU

Nach Angaben des europäischen Statistikamtes Eurostat vom 15. Mai 2024 stieg die nach europäisch harmonisierten Methoden berechnete Erwerbstätigkeit im 1. Quartal 2024 in den 27 Staaten der Europäischen Union (EU) mit +0,7 % und im Euroraum mit +1,0 % gegenüber dem Vorjahresquartal durchschnittlich stärker als in Deutschland (+0,3 %).

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

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IMK Inflationsmonitor: Teuerungsraten mehrerer Haushaltstypen unter Inflationsziel

Die Inflationsrate in Deutschland lag im April mit 2,2 % nur noch knapp über dem Inflationsziel der EZB von 2 %. Die Teuerungsraten verschiedener Haushaltstypen, die sich nach Einkommen und Personenzahl unterscheiden, lagen relativ nah beieinander. Der Unterschied zwischen der höchsten und der niedrigsten haushaltsspezifischen Rate betrug 0,9 Prozentpunkte. Das ergibt der neue IMK Inflationsmonitor der Hans-Böckler-Stiftung.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 16.05.2024

EZB-Zinswende im Juni überfällig

Die Inflationsrate in Deutschland lag im April mit 2,2 Prozent nur noch knapp über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent. Die Teuerungsraten verschiedener Haushaltstypen, die sich nach Einkommen und Personenzahl unterscheiden, lagen relativ nah beieinander. Der Unterschied zwischen der höchsten und der niedrigsten haushaltsspezifischen Rate betrug 0,9 Prozentpunkte. Zum Vergleich: Im April 2023 waren es 1,9 Prozentpunkte und auf dem Höhepunkt der letzten Inflationswelle sogar 3,1 Prozentpunkte. Während einkommensschwache Haushalte im Mittel des Jahres 2022 und auch 2023 eine deutlich höhere Teuerung schultern mussten als Haushalte mit mehr Einkommen, war ihre Inflationsrate im April 2024 wie in den Vormonaten unterdurchschnittlich: Der Warenkorb von Alleinlebenden mit niedrigen Einkommen verteuerte sich im April um 1,4 Prozent, der von Familien mit niedrigen Einkommen um 1,6 Prozent. Das ergibt der neue IMK Inflationsmonitor, den das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung vorlegt. Insgesamt lag die Inflationsrate von fünf der untersuchten neun Haushaltstypen im April unter zwei Prozent, die der übrigen nur knapp darüber. Angesichts des schnellen Rückgangs der Inflation und einer schwachen Wirtschaftsentwicklung seien Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) ab Juni überfällig, analysieren die Forschenden.

Dr. Silke Tober, IMK-Inflationsexpertin, und der wissenschaftliche Direktor Prof. Dr. Sebastian Dullien berechnen seit Anfang 2022 monatlich spezifische Teuerungsraten für neun repräsentative Haushaltstypen, die sich nach Zahl und Alter der Mitglieder sowie nach dem Einkommen unterscheiden. Seit kurzem liefert der Monitor ein erweitertes Datenangebot: Online lassen sich längerfristige Trends der Inflation für alle sowie für ausgewählte einzelne Haushalte im Zeitverlauf in interaktiven Grafiken abrufen.

Die längerfristige Betrachtung illustriert anschaulich, dass ärmere Haushalte während der letzten Teuerungswelle bis in den Sommer 2023 hinein besonders stark durch die Inflation belastet waren, weil sie einen großen Teil ihres schmalen Budgets für Güter des Grundbedarfs wie Nahrungsmittel und Haushaltsenergie ausgeben müssen. Diese waren lange die stärksten Preistreiber. Im Laufe der letzten Monate hat die Preisdynamik dort aber stark nachgelassen, so dass sich die einkommensspezifischen Differenzen seit dem Höhepunkt im Oktober 2022 deutlich verändert haben. Damals hatten Familien mit niedrigen Einkommen die höchste Inflationsbelastung im Haushaltsvergleich mit 11,0 Prozent. Dagegen waren es beim Haushaltstyp der Alleinlebenden mit sehr hohen Einkommen 7,9 Prozent. Vor einem Jahr, im April 2023, waren es Alleinlebende mit niedrigen Einkommen, die mit der höchsten Teuerungsrate konfrontiert waren – 8,1 Prozent. Alleinlebende mit sehr hohen Einkommen lagen auch in diesem Monat mit 6,2 Prozent deutlich niedriger und unter der allgemeinen Inflationsrate von damals 7,2 Prozent.

Dass die allgemeine Inflationsrate im April wie im März 2024 unverändert 2,2 Prozent betragen hat, liegt vor allem daran, dass zwar die Kerninflation ohne Lebensmittel und Energie spürbar zurückging, aber die Preise für Haushaltsenergie weniger stark als im Vormonat (-3,2 Prozent nach -4,6 Prozent), während zugleich die Nahrungsmittelpreise etwas stärker stiegen (1,1 Prozent nach 0,2 Prozent) und zudem die Kraftstoffpreise anzogen. Dabei erhöhte die Wiederanhebung des Mehrwertsteuersatzes auf Erdgas und Fernwärme die Inflationsrate um 0,2 Prozentpunkte. Ohne diesen Effekt wäre also die EZB-Zielinflation genau erreicht, so die Fachleute des IMK. Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen waren davon geringfügig stärker betroffen als reiche, da Heizenergie in ihren Warenkörben eine größere Rolle spielt, ebenso wie Nahrungsmittel.

Dass Alleinlebende mit sehr hohen Einkommen mit 2,3 Prozent aktuell eine leicht höhere Inflationsrate haben als die übrigen Haushalte im Vergleich, liegt daran, dass diese Haushalte stärker als andere Freizeit- und Kulturdienstleistungen, Hotelübernachtungen, Restaurantdienstleistungen oder Gesundheitsdienstleistungen nachfragen, deren Preise aktuell deutlich anziehen. Das gilt tendenziell auch für Paare mit Kindern und hohen Einkommen, deren Warenkorb sich um 2,2 Prozent verteuerte. Die Inflationsraten von Paaren ohne Kinder und von Paaren mit Kindern und jeweils mittleren Einkommen betrug je 2,1 Prozent. Alleinlebende mit höheren Einkommen verzeichneten eine Teuerungsrate von 1,9 Prozent. Bei Alleinlebenden und bei Alleinerziehenden mit jeweils mittleren Einkommen legten die Preise im Jahresvergleich um je 1,8 Prozent zu.

