Hohe Inflation führt im 2. Quartal 2022 zu Reallohnrückgang von 4,4 %

Die anhaltend hohe Inflation in Deutschland hat im 2. Quartal 2022 erneut zu einem Reallohnrückgang geführt.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 29.08.2022

Nominallohnanstieg um 2,9 % zum Vorjahresquartal kann Inflation nicht ausgleichen

Die anhaltend hohe Inflation in Deutschland hat im 2. Quartal 2022 erneut zu einem Reallohnrückgang geführt: Zwar war der Nominallohnindex im 2. Quartal 2022 nach vorläufigen Ergebnissen der neuen Verdiensterhebung um 2,9 % höher als im Vorjahresquartal, allerdings stiegen die Verbraucherpreise im selben Zeitraum um 7,6 %. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, ergibt dies einen realen (preisbereinigten) Verdienstrückgang von 4,4 %, nachdem die Reallöhne im 1. Quartal 2022 um 1,8 % gegenüber dem Vorjahresquartal gesunken waren. Die Inflation zehrte somit den Nominallohnanstieg auch im 2. Quartal 2022 mehr als auf. Der Nominallohnindex bildet die Entwicklung der Bruttomonatsverdienste der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einschließlich Sonderzahlungen ab, während der Reallohnindex über die preisbereinigte Verdienstentwicklung Auskunft gibt.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2022

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ifo Exporterwartungen gesunken (August 2022)

Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren hat sich erneut verschlechtert. Die ifo Exporterwartungen sind im August auf minus 2,7 Punkte gefallen, von minus 0,4 Punkten im Juli. Die Unternehmen erwarten keine dynamische Entwicklung ihrer Exporte. Die hohen Gaspreise und ein schwaches weltwirtschaftliches Umfeld belasten den Ausblick.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 26.08.2022

Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren hat sich erneut verschlechtert. Die ifo Exporterwartungen sind im August auf minus 2,7 Punkte gefallen, von minus 0,4 Punkten im Juli. Die Unternehmen erwarten keine dynamische Entwicklung ihrer Exporte. Die hohen Gaspreise und ein schwaches weltwirtschaftliches Umfeld belasten den Ausblick.

Eine Mehrheit der Branchen erwartet einen Rückgang der Exporte. Aber deutliche Zuwächse beim Export erwarten die Fahrzeughersteller und ihre Zulieferer. Auch die Bekleidungsindustrie sowie die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen rechneten mit steigenden Auslandsumsätzen. Einen deutlichen Dämpfer musste die chemische Industrie verkraften. Die Erwartungen fielen auf den niedrigsten Stand seit April 2020. Bei den Druckern wurde sogar ein Allzeittief erreicht.

Quelle: ifo Institut, 2022

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KfW-Konjunkturkompass Sommer 2022: Zwischen Stagflation und Rezession

Die voraussichtlich schrumpfende Wirtschaftsleistung in der zweiten Jahreshälfte 2022 und zu Beginn von 2023 wirkt sich vor allem auf die Wachstumsprognose für das kommende Jahr aus: KfW Research senkt diese auf -0,3 % (Vorprognose: +1,2 %).

KfW, Pressemitteilung vom 25.08.2022

  • Konjunktur trübt sich ab Jahresmitte ein, der Schub aus Erholung der Dienstleister ebbt ab
  • KfW Research erwartet für 2022 Zunahme des deutschen BIP um 1,4 %; 2023 Minus von 0,3 %
  • Deutsche Inflationsrate 2022 bei 8,4 %; 2023 dank nachlassenden Drucks im Jahresverlauf bei 5,1 %

Der sehr hohe Nachholbedarf in den zuvor pandemiebeschränkten Dienstleistungsbereichen sorgte im ersten Quartal für ein kräftiges Wachstum und war auch im zweiten Quartal noch so stark, dass sich die Auf- und Abtriebskräfte für die deutsche Wirtschaft in etwa in der Waage hielten. Ab der Jahresmitte dürften nun aber die konjunkturellen Abtriebskräfte überwiegen, die vor allem von den Folgen des russischen Kriegsangriffs auf die Ukraine und der damit entstandenen Energiekrise, aber auch von den anhaltenden Störungen in den globalen Lieferketten insbesondere infolge wiederkehrender strikter Lockdowns in China ausgehen. Nachdem die Aufholbewegung bei den Dienstleistern inzwischen praktisch abgeschlossenen ist, dämpfen die enormen Kaufkraftverluste aufgrund stark steigender Lebenshaltungskosten und Anpassungen der Produktion in energieintensiven Branchen die Konjunktur.

KfW Research rechnet für das laufende dritte Quartal und vor allem für das Winterhalbjahr 2022/2023 mit leicht negativen Quartalswachstumsraten in Deutschland. Erst ab Frühjahr 2023 dürfte eine Rückkehr auf einen moderaten Wachstumspfad anstehen, wenn die Unsicherheit über die Gasversorgung abnimmt, eine Anpassung der Produktion in energieintensiven Industrien erfolgt ist und steigende Nominallöhne im Zusammenspiel mit sinkenden Inflationsraten die Realeinkommensentwicklung wieder etwas verbessern. Alles in allem dürfte die deutsche Wirtschaft dank des gelungenen Jahresstarts im Gesamtjahr 2022 noch um 1,4 % wachsen (Vorprognose: +1,6 %). Die voraussichtlich schrumpfende Wirtschaftsleistung in der zweiten Jahreshälfte 2022 und zu Beginn von 2023 wirkt sich vor allem auf die Wachstumsprognose für das kommende Jahr aus: KfW Research senkt diese auf -0,3 % (Vorprognose: +1,2 %).

