Erwartungen steigen weiter, Lageeinschätzung stabil

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland steigen in der aktuellen Umfrage vom November 2023 erneut an. Die Einschätzung der gegenwärtigen konjunkturellen Lage hat sich hingegen kaum verändert.

ZEW, Pressemitteilung vom 14.11.2023

Der ZEW-Indikator liegt bei plus 9,8 Punkten

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland steigen in der aktuellen Umfrage vom November 2023 erneut an. Sie liegen mit plus 9,8 Punkten um 10,9 Punkte über dem Wert vom Oktober und erstmals seit April wieder im positiven Bereich. Die Einschätzung der gegenwärtigen konjunkturellen Lage hat sich hingegen kaum verändert. Sie steigt um 0,1 Punkte und liegt aktuell bei minus 79,8 Punkten.

„Die Konjunkturerwartungen für Deutschland sind erneut angestiegen. Gleichzeitig verharrt die Lageeinschätzung auf niedrigem Niveau. Es erhärtet sich somit der Eindruck, dass die Talsohle der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland erreicht ist. Die unveränderte Lageeinschätzung ist insbesondere vor dem Hintergrund einer verschlechterten Lageeinschätzung für den gesamten Euroraum bemerkenswert. Die gestiegenen Konjunkturerwartungen werden begleitet von deutlich optimistischeren Aussichten für den deutschen Industriesektor sowie die in- und ausländischen Aktienmärkte. Auch bei der Inflation sowie den kurz- und langfristigen Zinsen scheinen Wendepunkte bei den Erwartungen erreicht“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, PhD die aktuellen Ergebnisse.

Die Erwartungen der Finanzmarktexpertinnen und -experten an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone steigen im November ebenfalls deutlich an. Sie liegen mit aktuell plus 13,8 Punkten um 11,5 Punkte über dem Wert aus Oktober und somit deutlich im positiven Bereich. Der Lageindikator sinkt hingegen um 9,4 Punkte auf mittlerweile minus 61,8 Punkte, was bei der Bewertung der gestiegenen Erwartungen berücksichtigt werden muss.

Quelle: ZEW

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im November 2023

Die Stagnation der deutschen Wirtschaft hielt lt. BMWK auch im dritten Quartal an, belastet durch einen rückläufigen privaten Konsum und eine schwache außenwirtschaftliche Nachfrage.

BMWK, Pressemitteilung vom 14.11.2023

  • Die Stagnation der deutschen Wirtschaft hielt auch im dritten Quartal an, belastet durch einen rückläufigen privaten Konsum und eine schwache außenwirtschaftliche Nachfrage. Auch wenn sich die Rahmenbedingungen angesichts deutlich sinkender Inflationsraten, steigender Realeinkommen und einer leichten Aufhellung der Stimmung in der Wirtschaft etwas verbessern, wird der Einstieg in das Jahresendquartal durch die schwache statistische Ausganglage zum Ende des dritten Quartals belastet.
  • Die Produktion in der Industrie ist im September gegenüber dem Vormonat spürbar zurückgegangen (-1,7 %), während die Herstellung im Baugewerbe stagnierte (0,0 %). Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe erhöhten sich zum Quartalsende leicht (+0,2 %). Die Nachfragestabilisierung und Stimmungsindikatoren wie die ifo Geschäftserwartungen und die ZEW Konjunkturerwartungen deuten jedoch auf eine Bodenbildung bei der Industriekonjunktur hin..
  • Im Einzelhandel verlief die Entwicklung bis zuletzt noch schwach. Die realen Umsätze ohne Kfz haben sich im September im Vormonatsvergleich um 0,6 % verringert. Im Zuge steigender Löhne und rückläufiger Inflationsraten dürfte aber in den kommenden Quartalen mit einer Erholung des privaten Konsums zu rechnen sein.
  • Die Inflationsrate verringerte sich im Oktober auf 3,8 %, dem niedrigsten Wert seit August 2021. Dabei war erstmals seit Januar 2021 ein Rückgang der Energiepreise zu konstatieren (-3,2 %), was auf einen Basiseffekt aufgrund des hohen Energiepreisniveaus im Vorjahr zurückzuführen ist. Nahrungsmittel verteuerten sich im Oktober mit +6,1 % weiterhin überproportional, aber der Preisauftrieb lässt auch hier nach (September: +7,5 %).
  • Auf dem Arbeitsmarkt macht sich die wirtschaftliche Schwächephase weiter bemerkbar und die Herbstbelebung fällt schwach aus. Die Arbeitslosigkeit erhöhte sich im Oktober saisonbereinigt um 30.000 Personen. Eine Erholung am Arbeitsmarkt ist erst im Frühjahr zu erwarten.
  • Die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen ist im Juli nach endgültigen Ergebnissen (1.586) ggü. dem Vormonat mit +2,5 % (ggü. Vorjahresmonat: +37,4 %) erneut gestiegen. Damit setzt sich der seit Mitte 2022 bestehende Trend ansteigender Insolvenzzahlen weiter fort. Der Frühindikator IWH-Insolvenztrend zeigt für Oktober 2023 einen leichten Anstieg von 2,1 % ggü. dem Vormonat (Vorjahresmonat: +43,6 %). Bei der Interpretation der Zahlen ist zu berücksichtigen, dass die deutlichen Anstiege im Vergleich zum Vorjahr in Teilen auf einen Basiseffekt zurückgehen. Aufgrund der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sowie umfassender staatlicher Stützungsmaßnahmen gab es bis Mitte 2022 historisch niedrige Insolvenzzahlen.

Deutsche Wirtschaft weiter in der Stagnation

Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einer Stagnation. Laut Schnellmeldung des Statistischen Bundesamts vom 30.Oktober ist das BIP im dritten Quartal 2023 preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber Vorquartal um 0,1 Prozent geringfügig zurück gegangen. Gleichzeitig hat das Statistische Bundesamt die Ergebnisse für das erste und zweite Quartal um jeweils 0,1 Prozentpunkte auf 0,0 % bzw. +0,1 % aufwärts revidiert, was das Bild der derzeitigen wirtschaftlichen Schwächephase aber nicht grundsätzlich ändert.

Nach ersten, vorläufigen Informationen dämpfte der private Konsum angesichts der nachwirkenden Kaufkraftverluste und der anhaltenden Konsumentenunsicherheit weiterhin die wirtschaftliche Entwicklung auch im dritten Quartal. Der Außenhandel dürfte angesichts der anhaltenden weltwirtschaftlichen Schwäche im Quartalsvergleich ebenfalls rückläufig gewesen sein; sowohl Exporte als auch Importe waren zuletzt deutlich schwächer. Erfreulich ist, dass die Ausrüstungsinvestitionen erneut zugenommen haben und das Wachstum weiter stützen. Neben der Industrie war auch die Wertschöpfung im Bau und im Handel wohl weiter rückläufig. Die unternehmensnahen Dienstleistungsbereiche dürften sich dagegen günstiger entwickelt haben. Der Rückgang des BIP im dritten Quartal war auf Basis der vorliegenden Indikatoren (Industrieproduktion, Auftragseingänge) erwartet worden.

