Bruttoinlandsprodukt: Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2019

Das reale (preisbereinigte) Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging im 2. Quartal 2019 saison- und kalenderbereinigt um 0,1 % gegenüber dem Vorquartal zurück. Wie das Statistische Bundesamt bereits in seiner Schnellmeldung am 14. August 2019 mitgeteilt hatte, hat sich die deutsche Wirtschaftsleistung somit etwas abgeschwächt. Im 1. Quartal 2019 hatte die deutsche Wirtschaft noch um 0,4 % zugelegt.

Statistik

Bruttoinlandsprodukt: Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2019

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 27.08.20xx

Das reale (preisbereinigte) Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging im 2. Quartal 2019 saison- und kalenderbereinigt um 0,1 % gegenüber dem Vorquartal zurück. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) bereits in seiner Schnellmeldung am 14. August 2019 mitgeteilt hatte, hat sich die deutsche Wirtschaftsleistung somit etwas abgeschwächt. Im 1. Quartal 2019 hatte die deutsche Wirtschaft noch um 0,4 % zugelegt.

Außenwirtschaft bremst das Wachstum, Konsum und Investitionen stützen die Konjunktur

Die außenwirtschaftliche Entwicklung bremste das Wirtschaftswachstum im 2. Quartal 2019: Die realen Exporte gingen im Vergleich zum Vorquartal saison- und kalenderbereinigt um 1,3 % zurück und damit deutlich stärker als die Importe (-0,3 %).

Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich (real, saison- und kalenderbereinigt) nach vorläufigen Berechnungen aus dem Inland: Die privaten Konsumausgaben waren 0,1 % höher als im 1. Quartal 2019, der Staat steigerte seine Konsumausgaben um 0,5 %. Auch die Investitionen legten zu: In Ausrüstungen wurde 0,6 % und in sonstige Anlagen 1,0 % mehr investiert als im Vorquartal. Lediglich die Bauinvestitionen waren im 2. Quartal rückläufig (-1,0 %). Dabei dürfte allerdings auch die milde Witterung zu Beginn des Jahres eine Rolle gespielt haben, die zu einem starken Anstieg der Bauinvestitionen im 1. Quartal (+2,5 %) geführt hatte.

Stagnation im Vergleich zum Vorjahr, kalenderbereinigt leicht im Plus

Im Vorjahresvergleich stagnierte das reale BIP. Bereinigt um den Kalendereffekt ergibt sich ein Anstieg um 0,4 %, da im 2. Quartal 2019 ein Arbeitstag weniger zur Verfügung stand als ein Jahr zuvor. Im 1. Quartal 2019 hatte das reale BIP um 0,8 % (kalenderbereinigt: 0,9 %) höher gelegen als im Vorjahresquartal.

Zahl der Erwerbstätigen auch im 2. Quartal 2019 gestiegen

Die Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2019 wurde von 45,2 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 435 000 Personen oder 1,0 % mehr als ein Jahr zuvor.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität – gemessen als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigenstunde – war nach vorläufigen Berechnungen in etwa auf demselben Niveau wie im Vorjahr. Je Erwerbstätigen gerechnet ging die Arbeitsproduktivität um 0,9 % zurück.

Im Vorjahresvergleich nachlassende Investitionsdynamik

Im Vorjahresvergleich kamen im 2. Quartal 2019 gemischte Signale aus dem Inland: Die privaten Konsumausgaben stiegen real um 1,5 %, die staatlichen Konsumausgaben um 1,9 %. Die Investitionsdynamik ließ allerdings etwas nach: In Ausrüstungen – darunter fallen hauptsächlich Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurde real nur 1,5 % mehr investiert als im 2. Quartal 2018. Die Bauinvestitionen stiegen um 2,2 %, wobei insbesondere in den Bau von Wohnungen mehr investiert wurde als ein Jahr zuvor. Insgesamt stieg die inländische Verwendung um 1,3 %.

Stärkster Rückgang der Exporte seit sechs Jahren

Die Außenwirtschaft bremste auch im Vorjahresvergleich das Wirtschaftswachstum: Vorläufigen Berechnungen zufolge gingen die realen Exporte um 0,8 % zurück und damit so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr. Dagegen wurden 1,8 % mehr Waren und Dienstleistungen importiert als vor einem Jahr.

Bruttowertschöpfung im Produzierenden Gewerbe rückläufig

Auf der Entstehungsseite des Bruttoinlandsprodukts war die reale Bruttowertschöpfung im 2. Quartal 2019 zwar in fast allen Wirtschaftsbereichen höher als im 2. Quartal 2018. Durch den starken Rückgang der Wirtschaftsleistung im Verarbeitenden Gewerbe (-4,9 %), das etwas mehr als ein Fünftel der deutschen Bruttowertschöpfung ausmacht, war die reale Bruttowertschöpfung insgesamt aber knapp unter dem Niveau des Vorjahres (-0,1 %). Die größten Zuwachsraten gab es im Bereich Information und Kommunikation (+3,3 %) sowie im Baugewerbe (+2,8 %).

Arbeitnehmerentgelt kräftig gestiegen

In jeweiligen Preisen gerechnet war das Bruttoinlandsprodukt im 2. Quartal 2019 um 2,1 % und das Bruttonationaleinkommen um 2,3 % höher als im 2. Quartal 2018. Das Volkseinkommen nahm insgesamt um 2,7 % zu, wobei sich die beiden Komponenten sehr unterschiedlich entwickelten: Während das Arbeitnehmerentgelt mit +4,5 % kräftig zulegte, gingen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen ersten vorläufigen Berechnungen zufolge um 1,9 % zurück. Die Bruttolöhne und -gehälter der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer lagen um 4,3 % über dem Niveau des 2. Quartals 2018, die Nettolöhne und -gehälter sogar um 4,8 %. Im Durchschnitt je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer stiegen die Löhne und Gehälter weniger stark (brutto um 3,1 %, netto um 3,6 %), da auch die Anzahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Vergleich zum Vorjahresquartal weiter zunahm (+1,2 %). Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte erhöhte sich um 3,1 % und damit genauso stark wie die privaten Konsumausgaben in jeweiligen Preisen.

