Inflationsrate im Mai 2020 bei +0,6 %

Die Inflationsrate in Deutschland – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – lag im Mai 2020 bei +0,6 %. Damit schwächte sich die Inflationsrate den dritten Monat in Folge ab. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, sanken die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vormonat um 0,1 %

Sinkende Energiepreise schwächen die Inflationsrate ab – trotz teurer Nahrungsmittel
Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 16.06.2020

Verbraucherpreisindex, Mai 2020

  • +0,6 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
  • -0,1 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Mai 2020

  • +0,5 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
  • 0,0 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Die Inflationsrate in Deutschland – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – lag im Mai 2020 bei +0,6 %. Damit schwächte sich die Inflationsrate den dritten Monat in Folge ab. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, sanken die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vormonat April 2020 um 0,1 %.

Durch sinkende Energiepreise verbilligten sich Waren binnen Jahresfrist um 0,4%

Die Preise für Waren insgesamt verbilligten sich von Mai 2019 bis Mai 2020 um 0,4 %. Maßgeblich hierfür war der Preisrückgang bei Energieprodukten um 8,5 %, der sich erneut verstärkte (April: -5,8 %). Infolge des seit Jahresbeginn anhaltenden Ölpreisverfalls auf dem Weltmarkt gaben vor allem die Preise für Heizöl (-30,5 %) und Kraftstoffe (-20,7 %) gegenüber dem Vorjahresmonat kräftig nach. Hingegen verteuerte sich Strom um 4,2 %. Hier wirkte sich weiterhin die Erhöhung der EEG-Umlage zu Jahresbeginn aus. Die Preise für Nahrungsmittel stiegen überdurchschnittlich mit 4,5 % gegenüber Mai 2019. Teurer für Verbraucherinnen und Verbraucher wurden vor allem Obst (+10,5 %) sowie Fleisch und Fleischwaren (+9,2 %), billiger hingegen Speisefette und Speiseöle (-4,5 %).

Inflationsrate ohne Energieprodukte mit +1,6 % deutlich über der Gesamtteuerung

Vor allem die deutlichen Preisrückgänge bei Energieprodukten wirkten sich dämpfend auf die Inflationsrate aus: Ohne Berücksichtigung der Preise für Energieprodukte hätte die Inflationsrate im Mai 2020 weitaus höher bei +1,6 % gelegen.

Dienstleistungen verteuerten sich binnen Jahresfrist überdurchschnittlich um 1,3 %

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt erhöhten sich im Mai 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat überdurchschnittlich um 1,3 %. Bedeutsam für die Preisentwicklung der Dienstleistungen war die Preiserhöhung bei den Nettokaltmieten (+1,4 %), da private Haushalte einen großen Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Die Lockerung der Corona-Maßnahmen ermöglichte den Konsumenten, Dienstleistungen wieder stärker zu nutzen. Jedoch mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher beispielsweise für Leistungen beim Friseur und für die Körperpflege 4,4 % mehr bezahlen als vor einem Jahr. Auch beim Besuch in Restaurants, Cafés und im Straßenverkauf stiegen die Preise um 2,4 %. Ein Grund dürfte hier jeweils die Umsetzung der Hygieneauflagen nach der Wiedereröffnung in Zeiten der Corona-Pandemie sein.

Preisrückgang binnen Monatsfrist bei Energie, aber Anstieg bei Obst

Im Vergleich zum April 2020 sank der Verbraucherpreisindex insgesamt im Mai 2020 um 0,1 %. Die Preise für Energieprodukte gingen mit 1,3 % deutlich zurück, insbesondere wurden Heizöl (-7,0 %) und Kraftstoffe (-2,4 %) billiger. Dagegen stiegen die Preise für Obst um 1,3%.

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juni 2020

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer tiefen Rezession. Die gesamtwirtschaftliche Leistung im Durchschnitt des zweiten Quartals wird noch einmal sehr viel stärker zurückgehen als dies bereits mit -2,2 % im ersten Quartal erfolgte. Der weitere Erholungsprozess im zweiten Halbjahr und auch danach wird lt. BMWi schleppend erfolgen und sich länger hinziehen.

BMWi, Pressemitteilung vom 15.06.2020

  • Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die deutsche Wirtschaft in eine tiefe Rezession geführt. Mit dem Shutdown im März und April wurde auch die Wirtschaftsleistung drastisch eingeschränkt. Mit der Lockerung der Kontaktbeschränkungen nimmt die wirtschaftliche Aktivität ab Mai wieder zu. Die wirtschaftliche Erholungsphase wird aber Zeit benötigen, weil die epidemiologischen Risiken fortbestehen und Bürger und Wirtschaft ihr Verhalten darauf abstellen. Die auch im internationalen Vergleich umfangreichen Maßnahmen der Bundesregierung unterstützen den Erholungsprozess der Wirtschaft.
  • Die Folgen des Shutdown schlagen sich nun vollumfänglich in den April- Ergebnissen der Auftragseingänge und der Produktion in der Industrie nieder. Nach den kräftigen Rückgängen im März waren im April noch stärkere Einbrüche zu verzeichnen. Auch die Konsumausgaben gingen im April zurück. Die Frühindikatoren deuten allerdings eine Belebung ab Mai an.
  • Der Konjunktureinbruch und die pandemiebedingten Einschränkungen treffen den Arbeitsmarkt massiv. Die Erwerbstätigkeit nimmt stark ab. Die Arbeitslosigkeit stieg den zweiten Monat in Folge deutlich, wenn auch nicht so stark wie im Vormonat. Dabei werden durch umfangreiche Nutzung von Kurzarbeit Entlassungen vermieden.

