Etwa jedes achte Unternehmen nutzt künstliche Intelligenz

Etwa jedes achte Unternehmen in Deutschland nutzt künstliche Intelligenz (KI). Wie das Statistische Bundesamt nach Ergebnissen für das Jahr 2023 mitteilt, setzen große Unternehmen ab 250 Beschäftigten weitaus häufiger KI-Technologie ein als kleine und mittlere Unternehmen.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 27.11.2023

  • Großunternehmen setzen KI deutlich häufiger ein als kleine und mittlere Unternehmen
  • Am häufigsten kommt KI-Technologie im Controlling und der Finanzverwaltung von Unternehmen zum Einsatz
  • Häufigster Grund für den Nichtgebrauch von KI ist fehlendes Wissen, ethische Überlegungen sind nur in jedem fünften Fall ein Grund für den Verzicht auf KI

Etwa jedes achte Unternehmen (12 %) in Deutschland – erfasst sind rechtliche Einheiten mit mindestens zehn Beschäftigten – nutzt künstliche Intelligenz (KI). Wie das Statistische Bundesamt nach Ergebnissen für das Jahr 2023 mitteilt, setzen große Unternehmen ab 250 Beschäftigten weitaus häufiger KI-Technologie ein als kleine und mittlere Unternehmen. So nutzt gut jedes dritte Großunternehmen (35 %) künstliche Intelligenz, aber nur jedes sechste (16 %) mittlere Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten und jedes zehnte (10 %) kleine Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten.

Die Unternehmen, die KI einsetzen, verwenden diese Technologien vorrangig für die Buchführung, das Controlling oder die Finanzverwaltung (25 % der Unternehmen), die IT-Sicherheit (24 %), für Produktions- oder Dienstleistungsprozesse (22 %) sowie zur Organisation von Unternehmensverwaltungsprozessen oder das Management (20 %).

Am häufigsten nutzen diese Unternehmen dabei KI-Technologien zur Spracherkennung (43 %), zur Automatisierung von Arbeitsabläufen oder zur Hilfe bei der Entscheidungsfindung (32 %) sowie Technologien zur Analyse von Schriftsprache beziehungsweise Text Mining (30 %).

Fehlendes Wissen ist häufigster Grund für Nichtgebrauch von KI

Von den Unternehmen, die bisher keine KI-Technologien nutzen, haben lediglich 10 % deren Einsatz bereits in Betracht gezogen. Nach den Gründen für den Nichtgebrauch gefragt, nannten diese Unternehmen: Fehlendes Wissen (72 %), Inkompatibilität mit vorhandenem Bestand an Geräten, Software und Systemen (54 %), Schwierigkeiten mit der Verfügbarkeit oder Qualität der Daten (53 %), Unklarheit über die rechtlichen Folgen (51 %), Bedenken hinsichtlich der Wahrung des Datenschutzes und der Privatsphäre (48 %), die Kosten (41 %) und ethische Überlegungen (22 %). 22 % dieser Unternehmen schätzen den Einsatz von künstlicher Intelligenz in ihrem Unternehmen als nicht sinnvoll ein.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Powered by WPeMatico

ifo Geschäftsklimaindex gestiegen (November 2023)

Die Stimmung unter den Unternehmen hat sich leicht verbessert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im November auf 87,3 Punkte gestiegen, nach 86,9 Punkten im Oktober. Das ist der dritte Anstieg in Folge. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage etwas besser. Auch der Pessimismus bei den Erwartungen für die kommenden Monate nahm ab. Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich auf niedrigem Niveau.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 24.11.2023

Die Stimmung unter den Unternehmen hat sich leicht verbessert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im November auf 87,3 Punkte gestiegen, nach 86,9 Punkten im Oktober. Das ist der dritte Anstieg in Folge. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage etwas besser. Auch der Pessimismus bei den Erwartungen für die kommenden Monate nahm ab. Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich auf niedrigem Niveau.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Geschäftsklimaindex deutlich gestiegen. Die Unternehmen waren zufriedener mit den laufenden Geschäften. Auch die Skepsis für die kommenden Monate nahm merklich ab. Dies gilt vor allem für viele energieintensive Branchen. Die Unternehmen klagen jedoch weiterhin über fehlende Neuaufträge.

Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima etwas verschlechtert. Die Dienstleister beurteilten ihre aktuelle Lage etwas weniger gut. Zudem korrigierten sie ihre Erwartungen leicht nach unten. Die Unternehmen im Tourismus sind aber weiterhin sehr zufrieden. In der Gastronomie hat sich die Stimmung verbessert.

Im Handel ist der Index deutlich gestiegen. Die Indikatoren zur aktuellen Geschäftslage und den Erwartungen legten beide merklich zu. Dies zeigte sich insbesondere im Großhandel. Die Einzelhändler hingegen erwarten vom Weihnachtsgeschäft eher wenig.

Im Bauhauptgewerbe hat der Geschäftsklimaindikator zugelegt. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage etwas besser. Gleiches gilt für die Erwartungen. Dennoch bleibt die Stimmung in der Bauwirtschaft insgesamt außerordentlich schlecht.