„EZB hätte spätestens im April reagieren müssen“

Dullien und Tober rechnen trotz der Stagnation zwischen März und April mit weiter nachlassendem Preisdruck. Sie kritisieren, dass die EZB bislang die Chance verstreichen ließ, die Leitzinsen zu senken, trotz der sich zeitgleich eintrübenden Wirtschaftslage. „Auf diese deutlich veränderte Datenlage hätte die EZB spätestens im April reagieren müssen, zumal EZB-Präsidentin Christine Lagarde stets betont, die EZB würde datenbasiert agieren“, schreiben die Forschenden. Ein Umschwenken auf einen Zinssenkungskurs bei der nächsten EZB-Ratssitzung im Juni sei „angesichts des schnellen Rückgangs der Inflation und der geldpolitisch stark gedämpften Wirtschaftsaktivität überfällig.“

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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Deutsche Startups müssen im Schnitt 2,7 Millionen Euro einsammeln

2,7 Mio. Euro – so hoch ist im Durchschnitt der Bedarf an Wagniskapital bei Tech-Startups in Deutschland, die in den kommenden zwei Jahren frisches Kapital benötigen. 61 Prozent müssen frisches Geld einsammeln, 12 Prozent sogar 5 Mio. Euro oder mehr. 33 Prozent benötigt 1 bis 5 Mio. Euro, 17 Prozent weniger als 1 Mio. Euro. Rund ein Viertel benötigt kein Wagniskapital, 15 Prozent können oder wollen lt. Bitkom dazu keine Angabe machen.

Bitkom, Pressemitteilung vom 16.05.2024

  • 6 von 10 brauchen in den kommenden zwei Jahren frisches Wagniskapital
  • Zurückhaltung von Investoren bleibt hoch

2,7 Millionen Euro – so hoch ist im Durchschnitt der Bedarf an Wagniskapital bei Tech-Startups in Deutschland, die in den kommenden zwei Jahren frisches Kapital benötigen. 6 von 10 (61 Prozent) müssen frisches Geld einsammeln, 12 Prozent sogar 5 Millionen Euro oder mehr. Ein Drittel (33 Prozent) benötigt 1 bis 5 Millionen Euro, 17 Prozent weniger als 1 Million Euro. Rund ein Viertel (24 Prozent) benötigt kein Wagniskapital, 15 Prozent können oder wollen dazu keine Angabe machen. Das sind Ergebnisse aus einer Befragung von 172 Tech-Startups im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Die große Mehrheit der Startups mit Kapitalbedarf ist zuversichtlich, die Finanzierungsrunden erfolgreich abschließen zu können. 42 Prozent halten das für sehr wahrscheinlich, 37 Prozent für eher wahrscheinlich. Nur 14 Prozent sagen, das sei aktuell eher unwahrscheinlich, 3 Prozent halten es sogar für sehr unwahrscheinlich. Zugleich stellen aber 8 von 10 (79 Prozent) der Startups fest, dass durch die konjunkturelle Entwicklung Investoren deutlich zurückhaltender geworden sind. Aktuell sagen nur noch 17 Prozent der Startups, dass es hierzulande ausreichend Venture Capital für Startups gibt, vor einem Jahr waren es noch 32 Prozent. „Wachstumsfinanzierung ist nicht mehr so einfach wie vor einigen Jahren. Davon sind Startups, die ihr Geschäft schnell hochfahren müssen und dafür auf externe Geldgeber zwingend angewiesen sind, besonders betroffen“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Startups sind herausragend wichtig für das digitale Deutschland. Unser über Jahre aufgebautes Startup-Ökosystem braucht Kapital.“

45 Prozent der befragten Startups beklagen, dass sie mit ihrem Geschäftsmodell Schwierigkeiten haben, Kredite zu bekommen. Fast jedes dritte Startup (31 Prozent) überlegt, ins Ausland zu gehen, weil es in Deutschland zu wenig Kapital gibt. Fast die Hälfte (45 Prozent) hält für möglich, durch einen Börsengang frisches Kapital zu besorgen. Dabei kommt für 32 Prozent ein Gang aufs Parkett in Deutschland in Frage, 31 können sich vorstellen, an eine ausländische Börse zu gehen.

Quelle: Bitkom

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Geschäftsklima Selbständige bessert sich

Das Geschäftsklima bei den Soloselbständigen und Kleinstunternehmen hat sich im April etwas gebessert. So stieg der „Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex” auf -13,8* Punkte, nach -15,6* im März.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 16.05.2024

Das Geschäftsklima bei den Soloselbständigen und Kleinstunternehmen hat sich im April etwas gebessert. So stieg der „Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex” auf -13,8* Punkte, nach -15,6* im März. Die Unzufriedenheit mit den laufenden Geschäften ließ leicht nach, ebenso die Skepsis bei den Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Ein positives Signal kommt vor allem von den Dienstleistern. Hier stabilisieren sich die Auftragsbestände langsam. „Die Selbständigen hoffen auf eine Entspannung der Auftragslage“, sagt ifo-Expertin Katrin Demmelhuber.

Der Auftragsmangel jedoch belastet noch viele Selbständige in Deutschland. 44 % waren im April von Auftragsmangel betroffen, nach 47,9 % im Januar. „Fehlende Auftragspolster setzen Selbständige unter Druck“, sagt Demmelhuber.

Seit August 2021 berechnet das ifo Institut den Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex für Soloselbständige und Kleinstunternehmen (weniger als 9 Mitarbeiter). Wie im Gesamtindex sind alle Sektoren abgebildet. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem Dienstleistungssektor.

*(Salden, nicht saisonbereinigt)

Quelle: ifo Institut

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Frühjahrsprognose 2024: Allmähliche Expansion unter hohen geopolitischen Risiken

Die EU-Kommission geht in ihrer Frühjahrsprognose 2024 von einem BIP-Wachstum von 1,0 % in der EU und 0,8 % im Euro-Währungsgebiet aus. 2025 soll sich das BIP-Wachstum in der EU auf 1,6 % und im Euro-Währungsgebiet auf 1,4 % beschleunigen.

EU-Kommission, Pressemitteilung vom 15.05.2024

Nachdem die Wirtschaft im Jahr 2023 weitgehend stagnierte, war das Wachstum zu Beginn des Jahres 2024 stärker als erwartet und bot im Zusammenspiel mit dem anhaltenden Rückgang der Inflation die Grundlage für eine allmähliche Ausweitung der Wirtschaftstätigkeit im Prognosezeitraum.

Die Europäische Kommission geht in ihrer Frühjahrsprognose 2024 von einem BIP-Wachstum von 1,0 % in der EU und 0,8 % im Euro-Währungsgebiet aus. 2025 soll sich das BIP-Wachstum in der EU auf 1,6 % und im Euro-Währungsgebiet auf 1,4 % beschleunigen. Die HVPI-Inflation dürfte in der EU von 6,4 % im Jahr 2023 auf 2,7 % im Jahr 2024 und 2,2 % im Jahr 2025 zurückgehen. Im Euro-Währungsgebiet dürfte sie sich von 5,4 % im Jahr 2023 auf 2,5 % im Jahr 2024 und 2,1 % im Jahr 2025 abschwächen.

