GmbH-gebV erleichtert nicht die Unternehmensnachfolge

Unter ökonomischen Gesichtspunkten bringt die vorgeschlagene neue Rechtsform (GmbH-gebV) lt. IfM Bonn mehr Nach- als Vorteile.

IfM Bonn, Pressemitteilung vom 19.06.2023

IfM Bonn: Unter ökonomischen Gesichtspunkten bringt die vorgeschlagene neue Rechtsform mehr Nach- als Vorteile

Nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn für den Zeitraum 2022 bis 2026 stehen aktuell im Durchschnitt 38.000 Übergaben pro Jahr an. Vorrangig versuchen die Eigentümerinnen und Eigentümer, eine familieninterne Lösung zu realisieren – nicht immer sind die Familienangehörigen jedoch zur Übernahme bereit. In diesen Fällen gilt es, Kaufinteressenten außerhalb des Unternehmens oder aus der eigenen Belegschaft zu finden, damit das Unternehmen letztlich nicht schließen muss.

„Auf den ersten Blick scheint die von der Stiftung Verantwortungseigentum initiierte Gesellschaft mit gebundenem Vermögen eine geeignete Rechtsform zu sein, um den Fortbestand von Unternehmen zu sichern und Nachfolgen zu erleichtern. Prüft man jedoch diese Variante der GmbH unter ökonomischen Gesichtspunkten, so zeigt sich, dass sie die Nachfolgesuche eher erschwert als erleichtert“, erklärt Dr. Rosemarie Kay, stellvertretende Geschäftsführerin im IfM Bonn. Die Gesellschaft mit gebundenem Vermögen (GmbH-gebV) unterscheidet sich von anderen Rechtsformen zum einen durch die langfristige Bindung der Gewinne im Unternehmen (Asset Lock) und zum anderen durch die Regelung, dass Anteile nur innerhalb der sogenannten Fähigkeiten- und Wertefamilie weitergegeben werden dürfen.

Zwar entfällt eine der Hürden bei der Nachfolgersuche: Die Kaufinteressierten müssen nicht den marktüblichen Preis zahlen. Dafür müssen sie aber akzeptieren, dass sie aufgrund des Asset Locks keine Gewinnbeteiligung und keine Wertsteigerung ihrer Einlage erhalten. Zudem werden sie in ihrer unternehmerischen Handlungsfreiheit eingeschränkt, weil sie zunächst von der „Fähigkeiten- und Wertefamilie“ als Gesellschafterin bzw. Gesellschafter aufgenommen werden und in deren Sinne handeln müssen. „Letztlich kommen daher faktisch nur solche Personen als Käuferinnen oder Käufer in Betracht, die die Werte der Fähigkeiten- und Wertefamilie teilen. Dies gilt auch für die regulären Erben eines Unternehmens“, erläutert die IfM-Wissenschaftlerin. Finden sich keine Einzelpersonen, die von der Mehrheit der Gesellschafterinnen und Gesellschafter akzeptiert werden, sind in dieser Rechtsform auch Übergaben an juristische Personen denkbar. Allerdings ist die Auswahl dieser Gesellschaften auf solche beschränkt, die selbst in der Rechtsform der Gesellschaft mit gebundenem Vermögen firmieren.

Insgesamt können die Wissenschaftlerinnen für die Unternehmensnachfolge keine Vorteile seitens der vorgeschlagenen Rechtsform GmbH-gebV erkennen. Schließlich kann bereits heute prinzipiell jede Unternehmerin bzw. jeder Unternehmer unabhängig von der Rechtsform die jeweilige Nachfolgerin bzw. den jeweiligen Nachfolger nach den eigenen Werten aussuchen. Ebenso sind sie nicht gezwungen, den Verkaufspreis ihres Unternehmens an den üblichen Marktpreisen zu orientieren.

Der vollständige Beitrag „Gesellschaft mit gebundenem Vermögen – eine Rechtsform, die Nachfolgen künftig tatsächlich erleichtern kann?“ der IfM-Autorinnen ist in der Zeitschrift Corporate Finance erschienen. Anlässlich des Tages der Unternehmensnachfolge gewährt der Verlag allen Interessierten für eine Woche den kostenlosen Zugriff auf diesen Beitrag.

Quelle: IfM Bonn

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Erzeugerpreise für Dienstleistungen im 1. Quartal 2023 um 0,8 % gegenüber dem Vorjahresquartal gesunken

Die Erzeugerpreise für Dienstleistungen in Deutschland lagen im 1. Quartal 2023 um 0,8 % niedriger als im 1. Quartal 2022. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, sanken die Preise auch gegenüber dem 4. Quartal 2022 um 0,6 %.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 19.06.2023

Massiv fallende Preise in der Seefracht lassen die Erzeugerpreise insgesamt sinken, gleichzeitig Kostensteigerungen vor allem für Energie und Personal in vielen Dienstleistungsbereichen

Erzeugerpreise für Dienstleistungen, 1. Quartal 2023

  • -0,8 % zum Vorjahresquartal
  • -0,6 % zum Vorquartal

Die Erzeugerpreise für Dienstleistungen in Deutschland lagen im 1. Quartal 2023 um 0,8 % niedriger als im 1. Quartal 2022. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, sanken die Preise auch gegenüber dem 4. Quartal 2022 um 0,6 %. Die Rückgänge sind ausschließlich auf den Abschnitt Verkehr und Lagerei zurückzuführen. Hier sind die Preise in der See- und Luftfracht infolge massiv sinkender Frachtraten deutlich gefallen. In anderen Dienstleistungsbereichen gab es hingegen zu Jahresbeginn 2023 deutliche Preissteigerungen, hauptsächlich wegen gestiegener Kosten für Energie und Personal.

Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei mit Preisrückgang um 7,9 % gegenüber dem Vorjahresquartal

Mit -7,9 % gegenüber dem Vorjahresquartal verzeichnete der Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei im 1. Quartal 2023 als einziger Abschnitt im Dienstleistungssektor einen Preisrückgang. Mit -47,3 % gegenüber dem Vorjahresquartal hatte der Bereich See- und Küstenschifffahrt entscheidenden Anteil daran. Hatten die Preise während der Pandemie aufgrund von Kapazitätsengpässen ein Rekordniveau erreicht, führte die Abkühlung der wirtschaftlichen Entwicklung nun zu einem massiven Rückgang der Frachtraten. Allein gegenüber dem 4. Quartal 2022 fielen die Preise um 21,2 %, auch weil die Preise für Bunkeröl gegenüber dem Vorquartal deutlich zurückgingen. Analog gab es auch in der Luftfahrt einen Preisrückgang, der mit -0,2 % gegenüber dem Vorjahresquartal allerdings geringer ausfiel, wobei die Rückgänge speziell in der Luftfracht insbesondere aufgrund sinkender Frachtraten teilweise wesentlich stärker waren.

Demgegenüber stiegen die Erzeugerpreise anderer Verkehrsträger stark an: In der Güterbeförderung im Eisenbahnverkehr um 20,1 % sowie im Straßenverkehr um 12,2 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Darin spiegelten sich die anhaltend hohen Energiepreise wider. Im Straßenverkehr kamen gestiegene Personalkosten infolge des Fahrermangels hinzu.

