Rezessionswahrscheinlichkeit fast unverändert hoch

Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten eine Rezession durchläuft, ist in den letzten Wochen geringfügig zurückgegangen, sie bleibt aber hoch. Das signalisiert der IMK-Konjunkturindikator der Hans-Böckler-Stiftung.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 18.10.2023

Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten eine Rezession durchläuft, ist in den letzten Wochen geringfügig zurückgegangen, sie bleibt aber hoch. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für das Jahres-Schlussquartal von Oktober bis Ende Dezember weist der Indikator, der die neuesten verfügbaren Daten zu den wichtigsten wirtschaftlichen Kenngrößen bündelt, eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 73,0 Prozent aus. Anfang September betrug sie für die folgenden drei Monate 74,0 Prozent. Der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator zeigt, wie in den Vormonaten, „rot“, was eine akute Rezessionsgefahr markiert.

„Die deutsche Wirtschaft schafft es weiterhin nicht, sich freizuschwimmen. Teure Energie, die schwache Weltkonjunktur und die hohen Zinsen sind die wichtigsten Bremsfaktoren“, ordnet IMK-Konjunkturexperte Peter Hohlfeld die aktuellen Werte ein. „Das Verharren der Rezessionswahrscheinlichkeit auf hohem Niveau deutet darauf hin, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal allenfalls geringfügig zunimmt.“

Der marginale Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit beruht darauf, dass zuletzt die Auftragseingänge aus dem In- und dem Ausland deutlich angestiegen sind. Besonders ausgeprägt fiel der Zuwachs bei den Vorleistungs- und Konsumgütern aus.

Negative Impulse von den Finanzmärkten verhinderten aber, dass sich dieser positive Trend nennenswert auf die Indikator-Prognose auswirken konnte. So gaben die Aktienkurse, gemessen am CDAX, in den vergangenen Wochen um knapp vier Prozent nach. Außerdem erschweren die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen. Der Finanzmarktstressindex, den das IMK über einen breiten Kranz von Finanzindikatoren berechnet, legte spürbar zu.

Auch die erneute Eintrübung der Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat einen stärkeren Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit verhindert. Mögliche Auswirkungen des Nahostkriegs auf die wirtschaftliche Entwicklung sind dabei in den Daten noch nicht abgebildet, weil diese vor dem terroristischen Angriff auf Israel erhoben wurden.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft zum jeweils vorliegenden Veröffentlichungszeitpunkt ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt. Der Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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Kleine und mittlere Unternehmen trotzen auch der nächsten Krise

Erneut wurde im zurückliegenden Jahr die Resilienz der mittelständischen Unternehmen auf die Probe gestellt. Das KfW-Mittelstandspanel 2023 gibt ein umfassendes Lagebild zur gegenwärtigen Situation im Herbst 2023 und zur Entwicklung der Unternehmen im abgelaufenen Jahr.

KfW, Pressemitteilung vom 18.10.2023

  • Umsatz im Mittelstand steigt um 16 %, Investitionen legen um 15 % zu – auch preisbereinigt ist das ein merklicher Zuwachs
  • Eigenkapitalstruktur zeigt sich robust, aber Rentabilität sinkt
  • Konjunktureller Gegenwind sorgt 2023 für erhöhte Anspannung

Auch in Krisenzeiten zeigt sich der deutsche Mittelstand in seiner Gesamtheit robust. Das belegt das KfW-Mittelstandspanel 2023. Sowohl Umsätze als auch Investitionen der 3,8 Mio. kleinen und mittleren Unternehmen hierzulande legten der repräsentativen Befragung von KfW Research zufolge im zurückliegenden Jahr 2022 zu, in moderatem Umfang auch die Beschäftigung. Die durchschnittliche Eigenkapitalausstattung der Unternehmen bleibt stabil und ihre Schuldentragfähigkeit ist weitergegeben. Die Umsatzrendite im Mittelstand fiel zuletzt allerdings auf den niedrigsten Stand seit 2015. Vor allem die kleinen Unternehmen blieben offenbar häufig auf den gestiegenen Kosten sitzen.

„Seit dem Jahr 2020 wird die Resilienz des deutschen Mittelstands durch sich überlappende Krisen auf eine harte Probe gestellt. Doch auch 2022 sind allen Belastungsfaktoren wie Krieg in der Ukraine, Energiekrise und steigenden Preisen zum Trotz die Blessuren bei den kleinen und mittleren Unternehmen überschaubar geblieben“, sagt die Chefvolkswirtin der KfW, Dr. Fritzi Köhler-Geib.

„Im laufenden Jahr sorgt der konjunkturelle Gegenwind jedoch für erhöhte Anspannung. Die Unternehmen blicken aktuell eher mit Skepsis auf ihre Geschäftsaussichten. Und obwohl der Kreditkanal weiter funktioniert, nehmen die Schwierigkeiten bei Kreditverhandlungen zu.“

2022 sind die Umsätze der mittelständischen Unternehmen nominal um gut 16 % (+742 Mrd. Euro) auf 5.322 Mrd. Euro gestiegen. Das Umsatzwachstum war dabei mehr als ausschließlich inflationsgetrieben – auch real steht ein gutes Umsatzplus von 10 % zu Buche. Bei einer Reihe von Unternehmen überstiegen die Kostenerhöhungen für Material, Löhne und Energie das erzielte Umsatzplus dennoch. Die Umsatzrendite sank von 7,4 auf 7,0 %. Insbesondere die Profitabilität der Kleinstunternehmen mit weniger als 5 Beschäftigten ging deutlich zurück (von 13,8 auf 11,8 %). Diese Unternehmen weisen in der Folge aktuell auch deutlich häufiger Liquiditätsprobleme auf. Die gesunkenen Renditen erschweren es, ihre bereits in der Corona-Krise strapazierten Liquiditätsreserven wieder aufzupolstern. In der Breite des Mittelstands ist die Liquiditätslage allerdings komfortabel: Im Frühjahr 2023 gaben fast sechs von zehn Mittelständlern an, dass ihre Liquiditätssituation sehr gut oder gut sei. Weitere 30 % bewerteten sie als immerhin ausreichend.