Rückkehr des Wachstums dank anziehendem privaten Konsum

Laut vorläufiger Vorausschätzung von Eurostat ist das BIP im ersten Quartal 2024 sowohl in der EU als auch im Euro-Währungsgebiet um 0,3 % nach oben geklettert. Diese Ausweitung der Wirtschaftstätigkeit war in allen Mitgliedstaaten festzustellen und markiert das Ende einer längeren Phase wirtschaftlicher Stagnation, die im letzten Quartal 2022 einsetzte.

Das Wirtschaftswachstum dürfte vor dem Hintergrund des anhaltenden Reallohn- und Beschäftigungswachstums und des damit verbundenen Anstiegs der real verfügbaren Einkommen in diesem und auch im nächsten Jahr weitgehend von einem stetigen Anstieg des privaten Konsums getragen werden. Die Sparneigung ist jedoch ausgeprägt, was den privaten Konsum zum Teil noch bremst.

Das Investitionswachstum scheint sich dagegen zunehmend abzuschwächen. Hier wird aufgrund des negativen Konjunkturzyklus im Wohnungsbau nur von einem allmählichen Anstieg ausgegangen. Zwar dürften sich die Kreditbedingungen im Prognosezeitraum insgesamt verbessern, doch rechnen die Märkte im Vergleich zum Winter nun mit graduelleren Zinssenkungen.

Vor dem Hintergrund einer widerstandsfähigen Weltwirtschaft wird die Erholung des Handels die EU-Ausfuhren stützen. Mit der wieder anziehenden Binnennachfrage in der EU wird die Beschleunigung der Einfuhren den positiven Wachstumsbeitrag der Exporte jedoch weitgehend ausgleichen.

Weiterer Rückgang der Inflation

Die HVPI-Inflation ist nach dem im Oktober 2022 im Euro-Währungsgebiet verzeichneten Höchststand von 10,6 % (gegenüber dem Vorjahr) weiter stark zurückgegangen. Im April dieses Jahres dürfte mit 2,4 % der tiefste Stand der letzten beiden Jahre erreicht werden.

Nachdem die Inflationszahlen in den ersten Monaten dieses Jahres niedriger ausgefallen sind als erwartet, wird nun davon ausgegangen, dass die Inflation weiter sinkt und das anvisierte Ziel im Jahr 2025 etwas früher erreicht wird als in der Winterzwischenprognose erwartet. Der Rückgang der Inflation basiert in erster Linie auf dem Bereich Waren ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln. Im Bereich Energie steigt die Inflation an und bei den Dienstleistungen nimmt sie mit dem sich langsam abschwächenden Lohndruck nur allmählich ab. In der EU insgesamt wird von einem ähnlichen Inflationsverlauf ausgegangen, wenngleich sie insgesamt etwas höher bleibt.

Trotz moderaten Wachstums weiterhin robuster Arbeitsmarkt

Trotz der Konjunkturverlangsamung hat die EU-Wirtschaft 2023 mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze geschaffen; bei den 20- bis 64-Jährigen haben die Erwerbs- und Beschäftigungsquoten im letzten Quartal des Jahres mit 80,1 % bzw. 75,5 % neue Rekordwerte erreicht. Auf vielen Arbeitsmärkten der EU herrscht nach wie vor Anspannung. Im März lag die Arbeitslosenquote in der EU auf einem Rekordtief von 6,0 %. Der robuste Arbeitsmarkt basiert sowohl auf einem starken Arbeitskräfteangebot (u. a. durch Migration) als auch der starken Nachfrage nach Arbeitskräften.

Das Beschäftigungswachstum dürfte in der EU in diesem Jahr auf 0,6 % zurückgehen und sich 2025 weiter auf 0,4 % abschwächen. Bei der Arbeitslosenquote wird von einer weitgehenden Stabilisierung um ihren historischen Tiefstand ausgegangen.

Wie die erwartete Fortsetzung einer sinkenden Inflation bereits vermuten lässt, hat sich das nominale Lohnwachstum in der EU nach einem Höchststand von 5,8 % im Jahr 2023 allmählich verlangsamt. Dieser Trend dürfte sich in Zukunft fortsetzen.

Wegfall der Sonderentlastungsmaßnahmen im Energiebereich dürfte öffentliche Defizite verringern

Nach dem deutlichen Rückgang des öffentlichen Defizits in der EU in den Jahren 2021 und 2022 geriet dieser Trend im Jahr 2023 aufgrund der Abschwächung der Wirtschaftstätigkeit ins Stocken. Mit dem Auslaufen der Entlastungsmaßnahmen im Energiebereich dürfte sich diese rückläufige Tendenz in den Jahren 2024 (3,0 %) und 2025 (2,9 %) fortsetzen.

Angesichts höherer Schuldendienstkosten und eines geringeren nominalen BIP-Wachstums dürfte sich die Schuldenquote in der EU in diesem Jahr zunächst bei 82,9 % stabilisieren und 2025 um rund 0,4 Prozentpunkte ansteigen.

Wachsende Unsicherheit angesichts geopolitischer Spannungen

Unsicherheiten und Abwärtsrisiken für die Wirtschaftsaussichten haben in den letzten Monaten weiter zugenommen, was hauptsächlich auf den anhaltenden Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und den Konflikt im Nahen Osten zurückzuführen ist. Auch die globalen geopolitischen Spannungen stellen nach wie vor Risiken dar. Zudem könnte die anhaltende Inflation in den USA dazu führen, dass Zinssenkungen in den USA und nicht nur dort länger auf sich warten lassen, was zu restriktiveren globalen Finanzierungsbedingungen führen könnte.

Auch in der EU könnte die Inflation langsamer sinken als erwartet, sodass die Zentralbanken Zinssenkungen weiter aufschieben könnten, bis sich die Inflation bei den Dienstleistungen verfestigt. Überdies werden einige Mitgliedstaaten 2025 möglicherweise zusätzliche (in der vorliegenden Prognose nicht berücksichtigte) Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen ergreifen, die sich auf das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr auswirken könnten. Gleichzeitig könnte eine weniger stark ausgeprägte Sparneigung das Konsumwachstum antreiben; auch die Investitionen im Wohnungsbau könnten sich schneller erholen. Mit dem Klimawandel verbundene Risiken belasten die Aussichten zunehmend.