Die wirtschaftliche Schwächephase macht sich weiter auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar; der Beschäftigungsaufbau ist zu einem Stillstand gekommen und die Arbeitslosigkeit steigt in saisonbereinigter Rechnung weiter leicht an. Aktuelle Frühindikatoren deuten darauf hin, dass die wirtschaftliche Schwäche den Arbeitsmarkt noch über den Winter belasten dürfte und eine Erholung ist erst im Frühjahr zu erwarten ist.

Auch wenn einzelne Stimmungsindikatoren wie ifo Geschäftserwartungen und ZEW-Konjunkturerwartungen auf eine Bodenbildung am aktuellen Rand hindeuten und sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen im Zuge spürbar rückläufiger Inflationsraten und wieder steigender Reallöhne verbessern, wird die Aussicht auf das Jahresendquartal durch die ungünstige statistische Ausgangslage zum Ende des dritten Quartals belastet.

Weltwirtschaftliche Dynamik noch schwach, Divergenzen nehmen zu

Die weltweite Industrieproduktion nahm im August im Vergleich zum Vormonat verhalten zu (0,7 %) und auch der Welthandel expandierte mit nur 0,4 % leicht. Von den Frühindikatoren kommen aktuell gemischte Signale für die weitere Entwicklung des Welthandels. Der RWI/ISL- Containerumschlag-Index ist im Berichtsmonat September (saisonbereinigt) von 124 auf 128 Punkte gestiegen, was insbesondere mit dem Containerumschlag in chinesischen Häfen begründet wird. Der für die Aktivität in Europa besonders aussagekräftige Nordrange-Index ging aber erneut deutlich zurück (102 auf 99 Punkte). Für den Berichtsmonat Oktober deuten die Schiffbewegungsdaten des Kiel-Trade-Indikators aktuell aber auf eine Stabilisierung des Welthandels zum Jahresende hin. Sowohl der Welthandel (+ 2,0 %) als auch die Ausfuhren der großen europäischen Volkswirtschaften dürften laut KTI merklich expandiert haben.

Der Stimmungsindikator von S&P Global ging im Oktober weiter zurück und liegt nun auf der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Stimmung verschlechterte sich sowohl im Verarbeitenden Gewerbe (48,8 Punkte) als auch bei den Dienstleistern (50,4 Punkte), sodass die Aussichten für die Weltwirtschaft insgesamt weiter schwach bleiben. Laut den Prognosen internationaler Organisationen ist von einer unterdurchschnittlichen Dynamik der Weltwirtschaft mit jährlichen Zuwächsen von knapp 3 % in den kommenden beiden Jahren auszugehen. Einerseits dürften die abnehmende Inflation, steigende Löhne und der robuste Arbeitsmarkt in vielen Ländern den privaten Konsum in den kommenden Monaten beleben. Andererseits belasten die weiterhin hohe Unsicherheit im Zuge der geopolitischen Konflikte, die strafferen geld- und finanzpolitischen Rahmenbedingungen sowie die zunehmende weltwirtschaftliche Fragmentierung die Wachstumsaussichten. Für das kommende Jahr dürfte sich die Nachfrage wichtiger Handelspartner Deutschlands, z.B. der USA und Chinas, im Zuge der dortigen konjunkturellen Verlangsamung abschwächen. In den europäischen Ländern, also dem wichtigsten Absatzmarkt Deutschlands, dürfte es aber wieder langsam bergauf gehen.

Schwache Weltwirtschaft lastet auf Aussenhandel

Die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen sind im September ggü. dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt leicht zurückgegangen (-0,2 %, August: +0,6 %). Damit liegen sie im dritten Quartal um 1,5 % niedriger als im zweiten Quartal. Die nominalen Einfuhren von Waren und Dienstleistungen nahmen im September dagegen zu (0,9 %, August: -2,1 %). Gegenüber dem zweiten Quartal liegen sie mit -2,7 % aber ebenfalls im Minus.

Bei den Außenhandelspreisen wirken sich nach wie vor die hohen Preissteigerungen für Einfuhren im Vorjahr vor allem für Energie als Folge des Kriegs in der Ukraine aus. Die Einfuhrpreise gingen ggü. September 2022 deutlich um 14,3 % zurück. Im Vormonatsvergleich legten sie hingegen abermals etwas zu (+1,6 %). Dagegen stiegen die Ausfuhrpreise nur um 0,4 %, sodass sich die Terms of Trade um -1,2 % ggü. dem Vormonat verschlechterten. In realer Betrachtung dürfte der Rückgang der Exporte damit etwas stärker ausgefallen sein, die Importe dürften real ebenfalls gefallen sein.

Im Zuge der rückläufigen (nominalen) Exporte und steigenden Importen ist der monatliche Handelsbilanzüberschuss beim Warenhandel von 17,2 Mrd. Euro im August auf 15,6 Mrd. Euro im September zurückgegangen.

Von den Frühindikatoren kommen aktuell gemischte Signale für die Exportentwicklung: Die ifo Exporterwartungen liegen seit Juni deutlich im Minus, haben sich aber im Oktober leicht aufgehellt (von -10,8 auf -6,9 Punkte). Auch die Schiffbewegungsdaten des Kiel-Trade-Indikators deuten für den Berichtsmonat Oktober auf einen Anstieg der deutschen (realen) Exporte hin (+1,8 %). Aufgrund der insgesamt schwachen weltwirtschaftlichen Dynamik und der hohen Unsicherheit mit Blick auf die geopolitischen Konflikte ist eine spürbare Belebung des Außenhandels kurzfristig dennoch noch nicht zu erwarten.

Industrieproduktion zum Quartalsende spürbar rückläufig

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich im September gegenüber dem Vormonat um 1,4 % verringert; der seit Sommer anhaltende rückläufige Trend setzt sich damit weiter fort. Zuletzt verzeichneten sowohl die Industrie als auch der Bereich Energie eine Abnahme um jeweils 1,7 %, während die Herstellung im Baugewerbe stagnierte (0,0 %).

Innerhalb der Industrie war im September in den einzelnen Wirtschaftszweigen eine unterschiedliche Entwicklung zu beobachten: Der gewichtige Bereich Kfz und Kfz-Teile meldete ein deutliches Minus von 5,0 %, nachdem er allerdings im August ein kräftiges Plus von 7,3 % verzeichnet hatte. Zulegen konnten hingegen der Maschinenbau (+4,1 %) und die energieintensive Herstellung von chemischen Erzeugnissen (+0,9 %). Die energieintensiven Industriezweige insgesamt verzeichneten im September jedoch eine Abnahme um 0,4 %.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe stiegen im September gegenüber dem Vormonat um 0,2 % leicht an, nachdem es bereits im August zu einem kräftigen Zuwachs gekommen war (+1,9 %). Während die Bestellungen aus dem Ausland deutlich zunahmen (+4,2 %), war die Inlandsnachfrage stark rückläufig (-5,9 %). Der Anteil an Großaufträgen war diesmal wieder überdurchschnittlich; ohne Großaufträge gingen die Auftragseingänge um 2,2 % zurück. Vor allem im Maschinenbau war im September ein kräftiges Plus der Auftragseingänge zu beobachten (+8,5 %). Der ähnlich gewichtige Bereich Kfz und Kfz-Teile musste hingegen erneut Orderrückgänge verzeichnen (-2,5 %). Auch die Bestellungen pharmazeutischer Erzeugnisse waren rückläufig (-7,6 %). Die energieintensive Herstellung chemischer Erzeugnisse hat sich mit nunmehr drei leichten Zuwächsen in Folge stabilisiert (zuletzt: +0,6 %).

