Materialengpässe in der Industrie leicht rückläufig

Die Lieferschwierigkeiten in der deutschen Industrie nehmen weiter ab. Im September berichteten 24,0% der vom ifo Institut befragten Firmen von Materialknappheit, nach 24,4% im August.

ifo Institut, Mitteilung vom 10.10.2023

Die Lieferschwierigkeiten in der deutschen Industrie nehmen weiter ab. Im September berichteten 24,0% der befragten Firmen von Materialknappheit, nach 24,4% im August. „Die Situation entspannt sich“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. Im Automobilbau ist die Situation weiterhin am problematischsten. Dort berichteten knapp 53% der Firmen von Engpässen bei der Versorgung mit Rohstoffen und Vorprodukten.

In allen anderen Branchen liegt der Anteil unter 40%, meist sogar unter 20%. Noch merklich oberhalb des langfristigen Mittelwertes liegen der Maschinenbau (36,3%) sowie die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten (36,4%). Sorgenfrei sind die Getränkeindustrie (1,3%), das Papiergewerbe (0,2%) sowie die Hersteller von Lederwaren (0%).

Quelle: ifo Institut

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Entwicklung der Produktion im Produzierenden Gewerbe im August 2023

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im August gegenüber dem Vormonat zum vierten Mal in Folge verringert (-0,2 %). Darauf weist das BMWK hin.

BMWK, Pressemitteilung vom 09.10.2023

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im August gegenüber dem Vormonat zum vierten Mal in Folge verringert (-0,2 %). Dabei verzeichnet die Industrie einen leichten Zuwachs um 0,5 %, während es sowohl im Baugewerbe (- 2,4 %) als auch im Bereich Energie (-6,6 %) zu spürbaren Rückgängen gekommen ist.

In den Wirtschaftszweigen der Industrie verlief die Entwicklung differenziert: Der gewichtige Bereich Kfz und Kfz-Teile meldete diesmal ein deutliches Plus von 7,6 %, allerdings nach spürbaren Rückgängen in den beiden Vormonaten. Im Vergleich zum Vormonat deutlich zulegen konnten auch die beiden kleineren Bereiche Möbel (+11,5 %) und Textilien (+6,4 %). Der Maschinenbau hingegen hat seinen Ausstoß im Vormonatsvergleich um 2,3 % zurückgefahren. Die besonders energieintensiven Industriezweige verzeichneten insgesamt einen Zuwachs um 0,9 %. Die Herstellung von chemischen Erzeugnissen wurde hier ausgeweitet (+1,8 %), wie auch die Metallerzeugung und -bearbeitung (+1,8 %) sowie die Kokerei und die Mineralölverarbeitung (+7,1 %). Der Ausstoß von Papier und Pappe ging dagegen um 0,7 % zurück.

Die Produktion in der Industrie hat sich zuletzt etwas gefestigt, im aussagekräftigeren Zweimonatsvergleich ergab sich aber weiterhin ein Minus von 1,7 %. Die zuletzt wieder anziehenden Auftragseingänge und die Stabilisierung einzelner Stimmungsindikatoren deuten jedoch darauf hin, dass die Industrieproduktion an der Talsohle angekommen sein könnte und Richtung Jahreswechsel wieder Fahrt aufnimmt.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

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Geschäftslage im Einzelhandel verschlechtert sich leicht

Die Geschäftslage bei den Einzelhändlern hat sich etwas verschlechtert. Der Indikator fiel von -7,2 Punkten im August auf -9,8 Punkte im September. Die Erwartungen an die kommenden Monate haben sich lt. ifo Konjunkturumfrage dagegen leicht verbessert.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 09.10.2023

Die Geschäftslage bei den Einzelhändlern hat sich etwas verschlechtert. Der Indikator fiel von -7,2 Punkten (saisonbereinigt korrigiert) im August auf -9,8 Punkte im September. Die Erwartungen an die kommenden Monate haben sich dagegen leicht verbessert. „Die zuletzt spürbaren Einkommenszuwächse bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern dürften weiter zu einer Stärkung der Kaufkraft führen. Davon sollten auch die Einzelhändler profitieren“, sagt ifo-Experte Patrick Höppner.

Relativ gut beurteilen Einzelhändler mit Computern und Software sowie Kfz-Händler ihre Lage. „Viele andere Händler von Gebrauchsgütern, Baumärkte sowie Möbel- und Einrichtungshäuser beklagten hingegen zuletzt eine zurückhaltende Kundschaft“, sagt Höppner. Ihre Geschäftslage sehen sie dementsprechend als relativ schlecht an. Im zweiten Quartal beobachteten 81,9 % der Möbel- und Einrichtungshäuser eine zu niedrige Kundenfrequenz (58,3 % der Baumärkte). Für Spielwarenhändler (15,9 %) sowie Einzelhändler mit Nahrungs- und Genussmitteln (18,1 %) war ausbleibende Kundschaft am wenigsten relevant. Insgesamt beklagten 37,8 % der Einzelhändler zu leere Geschäfte.

Quelle: ifo Institut

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Entwicklung der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im August 2023

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stiegen die Auftragseingänge im August gegenüber dem Vormonat um 3,9 %, nachdem sie im Juli auch aufgrund eines Sondereffekts infolge von Großaufträgen eingebrochen waren (-11,3 %). Das teilt das BMWK mit.