Quelle: ifo Institut

Powered by WPeMatico

Künstliche Intelligenz: Beim AI Act nicht vom risikobasierten Ansatz abweichen

Bitkom hat sich zur Debatte über eine mögliche Verzögerung beim EU AI Act, mit dem die Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz in Europa reguliert werden soll, geäußert.

Bitkom, Pressemitteilung vom 23.11.2023

Zur Debatte über eine mögliche Verzögerung beim EU AI Act, mit dem die Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz in Europa reguliert werden soll, erklärt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst:

„Der AI Act ist die wohl wichtigste Entscheidung, die Europäisches Parlament und Kommission derzeit auf der Agenda haben. Es geht um das auch im weltweiten Maßstab umfassendste Regelwerk für Künstliche Intelligenz. Dabei muss gelten: Gründlichkeit vor Schnelligkeit – und alles dafür tun, dass die Chancen von KI umfassend genutzt werden können. Die Datenschutz-Grundverordnung zeigt mit ihren nach fünf Jahren immer noch bestehenden Rechtsunsicherheiten, dass eine Regulierung nicht nur gut gemeint sein darf, sondern vor allem gut gemacht sein muss.

Beim AI Act berührt der aktuelle Dissens zur Regulierung sog. Foundation Models kein Detail, sondern einen Kern der KI-Regulierung. Der Vorschlag einer abgestuften Regulierung von Foundation Models oder General-purpose AI Models ist ein Irrweg, weil damit statt des grundsätzlich richtigen risikobasierten Ansatzes auf die Größe eines Modells abgestellt wird, was aber kein Maßstab für mögliche KI-Risiken ist. Zudem können Auswirkungen, die von auf Foundation Models aufgebauten Anwendungen ausgehen, nicht vom Modellanbieter vorhergesehen und umfassend verhindert werden. Europa läuft mit einer solchen Regulierung von Foundation Models Gefahr, sich bei einer der spannendsten KI-Entwicklungen aufs Abstellgleis zu manövrieren und KI-Unternehmen sowie Expertinnen und Experten ins Ausland zu vertreiben. Bitkom unterstützt daher den vorgelegten Vorschlag von Frankreich, Italien und Deutschland zu einer regulierten Selbstregulierung von Foundation Models. Der AI Act sollte seiner Idee treu bleiben und auf einen anwendungsbezogenen Ansatz zur Risikoeinschätzung auch mit Blick auf Foundation Models setzen.“

Quelle: Bitkom

Powered by WPeMatico

Bruttoinlandsprodukt: Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 3. Quartal 2023

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 3. Quartal 2023 gegenüber dem 2. Quartal 2023 um 0,1 % gesunken. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, bestätigt sich damit das Ergebnis der Schnellmeldung vom 30. Oktober 2023.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 24.11.2023

Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal leicht gesunken

Bruttoinlandsprodukt (BIP), 3. Quartal 2023

  • -0,1 % zum Vorquartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt)
  • -0,8 % zum Vorjahresquartal (preisbereinigt)
  • -0,4 % zum Vorjahresquartal (preis- und kalenderbereinigt)

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 3. Quartal 2023 gegenüber dem 2. Quartal 2023 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 0,1 % gesunken. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, bestätigt sich damit das Ergebnis der Schnellmeldung vom 30. Oktober 2023. „Nach der schwachen Entwicklung in der ersten Jahreshälfte ist die deutsche Wirtschaft mit einem leichten Rückgang in das zweite Halbjahr 2023 gestartet“, sagt Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes. In den ersten beiden Quartalen des Jahres stagnierte die Wirtschaftsleistung nahezu (1. Quartal: 0,0 %, 2. Quartal: +0,1 %).

Konsumausgaben im Vorquartalsvergleich im Minus – positive Impulse von den Investitionen

Die preis-, saison- und kalenderbereinigten Konsumausgaben bewegten sich im 3. Quartal 2023 insgesamt auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorquartal (-0,1 %). Während der private Konsum im Vergleich zum 2. Quartal 2023 zurückging (-0,3 %), stiegen die Konsumausgaben des Staates erstmals seit über einem Jahr wieder etwas an (+0,2 %). Positive Impulse kamen von den Investitionen: In Ausrüstungen – also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge – wurde im 3. Quartal 2023 preis‑, saison- und kalenderbereinigt 1,1 %, in Bauten 0,4 % mehr investiert als im Vorquartal.

Der Handel mit dem Ausland war im 3. Quartal 2023 preis-, saison- und kalenderbereinigt rückläufig: Es wurden insgesamt 0,8 % weniger Waren und Dienstleistungen exportiert als im 2. Quartal 2023. Die Importe sanken mit -1,3 % sogar noch etwas stärker.