Allgemeine Lage: konjunktureller Tiefpunkt im April, dann allmähliche Erholung

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer tiefen Rezession. Ihr Tiefpunkt wurde mit den harten Shutdown-Maßnahmen im April erreicht. Ab Mai setzt mit der schrittweisen Lockerung der Corona-bedingten Einschränkungen die wirtschaftliche Erholung ein. Diese wird im Mai und Juni angesichts des tiefen Produktionseinschnitts und teilweise sogar Produktionsstillstands im April zunächst sogar relativ deutlich ausfallen. Dennoch wird die gesamtwirtschaftliche Leistung im Durchschnitt des zweiten Quartals noch einmal sehr viel stärker zurückgehen, als dies bereits mit -2,2 % im ersten Quartal erfolgte. Der weitere Erholungsprozess im zweiten Halbjahr und auch danach wird schleppend erfolgen und sich länger hinziehen. Die außenwirtschaftlichen Impulse werden noch über längere Zeit niedrig bleiben und die Verhaltensänderungen von Bürgern und Wirtschaft angesichts des Risikos eines Wiederaufflammens der Epidemie fortbestehen. Auch wenn aussagekräftige amtliche Konjunkturindikatoren erst für den Berichtsmonat April vorliegen, sprechen nicht nur die Lockerung des Shutdown, sondern auch konventionelle und weniger konventionelle Frühindikatoren dafür, dass der konjunkturelle Tiefpunkt hinter uns liegt. So haben sich z. B. das ifo Geschäftsklima und der Markit Einkaufsmanagerindex im Mai etwas erholt und hochfrequente Daten wie die Bewegungsdaten von Google oder der Lkw-Fahrleistungsindex zeigen eine deutlich vermehrte wirtschaftliche Aktivität an.

Weltwirtschaft: Globales BIP bricht im ersten Quartal ein

In den Daten für das erste Quartal 2020 wird allmählich das Ausmaß der weltweiten Rezession deutlich, die durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurde. So ging die globale Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal preisbereinigt und in US-Dollar um 2,9 % zurück. Während der Hochphase der Finanzkrise Anfang 2009 hatte der Rückgang des globalen BIP lediglich 1,9 % betragen. Für den Einbruch im ersten Quartal 2020 sind vor allem die chinesischen Produktionsunterbrechungen ab Jahresbeginn 2020 verantwortlich. Die globale Ausbreitung der Pandemie und die in weiten Teilen der Welt ergriffenen Shutdown-Maßnahmen sind in diesen Daten noch nicht abgebildet. Auch der globale Warenhandel, der sich im ersten Vierteljahr um 2,5 % gegenüber dem Vorquartal verringerte, dürfte im Folgequartal noch einmal deutlich stärker abfallen. Erste Stimmungsindikatoren senden indes vor dem Hintergrund der Lockerung der Shutdown-Maßnahmen im internationalen Rahmen zaghaft positivere Signale: Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan / IHS Markit erholte sich im Mai – ausgehend von seinem historischen Tiefstand im April von 26,2 Punkten – auf 36,3 Punkte. Dieser Wert liegt allerdings weiterhin weit unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten sowie des Vorkrisenniveaus.

Die OECD geht im Basisszenario ihrer Juni-Projektion davon aus, dass die globale Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 um preis- und kaufkraftbereinigte 6,0 % schrumpfen wird. Zu Zeiten der weltweiten Finanzkrise belief sich das Minus auf lediglich 0,1 %. Damit ist die OECD deutlich pessimistischer als der IWF, der in seiner Projektion vom April noch von einer Kontraktion der Weltwirtschaft um 3,0 % ausging. Der Unterschied besteht vor allem in deutlich ungünstigeren Annahmen für den weiteren Verlauf in den Schwellenländern. Für das Jahr 2021 erwarten beide Institutionen eine deutliche Belebung der globalen Wirtschaftsleistung (OECD: +5,2 %; IWF: +5,8 %). Ihr Vorkrisenniveau wird die Weltwirtschaft im Basisszenario der OECD erst zum Ende des Jahres 2021 wieder erreichen.

Die Indikatorenlage zum deutschen Außenhandel ist gemischt. Während die Auftragseingänge aus dem Ausland im April saisonbereinigt um beispiellose 28,1 % gegenüber dem Vormonat zurückgingen, fielen die ifo Exporterwartungen für das Verarbeitende Gewerbe im Mai per Saldo weniger pessimistisch aus als im April. Immerhin gehen aktuell knapp 14 % der Unternehmen von einer Verbesserung in den nächsten drei Monaten aus. Angesichts des historischen Absturzes im April ist für den deutschen Außenhandel ab Mai mit einer Belebung zu rechnen. Dennoch ist von einem deutlichen Rückgang der deutschen Exporte sowie Importe im Jahresdurchschnitt 2020 auszugehen

Exporte und Importe verzeichnen historische Rückgänge

Im April sind die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen mit einem Rückgang von 23,6 % gegenüber März noch stärker eingebrochen als im Vormonat (-10,9 %). Im Zweimonatsvergleich März/April ergab sich eine historische Abnahme von 21,2 %. Davon waren die Ausfuhren in den Euroraum und die übrige EU stärker betroffen als die in Länder außerhalb der EU. Es wurden vor allem weniger Kraftwagen, sonstige Fahrzeuge, Maschinen und elektronische Geräte ausgeführt.