BMWK, Pressemitteilung vom 06.10.2023

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stiegen die Auftragseingänge im August gegenüber dem Vormonat um 3,9 %, nachdem sie im Juli auch aufgrund eines Sondereffekts infolge von Großaufträgen eingebrochen waren (-11,3 %). Die Bestellungen aus dem In- und Ausland nahmen zuletzt annähernd gleichermaßen zu (+4,0 % bzw. +3,9 %). Im Gegensatz zu den vorherigen Monaten, in denen Großaufträge zu erheblichen Schwankungen geführt haben, nahmen die Bestellungen ohne Großaufträge ebenfalls um 3,9 % zu.

Eine Erholung der Auftragseingänge war vor allem im Bereich EDV und optische Geräte (+37,9 %) zu beobachten. Auch die Bestellungen elektrischer Ausrüstungen (+8,7 %), pharmazeutischer Erzeugnisse (+4,0 %) sowie chemischer Erzeugnisse (+1,7 %) erhöhten sich. Allerdings mussten auch Orderrückgänge verzeichnet werden, etwa in gewichtigen Sektoren wie Kfz und Kfz-Teile (-0,7 %) und Metallerzeugung (-2,0 %). Die Nachfrage im Maschinenbau stagnierte unterdessen (±0,0 %).

In den vergangenen Monaten verliefen die Auftragseingänge aufgrund umfangreicher Großaufträge sehr volatil. Im aussagekräftigeren Zweimonatsvergleich entwickelten sich die Bestellungen im Verarbeitenden Gewerbe im August mit einem deutlichen Rückgang von 6,2 % weiterhin verhalten. Stimmungsindikatoren deuten aber darauf hin, dass die Industriekonjunktur im dritten Quartal ihre Talsohle erreicht haben könnte. Zum Jahreswechsel 2023/24 dürfte dann eine schrittweise konjunkturelle Erholung einsetzen.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

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Durchbruch beim Bürokratieabbau?

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer schwierigen Lage und steht vor zahlreichen Herausforderungen. Besonders leiden die Unternehmen unter den enormen Bürokratiebelastungen. Sie erwarten lt. DIHK von den aktuellen Initiativen der Bundesregierung und der EU-Kommission einen Befreiungsschlag.

DIHK, Mitteilung vom 05.10.2023

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer schwierigen Lage. Es gibt viele Herausforderungen für die Unternehmen – von den hohen Energiepreisen bis zum Fachkräftemangel. Die seit Jahren wachsenden Belastungen durch unnötige Bürokratie wiegen in dieser Situation besonders schwer und sind ein echtes Hemmnis im Betriebsalltag.

Es hakt dabei an allen Ecken und Enden, ob bei der Errichtung von Erneuerbare-Energie-Anlagen oder bei der Umstellung auf energieeffizientere Produktionsanlagen, bei den Genehmigungen von Transporten, dem Anwerben von Fachkräften, den zunehmenden Berichtspflichten oder ausufernden Vorschriften im Hotel- und Gastgewerbe. Die Regelungsdichte hat sich zu einem Mühlstein für Unternehmen und auch die Verwaltungen entwickelt.

Mehr Aufwand zur Erfüllung bürokratischer Auflagen bedeutet weniger Zeit für die Weiterentwicklung des Unternehmens und für Innovationen. Darunter leidet die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Betriebe. Das Ausmaß der Bürokratie ist zu einem entscheidenden Faktor für den Wirtschaftsstandort Deutschland geworden. Die Unternehmen erwarten deshalb von den aktuellen Initiativen der Bundesregierung und der EU-Kommission nichts weniger als einen Befreiungsschlag.

Bürokratieentlastungsgesetz IV – ein Hoffnungsschimmer

Das Eckpunktepapier zum Vierten Bürokratieentlastungsgesetz (BEG IV), das unter Federführung des Justizministeriums von der Bundesregierung in Meseberg beschlossen wurde, sieht eine Reihe konkreter Maßnahmen zum Bürokratieabbau vor. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz prüft mögliche Vereinfachungen bei den Informationspflichten. Auch einige Schriftformerfordernisse sollen wegfallen. Künftig wird der Meldeschein in Hotels für alle inländischen Gäste nicht mehr notwendig sein, und die Aufbewahrungsfristen von Steuerunterlagen werden kürzer. In Aussicht gestellt sind zudem Praxis-Checks für verschiedene Themen. Außerdem sollten die mehr als 400 weiteren Vorschläge aus der Verbändeabfrage in anderen Gesetzen oder auf europäischer Ebene umgesetzt werden.

EU will Berichtspflichten vereinfachen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihrerseits hat im März angekündigt, die Berichtspflichten um 25 Prozent zu reduzieren. Demnach sollen die Datenschutzgrundverordnung und die Anforderungen bei der Arbeitnehmerentsendung und der Nachhaltigkeitsberichtserstattung (CSRD) vereinfacht werden. Zudem hat die Kommission vor, die relevante KMU-Definition auf europäischer Ebene anzupassen. Die konkreten Vorschläge sollen im Oktober präsentiert werden. Die Bundesregierung will diesen Plan mit einer deutsch-französischen Initiative begleiten. Für die Unternehmen ist entscheidend, dass den Ankündigungen aus Berlin und Brüssel nun zeitnah auch Taten folgen – erst dann kann verloren gegangenes Vertrauen wieder neu entstehen.