Hinweise zur Generalrevision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen

Neben der Erstberechnung des 2. Quartals 2019 wurden zu diesem Termin die gesamten Berechnungen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) im Rahmen der Generalrevision 2019 grundlegend überprüft und überarbeitet. Um Brüche in den Zeitreihen zu vermeiden, wurden die Ergebnisse für Deutschland zurück bis 1991 neu berechnet, sodass es zu geänderten Ergebnissen in den gesamten Zeitreihen ab 1991 kommen kann. Wie bereits in der Schnellmeldung vom 14. August 2019 berichtet, blieb das konjunkturelle Gesamtbild dabei weitgehend unverändert. Die Veränderungsraten für das reale Bruttoinlandsprodukt wurden insgesamt um durchschnittlich 0,1 Prozentpunkte revidiert (mittlere absolute Revision). In einzelnen Quartalen kam es zu größeren Abweichungen der revidierten Ergebnisse von maximal 0,6 Prozentpunkten. Wie jedes Jahr im August wurden auch neu verfügbare statistische Informationen in die Berechnungen der Ergebnisse der vergangenen vier Jahre (ab 2015) sowie des 1. Quartals 2019 einbezogen.

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IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt in der Defensive

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im August um 0,4 Punkte gefallen. Damit zeigt der Trend bereits seit zehn Monaten abwärts. Allerdings weist der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit 101,2 Punkten nach wie vor einen positiven Stand aus. Grund dafür ist der noch immer günstige Beschäftigungsausblick.

Arbeitsmarktforschung

IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt in der Defensive

IAB, Pressemitteilung vom 27.08.2019

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im August um 0,4 Punkte gefallen. Damit zeigt der Trend bereits seit zehn Monaten abwärts. Allerdings weist der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit 101,2 Punkten nach wie vor einen positiven Stand aus. Grund dafür ist der noch immer günstige Beschäftigungsausblick.

Die Arbeitslosenzahlen dürften sich dagegen in den kommenden Monaten saisonbereinigt verschlechtern: Die Arbeitslosigkeitskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers ist im August um 0,3 Punkte auf 97,7 Punkte gefallen. Damit liegt der Indikator mittlerweile klar unter der neutralen Marke von 100 Punkten, wenn auch noch nicht sehr weit im negativen Bereich. „Der Arbeitsmarkt befindet sich in der kontrollierten Defensive“ sagt Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“. Grund dafür seien die Auswirkungen des Wirtschaftsabschwungs auf konjunktursensible Bereiche wie Zeitarbeit, Exportindustrie und Logistik.

Auch der Beschäftigungsausblick hat sich im August verschlechtert: Die Beschäftigungskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers ging um 0,5 Punkte zurück. Der aktuelle Stand von 104,8 Punkten liegt zwar deutlich unter den Höchstwerten aus dem vergangenen Jahr, aber noch immer klar im positiven Bereich. Die Beschäftigungsentwicklung insgesamt sei relativ robust gegenüber dem Konjunkturabschwung, so Weber: „Solange der Arbeitsmarkt sich gut schlägt, haben wir keine Krise.“

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert. Während Komponente A des Barometers die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen für die nächsten drei Monate prognostiziert, dient Komponente B der Vorhersage der Beschäftigungsentwicklung. Der Mittelwert aus den Komponenten „Arbeitslosigkeit“ und „Beschäftigung“ bildet den Gesamtwert des IAB-Arbeitsmarktbarometers. Dieser Indikator gibt damit einen Ausblick auf die Gesamtentwicklung des Arbeitsmarkts. Da das Saisonbereinigungsverfahren laufend aus den Entwicklungen der Vergangenheit lernt, kann es zu nachträglichen Revisionen kommen. Die Skala des IAB-Arbeitsmarktbarometers reicht von 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung).

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Erfolgsmodell duale Ausbildung weiter stärken – Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung richten ihre Ziele und Maßnahmen neu aus

Vertreter der Bundesregierung, der Bundesagentur für Arbeit, der Wirtschaftsverbände BDA, BFB, DIHK und ZDH, von Gewerkschaften und Ländern haben im BMWi die neue Vereinbarung der Allianz für Aus- und Weiterbildung 2019 – 2021 unterzeichnet. Mit der Erklärung bekennen sich die Unterzeichner zu einer starken beruflichen Bildung und richten die Handlungsfelder und konkrete Maßnahmen dafür neu aus.

Aus- und Weiterbildung

Erfolgsmodell duale Ausbildung weiter stärken – Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung richten ihre Ziele und Maßnahmen neu aus

BMWi, Pressemitteilung vom26.08.2019

Vertreter der Bundesregierung, der Bundesagentur für Arbeit, der Wirtschaftsverbände BDA, BFB, DIHK und ZDH, von Gewerkschaften und Ländern haben am 26.08.2019 im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die neue Vereinbarung der Allianz für Aus- und Weiterbildung 2019 – 2021 unterzeichnet. Mit der Erklärung bekennen sich die Unterzeichner zu einer starken beruflichen Bildung und richten die Handlungsfelder und konkrete Maßnahmen dafür neu aus. Das Ende 2014 gegründete Bündnis setzt sich dafür ein, die Attraktivität, Qualität und Leistungsfähigkeit sowie die Integrationskraft der beruflichen Bildung weiter zu stärken.Bundeswirtschaftsminister Altmaier: „Die duale Ausbildung ist zentral für eine passgenaue Fachkräftesicherung unserer Betriebe, gerade auch im Mittelstand. Daher freue ich mich sehr, dass wir unsere bewährte Zusammenarbeit in der Allianz für Aus- und Weiterbildung engagiert fortsetzen. Gemeinsam können wir die Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt besser meistern, junge Menschen und Ausbildungsbetriebe erfolgreicher zusammenbringen und die duale Ausbildung an die neuen Anforderungen der digitalen Arbeitswelt anpassen“.Bundesarbeitsminister Hubertus Heil: „Die betriebliche Berufsausbildung hat Zukunft. Deshalb wollen wir Auszubildende dort besser unterstützen, wo es nötig ist – unter anderem mit den Leistungen der Arbeitsmarktpolitik. Das ist in unser aller Interesse, denn wir brauchen gut ausgebildete junge Menschen. Deshalb zahlen wir deutlich mehr Berufsausbildungsbeihilfe, wir eröffnen Geflüchteten mehr Zugänge zur Ausbildungsförderung und wir werden die Assistierte Ausbildung fortentwickeln, für mehr Auszubildende öffnen und vor allem verstetigen. Dies alles lebt in und mit der Allianz für Aus- und Weiterbildung.“