Auch die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen gingen im April saisonbereinigt und nominal gegenüber dem Vormonat mit -17,7 % deutlicher zurück als zuvor im März (-6,6 %). Im Zweimonatsvergleich sanken die Importe um beispiellose 15,3 %. Hierzu trugen allerdings auch die niedrigeren Einfuhrpreise bei.

Industrieproduktion fällt im April auf 23-jährigen Tiefstand

Die April-Ergebnisse für die Industrieproduktion in Deutschland spiegeln die wirtschaftlichen Auswirkungen des Shutdown wider. Der Ausstoß der Industrie wurde saisonbereinigt um historische 22,1 % gegenüber dem Vormonat heruntergefahren. Der entsprechende Indexwert von 70,0 Punkten (2015=100) markiert das niedrigste Niveau seit Januar 1997. Die Kfz-Produktion wurde mit 15,1 Indexpunkten quasi eingestellt. Derweil wurde die Bauproduktion im April um 4,1 % gedrosselt. Im Zweimonatsvergleich März/April, der den gesamten Zeitraum des harten Shutdown abdeckt, wurde die Industrieproduktion um 20,6 % gesenkt. Dabei ging die Erzeugung der Kfz-Branche und des Maschinenbaus besonders stark zurück (-57,5 % bzw. -18,8 %). Etwa zwei Drittel des Rückgangs der Industrieproduktion im März/April ist auf den Einbruch in diesen beiden Branchen zurückzuführen. Im Baugewerbe nahm die Produktion im Zweimonatsvergleich dagegen nur leicht um 1,2 % ab.

Die Auftragseingänge sind im Verarbeitenden Gewerbe im April um 25,8 % weggebrochen, was sowohl auf die Inlands- als auch Auslandsnachfrage zurückzuführen ist. Im Zweimonatsvergleich ergab sich eine Abnahme um 26,3 %. Angesichts dieser Tiefstände, der schrittweisen Lockerung der Shutdown-Maßnahmen und des allmählichen Wiederanlaufens der Kfz-Produktion ist mit einer spürbaren Belebung der Industrieproduktion im Mai zu rechnen. Darauf deuten auch erste Frühindikatoren hin. Das ifo Geschäftsklima für das Verarbeitende Gewerbe hellte sich ausgehend von seinem Negativrekordniveau von -44,5 auf -36,4 Saldopunkte auf, verbleibt aber im unterkühlten Bereich. Der Industrie-Teilindex des Einkaufsmanagerindex von IHS Markit / BME verbesserte sich ebenfalls, wenn auch weniger deutlich. Derweil erhöht sich der Lkw-Fahrleistungsindex seit Mitte April tendenziell wieder und liegt in seinem sieben-Tage-Durchschnitt Ende Mai nur noch ca. 5 % unter seinem Vorjahresniveau.

Der zuvor schwer getroffene Konsum belebt sich wieder

Im April, der durchgängig von den Corona-Eindämmungsmaßnahmen betroffen war, ging nicht zuletzt der soziale Konsum spürbar zurück. Insbesondere der Einzelhandel und Dienstleistungen in den Bereichen Freizeit, Unterhaltung, Kultur, Beherbergung und Gaststätten sowie Bildung, Erziehung und Betreuung litten unter den Shutdown-Maßnahmen. Nach einem Rückgang um 4,0 % im März nahmen die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz im April um weitere 5,3 % ab. Lichtblicke bieten jedoch bereits verfügbare Daten für die darauffolgenden Monate: Nach Erreichen des historischen Tiefstands im Mai erholt sich das GfK Konsumklima für Juni bereits. Auch die Neuzulassungen von Pkw durch private Halter waren im Zuge der Filialschließungen in den Monaten März (-31,5 %) und April (-31,0 %) jeweils gegenüber dem Vormonat drastisch abgestürzt. Sie stiegen im Mai aber bereits wieder relativ spürbar an (+29,7 %). Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel fiel im März und April ebenfalls tief in den negativen Bereich, erholte sich im Mai aber fast wieder auf das Märzniveau. Die Preisentwicklung verlief weiterhin ruhig. Die Verbraucherpreise gingen im Mai um 0,1 % zurück, bereinigt um rückläufige Energiepreise ergab sich hingegen ein schwacher Anstieg um 0,1 %. Die Inflationsrate fiel auf 0,6 %. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) stieg indes leicht auf 1,3 %. Die Diskrepanz zum Verbraucherpreisindex verdeutlicht den starken Abwärtsdruck der Energiepreise.

Arbeitsmarkt: steigende Arbeitslosigkeit trotz massiver Kurzarbeit

Im Berichtsmonat Mai verschärfte sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit stieg saisonbereinigt erneut kräftig um 238.000 Personen und damit binnen zweier Monate um 600.000. Nach den Ursprungszahlen (2,81 Mio. Personen) wurde der Vorjahresstand um 577.000 Personen überschritten. Kurzarbeit vermeidet einen stärkeren Anstieg. Die Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit waren im Mai (für 1,1 Mio. Personen) erneut hoch, aber nicht mehr so umfangreich wie zuvor. Das Gastgewerbe, die Metall- und Elektroindustrie sowie die Sonstigen Dienstleistungen bilden weiterhin den Schwerpunkt. Im März, als der Shutdown begann, erhielten nach vorläufigen Daten bereits 2,02 Mio. Personen konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Damit war der Höchstwert während der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 bereits deutlich übertroffen. Im April wird nach vorläufigen Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit ein Anstieg auf rund 6 Mio. Personen erwartet. Die saisonbereinigte Erwerbstätigkeit im Inland sank im April gegenüber dem Vormonat um 275.000 Personen. Der Rückgang war der bislang stärkste im wiedervereinigten Deutschland. Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung – Stand März – nimmt nun um 21.000 Personen ab, insbesondere im Gastgewerbe, dem Verarbeitenden Gewerbe und bei der Arbeitnehmerüberlassung. Die Frühindikatoren lassen in den nächsten Monaten noch keine nachhaltige Erholung erwarten.