Quelle: EU-Kommission

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IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsrisiko erneut leicht gesunken

Die Aussichten für die Konjunktur in Deutschland hellen sich weiter langsam auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den nächsten drei Monaten eine Rezession durchläuft, ist dementsprechend in den letzten Wochen leicht gesunken, nachdem sie bereits im April spürbar zurückgegangen war. Das signalisiert der IMK-Konjunkturindikator der Hans-Böckler-Stiftung.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 15.05.2024

Die Aussichten für die Konjunktur in Deutschland hellen sich weiter langsam auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den nächsten drei Monaten eine Rezession durchläuft, ist dementsprechend in den letzten Wochen leicht gesunken, nachdem sie bereits im April spürbar zurückgegangen war. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für den Zeitraum von Mai bis Ende Juli weist der Indikator, der die neuesten verfügbaren Daten zu den wichtigsten wirtschaftlichen Kenngrößen bündelt, eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 45,6 Prozent aus. Anfang April betrug sie für die folgenden drei Monate 48,7 Prozent und Anfang März noch 58,3 Prozent. Auch die statistische Streuung im Indikator, in der sich die Verunsicherung der Wirtschaftsakteure ausdrückt, ist von April auf Mai gesunken – von 18,7 auf 15,4 Prozent. Das nach dem Ampelsystem arbeitende Konjunktur-Frühwarninstrument zeigt wie im April „gelb-rot“, was eine erhöhte konjunkturelle Unsicherheit signalisiert, aber keine akute Rezessionsgefahr. Davor hatte der Indikator seit Juni 2023 auf „rot“ gestanden.

Der aktuelle leichte Rückgang des Rezessionsrisikos beruht zum einen darauf, dass sich die Nachfrage aus dem Ausland nach deutschen Waren zuletzt wieder belebt hat. Zum anderen wirkt sich positiv aus, dass sich Stimmungsindikatoren wie der ifo-Index aufgehellt und einzelne Finanzmarktindikatoren verbessert haben. Dazu zählen die in Erwartung von Leitzinssenkungen aufwärtsgerichteten Aktienkurse. Allerdings gibt es auch gegenläufige Trends, die unter dem Strich einen kräftigeren Rückgang des Rezessionsrisikos verhindert haben. Das gilt etwa für die hohe Zahl an Unternehmensinsolvenzen. Zudem bleibt die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe aufgrund schwächelnder Auftragseingänge aus dem Inland gedämpft – auch wenn die Produktion der energieintensiven Industrien nach Analyse des IMK „ihren Tiefpunkt durchschritten hat“, nachdem sich die Energiepreise im Vergleich zu 2023 stabilisiert haben.

„Dank zunehmender Exporte sowie den inzwischen wieder positiven Realeinkommensänderungen und dem daraus resultierenden stärker steigenden privaten Verbrauch dürfte sich die allmähliche Erholung der Konjunktur, die sich im vergangenen Monat angedeutet hat, fortsetzen; allerdings bleibt die Dynamik verhalten. Beim Bau ist im zweiten Quartal sogar mit einer Gegenbewegung zu rechnen, weil der milde Winter den Fortgang vieler Bauaktivitäten ermöglichte“, fasst IMK-Konjunkturexperte Dr. Thomas Theobald das aktuelle Konjunkturbild zusammen. Zudem gingen mit den „geopolitischen Unsicherheiten“, allen voran durch die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, nach wie vor schwer zu kalkulierende Risiken für die Konjunktur einher.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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GfK Nachhaltigkeitsindex weiter im Aufwind

Nachhaltiger Konsum nimmt wieder zu: Das zeigen die aktuellen Daten des GfK Nachhaltigkeitsindex. Nach einem vorübergehenden Einbruch im Herbst letzten Jahres setzt er seinen Aufwärtstrend im April deutlich fort.

GfK, Pressemitteilung vom 14.05.2024

Nachhaltiger Konsum nimmt wieder zu: Das zeigen die aktuellen Daten des GfK Nachhaltigkeitsindex. Nach einem vorübergehenden Einbruch im Herbst letzten Jahres setzt er seinen Aufwärtstrend im April deutlich fort. Mit 101,6 Punkten verbessert sich der Index um 7,4 Punkte gegenüber Januar 2024. Auf welche Informationsquellen sich Verbraucher bei nachhaltigen Kaufentscheidungen in verschiedenen Kategorien stützen, zeigt eine neue Sonderanalyse von GfK.

Parallel zum positiven Trend des aktuellen Konsumklimas kaufen die Konsumenten in Deutschland wieder häufiger unter Nachhaltigkeitsaspekten ein und planen, dies auch zukünftig zu tun. „Nachhaltigkeit ist ein langfristiger Konsumentenwert, der im letzten Jahr kurzzeitig aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten weniger stark im Bewusstsein war. Viele Menschen mussten Kompromisse zugunsten preisgünstigerer Angebote eingehen“, sagt Petra Süptitz, Nachhaltigkeitsexpertin bei NIQ/GfK. „Nun deuten Frühindikatoren auf eine wirtschaftliche Entspannung hin und die Konsumenten sind bereit, wieder häufiger nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen.“

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Umsatzdaten von Bio-FMCG-Produkten, die laut NIQ Handelspanel im ersten Quartal 2024 ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal ausweisen – trotz leicht rückläufiger Durchschnittspreise pro Pack. Die Produktpräsenz von Bio-Produkten im Regal wächst mit rund 5 Prozent signifikant stärker als der Non-Bio-Bereich.

Im Bereich der technischen Konsumgüter lässt sich der Trend zu nachhaltigen Anschaffungen am Absatz energieeffizienter Waschmaschinen aufzeigen. Im ersten Quartal stieg der Anteil von Geräten mit Energie-Effizienzklasse A laut GfK Handelspaneldaten auf 69 Prozent. Das sind 15 Prozentpunkte mehr als im Vorjahresquartal.

GfK Nachhaltigkeitsindex April 2024: die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

  • Der GfK Nachhaltigkeitsindex steigt im April 2024 auf 101,6 Punkte. Das sind 7,4 Punkte mehr als im Januar 2024. Damit liegt er über dem Durchschnittswert von 2022, dem ersten Jahr der Messung.
  • Der Index für nachhaltige größere Anschaffungen steigt im April von 96,3 auf 107 Punkte. Der Anteil derjenigen, die in den letzten zwölf Monaten nachhaltig gekauft haben, steigt auf 32 Prozent (Januar: 28 Prozent). Zudem planen 30 Prozent der Verbraucher, in den nächsten 12 Monaten größere Anschaffungen unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten zu tätigen. Das ist eine leichte Steigung (Januar: 28 Prozent).
  • Der Index für nachhaltige FMCG-Produkte steigt im April auf 98 Punkte (Januar: 92,8 Punkte). Der Anteil derjenigen, die im letzten Monat nachhaltig gekauft haben, bleibt mit 68 Prozent stabil. Der Anteil der Konsumenten, die planen, im nächsten Monat nachhaltige FMCG-Produkte zu kaufen, nimmt leicht zu – von 63 auf 65 Prozent.

Produktsiegel: EU-Energieeffizienzlabel, Ökotest und Fairtrade am bekanntesten

Barrieren beim nachhaltigen Shoppen sind häufig mangelnde Transparenz und Informationen: Die Hälfte der Konsumenten in Deutschland gibt an, dass sie gar nicht einschätzen kann, ob ein Produkt umweltfreundlich ist. Abhilfe können hier beispielsweise Produktlabels schaffen. In einer aktuellen GfK-Studie wurde jetzt die Bekanntheit und Bedeutung verschiedener Labels in unterschiedlichen Produktkategorien ermittelt.