Befürchtungen einer krisenbedingten Anpassung von Investitionen im Mittelstand blieben unbegründet: Corona-Nachholeffekte im ersten Halbjahr 2022, Vorzieheffekte aufgrund der sich eintrübenden Finanzierungsbedingungen und steigenden Investitionsgüterpreisen sowie auch Anpassungsmaßnahmen, um den Anstieg der Energiekosten abzufedern, haben der Investitionstätigkeit der Mittelständler einen Schub verliehen. Die Neuinvestitionen des Mittelstands nahmen um 15 % nominal zu auf 211 Mrd. Euro. Aber auch nach Berücksichtigung des gestiegenen Preisniveaus steht trotz der Herausforderungen im vergangenen Jahr immer noch ein Plus von rund 4 % zu Buche (auf 190 Mrd. Euro). Mehr noch: Kleine und mittlere Unternehmen haben die Investitionstätigkeit prozentual stärker ausgeweitet als der gesamte Unternehmenssektor in Deutschland (10 % nominal).

Neben dem Investitionsvolumen ist auch die Zahl der Investoren gestiegen: 43 % bzw. 1,63 Millionen kleine und mittlere Unternehmen haben investiert (+5 Prozentpunkte bzw. +183.000 Unternehmen). Dabei besteht ein klarer Zusammenhang zwischen der Größe der Unternehmen und der Investitionstätigkeit: Fast neun von zehn großen Mittelständlern mit mehr als 50 Beschäftigten investierten im vergangenen Jahr, im Durchschnitt mehr als 1 Million Euro. Bei Kleinstunternehmen mit weniger als 5 Beschäftigten war nur etwas mehr als jedes dritte Unternehmen investiv aktiv, im Durchschnitt mit knapp 60.000 Euro.

„Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds hat der Mittelstand seine Investitionstätigkeit im vergangenen Jahr merklich ausgeweitet und sich als Stütze des gesamten Wirtschaftsgeschehens gezeigt. Mehr als vier von zehn investierten Euro kamen im Jahr 2022 von einem kleinen oder mittleren Unternehmen“, resümiert KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib.

„Auch die Investitionstätigkeit im mittelständischen Verarbeitenden Gewerbe entwickelte sich besser als von vielen erwartet.“

Auf das laufende Jahr blickt der Mittelstand aber mit Skepsis, die Firmen spüren den konjunkturellen Gegenwind deutlich: Die Stimmung hat sich seit Jahresbeginn verschlechtert. Die schwachen gesamtwirtschaftlichen Wachstumsaussichten spiegeln sich auch in den Erwartungen zur diesjährigen Umsatzentwicklung wider: Fast ein Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen geht für 2023 von einem Umsatzrückgang aus, im Durchschnitt von 24 %. Auch bei der mittelständischen Investitionstätigkeit zeichnet sich eine Eintrübung ab: 37 % aller der befragten Unternehmen gaben im Herbst dieses Jahres an, die zu Jahresbeginn angedachten Investitionen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben oder in geringerem Umfang umgesetzt zu haben. 13 % haben ihre Investitionspläne aufgegeben.

Weitere wichtige Ergebnisse des KfW-Mittelstandspanels im Überblick:

  • Der Mittelstand hat 2022 erneut Arbeitsplätze geschaffen, der Zuwachs von 20.000 Beschäftigten fiel allerdings moderat aus. Der Löwenanteil des gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungszuwachses entfiel auf Großunternehmen und öffentliche Arbeitgeber. Im laufenden Jahr könnte sich ein ähnliches Muster zeigen: 2023 ist gesamtwirtschaftlich mit einem Erwerbstätigenplus zu rechnen, wobei sich für den Mittelstand gegenwärtig eher sinkende Beschäftigungserwartungen abzeichnen.
  • Die Kapitalstruktur der kleinen und mittleren Unternehmen zeigt sich robust. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote sinkt nur um 0,2 Prozentpunkte auf 31,2 %. Für den Mittelstand insgesamt sind erneut strukturelle Verbesserungen bei der Kapitalstruktur ersichtlich – der Anteil der Mittelständler mit vergleichsweise hoher Eigenkapitalquote von mindestens 30 % steigt um fast einen Prozentpunkt auf knapp 51 %. Der Anteil von Unternehmen mit einer niedrigen Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent ist gleichzeitig deutlich auf 25 % zurückgegangen.
  • Im Jahr der Zinswende erlebte die Kreditfinanzierung im Mittelstand noch ein Boomjahr. Um ihre Investitionen (teilweise) zu finanzieren, haben 763.000 Unternehmen Bankkredite genutzt – so viele wie seit fast fünfzehn Jahren nicht mehr. Dabei profitierten die Unternehmen noch weitgehend von einem guten Kreditzugang: Die Kreditablehnungsquote sank 2022 auf ihr Allzeittief von 9 %. Für das Jahr 2023 ist allerdings eine Trendwende absehbar. Obgleich der Kreditkanal weiterhin funktionsfähig ist, der Zugang zur Kreditfinanzierung ist merklich schwieriger geworden, vor allem das hohe Zinsniveau macht den mittelständischen Unternehmen zu schaffen.
  • Trotz hoher Fremdkapitalaufnahme 2022 ist die Schuldentragfähigkeit im Mittelstand noch immer gegeben. Der Anteil von Unternehmen mit einer kritischen Schuldentragfähigkeit („Zombieunternehmen“) lag im Jahr 2022 bei sehr niedrigen 3 %.