Die Produktion in der Industrie hat sich zum Ende des dritten Quartals wieder spürbar verringert, womit sich im aussagekräftigeren Quartalsvergleich ein Minus von 2,1 % ergab (zweites Quartal: -0,7 %). Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe haben sich aber zuletzt weiter stabilisiert und Stimmungsindikatoren wie die ifo Geschäftserwartungen und die ZEW Konjunkturerwartungen deuten auf eine Bodenbildung im dritten Quartal hin.

Umsätze im Einzelhandel weiterhin schwach

Die realen Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz sind im September gegenüber dem Vormonat um 0,6 % erneut gefallen, nachdem sie bereits in den drei vorangegangenen Monaten abwärtsgerichtet waren. Im Vergleich zum Vorjahresmonat meldete der Einzelhandel im September ein reales Umsatzminus von 4,1 %, vor allem aufgrund der hohen Preissteigerungen. Der Handel mit Lebensmitteln nahm im September im Vergleich zum Vormonat real um 2,6 % zu. Gegenüber dem Vorjahr blieben die Umsätze in dieser Sparte des Einzelhandels zum ersten Mal seit über zwei Jahren stabil, nachdem sie zuvor vor allem aufgrund der starken Verteuerung von Lebensmitteln zurückgegangen waren. Der Umsatz im Internet- und Versandhandel reduzierte sich im September um 3,6 % (-6,6 % ggü. Vj).

Die Neuzulassungen von Pkw durch Privatpersonen sind im Oktober um 9,1 % gestiegen, nachdem sie im September um 0,7 % zurückgegangen waren. Die Pkw-Neuzulassungen insgesamt erhöhten sich im Oktober mit 1,1 % deutlich schwächer. Ursächlich hierfürwar vor allem die schwache Entwicklung der Pkw-Neuzulassungen von Unternehmen und Selbstständigen, die sich im Oktober im Gefolge des Auslaufens der „Umweltprämie“ Ende August erneut um 2,8 % verringerten.

Frühindikatoren für die weitere Entwicklung des privaten Konsums sendeten zuletzt gemischte Signale: Laut Prognose der GfK wird sich das Konsumklima im November erneut etwas eintrüben, nachdem es sich bereits im September und Oktober leicht verschlechtert hatte. Alles in allem übertrifft das Konsumklima aber aufgrund einer spürbaren Erholungsphase im Winterhalbjahr 2022/2023 sein Niveau vom Oktober 2022 immer noch deutlich. Die ifo Geschäftserwartungen im Einzelhandel haben sich im Oktober zum dritten Mal in Folge verbessert, liegen jedoch weiterhin im negativen Bereich. Die Beurteilung der aktuellen Lage hat sich weiter eingetrübt. Insgesamt sprechen die Frühindikatoren am aktuellen Rand für eine zunächst weiterhin verhaltene Entwicklung der privaten Konsumausgaben. Bei steigenden Reallöhnen und rückläufigen Inflationsraten dürfte aber mit einer Erholung des privaten Konsums zur Jahreswende zu rechnen sein.

Inflationsrate sinkt spürbar

Die Inflationsrate (Preisniveauanstieg binnen Jahresfrist) belief sich im Oktober auf 3,8 %. Das ist der niedrigste Wert seit August 2021, was vor allem auf einen Basiseffekt (sehr hohes Energiepreisniveau im Vorjahr) zurückzuführen ist. Im September hatte die Rate noch bei 4,5 % gelegen. Die Kernrate (ohne Energie und Nahrung) lag im Oktober bei 4,3 % (Sept.: +4,6 %) und damit erneut höher als die Inflationsrate. Nahrungsmittel verteuerten sich im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat nochmals überproportional (+6,1 %), allerdings ließ der Preisauftrieb hier ebenfalls weiter nach (Sep.: +7,5 %). Erstmals seit Januar 2021 ist ein Rückgang der Energiepreise gegenüber dem Vorjahresmonat zu konstatieren (-3,2 %). Maßgeblich hierfür war vor allem ein Basiseffekt aufgrund des hohen Energiepreisniveaus im Vorjahr. Im Bereich der Dienstleistungen blieb der Preisauftrieb mit +3,9 % nahezu unverändert (Sep.: +4,0 %).

An den Spotmärkten steigen die Preise für Erdgas seit Mitte Juli tendenziell wieder an. Aktuell liegt der TTF Base Load mit rd. 45 Euro/MWh aber noch etwa 60 % unter dem Niveau vom August 2022. Gegenüber dem Vormonat ist aber ein Anstieg von rd. 7 % zu verzeichnen. Die Markterwartungen deuten darauf hin, dass die Erdgaspreise in den kommenden Quartalen bei etwa 50 Euro/MWh bleiben werden. Erst 2027 dürften sie sich gemäß der Future-Preise beim Vorkrisenniveau einpendeln.

Auch auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen ist weiter eine nachlassende Preisdynamik zu beobachten. Die Erzeugerpreise sind im September 2023 um 14,7 % gegenüber September 2022 gesunken (Aug.: -12,6 %; Juli: -6,0 %). Das war der stärkste Rückgang seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949, der auf einen Basiseffekt aufgrund des hohen Preisniveaus im Vorjahr zurückzuführen ist. Infolge des Kriegs in der Ukraine waren die Erzeugerpreise im August und September 2022 so stark gestiegen wir noch nie zuvor (Aug 22: +46,1 %; Sep 22: +45,8 % ggü. Vorjahresmonat). Im Vergleich zum Vormonat nahmen die Erzeugerpreise um 0,2 % ab. Die Einfuhrpreise gingen im September mit -14,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat kräftig zurück (+1,6 % ggü. Vormonat). Die Verkaufspreise im Großhandel sind im September im Vormonatsvergleich zwar gestiegen (+0,2 %), aber im Vorjahresvergleich um -4,1 % gefallen.

Für die nächsten Monate ist – auch mit Blick auf die Preiserwartungen der Unternehmen – von einer weiter erhöhten, aber langsam abflauenden Preisdynamik auszugehen. Der Preisdruck vergangener Kostensteigerungen und Lieferkettenstörungen ist weitgehend überwälzt worden. Die Energiepreise liegen auf moderatem Niveau. Die geldpolitische Straffung wirkt dämpfend auf die Nachfrageseite. Vor diesem Hintergrund geht die BReg in ihrer Herbstprojektion von einer Inflationsrate im Jahr 2023 von 6,1 % aus und für die Jahre 2024 und 2025 von +2,6 % bzw. 2,0 %.