Im Wirtschaftsabschnitt Information und Kommunikation stiegen die Preise um 1,9 % gegenüber dem Vorjahresquartal

Mit +1,9 % im Vergleich zum 1. Quartal 2022 war der Preisanstieg im Wirtschaftsabschnitt Information und Kommunikation moderat. Maßgeblich verantwortlich dafür waren (personal-) kostenbedingte Preissteigerungen zu Jahresbeginn für Dienstleistungen in der Informationstechnologie, wo die Preise um 2,2 % gegenüber dem Vorjahresquartal stiegen. Mit +4,3 % gegenüber dem Vorjahresquartal konnten zudem im Bereich Verlegen von Software zu Jahresbeginn Preiserhöhungen beobachtet werden. Ebenso stiegen auch infolge höherer Energiekosten die Preise für Datenverarbeitungs- und Hostingleistungen mit +2,9 % relativ stark im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Preise für freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen stiegen gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,9 %

Im Wirtschaftsabschnitt freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen gab es im 1. Quartal 2023 mit +4,9 % einen deutlichen Anstieg der Preise gegenüber dem Vorjahresquartal. Mit 7,0 % stiegen hier die Preise für Architektur- und Ingenieurdienstleistungen am stärksten. Wie schon in den Vorquartalen waren die Entwicklungen in der Baubranche der stärkste Preistreiber, da höhere Baukosten sich auf die Honorare der baubezogenen Dienstleistungen auswirken.

Der Wirtschaftszweig technische, physikalische und chemische Untersuchungen verzeichnete mit +6,2 % gegenüber dem Vorjahresquartal ebenfalls einen deutlichen Preisanstieg. Insbesondere für chemische Untersuchungen gab es unter anderem durch steigende Materialkosten mit +6,8 % einen hohen Anstieg gegenüber dem Vorjahresquartal. Auch die Gebühren für Kfz-Untersuchungen stiegen mit 6,3 % gegenüber dem 1. Quartal 2022 relativ stark.

Wirtschaftsabschnitt Verwaltungs- und Unterstützungsleistungen mit Preissteigerung von 7,5 % gegenüber dem Vorjahresquartal

Mit einem Plus von 7,5 % gegenüber dem 1. Quartal 2022 gab es im Wirtschaftsabschnitt Verwaltungs- und Unterstützungsleistungen den höchsten Preisanstieg seit Start der Veröffentlichung des Index im Jahr 2015. Neben den auch hier vorgenommenen Kostenanpassungen zu Beginn des Jahres spielte in den betreffenden Branchen auch die Erhöhung des Mindestlohns am 1. Oktober 2022 eine entscheidende Rolle für den überdurchschnittlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahresquartal (Gebäudereinigung + 9,8 %, Wach- und Sicherheitsdienste + 8,9 %, Arbeitnehmerüberlassung +6,3 %).

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

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Gesunkene Nachfrage nach Transport- und Logistikleistungen spürbar

Die gesunkene Nachfrage nach Transportkapazitäten bereitet den Verkehrs- und Logistikunternehmen Sorgen. Das geht aus aktuellen ifo-Umfragedaten hervor.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 19.06.2023

Die gesunkene Nachfrage nach Transportkapazitäten bereitet den Verkehrs- und Logistikunternehmen Sorgen. Das geht aus aktuellen ifo-Umfragedaten hervor. „Die – teilweise sehr deutlichen – Preisanstiege für viele Transport- und Logistikdienstleistungen haben zuletzt bereits zu einer gesunkenen Nachfrage geführt“, sagt ifo-Branchenexperte Patrick Höppner. Zusätzlich belastet die gegenwärtig gedämpfte Entwicklung der gesamten Wirtschaft die Nachfrage nach Beförderungsdienstleistungen – insbesondere im Güterverkehrsbereich. Im zweiten Quartal 2023 nahmen 35,2 Prozent der Verkehrs- und Logistikunternehmen eine unzureichende Nachfrage wahr, nach 33,8 Prozent im ersten Quartal.

Trotzdem bleibt der Fachkräftemangel für viele Unternehmen im Verkehrs- und Logistikbereich ein großes Problem. Im zweiten Quartal 2023 meldeten 48,3 Prozent der befragten Verkehrs- und Logistikunternehmen Probleme bei der Personalgewinnung. „Mittelfristig ist eine weitere Verschärfung zu erwarten: Beim Fahrpersonal ist demografiebedingt ein weiterer Rückgang des Arbeitskräftepotenzials absehbar“, sagt Höppner.

Quelle: ifo Institut

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3,1 % mehr beantragte Regelinsolvenzen im Mai 2023 als im Mai 2022

Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im Mai 2023 um 3,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Im April 2023 hatte sie bereits um 4,8 % gegenüber April 2022 zugenommen.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 16.06.2023

  • 18,2 % mehr Unternehmensinsolvenzen im 1. Quartal 2023 als im Vorjahresquartal
  • 2,1 % weniger Verbraucherinsolvenzen im 1. Quartal 2023 gegenüber dem 1. Quartal 2022

Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Mai 2023 um 3,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Im April 2023 hatte sie bereits um 4,8 % gegenüber April 2022 zugenommen. Bei den Ergebnissen ist zu berücksichtigen, dass die Verfahren erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik einfließen. Der tatsächliche Zeitpunkt des Insolvenzantrags liegt in vielen Fällen annähernd drei Monate davor. Die Insolvenzstatistik bildet nur Geschäftsaufgaben ab, die im Zuge eines Insolvenzverfahrens ablaufen, nicht jedoch solche aus anderen Gründen beziehungsweise vor Eintritt akuter Zahlungsschwierigkeiten. Diese und weitere Hinweise sind bei der Interpretation der Insolvenzstatistiken zu beachten.

18,2 % mehr Unternehmensinsolvenzen im 1. Quartal 2023 als im Vorjahresquartal

Im 1. Quartal 2023 haben die deutschen Amtsgerichte nach endgültigen Ergebnissen 4.117 beantragte Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das bedeutet einen Anstieg um 18,2 % gegenüber dem 1. Quartal 2022.

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus den im 1. Quartal 2023 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte auf rund 6,7 Milliarden Euro. Im 1. Quartal 2022 hatten die Forderungen bei rund 3,9 Milliarden Euro gelegen.

Insolvenzhäufigkeit im Bereich Verkehr und Lagerei am höchsten

Bezogen auf 10.000 Unternehmen gab es im 1. Quartal 2023 in Deutschland zwölf Unternehmensinsolvenzen. Die meisten Insolvenzen je 10.000 Unternehmen entfielen auf den Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei mit 26 Fällen. Dann folgten die Bereiche Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden sowie sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (zum Beispiel Zeitarbeitsfirmen) mit jeweils 20 Fällen. Die geringste Insolvenzhäufigkeit mit nur einer Insolvenz je 10.000 Unternehmen gab es in der Energieversorgung.