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek: „Die berufliche Bildung bietet jungen Menschen ein solides Fundament für eine erfolgreiche Berufskarriere mit vielfältigen Aufstiegsmöglichkeiten. In der Allianz für Aus- und Weiterbildung wollen wir diese Erfolgsgeschichte gemeinsam fortschreiben. Die Bundesregierung trägt kraftvoll dazu bei: Im Juni hat das Kabinett meinen Gesetzentwurf für ein neues Berufsbildungsgesetz beschlossen. Als nächstes kommt die Modernisierung des Aufstiegs-BAföGs. Die berufliche Bildung soll auch morgen und übermorgen hervorragende Berufsperspektiven eröffnen.“

DIHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer: „Unsere gemeinsame Allianz hat in den vergangenen vier Jahren erfolgreiche Arbeit geleistet. Trotz des Rückgangs der Schülerzahlen und des Trends zum Studium konnten die Betriebe den Abwärtstrend bei den Ausbildungsverträgen vorerst stoppen. Unser Ziel ist es weiterhin, dass kein Jugendlicher verloren geht, aber möglichst auch kein Ausbildungsplatz. Wir wollen Berufsorientierung und Ausbildungsberatung intensivieren, die hohe Qualität der Beruflichen Bildung weiter sichern und sie auch für Leistungsstarke noch attraktiver machen, z. B. durch den Ausbau von Auslandsaufenthalten und das Werben für unsere hochwertigen Fortbildungsabschlüsse.“

Der Präsident der Kultusministerkonferenz und Hessischer Kultusminister Professor R. Alexander Lorz: „Die berufliche Bildung ist nicht nur der Garant für die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der deutschen Wirtschaft, sondern auch von elementarer Bedeutung für die soziale Integration unterschiedlichster Zielgruppen. Um diese gesamtgesellschaftliche Funktion zukunftsfest zu machen, bedarf es des gemeinsamen Handelns aller beteiligten Akteure als breit angelegtes politisches Bündnis. Die Länder werden als starker und verlässlicher Partner in der Allianz für Aus- und Weiterbildung ihren Beitrag erbringen, um die Attraktivität und Leistungsfähigkeit des beruflichen Bildungssystems zu stärken.“

Stellvertretende Bundesvorsitzende des DGB Elke Hannack: „Die Allianz für Aus- und Weiterbildung kann auf eine erfolgreiche Bilanz schauen. Seit 2014 ist die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze gestiegen. Die Trendwende wurde erreicht. Jetzt wollen wir den nächsten Schritt gehen. Denn es gibt immer noch fast 1,4 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren ohne abgeschlossene Ausbildung. Deswegen wollen wir die Assistierte Ausbildung flexibler gestalten und für weitere Zielgruppen öffnen. Deswegen wollen wir auch neue Vorhaben – wie etwa die Verbundausbildung – insbesondere in Regionen mit einem problematischen Ausbildungsmarkt fördern.“

Mit der neuen Erklärung haben sich die Partner auf zentrale Handlungsfelder und konkrete Maßnahmen verständigt, um möglichst alle Menschen zu einem qualifizierten Berufsabschluss zu bringen. Ziel ist, dass mehr Jugendliche einen betrieblichen Ausbildungsplatz finden und mehr Betriebe ihre Ausbildungsstellen besetzen können.

Die Mobilität von Jugendlichen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz soll durch verschiedene Maßnahmen unterstützt werden. Die Allianz für Aus-und Weiterbildung will zudem die berufliche Bildung mit ihren modernen Fortbildungsangeboten und Karrierewegen als gleichwertige Alternative zur akademischen Bildung stärken.

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ifo Geschäftsklimaindex fällt – Ergebnisse der ifo Konjunkturumfragen im August 2019

Der ifo Geschäftsklimaindex ist im August von 95,81 auf 94,3 Punkte gefallen. Das ist der niedrigste Wert seit November 2012. Die Unternehmen schätzten ihre aktuelle Lage erneut deutlich schlechter ein.

ifo Geschäftsklima Deutschland

ifo Geschäftsklimaindex fällt – Ergebnisse der ifo Konjunkturumfragen im August 2019

Ifo Institut, Pressemitteilung vom 26.08.2019

Die Sorgenfalten bei den deutschen Unternehmenslenkern werden immer tiefer. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im August von 95,81 auf 94,3 Punkte gefallen. Das ist der niedrigste Wert seit November 2012. Die Unternehmen schätzten ihre aktuelle Lage erneut deutlich schlechter ein. Auch mit Blick auf die kommenden Monate nahm der Pessimismus zu. Die Anzeichen für eine Rezession in Deutschland verdichten sich.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Rückgang des Geschäftsklimaindikators nicht aufzuhalten. Die Zufriedenheit mit der aktuellen Lage hat erneut abgenommen. Die Erwartungen rutschten tiefer in den negativen Bereich. Ein ähnlicher Pessimismus unter den Industriefirmen war zuletzt im Krisenjahr 2009 zu beobachten. Bei keiner der deutschen Schlüsselindustrien zeigten sich Lichtblicke.

Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima merklich verschlechtert. Dies war auf eine deutlich weniger gute Einschätzung der Geschäftslage zurückzuführen. Zudem nahm die Skepsis für die nahe Zukunft zu.