Herbstbelebung am Arbeitsmarkt bleibt weiter schwach

Die wirtschaftliche Schwächephase macht sich weiter auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Die Arbeitslosigkeit ging im Oktober saisonal unterdurchschnittlich zurück. Saisonbereinigt (sb) kam es zu einem Anstieg um 30.000 Personen. Die Erwerbstätigkeit blieb im September gegenüber Vormonat in etwa unverändert (sb +3.000 Personen), erreichte mit einem Überschreiten der Schwelle von 46 Mio. Erwerbstätigen dennoch einen historischen Höchststand. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung war im August ebenfalls fast unverändert (sb -3.000). Die Kurzarbeit stieg im August leicht und die Anzeigen für Oktober erhöhten sich erneut etwas, was allerdings wie im Vormonat auf Lieferengpässe bei einzelnen Kfz- Werken zurückzuführen ist (Hochwasser in Slowenien). Frühindikatoren entwickelten sich unterschiedlich. Das ifo Beschäftigungsbarometer stieg im Oktober, die Einstellungsbereitschaft hat demnach wieder etwas zugenommen. Das IAB-Barometer weist ebenfalls eine positive, aber im Vergleich zum Frühjahr deutlich gedämpfte Beschäftigungsperspektive aus. Die IAB-Komponente zur Arbeitslosigkeit trübte sich aber erneut deutlich ein und deutet auf weiter steigende Arbeitslosigkeit hin. Die konjunkturelle Schwäche dürfte somit den Arbeitsmarkt im Winter belasten, eine Erholung ist erst im Frühjahr zu erwarten.

Insolvenzen steigen weiter an

Die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen ist nach endgültigen Ergebnissen im Juli 2023 ggü. dem Vormonat Juni leicht um 2,5 % gestiegen (Juli: 1.586; Juni: 1.548). Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (+37,4 % ggü. Juli 2022) stellt indes nicht eine Insolvenzwelle dar (aber: manche Branchen deutlich stärker betroffen als andere), sondern kann (noch) als Normalisierung eingeordnet werden. Aufgrund der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sowie umfassender staatlicher Stützungsmaßnahmen gab es bis Mitte 2022 historisch niedrige Insolvenzzahlen. Insofern lassen sich die derzeitigen hohen Anstiege ggü. 2022 auch durch einen Basiseffekt erklären. Gleichzeitig stellt das herausfordernde wirtschaftliche Umfeld mit einer schwächelnden Nachfrage, hohen Energiepreisen, gestiegenen Finanzierungskosten sowie geopolitischen Risiken zweifellos eine große Belastung für viele Unternehmen dar. Im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau, hier bezogen auf den Mittelwert der Jahre 2016-2019, zeigt sich im Betrachtungszeitraum von Januar bis Juli, dass die Unternehmensinsolvenzzahlen der amtlichen Statistik in 2023 noch im niedrigen zweistelligen Bereich unter dem früheren Niveau liegen. Am aktuellen Rand nähern sich die Zahlen dem Mittelwert 2016-2019 aber an (Januar 2023: -23,7 %; Juli 2023: -5,4 %). Allerdings: Bezogen auf von Insolvenzverfahren betroffene Arbeitnehmer/-innen (+54,4 %) sowie voraussichtliche Forderungen (+21,7 %) liegen die Zahlen von Januar bis Juli 2023 bereits jetzt erkennbar über dem Vor- Corona-Niveau.

Aktuelle Frühindikatoren wie der IWH-Insolvenztrend zeigen für Oktober 2023 (+2,1 % ggü. September 2023) eine Fortsetzung der Stabilisierung der Insolvenzzahlen, die seit Juli zu beobachten ist, auf dem aktuellen, leicht erhöhten Niveau. Laut Aussage des IWH wird für die nächsten Monate mit schrittweise steigenden Insolvenzzahlen gerechnet.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

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Veranstaltungsbranche sucht viele Fachkräfte

Die deutsche Veranstaltungsbranche sucht dringend Fachkräfte. Das geht aus der aktuellen ifo-Umfrage hervor. Im Oktober meldeten 40 % der Veranstalter Probleme, geeignete Beschäftigte zu finden, nach 45 % im Juli. Im Sommer 2022 lag der Wert noch bei 64 %.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 14.11.2023

Die deutsche Veranstaltungsbranche sucht dringend Fachkräfte. Das geht aus der aktuellen ifo-Umfrage hervor. Im Oktober meldeten 40 % der Veranstalter Probleme, geeignete Beschäftigte zu finden, nach 45 % im Juli. Im Sommer 2022 lag der Wert noch bei 64 %. „Nach vielen abgesagten Veranstaltungen während der Corona-Pandemie konnten die Mitarbeitenden häufig nicht im Betrieb gehalten werden“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. So fiel es diesen Sommer manchem Festivalveranstalter schwer, genügend Sicherheitspersonal zu gewinnen.

Existenzbedrohend ist die Lage für die Veranstalter aber nicht mehr. Im Oktober war sie es nur für 7 % der Firmen. Im Sommer 2021 waren wegen der Coronamaßnahmen 70 % der Befragten um ihre Existenz besorgt. Die Unternehmen sind noch zufrieden mit den laufenden Geschäften. „Die Veranstalter sorgen sich jedoch, dass die Nachholeffekte demnächst nach und nach auslaufen“, sagt Wohlrabe. Die Erwartungen kühlten sich ab von -12 Punkte auf -16,8 im Oktober. Trotzdem wollen die Unternehmen weiterhin neue Mitarbeitende einstellen und planen in den nächsten Monaten höhere Eintrittspreise durchzusetzen.

Die Veranstaltungsbranche wird nicht als eigenständig ausgewiesener Sektor in der Wirtschaftszweigklassifikation der amtlichen Statistik geführt. Um diese Lücke zu schließen, berechnet das ifo Institut seit Mai 2021 ein eigenes Geschäftsklima und weitere Konjunkturindikatoren für die Veranstaltungswirtschaft. Insgesamt deckt der Indikator gegenwärtig rund 220 Unternehmen ab. Darunter ein weites Spektrum aus Messe- und Kongressveranstaltern, selbständige Künstler*innen bis hin zu Theater- und Konzertveranstaltern.

Quelle: ifo Institut

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11,4 % mehr Gewerbeaufgaben größerer Betriebe von Januar bis September 2023

Von Januar bis September 2023 wurden in Deutschland rund 91.400 Betriebe gegründet, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, gaben gleichzeitig rund 72.200 Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung ihr Gewerbe vollständig auf. Das waren 11,4 % mehr als von Januar bis September 2022.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 14.11.2023

  • Gründungen größerer Betriebe nehmen um 2,5 % zu
  • Neugründungen insgesamt steigen um 8,6 %
  • Vollständige Gewerbeaufgaben insgesamt steigen um 11,4 %

Von Januar bis September 2023 wurden in Deutschland rund 91.400 Betriebe gegründet, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach Auswertung der Gewerbemeldungen mitteilt, waren das 2,5 % mehr neu gegründete größere Betriebe als von Januar bis September 2022. Gleichzeitig gaben rund 72.200 Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung ihr Gewerbe vollständig auf. Das waren 11,4 % mehr als von Januar bis September 2022.