Bruttowertschöpfung entwickelte sich branchenabhängig unterschiedlich

Die preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttowertschöpfung war im 3. Quartal 2023 insgesamt um 0,1 % höher als im 2. Quartal 2023. Dabei zeigte sich ein zweigeteiltes Bild: Die Wirtschaftsleistung im Produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe ging merklich um 1,3 % zurück. Neben einem kräftigen Rückgang bei der Energieversorgung nahm auch die Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe im Vergleich zum Vorquartal um 0,9 % ab. Grund hierfür war vor allem die deutlich geringere Produktion von Kraftwagen und Kraftwagenteilen. Dagegen stieg die Bruttowertschöpfung im Baugewerbe (+0,4 %) sowie in fast allen Dienstleistungsbereichen im Vergleich zum Vorquartal. Am kräftigsten legten dabei der zusammengefasste Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe (+1,7 %) und die Finanz- und Versicherungsdienstleister (+1,1 %) zu. Eine Ausnahme war der Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit, in dem die Wertschöpfung um 0,2 % zurückging.

Bruttoinlandsprodukt im Vorjahresvergleich gesunken

Im Vorjahresvergleich war das BIP im 3. Quartal 2023 preisbereinigt um 0,8 % niedriger als im 3. Quartal 2022. Preis- und kalenderbereinigt war der Rückgang geringer (-0,4 %), da ein Arbeitstag weniger zur Verfügung stand als im Vorjahreszeitraum.

Konsumausgaben und Handel mit dem Ausland im Vorjahresvergleich im Minus

Die privaten Konsumausgaben gingen preisbereinigt um 2,0 % gegenüber dem Vorjahr zurück. Dabei machten sich nach wie vor die hohen Preise bemerkbar. Besonders betroffen davon waren Nahrungsmittel und Getränke, Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen sowie kurzlebige Güter wie beispielsweise Bekleidung, für die preisbereinigt jeweils deutlich weniger ausgegeben wurde als im Vorjahr. Positive Signale kamen hingegen aus dem Bereich Verkehr, unter anderem aufgrund gestiegener Pkw-Käufe. Die staatlichen Konsumausgaben gingen im Vorjahresvergleich ebenfalls zurück, mit preisbereinigt -1,6 % aber etwas schwächer als die privaten Konsumausgaben. Vor allem der Bund gab weniger für Konsum aus als vor einem Jahr. Ursache für den Rückgang waren unter anderem die erheblich niedrigeren Ausgaben für COVID-19-Impfstoffe als im 3. Quartal 2022.

Die Ausrüstungsinvestitionen nahmen im Vergleich zum Vorjahr um preisbereinigt 1,1 % zu. Insbesondere in gewerbliche Fahrzeuge wurde mehr investiert als vor einem Jahr. Dagegen gingen die Bauinvestitionen preisbereinigt insgesamt um 1,0 % zurück. Die positive Entwicklung im Ausbaugewerbe und weniger stark steigende Baupreise verhinderten einen stärkeren Rückgang. Insgesamt sank die inländische Verwendung im 3. Quartal 2023 um preisbereinigt 1,7 % gegenüber dem 3. Quartal 2022.

Der Handel mit dem Ausland nahm im Vorjahresvergleich deutlich ab: Im 3. Quartal 2023 wurden preisbereinigt 3,8 % weniger Waren und Dienstleistungen ins Ausland exportiert als im Vorjahresquartal. Die Importe gingen im selben Zeitraum mit ‑5,7 % noch stärker zurück. Das lag vor allem an den stark gesunkenen Warenimporten (‑8,2 %), insbesondere den Importen von mineralischen Brennstoffen.

Bruttowertschöpfung im Produzierenden Gewerbe im Vergleich zum Vorjahresquartal kräftig gesunken

Insgesamt lag die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im 3. Quartal 2023 um 0,7 % unter dem Niveau des 3. Quartals 2022.

Die Wirtschaftsleistung im Produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) nahm im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich um 3,8 % ab. Während die Industrie und vor allem die Energieversorgung weniger produzierten, konnte das Baugewerbe mit +1,2 % erstmals seit Anfang des Jahres 2022 wieder ein Wachstum verzeichnen. Zurückzuführen ist dies auf die positive Entwicklung im Tiefbau und im Ausbaugewerbe.

In den Dienstleistungsbereichen lag die Bruttowertschöpfung insgesamt preisbereinigt etwa auf demselben Niveau wie im 3. Quartal 2022 (+0,1 %). Während sich die Wirtschaftsbereiche Information und Kommunikation (+2,1 %), Sonstige Dienstleister (+1,1 %), Grundstücks- und Wohnungswesen (+1,0 %) sowie die Unternehmensdienstleister (+0,3 %) positiv entwickelten, nahm die Wirtschaftsleistung in den zusammengefassten Bereichen Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit (-0,5 %) und Handel, Verkehr, Gastgewerbe (-0,4 %) im Vergleich zum Vorjahresquartal ab.

Neuer Höchststand der Erwerbstätigenzahl trotz schwächerer Herbstbelebung

Die Wirtschaftsleistung wurde im 3. Quartal 2023 von rund 46,0 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Das waren 337.000 Personen oder 0,7 % mehr als im 3. Quartal 2022. Die übliche Herbstbelebung fiel mit +0,3 % (nicht saisonbereinigt) gegenüber dem Vorquartal jedoch etwas geringer aus als vor einem Jahr. Die Zahl der Erwerbstätigen erreichte damit gleichwohl einen neuen Höchststand (siehe Pressemitteilung Nr. 444 vom 16. November 2023).