„Mit mindestens zwei aufeinanderfolgenden negativen Quartalen haben wir es per Definition mit einer technischen Rezession zu tun.“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Praktisch bedeutet unsere Konjunkturprognose aber Stagnation beziehungsweise – mit Blick die gleichzeitig sehr hohe Inflation – Stagflation im kommenden Jahr im Gegensatz zu einer echten Rezession. Von der in unserer neuen Prognose vorhergesagten leichten Schrumpfung des BIP um 0,3 % sind 0,2 Prozentpunkte auf weniger Arbeitstage im Jahr 2023 zurückzuführen, also einen negativen Kalendereffekt. Angesichts der weiter hohen Fachkräfteengpässe gehen wir auch von relativ stabiler Beschäftigung aus, weil Unternehmen trotz angespannter Wirtschaftslage zweimal nachdenken, bevor sie Mitarbeitenden kündigen.“

Auf die Eurozone insgesamt wirken dieselben konjunkturellen Kräfte wie auf Deutschland. Allerdings haben viele Eurostaaten und insbesondere die großen Länder Frankreich, Italien und Spanien im vergangenen Quartal besonders von einer kräftigen Erholung im Tourismus profitiert. Vorteilhaft ist außerdem ein kleineres gesamtwirtschaftliches Gewicht der Industrie, die zudem etwas weniger stark von internationalen Wertschöpfungsketten und russischen Gaslieferungen abhängig ist. In der ersten Jahreshälfte hat sich das Wachstum im Euroraum daher überraschend stark gezeigt: Im ersten Quartal lag es bei 0,5 % und für das zweite Quartal werden sogar 0,7 % ausgewiesen. Das Vorkrisenniveau des BIP vom vierten Quartal 2019 überschreitet das BIP bereits um 1,5 %. Im laufenden dritten Quartal dürfte der Schwung aus der Tourismuserholung aber auslaufen, bevor ab Herbst der Gegenwind überwiegt und auch die Eurozone in eine technische Rezession abgleitet. Wegen des starken ersten Halbjahrs hebt KfW Research die Prognose für das BIP der Eurozone im Jahr 2022 auf 3,0 % an (Vorprognose: +2,5 %), während für 2022 nur noch ein Wachstum von 0,5 % zu erwarten ist (Vorprognose: +1,3 %).

„Die Energiepreisinflation in Deutschland wird im Herbst mit der kürzlich beschlossenen Gasumlage und regulären Anpassungen der Gas- und Stromtarife an die massiv gestiegenen Großhandelspreise voraussichtlich einen neuen Schub bekommen“, so Köhler-Geib weiter. „Inflationsdämpfende Maßnahmen wie das 9-Euro-Ticket und der Tankrabatt laufen außerdem aus. Dies führt dazu, dass sich ein Abwärtstrend bei der Inflationsrate weiter verzögert. Im Durchschnitt des Jahres 2022 wird die Inflation in Deutschland gemessen am EU-weit vergleichbaren harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) voraussichtlich 8,4 % betragen.“ Neben Energie tragen besonders die Lebensmittel zur hohen Inflation bei. Im Verlauf von 2023 dürfte es allerdings zu einer rückläufigen Entwicklung der monatlich gemeldeten Gesamtinflationsrate kommen, da Basiseffekte aus dem Vorjahr die Beiträge aus der Energie- und Lebensmittelpreisinflation verringern. Ab dem Jahresende 2022 anziehende Löhne und Dienstleistungspreise halten jedoch den Druck bei der Inflation ohne Energie- und Lebensmittelpreise (Kernrate) hoch. Diese liegt in der zweiten Hälfte von 2023 voraussichtlich sogar in einigen Monaten über der Gesamtinflationsrate. Mittelfristig dürften die Konjunkturschwäche und die geldpolitische Straffung der EZB aber dämpfend auf die Kerninflation wirken. Für das Gesamtjahr 2023 erwartet KfW Research, dass die deutsche Inflationsrate mit 5,1 % noch sehr hoch ausfällt, vor allem aber wegen hoher Raten zum Jahresbeginn. Für die Eurozone insgesamt ist mit sehr ähnlichen Inflationsraten in diesem und dem kommenden Jahr zu rechnen (2022: +8,5 %; 2023: +4,6 %).

