Bewerbungen und Jobwechsel innerhalb der EU werden einfacher. Der Deutsche Qualifikationsrahmen erhöht die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt und fördert die soziale Integration. Die Bundesregierung informiert.
Bundesregierung, Pressemitteilung vom 22.08.2013
Bewerbungen und Jobwechsel innerhalb der EU werden einfacher. Der Deutsche Qualifikationsrahmen erhöht die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt und fördert die soziale Integration.
Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) macht Fähigkeiten und Fertigkeiten aus allen Bildungsstufen international besser vergleichbar. Zukünftig zählt nicht mehr nur der formale Abschluss, sondern das gesamte lebenslang erworbene Können und Wissen.
Kernelement des DQR sind vier Säulen mit den Kategorien „Fachkompetenz“ und „Personale Kompetenz“ sowie den Unterkategorien „Wissen und Fertigkeiten“ und „Sozial- und Selbstkompetenz“.
Der DQR umfasst acht Niveaustufen. Diesen wurden die formalen Qualifikationen der allgemeinen, der Hochschul- und der beruflichen Bildung zugeordnet. Die höchsten Stufen sind nicht allein in akademischen Ausbildungsgängen erreichbar. Beruflich erworbene Fähigkeiten können gleichwertig sein.
Die Stufen im Überblick
Mit einem Praktikum oder einer Berufsausbildungsvorbereitung bringt man es auf Stufe eins oder zwei. Für eine zweijährige Ausbildung gibt es eine drei, wer drei Jahre in die Lehre gegangen ist, erreicht eine vier. Ein von der Handelskammer geprüfter Fachwirt erhält eine sechs – wie der Meister und der Bachelor. Mit einem abgeschlossenen Master-Studium erreicht man die Stufe sieben, wer promoviert, kommt auf Stufe acht.
Mit dem DQR haben Bund und Länder ein umfassendes Profil der Kompetenzen aus allen Bildungsbereichen vorgelegt, die in Deutschland zu erwerben sind. Er setzt den Europäischen Qualifikationsrahmen auf nationaler Ebene um. Das macht das deutsche Bildungssystem transparenter und besser vergleichbar.
Deutsche Besonderheiten berücksichtigt
Die Stufen des Qualifikationsrahmens fördern die Durchlässigkeit zwischen den Ausbildungswegen und Bildungsabschlüssen. Sie gehen auf deutsche Besonderheiten wie das duale Ausbildungssystem ein, das es in anderen Ländern so nicht gibt.
Der Chef einer spanischen Autowerkstatt etwa kann bisher kaum einschätzen, welche Fähigkeiten ein deutscher Kfz-Mechaniker hat. Deshalb kann ein deutscher Bewerber schwer begründen, warum er mehr Geld verlangt, als einem spanischen Autoschlosser üblicherweise zusteht.
Die in Deutschland gültigen Zugangsberechtigungen wie Berufs- oder Studienabschlüsse sind allerdings nicht neu geregelt worden. Deshalb berechtigt das Erreichen einer bestimmten Niveaustufe nicht automatisch zum Zugang zur nächsthöheren Stufe. So kann ein Bachelor ein Masterstudium aufnehmen, ein Meister aber nicht.
Höhere Mobilität auf dem europäischen Arbeitsmarkt
Der Qualifikationsrahmen schafft die Grundlage dafür, dass in Ausbildung und Hochschule erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten einer DQR-Niveaustufe zugeordnet werden können. Nach EU-Vorgaben sollen künftig alle Zeugnisse und Zertifikate über Aus- und Fortbildungen mit der entsprechenden Niveaustufe versehen sein.
Künftig werden die Kompetenzen, die im Arbeitsleben und in Schule oder Hochschule erworben wurden, in einem „Profilpass“ beschrieben. Dies soll zur Mobilität von Auszubildenden, Studierenden und Arbeitnehmern in Europa beitragen und die Durchlässigkeit zwischen einzelnen Bildungsbereichen fördern. Bewerbungen und Jobwechsel innerhalb der EU werden damit einfacher.
Die Deutsche Bundesagentur für Arbeit sucht weltweit nach Fachkräften aus Mangelberufen. Die hohe Arbeitslosigkeit in Südeuropa treibt Arbeitsuchende nach Deutschland. Für sie alle ist der Beschluss von Bund und Ländern eine große Hilfe. Denn die ausführliche Beschreibung der für die Niveaustufen festgelegten Bildungsergebnisse macht Bildungsgänge und -abschlüsse in Europa besser vergleichbar.
Soziale Integration wird gefördert
Im DQR liegen auch große Chancen für bildungsbenachteiligte und von Arbeitslosigkeit betroffene Menschen. Besonders gering Qualifizierten erleichtert er den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Im Ausland erworbene Qualifikationen von Migrantinnen und Migranten können einfacher zugeordnet und angerechnet werden. Auch Quereinsteiger, Studienabbrecher und Berufsrückkehrer haben bessere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt.
| Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) bildet als Referenzrahmen für lebenslanges Lernen die Leistungen der jeweiligen nationalen Bildungssysteme ab. Dies geschieht auf europäischer Ebene in einem einheitlichen System von acht Niveaustufen. Der Rahmen dient dazu, Lernergebnisse aus allen Bildungsbereichen international verständlicher und besser vergleichbar zu machen. Mit dem EQR hat die EU Konsequenzen aus dem Lissabon-Vertrag gezogen, der Europa zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum machen soll. |
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Quelle: DATEV eG