Laut Mitteilung vom Creditreform sinkt in Westeuropa die Zahl der Unternehmensinsolvenzen. In vielen Ländern zeigen die Insolvenzzahlen aber meist noch Nachwirkungen der langen Euro-Wirtschaftskrise.
Weniger Unternehmenspleiten in West- und Osteuropa
Creditreform, Pressemitteilung vom 10.05.2016
Lediglich vier der 17 untersuchten Länder Westeuropas zeigten 2015 steigende Insolvenzzahlen: Portugal (+7,6 % auf 7.288 Fälle), die Schweiz (+3,9 % auf 6.098 Fälle), Luxemburg (+3,3 % auf 873 Fälle) und Frankreich (+0,9 % auf 61.379 Fälle). Deutliche Rückgänge verzeichneten Griechenland (-42,7 % auf 189 Fälle), gefolgt von Spanien (-25,1 % auf 4.916 Fälle) und den Niederlanden (-20,7 % auf 5.271 Fälle). In Deutschland (-3,5 % auf 23.180 Fälle) und in Österreich (-3,2 % auf 5.422 Fälle) lag der Rückgang im Durchschnitt der westeuropäischen Länder, in Großbritannien (-9,7 % auf 15.952 Fälle) deutlich über dem Durchschnitt. So erreichen Großbritannien und auch Österreich mittlerweile wieder das Vorkrisenniveau, Deutschland sogar einen 16-Jahres-Tiefststand der Insolvenzen.
In vielen Ländern zeigen die Insolvenzzahlen aber meist noch Nachwirkungen der langen Euro-Wirtschaftskrise. So liegt das Niveau der Unternehmensinsolvenzen in den Krisenländern (Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien) trotz der jüngsten Entspannung weiterhin rund doppelt so hoch wie 2008. Entsprechend hoch bleibt der Anteil dieser Ländergruppe an allen Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa. Zuletzt sank der Anteil aber leicht von 17,2 auf 16,8 % (2008: 8,6 %).
Handel bleibt noch anfällig
In allen vier Hauptwirtschaftsbereichen zeichneten sich im Jahresvergleich 2014/15 rückläufigeInsolvenzzahlen ab. Am stärksten war der Rückgang im Verarbeitenden Gewerbe (-8,7 %). Baugewerbe und Dienstleistungen folgen mit jeweils -5,1 %. Der Handel (inkl. Gastgewerbe) war mit einem Rückgang um 1,9 % nur Schlusslicht der Positiventwicklung. Mit europaweit rund 64.000 registrierten Insolvenzen im Jahr 2015 ist der Dienstleistungssektor Schwerpunkt des Insolvenzgeschehens. Der Anteil dieses Wirtschaftsbereiches an allen verzeichneten Insolvenzen betrug 36,6 % (Vorjahr: 37,1 %). Zudem wurden rund 56.100 Insolvenzen von Firmen aus Handel und Gastgewerbe registriert – der Anteil erhöhte sich von 31,4 auf 32,1 %. Das Baugewerbe macht in Westeuropa 20,6 % aller Insolvenzen aus (rund 36.000 Fälle; Vorjahr: 20,8 %). Knapp 18.200 Insolvenzen gab es im Verarbeitenden Gewerbe (Anteil: 10,4 %; Vorjahr: 11,0 %). Starke Rückgänge gab es u. a. in den GIIPS-Ländern in den Wirtschaftsbereichen Verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe, während im Handel insbesondere in den KrisenländernSüdeuropas (noch) keine Entspannung festzustellen war. In Frankreich waren mehr Insolvenzen im Handelssektor zu verzeichnen.
Krise in Russland und der Ukraine, Osteuropa erholt
Auch in den Ländern Mittel- und Osteuropas, zu denen Daten vorliegen, kam es 2015 zu einem Rückgang der Unternehmensinsolvenzen, der mit 11,4 % stärker ausfiel als in Westeuropa. Insgesamt wurden 90.069 Fälle registriert, nachdem im Vorjahr mit 101.707 Fällen noch ein Rekordwert gemessen wurde. Die Wirtschaftslage hat sich in weiten Teilen Osteuropas mittlerweile deutlich gebessert, viele Länder verzeichneten steigende Wachstumsraten. Schwerpunkt des Insolvenzgeschehens in Osteuropa waren Handel und Dienstleistungsgewerbe mit einem Anteil von zusammen 76,6 % aller Insolvenzen.
Am deutlichsten sanken die Insolvenzzahlen in Rumänien (-50,4 %), gefolgt von Ungarn (-22,2 %), Tschechien (-15,7 %) und der Slowakei (-14,0 %). Die Anstiege in Kroatien (+164,0 %) und Litauen (+26,2 %) waren juristisch bedingt, da es Änderungen im Insolvenzrecht gab. Auch Bulgarien verzeichnete einen leichten Anstieg (+5,0 %). In den übrigen baltischen Staaten entspannte sich das Insolvenzgeschehen.
Die anhaltend tiefe Wirtschaftskrise führt in der Ukraine (13.696 Insolvenzen; +3,8 %) und auch in Russland (14.624 Insolvenzen; +0,8 %) erneut zu einer hohen Insolvenzzahl. In den USA setzte sich der Erholungsprozess fort. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen verringerte sich um 13,6 % auf 29.897 Fälle.
Der Wirtschaftsaufschwung kommt an
Weiter verbessert hat sich die finanzielle Stabilität der westeuropäischen Unternehmen. Die Auswertungen der Bilanzen des Jahres 2014 zeigen: Gewinnmargen (EBIT) und Eigenkapitalquoten sind tendenziell gestiegen. So erreicht ein Siebtel der Unternehmen (14,7 %) eine sehr hohe Gewinnspanne von mehr als 25 % (Vorjahr: 14,0 %). Der Anteil der Unternehmen, die Fehlbeträge erwirtschafteten, verringerte sich und liegt bei rund einem Viertel (25,3 %; Vorjahr: 26,9 %). Im Handel sind die EBIT-Margen trotz Verbesserungen weiterhin niedrig.
42,0 % der Unternehmen verfügen mittlerweile über eine sehr hohe Eigenkapitalquote von über 50 %. 2011 waren es erst 39,2 %. Als eigenkapitalschwach, mit einer Eigenkapitalquote von unter 10 %, gelten noch 24,3 % der westeuropäischen Unternehmen. In den „GIIPS-Ländern“ (Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien) haben sich die Forderungslaufzeiten verringert, liegen aber immer noch bei durchschnittlich 81 Tagen. In Frankreich werden Rechnungen später bezahlt als im Vorjahr. Auch in Deutschland und in Skandinavien erhöhten sich die Laufzeiten zuletzt leicht.
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Weitere Informationen finden sie auf der Homepage von Creditreform.
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Quelle: DATEV eG