Neugründungen insgesamt steigen deutlich um 8,6 %

Die Neugründungen von Gewerben stiegen von Januar bis September 2023 mit rund 460.300 um 8,6 % im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Gesamtzahl der Gewerbeanmeldungen nahm von Januar bis September 2023 um 7,9 % gegenüber Januar bis September 2022 auf rund 552.800 zu. Zu den Gewerbeanmeldungen zählen neben Neugründungen von Gewerbebetrieben auch Betriebsübernahmen (zum Beispiel Kauf oder Gesellschaftereintritt), Umwandlungen (zum Beispiel Verschmelzung oder Ausgliederung) und Zuzüge aus anderen Meldebezirken.

Gewerbeaufgaben insgesamt stark gestiegen: +11,4 %

Die Gesamtzahl der vollständigen Gewerbeaufgaben war von Januar bis September 2023 mit rund 352.400 um 11,4 % höher als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Gewerbeabmeldungen bei den Gewerbeämtern lag von Januar bis September 2023 mit rund 439.900 um 9,7 % über dem Vorjahresniveau. Bei dieser Gesamtzahl handelt es sich nicht nur um Gewerbeaufgaben, sondern auch um Betriebsübergaben (zum Beispiel Verkauf oder Gesellschafteraustritt), Umwandlungen oder Fortzüge in andere Meldebezirke.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

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22,4 % mehr beantragte Regelinsolvenzen im Oktober 2023 als im Oktober 2022

Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im Oktober 2023 um 22,4 % gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 14.11.2023

  • 35,7 % mehr Unternehmensinsolvenzen im August 2023 als im August 2022
  • 8,6 % mehr Verbraucherinsolvenzen im August 2023 gegenüber August 2022

Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Oktober 2023 um 22,4 % gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Im September 2023 hatte sie bereits um 19,5 % gegenüber September 2022 zugenommen, seit Juni 2023 sind durchgängig zweistellige Zuwachsraten im Vorjahresvergleich zu beobachten. Bei den Ergebnissen ist zu berücksichtigen, dass die Anträge erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik einfließen. Der tatsächliche Zeitpunkt des Insolvenzantrags liegt in vielen Fällen annähernd drei Monate davor. Die Insolvenzstatistik bildet nur Geschäftsaufgaben ab, die im Zuge eines Insolvenzverfahrens ablaufen, nicht jedoch solche aus anderen Gründen beziehungsweise vor Eintritt akuter Zahlungsschwierigkeiten. Diese und weitere Hinweise sind bei der Interpretation der Insolvenzstatistiken zu beachten.

Zahl der Unternehmensinsolvenzen im August 2023 um mehr als ein Drittel gestiegen

Im August 2023 haben die Amtsgerichte nach endgültigen Ergebnissen 1.556 beantragte Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das waren 35,7 % mehr als im August 2022. Die Forderungen der Gläubiger aus den im August 2023 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte auf rund 1,8 Milliarden Euro. Im August 2022 hatten die Forderungen bei rund 0,8 Milliarden Euro gelegen.

Insolvenzhäufigkeit im Bereich Verkehr und Lagerei am höchsten

Bezogen auf 10.000 Unternehmen gab es im August 2023 in Deutschland insgesamt 4,6 Unternehmensinsolvenzen. Die meisten Insolvenzen je 10.000 Unternehmen entfielen auf den Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei mit 9,9 Fällen. Dann folgten die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (zum Beispiel Zeitarbeitsfirmen) mit 7,7 Fällen. Die geringste Insolvenzhäufigkeit mit 0,6 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen gab es in der Energieversorgung.

8,6 % mehr Verbraucherinsolvenzen im August 2023 als im August 2022

Im August 2023 gab es 5.843 Verbraucherinsolvenzen. Damit stieg die Zahl der Verbraucherinsolvenzen um 8,6 % gegenüber dem Vorjahresmonat. (…)

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

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Inflation für alle Haushaltstypen deutlich unter 4 Prozent – normale Mehrwertsteuer auf Gas und Fernwärme trifft Ärmere am stärksten

Die Hans-Böckler-Stiftung hat die neuen Werte des IMK Inflationsmonitors veröffentlicht.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 13.11.2023

Die Inflationsrate in Deutschland ist im Oktober auf 3,8 Prozent gesunken. Damit war die Teuerung einerseits fast doppelt so stark wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) in ihrer Zielinflationsrate angestrebt, andererseits weniger als halb so hoch wie im Oktober 2022 (8,8) Prozent. Ebenfalls stark zurückgegangen ist die Spanne der Inflationsbelastung zwischen verschiedenen Haushaltstypen, die sich nach Einkommen und Personenzahl unterscheiden. Der Unterschied zwischen der höchsten und der niedrigsten haushaltsspezifischen Rate betrug im Oktober 2023 0,6 Prozentpunkte, während es 3,1 Prozentpunkte ein Jahr zuvor waren. Nach September 2023 zum zweiten Mal seit Beginn der drastischen Teuerungswelle waren dabei ärmere Haushalte, unabhängig von ihrer Größe, nicht mehr am oberen Rand der haushaltsspezifischen Inflationsraten zu verorten, sondern nun im unteren Bereich. Familien mit niedrigen Einkommen hatten im Oktober eine Inflationsrate von 3,0 Prozent zu tragen, bei Alleinlebenden mit niedrigen Einkommen waren es 3,2 Prozent. Da ärmere Singles und ärmere Familien über den größeren Teil des Jahres 2023 mit zum Teil deutlich überdurchschnittlichen Teuerungsraten konfrontiert waren, dürfte trotzdem auch ihre Jahresrate vergleichsweise hoch ausfallen. Und wenn, wie aktuell von der Bundesregierung geplant, die Mehrwertsteuer auf Gas und Fernwärme schon ab Januar statt ab April 2024 wieder auf 19 Prozent steigt, würde das Haushalte mit niedrigen Einkommen überproportional betreffen. Da Haushaltsenergie bei ihren monatlichen Ausgaben eine relativ große Rolle spielt, „öffnet sich dann die soziale Schere wieder“, schreiben Dr. Silke Tober und Prof. Dr. Sebastian Dullien im neuen IMK-Inflationsmonitor, den das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung vorlegt.

Die Inflationsexpertin und der wissenschaftliche Direktor des IMK berechnen seit Anfang 2022 jeden Monat spezifische Teuerungsraten für neun repräsentative Haushaltstypen, die sich nach Zahl und Alter der Mitglieder sowie nach dem Einkommen unterscheiden.