Quelle: KfW

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Unterschiedliche Wirtschaftsstrukturen erklären zwei Drittel des Lohngefälles zwischen Ost und West

Zwei Drittel der Lohnlücke zwischen Ost- und Westdeutschland lassen sich durch Unterschiede in der Wirtschaftsstruktur erklären. Das berichtet das ifo Institut, Niederlassung Dresden.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 18.10.2023

Zwei Drittel der Lohnlücke zwischen Ost- und Westdeutschland lassen sich durch Unterschiede in der Wirtschaftsstruktur erklären. „Viele Menschen im Osten arbeiten in typischen Niedriglohnbranchen, und auch gut bezahlende Großunternehmen aus der Industrie sind hier kaum vertreten“, sagt Jannik Nauerth von der Niederlassung Dresden des ifo Instituts. Arbeitnehmer*innen in den ostdeutschen Flächenländern verdienen 33 Jahre nach der Wiedervereinigung im Schnitt rund 15 Prozent weniger pro Stunde als ihre Kolleg*innen in Westdeutschland. Wenn die Einflüsse der Struktur herausgerechnet werden, sind es nur noch 5 Prozent.

„Daher sind Vorschläge aus der Politik, die eine höhere Tarifbindung der Betriebe als Maßnahme zur Verringerung der Lohnlücke sehen, wenig hilfreich“, ergänzt Joachim Ragnitz vom ifo Dresden. „Es bleibt abzuwarten, ob die jüngste Ansiedlung von Tesla und anderen Konzernen im Osten die Lohnlücke langfristig schließen kann.“

Während westdeutsche Arbeitnehmer*innen im Jahre 2022 durchschnittlich 31,40 Euro pro Stunde verdienten, kamen Arbeitnehmer*innen in den ostdeutschen Flächenländern nur auf 26,60 Euro pro Arbeitsstunde. Dies wird häufig als ein Beleg für eine vermeintliche Benachteiligung ostdeutscher Arbeitnehmer*innen herangezogen. „Unsere Analyse zeigt aber, dass sich rund zwei Drittel des Lohnrückstands durch strukturelle Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland erklären lassen.“ Ragnitz ergänzt: „Viele Unternehmen sind nicht tarifgebunden, weil für sie die Nachteile schwerer wiegen als die Vorteile. Gewerkschaften und Arbeitgeber sollten deswegen die Besonderheiten gerade kleiner Unternehmen auch in den Tarifverträgen stärker berücksichtigen.“

Quelle: ifo Institut

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Was der Mittelstand jetzt braucht

Die Forschungsergebnisse des IfM Bonn zeigen Stellschrauben für die Entlastung der mittelständischen Unternehmen auf.

IfM Bonn, Pressemitteilung vom 17.10.2023

Forschungsergebnisse des IfM Bonn zeigen Stellschrauben für die Entlastung der mittelständischen Unternehmen auf

„Damit die mittelständischen Unternehmen wieder ihre Stärken im (globalen) Wettbewerb ausspielen können, brauchen sie in der aktuellen Situation gute und verlässliche Rahmenbedingungen – und keine sektoralen und größenbezogenen Unterstützungsmaßnahmen. Letztere würden nur das längst überholte Bild eines Mittelstands zementieren, der es aus eigener Kraft nicht schafft, ökonomisch schwierige Zeiten zu meistern“, mahnt Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Welter (IfM Bonn/Universität Siegen).

Zu guten und verlässlichen Rahmenbedingungen zählen gemäss der Forschungsergebnisse des IfM Bonn insbesondere drei Aspekte: Ein konsequenter Bürokratieabbau, eine Mittelstandspolitik, die sich als Querschnittspolitik versteht, und eine mittelstandsorientierte Finanzierung der ökologischen Transformation.

Ressourcen freisetzen durch weniger Bürokratiebelastung

Aktuell werden laut Fallstudien des IfM Bonn allein durch die Erfüllung der bürokratischen Pflichten auf Bundesebene beispielsweise in einem kleinen Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus rund drei Prozent des Umsatzes jährlich gebunden. Dies sind bei einem Umsatz von 23,5 Millionen rund 705.000 Euro – und umgerechnet auf die Beschäftigungskosten zehn in Vollzeit arbeitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bei einem größeren Unternehmen der gleichen Branche mit einem Umsatz von 239,5 Millionen Euro liegen die Kosten für diesen bürokratischen Aufwand bei einem Prozent (2,48 Millionen Euro) bzw. bei den Beschäftigungskosten für 40 vollzeitbeschäftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Auch wenn Bürokratie per se wichtige wirtschaftliche Funktionen wie die Sicherstellung von Planungs- und Rechtssicherheit oder der Gleichbehandlung erfüllt, bindet der aktuelle Umfang in den Unternehmen wertvolle Ressourcen“, legt die IfM-Präsidentin dar.

Zur Bürokratiebelastung tragen aber nicht nur die Regulierungen auf Bundesebene bei, sondern beispielsweise auch langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren auf Länder- und kommunaler Ebene sowie die Vorgaben von Selbstverwaltungsorganisationen der Wirtschaft, Normungsinstituten oder innerhalb von Wertschöpfungsketten. Sowohl der Gesetzgeber als auch alle sonstigen Normensetzer sollten daher regelmäßig prüfen, wo Bürokratie verantwortlich abgebaut werden könne.