Bürokratieabbau ist eine Gemeinschaftsaufgabe

Neues Wirtschaftswachstum gelingt nur mit weniger Bürokratie. Das ist auch das Ergebnis der DIHK-Bürokratieabbau-Konferenz unter anderem mit Bundesminister Marco Buschmann sowie vielen Praktikern aus Betrieben, Politik und Verwaltung Ende September. Die Wirtschaft ist auf mutige und zugleich aus Sicht der Betroffenen überfällige Entscheidungen der Politik angewiesen. Das „Vierte Bürokratieentlastungsgesetz“ und das Vorhaben der EU-Kommission zur Reduzierung von Berichtpflichten sind richtige Signale. Für die Unternehmen zählt aber nur, was sie im betrieblichen Alltag konkret als Entlastung erfahren.

Die DIHK macht hierfür konkrete Vorschläge und steht der Politik als Sparringspartner für einen wirkungsvollen Bürokratieabbau zur Verfügung. Nach DIHK-Einschätzung sollte die Bundesregierung zudem die Position einer Beschleunigungsmanagerin beziehungsweise eines Beschleunigungsmanagers einrichten, damit Engpässe schneller aufgespürt und Verantwortlichkeiten klarer benannt werden können. Damit ließe sich das Deutschland-Tempo, das sich alle erhoffen, auch tatsächlich erreichen.

Quelle: DIHK

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Weltweiter Handel kraftlos, Frachtraten stark verbilligt

Der weltweite Handel legt im September eine Verschnaufpause ein. Im Vergleich zum überraschend starken August zeigen die Werte des Kiel Trade Indicator eine Seitwärtsbewegung an (preis- und saisonbereinigt). Recht deutlich fällt die Gegenbewegung für Deutschland aus, wo Importe und Exporte im roten Bereich liegen.

IfW Kiel, Mitteilung vom 05.10.2023

Der weltweite Handel legt im September eine Verschnaufpause ein. Im Vergleich zum überraschend starken August zeigen die Werte des Kiel Trade Indicator eine Seitwärtsbewegung an (preis- und saisonbereinigt). Recht deutlich fällt die Gegenbewegung für Deutschland aus, wo Importe und Exporte im roten Bereich liegen. Insgesamt zeigt sich das Containerschiffnetzwerk stabil: Die Menge an verschifften Gütern ist hoch, Stillstand geht zurück und die Frachtraten sinken deutlich.

Das jüngste Datenupdate des Kiel Trade Indicator weist für den Welthandel im September im Vergleich zum Vormonat August mit einem Plus von 0,2 Prozent auf eine Seitwärtsbewegung hin (preis- und saisonbereinigt).

Für Deutschland liegen die Septemberwerte sowohl für Exporte (-1,8 Prozent) als auch Importe (-1,9 Prozent) recht eindeutig im roten Bereich.

Auch für die EU ist der Exportwert (-1,2 Prozent) negativ, die Importe (-0,2 Prozent) dürften ungefähr auf Vormonatsniveau liegen.

In den USA hingegen, deren Konjunktur im dritten Quartal positiver verlaufen dürfte als jene der EU, liegen Exporte (+0,4 Prozent) und Importe (+0,2 Prozent) im September leicht im positiven Bereich bzw. laufen seitwärts. Chinas Exporte (+0,5 Prozent) dürften gegenüber August leicht steigen, Importe (-0,8 Prozent) leicht sinken.

„Nachdem die Handelswerte des Kiel Trade Indicator für den August überraschend positiv ausgefallen waren, deuten sie für den Septemberhandel nun wieder tendenziell seitwärts. Besonders ausgeprägt ist die Gegenbewegung nach unten in Deutschland“, sagt Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator.

Frachtraten sinken deutlich

Positive Nachrichten für deutsche Exporteure kommen durch stark verbilligte Frachtraten, die mittlerweile unter den Durchschnitt der Jahre vor der Corona-Pandemie gefallen sind. Insbesondere auf der transatlantischen Verbindung zu Häfen der Vereinigten Staaten sind die Kosten pro Container binnen eines Jahres von über 8.000 US-Dollar auf nun etwas über 1.000 US-Dollar gesunken. Während der Pandemie waren die Transportkosten regelrecht explodiert.

„Für deutsche Exporteure ist es nun wieder deutlich günstiger, Waren zu verschiffen. Davon dürfte auch die von hohen Energiekosten getroffene Chemieindustrie profitieren, wo Transportkosten typischerweise einen großen Teil des Handelswertes ausmachen“, so Stamer.

Mehr Güter auf See unterwegs, Staus gehen zurück

Insgesamt zeigt der Welthandel nach einem schwachen Jahresverlauf aber auch Zeichen der Widerstandsfähigkeit. Die geschätzte Menge an global verschifften Standardcontainern stieg im September sprunghaft an und übertraf die Marke von 14 Millionen deutlich. Dies ist auch auf die positive Entwicklung des vergangenen Monats zurückzuführen, denn im August verschiffte Ladung dürfte auf vielen Strecken auch im September noch unterwegs sein.