Im Bereich technische Konsumgüter ist das EU-Energieeffizienzlabel das bekannteste (99 Prozent) und für die Kaufentscheidung wichtigste (84 Prozent) Siegel gefolgt vom CE-Prüfzeichen (Bekanntheit 94 Prozent, Relevanz 77 Prozent).

Die größte Vielfalt an Produktsiegeln finden Konsumenten bei Lebensmitteln. In dieser Kategorie messen sie den Kennzeichnungen auch eine große Bedeutung bei. Von insgesamt 25 in der Studie abgefragten Labeln schneidet Ökotest mit einer Bekanntheit von 97 Prozent am besten ab und liegt auch beim Faktor Relevanz mit 71 Prozent vorn. Tierwohl-Siegel stehen bei den Konsumenten ebenfalls hoch im Kurs. Hier kann sich mit Haltungsform ein noch junges Siegel hervortun, das bereits 86 Prozent der Konsumenten in Deutschland kennen. Mit 97 Prozent ist Deutsches Bio-Siegel das bekannteste Bio-Siegel. Nachholbedarf haben Klimaneutral-Siegel: Sie landen bei beiden Dimensionen eher im hinteren Feld.

Fairtrade und der Blaue Engel sind bei Bekleidung die beiden Label, die für die Kaufentscheidung am wichtigsten (61 und 55 Prozent) und gleichzeitig bekanntesten (96 und 92 Prozent) sind. Generell kennen Konsumenten weniger Label im Bereich Fashion als beispielsweise bei Lebensmitteln. Damit sind Siegel für Bekleidung auch weniger relevant – eine Ausnahme bilden jüngere Shopper. Auch bei Produkten zur Körperpflege sowie Wasch- und Reinigungsmitteln spielen Siegel eine weniger wichtige Rolle als bei Lebensmitteln.

„Produktsiegel sind eine wichtige Orientierungshilfe, wenn es um die Auswirkungen der gekauften Produkte auf die Umwelt geht“, erklärt Petra Süptitz. „Für eine Vielzahl von Konsumenten sind sie auch relevanter für die Kaufentscheidung als Informationen auf Unternehmens-Websites, Werbung oder die Meinung von Familie, Freunden oder Bekannten. Gleichzeitig verlieren Shopper den Überblick, wenn eine Kategorie zu viele Siegel nutzt. Hersteller und Händler haben hier die Chance, mit einer offensiven und transparenten Kommunikation die Komplexität der bestehenden Siegel zu reduzieren und für Klarheit rund um nachhaltige Produkte zu sorgen.“

Quelle: GfK

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Mai 2024

Die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland hat sich lt. BMWK zu Jahresbeginn mit einem realen BIP-Zuwachs um 0,2 % im 1. Quartal leicht belebt. Wachstumsimpulse gingen dabei vor allem von den Bauinvestitionen (witterungsbedingt) sowie dem Außenbeitrag (Ausfuhren minus Einfuhren) aus.

BMWK, Mitteilung vom 14.05.2024

  • Die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland hat sich zu Jahresbeginn mit einem realen BIP-Zuwachs um 0,2 % im 1. Quartal leicht belebt. Wachstumsimpulse gingen dabei vor allem von den Bauinvestitionen (witterungsbedingt) sowie dem Außenbeitrag (Ausfuhren minus Einfuhren) aus. Ausrüstungsinvestitionen und privater Konsum dürften sich dagegen noch schwach entwickelt haben. Im Zuge geringerer Inflationsraten, erwarteter geldpolitischer Lockerungen, steigender Löhne und Einkommen, einem stabilen Arbeitsmarkt und zunehmender Impulse von der Außenwirtschaft dürfte sich die konjunkturelle Erholung allmählich festigen und an Breite und Dynamik gewinnen.
  • Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ging nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im März preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat leicht um 0,4 % zurück. Die Herstellung in der Industrie verringerte sich zuletzt ebenfalls um 0,4 %. Die Ausbringung im Baugewerbe nahm indes um 1,0 % zu. Die Energieproduktion verringerte sich erneut um 4,2 %. Im Quartalsvergleich ergaben sich in der Industrie und auch im Produzierenden Gewerbe insgesamt – trotz der jüngsten Rücksetzer – spürbare Zuwächse um 0,7 % bzw. 1,0 %. Im Baugewerbe kam es im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal sogar zu einem Anstieg um 3,9 %, wobei die milde Witterung eine Rolle gespielt haben dürfte.
  • Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz) sind im März gegenüber dem Vormonat spürbar um 1,8 % gestiegen, nachdem sie in den vorangegangen vier Monaten rückläufig waren. Im Vorjahresvergleich meldete der Einzelhandel ein reales Umsatzplus von 0,3 %. Insgesamt tendieren die Frühindikatoren für den privaten Konsum zunehmend aufwärts, wenn auch ausgehend von einem niedrigem Niveau.
  • Die Inflationsrate lag im April unverändert bei 2,2 %. Die Inflation zeigt damit seit März 2023 einen rückläufigen Trend. Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich im April im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,5 %, nachdem sie im März erstmals seit Februar 2015 gesunken waren. Die Energiepreise hingegen sind gegenüber dem Vorjahresmonat weiter gesunken, zuletzt um 1,2 %. Im Bereich der Dienstleistungen war der Preisauftrieb weiterhin mit +3,4 % überdurchschnittlich.
  • Auf dem Arbeitsmarkt kommt die übliche Frühjahrsbelebung im Zuge der schwachen Konjunktur noch nicht in Fahrt. Der Aufwärtstrend bei der Arbeitslosigkeit setzte sich mit einem Anstieg um saisonbereinigt (sb) 10.000 Personen fort. Gleichzeitig legte die Erwerbstätigkeit im März weiter zu (sb +8.000 Personen), wenn auch mit geringerer Dynamik. Einzelne Frühindikatoren haben sich zuletzt etwas eingetrübt. Mit der erwarteten wirtschaftlichen Erholung und der voranschreitenden Beschäftigungsaufnahme Geflüchteter aus der Ukraine dürfte sich die Lage am Arbeitsmarkt im späteren Jahresverlauf wiederbeleben.
  • Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg nach endgültigen Ergebnissen im Februar um 10,0 % ggü. dem Vormonat (+31,1 % ggü. Vorjahresmonat) auf 1.785. Dies ist die höchste Zuwachsrate auf Monatsbasis seit März 2022. Der IWH-Insolvenztrend weist für April 2024 mit 1.367 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften einen Höchstwert seit Beginn der Erfassung im Januar 2016 aus. Gleichzeitig erwartet das IWH ab Mai bzw. spätestens ab Juni eine Entspannung der Insolvenzzahlen.

