Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im November 2011

Die deutsche Wirtschaft ist den vorliegenden Konjunkturindikatoren zufolge im dritten Quartal spürbar weiter gewachsen. Daneben nahm auch die Beschäftigung in den Dienstleistungsbereichen bis zuletzt kräftig zu. Daher ist laut BMWi davon auszugehen, dass die deutsche Wirtschaft im 3. Quartal ihre gesamtwirtschaftliche Leistung auf breiter Front steigern konnte.

BMWi, Pressemitteilung vom
09.11.2011

  • Die deutsche Wirtschaft konnte ihre gesamtwirtschaftliche Leistung im
    dritten Quartal wieder stärker erhöhen.
  • Die Euroschuldenkrise dämpft die wirtschaftlichen Aktivitäten im
    Winterhalbjahr.
  • Der Beschäftigungsaufbau stabilisiert die binnenwirtschaftliche
    Nachfrage.

Die deutsche Wirtschaft ist den
vorliegenden Konjunkturindikatoren zufolge im dritten Quartal spürbar weiter
gewachsen. Hierfür spricht die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe, die im
dritten Quartal deutlich um saisonbereinigt 1,7 % ausgeweitet wurde. Daneben
nahm auch die Beschäftigung in den Dienstleistungsbereichen bis zuletzt kräftig
zu. Daher ist davon auszugehen, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal
ihre gesamtwirtschaftliche Leistung auf breiter Front steigern
konnte.

Das europäische und internationale Umfeld hat sich allerdings
seit Jahresmitte erheblich eingetrübt. Vor allem die Staatsschuldenkrise in
einigen Ländern der Eurozone sorgte bei den Unternehmen, aber auch bei den
Konsumenten zunehmend für Unsicherheit. Nach den Konjunkturumfragen haben sich
die Zukunftserwartungen der Wirtschaft erheblich verschlechtert. Dies wirkt sich
zunehmend auch auf das wirtschaftliche Verhalten aus. Vor allem die Unternehmen
agieren vorsichtiger und abwartend.

Dies machte sich in den letzten
beiden Berichtsmonaten bei den Umsätzen und seit Jahresmitte bei den
Auftragseingängen in der Industrie bemerkbar. Die Auftragseingänge gingen im
September um 4,3 % zurück. Sie schwächten sich damit den dritten Monat in Folge
ab. Im dritten Quartal lagen sie insgesamt um 3,6 % unter dem Vorquartal. Hierzu
trug der Rückgang an Großaufträgen maßgeblich bei. Die zuvor sehr gute
Auftragslage normalisierte sich Umfragen zufolge ebenfalls spürbar. Diese
Entwicklung wirkte sich auch auf die Industrieproduktion aus. Im September ging
sie um 3,0 % zurück, lag aber im gesamten dritten Quartal noch deutlich um 2,0 %
über der Erzeugung im zweiten Quartal. Für das vierte Quartal zeichnet sich
nunmehr eine sehr ruhige Entwicklung der Industrieproduktion ab. Auch vom
Bauhauptgewerbe dürften im Jahresendquartal nur wenig Produktionsimpulse
ausgehen, da die Baunachfrage zuletzt ebenfalls etwas nachließ.

Die
privaten Konsumausgaben dürften hingegen ihre kurze Schwächephase überwunden
haben. Darauf deuten die Umsätze im Einzelhandel hin, die im dritten Quartal um
0,5 % zunahmen, sowie die höheren Zulassungszahlen von neuen Personenkraftwagen.
Beständige Impulse für die binnenwirtschaftliche Nachfrage kommen derzeit vom
Anstieg der realen verfügbaren Einkommen. Maßgebend hierfür sind die steigenden
Löhne und Gehälter sowie die positive Beschäftigungsentwicklung. Die
Erwerbstätigkeit nimmt kontinuierlich weiter zu (September: +18.000), wenn auch
deutlich langsamer als im ersten Halbjahr. Die Arbeitslosigkeit geht tendenziell
weiter zurück. Ihr saisonbereinigt nur leichter Anstieg im Oktober um 10.000
Personen war eine Ausgleichsreaktion auf die starke Herbstbelebung im September.
Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist weiterhin hoch und die vorlaufenden
Indikatoren deuten nicht auf eine Trendwende hin.

Demgegenüber sind
derzeit vom Außenhandel angesichts der gedämpfteren Entwicklung der
Weltwirtschaft und insbesondere in der EU und im Euroraum keine größeren Impulse
zu erwarten. Die Exportdynamik schwächte sich gegenüber dem ersten Halbjahr
merklich ab. Im September erhöhten sich die Exporte in jeweiligen Preisen leicht
um 0,9 % und im gesamten dritten Quartal um 2,2 %. Die Einfuhren entwickelten
sich mit einem Plus von 1,1 % im dritten Quartal ebenfalls gedämpft. Das
Preisklima bleibt angespannt. Zwar nahm der Druck seitens der Einfuhr- und
Erzeugerpreise etwas ab. Die Inflationsrate blieb mit +2,5 % im Oktober aber
hoch.

Insgesamt ist in den kommenden Monaten mit einer sehr ruhigen
Wirtschaftsentwicklung zu rechnen. Nach und nach dürfte die Weltwirtschaft aber
wieder etwas mehr Fahrt aufnehmen. Unter der Voraussetzung, dass die dämpfenden
Effekte der Euroschuldenkrise nachlassen, ist nach dem Winterhalbjahr von einer
allmählichen Beschleunigung der Wirtschaftsentwicklung im Jahresverlauf 2012
auszugehen.

Haupttreiber für die deutsche Konjunktur ist im kommenden
Jahr voraussichtlich die Binnennachfrage. Ausgesprochen wichtig wird es hierbei
sein, dass sich die positive Beschäftigungsentwicklung fortsetzt. Die
Rekordstände bei der Beschäftigung, der Rückgang der Zahl der Arbeitslosen auf
den niedrigsten Stand seit 1992 oder auch die nahezu halbierte Zahl der
Langzeitarbeitslosen – alles dies ist Ergebnis umfassender struktureller
Reformen am Arbeitsmarkt in Verbindung mit beschäftigungsorientierter
Lohnpolitik. Diese Fortschritte gilt es jetzt zu sichern und auszubauen,
keinesfalls aber zu gefährden. Die bewährte Tarifautonomie ist dabei ein
Schlüsselelement. Ein allgemeiner flächendeckender Mindestlohn würde die Rolle
der Tarifpartner aushöhlen und wäre deshalb schädlich, gerade für die Jobchancen
von Langzeitarbeitslosen oder geringer Qualifizierten. Wirtschaftlicher Maßstab
für die Lohnpolitik bleibt letztlich, ob die Unternehmen in der Lage sind, die
gezahlten Löhne am Markt zu erwirtschaften. Nur dann lassen sich nachhaltig
Einkommen und Beschäftigung sichern.

Quelle: BMWi

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