Außerdem verläuft die konjunkturelle Entwicklung der asiatischen Schwellenländer inklusive Chinas vergleichsweise dynamisch. Dort ist die Nutzung von Containerschiffen das Transportmittel erster Wahl.

Die Staus in der Containerschifffahrt gehen zurück, nur noch gut 7 Prozent aller weltweit verschifften Waren stecken derzeit fest, ein im historischen Vergleich unauffälliger Wert.

Quelle: IfW Kiel

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Exporte im August 2023: -1,2 % zum Juli 2023

Im August 2023 sind die deutschen Exporte gegenüber Juli 2023 kalender- und saisonbereinigt um 1,2 % und die Importe um 0,4 % gesunken. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, sanken die Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,8 % und die Importe um 16,8 %.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 05.10.2023

Im August 2023 sind die deutschen Exporte gegenüber Juli 2023 kalender- und saisonbereinigt um 1,2 % und die Importe um 0,4 % gesunken. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, sanken die Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat August 2022 um 5,8 % und die Importe um 16,8 %.

Insgesamt wurden im August 2023 kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 127,9 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert und Waren im Wert von 111,4 Milliarden Euro nach Deutschland importiert. Die Außenhandelsbilanz schloss im August 2023 mit einem Überschuss von 16,6 Milliarden Euro ab. Im Juli 2023 hatte der kalender- und saisonbereinigte Saldo der Außenhandelsstatistik bei +17,7 Milliarden Euro gelegen, im August 2022 bei +2,0 Milliarden Euro.

Außenhandel mit EU-Staaten

In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) wurden im August 2023 kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 69,6 Milliarden Euro exportiert und es wurden Waren im Wert von 60,0 Milliarden Euro von dort importiert. Gegenüber Juli 2023 sanken die kalender- und saisonbereinigten Exporte in die EU-Staaten um 1,5 % und die Importe aus diesen Staaten stiegen um 1,9 %. In die Staaten der Eurozone wurden im August 2023 Waren im Wert von 48,8 Milliarden Euro (-2,6 %) exportiert und es wurden Waren im Wert von 40,2 Milliarden Euro (+3,2 %) aus diesen Staaten importiert. In die EU-Staaten, die nicht der Eurozone angehören, wurden im August 2023 kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 20,8 Milliarden Euro (+1,3 %) exportiert und es wurden Waren im Wert von 19,8 Milliarden Euro (-0,7 %) von dort importiert.

Außenhandel mit Nicht-EU-Staaten

In die Staaten außerhalb der EU (Drittstaaten) wurden im August 2023 kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 58,3 Milliarden Euro exportiert und es wurden Waren im Wert von 51,3 Milliarden Euro aus diesen Staaten importiert. Gegenüber Juli 2023 nahmen die Exporte in die Drittstaaten um 0,9 % und die Importe von dort um 3,0 % ab.

Die meisten deutschen Exporte gingen im August 2023 in die Vereinigten Staaten. Dorthin wurden kalender- und saisonbereinigt 1,3 % weniger Waren exportiert als im Juli 2023. Damit sanken die Exporte in die Vereinigten Staaten auf einen Wert von 13,3 Milliarden Euro. Die Exporte in die Volksrepublik China nahmen um 1,2 % auf 8,4 Milliarden Euro zu, die Exporte in das Vereinigte Königreich sanken um 4,2 % auf 6,0 Milliarden Euro.

Die meisten Importe kamen im August 2023 aus der Volksrepublik China. Von dort wurden kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 13,0 Milliarden Euro eingeführt, das waren 2,0 % weniger als im Vormonat. Die Importe aus den Vereinigten Staaten sanken um 3,1 % auf 7,6 Milliarden Euro. Die Importe aus dem Vereinigten Königreich nahmen im gleichen Zeitraum um 0,9 % auf 3,0 Milliarden Euro ab.

Die Exporte in die Russische Föderation sanken im August 2023 gegenüber Juli 2023 kalender- und saisonbereinigt um 0,5 % auf 0,7 Milliarden Euro. Gegenüber August 2022, als infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine der Export nach Russland stark zurückgegangen war, nahmen sie um 36,1 % ab. Die Importe aus Russland sanken im August 2023 gegenüber Juli 2023 um 23,4 % auf 0,2 Milliarden Euro, gegenüber August 2022 gingen die Importe um 93,7 % zurück.