Im Durchschnitt wurden je Erwerbstätigen 0,7 % weniger Arbeitsstunden geleistet als im 3. Quartal 2022. Dazu trug neben dem Kalendereffekt – es stand ein Arbeitstag weniger zur Verfügung als vor einem Jahr – auch der Abbau von Überstunden und eine höhere Teilzeitquote bei. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen – also das Produkt aus der gestiegenen Erwerbstätigenzahl und den geleisteten Stunden je erwerbstätiger Person – blieb im gleichen Zeitraum unverändert (0,0 %). Das ergaben vorläufige Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität – gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigenstunde – nahm nach vorläufigen Berechnungen um 0,8 % gegenüber dem Vorjahresquartal ab. Je Erwerbstätigen war sie um 1,6 % geringer als vor einem Jahr.

Einkommen stiegen stärker als nominaler Konsum, Sparquote höher als im Vorjahr

In jeweiligen Preisen gerechnet war das BIP im 3. Quartal 2023 um 6,0 % und das Bruttonationaleinkommen um 6,4 % höher als ein Jahr zuvor. Das Volkseinkommen war um 6,1 % höher als im 3. Quartal 2022. Dabei stieg nach vorläufigen Berechnungen das Arbeitnehmerentgelt um 6,9 %; die Unternehmens- und Vermögenseinkommen nahmen um 4,2 % zu. Die durchschnittlichen Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer verzeichneten im 3. Quartal 2023 ein Plus von 6,4 % zum Vorjahresquartal. Netto fiel der Anstieg mit +7,9 % wegen der schwachen Entwicklung des Lohnsteueraufkommens noch deutlicher aus. Dazu dürften vor allem Zahlungen von steuerfreien Inflationsausgleichsprämien sowie höhere Tarifabschlüsse beigetragen haben. Hinzu kommt der seit Oktober 2022 erhöhte gesetzliche Mindestlohn, der unter anderem zu überproportional gestiegenen Durchschnittsverdiensten von geringfügig Beschäftigten geführt hat.

Die Bruttolöhne und -gehälter insgesamt waren um 7,3 % höher als im Jahr zuvor, da sich auch die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erneut erhöhte. Die privaten Konsumausgaben nahmen in jeweiligen Preisen mit +3,8 % zum Vorjahresquartal deutlich weniger zu als noch in den Vorquartalen. Die Sparquote lag im 3. Quartal 2023 mit 10,3 % über dem Vorjahreswert (9,6 %), da das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte mit +4,7 % stärker anstieg als der private Konsum.

Die deutsche Wirtschaft im internationalen Vergleich

Zu Beginn der zweiten Jahreshälfte fiel die Wirtschaftsleistung auch in den anderen großen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) schwach aus: Während das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP in Italien ebenso wie in der EU insgesamt zum Vorquartal stagnierte (0,0 %), verzeichnete die Wirtschaft in Frankreich (+0,1 %) und Spanien (+0,3 %) jeweils ein kleines Plus im Vergleich zum 2. Quartal 2023. In den Vereinigten Staaten (USA) stieg das BIP mit +1,2 % deutlich stärker als in den meisten europäischen Staaten. Im Vorjahresvergleich lag Deutschland mit -0,4 % deutlicher unterhalb der Entwicklung der EU mit +0,1 %.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Powered by WPeMatico

IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt hoch – Konjunktur sektoral gespalten

Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten eine Rezession durchläuft, ist in den letzten Wochen auf bereits hohem Niveau leicht gestiegen. Das signalisiert der IMK Konjunkturindikator der Hans-Böckler-Stiftung.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 23.11.2023

Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten eine Rezession durchläuft, ist in den letzten Wochen auf bereits hohem Niveau leicht gestiegen. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für den Zeitraum von November bis Ende Januar 2024 weist der Indikator, der die neuesten verfügbaren Daten zu den wichtigsten wirtschaftlichen Kenngrößen bündelt, eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 75,9 Prozent aus. Anfang Oktober betrug sie für die folgenden drei Monate 73 Prozent. Das nach dem Ampelsystem arbeitende Konjunktur-Frühwarnsystem zeigt, wie in den Vormonaten, „rot“, was für eine akute Rezessionsgefahr steht. Das hohe Niveau und die Zunahme des Rezessionsrisikos beruhten vor allem auf den Rückgängen der Produktion in der Industrie und dem Baugewerbe, die im Indikator eine große Rolle spielen. Neue, zusätzliche Produktionsdaten aus dem Dienstleistungssektor, die das IMK in diesem Monat erstmals testweise in den Indikator einspeist, unterstreichen, dass die Flaute im Verarbeitenden Gewerbe weiterhin besonders hartnäckig ist: Würde der Indikator die neuen Daten aus den Dienstleistungsbranchen voll berücksichtigen, stünde die gesamtwirtschaftliche Konjunkturampel für die kommenden drei Monate „nur“ auf „gelb-rot“. Allerdings sind diese Daten, die Statistisches Bundesamt und Bundesbank erst seit Kurzem veröffentlichen, bislang besonders revisionsanfällig. Daher wird das IMK erst nach einer umfangreichen Evaluation darüber entscheiden, ob es die Datenbasis des Indikators umstellt. Detaillierte Ergebnisse unter Berücksichtigung des Dienstleistungssektors werden im monatlichen Begleittext zu den Indikatoraktualisierungen auf der Website der IMK-Konjunkturampel aufgeführt.

