Selbständigkeit als begrenzter Lebensabschnitt

Das tradierte Bild „Einmal Unternehmer, immer Unternehmer“ befindet sich nach Untersuchungen des IfM Bonn im Wandel, auch wenn immer noch ein großer Teil der Selbständigen dauerhaft eigenständig bleibt.

 

Selbständigkeit als begrenzter Lebensabschnitt

 

IfM Bonn, Pressemitteilung vom 18.08.2016

 

Das tradierte Bild „Einmal Unternehmer, immer Unternehmer“ befindet sich nach Untersuchungen des IfM Bonn im Wandel, auch wenn immer noch ein großer Teil der Selbständigen dauerhaft eigenständig bleibt. Gleichwohl ist in den vergangenen Jahrzehnten die Anzahl derjenigen Erwerbstätigen gestiegen, die zwischen Selbständigkeit, abhängiger Beschäftigung und auch Phasen der Arbeitslosigkeit hin und her wechseln: So haben selbständige Männer, die zwischen 1944 und 1949 geboren wurden, zwischen 15 und 44 Jahre im Durchschnitt sechs unterschiedliche Phasen durchlebt. Gleichaltrige Frauen, die zwischen 1960 und 1969 geboren sind, weisen – bedingt durch Kindererziehung- bzw. Haushaltstätigkeitszeiten – durchschnittlich eine Erwerbsphase mehr auf. Dabei fand bei beiden Geschlechtern die Mehrzahl der Wechsel vor der (ersten) Selbständigkeitsphase statt. Erstmals haben die Wissenschaftler des IfM Bonn die Selbständigkeit in Deutschland aus erwerbsbiografischer Perspektive auf der Basis der Paneldatensätze der Erwachsenenerhebung des Nationalen Bildungspanels (NEPS) für die Geburtsjahrgänge 1944 bis 1986 untersucht.

 

„Betrachtet man sowohl die Reihenfolge der verschiedenen Erwerbszustände als auch deren Dauer, dann gleicht keine Erwerbsbiografie der anderen. Vor der ersten Selbständigkeit steht jedoch in der Regel eine betriebliche oder akademische Ausbildung und eine abhängige Beschäftigung“, erläutert Dr. Rosemarie Kay. Wer seine Selbständigkeit beendet, wechselt allerdings meist dauerhaft in eine abhängige Beschäftigung. Wer dagegen anschließend eine Ausbildung absolviert, in Elternzeit geht oder arbeitslos wird, weist auch später zumeist einen unsteten Erwerbsverlauf auf.

 

„Die zunehmende Diskontinuität im Erwerbsverlauf von Selbständigen erhöht zwar einerseits das Altersarmutsrisiko. Auf der anderen Seite ist aber auch zu befürchten, dass ein größerer Teil der geringverdienenden Selbständigen ihre Erwerbstätigkeit aufgeben müsste, würde die Bundesregierung ihre Pläne einer verpflichtenden Rentenversicherung für diese Personengruppe realisieren. Hinzu kommt, dass diejenigen, die auf absehbare Zeit lediglich ein geringes Einkommen in der Selbständigkeit erwirtschaften können, gar nicht erst diesen Weg beschreiten würden“, so die stellvertretende Geschäftsführerin des IfM Bonn.

 

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Quelle: DATEV eG