Im Handel ist der Indikator in den negativen Bereich gerutscht. Die Indizes zur aktuellen Lage und den Erwartungen gaben nach. Treiber des Rückgangs war vor allem der Großhandel.

Im Bauhauptgewerbe hat der Geschäftsklimaindikator leicht nachgegeben. Die Baufirmen waren etwas weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Lage. Für die kommenden Monate erwarten sie keine größere Änderung der nach wie vor sehr guten Geschäftslage.

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Produktsicherheit und Marktüberwachung: Fairen und freien Wettbewerb stärken

Der weltweite Online-Verkauf von Waren unterliegt komplexen Vorschriften, die insbesondere Händler aus Drittstaaten nicht immer beachten. Für die Anbieter regelkonformer Produkte führen Verstöße zu Wettbewerbsverzerrungen. Deshalb sollen ab Juli 2021 Waren, die EU-Regelungen zur Produktsicherheit unterliegen, nur noch in Verkehr gebracht werden, wenn ein Marktakteur in der Europäischen Union ansässig ist. Der DIHK setzt sich dafür ein, dass auch in der Zwischenzeit ein fairer Wettbewerb ermöglicht wird.

Produktsicherheit und Marktüberwachung: Fairen und freien Wettbewerb stärken

DIHK, Mitteilung vom 22.08.2019

Der weltweite Verkauf von Waren über Online-Shops und -Plattformen ist fast ein Kinderspiel. In diesem Spiel existieren aber Regeln für die beteiligten Akteure. Diese sind häufig sehr komplex und von Land zu Land unterschiedlich. Händler aus Drittstaaten, also aus Ländern außerhalb der EU, nutzen die neuen Vertriebswege immer stärker, beachten aber häufig die Regeln im Zielland – sicher oft unwissentlich – nicht. So gelangen immer mehr Waren in die EU und nach Deutschland, die nicht konform mit den europäischen Rechtsvorschriften sind. Da sie meist deutlich günstiger angeboten werden als geprüfte Artikel, entsteht eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung für Unternehmen, die regelkonforme Produkte verkaufen.

Neue EU-Verordnung soll Produktsicherheit im Binnenmarkt fördern

Die Politik hat dieses Problem erkannt und in Brüssel im Frühjahr eine Verordnung verabschiedet, um die Marktüberwachung und Konformität von Produkten genauer in den Blick zu nehmen ((EU) 2019/1020). Sie stärkt die Vollzugsbehörden der Marktüberwachung und des Zolls deutlich – allerdings erst ab Juli 2021. Ab diesem Zeitpunkt dürfen Waren, die EU-Regelungen zur Produktsicherheit unterliegen, nur noch in Verkehr gebracht werden, wenn ein Marktakteur in der EU ansässig ist. Das betrifft neben Herstellern auch Importeure, Bevollmächtigte oder Fulfillment-Dienstleister. Marktüberwachungsbehörden können dann auch bei Fulfillment-Centern – also Dienstleistern, die Waren für andere Unternehmen lagern, verpacken und versenden – Inspektionen vor Ort durchführen oder relevante Unterlagen anfordern. Bislang ist dies nur beschränkt möglich. Zudem gilt eine „Inverkehrbringen-Fiktion“: Wird ein Produkt online angeboten und damit an Konsumenten in der EU gerichtet, gilt das als Bereitstellung auf dem Binnenmarkt. Bei ernsten Risiken ist es dann möglich, Plattformen und E-Commerce-Händler zur Sperrung von Online-Angeboten aufzufordern.

Marktüberwachungsbehörden und Plattformen sind gefragt

Doch dazu müssen zuvor unsichere Angebote in den fast unendlichen Weiten des Online-Shoppings gefunden werden. Allein über die beiden großen Plattformen Amazon und eBay sind in Deutschland fast zwei Milliarden verschiedene Produkte erhältlich. Dazu kommen zahlreiche weitere Online-Shops. Häufig stoßen daher nicht die Marktüberwachungsbehörden oder der Zoll auf unsichere Produkte. Vielmehr spüren Unternehmen solche Angebote von Wettbewerbern auf Plattformen oder in Webshops auf. Mittels Testkäufen können sie oft sogar belegen, dass die Produkte nicht den geltenden Sicherheits- und Konformitätsbedingungen entsprechen. Aber es ist kaum transparent, an wen sich Unternehmen nun wenden können. Anders als im Bereich des Markenrechts können die Betriebe auch keine Verletzung eigener Rechte geltend machen. Hier ist es dringend notwendig, dass Marktüberwachungsbehörden und Plattformen bereits heute aktiv werden und Wege aufzeigen, die einen fairen Wettbewerb nicht erst ab 2021 ermöglichen. Der DIHK macht im Dialog mit den relevanten Akteuren den Handlungsdruck deutlich und sucht gemeinsam mit Wirtschaftsvertretern und Politik nach Lösungsansätzen.

Der weltweite Online-Verkauf von Waren unterliegt komplexen Vorschriften, die insbesondere Händler aus Drittstaaten nicht immer beachten. Für die Anbieter regelkonformer Produkte führen Verstöße zu Wettbewerbsverzerrungen. Deshalb sollen ab Juli 2021 Waren, die EU-Regelungen zur Produktsicherheit unterliegen, nur noch in Verkehr gebracht werden, wenn ein Marktakteur in der Europäischen Union ansässig ist. Der DIHK setzt sich dafür ein, dass auch in der Zwischenzeit ein fairer Wettbewerb ermöglicht wird.