2,1 % weniger Verbraucherinsolvenzen im 1. Quartal 2023 als im Vorjahresquartal

Im 1. Quartal 2023 gab es 16.676 Verbraucherinsolvenzen. Damit ist die Zahl der Verbraucherinsolvenzen im 1. Quartal 2023 um 2,1 % gegenüber dem 1. Quartal 2022 gesunken.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

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Trotz Homeoffice müssen Städte Verkehr reduzieren

Trotz der verstärkten Nutzung von Homeoffice stehen die Menschen in den Städten wieder im Stau. So ist die Zahl der pro Jahr im Stau verbrachten Stunden nur in manchen Städten gesunken, bleibt jedoch auch dort auf hohem Niveau. Es ist deshalb sinnvoll, dass Städte Maßnahmen zur Steuerung des motorisierten Individualverkehrs ergreifen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Aufsatz im aktuellen ifo Schnelldienst.

ifo Institut, Pressemitteilungen vom 15.06.2023

Trotz der verstärkten Nutzung von Homeoffice stehen die Menschen in den Städten wieder im Stau. So ist die Zahl der pro Jahr im Stau verbrachten Stunden nur in manchen Städten gesunken, bleibt jedoch auch dort auf hohem Niveau. Es ist deshalb sinnvoll, dass Städte Maßnahmen zur Steuerung des motorisierten Individualverkehrs ergreifen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Aufsatz im aktuellen ifo Schnelldienst. „Die Maßnahmen sollten sich auf die Lösung lokaler Probleme richten. Dazu gehört die Reduktion von Staus oder die Verteilung des knappen Platzes in Städten“, schreibt Oliver Falck, Leiter des Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

In München verbrachten gemäß Inrix-Erhebungen Autofahrende im Jahr 2022 durchschnittlich 74 Stunden im Stau (2019: 87). In Berlin waren es 71 (2019: 66) und in Hamburg 56 (2019: 48). Auf die politische Tagesordnung kommt das Thema nun wieder, weil sich viele Städte ambitionierte CO2-Reduktionsziele gesetzt haben, die mit diesem hohen Verkehrsaufkommen kaum vereinbar sind.

Man müsse allerdings bei den politischen Maßnahmen zwischen klimapolitischen und verkehrspolitischen Zielen unterscheiden, erläutert Falck. „Wenn wir die Geschwindigkeit des Klimawandels verringern wollen, müssen wir den weltweiten CO2-Ausstoß reduzieren. Wo das am effizientesten ist, lasse sich am einfachsten über einen CO2-Preis herausfinden.“ Die Einbindung des Verkehrssektors in den europäischen Zertifikatehandel sei daher der richtige Weg. Denn auch der motorisierte Individualverkehr könne einen Beitrag leisten. Allerdings helfen Einzelmaßnahmen auf lokaler Ebene in Bezug auf das Klimaziel wenig. In Bezug auf die verkehrspolitischen Ziele seien diese hingegen sehr sinnvoll.

Um den innerstädtischen Verkehr zu reduzieren, hat das ifo Institut bereits 2020 eine Anti-Stau-Gebühr vorgeschlagen. Beispiel München: Beträgt diese Gebühr 6 Euro pro Tag könnte – Berechnungen des ifo Instituts zufolge – die insgesamt zurückgelegten Kilometer pro Person im motorisierten Individualverkehr innerhalb der bepreisten Zone des Münchener Mittleren Rings im Tagesmittel um gut 23 Prozent verringern. In Spitzenzeiten wäre die Wirkung um 10 Prozentpunkte höher.

Quelle: ifo Institut

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Kleine und mittlere Unternehmen trotz schlechter Bedingungen widerstandsfähig

Der Mittelstand stemmt sich gegen die Krise, leidet aber unter den wachsenden Belastungen. Nach einer Sonderauswertung der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage kämpfen KMU überproportional mit einer angespannten Finanzierungslage und zunehmend auch mit strukturellen Risiken.

DIHK, Mitteilung vom 15.06.2023

Der Mittelstand ist eine starke Säule der deutschen Wirtschaft. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellen 54 Prozent aller Beschäftigten und erwirtschaften über ein Drittel der gesamten betrieblichen Umsätze hierzulande. Die aktuelle DIHK-Konjunkturumfrage bei bundesweit rund 21.000 Unternehmen zeigt auch: Der Mittelstand stemmt sich gegen die Krise, ist von den wachsenden Belastungen allerdings stark betroffen.

Die Situation hat sich im Vergleich zum Jahresbeginn zwar nicht verschlechtert, aber auch nicht verbessert: 33 Prozent der Betriebe mit bis zu 200 Beschäftigten berichten von einer guten, 16 Prozent von einer schlechten Geschäftslage. Der Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen bleibt konstant auf einem Wert von 17 und liegt weiter unter dem langjährigen Durchschnitt von 20 Punkten. Auch im weiteren Jahresverlauf wird der Mittelstand nicht den dringend erforderlichen Investitionsschub bewirken können.

Finanzierungslage der KMU weiterhin angespannt

Nach der Corona-Pandemie, den damit verknüpften Lieferengpässen und der Energiepreiskrise folgt nun mit den deutlich gestiegenen Zinsen die nächste Belastung für den Mittelstand. Mehr als ein Fünftel (21 Prozent) der KMU sehen ihre Finanzierung durch das hohe Zinsniveau besonders beeinträchtigt, im Vorjahr waren es noch 7 Prozent. 39 Prozent der Mittelständler bewerten ihre Finanzlage als problematisch. Das sind fast doppelt so viele wie bei Großunternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten (22 Prozent). Gerade in stark mittelständisch geprägten konsumnahen Branchen bleibt die Lage angespannt. Im Einzelhandel (45 Prozent) oder in den Bereichen Kunst, Unterhaltung, Erholung (49 Prozent) beispielsweise berichtet mittlerweile nahezu jedes zweite KMU von einer schwierigen Finanzierungslage, unter den Gastronomen sind es sogar 56 Prozent. Besonders stark zu schaffen machen den KMU der Eigenkapitalrückgang (20 Prozent, Großunternehmen 8 Prozent) sowie Liquiditätsengpässe (16 Prozent, Großunternehmen 9 Prozent).

Investitionsabsichten bleiben zögerlich

Die nach wie vor angespannte Finanzlage, aber auch Fachkräftemangel und die im internationalen Vergleich hohen Energiekosten schlagen auf die Investitionsabsichten der Betriebe durch. Mit 27 Prozent wollen nur geringfügig mehr KMU ihre Investitionen ausweiten als verringern (26 Prozent). Der Saldo steigt damit lediglich um drei Punkte auf einen Punkt. Das ist viel zu wenig, um die Investitionslücke, die die Corona-Pandemie gerissen hat, wieder zu füllen.

Die Investitionsneigung ist damit im Mittelstand deutlich geringer als bei den tendenziell finanzstärkeren Großunternehmen (Saldo plus 27 Punkte). Zudem verfügen KMU in der Regel über deutlich weniger Ressourcen und Spezialisierungsmöglichkeiten, um die gestiegenen Unsicherheiten hinsichtlich Kosten und Nachfrageverschiebungen zu beherrschen.