KONJUNKTURELLE ERHOLUNG ZU JAHRESBEGINN

Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland hat sich zu Jahresbeginn leicht belebt. Laut Schnellmeldung des Statistischen Bundesamts vom 30. April ist das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2024 gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,2 % gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr lag das BIP um 0,9 % niedriger. Für das Jahr 2023 wurden neuere Daten berücksichtigt, die zu einem leicht veränderten unterjährigen Verlauf und einer Anhebung des BIP-Jahresergebnisses 2023 von -0,3 % auf -0,2 % führten.

Auf der Verwendungsseite kamen im ersten Quartal laut Statistischem Bundesamt Wachstumsimpulse vor allem von den Bauinvestitionen, wobei die günstige Witterung zu Jahresbeginn eine wesentliche Rolle gespielt haben dürfte. Auch der Außenbeitrag (Ausfuhren minus Einfuhren) stützte das Wachstum. Die Ausrüstungsinvestitionen wie auch der private Konsum dürften dagegen rückläufig gewesen sein.

Entstehungsseitig dürfte sich entsprechend vor allem die Wertschöpfung im Baugewerbe wie auch im Verarbeitenden Gewerbe im ersten Quartal kräftig entwickelt haben. Die noch gedämpfte Konsumstimmung spiegelt sich in den insgesamt noch verhaltenen Einzelhandelsumsätzen wider. Die sonstigen Dienstleistungsbereiche dürften das Wachstum dagegen stabilisiert haben.

Der gemeldete BIP-Anstieg im ersten Quartal entspricht grundsätzlich der Einschätzung der Frühjahrsprojektion der Bundesregierung, wonach sich zu Jahresbeginn eine konjunkturelle Erholung abzeichnet. Allerdings ist dies zum Teil auch auf Sondereffekte im Baubereich und der Industrie wie eine milde Witterung und Aufholeffekte nach dem hohen Krankenstand zum Jahresende 2023 zurückzuführen. Vor allem die schwache Entwicklung beim privaten Konsum und den Ausrüstungsinvestitionen sowie die weiterhin verhaltene Auftragslage in der Industrie lassen aktuell noch keinen breiten, nachhaltigen Aufschwung erkennen – auch wenn die verbesserten Stimmungsindikatoren im Unternehmenssektor und bei den konsumnahen Dienstleistungen eine Aufhellung andeuten. Im weiteren Jahresverlauf dürfte sich im Zuge geringerer Inflationsraten, erwarteter geldpolitischer Lockerungen, steigender Löhne und Einkommen, einer anhaltend stabilen Arbeitsmarktentwicklung und zunehmender Impulse von der Außenwirtschaft die konjunkturelle Erholung allmählich festigen und an Breite und Dynamik gewinnen. Dennoch bleiben die Risken angesichts der geopolitischen Unsicherheiten nach wie vor hoch.

WELTWIRTSCHAFTLICHE AKTIVITÄT WEITER AUFWÄRTSGERICHTET

Die weltweite Industrieproduktion hat im Februar ggü. dem Vormonat saisonbereinigt um 0,6 % zugenommen. Der Stimmungsindikator von S&P Global deutet auch am aktuellen Rand eine weitere moderate Expansion der Weltwirtschaft an: Im April stieg er im Zuge der verbesserten Aussichten bei den Dienstleistern auf 52,4 Punkte. Auch wenn sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe im April leicht von 50,6 auf 50,3 Punkte eingetrübt hat, bleiben die Indizes über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Dazu passt, dass auch die Einkaufsmanagerindizes in vielen europäischen Ländern nun wieder oberhalb der Wachstumsschwelle liegen.

Auch der Welthandel profitiert von der sich belebenden globalen Industrieproduktion. Im Februar stieg der weltweite Güterhandel saisonbereinigt um 1,0 % ggü. Vormonat, im Vorjahresvergleich lag er damit erstmals seit März 2023 ebenfalls wieder im Plus. Für den März weist der RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf eine weitere Aufwärtsbewegung hin. Während der Containerumschlag in den chinesischen Häfen in etwa stagnierte, legte der Nordrange-Index um mehr als 10 % zu (von 103,7 auf 114,9 Punkte). Auch wenn die höhere Aktivität in den europäischen Häfen zum Teil durch die konjunkturelle Erholung bedingt sein dürfte, haben laut RWI wohl auch verzögerte Lieferungen infolge der Störungen des Schiffsverkehrs im Roten Meer und der notwendigen Umleitungen von Frachtern dazu beigetragen, den März-Wert zu erhöhen.

Laut den jüngsten Prognosen internationaler Organisationen dürfte sich die Dynamik des Welthandels nach der vorangegangenen Schwächephase in diesem Jahr wieder der des weltweiten BIP annähern. Auch wenn sich die Absatzperspektiven für die deutsche Exportwirtschaft langsam aufhellen, bleiben sie im längerfristigen historischen Vergleich dennoch zunächst verhalten.

AUßENHANDEL IM ERSTEN QUARTAL DEUTLICH IM PLUS

Im März haben die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen gegenüber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt wieder leicht um 0,8 % expandiert, nachdem sie im Februar um 0,3 % sanken. Besonders die Güternachfrage von Ländern außerhalb des Euroraums trug zu dem Anstieg bei. Die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen gingen dagegen mit 0,3 % ggü. dem Vormonat etwas zurück. Während der Warenhandel mit den EU-Ländern wieder im Plus lag, nahmen die Importe aus Drittstaaten ab; die Wareneinfuhren aus Russland setzten ihren Abwärtstrend weiter fort. Insgesamt wurde der monatliche Handelsbilanzüberschuss bei etwas steigenden Exporten und leicht abnehmenden Importen saisonbereinigt von 16,7 Mrd. Euro im Februar auf 18,6 Mrd. Euro im März ausgeweitet.
Im Quartalsvergleich liegen die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen – nach dem Rückgang im Schlussquartal 2023 – im ersten Quartal um +3,5 % höher als im Vorquartal. Auch bei den Einfuhren von Waren und Dienstleistungen ist mit +1,5 % ein Zuwachs gegenüber dem Vorquartal zu verzeichnen.

Bei den Außenhandelspreisen machten sich im Vormonatsvergleich Preisanstiege für Vorleistungs- und Konsumgüter bemerkbar. Die Einfuhrpreise nahmen im März im Vormonatsvergleich saisonbereinigt um 0,3 % zu. Gleichzeitig gaben die Ausfuhrpreise mit -0,1 % etwas nach, u.a. bedingt durch niedrigere Preise für Energieexporte. Damit haben sich die Terms of Trade, also das Verhältnis von Ausfuhr- zu Einfuhrpreisen, im Vormonatsvergleich zuletzt erstmals seit Oktober 2023 wieder etwas verschlechtert.