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Beschäftigte mit einem hohen Anteil an Routinetätigkeiten nehmen seltener an Weiterbildungen teil

Beschäftigte mit Tätigkeiten, die zu einem großen Teil durch moderne Technologien ersetzt werden könnten, nehmen seltener an beruflicher Weiterbildung teil als Beschäftigte, deren Tätigkeiten ein geringeres Risiko aufweisen, durch Computer ersetzt zu werden. Das geht aus einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Beschäftigte mit einem hohen Anteil an Routinetätigkeiten nehmen seltener an Weiterbildungen teil

IAB, Pressemitteilung vom 20.08.2019

Beschäftigte mit Tätigkeiten, die zu einem großen Teil durch moderne Technologien ersetzt werden könnten, nehmen seltener an beruflicher Weiterbildung teil als Beschäftigte, deren Tätigkeiten ein geringeres Risiko aufweisen, durch Computer ersetzt zu werden. Das geht aus einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.41 Prozent der Beschäftigten mit einem geringen Anteil an Routinetätigkeiten nahmen innerhalb eines Jahres an mindestens einem Weiterbildungskurs teil. Bei Beschäftigten mit einem hohen Anteil an Routinetätigkeiten, die durch Technologien ersetzbar sind, waren es 27 Prozent. Eine unterdurchschnittliche Beteiligung weist diese Gruppe auch bei einer themendifferenzierten Betrachtung auf: Weiterbildungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie besuchten fünf Prozent, während es bei den Beschäftigten, die weniger stark von der Digitalisierung betroffen sind, acht Prozent waren. Dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie wird zur Bewältigung der sich ändernden Arbeitsanforderungen eine besondere Bedeutung beigemessen.

Der Unterschied in der Weiterbildungsbeteiligung zwischen Beschäftigten mit einem hohen und einem geringen Anteil an Routinetätigkeiten bleibt auch dann bestehen, wenn zusätzlich das Qualifikationsniveau mit einbezogen wird. Besonders stark ausgeprägt ist der Unterschied bei Geringqualifizierten: 37 Prozent der Geringqualifizierten mit Tätigkeiten mit einem geringen Risiko, durch moderne Technologien ersetzt zu werden, nahmen an mindestens einer Weiterbildung teil. Bei geringqualifizierten Beschäftigten mit einem hohen Risiko, durch moderne Technologien ersetzt zu werden, beträgt der Anteil dagegen sieben Prozent. Bei den Hochqualifizierten waren es 47 Prozent der Beschäftigten mit einem geringen und 31 Prozent mit einem hohen Anteil an Routinetätigkeiten, die mindestens eine Weiterbildung besuchten.

Die Unterschiede in der Weiterbildungsbeteiligung können nur zu einem kleineren Teil durch individuelle Merkmale der Beschäftigten wie beispielsweise ihr Qualifikationsniveau erklärt werden. Eine größere Rolle hingegen spielen betriebliche Weiterbildungsaktivitäten. Von Bedeutung sind dabei deren Intensität und individuelle Finanzierungsbeiträge. Beschäftigte nehmen dann eher an Weiterbildungen teil, wenn ihr Arbeitgeber die Weiterbildungskosten zumindest teilweise übernimmt oder die Beschäftigten zur Teilnahme an einer Weiterbildung freistellt. Weiterbildung sei nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für die Betriebe ein wichtiges Instrument in einer sich ändernden Arbeitswelt. „Betrieben kann sie helfen, ihren Bedarf an Fachkräften mit adäquaten Kompetenzen zu sichern, was gerade angesichts der deutlichen Engpässe in manchen Bereichen des Arbeitsmarktes zunehmend bedeutsamer wird“, so die Forscher Pascal Heß, Simon Janssen und Ute Leber.

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Erzeugerpreise Juli 2019: +1,1 % gegenüber Juli 2018

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte waren im Juli 2019 um 1,1 % höher als im Juli 2018. Im Juni 2019 hatte die Jahresveränderungsrate bei +1,2 % gelegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, stiegen die Erzeugerpreise gegenüber dem Vormonat um 0,1 %, nachdem zuvor zwei Monate sinkende Preise zu verzeichnen waren.

Erzeugerpreise Juli 2019: +1,1 % gegenüber Juli 2018

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 20.08.2019

Erzeugerpreise gewerblicher Produkte, Juli 2019

  • +0,1 % zum Vormonat
  • +1,1 % zum Vorjahresmonat

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte waren im Juli 2019 um 1,1 % höher als im Juli 2018. Im Juni 2019 hatte die Jahresveränderungsrate bei +1,2 % gelegen. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, stiegen die Erzeugerpreise gegenüber dem Vormonat um 0,1 %, nachdem zuvor zwei Monate sinkende Preise zu verzeichnen waren.

Den höchsten Einfluss auf die Entwicklung der Erzeugerpreise insgesamt hatte im Juli 2019 die Preisentwicklung bei elektrischem Strom. Dieser war um 8,4 % teurer als im Juli 2018 (+2,2 % gegenüber Juni 2019). Energie insgesamt war um 2,1 % teurer als ein Jahr zuvor. Gegenüber dem Vormonat Juni 2019 stiegen die Energiepreise um 0,7 %.

Ohne Berücksichtigung von Energie waren die Erzeugerpreise um 0,7 % höher als im Juli 2018. Gegenüber Juni 2019 sanken sie um 0,1 %.

Verbrauchsgüter waren im Juli 2019 um 1,7 % teurer als im Juli 2018. Gegenüber dem Vormonat Juni 2019 sanken diese Preise um 0,2 %. Nahrungsmittel waren um 2,2 % teurer als im Vorjahresmonat. Die höchsten Preisveränderungen gegenüber dem Vorjahresmonat wiesen auch im Juli 2019 Schweinefleisch (+18,1 %) und verarbeitete Kartoffeln (+15,8 %) auf. Billiger als im Juli 2018 waren insbesondere Butter (-31,4 %) und Zucker (-16 %). Kaffee kostete 6,3 % weniger als ein Jahr zuvor.

Die Preise für Investitionsgüter lagen im Juli 2019 um 1,5 % höher als ein Jahr zuvor. Gebrauchsgüter waren im Juli 2019 um 1,3 % teurer als im Juli 2018.