Ärmere Haushalte waren während der aktuellen Teuerungswelle bis in den Herbst hinein besonders stark durch die Inflation belastet, weil sie einen großen Teil ihres schmalen Budgets für Güter des Grundbedarfs wie Nahrungsmittel und Haushaltsenergie ausgeben müssen. Diese waren die stärksten Preistreiber. Im Laufe der letzten Monate hat die Preisdynamik dort aber nachgelassen, sodass sich die einkommensspezifischen Differenzen seit dem Höhepunkt im Oktober 2022 stark verändert haben. Damals hatten Familien mit niedrigen Einkommen die höchste Inflationsrate im Haushaltsvergleich mit 11,0 Prozent. Dagegen waren es bei Alleinlebenden mit sehr hohen Einkommen 7,9 Prozent. Doch auch wenn die Inflationsraten seitdem stark gesunken sind und die Werte für die verschiedenen Haushalte sich angenähert haben, wird das Problem steigender Preise vor allem für Menschen mit niedrigen Einkommen dadurch verschärft, dass viele nur geringe finanzielle Rücklagen haben und die Alltagsgüter, die sie vor allem kaufen, kaum zu ersetzen sind.

Dass die allgemeine Inflationsrate von September auf Oktober um 0,7 Prozentpunkte zurückgegangen ist, liegt unter anderem daran, dass die Energiepreise geringfügig niedriger lagen. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Preise für Haushaltsenergie kaum gestiegen sind und die Kraftstoffpreise deutlich geringer ausfielen. Zudem verteuerten sich Lebensmittel zwar noch einmal um gut sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr, das stellt aber eine deutliche Verlangsamung gegenüber den Monaten zuvor dar. Auch bei den übrigen untersuchten Haushaltstypen wirkte sich die nachlassende Preisdynamik im Grundbedarf aus, allerdings weniger stark als bei den ärmeren: So betrug die Preissteigerung bei Familien mit hohen Einkommen im Oktober 3,6 Prozent, bei Paaren ohne Kinder mit mittleren Einkommen 3,5 Prozent und bei Alleinlebenden mit sehr hohen Einkommen 3,4 Prozent. Familien mit mittleren Einkommen sowie Singles mit höheren Einkommen verzeichneten Teuerungsraten von jeweils 3,3 Prozent. Bei Alleinlebenden und bei Alleinerziehenden mit jeweils mittleren Einkommen schlug die Inflation mit je 3,2 Prozent zu Buche. Dass aktuell die spezifischen Inflationsraten der einzelnen Haushaltstypen etwas unter der allgemeinen Rate liegen, beruht darauf, dass das IMK bei der Gewichtung der Warenkörbe die repräsentative Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) heranzieht, während das Statistische Bundesamt seit Jahresanfang auf die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zurückgreift.

„Höchste Zeit, dass EZB Zinserhöhungszyklus beendet hat“

Für die kommenden Monate erwarten Tober und Dullien einen weiteren Rückgang der Inflationsrate, wobei der Dezember wegen der staatlichen Abschlagsübernahme für Erdgas- und Fernwärme-Haushalte im Vorjahr einen Ausreißer darstellen wird. Die Fachleute des IMK rechnen auch mit einer sinkenden Kerninflation, weil die niedrigeren Energie- und Rohstoffpreise mit einigem Zeitverzug über die Produktionsketten hinweg auch bei den Endkund*innen ankommen. Zudem wirke die Auflösung von Lieferengpässen dämpfend. Die sinkende Tendenz bei der Teuerung dürfte sich zunächst abschwächen, analysieren die Fachleute. Bremsend wirkten zum Jahresanfang die Normalisierung des Mehrwertsteuersatzes auf Speisen in Gaststätten sowie die Anhebung des CO2-Preises. Sollte die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer bei Gas und Fernwärme tatsächlich ebenfalls auf Januar vorgezogen werden, würde allein deswegen die Inflationsrate zwischen Januar und März um 0,2 Prozentpunkte höher ausfallen. All das dürfte den Trend zu niedrigeren Teuerungsraten aber nicht drehen, betonen Tober und Dullien, zumal die hohen Preissteigerungen der Vergangenheit sukzessive aus der Inflationsberechnung fallen. Unter dem Strich dürfte sich 2024 die Inflationsrate „dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent deutlich annähern“, schreiben sie.

Vor diesem Hintergrund und angesichts der wirtschaftlichen Schwäche im Euroraum und insbesondere in Deutschland „war es höchste Zeit, dass die EZB ihren Zinserhöhungszyklus beendet hat“, so die IMK-Fachleute. Die „Normalisierung“ der Geldpolitik im vergangenen Jahr sei bei Aufwärtsrisiken für die Inflation und den damals noch recht positiven Wirtschaftsaussichten angebracht gewesen. Seitdem habe die EZB aber überzogen agiert: „Da die Zweitrundeneffekte durch erhöhte Lohnsteigerungen überschaubar bleiben, war die deutliche geldpolitische Restriktion zur Inflationsbekämpfung nicht nur unnötig, sondern riskiert eine Verzögerung der klimapolitisch erforderlichen Investitionen und ein erneutes Unterschreiten des Inflationsziels wie in den fünf Jahren vor der Pandemie.“

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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Materialengpässe in der Industrie merklich kleiner

Die Materialknappheit in der deutschen Industrie hat deutlich abgenommen. Im Oktober berichteten noch 18,2 % der befragten Firmen von Engpässen, nach 24,0 % im September. Das geht aus der aktuellen Umfrage des ifo Instituts hervor.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 13.11.2023

Die Materialknappheit in der deutschen Industrie hat deutlich abgenommen. Im Oktober berichteten noch 18,2 % der befragten Firmen von Engpässen, nach 24,0 % im September. Das geht aus der aktuellen Umfrage des ifo Instituts hervor. „Das Vorkrisenniveau ist nicht mehr weit entfernt“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Die Unternehmen sollten jetzt für künftige Engpässe vorsorgen, die Lieferketten diversifizieren und die Lagerhaltung erhöhen.“

Im Automobilbau berichten nach wie vor die meisten Unternehmen von Lieferengpässen. Der entsprechende Anteil ist aber auch kräftig gesunken von 53,3 auf 36,8 %. In allen anderen Branchen liegt der Wert unter 30 %, meist sogar unter 20 %. Im Maschinenbau und bei den Herstellern von Elektrischen Ausrüstungen berichtete rund jedes vierte Unternehmen von Lieferengpässen. Nahezu sorgenfrei sind das Papiergewerbe (0 %) und die Hersteller von Druckerzeugnissen (1,1) oder Getränken (1,4 %).

Der Höhepunkt der Lieferprobleme in der Industrie war im Dezember 2021, als 82,4 % der Unternehmen darüber klagten.

Quelle: ifo Institut

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Deutscher VC-Markt: Geschäftsklima bleibt auf Erholungskurs

Auf dem deutschen Venture Capital-Markt bleibt das Geschäftsklima im Spätsommer 2023 auf Erholungskurs. Die Entwicklung im dritten Quartal stimmt hoffnungsvoll, dass sich der Optimismus nach und nach auch in einer verbesserten Geschäftslage auf dem deutschen VC-Markt niederschlägt. Aufgrund des hohen Erwartungsüberhangs bleibt die Rückschlaggefahr aber hoch.

