Das Institut für Weltwirtschaft teilt mit, dass sich die Konjunktur im Euroraum im zweiten Quartal merklich abschwächt. Frühindikatoren deuten auf eine weitere Verlangsamung hin.
IfW Kiel, Pressemitteilung vom
13.09.2011
Die Konjunktur im Euroraum hat sich im
zweiten Quartal merklich abgeschwächt. Frühindikatoren deuten auf eine weitere
Verlangsamung hin. Die Stagnation der realen Geldmenge M1 gibt ein deutliches
Rezessionssignal.
Eine Vielzahl von Einflussfaktoren trägt dazu bei, dass
die Produktion im Euroraum im zweiten Halbjahr des laufenden Jahres sinken
dürfte. Unter anderem haben sich die Weltkonjunktur und der Welthandel
abgeschwächt. Besonders belastend wirkt die anhaltende Staatsschuldenkrise. Zum
einen steht sie im Zusammenhang mit den jüngsten Finanzmarktturbulenzen und hat
somit die Unsicherheit über den wirtschaftlichen Ausblick erhöht, was negativ
auf die Investitionsneigung wirken dürfte; und zum anderen werden in ihrem
Gefolge in vielen Ländern des Euroraums Konsolidierungsmaßnahmen ergriffen, die
angesichts der bestehenden Schuldenlasten zwar kaum zu vermeiden sind, aber von
denen deutlich negative Impulse auf die Nachfrage ausgehen werden. Einen so
scharfen Einbruch wie im Winter 2008/2009 erwarten wir trotz zum Teil ähnlich
dramatischer Ausschläge einzelner Finanzmarktindikatoren nicht. Im Gegensatz zur
damaligen Situation kann a priori erwartet werden, dass die Zentralbank die
Liquiditätsversorgung des Bankensektors und somit der gesamten Wirtschaft
aufrecht erhält.
Die Rezession dürfte im Verlauf des kommenden Jahres
wieder überwunden werden. Die weiterhin günstigen Finanzierungsbedingungen
dürften, sofern sich die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung nachlässt,
die Investitionstätigkeit merklich anregen. Ferner werden Impulse aus dem
Außenhandel kommen.
Die Rezession wird eine zusätzliche Belastung für die
öffentlichen Finanzen im Euroraum bedeuten und könnte dazu führen, dass die
Zweifel an der Schuldentragfähigkeit einzelner Mitgliedsländer weiter zunehmen.
Wir gehen aber nicht davon aus, dass es zu unkontrollierten Zahlungsausfällen
von einzelnen Mitgliedsländern oder größeren systemisch relevanten
Zusammenbrüchen im Bankensektor kommt. Sollte eines dieser Risiken eintreten,
dürfe die Rezession spürbar tiefer werden.
Insgesamt rechnen wir für das
laufende Jahr mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 1,4 Prozent. Im
Euroraum ohne Deutschland dürfte er merklich niedriger bei 0,9 Prozent liegen.
Für das Jahr 2012 erwarten wir einen Anstieg der Produktion von 0,6 Prozent. Die
für das zweite Halbjahr 2011 zu erwartende Rezession dürfte die Lage am
Arbeitsmarkt weiter eintrüben. Die Arbeitslosenquote im Euroraum dürfte im
laufenden Jahr bei 10,1 Prozent verharren um im kommenden Jahr auf 10,6 Prozent
zu steigen. Angesichts der schwachen Konjunktur dürfte sich die Inflation, die
im laufenden Jahr wohl 2,3 Prozent betragen wird, auf 1,2 Prozent zurückgehen.
Das Budgetdefizit, das im laufenden Jahr auch wegen auslaufender
Konjunkturmaßnahmen kräftig sinken dürfte (von 6,3 Prozent auf 4,3 Prozent in
Relation zum Bruttoinlandsprodukt), dürfte im kommenden Jahr wegen der
ausgeprägten Konsolidierungsmaßnahmen in vielen Mitgliedsländern und trotz der
Rezession abermals auf 3,7 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt
sinken.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des IfW
Kiel.
Quelle: IfW Kiel
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