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Corona-Krise und Fachkräftemangel bremsen das Wachstum

Die Corona-Krise hat die Herausforderungen der deutschen Volkswirtschaft durch die zunehmenden Fachkräfteengpässe und das schwache Produktivitätswachstum in den Hintergrund gedrängt. Doch mit dem schrittweisen Hochfahren der Wirtschaft wird die Fachkräfteknappheit in vielen Berufen wieder stärker spürbar werden. Eine aktuelle Studie von KfW Research analysiert die aktuellen Fachkräfteengpässe und die mögliche Entwicklung bis 2040.

KfW, Pressemitteilung vom 15.06.2020

  • Ohne ausreichendes Gegensteuern kann die deutsche Wirtschaft bis 2040 aufhören zu wachsen
  • Bereits heute in zwei Dritteln aller Berufe Fachkräfteengpässe
  • Offene Stellen in einem Fünftel der Mangelberufe länger als 160 Tage vakant

Die Corona-Krise hat die Herausforderungen der deutschen Volkswirtschaft durch die zunehmenden Fachkräfteengpässe und das schwache Produktivitätswachstum in den Hintergrund gedrängt. Doch mit dem schrittweisen Hochfahren der Wirtschaft wird die Fachkräfteknappheit in vielen Berufen wieder stärker spürbar werden. Eine aktuelle Studie von KfW Research analysiert die aktuellen Fachkräfteengpässe und die mögliche Entwicklung bis 2040.

“Die deutsche Wirtschaft kann dem Fachkräftemangel und der Produktivitätsschwäche vor allem mit mehr Investitionen, Innovationen und Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen entgegenwirken. Diese Zutaten benötigt unsere Wirtschaft auch, um die Corona-Krise und ihre Folgen möglichst schnell zu überwinden. Wir brauchen deshalb für die kommenden Jahre eine langfristig angelegte Wachstums- und Investitionsinitiative von Staat und Wirtschaft – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa. Zentrale Handlungsfelder sind Krisenfestigkeit, Klimaschutz, und Produktivitätssteigerungen durch Innovation und Digitalisierung”, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW Bankengruppe.

Die zentralen Ergebnisse der Studie sind:

Fachkräfteengpässe haben weite Teile der Wirtschaft erfasst.

  • Verglichen mit dem Fachkräfteangebot von vor zehn Jahren können heute zwei Drittel der Berufe als Mangelberufe eingestuft werden.

Zu den TOP-Enpassberufen zählen:

  • Bauberufe
  • Berufe in Zusammenhang mit der Digitalisierung
  • Altenpflege
  • Zunehmend auch medizinische Berufe wie Ärzte verschiedener Fachrichtungen, Apotheker, Pharmazeuten
  • Ein Fünftel der Berufe zählt zu den Top-Engpassberufen. Hier ist nicht nur der Pool an Arbeitskräften knapp, sondern die Vakanzzeiten bis zur Neubesetzung einer offenen Stelle liegen mit mehr als 160 Tagen um wenigstens 30 % über dem Durchschnitt.

Zentrale Ursachen für Fachkräfteengpässe sind die demografische Entwicklung und abnehmende Produktivitätszuwächse:

  • Die inländische Bevölkerung hat seit 2004 bereits um 2 Millionen Menschen abgenommen. Mit der schrumpfenden Bevölkerung reduziert sich auch das Fachkräfteangebot. Qualifizierte Zuwanderung wird deshalb immer bedeutender. In den letzten drei Jahren ging der Beschäftigungszuwachs zur Hälfte auf Arbeitskräfte aus dem Ausland zurück, mit wachsender Tendenz.
  • Von 2005 bis 2019 ist die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigem in Deutschland nur noch um 0,5 % pro Jahr gestiegen. Soll das deutsche BIP stärker wachsen, geht dies nur mit einer Steigerung des Produktivitätswachstums oder der Erwerbstätigenzahl.

Ohne Gegensteuern werden zunehmende Fachkräfteengpässe und das schwache Produktivitätswachstum bis 2040 zu einem gravierenden Wachstumshemmnis.

  • Zwar würde die Wirtschaft auch bei schwacher Zuwanderung und anhaltend schwachem Produktivitätswachstum weiter wachsen, allerdings würden die Wachstumsraten schon bis 2030 deutlich abnehmen und bis 2040 gegen Null tendieren.
  • Zunehmende Lücken im Güter- und Dienstleistungsangebot wären zu erwarten.
  • Immer weniger Erwerbstätige müssten immer mehr Rentner versorgen. Durch die geburtenstarken Jahrgänge und die Zunahme der Lebenserwartung steigt die Bevölkerung im Alter 67+ bis 2040 um mehr als 5 Mio. auf über 21,4 Mio.
  • Die Auswirkungen dieser Entwicklung würden vor allem sozial Bedürftige und Geringverdiener treffen. Dies kann zu zunehmenden Verteilungskonflikten führen. Darunter könnte auch die Akzeptanz für Investitionen in den Klimaschutz leiden.

Das Gegensteuern muss am Erwerbspersonenpotenzial, an der Erwerbsbeteiligung und an der Produktivität ansetzen.