Strukturelle Risiken rücken in den Fokus

Neben der Finanzlage bereiten den Mittelständlern zunehmend auch strukturelle Risiken Kopfzerbrechen. Drei von fünf KMU bis 200 Beschäftigte sehen im Fachkräftemangel ein Geschäftsrisiko. Viele Unternehmen im konsumnahen Dienstleistungsbereich und im Handel haben während der Lockdowns Personal verloren und konnten diese Lücken bis heute nicht schließen. Im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel und der hohen Inflation sorgen sich mehr als die Hälfte (53 Prozent) der kleinen und mittleren Betriebe um die Arbeitskosten – so viele wie in keiner DIHK-Konjunkturumfrage zuvor.

Dass die Preise für Strom und Gas wieder gesunken sind – wenngleich sie noch immer über dem Vorpandemie-Niveau liegen – lindert etwas die Belastung bei den Energiekosten. So sehen nun knapp zwei Drittel der KMU (65 Prozent) in Energie- und Rohstoffpreisen ein Geschäftsrisiko. Damit belastet dieser Faktor nun zwar weniger Betriebe als noch in der Umfrage zu Jahresbeginn (71 Prozent), er bleibt allerdings das meistgenannte Risiko.

Aussichten weniger trübe, aber noch kein Optimismus

Angesichts aktuell gesunkener Energiepreise und abnehmender Lieferengpässe stabilisieren sich die Geschäftserwartungen der KMU für die kommenden zwölf Monate ein wenig. Der Anteil der Optimisten nimmt geringfügig von 16 auf 18 Prozent zu. Weiterhin überwiegen allerdings die Pessimisten: Jeder vierte kleine und mittlere Betrieb (25 Prozent nach zuvor 32 Prozent) erwartet eine Verschlechterung der Geschäfte. Der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen steigt merklich um 9 auf minus 7 Punkte. Der auch international ausgerichtete Mittelstand wie etwa im Maschinenbau (Saldo 0 Punkte) oder in der Elektrotechnik (plus 2 Punkte) hegt etwas bessere Erwartungen, während das Bild bei binnenorientierten Branchen gemischt ausfällt (Gastgewerbe plus 3 Punkte, Einzelhandel minus 20 Punkte).

Im Gegensatz dazu bewegen sich die Geschäftserwartungen der großen Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten bereits in einem verhalten optimistischen Bereich: Der Saldo aus guten und schlechten Erwartungen steigt hier um 4 auf plus 6 Punkte.

Die Politik sollte Impulse für Investitionen und Wachstum im Mittelstand setzen – etwa in der Steuerpolitik. So brauchen die Unternehmen Regelungen für eine schnellere Abschreibung von Investitionen. Es geht auch um Verbesserungen der Rahmenbedingungen, damit die deutsche Wirtschaft bessere Chancen im internationalen Wettbewerb hat. Dazu gehört der dringend erforderliche Abbau von unnötiger Bürokratie. In kaum einem anderen Industrieland müssen Unternehmen so viele Ressourcen aufwenden, um Berichte zu verfassen oder Nachweispflichten zu erfüllen. Das bremst viele Investitionen enorm aus.

Quelle: DIHK

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Förderprogramm für Pionierlösungen und neuartige Geschäftsmodelle

Das Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP) ist auf marktnahe nichttechnische Innovationen gerichtet. Es war als Pilotprojekt 2019 gestartet worden und wird nun lt. BMWK fortgesetzt und fest etabliert.

BMWK, Pressemitteilung vom 15.06.2023

Das Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP) ist auf marktnahe nichttechnische Innovationen gerichtet. Es war als Pilotprojekt 2019 gestartet worden und wird nun fortgesetzt und fest etabliert.

Die entsprechende Richtlinie wurde gestern im Bundesanzeiger veröffentlicht.

„Eine moderne Wirtschaftspolitik muss Innovationen ganzheitlich betrachten. Wegweisende Neuerungen kommen nicht allein aus der technischen Forschung und Entwicklung. Auch neue Geschäftsmodelle, Organisationskonzepte und Servicedesigns können hochinnovativ sein. Mit der Förderung solcher nichttechnischen Innovationen erweitern wir das Förderspektrum und damit auch unseren Blick auf Innovationen.“

Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck

Details zum ersten Call und zum Bewerbungsverfahren werden voraussichtlich noch in diesem Sommer bekanntgegeben. Weitere Calls folgen nach aktueller Planung ungefähr im Halbjahresrhythmus; für jeden Call sind aktuell rund 10 Mio. Euro Budget vorgesehen.

Das IGP war zunächst als befristeter Pilot gestartet worden, der mit einem neuen innovationspolitischen Ansatz rund 300 Innovationsprojekte anschob, u. a. kreativwirtschaftliche Konzepte, neue Organisationsmodelle, innovative Plattformformate, Bildungsinstrumente, u. v. a.

Nichttechnische Innovationen standen bislang nicht im Fokus der Innovationsförderung und erforderten auch neue Auswahlverfahren, wie beispielsweise Pitches vor einer externen Jury.

Eine externe Evaluation hat den Erfolg des neuen Ansatzes im Pilotprojekt bestätigt, sie erwartet u. a. positive Wirkungen auf die Fördernehmer wie auch auf Dritte und empfiehlt die nun beschlossene Fortsetzung des Programms. Damit erweitert das BMWK den innovationspolitischen Fokus über Technologieentwicklung hinaus und eröffnet perspektivisch einer Vielzahl von Innovatorinnen und Innovatoren neue Unterstützungsmöglichkeiten.

Beim IGP erfolgt die Auswahl der Förderprojekte durch thematische Ausschreibungen („Calls“), zu denen im wettbewerblichem Verfahren Projektideen eingereicht werden. Der erste Call wird das Themenfeld Geschäftsmodelle und Pionierlösungen für ökologische Innovationen adressieren, also u. a. neue Konzepte der Kreislaufwirtschaft, Designs für Klimaschutz und Energiewende, digitale Lösungen für Ressourcenschutz und Nachhaltigkeit etc.

Das Programm ist eingebettet in das BMWK-Förderkonzept „Von der Idee zum Markterfolg“ und trägt zur Umsetzung der Start-up-Strategie der Bundesregierung bei. Mit seinem Fokus auf nichttechnische Innovationen und seiner Call-Systematik kann es verschiedene innovationspolitische Ziele unterstützen, u. a. die im Koalitionsvertrag benannten Felder digitaler, kreativwirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Innovation. Einige Förderprojekte der IGP-Pilotphase präsentieren sich beim heutigen Innovationstag Mittelstand des BMWK.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

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IMK-Konjunkturindikator trübt sich erneut ein – weitere Zinserhöhungen riskant

Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten eine Rezession durchläuft, ist erneut spürbar gestiegen. Das signalisiert der IMK-Konjunkturindikator der Hans-Böckler-Stiftung.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 15.06.2023

Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten eine Rezession durchläuft, ist erneut spürbar gestiegen. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, der Daten zu den wichtigsten wirtschaftlichen Kenngrößen bündelt. Für den Zeitraum von Juni bis Ende August weist der Indikator eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 49,3 Prozent aus, nachdem sie im Mai für die folgenden drei Monate noch 37,6 Prozent betrug. Das ist der höchste Wert seit November 2022, als der Indikator infolge der Energiepreisschocks ein hohes Risiko für eine Rezession über das Winterhalbjahr anzeigte. Revidierte Daten des Statistischen Bundesamtes haben kürzlich bestätigt, dass Deutschland im letzten Quartal 2022 und im ersten Quartal 2023 eine leichte technische Rezession durchlaufen hat. Der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator schaltet zwar aktuell noch nicht auf „rot“. Die Eintrübung liefert aber einen Hinweis darauf, dass die konjunkturelle Schwächephase noch länger andauern könnte, interpretiert IMK-Konjunkturexperte Peter Hohlfeld die neuen Werte: „Die abermalige spürbare Zunahme der Rezessionswahrscheinlichkeit deutet darauf hin, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland im zweiten Quartal allenfalls stagniert.“

