Der rasante Aufschwung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt wird sich deutlich abschwächen. Dies zeigt die Herbstprognose des IAB.
IAB, Pressemitteilung vom
30.09.2011
Der rasante Aufschwung von Wirtschaft
und Arbeitsmarkt wird sich deutlich abschwächen. Dies zeigt die Herbstprognose
des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Bei einem
unterstellten Wirtschaftswachstum von einem Prozent im Jahr 2012 werden im
Jahresdurchschnitt 2,92 Millionen Menschen arbeitslos sein, 50.000 weniger als
2011.
Die Abschwächung sei zum einen dem ungünstigen wirtschaftlichen
Umfeld geschuldet, so die Nürnberger Arbeitsmarktforscher. Die weitere
Entwicklung hänge entscheidend davon ab, ob es in der europäischen Schuldenkrise
zu einer Stabilisierung kommt und sich auch die Lage an den Finanzmärkten
beruhigt. Zum anderen hätte sich aber der außergewöhnlich positive
Arbeitsmarkttrend der letzten Jahre ohnehin nicht im gleichen Maße fortgesetzt.
Beispielsweise hatten in den letzten Jahren die Hartz-Reformen zur Verbesserung
der Arbeitsmarktsituation beigetragen. Mittlerweile seien aber die durch die
Reformen erschlossenen neuen Potentiale weitgehend ausgeschöpft.
Beträchtliche Unsicherheit über die
Entwicklung 2012
Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung
sei aktuell durch beträchtliche Unsicherheiten gekennzeichnet. Ungewohnt weit
würden Zukunftserwartungen und Einschätzung der aktuellen Lage auseinander
klaffen. Deshalb schließen die IAB-Forscher nicht aus, dass das reale
Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2012 sogar leicht schrumpft. Bei einem
Rückgang um 0,2 Prozent stiege die Arbeitslosigkeit um 20.000 auf einen
Jahresdurchschnitt von 2,99 Millionen Personen. Auch bei leicht rezessiven
Tendenzen sei also mit einer insgesamt robusten Entwicklung zu rechnen, erklären
die Arbeitsmarktforscher. Sollten sich die jüngsten Einbrüche der
Konjunkturindikatoren und Finanzmärkte als überzogen herausstellen und die
europäischen Staaten die Schuldenkrise nachhaltig eindämmen, wäre in einem
positiven Szenario auch ein Wachstum der Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent
denkbar. Dann würde die Arbeitslosigkeit auf 2,89 Millionen Personen sinken.
Arbeitskräfteangebot sinkt 2012 um
40.000 Personen
Allein aufgrund der demografischen
Entwicklung würde das Arbeitskräfteangebot 2012 um fast 250.000 Personen
abnehmen, haben die Forscher ausgerechnet. Zum größten Teil könne der
demografische Rückgang aber ausgeglichen werden. Dies liege zum einen an der
steigenden Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren, zum anderen an der
Zuwanderung, nicht zuletzt aus den acht mittel- und osteuropäischen EU-Staaten,
für die seit Mai 2011 die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit und
Dienstleistungsfreiheit gilt. Unterm Strich sinke das Arbeitskräfteangebot im
Jahr 2012 daher nur um 40.000 Personen.
Quelle: IAB
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