„Die neuen Ergebnisse des IMK Konjunkturindikators verdeutlichen die schwache Entwicklung des Produzierenden Gewerbes im Vergleich zum Dienstleistungssektor“, sagt IMK-Konjunkturexperte Dr. Thomas Theobald. „Dieses Bild einer sektoral gespaltenen Konjunktur zeigt sich auch in aktuellen Konjunkturumfragen. Zwar nährt der Blick auf den Dienstleistungssektor die Hoffnung, dass sich ab dem vierten Quartal 2023 bei nachlassender Inflation ein moderates konsumgestütztes Wirtschaftswachstum ergibt. Aber die schwache industrielle Entwicklung dürfte allenfalls eine geringfügige Zunahme ermöglichen.“

„In der aktuellen Situation ist es umso wichtiger, die Konjunktur nicht mit zusätzlichen Sparmaßnahmen zu destabilisieren“, betont Prof. Dr. Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des IMK. „Derzeit steht im Raum, dass die Bundesregierung nach dem Verfassungsgerichtsurteil zum Klima- und Transformationsfonds im kommenden Jahr wichtige Transformationsausgaben kürzt. Eine solche Politik sollte unbedingt unterbleiben. Stattdessen sollte die Bundesregierung erneut die Notlage nach den Regeln der Schuldenbremse erklären, um nicht kommendes Jahr zu einer massiv bremsenden Finanzpolitik gezwungen zu sein.“

Weitere Faktoren für den leichten Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit sind neben der lahmenden Industrieproduktion zuletzt gesunkene Aktienkurse im CDAX. Außerdem hat auch der „Finanzmarktstress“, den das IMK mit einem separaten Index ermittelt, etwas zugenommen. Dass die Rezessionswahrscheinlichkeit nicht noch höher liegt, liegt an einer Stabilisierung von Kreditrisikoprämien und Geldmarktzinsen in den vergangenen Wochen. Positiv wirkten sich auch aufgehellte Stimmungsindikatoren aus, wie etwa der ifo-Geschäftsklimaindex.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

Powered by WPeMatico

Beschäftigung und Umsätze in der Gastronomie noch unter Vor-Corona-Niveau

Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, liegen Beschäftigung und Umsätze in der Gastronomie nach wie vor deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 23.11.2023

  • Zahl der Beschäftigten im September 2023 um 6,7 % niedriger als im September 2019; Getränkeausschank besonders betroffen
  • Restaurants und Cafés kommen bei Personal und Umsätzen Vor-Corona-Niveau am nächsten
  • 50 % der Beschäftigungsverhältnisse in der Gastronomie unter der Niedriglohngrenze
  • Überlebensrate neu gegründeter Gastro-Unternehmen langfristig vergleichsweise niedrig

Beschäftigung und Umsätze in der Gastronomie liegen nach wie vor deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau. So war die Zahl der Beschäftigten in der Gastronomie im September dieses Jahres zwar 4,0 % höher als im Vorjahresmonat, lag aber noch 6,7 % unter dem Niveau im September 2019, dem Vergleichsmonat vor Ausbruch der COVID-19-Pandemie. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, war der Rückgang der Beschäftigten im Bereich Getränkeausschank im September 2023 mit 12,0 % gegenüber September 2019 noch immer besonders groß, trotz eines Wachstums von +4,6 % gegenüber September 2022. Aber auch Caterer hatten im September 2023 etwas mehr Personal als im Vorjahresmonat (+1,7 %), aber noch deutlich weniger als vier Jahre zuvor (-8,6 %). Restaurants, Gaststätten und Cafés konnten sich in punkto Personal am ehesten dem Vor-Corona-Niveau annähern: Die Beschäftigtenzahlen lagen im September 2023 um 4,7 % über dem Vorjahresmonat und fielen noch 4,1 % geringer aus als im September 2019.

Umsatz im September 2023 real noch 12,6 % unter dem vom September 2019

Noch deutlicher fallen die Umsatzeinbußen in der Gastronomie im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau ins Gewicht. Im September 2023 musste die Branche im Vergleich zum Vorjahresmonat preis-, kalender- und saisonbereinigt einen Umsatzrückgang von 0,2 % gegenüber dem Vorjahresmonat und 12,6 % gegenüber September 2019 verbuchen. Auch hier war der Rückgang im Bereich Getränkeausschank mit 6,2 % gegenüber dem Vorjahresmonat und 34,5 % gegenüber September 2019 besonders groß. Aber auch Caterer hatten im September 2023 real weniger Umsatz als im Vorjahresmonat (-2,7 %) und deutlich weniger als vier Jahre zuvor (-15,6 %). Restaurants, Gaststätten und Cafés konnten sich wie beim Personal so auch bei den Umsätzen am ehesten dem Vor-Corona-Niveau annähern: Diese lagen im September 2023 bereits 1,0 % über dem Vorjahresmonat, fielen aber noch 8,1 % niedriger aus als im September 2019.