Angesichts der zahlreichen Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg und dessen Folgen ist die Prognoseunsicherheit gegenwärtig außerordentlich hoch. Um dem zu begegnen, hat KfW Research auch ein adverses Szenario gerechnet, das von einem zeitnahen und vollständigen Stopp der russischen Gaslieferungen ausgeht. In diesem Fall würde sich die deutsche Konjunktur erheblich schlechter entwickeln. Erstens wäre in diesem Fall mit noch größeren Kaufkraftverlusten und Konsumrückgängen aufgrund noch höherer Energieausgaben zu rechnen. Zweitens würde eine Rationierung des Gasverbrauchs wahrscheinlicher, die wohl vor allem große Industrieunternehmen beträfe. Für die Berechnung nahm KfW Research unter anderem an, dass es zu einer Rationierung von 10 bis 20 % des Gasverbrauchs in besonders gasintensiven Industriebereichen und erheblichen Zweitrundeneffekten kommt. Im Jahresdurchschnitt 2022 wäre dann noch ein Realwachstum von knapp 1 % zu erwarten, für 2023 beliefe sich das Minus hingegen auf rund 2½ %. Die Inflation würde unter diesen Voraussetzungen vor allem 2023 noch höher ausfallen als im Basisszenario, anschließend könnte aber der inflationsdämpfende Effekt der Rezession überwiegen.

Quelle: KfW

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Digitalstrategie der Bundesregierung – Der Anfang ist gemacht

Datenwirtschaft, intelligente Mobilität, digitaler Staat und mehr: Die neue Digitalstrategie der Bundesregierung umfasst ein breites Themenspektrum – darunter konkrete Projekte und Meilensteine ebenso wie eher abstrakte Vorhaben. In einzelnen Teilen bildet sie lt. DIHK jedoch nur einen Minimalkonsens ab, vor allem bleibt häufig die Unternehmenssicht außer Acht.

DIHK, Mitteilung vom 25.08.2022

Ein umfassender digitaler Aufbruch für Deutschland – so lautet die Vision, die bereits im November 2021 im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verkündet wurde. Um sie Wirklichkeit werden zu lassen, hat das Digital- und Verkehrsministerium gemeinsam mit weiteren Ministerien einen Entwurf für eine neue Digitalstrategie erarbeitet. Das Themenspektrum reicht von intelligenter Mobilität über die Datenwirtschaft bis hin zum digitalen Staat. Zum Teil werden konkrete Projekte und Meilensteine festgeschrieben, andere Bereiche bleiben im Ungefähren.

Digitalstrategie zukunftsfest aufsetzen

Die Strategie der Bundesregierung enthält viele wichtige Ziele. Dazu gehören insbesondere die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen, die Entwicklung innovativer Lösungen in Bereichen wie Mobilität und Smart City oder der Ausbau der digitalen Infrastruktur. Vieles kommt einem bekannt vor – kein Wunder, denn über Jahre wurde etliches nicht oder nur zögerlich angepackt. In einzelnen Themenkomplexen bildet die Strategie vor allem den Minimalkonsens zwischen den beteiligten Ressorts ab. Dadurch bleiben viele der Vorhaben weiterhin auf abstrakter Ebene. In Teilen fehlt vor allem ein konkreter Unternehmensbezug.

Unternehmen stärker einbeziehen

Im Kapitel zum digitalen Staat drängt sich der Eindruck auf, dass die öffentliche Hand eines noch nicht realisiert hat: Unternehmen sind die Poweruser der Verwaltung – daher sollte auf diese Gruppe ein entsprechender Schwerpunkt gelegt werden. Das gilt vor allem für das Thema „digitale Identitäten“, das auch und insbesondere im unternehmerischen Kontext ein zentrales ist: Die Betriebe vermissen ein bundesweit einheitliches Unternehmenskonto, über das sie alle Verwaltungsleistungen abwickeln können und das grundlegende, wiederverwendbare Daten und Informationen enthält. Hier sollte die Politik Prioritäten setzen und schnell Lösungen schaffen.

Gut – da konkret – ist das Vorhaben der Bundesregierung, im europäischen Verwaltungs-Ranking von heute Platz 18 unter die Top 10 zu gelangen. Allerdings gab es in der Vergangenheit bereits ähnliche Zielmarken, die regelmäßig verfehlt wurden.

Obwohl die Handlungsfelder breit gefächert sind, greift die Strategie für die Wirtschaft wesentliche Themen nicht ausreichend auf. So sollte die Digitalisierung von Planungs- und Genehmigungsverfahren insgesamt stärker hervorgehoben werden.

Jetzt die Weichen klug für die Zukunft stellen

Das Kabinett möchte die Digitalstrategie am 31. August verabschieden. Ohne zusätzliche Mittel und Kapazitäten werden viele Projekte und Ziele nicht mit der nötigen Geschwindigkeit umsetzbar sein.

Das in der Strategie nur angekündigte „Digitalbudget“ darf nicht auf die lange Bank geschoben werden. Zudem werden in den Ministerien ausreichend digital kompetente Mitarbeitende benötigt, um die vielen richtigen Ziele ressortübergreifend aus einem Guss zu verfolgen, neue technologische Fragestellungen rechtzeitig aufzugreifen und in den laufenden Prozess einzufügen. Die zuständigen Ministerien sollten sehr zeitnah einen konkreten Plan für die Mittelverteilung vorlegen, auf deren Basis der Bundestag die erforderlichen Haushaltsmittel freigibt.

Die Bewältigung aktueller Herausforderungen ist ohne die Digitalisierung undenkbar – sei es beim Umgang mit Fachkräfteengpässen, als Lösungsansatz zur Steigerung der Energieeffizienz oder im Zuge der andauernden Pandemiesituation. Der digitale Aufbruch ist dringlicher denn je – und erfordert eine entsprechende Einstufung in Politik und Verwaltung.

