Nachfrage der Unternehmen nach Krediten lässt nach

Auf das deutliche Wachstum des Kreditneugeschäfts im 1. Quartal folgte lt. KfW-Kreditmarktausblick zwischen April und Juni ein knapp 5-prozentiger Rückprall. Die Abnahme dürfte primär mit einer nachlassenden Kreditnachfrage der Unternehmen zusammenhängen. Vor dem Hintergrund der konjunkturellen Abkühlung ist für das 2. Halbjahr mit einem stagnierenden Neugeschäft zu rechnen.

KfW, Pressemitteilung vom
05.10.2011

Das Kreditneugeschäft mit Unternehmen
und Selbstständigen ist im 2. Quartal um knapp 5 % gegenüber dem
Vorjahresquartal gesunken, nachdem es im ersten Vierteljahr noch um knapp 4 %
angestiegen war. Der Grund hierfür liegt neben technischen Faktoren – einem
saisonuntypisch starken Wachstum im Vergleichszeitraum des Vorjahres – in der
leicht nachlassenden Kreditnachfrage vor dem Hintergrund des unerwartet
schwachen Wachstums im 2. Quartal 2011. Dies zeigt der neue, für das
Handelsblatt erstellte Kreditmarktausblick der KfW Bankengruppe.

Trotz
der anhaltenden Eurokrise und der getrübten Perspektiven für die Konjunktur
zeigt der KfW-Kreditmarktausblick keine Anhaltspunkte für Beschränkungen auf der
Angebotsseite. Vielmehr dominieren hier nach wie vor die positiven Signale: Das
Zinsniveau für Unternehmenskredite stieg laut EWU-Zinsstatistik im 2. Quartal
2011 etwas an, lag aber weiterhin über alle Laufzeiten deutlich unter dem
historischen Durchschnitt. Die im Rahmen der ifo-Kredithürde befragten
Unternehmen berichten trotz eines minimalen Anstiegs im September von keinerlei
nennenswerten Restriktionen bei der Kreditvergabe. Auch der letzte Bank Lending
Survey der Bundesbank fiel trotz unveränderter Kreditrichtlinien insgesamt
positiv aus.

Ein Faktor für die positive Lage am Kreditmarkt ist die
krisenbedingte Neuausrichtung der Kreditportfolios der Banken ins Inland. So
reduzierten die deutschen Kreditinstitute ihren Kreditbestand gegenüber
ausländischen Unternehmen und Haushalten seit September 2008 bereits um knapp 25
Prozent. Die hierbei frei werdenden Mittel standen potenziell auch als Angebot
auf dem inländischen Unternehmenskreditmarkt zur Verfügung, was – neben der
momentan guten Verfassung der deutschen Unternehmen – ein Grund für die bis
zuletzt sehr positive Lage der Kreditmarktindikatoren sein dürfte.

Dr.
Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe: „Die aktuelle Lage am
Unternehmenskreditmarkt in Deutschland kann weiterhin als gut bezeichnet werden,
auch wenn vor dem Hintergrund der konjunkturellen Abkühlung eine Eintrübung zu
erwarten ist. Für die nähere Zukunft ist von entscheidender Bedeutung, ob sich
die Zweifel an der politischen Handlungsfähigkeit des Euroraums zerstreuen
lassen und die Situation bei den Banken und Finanzmärkten in Europa stabilisiert
werden kann. Wir sind zuversichtlich, dass dies gelingt. Deshalb erwarten wir
auch weiterhin keine Rezession in Deutschland. Vor dem Hintergrund des sich
deutlich abflachenden Wachstums – auch der Investitionstätigkeit in Deutschland
– rechnen wir aber mit einem stagnierenden Kreditneugeschäft für die nächsten
zwei Quartale.“

Quelle: KfW

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