Dass das Rezessionsrisiko für die kommenden Monate gestiegen ist, geht auf mehrere Faktoren zurück, die die deutsche Konjunktur derzeit bremsen. Dazu zählen die schwache Auslandsnachfrage ebenso wie die stark gestiegenen Hypothekenzinsen. So waren die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe zuletzt abermals rückläufig. Auch die sinkende Zahl offener Stellen wirkt sich mittlerweile im Indikator aus. Zwar sind bei der Bundesagentur für Arbeit weiterhin viele unbesetzte Stellen gemeldet, die Zahl ist aber um gut zehn Prozent niedriger als beim Höchststand vor einem guten Jahr. Zudem wiesen auch Stimmungsindikatoren wie der ifo Geschäftsklimaindex nach unten.

Unterschiedliche Signale gehen von den Finanzmarktdaten aus, die der Indikator ebenfalls breit auswertet: Während sich Aktienkurse und Kreditrisikoprämien zuletzt relativ stabil zeigten, haben die fortgesetzten Leitzinserhöhungen der Notenbanken die Kreditvergabe an Unternehmen und damit die Wirtschaftsentwicklung insgesamt deutlich gedämpft. In seinem aktuellen Ausblick zur Geldpolitik warnt das IMK daher vor weiteren Zinsschritten der Europäischen Zentralbank. Sie gefährdeten Konjunktur, Beschäftigung und Klimaziele – und seien daher derzeit bei einer rückläufigen Inflationsrate nicht ratsam.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft zum jeweils vorliegenden Veröffentlichungszeitpunkt ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt. Der Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

Seine aktualisierte Konjunkturprognose für 2023 und 2024 stellt das IMK am 21. Juni vor.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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Schwacher Winter drückt Wirtschaftsleistung 2023 ins Minus

Für die Wirtschaftsleistung in Deutschland zeichnet sich 2023 ein Rückgang ab. Das IfW Kiel erwartet im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 0,3 Prozent und revidiert damit seine Frühjahrsprognose (+0,5 Prozent) deutlich nach unten.

IfW Kiel, Pressemitteilung vom 15.06.2023

Für die Wirtschaftsleistung in Deutschland zeichnet sich 2023 ein Rückgang ab. Das IfW Kiel erwartet im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 0,3 Prozent und revidiert damit seine Frühjahrsprognose (+0,5 Prozent) deutlich nach unten. Grund ist vor allem das schwache zurückliegende Winterhalbjahr. Im restlichen Jahresverlauf ist aber eine moderate Expansion zu erwarten. Für 2024 rechnet das IfW Kiel nun mit einem Plus von 1,8 Prozent (bislang +1,4 Prozent). Die Inflation dürfte sich im Verlauf des Jahres deutlich verringern und 2024 noch 2,1 Prozent betragen.

„In Anbetracht der schweren der Krise und dem Lieferstopp von Öl und Gas aus Russland schlägt sich die deutsche Wirtschaft wacker und bestätigt damit ihre Fähigkeit, sich schnell an neue Gegebenheiten anzupassen“, sagte Moritz Schularick, der Präsident des IfW Kiel. „Aber klar ist auch, dass die Energiekrise ihre Spuren hinterlassen hat.“

„Der Ausblick für die deutsche Wirtschaft ist besser, als es die negative Jahresrate für das Bruttoinlandsprodukt vermuten lässt. Ein nach wie vor großes Aufholpotenzial nach der Corona-Pandemie, hohe Auftragsbestände in der Industrie und demnächst kräftige Kaufkraftzuwächse bei einem stabilen Arbeitsmarkt sind die Zutaten, die die Konjunktur stützen“, kommentiert Stefan Kooths, Konjunkturchef des IfW Kiel, die aktuelle Sommerprognose für Deutschland und die Weltwirtschaft.

Verglichen zur Frühjahrsprognose des IfW Kiel haben die Nachwehen der Energiekrise sowie die straffe Geldpolitik der deutschen Wirtschaft im Winterhalbjahr aber etwas stärker zugesetzt als zunächst erwartet. Mit einem ungewöhnlich hohen Krankenstand und einem Einbruch des Staatskonsums nach Ende der Corona-Maßnahmen dämpften außerdem zwei Sondereffekte die Wirtschaftsleistung merklich. Nach wie vor lasten der Arbeitskräftemangel und die Lieferengpässe auf der Konjunktur. Gegenwärtig liegt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch 0,5 Prozent unter dem Niveau vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

„Insgesamt steht die deutsche Konjunktur im Spannungsfeld zwischen erheblichen Expansionsspielräumen und bislang recht hartnäckigen produktionsseitigen Hemmnissen. In dem Maße, wie diese nach und nach überwunden werden, kann auch die Wirtschaftsleistung wieder anziehen“, so Kooths.

Die Energiepreise und mit ihnen die Inflationsrate gehen im Jahresverlauf zurück, im nächsten Jahr dürften die Energiepreise um über 6 Prozent fallen. Das IfW Kiel erwartet nun eine Teuerung von 5,8 Prozent (2023) und 2,1 Prozent (2024).

Historisch hoch bleibt aber die sogenannte Kerninflation – also ohne Energie. Sie liegt im nächsten Jahr bei 2,9 Prozent, im langjährigen Durchschnitt sind es 1,4 Prozent.

Konsum zieht an, Dienstleistungsbranchen legen zu

Die Kaufkraft vieler Menschen nimmt dank kräftiger Verdienstzuwächse und höherer Sozialleistungen bei gleichzeitig geringerem Preisauftrieb bereits im weiteren Verlauf des Jahres merklich zu. Dies verleiht dem zuletzt sehr schwachen privaten Konsum Auftrieb, auf Jahressicht zeigt sich dies erst in den Werten für 2024 (2,7 Prozent), nach einem Rückgang um 1 Prozent im laufenden Jahr.

„Ein Teil des drastischen Preisauftriebs, der zunächst die Gewinnmargen steigen ließ, kommt nun in Form von höheren Löhnen bei den Arbeitnehmerhaushalten an. Damit normalisiert sich das Verteilungsgefüge, was dem Konsum zugutekommt, ohne die Inflation kostenseitig anzutreiben“, so Kooths.

Davon profitieren vor allem die Dienstleistungsbranchen, also etwa der Einzelhandel oder das Hotel- und Gaststättengewerbe. Sie können wieder kräftige Anstiege in der Wertschöpfung erwarten und die zuvor erlittenen Einbußen allmählich wettmachen.

Arbeitsmarkt robust, staatliches Defizit sinkt

Die Krise am Bau infolge gestiegener Zinsen und weiterhin sehr hoher Baupreise setzt sich fort, vor allem im Wohnungsbau sind die Investitionen mit -4,2 Prozent (2023) und -3 Prozent (2024) spürbar rückläufig.