Quelle: DIHK

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Bruttoinlandsprodukt: Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2022

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 2. Quartal 2022 gegenüber dem 1. Quartal 2022 nach neuesten Berechnungen um 0,1 % gestiegen und hat damit das Vorkrisenniveau des 4. Quartals 2019 erreicht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fiel die Entwicklung etwas positiver aus als in der Schnellmeldung am 29.07.2022 berichtet.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 25.08.2022

Wirtschaftsleistung erreicht Vorkrisenniveau des 4. Quartals 2019

Bruttoinlandsprodukt (BIP), 2. Quartal 2022

  • +0,1 % zum Vorquartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt)
  • +1,8 % zum Vorjahresquartal (preisbereinigt)
  • +1,7 % zum Vorjahresquartal (preis- und kalenderbereinigt)

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 2. Quartal 2022 gegenüber dem 1. Quartal 2022 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – nach neuesten Berechnungen um 0,1 % gestiegen und hat damit das Vorkrisenniveau des 4. Quartals 2019 erreicht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) fiel die Entwicklung etwas positiver aus als in der Schnellmeldung am 29. Juli 2022 berichtet. „Trotz der schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat sich die deutsche Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen 2022 behauptet“, sagt Dr. Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes. Im 1. Quartal 2022 war die deutsche Wirtschaft um 0,8 % gewachsen.

Inländische Nachfrage legt kräftig zu

Gestützt wurde die Wirtschaft vor allem von den privaten und staatlichen Konsumausgaben. Trotz starker Preissteigerungen und Energiekrise nutzten die Verbraucherinnen und Verbraucher die Aufhebung fast aller Corona-Beschränkungen im 2. Quartal 2022, um zum Beispiel wieder mehr zu reisen und auszugehen. Die privaten Konsumausgaben waren insgesamt 0,8 % höher als im 1. Quartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt). Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben um 2,3 %. Während die Investitionen in Ausrüstungen – also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge – preis-, saison- und kalenderbereinigt gegenüber dem Vorquartal ebenfalls stiegen (+1,1 %), rutschten die Bauinvestitionen nach dem ungewöhnlich guten und milden Winter deutlich ins Minus (-3,4 %).

Der Handel mit dem Ausland nahm insgesamt zu. Obwohl im 2. Quartal 2022 unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine deutlich weniger Waren nach Russland exportiert wurden als zu Beginn des Jahres, meldeten die Unternehmen insgesamt stabile Exporte: Trotz der weltweit gestörten Lieferketten wurden preis-, saison- und kalenderbereinigt 0,3 % mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als im 1. Quartal 2022. Die Importe legten im Vorquartalsvergleich mit +1,6 % aber stärker zu.

Bruttowertschöpfung in den meisten Dienstleistungsbereichen im Plus, in der Industrie im Minus

Die preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttowertschöpfung war im 2. Quartal 2022 insgesamt um 0,3 % niedriger als im 1. Quartal 2022. Dabei zeigte sich in den einzelnen Wirtschaftsbereichen ein gemischtes Bild: Die Wirtschaftsleistung im Verarbeitenden Gewerbe ging um 0,5 % zurück; vor allem die energieintensiven Branchen wie die chemische Industrie sowie die Metallerzeugung und -verarbeitung dämpften die Entwicklung. In den meisten Dienstleistungsbereichen führte die Aufhebung der Corona-Beschränkungen dagegen zu einem Anstieg der Wirtschaftsleistung. Ausnahmen waren die zusammengefassten Bereiche Handel, Verkehr und Gastgewerbe (‑1,5 %), was allerdings nur am Minus im Handel lag, sowie Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit (-0,8 %). Im Baugewerbe sank die Bruttowertschöpfung im 2. Quartal 2022 im Vergleich zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt kräftig um 2,4 %.

Bruttoinlandsprodukt im Vorjahresvergleich gestiegen

Im Vorjahresvergleich war das BIP im 2. Quartal 2022 preisbereinigt 1,8 % höher als im 2. Quartal 2021. Preis- und kalenderbereinigt betrug das BIP-Wachstum des 2. Quartals 2022 im Vergleich zum Vorjahresquartal 1,7 %.

Gestiegene Nachfrage aus dem In- und Ausland gegenüber dem Vorjahr

Die inländische Nachfrage legte auch im Vorjahresvergleich trotz starker Preisanstiege und globaler Unsicherheiten deutlich zu. Das gilt vor allem für die privaten Konsumausgaben, die preisbereinigt gegenüber dem 2. Quartal 2021 um 7,2 % stiegen. Der Wegfall nahezu sämtlicher Corona-Einschränkungen Ende März 2022 weckte die Reiselust der Menschen: Die Ausgaben für Dienstleistungen in den Bereichen Beherbergung und Gaststätten sowie Verkehr stiegen im 2. Quartal 2022 kräftig. Daneben gaben die privaten Haushalte auch mehr Geld für kurzlebige Güter wie Bekleidung und Schuhe aus. Für langlebige Güter wurde weniger ausgegeben, Ursachen dafür dürften neben starken Preisanstiegen auch verschärfte Lieferengpässe insbesondere bei Autos gewesen sein. Die hohen Preise für Lebensmittel sowie höhere Konsumausgaben für Dienstleistungen in der Gastronomie führten wohl zu niedrigeren preisbereinigten Konsumausgaben für Nahrungsmittel als im 2. Quartal 2021. Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben (+1,9 %) gegenüber dem 2. Quartal 2021, was vor allem an höheren Ausgaben für soziale Sachleistungen lag. Dazu trugen neben weiterhin hohen Pflegekosten auch höhere Kosten für die Krankenversicherung bei, unter anderem wegen der ungewöhnlich hohen Zahl an Infektionskrankheiten.