Originalwerte für den Außenhandel (nicht kalender- und saisonbereinigt)

Nominal (nicht kalender- und saisonbereinigt) wurden im August 2023 Waren im Wert von 121,8 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 107,4 Milliarden Euro importiert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat August 2022 nahmen die Exporte im August 2023 damit um 5,8 % ab, die Importe sanken um 16,7 %. Die unbereinigte Außenhandelsbilanz schloss im August 2023 mit einem Überschuss von 14,4 Milliarden Euro ab. Im August 2022 hatte der Saldo +0,4 Milliarden Euro betragen.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

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Trotz Homeoffice halten die meisten Unternehmen an Büroflächen fest

Die meisten Unternehmen in Deutschland wollen ihre Büros trotz Homeoffice nicht verkleinern. Homeoffice führt also zu einem leichten Rückgang der Nachfrage nach Büroflächen und setzt damit den Immobilienmarkt unter Druck. Das berichtet das ifo Institut.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 04.10.2023

Die meisten Unternehmen in Deutschland wollen ihre Büros trotz Homeoffice nicht verkleinern. „Die überwältigende Mehrheit der Unternehmen lässt ihre Büroflächen unverändert. Nur 9,1 % aller Firmen planen, ihre Büros wegen Homeoffice zu verkleinern. In einzelnen Branchen sind es jedoch deutlich mehr, mit bis zu 40 %“, sagt ifo-Experte Simon Krause. „Homeoffice führt also zu einem leichten Rückgang der Nachfrage nach Büroflächen und setzt damit den Immobilienmarkt unter Druck.“

Hinter den Durchschnittszahlen verbergen sich große Unterschiede. Im Dienstleistungssektor liegt der Anteil bei 11,9 %, in der Industrie bei 8,1 %. Besonders viele Unternehmen planen ihre Büros wegen Homeoffice zu verkleinern in der Automobilbranche (37,5 %), bei der Bekleidungsherstellung (18,6 %), in der Rundfunkbranche (40,3 %), in der IT-Branche (21,0 %), bei den Informationsdienstleistern (28,4 %) sowie in der Werbung und der Marktforschung (34,8 %). Im Handel (3,7 %) und im Bauhauptgewerbe (1,9 %) beabsichtigen nur wenige Unternehmen eine Verringerung ihrer Büroflächen. Verkleinerungen werden insbesondere in Branchen geplant, in denen Homeoffice intensiv genutzt wird. Dagegen plant nur 1% aller Firmen, wegen der neuen Arbeitsweise ihre Büroflächen zu vergrößern.

Das ifo Institut erfasst seit mehr als einem Jahr eine konstante Homeoffice-Quote von einem Viertel der Beschäftigten. „Nach der Pandemie ist klar: Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Wenn die Beschäftigten teilweise vor Ort und teilweise zu Hause arbeiten, dann verändern sich die Anforderungen an die Büros“, sagt Krause. Viele Unternehmen hätten bereits reagiert und ihre Büros an die neuen Arbeitsmodelle adaptiert, etwa durch die Einführung von geteilten Schreibtischen und die Schaffung von mehr Räumen für persönlichen Austausch an den Präsenztagen. Diese schon erfolgten Veränderungen seien nicht abgefragt worden, weshalb der tatsächliche Effekt vermutlich noch größer sei. „Andere Firmen planen die Anpassung in den kommenden Jahren, wenn die meist langfristig abgeschlossenen Büro-Mietverträge auslaufen. Diese Entwicklung wird die Krise am Immobilienmarkt verschärfen, der wegen gestiegener Zinsen und Baukosten ohnehin unter Druck steht.“

Quelle: ifo Institut

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Geschäftsklima in der Autoindustrie hellt sich auf

Das Geschäftsklima der deutschen Autoindustrie hat sich leicht verbessert. Im September stieg der Indikator auf -14,7 Punkte, nach -18,1 Punkten im August. Das berichtet das ifo Institut.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 02.10.2023

Das Geschäftsklima der deutschen Autoindustrie hat sich leicht verbessert. Im September stieg der Indikator auf -14,7 Punkte, nach -18,1 Punkten im August. „Die deutschen Autohersteller und ihre Zulieferer sind mit ihrer aktuellen Lage zufrieden, die Erwartungen bleiben hingegen im Keller“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

Die aktuelle Geschäftslage bewertete die Autoindustrie im September mit 20,9 Punkten, nach 13,2 im August. Die Erwartungen stiegen nur leicht von -44,8 Punkten auf -44,6 Punkte. Die Versorgung mit wichtigen Vorprodukten bleibt angespannt. Das gaben 53% der befragten Unternehmen an. Trotzdem planen Hersteller und Zulieferer, ihre Produktion in den nächsten Monaten zu erhöhen und die gestiegenen Kosten der Herstellung weiterzugeben. Ferner stellt sich die Autoindustrie darauf ein, mit weniger Personal auszukommen. „Zum einen werden im strukturellen Wandel zur Elektromobilität weniger Beschäftigte benötigt, zum anderen wird die Personalgewinnung aufgrund des Fachkräftemangels schwieriger“, sagt Falck.