Mögliche Folgen von Gesetzesinitiativen frühzeitig abschätzen

Die Mittelstandspolitik müsse aber auch noch stärker als Querschnittspolitik gedacht und die praktischen Folgewirkungen bereits in der Konzeption – z. B. durch Praxischecks und die Konsultation von relevanten Stakeholdern – frühzeitig überprüft werden. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass die gesetzlichen Vorgaben, die in den verschiedenen Ministerien initiiert werden, insbesondere die kleineren Unternehmen indirekt nachhaltig belasten. „Ein Beispiel hierfür ist das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz: Zwar sind aktuell die kleineren Unternehmen von dem seit Anfang 2023 geltenden Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz noch ausgenommen, tatsächlich werden sie jedoch als Zulieferer davon tangiert – und müssen ihren größeren Kunden entsprechende Daten zur Verfügung stellen“, kritisiert Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Welter. So gab bereits 2022 ein Drittel der kleineren Unternehmen mit Großunternehmen als Kunden bei einer regionalen Befragung in der Region Siegen-Wittgenstein und Olpe an, bereits auf entsprechende Daten angesprochen worden zu sein.

Finanzierungseigenheiten des Mittelstands berücksichtigen

In der jüngsten Vergangenheit hat laut IfM Bonn gut jedes vierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bauliche Maßnahmen umgesetzt, um sich vor den Folgen des Klimawandels zu schützen bzw. nachhaltiger zu wirtschaften. Allerdings sind im Zuge der ökologischen Transformation noch weitere Investitionen notwendig. Diese wollen einer weiteren IfM-Befragung zufolge viele mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer vorrangig mit Hilfe von Krediten finanzieren. Dabei suchen sie überwiegend die Zusammenarbeit mit ihrer Hausbank, zu der sie langjährig gewachsene Verbindungen unterhalten. Der Vorteil angesichts des ökologischen Transformationsprozesses: In der Regel ist die Hausbank gut mit dem Geschäftsmodell des jeweiligen Unternehmens vertraut und kann die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeitsrisiken für den Geschäftserfolg bei der Kreditvergabe berücksichtigen.

Durch die EU-„Strategie zur Finanzierung einer nachhaltigen Wirtschaft“ sind die Banken und Sparkassen dazu verpflichtet, die Nachhaltigkeit ihrer Kreditvergabe an Unternehmen zu prüfen und z. B. im Rahmen der Green Asset Ratio (GAR) die Anteile taxonomiekonformer Anlagewerte in ihrem Portfolio offenzulegen. Da zumindest bis ins Jahr 2025 KMU-Kredite pauschal als “braun” gewertet werden, kann dies dazu führen, dass Sparkassen und genossenschaftliche Banken, die im Vergleich zu größeren Geschäftsbanken überproportional viele KMU-Kredite vergeben, bei der GAR-Berechnung benachteiligt werden. Für Außenstehende wirkt die niedrigere GAR dann so, als wäre das Kreditportfolio von Regionalbanken weniger grün als von Großbanken, was wiederum den Wettbewerb unter den Kreditinstituten verzerren kann. Zudem steigt durch den zusätzlichen Informationsbedarf der Kreditgeber auch der Aufwand für die KMU, die erforderlichen Informationen zu erheben und erhöht dadurch die Kreditkosten. „Infolgedessen entstehen hierdurch unnötige Kredithürden, was wiederum Investitionen und Innovationen verhindert – und somit die eigentlich gewollte Transformation behindert statt fördert“, so Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Welter.

Quelle: IfM Bonn

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Erwartungen steigen, Tiefpunkt bei Lage erreicht?

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland steigen in der aktuellen Umfrage vom Oktober 2023 deutlich an.

ZEW, Pressemitteilung vom 17.10.2023

Der ZEW-Indikator liegt bei minus 1,1 Punkten

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland steigen in der aktuellen Umfrage vom Oktober 2023 deutlich an. Sie liegen mit minus 1,1 Punkten um 10,3 Punkte über dem Wert vom September. Darüber hinaus stabilisiert sich die Einschätzung der gegenwärtigen konjunkturellen Lage. Sie sinkt um 0,5 Punkte minimal und liegt aktuell bei minus 79,9 Punkten.

„Die Talsohle scheint erreicht. Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexpertinnen und -experten steigen im Oktober 2023 spürbar an. Demgegenüber hat sich die Einschätzung der konjunkturellen Lage in Deutschland kaum verändert. Die gestiegenen Konjunkturerwartungen gehen einher mit der Erwartung weiter sinkender Inflationsraten sowie der Tatsache, dass mittlerweile mehr als drei Viertel der Befragten von stabilen kurzfristigen Zinsen im Euroraum ausgehen. Negative Faktoren wie der Israel-Konflikt – den vereinzelte Befragte als Grund für ihre nach unten revidierte Wachstumsprognose angaben – hatten hingegen keinen starken Einfluss auf den insgesamt optimistischeren Ausblick“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, PhD die aktuellen Ergebnisse.

Die Erwartungen der Finanzmarktexpertinnen und -experten an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone steigen im Oktober um 11,2 Punkte. Sie liegen damit aktuell bei plus 2,3 Punkten und somit wieder im positiven Bereich. Der Lageindikator sinkt hingegen deutlich um 9,8 Punkte auf mittlerweile minus 52,4 Punkte. Dies muss bei der Bewertung der gestiegenen Erwartungen berücksichtigt werden.