Vorleistungsgüter waren im Juli 2019 um 0,7 % billiger als im Juli 2018. Einen stärkeren Preisrückgang gegenüber dem Vorjahresmonat hatte es letztmalig im September 2016 gegeben (-1,1 %). Gegenüber dem Vormonat Juni 2019 sanken diese Preise um 0,4 %. Billiger als ein Jahr zuvor waren vor allem elektronische integrierte Schaltungen (-14 %). Metallische Sekundärrohstoffe kosteten 13,6 % weniger, Metalle 2,7 % weniger. Einen überdurchschnittlich hohen Preisanstieg gegenüber dem Vorjahresmonat wiesen unter anderem Edelmetalle und Halbzeug daraus (+10,8 %), Düngemittel und Stickstoffverbindungen (+7,8 %) und Getreidemehl mit einem Plus von 7,0 % auf.

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Produktivitätswachstum sinkt, obwohl Erwerbstätige besser qualifiziert sind

Obwohl sich die Arbeitsmärkte in Deutschland und anderen entwickelten Ländern immer stärker „akademisieren“, wächst die Produktivität längst nicht mehr so stark wie früher. Während die Produktivität in den 70er-Jahren jährlich noch um fast vier Prozent zulegte, waren es in den vergangenen acht Jahren weniger als ein Prozent. Im letzten und in diesem Jahr stagniert die Produktivität nur noch. Der sektorale Wandel taugt allerdings nicht als ausreichende Erklärung. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse einer aktuellen Studie des DIW Berlin.

Produktivitätswachstum sinkt, obwohl Erwerbstätige besser qualifiziert sind

DIW Berlin, Pressemitteilung vom 14.08.2019

  • Rückgängige Produktivitätszuwächse stehen im Gegensatz zu immer besser qualifizierten Arbeitskräften
  • Sektoraler Wandel hat nur schwachen Einfluss auf die Produktivitätsentwicklung
  • Zunehmende Bürokratisierung als mögliche Ursache für geringes Produktivitätswachstum

Obwohl sich die Arbeitsmärkte in Deutschland und anderen entwickelten Ländern immer stärker „akademisieren“, wächst die Produktivität längst nicht mehr so stark wie früher. Während die Produktivität in den 70er-Jahren jährlich noch um fast vier Prozent zulegte, waren es in den vergangenen acht Jahren weniger als ein Prozent. Im letzten und in diesem Jahr stagniert die Produktivität nur noch. Der sektorale Wandel taugt allerdings nicht als ausreichende Erklärung. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Studienautor Karl Brenke zufolge könnte die zunehmende Bürokratisierung der Arbeitswelt einen wichtigen, aber bisher weitestgehend unerforschten, Anteil an den beobachteten Rückgängen haben. „Auffällig ist, dass der Rückgang des Produktivitätswachstums einhergeht mit einem steigenden Anteil an Tätigkeiten in Management- und Leitungsfunktionen sowie im Zusammenhang mit der Anwendung von Gesetzen und Vorschriften“, beobachtet Arbeitsmarktexperte Brenke.

Bildungsfortschritt überträgt sich nicht auf Produktivitätswachstum

Mit Blick auf die Qualifikationen der Erwerbstätigen fallen zwei Entwicklungen auf, die eigentlich die Produktivität hätten antreiben müssen. Zum einen ist die Akademikerquote in Deutschland gestiegen; immer mehr Personen im erwerbsfähigen Alter können einen Hochschulabschluss vorweisen. So ist der Anteil der Arbeitszeit, die auf Jobs entfällt, die einen Hochschulabschluss voraussetzen, nach den Daten des Sozio-oekonomischen Panels immer mehr gestiegen: Während dieser im Jahr 1984 noch bei etwa zehn Prozent lag, setzen im Jahr 2017 schon knapp 30 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse ein erfolgreich absolviertes Studium voraus. Auf der anderen Seite sinkt das Arbeitsvolumen, das auf Jobs ohne jegliche Qualifikationsvoraussetzung entfällt. Bewegte sich dieser Wert 1984 noch bei knapp 40 Prozent, fiel er sukzessive und stagniert über die letzten Jahre bei rund 20 Prozent.

Sektoraler Wandel hat geringen EinflussDass die Produktivität nicht mehr so stark wächst, wird häufig auf den sektoralen Wandel zurückgeführt, also auf die Verschiebung vom produzierenden Sektor hin zum Dienstleistungssektor. Tatsächlich hat die überproportionale Zunahme des Dienstleistungssektors das Produktivitätswachstum gehemmt. Allerdings war der Bremseffekt nur klein: So bremste der sektorale Wandel das Produktivitätswachstum im vergangenen Jahrzehnt lediglich um 0,2 Prozent, erklärt also nur einen Bruchteil des beobachteten Rückgangs.

Karl Brenke: „Auffällig ist, dass der Rückgang des Produktivitätswachstums einhergeht mit einem steigenden Anteil an Tätigkeiten in Management- und Leitungsfunktionen sowie im Zusammenhang mit der Anwendung von Gesetzen und Vorschriften.“

Zunehmende Bürokratisierung ein möglicher Grund für gehemmtes Wachstum

Studienautor Karl Brenke vermutet stattdessen, dass die vermehrten bürokratischen Vorgaben und Prozesse, die zwar zusätzliche Aufgaben erzeugen, aber keinen Bezug zur eigentlichen Wertschöpfung aufweisen, ein Grund für das schwächere Wachstum sind. Diese zunehmende Bürokratisierung kann sowohl von staatlicher Seite, zum Beispiel in Form von Auflagen für die Zusammenarbeit mit öffentlichen Auftraggebern, als auch innerhalb der Unternehmen, etwa durch die Schaffung neuer Funktionen, angetrieben werden. Ein Indiz für seine These findet Brenke in den Daten des Mikrozensus und den darin erkennbaren Veränderungen der Beschäftigungsstruktur: So nahm, während das Produktivitätswachstum immer weiter abfiel, der Anteil der bürokratischen Tätigkeiten zu. Dies gilt auch für Wirtschaftszweige mit hoher Produktivität wie dem verarbeitenden Gewerbe. Während der Anteil der hochqualifizierten Verwaltungsberufe in diesem Sektor für das Jahr 1996 noch 0,6 Prozent betrug, war er im Jahr 2016 bereits auf 3,1 Prozent gestiegen. Auch in der Kategorie der Führungstätigkeiten waren Zuwächse zu verzeichnen.