KfW, Pressemitteilung vom 10.11.2023

  • Lageindikator zieht leicht an – Geschäftsklima auf Erholungskurs
  • Fundraisingklima kaum verändert: Erwartungen deutlich besser als aktuelle Lage
  • Frostiges Exitklima taut langsam auf

Auf dem deutschen Venture Capital-Markt bleibt das Geschäftsklima im Spätsommer 2023 auf Erholungskurs. Der Geschäftsklimaindikator des Frühphasensegments tendiert mit einem Plus von 2,4 Zählern auf -19,6 Saldenpunkte etwas besser als im Vorquartal. Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage (+7,3 Zähler auf -32,4 Saldenpunkte) holt dabei leicht zu den Geschäftserwartungen auf, die noch immer deutlich optimistischer sind (-6,8 Saldenpunkte auf -2,5 Zähler). Die Entwicklung im dritten Quartal stimmt hoffnungsvoll, dass sich der Optimismus nach und nach auch in einer verbesserten Geschäftslage auf dem deutschen VC-Markt niederschlägt. Aufgrund des hohen Erwartungsüberhangs bleibt die Rückschlaggefahr aber hoch.

Auch bei anderen wichtigen Marktfaktoren herrscht eine gewisse Zuversicht im Hinblick auf die kommenden Monate. Dies gilt für Fundraising, Exits sowie Investitionsbereitschaft gleichermaßen. Die aktuelle Fundraisinglage bleibt mit -59,8 Saldenpunkten knapp über seinem bisherigen Tiefpunkt, während die Fundraisingerwartungen mit -17,8 Saldenpunkten nach wie vor eine deutliche Verbesserung erhoffen lassen. Beim Exitklima haben sich die Erwartungen im dritten Quartal mit einem Stand von -15,1 Saldenpunkten (+27,3 Zähler) deutlich von der aktuellen Lage mit -57,8 Saldenpunkten abgesetzt. Getrieben von den optimistischeren Erwartungen scheint das frostige Exitklima somit langsam aufzutauen.

Insbesondere bei Exitmöglichkeiten via Secondaries hat sich das Klima verbessert. Offenbar haben sich die Marktbedingungen jetzt so eingestellt, dass potenzielle Verkäufer und Käufer bestehender Start-up-Beteiligungen häufiger zusammenfinden. Investoren bieten sich günstige Einstiegschancen bei attraktiven Start-ups, sie sind mit dem Niveau der Einstiegsbewertungen für Neuengagements aktuell sehr zufrieden. Dies münzt sich derzeit allerdings nicht in eine höhere Investitionstätigkeit um. Mangelnde Nachfrage ist offenbar nicht der Grund dafür. Denn die Dealflowindikatoren liegen über ihren langfristigen Durchschnittswerten.

„Die Stimmung auf dem deutschen VC-Markt bleibt auf Erholungskurs, auch wenn sie im Spätsommer nur noch leicht gestiegen ist,“ sagt Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, „man könnte von Tauwetter sprechen, wenn auch nahe dem Gefrierpunkt. Denn die Stimmung bezüglich der aktuellen Lage bleibt trotz Verbesserung eisig. Die Erwartungen sind dagegen trotz eines leichten Dämpfers sonniger. Die optimistischeren Erwartungen ließen eigentlich auf eine weitere Erholung des Geschäftsklimas zum Jahresende hoffen. Vermutlich wird aber der Krieg im Nahen Osten und das Risiko wirtschaftlicher Auswirkungen für den Fall einer Eskalation auf die Stimmung drücken. Das direkte Exposure hiesiger Investoren in Israel ist zwar gering, ein weiterer Krisenherd erhöht dennoch die wirtschaftspolitische Unsicherheit und wird möglichen positiven Effekten wie der Zinserhöhungspause der Notenbanken zumindest teilweise entgegenwirken.“

Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des BVK sagt:

„Der Optimismus kehrt langsam zurück. Aktuell fehlen jedoch zündende Impulse, um die langsame Erholung auch in einen Stimmungsaufschwung und letztendlich wieder in wachsende Investitionen umzumünzen. Gesamtwirtschaftlich blickt jeder auf die Zinspolitik und die Konjunktursignale. Mit Blick auf den deutschen VC-Markt erwarten wir vom Marktstart des Wachstumsfonds einen Impuls, der das Fundraisingumfeld sicher verbessern wird. Einen „Wumms“ erhoffen wir uns vom Zukunftsfinanzierungsgesetz, aber nur sofern dieses, wie im Regierungsentwurf vorgeschlagen, verabschiedet wird. Entscheidende Elemente sind die Abschaffung der Umsatzsteuer auf Managementgebühren und die Verbesserungen bei Mitarbeiterkapitalbeteiligungen. Investoren und Start-ups setzen darauf, dass die Koalitionäre hier keinen Rückzieher machen.“

Die KfW berechnet das German Venture Capital Barometer zusammen mit dem Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) und dem Deutsche Börse Venture Network exklusiv für das Handelsblatt. Ausführliche Analysen mit Datentabellen und Grafiken zur Entwicklung des Geschäftsklimas im Venture Capital- und Later Stage-Segments sind unter www.kfw.de/gpeb abrufbar.

Quelle: KfW

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Ökonomen sehen deutlich schlechtere wirtschaftspolitische Lage in Deutschland

Wirtschaftsexperten sehen eine deutlich verschlechterte wirtschaftspolitische Lage in Deutschland, Österreich und der Schweiz gegenüber dem Vorquartal. Dies zeigt der Economic Experts Survey, eine globale vierteljährliche Umfrage des ifo Instituts und des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 10.11.2023

Wirtschaftsexpertinnen und -experten sehen eine deutlich verschlechterte wirtschaftspolitische Lage in Deutschland, Österreich und der Schweiz gegenüber dem Vorquartal. Dies zeigt der Economic Experts Survey (EES), eine globale vierteljährliche Umfrage des ifo Instituts und des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik.

Sie bewerteten die Wirtschaftspolitik in Deutschland und Österreich mit jeweils -16 Punkten und in der Schweiz mit -8 Punkten, auf einer Skala von -100 bis +100. Diese Bewertungen weichen vom weltweiten Durchschnitt von +0,5 Punkten ab. „In Deutschland kritisieren die Experten, dass die Wirtschaftspolitik planlos erscheint und zu wenig auf Marktmechanismen setzt“, sagt ifo-Forscher Niklas Potrafke.

In Großbritannien allerdings sanken die Bewertungen noch stärker, um 27 Punkte, in Italien um 21 und in Spanien nur um 2 Punkte. In Frankreich hingegen schätzten die örtlichen Experten die Wirtschaftspolitik leicht positiver ein, +1 Punkt.

In den USA waren die örtlichen Experten mit +9 Punkten deutlich positiver gestimmt, in China waren es +4 Punkte, aber viel weniger als in Indien (+34 Punkte). Japan schnitt dagegen mit -13 Punkten fast so schlecht wie Deutschland ab.