Auf dem Arbeitsmarkt bleiben die Auswirkungen der Energiekrise überschaubar. Die Arbeitslosenquote dürfte von 5,3 Prozent (2022) leicht auf 5,6 Prozent (2023) steigen und anschließend wieder auf 5,3 Prozent (2024) sinken. Wegen des Alterns der Bevölkerung dürfte die Erwerbstätigkeit im laufenden Jahr mit gut 45,9 Millionen Beschäftigten ihren Zenit erreichen und anschließend sinken.

Die Fehlbeträge in den öffentlichen Haushalten sinken. Maßgeblich sind der Wegfall krisenbezogener Ausgaben und steigende Einnahmen der Sozialversicherungen. Das staatliche Defizit sinkt von 2,7 Prozent (2022) auf 1,7 Prozent (2023) und 0,9 Prozent (2024). Der Schuldenstand im Verhältnis zum BIP liegt dann bei 63 Prozent.

Aussichten für Weltkonjunktur etwas aufgehellt

Die Weltproduktion dürfte nach 3,3 Prozent im letzten Jahr um 2,8 Prozent (2023) und 3,0 Prozent (2024) steigen. Positiv wirkt, dass die Energiepreise wieder deutlich gesunken sind, sich in China mit der Abkehr von der Null-Covid-Politik die Aussichten auf eine stetige Expansion verbessert haben und Lieferengpässe die wirtschaftliche Aktivität nicht mehr ungewöhnlich stark behindern. Bremsend wirkt allerdings die scharfe Straffung der Geldpolitik, die zu deutlich höheren Finanzierungskosten geführt hat und die Ausgabenneigung verringert.

Quelle: Institut für Weltwirtschaft Kiel

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juni 2023

Nach zwei Quartalen in Folge mit negativem Wachstum im Winterhalbjahr 2022/23 deuten lt. BMWK aktuelle Konjunkturindikatoren einen verhaltenen Start in das zweite Quartal an.

BMWK, Pressemitteilung vom 14.06.2023

  • Nach zwei Quartalen in Folge mit negativem Wachstum im Winterhalbjahr 2022/23 deuten aktuelle Konjunkturindikatoren einen verhaltenen Start in das zweite Quartal an. Nach gängiger Definition befand sich die deutsche Wirtschaft demnach in einer „technischen Rezession“. Die Belastungen aus den Energiepreissteigerungen, der weltwirtschaftlichen Schwäche und den ungünstigeren Finanzierungsbedingungen wirken noch nach und verzögern die erwartete konjunkturelle Erholung.
  • Die konjunkturelle Grunddynamik in der Industrie hat sich abgeschwächt. Die Industrieproduktion blieb im April nahezu unverändert, nachdem sie im März mit -2,0 Prozent deutlich gefallen war. Die Auftragseingänge sanken im April leicht (-0,4 Prozent), nachdem es im Vormonat zu einem starken Einbruch gekommen war (-10,9 Prozent).
  • Nachdem sich die Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz) im März spürbar verringert hatten, kam es im April zu einer gewissen Erholung. Die Stimmung unter den Verbrauchern hellte sich weiter auf, aber die Verbesserung fiel nur noch gering aus. Insgesamt lag das Konsumklima immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau, weil die hohe Inflation weiterhin belastet.
  • Der Auftrieb der Verbraucherpreise hat sich im Mai weiter abgeschwächt, die Inflationsrate lag bei 6,1 Prozent. Auch die Rate der Kerninflation ging leicht auf 5,4 Prozent zurück. Im weiteren Jahresverlauf ist mit Basiseffekten infolge der Entlastungsmaßnahmen vor einem Jahr zur Dämpfung der Preiserhöhungen zu rechnen, die temporär den Preisauftrieb wieder verstärken dürften.
  • Am Arbeitsmarkt hat die konjunkturelle Abschwächung im zurückliegenden Winterhalbjahr zu einer nachlassenden Dynamik geführt. Die registrierte Arbeitslosigkeit erhöhte sich weiter leicht.
  • Perspektivisch sprechen die rückläufigen Preise auf den globalen Energiemärkten, die weiter nachlassende Inflationsdynamik, die höheren Lohnabschlüsse und die erwartete weltwirtschaftliche Belebung für eine moderate konjunkturelle Erholung der deutschen Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf.

Verhaltener Start in das zweite Quartal

Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Frühsommer weiterhin in schwierigem Fahrwasser. Zwar legte die reale Wertschöpfung im ersten Quartal um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu; nach der detaillierten Meldung des Statistischen Bundesamtes vom 25.05. lag das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt aber um 0,3 Prozent unter dem Vorquartalsniveau. Mit dem vorherigen Rückgang im vierten Quartal 2022 ist damit die Definition einer „technischen“ Rezession erfüllt. Ursächlich hierfür waren neben dem erneut rückläufigen realen privaten Konsum (-1,2 Prozent) und dem Staatskonsum (-4,9 Prozent) auch Sonderentwicklungen infolge der umfangreichen staatlichen Stabilisierungs- und Unterstützungsmaßnahmen, die rechnerisch das BIP-Wachstum gedämpft haben. Eine „ökonomische“ Rezession im Sinne eines länger anhaltenden, tiefen Einbruchs der Wirtschaftsleistung bei unterausgelasteten Kapazitäten, sinkenden Investitionen, einem Rückgang der Beschäftigung und steigender Arbeitslosigkeit ist allerdings derzeit nicht zu erkennen. Vielmehr lag die Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe im ersten Quartal nach Angaben des ifo Instituts über dem langjährigen Mittelwert, die Beschäftigung nahm im Vorquartalsvergleich um +0,3 Prozent zu und die Investitionstätigkeit stieg preis-, saison- und kalenderbereinigt mit +3,0 Prozent kräftig.

Gleichwohl deuten aktuelle Konjunkturindikatoren noch nicht auf eine spürbare Belebung im zweiten Quartal hin: Die Auftragseingänge verringerten sich im April nach dem Einbruch im März erneut, wobei zuletzt auch Großaufträge die monatliche Entwicklung bestimmten. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe legte im April leicht zu, im Baugewerbe sogar recht deutlich. Insgesamt aber konnte der deutliche Rückgang vom Vormonat nicht ausgeglichen werden. Auch Stimmungs­indikatoren wie der ifo Geschäftsklimaindex deuten zuletzt auf eine weniger positive Lageeinschätzung und Perspektive in der Wirtschaft hin. Die erwartete konjunkturelle Erholung in Deutschland scheint sich damit weiter zu verzögern.

Dennoch ist vor dem Hintergrund der rückläufigen Preise auf den globalen Energiemärkten, einer weiter nachlassenden Inflationsdynamik, höheren Lohnabschlüssen und einer erwarteten weltwirtschaftlichen Belebung von einer moderaten konjunkturellen Erholung der deutschen Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf auszugehen.