Bei den Frühindikatoren gibt es nach wie vor Licht und Schatten. Die Auftragseingänge aus dem Ausland sind im März ggü. dem Vormonat saisonbereinigt um 2,0 % gestiegen, nachdem sie im Januar und Februar zurückgegangen waren. Besonders aus dem Euroraum gingen wesentlich mehr Neuaufträge ein (+10,6 %), während die übrigen Handelspartner weniger bestellten als im Vormonat (-2,9 %). Großaufträge aus dem Ausland haben im März keine Rolle gespielt. Die ifo Exporterwartungen waren im April mit -2,0 nach -1,2 Punkten wieder leicht negativer. Während die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und einige energieintensive Bereiche (z.B. Herstellung von Glas u. Keramik, Chemie, Papier) mit zunehmenden Ausfuhren rechnen, wird in ebenso vielen Bereichen (z. B. bei den Metallerzeugern und -bearbeitern, Herstellern von Textilien, elektrischen Ausrüstungen) eine rückläufige Auslandsnachfrage erwartet. Insgesamt beurteilen die vom ifo befragten Unternehmen ihre Auftragsbestände aus dem Ausland wieder schlechter als im Vormonat.

Die jüngste Entwicklung deutet eine Trendwende beim deutschen Außenhandel an. Lt. Schnellmeldung des Statischen Bundesamtes ging vom Außenhandel im ersten Quartal ein positiver Impuls auf die BIP-Entwicklung aus. Zusammen mit den positiven Signalen von einigen Frühindikatoren wird die Erwartung einer moderaten Erholung der Exporte gestützt. Der leichte Rückgang des PMI für den Euroraum im Berichtsmonat April verdeutlicht allerdings, dass die Anzeichen der Erholung in der Industrie zunächst noch mit hoher Unsicherheit behaftet sind.

TROTZ RÜCKSETZER IM MÄRZ PRODUKTIONSZUWACHS IM ERSTEN QUARTAL

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ging im März gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt leicht um 0,4 % zurück, nachdem im Januar und Februar noch Zuwächse um 1,3 % bzw. 1,7 % verzeichnet wurden. Die Herstellung in der Industrie verringerte sich zuletzt ebenfalls um 0,4 %, nach Anstiegen um +1,3 % im Januar und +2,0 % im Februar. Die Ausbringung im Baugewerbe nahm indes um 1,0 % zu, nach zuvor deutlichen Steigerungen im Januar und Februar um 2,9 % bzw. 4,2 %. Die Energieproduktion verringerte sich erneut um 4,2 %.

Innerhalb der Industrie war im März in den einzelnen Wirtschaftszweigen eine unterschiedliche Entwicklung zu beobachten: Während die Produktion in den Bereichen Kfz/Kfz-Teile (+0,6 %), Elektrische Ausrüstungen (+0,6 %) sowie Metallerzeugnisse (+0,3 %) zulegte, nahm sie im Maschinenbau (-1,0 %) und bei Pharmazeutischen Erzeugnissen (-0,3 %) ab.

Bei den besonders energieintensiven Industriezweigen blieb die Herstellung insgesamt unverändert, nachdem im Januar und Februar deutliche Zuwächse von 4,3 % bzw. 4,6 % zu beobachten gewesen waren. Auch hier verlief die Entwicklung im Einzelnen differenziert: Einem Zuwachs bei Chemischen Erzeugnissen (+2,0 %) standen Rückgänge bei Kokerei und Mineralölverarbeitung (-4,5 %), Glas, Glaswaren und Keramik (-1,5 %), Metallerzeugung und Bearbeitung (-1,3 %) sowie Papier und Pappe (-0,4 %) gegenüber.

Im aussagekräftigeren Quartalsvergleich ergaben sich in der Industrie und auch im Produzierenden Gewerbe insgesamt – trotz der jüngsten Rücksetzer – spürbare Zuwächse um 0,7 % bzw. 1,0 %. Im Baugewerbe kam es im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal sogar zu einem Anstieg um 3,9 %, wobei die milde Witterung eine Rolle gespielt haben dürfte.

Die Auftragseingänge sind im März gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt leicht um 0,4 % gesunken. Bereits im Februar war es zu einem Rückgang gekommen (revidiert: -0,8 %). Während 3,6 % weniger Bestellungen aus dem Inland eingingen, nahmen die Aufträge aus dem Ausland um 2,0 % zu, wofür eine deutlich gesteigerte Nachfrage aus dem Euro-Raum um +10,6 % verantwortlich war. Aus dem Nicht-Euroraum war hingegen ein Orderminus um 2,9 % zu verzeichnen.

Die Nachfrageentwicklung in den einzelnen Wirtschaftszweigen des Verarbeitenden Gewerbes war uneinheitlich: Die stärksten Rückgänge waren bei Herstellern von Metallerzeugnissen (-4,5 %) sowie im Bereich der Metallerzeugung (-3,5 %) und Sonstigen Fahrzeuge (-2,3 %) zu verzeichnen. Deutliche Steigerungsraten konnten demgegenüber Produzenten von Bekleidung (+7,0 %) und elektrischer Ausrüstung (+5,9 %) verbuchen. Auch die gewichtige Kfz-Industrie vermeldet eine Zunahme der Bestellungen (+1,1 %).

Die Entwicklung der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe wurde in den vergangenen Monaten immer wieder von Großaufträgen geprägt und unterlag starken Schwankungen, ist im Tend aber noch abwärts gerichtet. Die fortgesetzte Aufhellung des ifo Geschäftsklimas und des Einkaufsmanagerindexes legen eine Erholung der Industrieproduktion im weiteren Jahresverlauf nahe.

STIMMUNGSAUFHELLUNG IM EINZELHANDEL

Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz) sind im März ggü. dem Vormonat spürbar um 1,8 % gestiegen, nachdem sie in den vorangegangen vier Monaten rückläufig waren. Im Vorjahresvergleich meldete der Einzelhandel ein reales Umsatzplus von 0,3 %, nach einem Rückgang im Februar um 2,3 %. Auch der Handel mit Lebensmitteln weist im Vormonats- sowie Jahresvergleich steigende Umsätze auf (+3,6 % bzw. +3,9 % ggü. Vj.). Der Umsatz im Internet- und Versandhandel erhöhte sich im März um 3,3 % (-1,9 % ggü. Vj). Umsatzrückgänge sind im Vormonatsvergleich beim Handel mit IKT- und Datenverarbeitungsgeräten sowie Möbeln und Einrichtungsgegenständen festzustellen.

Neuzulassungen von Pkw insgesamt sind im April im Vormonatsvergleich um 1,3 % gestiegen (ggü. Vorjahresmonat: +19,8 %). Im aussagekräftigeren Zwei-Monatsvergleich gingen die Zulassungen hingegen um 3,9 % zurück. Bei den Pkw-Neuzulassungen durch Privatpersonen ergab sich im April im Vormonatsvergleich eine Zunahme um 3,1 %. In der Zwei-Monats-Betrachtung ist – nach hohen Schwankungen in den Vormonaten – ein Rückgang von 7,5 % zu konstatieren. Pkw-Neuzulassungen von Unternehmen und Selbstständigen legten im April um 0,4 % zu (März: +2,4 %).

