Deutsche Konjunktur kommt allmählich in Schwung

Die Zeichen für die Konjunktur in Deutschland stehen lt. IfW Kiel auf Expansion. Ein anziehender Investitionszyklus werde die ökonomische Aktivität in den nächsten zwei Jahren spürbar beleben.

 

IfW Kiel, Pressemitteilung vom 19.12.2013

 
Die Zeichen für die Konjunktur in Deutschland stehen auf Expansion. Ein anziehender Investitionszyklus wird die ökonomische Aktivität in den nächsten zwei Jahren spürbar beleben. Über den dringlicher werdenden Ersatzbedarf hinaus werden angesichts steigender Kapazitätsauslastung zunehmend auch Erweiterungsinvestitionen erfolgen. Dies wird befeuert durch ein für Investoren extrem günstiges Finanzierungsumfeld, das auch dem Wohnungsbau weiterhin starke Impulse verleihen wird. Im Zuge konjunkturell steigender Einkommen und einer robusten Arbeitsmarktentwicklung werden auch die privaten Konsumausgaben spürbar zulegen. Vom Außenhandel dürften demgegenüber rein rechnerisch keine nennenswerten Produktionseffekte ausgehen. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt im ablaufenden Jahr nur schwach gestiegen ist, dürfte es im Prognosezeitraum mit Zuwachsraten von 1,7 Prozent (2014) und 2,5 Prozent (2015) deutlich stärker expandieren. Gegen Ende 2014 wird die deutsche Wirtschaft voraussichtlich die Schwelle zur Hochkonjunktur überschreiten. In der Folge dürfte die Inflationsrate auf 1,7 Prozent im kommenden Jahr und 2,5 Prozent im nächsten Jahr steigen. Die öffentlichen Haushalte werden im Prognosezeitraum wohl mit steigenden Überschüssen abschließen. Angesichts der bevorstehenden demografischen Herausforderungen, einer außergewöhnlich niedrigen Zinsbelastung und weiterhin schwebender Haftungsrisiken im Zuge der Krise im Euroraum lassen die finanzpolitischen Konsolidierungsambitionen jedoch zu wünschen übrig. Auch tragen die bislang absehbaren Initiativen der neuen Bundesregierung nicht zur Stärkung, sondern eher zur Schwächung der Wachstumskräfte bei.

 

Konjunkturelle Expansion wird stärker – nach einem Zuwachs um 0,4 Prozent im ablaufenden Jahr expandiert das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um 1,7 Prozent im nächsten und um 2,5 Prozent im übernächsten Jahr. Angesichts einer Potenzialwachstumsrate von 1 ¼ Prozent steigt damit in den nächsten Jahren die Auslastung der gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten. Zur Mitte des Prognosezeitraums dürfte die Normalauslastung überschritten werden und Deutschland eine Hochkonjunkturphase drohen.

 

Monetäres Umfeld weiterhin extrem expansiv – auch wenn von der jüngsten Zinssenkung der EZB keine maßgeblichen weiteren Impulse auf Deutschland ausgehen dürften, so bleibt das monetäre Umfeld für die deutsche Wirtschaft voraussichtlich im gesamten Prognosezeitraum extrem expansiv ausgerichtet. Damit steigt die Gefahr von Fehlinvestitionen, insbesondere durch Übertreibungen im Immobiliensektor, für den die Realzinsen bereits seit einiger Zeit negativ sind.

 

Binnenkonjunktur im Zeichen des Investitionsaufschwungs – Impulsgeber der Konjunktur sind die Anlageinvestitionen, die seit dem Frühjahr ihre Schwächephase überwunden haben. Das Kapazitätserweiterungsmotiv dürfte mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Darüber hinaus wirken extrem niedrige Finanzierungskosten stimulierend, auch im Wohnungsbau.

 

Beschleunigung, aber keine Impulse vom Außenhandel – Ein- und Ausfuhren dürften die zurückliegende Flaute überwinden und bereits im Schlussquartal des laufenden Jahres wieder kräftiger expandieren. Rein rechnerisch gehen hiervon aber keine produktionswirksamen Impulse aus. Relativ zur Wirtschaftsleistung dürfte der Exportüberschuss in den Prognosejahren bei 6,1 Prozent verharren, der Leistungsbilanzüberschuss bei 7 Prozent.

 

Jobmotor läuft schneller, aber Mindestlohn bedroht Arbeitsplätze – die Beschäftigung nimmt im Prognosezeitraum beschleunigt zu. Im nächsten Jahr dürften 317 000 zusätzliche Erwerbstätige gezählt werden, im übernächsten Jahr 416.000. Ohne die geplante staatlich verordnete Lohnuntergrenze von 8,50 Euro könnten am Ende des Prognosezeitraums etwa 90.000 Personen zusätzlich erwerbstätig sein. Die Zahl der Arbeitslosen wird nahezu unverändert bleiben: Die Quote verharrt zunächst bei 6,9 Prozent, erst im übernächsten Jahr dürfte sie leicht sinken (auf dann 6,8 Prozent).

 

Preisauftrieb zieht wieder an – die zwischenzeitliche Entlastung der Verbraucher durch weniger stark steigende Preise wird nicht von Dauer sein. Im Zuge der steigenden Kapazitätsauslastung wird auch der Preisauftrieb stärker werden. Die Teuerungsrate wird nach 1,5 Prozent in diesem Jahr auf 1,7 Prozent (2014) und 2,5 Prozent anziehen (2015).

 

Finanzpolitik belastet Beitragszahler – Die Pläne der großen Koalition führen zu deutlichen Mehrausgaben, die vor allem zu Lasten der Beitragszahler und eines schnelleren Schuldenabbaus gehen werden. Insgesamt sind die Konsolidierungsbemühungen trotz gesamtstaatlich zu erwartender Haushaltsüberschüsse (in Relation zum Bruttoinlandsprodukt: 0,4 Prozent im nächsten und 0,7 Prozent im übernächsten Jahr) nicht ehrgeizig genug. Ein Finanzierungsvorbehalt für zusätzliche Ausgabenprogramme ist in Zeiten der Hochkonjunktur kein Ausweis vorsichtiger Haushaltsführung, sondern droht prozyklisch zu wirken.

 

Risikofaktor Wirtschaftspolitik – Mindestlöhne, vorgezogene Rentenbezugszeiten, unterlassene Steuerreformen, Ausweitung der Sozialleistungen: die wirtschaftspolitischen Signale aus dem Koalitionsvertrag weisen in eine Richtung, die das Wachstumspotenzial in Deutschland schwächt. Damit werden die Herausforderungen für die Aufrechterhaltung des Wohlstands bei alternder Bevölkerung, die derzeit nur durch ein demografisches Zwischenhoch für wenige Jahre verdeckt sind, noch größer. Die Wirtschaftspolitik sollte daher rasch auf einen marktwirtschaftlich orientierten Kurs einschwenken, der die Investitionsbedingungen und Arbeitsanreize in Deutschland stärkt und investiven vor distributiven Staatsausgaben Priorität einräumt, um dem schrumpfenden öffentlichen Kapitalstock (Erosion der Infrastruktur) entgegen zu wirken.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des IfW Kiel.

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Quelle: DATEV eG