Quelle: KfW

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Mehr Unternehmen beschäftigen sich mit Blockchain-Projekten

Lt. Bitkom hält eine knappe Mehrheit (54 Prozent) der Unternehmen in Deutschland die Blockchain für eine wichtige Zukunftstechnologie, rund ein Drittel (37 Prozent) zeigt sich dem Thema Blockchain gegenüber interessiert und aufgeschlossen – aber nur 5 Prozent haben Blockchain-Technologie im Einsatz.

Bitkom, Pressemitteilung vom 17.10.2023

  • 5 Prozent der Unternehmen setzen Technologie ein, 16 Prozent bereiten derzeit die Einführung vor
  • 54 Prozent halten Blockchain für wichtige Zukunftstechnologie
  • Fachkräftemangel und fehlendes Know-how bremsen Einsatz

Eine knappe Mehrheit (54 Prozent) der Unternehmen in Deutschland hält die Blockchain für eine wichtige Zukunftstechnologie, rund ein Drittel (37 Prozent) zeigt sich dem Thema Blockchain gegenüber interessiert und aufgeschlossen – aber nur 5 Prozent haben Blockchain-Technologie im Einsatz. Weitere 7 Prozent sind in einer Implementierungs- oder Test-Phase, 9 Prozent sind in der Analyse- und Informationsphase und 10 Prozent diskutieren den Einsatz. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 653 Unternehmen ab 50 Beschäftigten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Vor zwei Jahren lag der Anteil der Unternehmen, die die Blockchain eingesetzt haben, erst bei 1 Prozent. Damals gaben zudem 87 Prozent an, sich mit dem Thema noch überhaupt nicht beschäftigt zu haben, aktuell sind es mit 54 Prozent deutlich weniger. „Die Blockchain kann Prozesse sicherer und transparenter machen, zugleich eröffnet sie Chancen für neue Produkte und neue Geschäftsmodelle in den unterschiedlichsten Branchen“, sagt Benedikt Faupel, Bereichsleiter Blockchain beim Bitkom. „Wir sehen in der Wirtschaft keinen Blockchain-Boom, sondern ein langsames Herantasten und ein kontinuierliches Wachstum beim Einsatz.“

Nur 2 Prozent aller Unternehmen sehen sich beim Thema Blockchain an der Spitze, weitere 9 Prozent unter den Vorreitern. Aber etwas mehr als die Hälfte (56 Prozent) hält sich für Nachzügler, rund ein Viertel (26 Prozent) sieht sich bereits abgeschlagen. Unter den Unternehmen, die Blockchain bereits nutzen, den Einsatz planen oder zumindest diskutieren, sehen sich 7 Prozent an der Spitze, 28 Prozent unter den Vorreitern, 48 Prozent unter den Nachzüglern und 11 Prozent abgeschlagen.

Unternehmen sehen Blockchain-Potenzial bei verschiedensten Anwendungen

Das größte Potenzial sehen die Unternehmen, die bereits Blockchain nutzen, den Einsatz planen oder darüber diskutieren, bei der Nachvollziehbarkeit der Aktivitäten aller Partner einer Wertschöpfungskette – 63 Prozent sehen darin sehr großes Potenzial. Dahinter folgt die Blockchain als sicheres System zur Ausstellung von Zertifikaten bzw. Beglaubigungen (58 Prozent), als Transaktionssystem für das Internet of Things (48 Prozent), als interoperable Schnittstelle zum Datenaustausch (45 Prozent), zur Verbriefung von realen Gütern und Finanztiteln (44 Prozent) sowie ganz allgemein zur Abwicklung von Geschäften auf vermittlerfreien digitalen Marktplätzen (42 Prozent). Weiterhin sehr großes Potenzial wird der Blockchain zugesprochen für das Identity-Management von Personen, Maschinen und Sensoren und für das Einsammeln von Finanzmitteln (39 Prozent) sowie für ein Datenqualitätsmanagement (36 Prozent). „Die Blockchain hat Potenzial für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke. Gerade wenn es um Transparenz und Nachvollziehbarkeit geht und unterschiedliche Partner ins Spiel kommen, kann die Blockchain einen wichtigen Beitrag leisten“, so Faupel.

Die Unternehmen, die bereits Blockchain nutzen, dies planen oder darüber diskutieren, haben große Erwartungen in die Technologie. 95 Prozent sagen, dass sie mit Hilfe der Technologie bestehende Produkte und Dienstleistungen anpassen können. 85 Prozent glauben, dass sie damit neue Produkte und Dienstleistungen anbieten können und rund zwei Drittel (68 Prozent) wollen so sogar neue Geschäftsmodelle entwickeln. 80 Prozent erwarten, mit der Blockchain Transaktionskosten reduzieren zu können.

Blockchain-Hürden: Personal, Know-how und Rechtsunsicherheit

Fragt man alle Unternehmen nach den größten Hürden für den Blockchain-Einsatz, so werden fehlendes qualifiziertes Personal (84 Prozent) und fehlendes technisches Know-how (82 Prozent) am häufigsten genannt. Dahinter folgen rechtliche Unsicherheiten (76 Prozent), Anforderungen an den Datenschutz (72 Prozent) bzw. an die IT-Sicherheit (70 Prozent). Allerdings spielen auch Zweifel an der Technologie eine Rolle. Zwei Drittel fehlt es an belastbaren Use Cases (67 Prozent), ähnlich viele halten die Technologie noch nicht für ausgereift (64 Prozent). 61 Prozent beklagen eine fehlende Standardisierung von Blockchain-Anwendungen (61 Prozent), 53 Prozent eine fehlende Skalierbarkeit und Performance. Rund ein Viertel fehlt es zudem an Zeit (29 Prozent) oder an Unterstützung durch die Geschäftsführung (27 Prozent). Nur 6 Prozent halten andere Technologien für überlegen.