“Im Moment ist es vordringlich, die Corona-Krise zu bewältigen. Dabei ist es unabdingbar, dass auch die Wirtschaft Verantwortung übernimmt. Möglicherweise könnte eine konzertierte Aktion der Verbände noch mehr bewirken – z. B. bei der Mobilisierung von Mitteln, um die Ausstattung mit Schutzausrüstung, Test- und Impfstoffentwicklung voranzutreiben. Schon in wenigen Jahren werden der Fachkräftemangel und die schwache Produktivitätsentwicklung aber wieder zu den größten Herausforderungen der deutschen Wirtschaft zählen. Höhere Produktivitätssteigerungen können nur mit mehr Investitionen, mehr Innovationen und Digitalisierung sowie besserer Qualifizierung erreicht werden”, sagt KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib.

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Resolvenz statt Insolvenz: Sanierungschancen für angeschlagene Unternehmen verbessern

Über den von Corona besonders betroffenen Branchen kreist der Pleitegeier. Zwar müssen in Not geratene Betriebe vorerst keinen Insolvenzantrag stellen, doch die Aussetzungsfrist endet am 30. September. Dabei könnten viele Firmenpleiten bei rechtzeitiger Sanierung außerhalb der Insolvenz verhindert werden. Eine schnelle Umsetzung der EU-Restrukturierungsrichtlinie würde lt. DIHK helfen.

DIHK, Pressemitteilung vom 11.06.2020

Der Pleitegeier kreist über Einzelhandel, Gastronomie, Hotels und Fluggesellschaften. Nach einer Unternehmensumfrage des DIHK unter 15.000 Betrieben sieht sich fast jedes fünfte Unternehmen von der Corona-Krise bedroht. Besonders betroffen ist das Reise- und Gastgewerbe. In den vergangenen Jahren lag die Zahl der Unternehmensinsolvenzen über alle Branchen hinweg jeweils knapp unter 20.000 – hier droht im zweiten Halbjahr 2020 eine deutlich höhere Zahl.

Sanierungsverfahren außerhalb der Insolvenz einführen

Um den in Bedrängnis geratenen Unternehmen Luft zu verschaffen, hat der Gesetzgeber die Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrags ausgesetzt. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben: Für Unternehmen, die zum 30. September 2020 überschuldet oder zahlungsunfähig sind, ist der Weg zum Insolvenzgericht unvermeidbar – es sei denn, die Aussetzungsfrist wird noch einmal verlängert.

Viele Unternehmenspleiten können jedoch bei rechtzeitigen Sanierungsmaßnahmen außerhalb der Insolvenz verhindert werden. Eine wichtige Hilfestellung hierfür bietet die EU-Restrukturierungsrichtlinie, die aber ihren Weg noch nicht in das deutsche Recht gefunden hat.

Ihr Kernelement ist ein gesetzlich angeordnetes Stillhalteabkommen der Gläubiger. Während dieses Moratoriums werden Maßnahmen zur Zwangsvollstreckung ausgesetzt. Das ermöglicht es den Betrieben, mit ihren Gläubigern Sanierungsmaßnahmen zur Bewältigung der Unternehmenskrise zu vereinbaren, zum Beispiel durch einen Schuldenerlass. Bislang sind solche Maßnahmen nur innerhalb eines klassischen Insolvenzverfahrens möglich, das jedoch für viele Unternehmen und Geschäftspartner mit dem Stigma des Scheiterns verbunden ist.

Schlankes Verfahren statt überlasteter Insolvenzgerichte

Der Vorteil der vorinsolvenzrechtlichen Sanierung liegt insbesondere darin, dass nur die für den Erfolg der Sanierung entscheidenden Gläubiger beteiligt werden müssen. Es ist auch unbürokratisch: Bei einem einvernehmlichen Zustandekommen eines Restrukturierungsplans bedarf es weder der Einsetzung eines Restrukturierungsverwalters noch einer richterlichen Entscheidung. So kann sichergestellt werden, dass eine Sanierung schnell in die Wege geleitet und nicht durch eine Überlastung der Insolvenzverwalter und Gerichte beeinträchtigt wird.

Schutz berechtigter Gläubigerinteressen

Wichtig ist: Das Verfahren muss so ausgestaltet werden, dass es die Akzeptanz der Gläubiger findet und Dominoeffekte in Form von Insolvenzgefahren bei Gläubigern verhindert werden. Die Befürworter der Sanierungsbemühungen müssen deshalb im Fall eines Insolvenzeintritts die Sicherheit haben, dass ihre Forderungen aus der Insolvenzmasse voll beglichen werden und dass sie eventuell erhaltene Zahlungen nicht im Wege der sogenannten Insolvenzanfechtung an den Insolvenzverwalter abführen müssen.

EU-Restrukturierungsrichtlinie schnellstmöglich umsetzen

Eine Reform des Insolvenzrechts ist Teil des Konjunkturpakets der Bundesregierung. Der DIHK empfiehlt die schnelle Umsetzung der im Juli 2019 verabschiedeten Restrukturierungsrichtlinie, um notleidenden Unternehmen im Rahmen einer frühzeitigen Sanierung eine zweite Chance zu geben und die betroffenen Arbeitsplätze zu retten. Angesichts der beispiellosen Herausforderungen der Corona-Krise und der positiven, aber befristeten Wirkung der von der Bundesregierung verabschiedeten fiskalischen Maßnahmen, sollte die Implementierung des neuen Sanierungsinstruments schon jetzt erfolgen und nicht erst zum Ablauf der EU-Umsetzungsfrist im Juli 2021.