Welthandel tritt noch auf der Stelle

Während die weltweite Industrieproduktion im Berichtsmonat März im Vergleich zum Vormonat stagnierte (-0,1 Prozent), nahm der Welthandel zuletzt wieder etwas zu (+1,5 Prozent). Die globalen Containerumschläge (RWI/ISL-Containerumschlagindex) signalisieren im Berichtsmonat April saisonbereinigt eine moderate Belebung des Welthandels, vor allem aufgrund der deutlichen Ausweitung des Umschlags in den chinesischen Häfen. Auch in Europa deutet sich eine Stabilisierung an. Der Nordrange-Index ist gegenüber März 2023 auf 96,4 Punkte gestiegen, die Trendkomponente weist aber immer noch abwärts. Laut den Schiffbewegungsdaten des Kiel-Trade-Indikator dürfte sich der globale Handel im Mai seitwärts bewegen.

Die OECD erwartet in ihrer aktuellen Prognose vom Juni 2023 eine verhaltene Erholung der weltwirtschaftlichen Aktivität. Die Weltwirtschaft dürfte demnach in diesem Jahr um 2,7 Prozent und im kommenden Jahr um 2,9 Prozent wachsen. Während die wirtschaftliche Aktivität im Euroraum (+0,9 Prozent) und in den USA (+1,6 Prozent) nur schleppend zulegen dürfte, erwartet die OECD deutlichere Impulse für die Weltwirtschaft von den Schwellenländern (insb. China: +5,4 Prozent, Indien: +6,0 Prozent).

Verhaltene Impulse vom Außenhandel

Die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen haben nach dem deutlichen Rückgang im März (-4,4 Prozent) im April mit +0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat wieder etwas zugenommen. Dennoch lagen sie beim Start in das zweite Quartal um 1,3 Prozent unter dem Durchschnitt des Vorquartals. Während die Lieferungen in große Schwellenländer (Brasilien, Mexiko, Indien) nach ersten Schätzungen zuletzt zurückgingen, nahmen die Exporte in die EU wieder zu. Die nominalen Einfuhren von Waren und Dienstleistungen waren im April sowohl gegenüber März 2023 (-0,6 Prozent) als auch gegenüber dem Durchschnitt des ersten Quartals (-2,0 Prozent) weiter rückläufig. Die Wareneinfuhren aus Russland reduzierten sich noch einmal um 8,8 Prozent. Binnen Jahresfrist liegt der Rückgang nunmehr bei fast 90 Prozent.

Im Zuge der gegenläufigen Entwicklung der Aus- und Einfuhren nahm der monatliche Handelsbilanzüberschuss zuletzt wieder von 12,1 Mrd. Euro im März auf 14,2 Mrd. Euro im April zu.

Die Entwicklung der Außenhandelspreise folgt weiterhin den rückläufigen Energie- und Rohstoffpreisen sowie der Entspannung bei den Lieferketten- und Materialengpässen. Die Terms of Trade verbesserten sich im April erneut um 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat, da sich die Einfuhren stärker verbilligten (-1,7 Prozent) als die Ausfuhren (-0,4 Prozent). In realer Betrachtung dürfte der Anstieg der Exporte im April also etwas stärker ausgefallen sein, die Importe dürften real ebenfalls leicht gestiegen sein.

Die Frühindikatoren geben aktuell verhalten positive Signale für den Außenhandel. Der Stimmungsindikator von S&P Global liegt seit Februar über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und hat im Mai einen Wert von 54,4 erreicht. Impulse kamen dabei allerdings nur aus dem Dienstleistungsbereich. Die Stimmung in der Industrie hat sich zuletzt nicht verbessert, der Index verharrt seit März bei 49,6 Punkten. Stützend dürfte auch die Entspannung bei den Lieferketten wirken. Im April berichteten nur noch 35,3 Prozent der vom ifo Institut befragten Industrieunternehmen von Materialengpässen, nach 39,2 Prozent im März.

Dagegen gingen die Auftragseingänge aus dem Ausland im Vormonatsvergleich nach dem Einbruch im März (-13,1 Prozent) im April noch einmal um 1,8 Prozent zurück. Sowohl die Bestellungen aus dem Euroraum (-2,7 Prozent) als auch aus dem Nicht-Euroraum (-1,1 Prozent) verringerten sich. Auch im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich lagen die Auftragseingänge aus dem Ausland im Minus (-2,3 Prozent).

Die ifo Exporterwartungen haben sich im Mai mit einem Saldo von +1,8 Punkten wieder etwas eingetrübt, nachdem sie zuvor zwei Monate in Folge gestiegen waren. Sofern die Exporterwartungen im Juni nicht weiter zurückgehen, weist der Trend aber immer noch auf einen verhaltenen Anstieg der Ausfuhren im zweiten Quartal hin. Die Schiffbewegungsdaten des Kiel-Trade-Indikator deuten für die (realen) deutschen Exporte eine moderate Zunahme im Mai gegenüber dem Vormonat an.

Produktion stabilisiert sich nach Dämpfer

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im April gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent gestiegen, nachdem sie im März deutlich gefallen war (aufwärtsrevidiert von -3,4 Prozent auf -2,1 Prozent). Der Ausstoß in der Industrie blieb im April nahezu unverändert (+0,1 Prozent), im Baugewerbe kam es zu einem Plus von 2,0 Prozent. Der Bereich Energie meldete einen Rückgang um 1,5 Prozent.

In den Wirtschaftszweigen der Industrie verlief die Entwicklung differenziert: Die Hersteller von pharmazeutischen Erzeugnissen steigerten ihre Produktion kräftig um 6,4 Prozent. Die gewichtigen Bereiche Kfz und Kfz-Teile sowie Maschinenbau verzeichneten hingegen Abnahmen um 0,8 Prozent bzw. 0,5 Prozent. Auch die meisten der besonders energieintensiven Wirtschaftszweige haben ihren Ausstoß im Vormonatsvergleich zurückgefahren: Herstellung chemischer Erzeugnisse -1,4 Prozent, Kokerei und Mineralölverarbeitung -3,2 Prozent, Glas, Glaswaren und Keramik -2,4 Prozent sowie Papier und Pappe -0,5 Prozent. Die Bereiche Metallerzeugung und -bearbeitung sowie Metallerzeugnisse konnten indes im Vergleich zum Vormonat zulegen (+1,2 Prozent bzw. +0,2 Prozent).

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe sanken im April gegenüber dem Vormonat nur leicht um 0,4 Prozent und entwickelten sich damit nach dem starken Einbruch im März (-10,9 Prozent) auch zu Beginn des zweiten Quartals schwach. Allerdings ist der Vormonatsvergleich aktuell stark durch Schwankungen bei Großaufträgen geprägt, ohne diese ergibt sich im April ein Plus von 1,4 Prozent. Die exportorientierte deutsche Wirtschaft leidet dabei besonders unter der schwachen Weltwirtschaft und dem Rückgang der Bestellungen aus dem Euroraum (-2,7 Prozent). Die Nachfrage im Inland hält sich dagegen vergleichsweise stabil (+1,6 Prozent).

Die konjunkturelle Grunddynamik in der Industrie hat sich spürbar abgeschwächt: Die vorlaufenden Indikatoren zeigen im April zwar teilweise eine gewisse Stabilisierung, nachdem es im März zu deutlichen Rückgängen gekommen war. Die zu beobachtenden hohen Schwankungen, die Revisionsanfälligkeit sowie die zum Teil widersprüchlichen Signale der Indikatoren sind an konjunkturellen Wendepunkten nicht ungewöhnlich. Insgesamt ist von einer zunächst noch verhaltenen konjunkturellen Erholung in der Industrie auszugehen.