Höchster Anteil an Niedriglohn-Jobs

Im Bemühen um fehlendes Personal spielen auch Verdienstmöglichkeiten eine Rolle. Beschäftigte im Gastgewerbe, zu dem die Gastronomie gehört, erhalten häufiger als in allen anderen Wirtschaftsabschnitten Bruttostundenverdienste unterhalb der Niedriglohngrenze. Im Oktober 2022 traf dies auf die Hälfte der Beschäftigungsverhältnisse (50,0 %) in dieser Branche zu. Zu diesem Zeitpunkt lag die Niedriglohngrenze bei 12,76 Euro brutto pro Stunde. Zum Vergleich: In der Gesamtwirtschaft lag der Anteil der Niedriglohn-Jobs bei 15,2 %.

Größten Anteil am Umsatz haben Speiselokale

Insgesamt erwirtschafteten 2021 rund 179.200 Unternehmen in der Gastronomie einen Umsatz von 50,1 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran hatten Restaurants, Imbissstuben und Cafés mit 37,4 Milliarden Euro. Die Folgen der COVID-19-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen für die Gastronomie dürften vor allem im Jahr 2020 zur Schließung von Gastronomie-Unternehmen geführt haben: In der Branche insgesamt ging deren Zahl gegenüber 2019 um 9,7 % zurück, im Bereich Ausschank von Getränken waren 2020 rund ein Fünftel weniger Unternehmen (-20,9 %) aktiv als im Jahr zuvor. Im Jahr 2021 nahm die Zahl der Unternehmen zwar wieder zu, erreichte aber nicht das Niveau der Vorjahre.

Nur ein Drittel der neu gegründeten Gastronomie-Unternehmen nach 5 Jahren noch aktiv

Wer ein Gastronomie-Unternehmen gründet, hat es generell etwas schwerer als in anderen Branchen, langfristig am Markt zu bestehen. Das galt auch vor Ausbruch der COVID-19-Pandemie. Von den neu gegründeten Gastronomie-Unternehmen in Deutschland übersteht zwar ein Großteil das erste Jahr, lediglich rund ein Drittel jedoch die ersten fünf Jahre: Im Jahr 2021 waren 80,2 % der im Vorjahr gegründeten Gastronomie-Unternehmen noch aktiv. Von den fünf Jahre zuvor gegründeten waren es lediglich 32,0 %. Zum Vergleich: Insgesamt lag die Überlebensrate für neu gegründete Unternehmen nach einem Jahr bei 80,0 %, nach fünf Jahren bei 37,8 %.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Powered by WPeMatico

Exporte in Nicht-EU-Staaten im Oktober 2023: voraussichtlich +1,7 % zum September 2023

Die deutschen Exporte in die Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittstaaten) sind im Oktober 2023 gegenüber September 2023 um 1,7 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, wurden im Oktober 2023 Waren im Wert von 58,4 Mrd. Euro dorthin exportiert.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 21.11.2023

Exporte in Drittstaaten (kalender- und saisonbereinigte Warenausfuhren), Oktober 2023

  • 58,4 Milliarden Euro
  • +1,7 % zum Vormonat
  • -6,6 % zum Vorjahresmonat

Exporte in Drittstaaten (Originalwerte Warenausfuhren), Oktober 2023

  • 59,7 Milliarden Euro
  • -2,6 % zum Vorjahresmonat

Die deutschen Exporte in die Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittstaaten) sind im Oktober 2023 gegenüber September 2023 kalender- und saisonbereinigt um 1,7 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, wurden im Oktober 2023 kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 58,4 Milliarden Euro dorthin exportiert.

Nicht kalender- und saisonbereinigt wurden im Oktober 2023 nach vorläufigen Ergebnissen Waren im Wert von 59,7 Milliarden Euro in Drittstaaten exportiert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Oktober 2022 sanken die Exporte um 2,6 %.

Wichtigster Handelspartner für die deutschen Exporteure waren auch im Oktober 2023 die Vereinigten Staaten. Dorthin wurden Waren im Wert von 14,3 Milliarden Euro exportiert. Damit stiegen die Exporte in die Vereinigten Staaten gegenüber Oktober 2022 um 2,3 %. In die Volksrepublik China wurden Waren im Wert von 7,9 Milliarden Euro exportiert, das waren 6,7 % weniger als im Vorjahresmonat. Die Exporte in das Vereinigte Königreich nahmen im Vorjahresvergleich um 8,6 % auf 6,8 Milliarden Euro zu.

Exporte nach Russland gegenüber dem Vorjahresmonat um 37,3 % gesunken

Die deutschen Exporte in die Russische Föderation sanken im Oktober 2023 gegenüber Oktober 2022 um 37,3 % auf 0,6 Milliarden Euro. Im Oktober 2023 lag Russland damit auf Rang 18 der wichtigsten Bestimmungsländer für deutsche Exporte außerhalb der EU. Im Februar 2022, dem Monat vor dem Angriff auf die Ukraine, hatte Russland noch Rang 5 belegt.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Powered by WPeMatico

Ungleichheit: Vier Fakten über die soziale Gerechtigkeit in Deutschland

Trotz einschneidender Pandemiejahre hat sich die Einkommensungleichheit in Deutschland nicht wesentlich verändert, zeigt eine neue Studie des IW Köln. Und auch bei der deutschen Einheit geht es voran: Ostdeutsche sind immer seltener von Armut bedroht.