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Altmaier: „Mit Überbrückungshilfe werfen wir den Mittelstandsmotor wieder an“

Die Bundesregierung hat am 12.06.2020 die Eckpunkte für die „Überbrückungshilfe für kleine und mittelständische Unternehmen, die ihren Geschäftsbetrieb im Zuge der Corona-Krise ganz oder zu wesentlichen Teilen einstellen müssen“ beschlossen.

BMWi, Pressemitteilung vom 12.06.2020

Die Bundesregierung hat am 12.06.2020 die Eckpunkte für die “Überbrückungshilfe für kleine und mittelständische Unternehmen, die ihren Geschäftsbetrieb im Zuge der Corona-Krise ganz oder zu wesentlichen Teilen einstellen müssen” beschlossen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: “Mit der Überbrückungshilfe helfen wir besonders stark betroffenen Unternehmen, gerade im Mittelstand und werfen so den Mittelstandsmotor wieder an. Das Programm ist ganz bewusst branchenoffen ausgestaltet und adressiert diejenigen Unternehmen, die nach wie vor unter Schließungen leiden oder wegen den Abstands- und Hygieneregeln ihre Kapazitäten nicht voll ausschöpfen können. Die Förderung des neuen Programms ist deutlich höher als bei der Soforthilfe, es können von Juni bis August je nach Umsatzausfall bis zu 150.000 Euro an betrieblichen Fixkosten erstattet werden. Dafür schauen wir aber auch sehr viel genauer hin und erstatten nur, wenn ein Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer die Umsatzausfälle und die betrieblichen Fixkosten bestätigt hat.”

Mit den heute vom Kabinett beschlossenen Eckpunkten zur Überbrückungshilfe wird ein Beschluss des Koalitionsausschusses vom 3. Juni umgesetzt. Die Überbrückungshilfe ist ein branchenübergreifendes Zuschussprogramm mit einer Laufzeit von drei Monaten (Juni bis August 2020). Den Unternehmen werden nicht-rückzahlbare Zuschüsse zu den fixen Betriebskosten gewährt. Antragsberechtigt sind Unternehmen, die im April und Mai 2020 einen Umsatzrückgang von mindestens 60 Prozent gegenüber April und Mai 2019 nachweisen können. Je nach Umsatzeinbruch werden zwischen 40 Prozent und 80 Prozent der Fixkosten erstattet. Für das Programm stehen 25 Milliarden Euro zur Verfügung. Zuständig für die Bewilligung der Zuschüsse werden die Länder sein.

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Zahl der Arbeitsstunden bereits im ersten Quartal deutlich gesunken

„Die Covid-19-Pandemie drückte bereits im ersten Quartal 2020 deutlich auf die Arbeitszeit“, sagt Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Arbeitszeit pro Erwerbstätigen lag im ersten Quartal 2020 bei 349,8 Stunden und sank damit um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

IAB, Pressemitteilung vom 09.06.2020

“Die Covid-19-Pandemie drückte bereits im ersten Quartal 2020 deutlich auf die Arbeitszeit”, sagt Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs “Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen” des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Arbeitszeit pro Erwerbstätigen lag im ersten Quartal 2020 bei 349,8 Stunden und sank damit um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. “Im ersten Quartal 2020 wurde pro Erwerbstätigen so wenig gearbeitet wie noch nie in einem ersten Quartal seit der Wiedervereinigung”, so Weber.

Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahresquartal mit 0,3 Prozent nur noch wenig und lag bei rund 45 Millionen Personen. Das war der niedrigste Zuwachs gegenüber dem Vorjahr seit zehn Jahren. Gegenüber dem Vorquartal gab es saison- und kalenderbereinigt gar keinen Zuwachs mehr. Bis Februar wuchs die Erwerbstätigkeit zwar noch, aber im März ging die Zahl der Erwerbstätigen dann zurück.

Insgesamt arbeiteten die Erwerbstätigen in Deutschland im ersten Quartal 2020 15,76 Milliarden Stunden. Das bedeutet ein Minus von 1,3 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. “Weniger Überstunden, Abbau der Guthaben auf den Arbeitszeitkonten, Freistellungen, vorgezogene Urlaubstage und Kurzarbeit – die Covid-19-Pandemie wirkte sich bereits im ersten Quartal massiv auf das Arbeitsvolumen in Deutschland aus”, erklärt Weber.

Die bezahlten und unbezahlten Überstunden je Arbeitnehmer sanken im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr um 0,6 bzw. 0,4 Stunden. Die Beschäftigten machten im ersten Quartal im Durchschnitt 5,2 bezahlte und 5,5 unbezahlte Überstunden. Zusätzlich wurden im Schnitt je Arbeitnehmer zwei Stunden Guthaben auf den Arbeitszeitkonten abgebaut. Die Zunahme bei den Freistellungen und beim genommenen Urlaub betrug zusammengerechnet fünf Stunden pro Arbeitnehmer im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der Kurzarbeitereffekt belief sich im Schnitt auf zwei Stunden – er lag damit im ersten Quartal 2020 eine Stunde höher als im ersten Quartal 2019.

Weber betont: “Da der wirtschaftliche Shutdown erst in den letzten zwei März-Wochen begann und sich Erwerbstätigkeit wie Arbeitsvolumen in Deutschland vor dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie auf einem Rekordhoch befanden, wird sich die volle Wucht der wirtschaftlichen Einschränkungen erst in den Zahlen für das zweite Quartal zeigen.”