Quelle: ifo Institut

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Deutsche Einheit bei der Gleichstellung: Bei 15 von 22 Indikatoren liegt der Osten vorn – Problem bei Einkommen

Frauen in West- wie in Ostdeutschland haben in Puncto Bildung, Erwerbstätigkeit und soziale Absicherung in den vergangenen Jahren gegenüber Männern aufholen können. Trotzdem gibt es bei der Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt weiterhin erhebliche Unterschiede zwischen Ost und West. Das geht aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 29.09.2023

Frauen in West- wie in Ostdeutschland haben in Puncto Bildung, Erwerbstätigkeit und soziale Absicherung in den vergangenen Jahren gegenüber Männern aufholen können. Trotzdem gibt es bei der Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt weiterhin erhebliche Unterschiede zwischen Ost und West. Bei 15 von 22 wichtigen Indikatoren zu Themen wie Erwerbsbeteiligung, Arbeitszeit, Bezahlung, Führungspositionen oder Absicherung im Alter sind die Abstände zwischen Männern und Frauen im Osten spürbar kleiner als im Westen – allerdings beim Einkommen auf insgesamt niedrigerem Niveau. Und auch wenn die Gleichstellung in beiden Landesteilen vielfach vorangekommen ist, bleibt das Tempo oft niedrig und die durchschnittliche berufliche, wirtschaftliche und soziale Situation von Frauen weiterhin meist schlechter als die von Männern. Den aktuellen Stand und sinnvolle Strategien für Fortschritte beleuchtet anhand der neusten verfügbaren Daten eine Studie, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung am 29.09.2023 im Vorfeld des 3. Oktober vorlegt.

„Die Ergebnisse unserer Studie belegen weiterhin klar erkennbare Geschlechterungleichheiten zu Ungunsten von Frauen. Meist sind die etwas ausgeprägter in Westdeutschland und etwas abgeschwächter in Ostdeutschland“, sagt Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI. „Unter dem Strich ist der Osten bei einigen wichtigen Aspekten der Gleichstellung also etwas fortschrittlicher. Dass erwerbstätige Frauen im Osten etwas weniger Rückstand auf die Männer haben, ist nach 33 Jahren deutscher Einheit allerdings nicht immer eine gute Nachricht, vor allem bei den Einkommen nicht“, betont Kohlrausch. So erhalten 12 Prozent der weiblichen Vollzeitbeschäftigten im Osten nur maximal 2000 Euro brutto pro Monat. Der Geschlechterunterschied ist dabei zwar kleiner als im Westen, allerdings auch deshalb, weil männliche Erwerbstätige im Osten ebenfalls häufiger als im Westen nur ein Niedrigeinkommen erzielen.

Mehr Frauen in West und Ost erwerbstätig – aber Zunahme vor allem bei der Teilzeit

Die Auswertung, die WSI-Forscherin Dr. Yvonne Lott und Expert*innen des Berliner SowiTra-Instituts verfasst haben, zeigt unter anderem: Bei der formalen beruflichen Qualifikation haben Frauen im Westen weitgehend mit den Männern gleichgezogen, in Ostdeutschland liegen sie sogar leicht vorne. Bei der Erwerbsbeteiligung zeigen sich hingegen trotz Annäherungen noch deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern und zwischen Ost- und Westdeutschland. So lag die Erwerbstätigenquote westdeutscher Frauen 2021 um knapp acht Prozentpunkte unter der von westdeutschen Männern (71,5 Prozent vs. 79,4 Prozent). 1991 war die Differenz indes noch fast dreimal so groß. Auch die Erwerbstätigenquote von Frauen in Ostdeutschland ist mit aktuell 74,0 Prozent höher als 1991, und der Abstand gegenüber ostdeutschen Männern (78,5 Prozent) von knapp 12 auf gut vier Prozentpunkte gesunken. In den letzten Jahren hat sich in beiden Landesteilen allerdings wenig getan.

Der langfristige Aufholprozess bei der Erwerbsbeteiligung beruht allerdings vor allem auf mehr weiblicher Teilzeitarbeit. In Ostdeutschland ist der Anteil der Teilzeitstellen an allen Beschäftigungsverhältnissen von Frauen zwischen 1991 und 2021 um 15,7 Prozentpunkte gewachsen, im Westen um 13,5 Prozentpunkte. Trotz eines insgesamt geringfügigen Rückgangs seit Ende der 2010er Jahre lag die Teilzeitquote der westdeutschen Frauen zuletzt bei 47,8 Prozent, das ist deutlich über der der ostdeutschen (33,2 Prozent). Auch bei Männern ist der Teilzeitanteil über die vergangenen drei Dekaden gewachsen, er fällt indes weitaus niedriger aus und betrug 2021 in Ost und West je 11,7 Prozent.

Rückstand gegenüber Männern bei der Arbeitszeit: 4,6 Stunden im Osten, sogar 8,4 im Westen

Die unterschiedlichen Teilzeitquoten führen auch zu erheblichen Differenzen bei der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Erwerbsjob: In den westlichen Bundesländern liegt diese für Frauen bei 30 Stunden, das sind 8,4 Stunden weniger als bei westdeutschen Männern. In den östlichen Bundesländern ist die durchschnittliche Arbeitszeit weiblicher Erwerbstätiger höher und der Abstand geringer: Sie beträgt 33,9 Stunden, 4,6 Stunden weniger als bei den Männern. In beiden Landesteilen ist der Rückstand der Frauen in den vergangenen Jahren leicht gesunken.

Der Anteil der erwerbstätigen Frauen, die lediglich einen Minijob haben, war 2021 mit 15,1 Prozent im Westen sogar fast doppelt so hoch wie in Ostdeutschland mit 8,6 Prozent – obwohl dieser Anteil in den vergangenen 20 Jahren vor allem im Westen spürbar kleiner geworden ist. Ostdeutsche Frauen liegen bei den ausschließlichen Minijobs praktisch gleichauf mit westdeutschen Männern (8,8 Prozent). Dagegen haben im Osten von den Männern lediglich 7,5 Prozent nur eine geringfügige Beschäftigung.