IW Köln, Pressemitteilung vom 19.11.2023

Trotz einschneidender Pandemiejahre hat sich die Einkommensungleichheit in Deutschland nicht wesentlich verändert, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Und auch bei der deutschen Einheit geht es voran: Ostdeutsche sind immer seltener von Armut bedroht.

Die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer? Wenn es um die Verteilung der Einkommen in Deutschland geht, wird immer wieder das Bild der sich öffnenden Einkommensschere verwendet – ganz besonders nach den Pandemiejahren, als Lockdowns und Beschränkungen Deutschland in die Krise warfen. Doch die Verteilung erweist sich trotz unsicherer Datenlage als bemerkenswert stabil, zeigt eine neue IW-Studie. Vier Fakten aus dem aktuellen IW-Verteilungsreport:

  1. Die Einkommensverteilung hat sich in den Pandemiejahren kaum verändert. Das geht aus vorläufigen Zahlen des Mikrozensus hervor. Der Gini-Koeffizient, der die Verteilung der Einkommen misst – bei einem Wert von 0 erhalten alle Personen das gleiche Einkommen, bei einem Wert von 1 hat einer alles, alle anderen nichts – hat sich im Jahr 2022 gegenüber 2019 nur marginal verändert und bleibt bei etwa 0,30 Punkten. Im Osten lag der Wert 2022 mit 0,27 Punkten auf demselben Niveau wie vor der Pandemie.
  2. Immer weniger Ostdeutsche sind von Armut bedroht. Das traditionelle Ost-West-Gefälle beim Armutsrisiko verschwindet immer mehr. Ein Beispiel: In Thüringen ist der Anteil der Armutsgefährdeten seit 2012 um ganze 21 Prozent zurückgegangen. Im Westen stieg die Niedrigeinkommensquote leicht, das hängt aber vor allem mit dem stärkeren Zuzug Geflüchteter zusammen.
  3. Die Deutschen glauben an eine bessere Zukunft. 84 Prozent aller Eltern erwarten, dass es ihren eigenen Kindern später gleich gut oder besser gehen wird. Gerade jüngere Menschen sind mit Blick auf die eigenen Chancen optimistisch. Und: 89 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass Anstrengung und Fleiß für Erfolg und sozialen Aufstieg entscheidend sind.
  4. Der Anteil der Reichen an der Bevölkerung ist seit einem Jahrzehnt nahezu unverändert. Die sog. Einkommensreichtumsquote – also der Anteil der Personen, die mehr als das doppelte des Äquivalenzeinkommens zur Verfügung haben – lag im Jahr 2022 bei 7,7 Prozent und damit auf einem ähnlichen Niveau wie 2019. Überhaupt hat sich der Wert in den vergangenen 15 Jahren kaum verändert.

„Der wichtigste Schutz vor Armut bleibt Arbeit. Das wissen die allermeisten Deutschen“, sagt IW-Verteilungsexperte Maximilian Stockhausen. „Abgesänge auf die soziale Gerechtigkeit im Land sind überzogen.“ Sozialer Aufstieg sei in Deutschland möglich, das werde von den Menschen mehrheitlich auch so wahrgenommen. „Deutschland besitzt außerdem ein gut funktionierendes Sicherungssystem, das sich in der Pandemie bewährt und größere soziale Verwerfungen verhindert hat.“

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Powered by WPeMatico

Anteil der existenzbedrohten Unternehmen gestiegen

Gegenwärtig sehen sich 6,8 % der deutschen Unternehmen in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Das geht aus einer Umfrage des ifo Instituts hervor. In der vorherigen Erhebung im Januar 2023 waren es 4,8 %.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 21.11.2023

Gegenwärtig sehen sich 6,8 % der deutschen Unternehmen in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Das geht aus einer Umfrage des ifo Instituts hervor. In der vorherigen Erhebung im Januar 2023 waren es 4,8 %. „Die wirtschaftliche Schwächephase schlägt sich auch in steigenden Unternehmensinsolvenzen nieder“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. „Eine größere Welle zeichnet sich aber derzeit nicht ab.“

Im Bauhauptgewerbe stieg der Anteil von 5,1 auf 8,9 %. Das ist der höchste Wert für den Bau, seit die Frage im Juni 2020 das erste Mal gestellt wurde. „Der Wohnungsbau steckt in einer tiefen Krise. Das bringt manches Bauunternehmen in Schwierigkeiten“, sagt Wohlrabe.

Insbesondere Unternehmen aus dem Transport- und Logistikwesen (14 %), den Personalagenturen (13,9 %) und der energieintensiven Chemischen Industrie (12,5 %) berichten von wirtschaftlichen Sorgen. Der Einzelhandel ist weiterhin stark betroffen. Hier sehen sich 10,3 % der Unternehmen in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht (Januar: 8,3 %). „Viele Einzelhändler spüren nach wie vor die Kaufzurückhaltung der Verbraucher“, sagt Wohlrabe.