Offen bleibt allerdings die Frage, inwiefern dieser Wandel den Arbeitsalltag anderer Beschäftigter beeinflusst. „Um den potentiellen Zusammenhang belegen und messen zu können, wäre es notwendig, Umfragen zu erheben, um exakte Aussagen darüber zu erhalten, wie die Arbeitszeit nach Aufgabentypen verwendet wird“, schlägt Brenke vor.

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Rezessionsrisiko für die deutsche Wirtschaft ein weiteres Mal gestiegen

Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland in den nächsten drei Monaten eine Rezession erlebt, hat sich lt. Hans-Böckler-Stiftung weiter erhöht. Für den Zeitraum von August bis Ende Oktober weist der Indikator, der die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, ein Rezessionsrisiko von 43 Prozent auf. Im Juli waren es noch 36,6 Prozent.

Rezessionsrisiko für die deutsche Wirtschaft ein weiteres Mal gestiegen

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 14.08.2019

Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland in den nächsten drei Monaten eine Rezession erlebt, hat sich weiter erhöht. Das zeigen die neuesten Werte, die der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung liefert. Für den Zeitraum von August bis Ende Oktober weist der Indikator, der die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, ein Rezessionsrisiko von 43 Prozent auf. Im Juli waren es noch 36,6 Prozent.Das nach dem Ampelsystem arbeitende Frühwarnsystem zeigt damit zwar noch „gelb-rot“ – eine Situation erhöhter konjunktureller Unsicherheit jenseits von 30 Prozent Rezessionsrisiko. Berücksichtigt man aber zusätzlich die prognostische Unsicherheit, die anhand der Streuung der für die Gesamtprognose relevanten Einzelgleichungen derzeit in Höhe von knapp 22 Prozent gemessen wird, ist die Schwelle nicht mehr weit entfernt, ab der die IMK Konjunkturampel auf Rot schaltet und damit das Signal für eine Rezession gibt. Diese Schwelle liegt bei einer Rezessionswahrscheinlichkeit von 70 Prozent.

Der erneute Anstieg lässt sich vor allem zurückführen auf ein Zusammenspiel schlechterer Produktionszahlen für das Verarbeitende Gewerbe und einer weiteren Eintrübung der Stimmung, gemessen am ifo Geschäftsklimaindex. Die nach den jüngsten Zentralbankentscheidungen mittelfristig günstigen Finanzierungsbedingungen sowie eine Zunahme der Auftragseingänge für das Verarbeitende Gewerbe aus dem Ausland stabilisieren hingegen die Konjunkturaussichten. Bei den Auftragseingängen ist allerdings der aktuelle Wert für den Monat Juni durch Großaufträge aus dem außereuropäischen Ausland positiv verzerrt. Der „Finanzmarktstress“, den das IMK mit einem zusätzlichen Indikator misst, bleibt nahezu unverändert bei einem Wert von 20,9 Prozent nach 22,1 Prozent im Vormonat.

„Deutschlands Konjunktur steht auf der Kippe. Wir hatten – wie die anderen führenden Wirtschaftsforschungsinstitute – bislang damit gerechnet, dass es im zweiten Halbjahr zu einer raschen Erholung der Wirtschaft und insbesondere der Industrie kommen würde. Die Chancen für ein solches Positivszenario sind nun deutlich gesunken“, sagt Prof. Dr. Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK. „Die deutsche Industrie schwächelt bereits seit einem Jahr, vor allem wegen globaler Unsicherheiten. Bislang hat die Inlandskonjunktur – vor allem der starke Konsum und die Baunachfrage – die deutsche Wirtschaft vor einer Rezession bewahrt. Zuletzt aber war der Rückgang der Produktion im verarbeitenden Gewerbe so stark, dass es immer fraglicher wird, ob eine Rezession noch vermieden werden kann.“

Der IMK-Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im August 2019

Die exportorientierte deutsche Wirtschaft agiert lt. BMWi weiterhin in einem schwierigen außenwirtschaftlichen Umfeld. Der Ausblick bleibt vorerst gedämpft. Die Handelskonflikte haben sich zuletzt weiter verschärft und die Aussichten auf einen geordneten Brexit nicht verbessert. Vor diesem Hintergrund haben sich die Konjunkturindikatoren abgeschwächt. Auch die Weltkonjunktur bleibt angespannt und verhalten.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im August 2019

BMWi, Pressemitteilung vom 14.08.2019

  • Die gesamtwirtschaftliche Wirtschaftsleistung hat sich im zweiten Quartal geringfügig abgeschwächt. Das globale wirtschaftliche Umfeld mit Handelskonflikten, Brexit und geopolitischen Krisen dämpft den Welthandel und die Weltkonjunktur. Dies trifft die deutsche Industrie. Die Binnenkonjunktur zeigt sich aber robust.
  • Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im Juni zurückgegangen. Im Quartalsvergleich ergeben sich für alle Bereiche Verluste. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe sind trotz des Zuwachses im Juni im Quartalsvergleich nochmals leicht gesunken.
  • Stützend wirken weiterhin die steigenden Einkommen der privaten Haushalte und die fiskalpolitischen Impulse.
  • Am Arbeitsmarkt wird die schwächere Konjunktur sichtbarer. Der Beschäftigungsaufbau erfolgt in kleineren Schritten, die Arbeitslosigkeit stagniert auf niedrigem Niveau.

Die exportorientierte deutsche Wirtschaft agiert weiterhin in einem schwierigen außenwirtschaftlichen Umfeld. Ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) schwächte sich im zweiten Quartal preisbereinigt leicht um 0,1 % ab. Nach dem soliden Wachstum im ersten Quartal erbrachte sie dennoch die zweithöchste Wirtschaftsleistung in der Historie der Bundesrepublik. Einem bei rückläufigen Exporten negativem Wachstumsbeitrag des Außenhandels stand eine weiterhin robuste binnenwirtschaftliche Nachfrage gegenüber. Unter der stotternden globalen Wirtschaft leidet weiterhin vor allem das Verarbeitende Gewerbe. Während die mehr binnenwirtschaftlich ausgerichteten Dienstleistungsbereiche ihre Wertschöpfung weiter ausweiteten, zeigten sich bei industrienahen Dienstleistungen erste Bremsspuren. Hinzu kam nach dem milden Winterquartal eine schwache Frühjahrsbelebung beim Bau. Die heimische Energieerzeugung wurde angesichts günstigerer Energieimporte zurückgefahren.

