Die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich lt. IfW Kiel zum Jahreswechsel 2013/14 aufgehellt. Faktoren, die die Weltkonjunktur in den vergangenen beiden Jahren spürbar belasteten, haben an Bedeutung verloren.
IfW Kiel, Pressemitteilung vom 19.12.2013
Die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich zum Jahreswechsel 2013/14 aufgehellt. Faktoren, die die Weltkonjunktur in den vergangenen beiden Jahren spürbar belasteten, haben an Bedeutung verloren. In den Vereinigten Staaten ist die Konsolidierung im privaten Sektor weit vorangekommen, im Euroraum beginnen die ergriffenen strukturellen Anpassungsmaßnahmen Früchte zu tragen, und in wichtigen Schwellenländern hat die Konjunktur zuletzt an Fahrt gewonnen. Die Zunahme der Weltproduktion dürfte im Jahr 2014 mit voraussichtlich 3,7 Prozent merklich höher ausfallen als 2013 (2,9 Prozent). Für 2015 erwarten wir mit 4 Prozent eine nochmals stärkere Zunahme der globalen Produktion.
Zunahme der konjunkturellen Dynamik im Jahresverlauf – Die weltwirtschaftliche Expansion hat sich ausgehend von sehr geringem Niveau im Verlauf des Jahres 2013 deutlich verstärkt. Im dritten Quartal wurde die höchste Zuwachsrate der Weltproduktion seit Ende 2010 verzeichnet.
Aufhellung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften … – Die Expansion in den Vereinigten Staaten hat sich trotz des Gegenwindes von der Finanzpolitik wieder beschleunigt, im Euroraum nimmt die Produktion nach eineinhalb Jahren der Rezession wieder zu, und in Japan ist die Konjunktur dank kräftiger wirtschaftspolitischer Impulse weiter aufwärts gerichtet.
… aber auch Anzeichen für eine anziehende Konjunktur in den Schwellenländern – Auch in den Schwellenländern hat sich die wirtschaftliche Dynamik nach der Jahreswende wieder verstärkt, obwohl es in einer Reihe von Ländern im Sommer im Zusammenhang mit der angekündigten Einleitung einer geldpolitischen Wende in den Vereinigten Staaten zeitweise zu erheblichen Kapitalabflüssen gekommen war.
Geldpolitik bleibt expansiv – Die Zentralbanken in den großen fortgeschrittenen Volkswirtschaften werden den Expansionsgrad ihrer Politik nur sehr allmählich verringern. Zwar werden einzelne der nichtkonventionellen Maßnahmen der Geldpolitik, insbesondere die Anleihekäufe der Fed, im Verlauf des nächsten Jahres heruntergefahren. Die Notenbankzinsen werden aber für die wichtigsten Weltwährungen über den gesamten Prognosezeitraum extrem niedrig bleiben.
Finanzpolitik bremst nur noch wenig – Von der Finanzpolitik gehen im Jahr 2014 nur moderat dämpfende Wirkungen aus. In den Vereinigten Staaten bedeutet die Einigung im Haushaltsstreit, dass die Finanzpolitik deutlich weniger restriktiv wirkt. Auch im Euroraum und im Vereinigten Königreich wird im kommenden Jahr weniger stark konsolidiert. In Japan dürfte zwar – nach deutlich expansiver Politik im Jahr 2013 – im kommenden Jahr auf einen Konsolidierungskurs eingeschwenkt werden, dieser ist aber zunächst nicht sehr ausgeprägt.
Aufschwung in den Vereinigten Staaten – In den Vereinigten Staaten werden die monetären Impulse im Verlauf des Prognosezeitraums immer stärker zur Wirkung kommen. Die Anpassungsprozesse, die nach der Finanzkrise eingesetzt haben, sind in den vergangenen Jahren erheblich vorangekommen. So ist die Verschuldung der privaten Haushalte deutlich gesunken, die Belastung des Finanzsektors durch Kreditausfälle geht weiter kontinuierlich zurück, und die Situation am Häusermarkt verbessert sich rapide. In den kommenden beiden Jahren dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit Raten von 2,3 Prozent bzw. 3 Prozent deutlich beschleunigt steigen.
Zunehmende Erholung im Euroraum – Die Konjunktur im Euroraum wird zunächst zwar noch vergleichsweise schwach bleiben. Nach wie vor drücken Konsolidierungsprozesse auf die Binnennachfrage in den Krisenländern, und auch in anderen Ländern befindet sich das Vertrauen von Unternehmen und Haushalten auf niedrigem Niveau. Zudem gibt es weiterhin Probleme im Bankensektor, die die Transmission monetärer Impulse erschweren. Aber auch im Euroraum wird die wirtschaftliche Aktivität allmählich an Schwung gewinnen, und selbst in den Krisenländern dürfte sich die Konjunktur nach und nach sichtbar verbessern. Im Jahr 2014 wird die gesamtwirtschaftliche Produktion voraussichtlich um 0,9 Prozent zulegen, im Jahr 2015 dürfte sich die Expansion auf 1,6 Prozent beschleunigen.
Moderate Zunahme der Dynamik in den Schwellenländern – Für den Prognosezeitraum erwarten wir eine weitere Verstärkung der wirtschaftlichen Expansion in den Schwellenländern. Hierzu tragen zum Teil wirtschaftspolitische Anregungen bei, vor allem aber gehen von der konjunkturellen Erholung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften Impulse aus. Einer Rückkehr zu ähnlich hohen Expansionsraten, wie sie vor der Finanzkrise verzeichnet wurden, steht in einer Reihe von großen Schwellenländern allerdings entgegen, dass sich das Wachstum des Produktionspotenzials merklich verlangsamt hat. So rechnen wir für China sogar damit, dass die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts im kommenden Jahr und im Jahr 2015 weiter leicht zurückgeht.
Neue und alte Risiken – Ein gewichtiges Risiko für die Prognose ist die allmähliche Abkehr von der massiven Liquiditätsausweitung in den Vereinigten Staaten. Es ist nicht sicher, dass dies gelingt, ohne dass es zu Turbulenzen an den Finanzmärkten kommt, die die konjunkturelle Expansion der Weltwirtschaft gefährden. Auch ist die Staatsschuldenkrise im Euroraum nach wie vor nicht gelöst; eine neuerliche Welle von Unsicherheit über die Zukunft im Währungsraum könnte im Prognosezeitraum ebenfalls die Finanzmärkte beunruhigen und die Nachfrage beeinträchtigen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des IfW Kiel.
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Quelle: DATEV eG