Nachhaltigkeit: Chancen und Risiken der Blockchain

Beim Thema Blockchain und Nachhaltigkeit gehen die Meinungen auseinander. Zwei Drittel (64 Prozent) meinen, dass mit Hilfe der Blockchain Unternehmen den CO2-Fußabdruck in Lieferketten transparent machen können. Die Hälfte (51 Prozent) erwartet, dass mit der Blockchain der CO2-Zertifikatshandel verbessert werden kann und so ein Beitrag für mehr Nachhaltigkeit geleistet wird. Ebenfalls 51 Prozent sagen aber auch: Die Blockchain-Technologie verbraucht zu viel Energie. „Der Energiebedarf der Technologie hängt stark von der verwendeten Blockchain ab – und hier wurden in den letzten Jahren große Verbesserungen erreicht. Zugleich kann die Blockchain gerade beim Thema Nachhaltigkeit durch Transparenz und Nachvollziehbarkeit einen wichtigen Beitrag leisten“, sagt Faupel.

Die Unternehmen wünschen sich in der Breite mehr Einsatz von der Politik für die Blockchain. 70 Prozent wollen ein Update der Blockchain-Strategie der Bundesregierung, ebenso viele möchten, dass Behörden Vorreiter beim Blockchain-Einsatz werden. 57 Prozent plädieren für eine stärkere Förderung der Aus- und Weiterbildung von Blockchain-Expertinnen und -Experten. Zugleich glauben 83 Prozent, dass deutsche Politiker die Bedeutung der Blockchain-Technologie noch nicht erkannt haben.

Quelle: Bitkom

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Mehrheit der Unternehmen sieht gleiche Produktivität im Büro und im Homeoffice

Die meisten deutschen Unternehmen rechnen lt. ifo Institut mit gleichbleibender Produktivität, sollten ihre Beschäftigten vom hybriden Arbeiten vollständig ins Büro zurückkehren.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 17.10.2023

Die meisten deutschen Unternehmen rechnen mit gleichbleibender Produktivität, sollten ihre Beschäftigten vom hybriden Arbeiten vollständig ins Büro zurückkehren. 60,1 % glauben, dass die Produktivität der Mitarbeitenden in diesem Fall gleichbleibt. 31,6 % denken, sie werde bei vollständiger Büronutzung steigen. Nur 8,3 % meinen, dass Beschäftigte dann unproduktiver arbeiten würden. „Die mehrheitlich positiven Erfahrungen mit der Produktivität sind ein wichtiger Grund, warum sich das Homeoffice in vielen deutschen Unternehmen etabliert hat“, sagt ifo-Forscher Mathias Dolls.

Die Ergebnisse sind in vielen Branchen ähnlich. Anders zum Beispiel in der Textilindustrie; dort erwarten 54,3 % der Befragten eine höhere Produktivität im Büro; in der Druckindustrie 48,4 % und bei den Autoherstellern 43,2 %.

Knapp die Hälfte der Firmen, die von einem Produktivitätsrückgang bei vollständiger Rückkehr ins Büro ausgehen, beziffern mögliche Produktivitätsverluste auf 5 bis 10 %. Knapp ein Drittel erwartet sogar Verluste von 10 bis 20%. Begründet wird dies vor allem mit flexiblerer Einteilung der Arbeitszeit im Homeoffice (68,9 %), weniger Ablenkung (64,5 %) und erhöhter Jobzufriedenheit (64 %). Eine bessere Work-Life-Balance sehen 59,5 %.

Über ein Drittel der Firmen (39 %), die glauben, dass eine vollständige Rückkehr ins Büro zu einem Produktivitätsgewinn führt, erwarten 10 bis 20 % mehr Produktivität, etwas weniger erwarten rund 5 bis 10 % Produktivitätszuwachs. Dies wird mit effizienterer Abstimmung und Kommunikation (87 %) begründet, mit mehr Wissensaustausch (77 %) und mit weniger Ablenkung (53,1 %). 51,8 % denken, dass Teams im Büro einfacher zu managen sind.

Das ifo Institut befragte im August 2023 in Deutschland 9.000 Unternehmen.

Quelle: ifo Institut

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Günstige Hausbau-Kredite für Familien

Die neue Eigentumsförderung für Familien wurde nur spärlich angenommen. Ab 16.10.2023 bekommen Familien bei der staatlichen Förderung des Wohneigentums bessere Konditionen von der KfW-Bank.

Bundesregierung, Mitteilung vom 16.10.2023

Ab sofort hat die Bundesregierung die Förderkonditionen zur Wohneigentumsbildung noch einmal verbessert: Familien mit kleinen und mittleren Einkommen können für den Hausbau zinsverbilligte Kredite von 170.000 bis zu 270.000 Euro erhalten.

Viele Familien in Deutschland wollen Wohneigentum schaffen, etwa um ihren Kindern eine lebenswerte Umgebung zum Aufwachsen ermöglichen. Doch das können sich Familien mit geringen oder mittleren Einkommen bei den stark gestiegenen Zinsen und Baukosten nur schwer leisten.

Deshalb hat die Bundesregierung das im Juni 2023 gestartete neue Förderprogramm „Wohneigentum für Familien“ (WEF) ab dem 16. Oktober noch einmal verbessert.

Das WEF entlastet Familien schon vor Beginn des Bauvorhabens und spürbar über einen langen Zeitraum. Durch die zinsverbilligten Kredite sind mit den verbesserten Konditionen Ersparnisse bis zu 35.000 Euro (Familien mit bis zu zwei Kindern und dem Neubau eines klimafreundlichen Hauses) gegenüber einem nicht staatlich geförderten Kredit möglich. Damit werden die gestiegenen Baukosten gezielt abgefedert.

