Konjunkturaufschwung festigt sich

Das HWWI hat seine Konjunkturprognose für Deutschland aktualisiert. Aufgrund der kräftigen Entwicklung der Investitionen und des weiterhin starken Konsums im ersten Quartal wird für dieses Jahr statt wie bisher 1,7 % ein Wachstum von 2,2 % erwartet.

 

HWWI, Pressemitteilung vom 10.06.2014

 

 
Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Konjunkturprognose für Deutschland aktualisiert. Aufgrund der kräftigen Entwicklung der Investitionen und des weiterhin starken Konsums im ersten Quartal wird für dieses Jahr statt wie bisher 1,7 % ein Wachstum von 2,2 % erwartet. 2015 dürfte sich das Expansionstempo weiter beschleunigen und das Bruttoinlandsprodukt sich um rund 2,5 % erhöhen. Die Binnenkonjunktur wird hierbei nach wie vor der Wachstumstreiber sein.

 

Im vergangenen Quartal ist die deutsche Wirtschaft mit einer Rate von 0,8 % so kräftig wie seit drei Jahren nicht mehr gewachsen. Einen wesentlichen Beitrag daran hatte die Bauwirtschaft, die vom äußert milden Winter profitierte (+3,6 %). Der sonst übliche Frühjahrsaufschwung wurde dadurch vorgezogen, wobei die Wachstumsimpulse im ersten Quartal ausschließlich von der Binnenkonjunktur kamen. Während die Importe kräftig gestiegen sind (+2,2 %), erhöhten sich die Exporte lediglich um 0,2 %, sodass der Außenbeitrag insgesamt einen negativen Wachstumsbeitrag (-0,9 %) lieferte. Aufgrund von Korrektureffekten nach dem starken Anstieg des Bruttoinlandsproduktes zu Beginn dieses Jahres ist im zweiten Quartal mit einer etwas geringeren Wachstumsrate zu rechnen. Dennoch wird für den restlichen Jahresverlauf eine stabile konjunkturelle Dynamik erwartet.

 

Die Einführung des Mindestlohnes und der abschlagsfreien Rente mit 63 wird die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zwar dämpfen, sie bleibt aber positiv. Denn die konjunkturelle Belebung sollte für eine weitere Erhöhung der Beschäftigung sorgen, sodass sich insgesamt ein positives Beschäftigungswachstum von rund 0,5 % in den nächsten beiden Jahren ergibt. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte weiter zurückgehen und 2015 bei rund 2,8 Mio. Personen liegen. Mit zunehmender Auslastung der Kapazitäten und Einführung des Mindestlohnes sollte sich der Preisdruck verstärken und die Inflationsrate 2015 wieder nahe der 2 %-Stabilitätsmarke liegen. Bei steigenden Reallöhnen wird der private Konsum auch im Prognosezeitraum wichtige Wachstumsimpulse liefern. Die Erhöhung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung sollte den Konsum im nächsten Jahr leicht dämpfen.

 

„Die Investitionstätigkeit wird im Prognosezeitraum kräftig bleiben, die Baugenehmigungen entwickeln sich robust und die Einkommen steigen. Dennoch sollte Ende dieses Jahres ein Wendepunkt erreicht sein, sodass für 2015 mit einem etwas geringeren Wachstum bei den Investitionen zu rechnen ist (+5,2 %).“, sagt Anja Rossen, Konjunkturexpertin am HWWI.

 

„Die Weltwirtschaft hat an Fahrt gewonnen. So zeigt sich die Konjunktur in den USA robust, die Fed hat begonnen, ihre Anleihekäufe schrittweise zurückzufahren und die Finanzmärkte der Schwellenländer haben sich beruhigt.“, sagt Prof. Dr. Michael Bräuninger, Forschungsdirektor am HWWI.

 

Mit stetiger Belebung der Weltwirtschaft und vor allem der Erholung im Euroraum dürften die Exporte zum Ende des Jahres wieder anziehen und sich im nächsten Jahr weiter entfalten. Die momentan hohe Investitionstätigkeit sollte bereits jetzt zu steigenden Importen führen, sodass vom Außenbeitrag sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr kein nennenswerter Wachstumsbeitrag zu erwarten ist.

 

Das Staatskonto sollte im gesamten Prognosezeitraum ein leicht positives Finanzierungssaldo aufweisen. Auf der Ausgabenseite führen die Ausweitung der Rentenversicherung, die voraussichtlich ab dem 1. Juli wirksam wird, zu Mehrausgaben von 4,4 Mrd. Euro in diesem und 9 Mrd. Euro im nächsten Jahr. Außerdem stehen Investitionen in die Infrastruktur und dem Städtebau an. Das Betreuungsgeld entfaltet in diesem Jahr seine volle Wirkung und die Mittel zur Beseitigung der Flutschäden von 2013 sollten nun vermehrt abgerufen werden. Auf der Einnahmeseite führt der Konjunkturaufschwung zu einem erhöhten Steueraufkommen. Die Staatschuldenquote sollte bei dieser Entwicklung weiter zurückgehen und 2015 bei rund 72 % liegen.

 

Die wohl größten Risiken für diese Prognose stellen momentan die Krise in der Ukraine, die Entwicklung der Preise im Euroraum und ein schlecht kommunizierter Ausstieg aus der sehr expansiven Geldpolitik dar. Die Niedrigzinspolitik der EZB dürfte noch längere Zeit andauern. Das HWWI rechnet erst Ende 2015 mit einer Zinserhöhung.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des HWWI.

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Quelle: DATEV eG