Bei den Investitionen war das Bild gemischt: In Ausrüstungen wurde preisbereinigt etwas mehr investiert als ein Jahr zuvor (+0,6 %), trotz anziehender Preise und geringerer gewerblicher Pkw-Neuzulassungen. Bei den Bauinvestitionen führten dagegen hohe Baupreise, Lieferengpässe und Fachkräftemangel zu einem Rückgang von 3,9 % im Vergleich zum 2. Quartal 2021.

Der Handel mit dem Ausland nahm im Vergleich zum Vorjahr zu: Im 2. Quartal 2022 wurde insgesamt 1,9 % mehr exportiert als im 2. Quartal 2021. Die Importe nahmen im selben Zeitraum preisbereinigt um 7,2 % zu. Der Handel mit Waren fiel dabei deutlich weniger dynamisch aus als der Dienstleistungshandel. Ein Grund für den kräftigen Anstieg der Dienstleistungsimporte und -exporte im 2. Quartal 2022 war der wiedererstarkte Reiseverkehr.

Fast alle Dienstleistungsbereiche steigerten ihre Wirtschaftsleistung im Vorjahresvergleich, Baugewerbe deutlich im Minus

Insgesamt lag die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im 2. Quartal 2022 um 2,0 % über dem Niveau des 2. Quartals 2021.

Getrieben von der Aufhebung fast aller Corona-Schutzmaßnahmen Ende März 2022 nahm die Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2022 in fast allen Dienstleistungsbereichen zu. Besonders stark stieg die Bruttowertschöpfung im Bereich der sonstigen Dienstleister, zu dem unter anderem die Kreativwirtschaft sowie Sport, Unterhaltung und Erholung zählen. Auch im Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr gab es insgesamt einen kräftigen Anstieg um 5,9 %, was aber allein an den zweistelligen Zuwächsen im Gastgewerbe und Verkehrsbereich lag, während der Handel deutlich im Minus war. Im Baugewerbe ging die Wirtschaftsleistung ebenfalls deutlich zurück (-3,9 %), was unter anderem an den besonders starken Preissteigerungen in diesem Bereich lag. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es dagegen nur einen leichten Rückgang von 0,6 % gegenüber dem Vorjahr.

Erwerbstätigenzahl stabil über Vorkrisenniveau

Die Wirtschaftsleistung wurde im 2. Quartal 2022 von rund 45,5 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Das waren 664 000 Personen oder 1,5 % mehr als ein Jahr zuvor und wieder mehr als vor der Corona-Krise (siehe Pressemitteilung Nr. 351/22 vom 18. August 2022).

Die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen waren um 0,5 % geringer als im 2. Quartal 2021, was vor allem mit einem höheren Krankenstand und mehr genommenen Urlaubstagen zusammenhängt. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen – also die Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden aller Erwerbstätigen – nahm dadurch nur um 1,0 % zu. Das ergaben erste vorläufige Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität – gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigenstunde – nahm nach vorläufigen Berechnungen gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,7 % zu. Je Erwerbstätigen war sie um 0,3 % höher als im 2. Quartal 2021.

Einkommen und Konsum steigen kräftig, Sparquote im Vorjahresvergleich rückläufig

In jeweiligen Preisen gerechnet war das BIP im 2. Quartal 2022 um 7,8 % und das Bruttonationaleinkommen um 7,2 % höher als ein Jahr zuvor. Das Volkseinkommen war nur 3,1 % höher als im 2. Quartal 2021. Während das Arbeitnehmerentgelt um 5,6 % gegenüber dem Vorjahr anstieg, verzeichneten die Unternehmens- und Vermögenseinkommen nach ersten vorläufigen Berechnungen einen Rückgang um 3,0 %. Im Vorjahresquartal war das Arbeitnehmerentgelt gegenüber dem 2. Quartal 2020 mit 5,1 % ähnlich stark gestiegen, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen mit 39,9 % kräftig zugenommen hatten.

Die Bruttolöhne und -gehälter der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer lagen im 2. Quartal 2022 um 6,1 % über dem Niveau des 2. Quartals 2021, die Nettolöhne und -gehälter um 5,9 %. Im Durchschnitt je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer nahmen die Löhne und Gehälter etwas weniger stark zu (brutto +4,3 %, netto +4,1 %). Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte war 6,4 % höher als vor einem Jahr. Die privaten Konsumausgaben in jeweiligen Preisen lagen 14,3 % über dem Vorjahreswert. Während die privaten Haushalte in den beiden stark von der Corona-Pandemie betroffenen Jahren 2020 und 2021 weniger konsumiert und mehr gespart hatten als gewöhnlich, führten im 2. Quartal 2022 die Aufhebung nahezu sämtlicher Corona-Einschränkungen einerseits und die starken Preisanstiege andererseits zu stark steigenden nominalen Konsumausgaben und einer Sparquote auf Vorkrisenniveau: Diese lag nach vorläufigen Berechnungen bei 10,1 % (nach 16,5 % im 2. Quartal 2021).