Einzelhandelsumsatz legt wieder leicht zu

Die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz sind im April gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozent gestiegen, nachdem es im März zu einem Rückgang um 1,0 Prozent gekommen war. Im Vergleich zum April 2022 meldete der Einzelhandel ein reales Umsatzminus von 4,5 Prozent, was zu einem beträchtlichen Teil die hohen Preissteigerungen widerspiegelt. Der Handel mit Lebensmitteln verzeichnete im April im Vergleich zum Vormonat eine Zunahme des Umsatzes um 0,5 Prozent, gegenüber dem Vorjahresmonat jedoch eine Abnahme um 4,4 Prozent. Damit ist der Umsatz im Einzelhandel mit Lebensmitteln seit 22 Monaten in Folge im Vorjahresvergleich rückläufig. Die Preise für Nahrungsmittel haben sich zwar im April gegenüber dem Vormonat um 0,8 Prozent verringert (Mai: -0,3 Prozent), aber im Vorjahresvergleich ergab sich mit +17,2 Prozent (Mai: +14,9 Prozent) immer noch ein sehr hoher Zuwachs. Nach wie vor sind die Nahrungsmittel der stärkste Treiber der Verbraucherpreise. Der Internet- und Versandhandel verbuchte im April eine Zunahme um 5,6 Prozent (gegenüber Vorjahresmonat -7,2 Prozent).

Die Neuzulassungen von Pkw durch private Halter haben sich im Mai um 3,1 Prozent erholt, nachdem sie allerdings im März und im April um 8,2 Prozent gefallen waren. Die Entwicklung dürfte nach wie vor Folge der verringerten staatliche Förderung von E-Fahrzeugen sein.

Die Frühindikatoren für die Stimmung unter den Verbrauchern senden keine einheitlichen Signale: Zwar ist das GfK Konsumklima im Mai zum achten Mal in Folge gestiegen und für Juni wird eine erneute Verbesserung erwartet. Die Zuwächse fallen jedoch nur noch gering aus und das Niveau liegt nach wie vor sehr niedrig. Die Erholung des GfK-Konsumklimas wurde durch die Energiepreiskrise unterbrochen und das Niveau von vor der Corona-Krise noch nicht wieder erreicht. Bei den ifo Geschäftserwartungen im Einzelhandel kam es im Mai zu einem Zurücksetzer. Aufgrund der weiterhin hohen Inflation ist das Konsumklima immer noch stark belastet, auch wenn die erwarteten Lohn- und Gehaltssteigerungen die Preissteigerungen zumindest teilweise ausgleichen dürften.

Anstieg der Verbraucherpreise weiter rückläufig

Die Inflationsrate (Preisniveauanstieg binnen Jahresfrist) hat sich im Mai merklich auf 6,1 Prozent verringert (April: +7,2 Prozent, März: +7,4 Prozent). Nahrungsmittel verteuerten sich gegenüber dem Vorjahresmonat erneut überproportional (Mai: +14,9 Prozent), allerdings ließ der Preisauftrieb hier weiter nach (April: +17,2 Prozent, März: +22,3 Prozent). Die Energiepreise legten im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat nur noch um 2,6 Prozent zu, deutlich geringer als der Gesamtindex. Einerseits sind die Energiepreise auf den Weltmärkten deutlich rückläufig und die hohen Energiepreissteigerungen im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine fallen seit März aus dem Vorjahresvergleich heraus (Basiseffekt). Andererseits haben die Maßnahmen aus dem dritten Entlastungspaket preisdämpfend gewirkt. Auch die Kernrate (ohne Energie und Nahrung) schwächte sich etwas ab (Mai: +5,4 Prozent gg. Vorjahresmonat, April: +5,8 Prozent).

Der Preisdruck von Seiten der Energieträger hat weiter abgenommen. An den Spotmärkten sind die Preise für Erdgas erneut kräftig gefallen. Aktuell liegt der TTF Base Load mit rd. 30 Euro/MWh wieder auf Vorkrisenniveau. Nach den Höchstständen von über 300 Euro/MWh im August haben dazu dank der anhaltenden Einsparungen und der überwiegend milden Witterung die recht hohen Füllstände beigetragen. Die Markterwartungen deuten allerdings darauf hin, dass die Erdgaspreise in den kommenden Quartalen wieder auf etwa 50 Euro /MWh steigen könnten.

Im weiteren Jahresverlauf ist – auch mit Blick auf die Preiserwartungen der Unternehmen – von einer weiter hohen, aber langsam abflauenden Preisdynamik auszugehen, da der Preisdruck vergangener Kostensteigerungen und Lieferkettenstörungen weitgehend überwälzt wurde, die Energiepreise auf den Weltmärkten aktuell auf Vorkrisenniveau gefallen sind und die geldpolitische Straffung preisdämpfend auf die Nachfrageseite wirkt. Von Juni bis August dürfe allerdings ein temporärer Basiseffekt infolge der vorübergehenden Absenkung der Kraftstoffsteuer und der vorübergehenden Einführung des Neun-Euro-Tickets im Vorjahresvergleich preissteigernd wirken. Ebenso ist im Juli mit einem Basiseffekt aufgrund der Abschaffung der EEG-Umlage vor Jahresfrist und einem weiteren temporären Basiseffekt ab Oktober durch die Absenkung des Umsatzsteuersatzes auf Gas und Fernwärme ein Jahr zuvor bis März 2024 zu rechnen.

Nachlassende Dynamik am Arbeitsmarkt aufgrund konjunktureller Abschwächung im Winterhalbjahr

Die konjunkturelle Abschwächung im Winterhalbjahr 2022/23 zeigt sich auch in einer nachlassenden Dynamik am Arbeitsmarkt: Die registrierte Arbeitslosigkeit erhöhte sich im Mai in saisonbereinigter Rechnung leicht um 9.000 Personen. Fluchtmigration wirkte sich dabei kaum aus: Ohne Berücksichtigung ukrainischer Geflüchteter lag die Zahl in etwa genauso hoch (+8.000 Personen). Sowohl Erwerbstätigkeit (April +18.000 Personen) als auch sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (März +13.000 Personen) stiegen erneut an, auch wenn sich die Zuwächse abschwächten. Die Inanspruchnahme der Kurzarbeit war bis zum aktuellen Rand unauffällig, die Rückgänge der letzten Monate könnten nun aber zum Stillstand gekommen sein. Die Frühindikatoren von IAB und ifo haben sich im Mai eingetrübt. Die Abschwächung bei den Auftragseingängen und inflationsbedingte Kaufkraftverluste führen zu Zurückhaltung bei Verbrauchern und Unternehmen. Der Handel geht von Stellenrückgängen aus, die Dienstleistungsbereiche planen aber weitere Einstellungen. Die gemeldeten Stellen gingen zurück, liegen aber weiter auf hohem Niveau. Die erwartete konjunkturelle Erholung im weiteren Jahresverlauf dürfte dann auch wieder auf dem Arbeitsmarkt zu einer Belebung führen.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

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