Im Vergleich weniger betroffen als Männer sind Frauen in West und Ost von einer anderen häufig prekären Beschäftigungsform, der Leiharbeit. 2022 waren 3,0 Prozent der ostdeutschen und 2,8 Prozent der westdeutschen Männer Leiharbeitende. Unter den Frauen im Osten galt das für 1,4 Prozent und im Westen für 1,3 Prozent. Auch bei der Arbeitslosigkeit stehen Frauen in beiden Landesteilen etwas besser da als Männer: 2022 hatten 7,9 Prozent der männlichen und 6,8 Prozent der weiblichen abhängig Beschäftigten im Osten keine Arbeit. Im Westen galt das für 5,6 bzw. 5,2 Prozent.

Kinderbetreuung: Weiter deutliches Ost-West-Gefälle

Die deutlichen Unterschiede beim zeitlichen Erwerbsumfang in West und Ost lassen sich auch gut beobachten, wenn man auf die Verteilung der Erwerbsarbeit in Paarhaushalten mit zwei Erwerbstätigen schaut. In 52,1 aller Haushalte ohne minderjährige Kinder in Westdeutschland arbeiten beide Partner*innen in Vollzeit. Leben Kinder im Haushalt, so trifft dies nur noch auf 21,5 Prozent zu. Viel häufiger (71,7 Prozent) ist dann, dass der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeitet. In Ostdeutschland ist die Vollzeittätigkeit beider Partnerinnen hingegen mit und ohne Kinder die häufigste Konstellation: Sie findet sich in 63,0 Prozent der Haushalte ohne Kinder, aber auch in 48,7 Prozent der Haushalte mit minderjährigen Kindern. Zur gleicheren Verteilung passt, dass junge Väter im Osten häufiger als im Westen Elternzeit nehmen, allerdings ist der Unterschied mit 47,8 Prozent vs. 42,6 Prozent im Elterngeldbezug nicht sehr groß.

Die Differenzen bei Familien mit Kindern hängen nach der WSI-Analyse auch stark mit dem unterschiedlichen Angebot an institutioneller Kinderbetreuung zusammen. Gerade bei der Ganztagsbetreuung ist die Differenz groß: 2022 wurden in Ostdeutschland 40,8 Prozent der Kinder unter drei Jahren und 73,4 Prozent der 3- bis 6-Jährigen ganztags außer Haus betreut. Dagegen sind es im Westen nur 14,8 bzw. 41,4 Prozent – bei spürbar höherer Nachfrage. Immerhin hat sich das Angebot an Ganztags-Kinderbetreuung in Westdeutschland über die letzten anderthalb Jahrzehnte mehr als verdoppelt, sodass die Abstände zwischen beiden Landesteilen etwas kleiner geworden sind.

„Sowohl die Unterschiede zwischen Ost und West als auch die schrittweise Annäherung zeigen, dass Fortschritte bei der Gleichstellung sehr oft von Rahmenbedingungen abhängen, die der Staat gestalten kann – etwa Investitionen in Infrastruktur“, sagt WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch. „Dabei ist es sehr wichtig, dass nicht nur Kapazitäten ausgebaut werden, sondern auch verlässlich funktionieren. Aus unserer Erwerbspersonenbefragung wissen wir, dass in letzter Zeit viele Eltern damit konfrontiert sind, dass Betreuungseinrichtungen als Folge von Personalmangel Öffnungszeiten reduzieren oder zeitweilig schließen. Es bleibt dann in erster Linie wieder an den Müttern hängen, solche Engpässe zu überbrücken.“

Gender-Pay-Gap im Osten viel kleiner – aber auch, weil Männer weniger verdienen

Die Unterschiede bei Kinderbetreuung und Arbeitszeiten tragen, unter anderem wegen nach wie vor geringerer Karrieremöglichkeiten von Teilzeitbeschäftigten, wesentlich dazu bei, dass die Lohnlücke in Westdeutschland weiterhin deutlich höher ist als in Ostdeutschland: In Westdeutschland lag 2022 der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen 18.9 Prozent unter dem von Männern, der Abstand war fast dreimal so groß wie in Ostdeutschland (dort 6,9 Prozent). Allerdings spielt bei den geringeren Unterschieden im Osten ein weiterer Faktor eine erhebliche Rolle: Die durchschnittlichen Stundenlöhne im Osten sind deutlich niedriger als im Westen, und bei Männern fällt der Rückstand größer aus als bei Frauen. Diese Diskrepanz zeigt sich auch bei der Einkommensverteilung: 30,5 Prozent der vollzeitbeschäftigten westdeutschen Männer hatten 2022 monatliche Bruttoeinkommen über 5.000 Euro – gegenüber 18,4 Prozent der westdeutschen Frauen, 17,8 Prozent der ostdeutschen Männer und 15,0 Prozent der ostdeutschen Frauen.