An der Umfrage vom 26. September bis 11. Oktober 2023 nahmen 1.541 Wirtschaftsexpertinnen und -experten aus 128 Ländern teil.

Quelle: ifo Institut

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Sorge um Inflation bremst nachhaltigen Konsum

73 Prozent der Konsumenten in Deutschland glauben, dass sie durch ihr eigenes Verhalten zum Klima- und Umweltschutz beitragen können – dennoch kaufen sie aktuell weniger nachhaltig ein. Der GfK Nachhaltigkeitsindex sinkt im Oktober auf den niedrigsten Wert seit seiner ersten Erhebung im Februar 2022 und liegt nun bei 92,7 Punkten.

GfK, Pressemitteilung vom 09.11.2023

73 Prozent der Konsumenten in Deutschland glauben, dass sie durch ihr eigenes Verhalten zum Klima- und Umweltschutz beitragen können – dennoch kaufen sie aktuell weniger nachhaltig ein. Der GfK Nachhaltigkeitsindex sinkt im Oktober auf den niedrigsten Wert seit seiner ersten Erhebung im Februar 2022 und liegt nun bei 92,7 Punkten.

Nachhaltigkeit bleibt den Deutschen wichtig, aber angesichts anhaltender Inflation und der Angst vor Arbeitslosigkeit sind die Konsumenten stark verunsichert. Das lässt die Kauflaune insgesamt und insbesondere die Preisbereitschaft für nachhaltige Anschaffungen in diesem Monat sinken. Entsprechend gibt der GfK Nachhaltigkeitsindex weiter nach und liegt nun 8,8 Punkte unter dem Wert für August 2023. „Die aktuelle Situation zeigt, dass nachhaltiger Konsum zunehmend eine Frage des Einkommens wird“, stellt Petra Süptitz, Nachhaltigkeitsexpertin bei GfK fest. „Es sind vor allem Menschen mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 4.000 Euro und mehr, die bereit sind, unter Nachhaltigkeitsaspekten einzukaufen.“

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Der Index für nachhaltige größere Anschaffungen sinkt im Oktober von 100,8 auf 91,8 Punkte. Der Anteil derjenigen, die in den letzten Monaten nachhaltig gekauft haben, reduziert sich auf 26 Prozent (Juli: 28 Prozent). Der Anteil derjenigen, die planen, in den nächsten 12 Monaten größere Anschaffungen unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten zu tätigen, bleibt im Oktober stabil bei 28 Prozent.
  • Der Index für nachhaltige FMCG-Produkte* sinkt im Oktober von 101,9 Punkten auf 93,2 Punkte. Der Anteil derjenigen, die im letzten Monat nachhaltig gekauft haben, ist von 72 Prozent auf 69 Prozent gefallen. Nur 21 Prozent der Menschen geben an, häufig zu nachhaltigen Produkten zu greifen; im Juli waren es noch 27 Prozent. Der Anteil derjenigen, die planen, im nächsten Monat nachhaltige FMCG-Produkte zu kaufen, ist ebenfalls um 6 Prozentpunkte auf 64 Prozent gesunken.
  • Immer weniger Verbraucher wollen für Nachhaltigkeit tiefer in die Tasche greifen: Bei FMCG-Produkten sagen 63 Prozent, bei größeren Anschaffungen 67 Prozent der Menschen, die nachhaltige Einkäufe planen, dass sie dafür mehr Geld ausgeben würden. Das sind jeweils 5 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Befragung.

Nachhaltigkeit ja, aber Komfort muss sein

Laut der Studie GfK Consumer Life ist der Klimawandel für die Deutschen weiterhin ein wichtiges Thema und gehört zu den Top 3 der Sorgen. Dennoch gibt es aus Sicht der Konsumenten verschiedene Barrieren für nachhaltiges Handeln, wie eine aktuelle Sonderauswertung von GfK zeigt. So wachsen beispielsweise die Zweifel an der eigenen Wirksamkeit. „Obwohl drei Viertel der Menschen weiterhin glauben, dass sie mit ihrem Konsumverhalten zum Klimaschutz beitragen können, sind sie zunehmend krisenmüde“, sagt Petra Süptitz. „Fast die Hälfte der Studienteilnehmer ist überzeugt, dass es nichts bringt, wenn sie selbst umweltfreundlich handeln, aber andere nicht. Daher ist es wichtig, dass auch Unternehmen die Menschen für Veränderungen ihres Lebensstils begeistern, um das Gefühl der Selbstwirksamkeit zu stärken.“ Auch die höheren Preise hindern immer mehr Konsumenten daran, nachhaltige Produkte einzukaufen. Waren es vor vier Jahren noch 31 Prozent der Deutschen, die angaben, dass sie sich Nachhaltigkeit finanziell nicht leisten können, liegt dieser Anteil nun mit 48 Prozent deutlich höher. Betroffen sind vor allem Frauen, Menschen mit niedrigem Einkommen und Single-Haushalte.

Die GfK-Studie zeigt zudem, dass 65 Prozent der Verbraucher trotz ihres ökologischen Bewusstseins nicht auf einen gewissen Komfort verzichten möchten. Dazu gehört auch das eigene Auto, das für 65 Prozent der Befragten wichtig ist. Hier spielt die Verkehrsinfrastruktur eine wichtige Rolle: Der schlechte Ausbau des Nahverkehrs ist für 62 Prozent der Deutschen ein Hindernis, sich alternativ fortzubewegen. Das trifft insbesondere auf die Bevölkerung im ländlichen Raum zu. Allerdings ist dieser Wert im Vergleich zu 2020 um 6 Prozentpunkte gesunken.

Jüngere Zielgruppen wünschen sich mehr nachhaltige Auswahl

Betrachtet man die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen, zeigen sich hier einerseits eher hedonistische Gründe, die gegen nachhaltigen Konsum sprechen, wie nicht auf Fernreisen, die neuesten technischen Gadgets oder angesagte Kleidung verzichten zu wollen. Andererseits fehlt den jungen Konsumenten häufig das Angebot an umweltfreundlich verpackten und nachhaltig hergestellten Produkten, die ihren Ansprüchen genügen. Hier sind Hersteller und Händler gefragt, das Sortiment entsprechend auszubauen.

Darüber hinaus sind Glaubwürdigkeit und Vertrauen in Punkto Nachhaltigkeit kaufentscheidend, nicht nur für junge Konsumenten. Die GfK-Daten zeigen, dass mehr als die Hälfte der deutschen Konsumenten gar nicht einschätzen kann, wie umweltverträglich Produkte wirklich sind. „Zahlen und Fakten spielen jedoch für fast zwei Drittel der Deutschen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, den Nachhaltigkeitsversprechen zu glauben“, erklärt Petra Süptitz. „Besonders die Gruppe der krisenfesten Konsumenten mit hohem Einkommen, die rund ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, lassen sich mit datenbasierten Nachhaltigkeitsaussagen erreichen. Hier können Hersteller und Händler mit entsprechender Kommunikation für Vertrauen sorgen.“

Quelle: GfK

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