Die kräftig expandierende Nachfrage in den mittel- und osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten liefert der deutschen Exportindustrie deutliche Wachstumsimpulse. Bei den kapital- und arbeitsintensiven Gütern schrumpfen jedoch langsam die Vorteile.
IWH Halle, Pressemitteilung vom
28.09.2011
Die kräftig expandierende Nachfrage in
den mittel- und osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten liefert der deutschen
Exportindustrie deutliche Wachstumsimpulse. Die osteuropäischen Länder haben
sich im Zuge ihrer Integration in die Europäische Union hinsichtlich der
Produktionsstrukturen in den vergangenen Jahren an Deutschland angenähert. Der
deutsche Außenhandel mit diesen Ländern ist kaum mehr durch Importüberschüsse
bei arbeitsintensiven Gütern gekennzeichnet. Osteuropäische Länder sind zudem
keine Netto-Exporteure von Vorleistungen mehr.
Die zehn mittel- und
osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten haben in den vergangenen Jahren im deutschen
Außenhandel erheblich an Bedeutung gewonnen. Während noch Mitte der 1990er Jahre
weniger als 5 % der deutschen Exporte in diese Region flossen, erhöhte sich
dieser Anteil bis zum Jahr 2010 auf 11 % (Westdeutschland: 10 %, Ostdeutschland:
17 %).
In den 1990er Jahren bezogen westeuropäische Produzenten
überwiegend Vorleistungen aus den osteuropäischen Ländern. Inzwischen hat sich
dieses Handelsmuster gewandelt. Deutsche Produzenten haben in den letzten Jahren
zunehmend ihre Endfertigungslinien an Standorte in den neuen EU-Ländern
verlagert und liefern dorthin auch Vorleistungen. Insbesondere die auf
Vorleistungen stärker spezialisierten Produzenten in den Neuen Bundesländern
könnten hiervon profitieren.
Aber auch bei kapital- und
humankapitalintensiven Gütern, einer traditionellen Domäne deutscher Exporteure,
hat sich das Bild gewandelt. Obgleich innerhalb einzelner
(human-)kapitalintensiver wie auch innerhalb einzelner arbeitsintensiver
Wirtschaftszweige Handelsbilanzungleichgewichte vorliegen, haben deutsche
Produzenten insgesamt gesehen offenbar keine eindeutigen komparativen Vorteile
bei (human-)kapitalintensiven Gütern. Die nach wie vor existierenden
Spezialisierungsvorteile werden vor allem im intra-industriellen Handel, also im
Handel von Gütern innerhalb der gleichen Branche, realisiert.
Quelle: IWH Halle
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