Der Ausblick bleibt vorerst gedämpft. Die Handelskonflikte haben sich zuletzt weiter verschärft und die Aussichten auf einen geordneten Brexit nicht verbessert. Vor diesem Hintergrund haben sich die Konjunkturindikatoren abgeschwächt. Der Absatz und die Auftragseingänge in der Industrie sind merklich niedriger als vor einem Jahr und das Geschäftsklima hat sich deutlich eingetrübt. Auf der anderen Seite ist die Binnenkonjunkturweiterhin intakt. Beschäftigung und Löhne steigen und die Geld- und Fiskalpolitik liefern positive Impulse.

Die Weltkonjunktur bleibt angespannt und verhalten. Zwar nahmen im Mai sowohl die globale Industrieproduktion als auch der Welthandel leicht zu, gegenüber dem Vorjahr blieben die Wachstumsraten jedoch niedrig. Das Geschäftsklima der globalen Industrie folgte auch im Juli seinem seit Anfang 2018 abwärts gerichteten Trend. Dabei sank der IHS Markit PMI noch tiefer unter seine Wachstumsschwelle. Das unterkühlte ifo Weltwirtschaftsklima hat sich im dritten Quartal 2019 angesichts der Ballung globaler Risiken weiter eingetrübt. Vor diesem Hintergrund gehen die internationalen Organisationen von einer wenig dynamischen, aber gleichwohl aufwärtsgerichteten weltwirtschaftlichen Entwicklung aus.

Die Flaute des Welthandels schlägt sich auch in den deutschen Ausfuhren nieder: Die Exporte von Waren und Dienstleistungen gingen im Juni saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 1,5 % zurück. Für das zweite Quartal 2019 ergab sich ein deutliches Minus von 1,8 %. Die Unternehmen gehen laut den ifo Exporterwartungen, die im Juli auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise gefallen sind, auch für die kommenden Monate von keinem Exportzuwachs aus. Die Importe von Waren und Dienstleistungen sanken im Juni saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 0,1 %. Im gesamten zweiten Quartal nahmen sie gegenüber dem Vorquartal um 0,9 % ab. Auch preisbereinigt sind die Exporte im dritten Quartal stärker als die Importe zurückgegangen und haben so für einen negativen Wachstumsbeitrag des Außenhandels gesorgt.

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe wurde im Juni nach einer Verschnaufpause im Mai weiter zurückgenommen (-1,5 %). Gegenüber dem Vorquartal ergab sich im zweiten Quartal damit ein Rückgang um insgesamt 1,8 %. Sowohl das Baugewerbe (-1,1 %) als auch die Industrie (-1,7 %) verzeichneten hierbei Einbußen. Innerhalb der Industrie waren es der Maschinenbau, die Metallerzeugung und die Kfz-Produktion, die im zweiten Quartal die gewichtigsten Rückgänge verbuchten. Die schwache Frühjahrsbelebung beim Bau war wohl mehr dem hohen Produktionsniveau im Winterquartal und weniger der Konjunktur geschuldet. Zum Rückgang der Energieerzeugung trugen verstärkte Nettoimporte bei. Die Entwicklung von Auftragseingangs- und Stimmungsindikatoren sprechen gegenwärtig nicht für positive Impulse seitens der Industrie in den kommenden Monaten. Auch wenn die Auftragseingänge bei umfangreichen Großaufträgen im Juni um 2,5 % gestiegen sind, ergab sich doch in der Quartalsbetrachtung ein erneuter Rückgang. Dieser fiel allerdings mit -1,0 % merklich geringer aus als noch im ersten Quartal mit -4,2 %. Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe trübte sich allerdings im Juli nochmals etwas weiter ein.

Die privaten Konsumausgaben sind daher eine noch wichtigere Stütze der binnenwirtschaftlichen Entwicklung. Sie dürften im zweiten Quartal allerdings etwas weniger dynamisch zugelegt habe, als im konsumstarken ersten. So erhöhten sich die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz im zweiten Quartal lediglich um 0,1 %, trotz eines starken Anstiegs im Juni. Auch die Neuzulassungen von Pkw bei privaten Haltergruppen fielen im zweiten Quartal nach den Nachholeffekten im ersten etwas bescheidener aus. Das Geschäftsklima im Einzelhandel ist zwar per Saldo positiv und noch deutlich günstiger als im langjährigen Durchschnitt. Es hat sich aber seit Herbst vergangenen Jahres kontinuierlich eingetrübt.

Der Beschäftigungsaufbau setzte sich im Juni mit gedrosselter Dynamik fort. Der saisonbereinigte Zuwachs der Erwerbstätigkeit lag nur bei 8.000 Personen, einen geringeren Zuwachs gab es zuletzt vor drei Jahren. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies in Ursprungszahlen aber immer noch einen Anstieg um 410.000 Personen. Auch der Anstieg bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung um saisonbereinigt 20.000 Personen hat sich im Mai merklich abgeschwächt. Die Konjunkturabkühlung zeigt sich vor allem im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung, wo der Personalbestand von April auf Mai um 12.000 Mitarbeiter zurückging. Die Arbeitslosigkeit stagnierte im Juli saisonbereinigt nahezu (+1.000 Personen) auf niedrigem Niveau, in Ursprungszahlen nahm sie mit Beginn der Sommerferien um 59.000 Personen auf knapp 2,3 Mio. zu. Bei der Unterbeschäftigung zeigte sich per Saldo ebenfalls kaum Bewegung. Die Frühindikatoren lassen erwarten, dass sich der gemäßigte Beschäftigungsaufbau bei leicht steigender Arbeitslosigkeit fortsetzt.

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