Einen Nachfrage- oder Auftragsmangel gaben 35 % der gefährdeten Unternehmen als Grund für eine Existenzbedrohung an. Ein wirtschaftlich schwieriges Umfeld nannten 27 %, die Inflation 24 % und das derzeitige politische Handeln 14 % als Grund.

Quelle: ifo Institut

Powered by WPeMatico

Bürokratielast wird zur Wachstumsbremse – 58 % der Unternehmen wollen wegen Bürokratie weniger investieren

8 von 10 Unternehmern sehen durch die Bürokratiebelastung ihre Freude an ihrer unternehmerischen Tätigkeit schwinden. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste repräsentative Befragung des IfM Bonn für die Studie „Analyse zur Bürokratiebelastung in Deutschland“.

IfM Bonn, Pressemitteilung vom 20.11.2023

Eine aktuelle Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zeigt, dass Bürokratiebelastung inzwischen zu einem zentralen Investitionshemmnis geworden ist. Die Mehrheit der Unternehmen investiere wegen der Bürokratie weniger in Deutschland.

Laut IfM-Studie fühlen sich zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland unverhältnismäßig stark von staatlicher Bürokratie belastet. Das ist eine Steigerung von 14 Prozentpunkten gegenüber einer ähnlichen Befragung in 2018. Sämtliche bisherige Bemühungen der Politik wie der KMU-Test im Gesetzgebungsverfahren, die „One-in-one-Out-Regel“ oder die diversen Bürokratieentlastungsgesetze werden von den Unternehmen nicht als spürbare Entlastungen wahrgenommen.

92 % sehen einen substanziellen Anstieg der Bürokratiebelastung über die letzten fünf Jahre hinweg. Fast alle Unternehmen (knapp 97 %) stört die große Anzahl an Gesetzen und staatlicher Vorschriften. Das vorherrschende Gefühl in den Unternehmen im Zusammenhang mit Bürokratie ist Wut (55 %), gefolgt von Ohnmacht (42 %) und Verwirrung (41 %). Dabei wiegen für mehr als die Hälfte der Unternehmen (53 %) diese „psychologischen Kosten“ durch Bürokratie schwerer als der Zeit- und Kostenaufwand. Nur vier von zehn Unternehmen gaben an, überhaupt alle Regelungen vollumfänglich zu erfüllen. Die Mehrheit der Unternehmen wendet bewusst einzelne Vorschriften nicht an – oder ist sich zumindest unsicher, ob sie alle Vorschriften korrekt erfüllt. Die überwältigende Mehrheit der Unternehmen (80 %) fühlt sich vom Staat kontrolliert, bei nur 9 % überwiegt der Eindruck, der Staat vertraue ihnen.

Infolgedessen planen 58 % aller befragten Unternehmen, zukünftig auf Investitionen in Deutschland zu verzichten. 18 % von ihnen erwägen aufgrund der Bürokratie verstärkt im Ausland zu investieren.

Studienleiterin Dr. Annette Icks vom IfM Bonn sieht darin „einen alarmierenden volkswirtschaftlichen Befund“:

„8 von 10 Unternehmerinnen und Unternehmer sehen durch die Bürokratiebelastung ihre Freude an der unternehmerischen Tätigkeit schwinden. Unsere Studie bestätigt, dass wir grundsätzlich weg von einem Befehls- und Kontrollansatz des Obrigkeitsstaates und hin zu einem vertrauensbasierteren Ansatz kommen müssen.“

Wie die Studie zeigt, schneidet Deutschland bei den bürokratischen Belastungen insbesondere aufgrund der mangelnden Verwaltungsdigitalisierung in internationalen Vergleichen sehr schlecht ab. Anders verhält es sich in Großbritannien und den Niederlanden. In beiden Ländern finden sich laut der IfM-Studie sehr gute Beispiele für eine gelungene, innovative Transformation der Rechtsetzung und des Bürokratieabbaus. Beispielsweise werden dort Unternehmen und Wirtschaftsverbände viel früher und viel intensiver als in Deutschland in den gesamten Rechtsetzungsprozess einbezogen. In Großbritannien wird frühzeitig geprüft, ob eine geplante gesetzliche Regulierung überhaupt unbedingt nötig ist und nicht durch weniger belastende Alternativen ersetzt werden kann.

INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben:

„Bürokratie entwickelt sich zum Standortnachteil Nummer Eins. Wenn die Politik jetzt nicht schnell und spürbar gegen Überregulierung vorgeht, wird das irreparable Schäden in unserer Volkswirtschaft verursachen.“ Das geplante Bürokratieentlastungsgesetz von Bundesjustizminister Buschmann sei zwar zu begrüßen, greife aber angesichts der dramatischen Befunde der Studie viel zu kurz: „Es reicht nicht mehr, einzelne Paragrafen zu streichen, sondern die Politik muss komplett neu denken und strukturell Regulierung abbauen und vermeiden.“

Quelle: IfM Bonn

Powered by WPeMatico