Die deutsche Wirtschaft im internationalen Vergleich

In den anderen großen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) hat die Wirtschaft im 2. Quartal 2022 stärker zugelegt als in Deutschland: So stieg das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP im Vergleich zum 1. Quartal 2022 in Spanien um 1,1 %, in Italien um 1,0 % und in Frankreich um 0,5 %. Einige kleinere Länder verzeichneten hingegen ähnliche Zuwächse wie Deutschland (+0,1 %) oder sogar leichte Rückgänge. Für die EU insgesamt meldete das europäische Statistikamt Eurostat nach vorläufigen Berechnungen einen BIP-Anstieg um 0,6 % gegenüber dem Vorquartal. Die Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten (USA) nahm im Gegensatz zur Entwicklung in Deutschland und der EU im 2. Quartal 2022 um 0,2 % ab. Im Vorjahresvergleich liegen die BIP-Wachstumsraten der anderen EU-Mitgliedstaaten fast alle höher als in Deutschland.

Verglichen mit dem 4. Quartal 2019, dem Quartal vor Beginn der Corona-Pandemie, zeigt sich, dass das BIP in Deutschland im 2. Quartal 2022 erstmals wieder das Vorkrisenniveau erreichte (0,0 %). Hingegen lag die Wirtschaftsleistung in Spanien (‑2,5 %) weiterhin deutlich unter dem Niveau des 4. Quartals 2019, während die EU insgesamt (+2,0 %), Frankreich (+1,0 %) und Italien (+1,0 %) ihr Vorkrisenniveau übertrafen. Die Vereinigten Staaten verzeichneten trotz des leichten Rückgangs ein noch stärkeres Wachstum von 2,5 % im Vorkrisenvergleich.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2022

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ifo Geschäftsklimaindex minimal gesunken (August 2022)

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist schlecht. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im August auf 88,5 Punkte gefallen, nach 88,7 Punkten im Juli. Die Unternehmen waren etwas weniger zufrieden mit den laufenden Geschäften. Der Ausblick auf die kommenden Monate blieb nahezu unverändert deutlich pessimistisch. Die Unsicherheit unter den Unternehmen bleibt hoch.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 25.08.2022

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist schlecht. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im August auf 88,5 Punkte gefallen, nach 88,7 Punkten im Juli. Die Unternehmen waren etwas weniger zufrieden mit den laufenden Geschäften. Der Ausblick auf die kommenden Monate blieb nahezu unverändert deutlich pessimistisch. Die Unsicherheit unter den Unternehmen bleibt hoch. Die Wirtschaftsleistung dürfte im dritten Quartal schrumpfen.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Index unverändert geblieben. Während die Unternehmen die aktuelle Lage etwas weniger gut beurteilten, fielen die Erwartungen etwas weniger pessimistisch aus. Der Auftragsbestand war erneut leicht rückläufig. Insbesondere die chemische Industrie berichtete von großen Problemen.

Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima leicht verbessert, nach dem starken Einbruch im Vormonat. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage etwas besser. Ihre Erwartungen blieben unverändert pessimistisch. Während sich im Tourismus die Stimmung etwas erholte, erwartet das Gastgewerbe eine merkliche Verschlechterung der Geschäfte.

Im Handel setzte der Indikator seine Talfahrt fort. Immer weniger Firmen berichteten von gut laufenden Geschäften. Die Erwartungen sind äußerst pessimistisch. Viele Händler stehen vor einem Dilemma. Einerseits belasten die hohen Inflationsraten ihr Geschäft. Andererseits kommen sie um Preiserhöhungen wegen gestiegener Kosten kaum herum.

Im Bauhauptgewerbe hat sich das Geschäftsklima verbessert. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage etwas besser. Zudem nahm der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate ein wenig ab.

Quelle: ifo Institut

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Monopolkommission: Unternehmenskonzentration rückläufig

Der seit 1978, dem Beginn der Berichterstattung durch die Monopolkommission, zu beobachtende Rücklauf bei der aggregierten Unternehmenskonzentration setzt sich fort. Das geht aus einer Unterrichtung (20/3065) der Bundesregierung zum 24. Hauptgutachten der Monopolkommission zum Thema Wettbewerb 2022 hervor.

Deutscher Bundestag, Mitteilung vom 24.08.2022

Der seit 1978, dem Beginn der Berichterstattung durch die Monopolkommission, zu beobachtende Rücklauf bei der aggregierten Unternehmenskonzentration setzt sich fort. Das geht aus einer Unterrichtung (20/3065) der Bundesregierung zum 24. Hauptgutachten der Monopolkommission zum Thema Wettbewerb 2022 hervor. „Der Anteil der 100 größten Unternehmen an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung ist abermals gesunken, die personellen Verflechtungen der führenden Unternehmen untereinander sind rückläufig und die kapitalmäßige Verflechtung befindet sich weiterhin auf einem niedrigen Niveau“, heißt es in der Unterrichtung. Doch in den ohnehin hoch konzentrierten regulierten Wirtschaftszweigen des Dienstleistungssektors sei ein deutlicher Konzentrationsanstieg zu beobachten, schreibt die Monopolkommission weiter.