Gefördert werden Neubauten, bei denen der CO2-Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus gering ist. Bis zu 350 Millionen Euro stellt der Bund allein in diesem Jahr für das Wohneigentumsprogramm zur Verfügung.

Anspruchsberechtigte Familien können die zinsverbilligten WEF-Darlehen bei ihrer Hausbank oder Sparkasse erhalten.

Wer erhält die Förderung?

Die Förderung erhalten Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt und einem maximal zu versteuernden Jahreseinkommen von 90.000 Euro, zuzüglich 10.000 Euro für jedes weitere minderjährige Kind im Haushalt. Voraussetzung: Die Familie wird selbst in dem Eigentum wohnen, verfügt nicht über anderes Wohneigentum und hat kein Baukindergeld erhalten.

Wie hoch ist die WEF- Förderung?

Der Endkundenzins des WEF-Darlehens liegt derzeit (Stand: 16.10.2023) bei unter einem Prozent pro Jahr bei bis zu 35 Jahre Laufzeit und zehn Jahren Zinsbindung. Damit liegt der Zinssatz für WEF rund drei Prozentpunkte unter demaktuellen Zinssatz für vergleichbare Hausbankdarlehen und ist zudem unabhängig von der Bonität der einzelnen Kundinnen und Kunden (Stand 1. Juni 2023).

Achtung: Die Zinsverbilligung ist Schwankungen unterworfen. Ausschlaggebend ist die Zinshöhe zum Zeitpunkt der Förderzusage. Die Ersparnis ist abhängig vom Zinssatz der jeweiligen Hausbank.

Kredithöchstbeträge

für die Förderstufe „Klimafreundliches Wohngebäude“:

1 oder 2 Kinder: maximaler Kreditbetrag 170.000 Euro
3 oder 4 Kinder: maximaler Kreditbetrag 200.000 Euro
ab 5 Kinder: maximaler Kreditbetrag 220.000 Euro

für die Förderstufe „Klimafreundliches Wohngebäude – mit QNG“:

1 oder 2 Kinder: bis zu 220.000 Euro
3 oder 4 Kinder: bis zu 250.000 Euro
ab 5 Kinder: bis zu 270.000 Euro

Das maximal zu erreichende Kreditvolumen beträgt 270.000 Euro.

Welche baulichen Kriterien muss man erfüllen, um die Förderung zu beantragt?

Förderfähige Neubauten müssen als Mindeststandard den Effizienzhaus 40 (EH 40) erfüllen und darüber hinaus nachweisen, dass der maximale Treibhausgasemissionsbetrag im Lebenszyklus des Gebäudes eingehalten wird. Um eine höhere Förderstufe zu erreichen, ist der Nachweis des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG) erforderlich. Folgende Stufen werden gefördert:

Klimafreundliches Wohngebäude

Die Stufe Klimafreundliches Wohngebäude/Nichtwohngebäude wird erreicht, wenn das Wohneigentum im Standard Effizienzhaus 40 errichtet wird und die Anforderung Treibhausgasemissionen im Gebäudelebenszyklus für den Neubau von Wohngebäuden des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude PLUS (QNG-Plus) erfüllt. Die Wärmeerzeugung darf dabei nicht auf Basis fossiler Energie oder Biomasse erfolgen. Über weitere Einzelheiten zu den technischen Mindestanforderungen informiert das KfW-Merkblatt.

Klimafreundliches Wohngebäude – mit QNG

Die Stufe Klimafreundliches Wohngebäude/Nichtwohngebäude – mit dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude wird erreicht, wenn für ein Effizienzhaus 40 ein Nachhaltigkeitszertifikat ausgestellt wird, das die Übereinstimmung der Maßnahme mit den Anforderungen des „Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude Plus“ (QNG-Plus) oder „Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude Premium“ (QNG-Premium) bestätigt.

Was sind die wesentlichen Merkmale des neuen Förderprogrammes WEF?

Förderinstrument des neuen Wohneigentumsprogrammes für Familien ist der KfW-Kredit mit Zinsverbilligung.

Es wird nur das Wohneigentum im Neubau gefördert. Förderfähige Neubauten müssen als Mindeststandard den EH 40 erfüllen und darüber hinaus nachweisen, dass der maximale Treibhausgasemissionsbetrag im Lebenszyklus des Gebäudes eingehalten wird. Um eine höhere Förderstufe zu erreichen, ist der Nachweis des Qualitätsiegels Nachhaltiges Gebäude erforderlich.

Für den Antrag ist eine Expertin oder ein Experte für Energieeffizienz einzubinden. Sie sind direkt für das jeweilige Bauvorhaben zu beauftragen.

Wie funktioniert die Förderung?

Energieeffizienz-Expertinnen und -Experten einbinden

Für den Antrag ist ein Energieeffizienz-Experte oder eine Expertin einzubinden. Sie prüfen die Einhaltung der Anforderungen an das Gebäude.

Kredit beantragen und erhalten

Der Kredit wird vor Beginn des Vorhabens bei einem Finanzierungspartner beantragt und der Kreditvertrag geschlossen.

Vorhaben durchführen und nachweisen

Nach Erhalt der Zusage kann begonnen werden. Der Energieeffizienz-Experte oder die Expertin prüft und bestätigt die Einhaltung der Anforderungen an das Gebäude und erstellt die „Bestätigung nach Durchführung“, die dann umgehend beim Finanzierungspartner einzureichen ist.