Bei der Stimmung der privaten Haushalte in Deutschland, gemessen am GfK-Konsumklimaindex und dem HDE-Konsumbarometer, deutet sich zuletzt eine Bodenbildung an: Das HDE-Konsumbarometer stieg im Mai zum vierten Mal in Folge auf den nun höchsten Wert seit Ende 2021: Auch das Konsumklima nimmt laut GfK im April erneut leicht zu und die Prognose für Mai ist aufwärts gerichtet, wobei sich vor allem die Einkommenserwartungen positiv auswirkten. Insgesamt tendieren die Frühindikatoren zunehmend aufwärts, wenn auch ausgehend von niedrigem Niveau. Im Zuge steigender Löhne und rückläufiger Inflationsraten dürfte sich der private Verbrauch schrittweise erholen.

INFLATION VERHARRT AUF NIEDRIGEREM NIVEAU

Die Inflationsrate (Preisniveauanstieg binnen Jahresfrist) lag im April unverändert bei 2,2 %. Im Januar und Februar hatte sie noch 2,9 % bzw.2,5 % betragen. Die Inflation zeigt damit seit März 2023 einen rückläufigen Trend. Die Kernrate (ohne Energie und Nahrung) verringerte sich auf 3,0 %, nach 3,3 % im März. Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich im April im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,5 %, nachdem sie im März erstmals seit Februar 2015 gesunken waren. Die Energiepreise hingegen sind gegenüber dem Vorjahresmonat weiter gesunken, zuletzt um 1,2 %. Im Bereich der Dienstleistungen war der Preisauftrieb weiterhin mit +3,4 % überdurchschnittlich.

Auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen ist eine Verlangsamung der Preisrückgänge zu beobachten. Die Erzeugerpreise sind im März um 2,9 % gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken. Im Februar hatte die Rate bei -4,1 % gelegen. Ausschlaggebend waren die Preisrückgänge bei Energie. Im Vergleich zum Vormonat nahmen die Erzeugerpreise im März um 0,2 % zu. Die Einfuhrpreise lagen im März um 3,6 % unter dem Vorjahresmonat (+0,4 % ggü. Vormonat). Die Verkaufspreise im Großhandel sind im März im Vorjahresvergleich um 3,0 % gefallen. Gegenüber dem Vormonat stiegen sie um 0,2 %.

An den Spotmärkten entwickelten sich zuletzt die Preise für Erdgas wieder rückläufig. Aktuell liegt der TTF Base Load mit rd.30 €/MWh etwa 16 % unter dem Niveau des Vorjahres. Gegenüber dem Vormonat ist aber eine Erhöhung von knapp 10 % zu verzeichnen. Die Markterwartungen deuten darauf hin, dass sich die Erdgaspreise in den kommenden Quartalen um 30 €/MWh bewegen werden.

In den kommenden Monaten könnte es – zumindest vorübergehend – wieder zu leicht höheren Inflationsraten kommen: Zum 1. April ist die Umsatzsteuersenkung auf Gas und Fernwärme ausgelaufen und ab 1. Mai entfallen die preissenkenden Effekte des 49-Euro-Tickets, das ein Jahr zuvor eingeführt wurde (Basiseffekt). Auch sind die Preise für Dienstleistungen persistenter angesichts deutlicher Lohnsteigerungen, die aufgrund des höheren Arbeitskostenanteils hier stärker zu Buche schlagen.

Alles in allem dürften aber inflationsdämpfende Faktoren wie fortgesetzte Preisrückgänge auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen infolge gesunkener Energiebörsenpreise, die Wirkung der geldpolitischen Straffung der EZB, angemessene Tarifabschlüsse sowie eine Normalisierung der Gewinnmargen der Unternehmen im weiteren Jahresverlauf die Oberhand behalten.

SCHWACHE KONJUNKTUR HINTERLÄSST SPUREN AUF DEM ARBEITSMARKT

Auch im April kam die übliche Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt im Zuge der schwachen Konjunktur noch nicht in Fahrt: Der Aufwärtstrend bei der Arbeitslosigkeit setzte sich mit einem Anstieg um saisonbereinigt (sb) 10.000 Personen fort. Gleichzeitig nahm auch die Erwerbstätigkeit im März weiter zu (+8.000 Personen), wenn auch mit nachlassender Dynamik. Wie schon seit letztem Jahr geht der Beschäftigungszuwachs allein auf ausländische Erwerbstätige zurück. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg im Februar um 9.000 Personen (sb, Januar: +22.000 Pers.). Die konjunkturelle Kurzarbeit ist im Februar auf 204 Tausend Personen gestiegen und nimmt laut Anzeigen bei der BA auch im weiteren Verlauf zu.

Trotz der konjunkturellen Schwäche entwickelt sich der Arbeitsmarkt weiterhin recht robust. Der Stellenaufbau im Dienstleistungsbereich übertrifft nach wie vor den Beschäftigungsabbau in konjunktursensiblen Bereichen wie der Industrie und im Bau. Einzelne Frühindikatoren haben sich zuletzt etwas eingetrübt: Die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen ist weiter rückläufig und auch die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ist laut ifo-Institut im April leichtgefallen. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer deutet aber tendenziell eine Verbesserung an. Mit der erwarteten wirtschaftlichen Erholung und der voranschreitenden Beschäftigungsaufnahme Geflüchteter aus der Ukraine dürfte sich die Lage am Arbeitsmarkt im späteren Jahresverlauf wiederbeleben.

ANSTIEG DER UNTERNEHMENSINSOLVENZEN SETZT SICH WEITER FORT

Im Februar 2024 verzeichneten die Unternehmensinsolvenzen nach endgültigen Ergebnissen einen Anstieg um 10,0 % ggü. dem Vormonat (ggü. Vorjahresmonat: +31,1 %) auf 1.785. Dies ist die höchste Zuwachsrate auf Monatsbasis seit März 2022. Die Zahl lag zudem 8,0 % über dem Februar-Mittelwert des Vor-Corona-Niveaus 2016-2019. Somit setzt sich der seit Mitte 2022 bestehende Trend ansteigender Insolvenzen weiter fort. Hierzu tragen weiterhin Nachholeffekte der Corona-Pandemie sowie das für viele Unternehmen schwierige wirtschaftliche Umfeld bei. Während die Zahl der betroffenen Beschäftigten (-17,7 %) im Vergleich zum Vormonat rückläufig war, stiegen die voraussichtlichen Forderungen (+15,3 %) an.

Der IWH-Insolvenztrend weist für April 2024 mit 1.367 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften den dritten Monat in Folge einen Höchstwert seit Beginn der Erfassung im Januar 2016 aus. Allerdings erwartet das IWH ab Mai bzw. spätestens ab Juni sinkende Insolvenzzahlen, die Frühindikatoren deuten auf eine Entspannung der „derzeit noch außergewöhnlich hohen Zahl an Insolvenzen“ hin.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

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