Beim Thema Fusionskontrolle äußert sich das Gremium kritisch zu der neuen Praxis der Europäischen Kommission, auch solche Verweisungen von Zusammenschlussvorhaben seitens der Mitgliedstaaten zu fördern und anzunehmen, „die nicht der nationalen Anmeldepflicht unterliegen“. Stattdessen halte es man für sinnvoller, den Anwendungsbereich der deutschen Transaktionswertschwelle auszuweiten und eine Transaktionswertschwelle auf Unionsebene und in den Mitgliedstaaten einzuführen. Die Monopolkommission kommt in dem Bericht zudem zu dem Schluss, dass in vielen Fällen kein Zielkonflikt zwischen dem Schutz des Wettbewerbs und dem Erreichen von Nachhaltigkeitszielen existiere. Eine generelle Ausnahme von Nachhaltigkeitsinitiativen vom Kartellrecht sei nicht zu empfehlen.

Quelle: Deutscher Bundestag, hib-Nr. 425/2022

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Zwischenbilanz des WSI-Tarifarchivs

Nach den bislang vorliegenden Abschlüssen steigen die Tariflöhne 2022 durchschnittlich nominal um 2,9 Prozent, nach Abzug der Inflationsrate sinken sie real um 3,6 Prozent. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Halbjahresbilanz, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung vorlegte.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 23.08.2022

Nach den bislang vorliegenden Abschlüssen steigen die Tariflöhne 2022 durchschnittlich nominal um 2,9 Prozent, nach Abzug der Inflationsrate sinken sie real um 3,6 Prozent

Unter Berücksichtigung der im 1. Halbjahr 2022 abgeschlossenen Tarifverträge und der in den Vorjahren für 2022 bereits vereinbarten Tariferhöhungen steigen die Tariflöhne in diesem Jahr nominal um durchschnittlich 2,9 Prozent. Vor dem Hintergrund der Inflation im ersten Halbjahr 2022 ergibt sich hieraus real ein Rückgang von 3,6 Prozent. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Halbjahresbilanz, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung am 23.08.2022 vorlegte.

Für knapp 11 Millionen Beschäftigte werden in 2022 Tariferhöhungen wirksam, die bereits 2021 oder früher in Tarifverträgen mit mehrjähriger Laufzeit festgelegt wurden. Hierzu gehören auch große Tarifbranchen wie z. B. der öffentliche Dienst oder der Einzelhandel. Diese älteren Abschlüsse wurden zu einem Zeitpunkt vereinbart, an dem noch von deutlich geringeren Inflationsraten ausgegangen wurde. Demnach schlagen diese Vereinbarungen für 2022 mit einer Tariferhöhung von lediglich 2,5 Prozent zu Buche.

Angesichts der im Zuge des Ukraine-Krieges deutlich gestiegenen Inflationsraten ist bei den im ersten Halbjahr 2022 erzielten Tarifabschlüssen auch ein Trend zu höheren Tarifzuwächsen erkennbar. Sie bleiben mit durchschnittlich 4,5 Prozent jedoch hinter der aktuellen Preisentwicklung zurück. Da insgesamt die Anzahl der bislang von den tarifvertraglichen Neuabschlüssen betroffenen Beschäftigten mit knapp über 3 Millionen relativ gering ausfällt, ergibt sich zusammen mit den älteren Tarifabschlüssen für 2022 eine Tariferhöhung von insgesamt 2,9 Prozent.

„Nachdem die Tariflöhne in den 2010er Jahren real relativ deutlich zugenommen haben, drohen 2022 für viele Beschäftigte im zweiten Jahr in Folge Reallohnverluste“, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Prof. Dr. Thorsten Schulten.

Allerdings gibt es auch einige Tarifbranchen, in denen gegen den Trend nicht nur die Preisentwicklung ausgeglichen wird, sondern darüber hinaus auch Reallohnzuwächse zu beobachten sind. Hierzu gehören vor allem eine Reihe von klassischen Niedriglohnbranchen wie z. B. das Hotel- und Gaststättengewerbe, das Gebäudereinigungshandwerk oder die Leiharbeit. In diesen Branchen wurden in Tarifabschlüssen der vergangenen Monate vor allem für die unteren Entgeltgruppen kräftige Entgeltzuwächse in vielfach zweistelliger Höhe vereinbart.

„Mit außergewöhnlich hohen Entgeltzuwächsen reagieren diese Tarifbranchen auf den zunehmenden Arbeits- und Fachkräftemangel. Zugleich nutzen sie die von der Bundesregierung beschlossene Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro, um oberhalb dessen die tarifvertraglichen Entgeltstrukturen neu aufzubauen. Entgegen mancher Kritik aus den Arbeitgeberverbänden erweist sich der Mindestlohn damit als ein wichtiges Instrument zur Stärkung der Tarifvertragsbeziehungen“, so Schulten.