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Exporte im April 2020: -31,1 % zum April 2019 – Außenhandel durch Corona-Pandemie stark rückläufig

Im April 2020 wurden von Deutschland Waren im Wert von 75,7 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 72,2 Milliarden Euro importiert. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, waren damit die Exporte im April 2020 um 31,1 % und die Importe um 21,6 % niedriger als im April 2019.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 09.06.2020

Im April 2020 wurden von Deutschland Waren im Wert von 75,7 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 72,2 Milliarden Euro importiert. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, waren damit die Exporte im April 2020 um 31,1 % und die Importe um 21,6 % niedriger als im April 2019. Exportseitig war dies der größte Rückgang eines Monats im Vergleich zum Vorjahresmonat seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950. Auf Seiten der Importe gingen die deutschen Einfuhren zuletzt in der Finanzkrise im Juli 2009 so stark zurück (-23,6 %).

Kalender- und saisonbereinigt nahmen die Exporte gegenüber dem Vormonat März 2020 um 24,0 % und die Importe um 16,5 % ab. Im kalender- und saisonbereinigten Vormonatsvergleich war dies export- und importseitig der größte Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im August 1990.

Die Außenhandelsbilanz schloss im April 2020 mit einem Überschuss von 3,5 Milliarden Euro ab. Damit wurde der niedrigste Exportüberschuss Deutschlands seit Dezember 2000 nachgewiesen (+1,7 Milliarden Euro). Im April 2019 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz noch +17,8 Milliarden Euro betragen. Kalender- und saisonbereinigt lag der Überschuss der Außenhandelsbilanz im April 2020 bei 3,2 Milliarden Euro.

Die deutsche Leistungsbilanz schloss unter Berücksichtigung der Salden für Warenhandel (+2,8 Milliarden Euro), Dienstleistungen (+0,3 Milliarden Euro), Primäreinkommen (+8,9 Milliarden Euro) und Sekundäreinkommen (-4,3 Milliarden Euro) im April 2020 mit einem Überschuss von 7,7 Milliarden Euro ab. Im April 2019 hatte die deutsche Leistungsbilanz einen Aktivsaldo von 20,6 Milliarden Euro ausgewiesen.

Außenhandel mit EU-Staaten

In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) wurden im April 2020 Waren im Wert von 38,2 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 35,2 Milliarden Euro von dort importiert. Gegenüber April 2019 sanken die Exporte in die EU-Staaten um 34,8 % und die Importe aus diesen Staaten um 30,1 %. In die Staaten der Eurozone wurden im April 2020 Waren im Wert von 26,4 Milliarden Euro (-36,7 %) exportiert und Waren im Wert von 24,8 Milliarden Euro (-28,9 %) aus diesen Staaten importiert. In die EU-Staaten, die nicht der Eurozone angehören, wurden im April 2020 Waren im Wert von 11,8 Milliarden Euro (-29,9 %) exportiert und Waren im Wert von 10,4 Milliarden Euro (-32,9 %) von dort importiert.

Außenhandel mit Nicht-EU-Staaten

In die Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittstaaten) wurden im April 2020 Waren im Wert von 37,5 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 37,0 Milliarden Euro aus diesen Staaten importiert. Gegenüber April 2019 nahmen die Exporte in die Drittstaaten um 27,0 % und die Importe von dort um 11,4 % ab.

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Außenhandel mit ausgewählten Staaten

Je nach Handelspartner waren die Exporte im Vorjahresvergleich unterschiedlich stark beeinträchtigt: Während Exporte in die Volksrepublik China im April 2020 vergleichsweise moderat um 12,6 % auf 7,2 Milliarden Euro zurück gingen, nahmen die Exporte in die von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Staaten Frankreich (-48,3 %), Italien (-40,1 %) und Vereinigte Staaten (-35,8 %) gegenüber April 2019 stark ab.

Die meisten Importe kamen im April 2020 aus der Volksrepublik China nach Deutschland. Von dort wurden Waren im Wert von 9,4 Milliarden Euro eingeführt, das waren 10,0 % mehr als im April 2019. Die Importe aus den Vereinigten Staaten stiegen im April 2020 um 2,4 % auf einen Wert von 5,9 Milliarden Euro an. Auch die deutschen Importe aus Frankreich (-37,3 % auf 3,5 Milliarden Euro) und Italien (-32,5 % auf 3,2 Milliarden Euro) waren stark rückläufig.

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Fusionen und Übernahmen von und mit deutschen Unternehmen stabilisieren sich auf sehr niedrigem Niveau

Die Anzahl der Fusionen und Übernahmen (Mergers and Acquisitions, M&A) von und mit deutschen Unternehmen ist 2019 im zweiten Jahr in Folge gesunken. In der zweiten Jahreshälfte fiel der ZEW-ZEPHYR M&A-Index, der seit 2005 die Anzahl der abgeschlossenen M&A-Transaktionen mit deutscher Beteiligung aufzeichnet, auf ein Rekordtief.

ZEW, Pressemitteilung vom 04.06.2020

 

Die Anzahl der Fusionen und Übernahmen (Mergers and Acquisitions, M&A) von und mit deutschen Unternehmen ist 2019 im zweiten Jahr in Folge gesunken. In der zweiten Jahreshälfte fiel der ZEW-ZEPHYR M&A-Index, der seit 2005 die Anzahl der abgeschlossenen M&A-Transaktionen mit deutscher Beteiligung aufzeichnet, auf ein Rekordtief. Im August 2019 ging der Index auf einen Wert von 59 Punkten zurück.