Quelle: Bundesregierung

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KfW-ifo-Kredithürde: Schwierigkeiten für Unternehmen in Kreditverhandlungen wachsen

Die Barrieren auf dem Weg zu einer Bankfinanzierung haben nach Einschätzung der Unternehmen wieder zugenommen – und zwar erheblich. Die KfW-ifo-Kredithürde für den Mittelstand macht im 3. Quartal 2023 einen Satz um 6,1 Prozentpunkte nach oben.

KfW, Pressemitteilung vom 16.10.2023

  • 31,7 % der Mittelständler stufen Bankverhalten bei Kreditverhandlungen im 3. Quartal als restriktiv ein
  • Kredithürde für Großunternehmen bei 21,3 %
  • Kreditnachfrage weiter gedämpft

Die Barrieren auf dem Weg zu einer Bankfinanzierung haben nach Einschätzung der Unternehmen wieder zugenommen – und zwar erheblich. Die KfW-ifo-Kredithürde für den Mittelstand macht im 3. Quartal 2023 einen Satz um 6,1 Prozentpunkte nach oben. 31,7 % der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland stuften das Verhalten ihrer Banken bei Kreditverhandlungen als restriktiv ein. Damit wurde der bisherige Höchstwert seit der Überarbeitung der Befragungsmethodik im Jahr 2017 von 31,3 % aus dem vierten Quartal 2022 leicht übertroffen. Während der Finanzmarktkrise und zu Beginn der 2000er Jahre berichtete jedoch ein noch deutlich höherer Prozentsatz der befragten Unternehmen mit strengeren Kreditzugangsbedingungen konfrontiert zu sein.

Die wachsenden Schwierigkeiten beim Kreditzugang trafen dabei mittelständischen Firmen aus allen Wirtschaftsbereichen. Besonders genau nahmen die die Finanzinstitute die Kreditgesuche aus dem Dienstleistungssektor (32,9 % / +6,4 Prozentpunkte) und dem Verarbeitenden Gewerbe (32,4 % / +7,4 Prozentpunkte) unter die Lupe. Auch die Großunternehmen berichten, dass die Banken erneut strenger geworden sind. Die Kredithürde für diese Größenklasse stieg um 3,4 Prozentpunkte auf 21,3 % an.

„Die Schwierigkeiten der Unternehmen in Kreditverhandlungen wachsen“, fasst KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib zusammen.

„Dies dürfte zum einen dem anhaltenden Zinsanstieg zuzuschreiben sein. Im Durchschnitt waren für Unternehmenskredite zuletzt mehr als 5 % fällig. Das ist nochmal ein deutlicher Aufschlag gegenüber den 4,7 % vom zweiten Quartal. Zum anderen ist eine weitere Straffung der Kreditvergabepolitik aufgrund der schlechteren wirtschaftlichen Stimmung und einer damit einhergehenden Neubewertung der Risiken durch die Banken plausibel.“
Die Kreditnachfrage der Unternehmen bleibt dabei weiterhin gedämpft. Nach den Zuwächsen im Frühling sprachen im 3. Quartal wieder etwas weniger Unternehmen mit ihren Banken über eine Kreditaufnahme. Der Anteil der Befragten, die Verhandlungen über ein Darlehen führten, sank bei den kleinen mittleren Unternehmen auf 20,2 % und bei den Großunternehmen auf 30,4 %. Der Rückgang fiel mit jeweils 1,4 Prozentpunkten jedoch nur gering aus.

Quelle: KfW

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Großhandelspreise im September 2023: -4,1 % gegenüber September 2022

Die Verkaufspreise im Großhandel waren im September 2023 um 4,1 % niedriger als im September 2022. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, ist das der stärkste Preisrückgang gegenüber einem Vorjahresmonat seit Mai 2020 (-4,3 % gegenüber Mai 2019).

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 16.10.2023

Großhandelsverkaufspreise, September 2023

  • -4,1 % zum Vorjahresmonat
  • +0,2 % zum Vormonat

Die Verkaufspreise im Großhandel waren im September 2023 um 4,1 % niedriger als im September 2022. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, ist das der stärkste Preisrückgang gegenüber einem Vorjahresmonat seit Mai 2020 (-4,3 % gegenüber Mai 2019). Ausschlaggebend für den aktuellen Rückgang ist wie schon in den Vormonaten vor allem ein Basiseffekt durch die hohen Preissteigerungen im Vorjahr aufgrund des Kriegs in der Ukraine. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Großhandelspreise im September 2023 um 0,2 %.

Stark gesunkene Preise für Mineralölerzeugnisse sowie für Altmaterialien und Reststoffe

Den größten Einfluss auf die Gesamtentwicklung im September 2023 im Vergleich zum September 2022 hatte der Preisrückgang im Großhandel mit Mineralöl­erzeugnissen in Höhe von 19,8 %. Ursächlich hierfür ist vor allem ein Basiseffekt durch das hohe Preisniveau im Vorjahreszeitraum. Gegenüber August 2023 stiegen die Preise bei Mineralölerzeugnissen allerdings um 2,9 %. Günstiger als im Vorjahresmonat waren auch die Preise im Großhandel mit Altmaterial und Reststoffen (-22,7 %), mit Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermitteln (-21,9 %), mit chemischen Erzeugnissen (-20,8 %) sowie mit Erzen, Metallen und Metallhalbzeug (-14,9 %).

Höher als im September 2022 waren dagegen die Preise für Obst, Gemüse und Kartoffeln mit +19,7 % sowie für Zucker, Süßwaren und Backwaren mit +13,4 %. Auch für lebende Tiere (+10,5 %) sowie für Getränke (+8,4 %) musste auf Großhandelsebene mehr bezahlt werden als vor einem Jahr.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

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