Mit Niedrigeinkommen unter 2.000 Euro monatlich für eine Vollzeitstelle mussten 12 Prozent der weiblichen Beschäftigten in Ost- und 10 Prozent in Westdeutschland auskommen. Bei den Männern waren es 8 Prozent im Osten und 4 Prozent im Westen. „Es ist also wichtig, zusätzlich sehr genau hinzuschauen, auf welchem absoluten Niveau sich geschlechtsspezifische Differenzen darstellen“, sagt WSI-Direktorin Kohlrausch. „Neben den erheblichen Unterschieden in der Wirtschaftsstruktur trägt auch die niedrigere Tarifbindung im Osten zum insgesamt niedrigeren Lohnniveau bei.“ Immerhin: Im vergangenen Jahr hat die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro für einen spürbaren Rückgang der Niedrigeinkommen unter 2.000 Euro gesorgt – dieser fiel im Osten und insbesondere bei den Frauen dort am stärksten aus.

Die weiterhin deutlichen Unterschiede in den Erwerbsverläufen ost- und westdeutscher Frauen führen auch zu Differenzen bei der Absicherung im Alter. Dabei wirkt sich der höhere zeitliche Erwerbsumfang ostdeutscher Frauen stärker aus als die niedrigeren Löhne im Osten, sodass ihre durchschnittlichen Altersrenten höher sind. Dementsprechend beziehen Frauen in Ostdeutschland im Durchschnitt rund 84 Prozent der gesetzlichen Altersrente, die ostdeutsche Männer haben. Die geschlechtsbezogene Rentenlücke beträgt also 16 Prozentpunkte. Im Westen ist sie mit 39 Prozentpunkten mehr als doppelt so groß.

Anteil der Frauen in Führungspositionen im Osten spürbar höher

Weiterhin Rückstände, die im Osten aber etwas kleiner sind, zeigt die Studie schließlich auch bei der Partizipation von Frauen an betrieblichen Führungspositionen – insbesondere auf den obersten Führungsetagen: Hier wurden in Ostdeutschland 2020 lediglich 31 Prozent der Stellen von Frauen ausgefüllt, in Westdeutschland sogar nur 26 Prozent. Der Anteil ist im Verlauf eines Jahrzehnts allenfalls geringfügig gewachsen. Besser sieht es nach der WSI-Analyse auf der zweiten Führungsebene aus, wo der Frauenanteil in Westdeutschland mit 39 Prozent dem Anteil an allen Beschäftigten (43 Prozent) relativ nahe kommt. In Ostdeutschland sind Frauen auf der zweiten Führungsebene sogar leicht überrepräsentiert (46 Prozent vs. 44 Prozent).

Empfehlungen für mehr Gleichstellung: Mehr Tarif, bessere Kinderbetreuung, mehr Vätermonate, ausgeglichenere Arbeitszeiten, effektivere Regelungen gegen Diskriminierungen, Aufwertung von Berufen

Eine Stärkung der Tarifbindung als Maßnahme für höhere Einkommen ist nach Analyse der Forschenden ebenso notwendig wie verpflichtende Vorgaben für Geschlechteranteile in Vorständen und ein erweiterter Geltungsbereich der Geschlechterquote in Aufsichtsräten, die bislang nur greift, wenn Unternehmen börsennotiert und zugleich paritätisch mitbestimmt sind. Um die Gleichstellung von Frauen und Männern auf breiter Linie wirksam zu fördern, empfehlen sie darüber hinaus unter anderem:

  • Stärkere Anreize für Männer, Sorgearbeit zu übernehmen, etwa durch eine schrittweise Erweiterung der Partnermonate im Elterngeld auf sechs.
  • Einen weiteren quantitativen und qualitativen Ausbau der institutionellen Betreuung von Kleinkindern. Bessere Personalschlüssel, mehr Ausbildung von Fachkräften in der frühen Bildung.
  • Eine finanzielle Aufwertung von frauendominierten Berufen im Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsbereich, um diese für beide Geschlechter attraktiver zu machen.
  • Gleichbehandlung aller Arbeitsverhältnisse bei Arbeitsbedingungen und sozialer Sicherung; Minijobs sollten möglichst in reguläre Beschäftigung überführt werden.
  • Effektive Vorgaben für Betriebe und Verwaltungen, ihre Entgeltpraxis regelmäßig auf Diskriminierungsfreiheit zu prüfen.
  • Schaffung von Arbeitsplätzen in kurzer Vollzeit und Abkehr von der Vollzeit- bzw. Überstundenkultur. Voraussetzung dafür sind unter anderem eine ausreichende Personalbemessung, verbindliche Vertretungsregelungen und Beförderungskriterien, die sich nicht an der Präsenz am Arbeitsplatz bzw. Überstunden orientieren.
  • Förderung der Aufteilung von Führungspositionen auf zwei Teilzeitstellen.
  • Mehr Mitsprache für Beschäftigte bei Dauer und Lage ihrer Arbeitszeit.
  • Abschaffung des Ehegattensplittings, das vor allem in Westdeutschland ökonomische Fehlanreize für Ehefrauen nach der Familiengründung setzt, dem Arbeitsmarkt fernzubleiben oder die Arbeitszeit deutlich zu reduzieren.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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