Zu Beginn des Jahres 2020 zeigte der Index allerdings erste Anzeichen der Erholung. Am gleitenden 12-Monats-Durchschnitt lässt sich insgesamt ein Abwärtstrend ablesen, der bereits seit Sommer 2018 anhält. “Ohne die drei Großübernahmen des letzten halben Jahres hätte der M&A-Index einen noch stärkeren Rückgang verzeichnet”, sagt Ilona Tsanko, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich “Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik”. Der Index spiegelt die Anzahl der monatlich getätigten M&A-Transaktionen in Deutschland wider und wird vom ZEW Mannheim auf Basis der Zephyr-Datenbank von Bureau van Dijk erhoben.

Der größte Deal des deutschen Energiesektors fand im September 2019 statt. Im Rahmen der Übernahme des im Jahr 2016 gegründeten RWE-Tochterkonzerns Innogy kaufte der Energieriese E.ON RWE-Anteile in einer geschätzten Höhe von 37,8 Milliarden Euro. Die Übernahme, aus der einer der größten Energieversorger Europas hervorging, wurde bereits 2018 angekündigt und nach der Genehmigung der europäischen Wettbewerbsbehörden durchgeführt.

Neben dieser Großübernahme im Energiesektor fanden im vergangenen Halbjahr zwei der größten M&A-Deals in der deutschen Chemieindustrie statt. Die in Darmstadt ansässige Merck KGaA kaufte im zweitgrößten M&A-Deal, der im letzten halben Jahr mit deutscher Beteiligung stattfand, Versum Materials Inc, einen führenden Hersteller elektronischer Materialien mit Sitz in den Vereinigten Staaten, für rund 5,8 Milliarden Euro. Damit ist Merck dem Ziel, Marktführer im Bereich der Herstellung elektronischer Materialien für die Halbleiter- und Displayindustrie zu werden, einen Schritt näher gerückt.

Der zweite Mega-Deal in der Chemieindustrie fand im Februar 2020 mit dem Erwerb des Polyamidgeschäfts des belgischen Unternehmens Solvay durch den Chemieriesen BASF für 1,6 Milliarden Euro statt. Damit hat das in Ludwigshafen ansässige Unternehmen seine Polyamidkompetenzen im Bereich der technischen Kunststoffe erweitert.

Wie sich der Ausbruch der COVID-19-Pandemie auf die Anzahl der Transaktionen auswirken wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht feststellen. “In Krisenzeiten nimmt die Aktivität auf dem M&A-Markt für gewöhnlich ab”, sagt Ilona Tsanko. “Durch das Coronavirus herrscht momentan Unsicherheit in Bezug auf M&A-Transaktionen. Das betrifft nicht nur die Frage, ob ein Erwerb oder Verkauf derzeit angemessen ist, sondern auch die Folgen des Virus für laufende Transaktionen. Ist die mit COVID-19 verbundene Unsicherheit so ausgeprägt, dass Verhandlungen auf Eis gelegt werden? Oder kann mittelfristig mit steigender M&A-Aktivität gerechnet werden? Noch ist es aber zu früh, um sagen, welche Folgen die Pandemie für den M&A-Index haben wird.”

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Industrie erwartet weiteren Rückgang ihrer Produktion

Die deutsche Industrie erwartet in den kommenden drei Monaten einen weiteren Rückgang ihrer Produktion, wenn auch langsamer als zuvor. Der ifo Index der Produktionserwartungen stieg im Mai 2020 auf minus 20,4 nach minus 51,0 Punkten im April 2020.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 08.06.2020

Die deutsche Industrie erwartet in den kommenden drei Monaten einen weiteren Rückgang ihrer Produktion, wenn auch langsamer als zuvor. Der ifo Index der Produktionserwartungen stieg im Mai auf minus 20,4 nach minus 51,0 Punkten im April. Das ist zwar der größte Anstieg des Index zum Vormonat seit der Wiedervereinigung. “Aber das bedeutet nur, dass der Sturzflug nun flacher wird”, sagt der Leiter der ifo-Befragungen, Klaus Wohlrabe.

Einzig die Erwartungen in der Autobranche sind optimistisch. Der Indikator stieg im Mai auf plus 23 Punkte nach minus 41 im April. “Das ist keine Überraschung, nachdem die Produktion vielerorts nahezu komplett eingestellt worden war”, sagt Wohlrabe. Die Hersteller pharmazeutischer Erzeugnisse erwarten einen schwachen Rückgang ihrer Produktion. Der Index fiel auf minus drei Punkte nach plus 14 im April. In der Bekleidungsindustrie bleibt die Stimmung extrem pessimistisch. Der Index fiel im Mai auf minus 88 Punkte nach minus 72 im April.

In der Metallerzeugung und -bearbeitung sowie bei der Herstellung von Metallerzeugnissen stiegen die Erwartungen auf minus 36 Punkte im Mai, bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen auf minus 34 Punkte, im Maschinenbau auf minus 33 Punkte. In der Chemie und bei Herstellern von Druckerzeugnissen auf minus 20 Punkte. Bei den Herstellern von Nahrungs- und Futtermitteln auf minus 5 Punkte.

In der Herstellung von Leder, Lederwaren und Schuhen stieg der Index stark von minus 97 auf minus 27 Punkte im Mai. Bei den Herstellern von Getränken stieg der Index auf minus 26 Punkte nach minus 78 Punkten im April. In der Herstellung von Möbel stieg der Index auf minus 31 Punkte nach minus 76 im April. Bei den Herstellern von Textilien stieg der Index auf minus 33 Punkte nach minus 68 im April.

Das Statistische Bundesamt wird seine Zahlen zur Industrieproduktion im abgelaufenen April am 08.06.2020 veröffentlichen.

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