Die Tarifrunde 2022 wird im zweiten Halbjahr durch eine Reihe weiterer Tarifverhandlungen komplettiert werden, die insgesamt die Tarifbilanz des Jahres noch verschieben können. Hierzu gehören einige Tarifbereiche, in denen bislang noch zu kein Verhandlungsergebnis erzielt werden konnte (wie z. B. bei den Seehäfen) oder in denen im Frühjahr 2022 die Verhandlungen bewusst unterbrochen wurden, um sie im Herbst fortzusetzen (wie in der Chemischen Industrie). Hinzu kommen die im September startenden Verhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie sowie die Ende des Jahres beginnende Tarifrunde im Öffentlichen Dienst bei Bund und Gemeinden.

Schulten zufolge gab es in den letzten Jahrzehnten kaum eine Tarifrunde, die unter vergleichbar schwierigen Rahmenbedingungen stattfand: „Angesichts der vollkommen ungewissen Entwicklung des Ukraine-Krieges und seiner wirtschaftlichen Folgen ist die Tarifpolitik allein in vielen Branchen überfordert, die Kaufkraftverluste der Beschäftigten auszugleichen. Hier sind zusätzliche Entlastungsmaßnahmen durch den Staat notwendig.“ Zugleich kritisiert Schulten die Maßhalteapelle an die Gewerkschaften: „Ein nüchterner Blick auf die Tarifdaten zeigt: Die vielbeschworene Lohn-Preis-Spirale ist eine Fata Morgana. Es besteht im Gegenteil die Gefahr, dass Reallohnverluste die private Nachfrage weiter schwächen und damit die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich beschädigen.“

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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Bedingungen für Start-ups sollen besser werden

Anfang des Jahres gab es in Deutschland 25 „Einhörner“ – Start-ups mit einer Marktbewertung von mindestens einer Milliarde US-Dollar. Das teilt die Bundesregierung in ihrer als Unterrichtung vorliegender „Start-up-Strategie“ mit.

Deutscher Bundestag, Mitteilung vom 23.08.2022

Anfang des Jahres gab es in Deutschland 25 „Einhörner“ – Start-ups mit einer Marktbewertung von mindestens einer Milliarde US-Dollar. Das teilt die Bundesregierung in ihrer als Unterrichtung (20/3063) vorliegender „Start-up-Strategie“ mit. Man begrüße das Ziel der Europäischen Kommission, die Zahl der „Einhörner“ in Europa bis 2030 zu verdoppeln, heißt es weiter. Start-ups seien „Ideengeber und Innovationstreiber“; sie stünden für „Dynamik, Erneuerung und Transformation“. Zentrale Ziele der Bundesregierung seien deshalb die Stärkung und Förderung des Start-up-Ökosystems in Deutschland und Europa.

Um hierzulande die Bedingungen für Gründerinnen und Gründer zu verbessern, habe die Bundesregierung erstmals eine „umfassende Start-up-Strategie“ mit zehn Handlungsfeldern vorgelegt, heißt es in der Unterrichtung. Diese solle unter anderem die Finanzierung von Start-ups stärken, Ausgründungen aus der Wissenschaft erleichtern, die Rahmenbedingungen für gemeinwohlorientierte Start-ups verbessern und Kompetenzen für öffentliche Aufträge mobilisieren. Die in der Start-up-Strategie gebündelten Maßnahmen sollen innerhalb der laufenden Legislaturperiode umgesetzt werden. Die Ausgaben dafür würden „im Rahmen der geltenden Haushalts- und Finanzplanungsansätze finanziert“, teilt die Bundesregierung mit.

Quelle: Deutscher Bundestag, hib-Nr. 423/2022

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Auswirkungen der IED-Novelle auf Unternehmen

Die Auswirkungen der geplanten Änderungen zur Industrieemissionsrichtlinie (IED-Richtlinie) seien „im Einzelnen noch nicht abschätzbar“, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung (20/3108) auf eine Kleine Anfrage der CDU/CSU-Fraktion (20/2945).

Deutscher Bundestag, Mitteilung vom 23.08.2022

Die Auswirkungen der geplanten Änderungen zur Industrieemissionsrichtlinie (IED-Richtlinie) seien „im Einzelnen noch nicht abschätzbar“, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung (20/3108) auf eine Kleine Anfrage der CDU/CSU-Fraktion (20/2945). Die finanziellen Auswirkungen fielen von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich aus. Es gebe jedoch eine Reihe von Fördermaßnahmen, mit denen die Industrie im Rahmen der Transformation unterstützt werde, schreibt die Bundesregierung und nennt als ein Beispiel das Förderprogramm Dekarbonisierung der Industrie des Bundeswirtschaftsministeriums.

Als Hintergrund der Anfrage verweist die Unionsfraktion auf die von der Europäischen Kommission geplante Überarbeitung der IED-Richtlinie. Dabei solle der Geltungsbereich der Richtlinie, welche die Zulassung und den Betrieb von Industrieanlagen in Europa regelt, erheblich ausgeweitet werden. Derzeit seien davon etwa 52.000 Anlagen erfasst, 9.000 in Deutschland, heißt es in der Anfrage. Darin hatten die Abgeordneten unter anderem nach den personellen und finanziellen Auswirkungen der geänderten IED-Richtlinie auf Mittelstand und Industrie gefragt.

Quelle: Deutscher Bundestag, hib-Nr. 422/2022

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