Fachkräftemangel: Warum höhere Löhne keine Lösung sind

Immer wieder heißt es, der Fachkräftemangel existiere gar nicht und höhere Löhne würden das Problem zügig lösen. Vertreter dieser Position ignorieren, dass dem Arbeitsmarkt schlicht Hunderttausende passend qualifizierte Fachkräfte fehlen, Tendenz steigend. Darauf weist das IW Köln hin.

IW Köln, Pressemitteilung vom 24.03.2023

Immer wieder heißt es, der Fachkräftemangel existiere gar nicht und höhere Löhne würden das Problem zügig lösen. Vertreter dieser Position ignorieren, dass dem Arbeitsmarkt schlicht Hunderttausende passend qualifizierte Fachkräfte fehlen, Tendenz steigend. Zuletzt fehlten 630.000 Menschen – ähnlich viele Einwohner zählt Stuttgart.

Seit Wochen schwelt eine Debatte über die Ursachen des deutschen Fachkräftemangels. Dabei müssen oft einfache Lösungen für komplexe Probleme herhalten: Verkürzt heißt es dort, einen Fachkräftemangel gebe es nicht, Arbeitgeber müssten bei Löhnen und Gehältern nur tiefer in die Tasche greifen, um diese Stellen zu besetzen. Sogar in manchem deutschen Wirtschaftsforschungsinstitut findet sich diese Ansicht.

Seit Jahrzehnten wird am IW zum Fachkräftemangel geforscht. Mit der IW-Fachkräftedatenbank verfügt das Institut über umfangreiche aktuelle Zahlen, die das wachsende Personalproblem der Unternehmen belegen. Die Daten basieren auf der Arbeitslosen- und Stellenstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) und berücksichtigen rund 1.300 Berufsgattungen. Sie zeigen: Im vergangenen Jahr gab es bundesweit im Schnitt rund 1.339.000 offene Stellen für qualifizierte Fachkräfte, aber nur 968.000 qualifizierte Arbeitslose. Rein rechnerisch fehlten dem Arbeitsmarkt somit mindestens 371.000 Fachkräfte. Erschwerend kommt hinzu, dass Angebot und Nachfrage regional sehr häufig nicht übereinstimmen.

2023 gehen 260.000 mehr Menschen in Rente als Jüngere nachrücken

Deutlich größer wird die Lücke, wenn die einzelnen Qualifikationen berücksichtigt werden: Ein Softwareentwickler kann nicht als Bauingenieur arbeiten und umgekehrt. Unter dieser Prämisse fehlen sogar 630.000 qualifizierte Arbeitskräfte. Zum Vergleich: So viele Menschen leben in Stuttgart. Und das Problem wird nicht kleiner: In diesem Jahr verlassen netto 260.000 Beschäftigte altersbedingt mehr den Arbeitsmarkt als Jüngere nachrücken, Tendenz steigend.

An dieser Lücke würden höhere Löhne allein nichts ändern. Sie können weder kurzfristig dafür sorgen, dass benötigte Qualifikationen entstehen, noch mittelfristig Arbeitsbedingungen und Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt so verändern, dass ausreichend Mobilität entsteht. Stattdessen würden höhere Löhne in Branchen, in denen der Fachkräftemangel besonders groß ist, Dienstleistungen und Waren kurzfristig verteuern, mit drastischen Folgen: Denn die Spielräume sind für die Unternehmen in den letzten Jahren empfindlich geschrumpft. Corona-Pandemie und steigende Preise in Folge des Krieges haben die Kosten erheblich nach oben gedrückt, ganz besonders in der Industrie, die stark vom Fachkräftemangel und den Energiekosten betroffen ist. Zudem droht dann eine Lohn-Preis-Spirale, die die Inflation in Deutschland weiter treiben würde.

Es braucht mehr qualifizierte Einwanderung

„Grundsätzlich gilt, dass Mangelberufe attraktiver werden müssen“, sagt IW-Ökonom und Studienautor Alexander Burstedde. „Viele Berufe, gerade im Handwerk, müssen für junge Menschen zu einer echten Alternative werden. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, Beruf und Privatleben gut miteinander zu verbinden.“ Allerdings reicht das inländische Potenzial nicht aus, so Burstedde: „Wir müssen qualifizierte Einwanderung fördern und in Zukunft mehr, nicht weniger arbeiten. Dafür braucht es auch mehr verlässliche Kinderbetreuung. Nur so lassen sich wichtige Zukunftsprojekte stemmen, nur so werden Ziele in der Digitalisierung und im Kampf gegen den Klimawandel erreicht.“

Quelle: IW Köln

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Für eine sichere Energieversorgung bis 2030

Das Klimaschutzgesetz verpflichtet Deutschland, bis 2045 klimaneutral zu sein. Die DIHK unterbreitet der Politik Vorschläge für eine resiliente und klimafreundliche Energieversorgung.

DIHK, Mitteilung vom 23.03.2023

Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden – und schon bis 2030 die Treibhausgasemission um 65 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 reduzieren. Doch Russlands Angriff auf die Ukraine und die daraus folgende Energiekrise erschweren die Zielerreichung.

Die schwerste Energiekrise in der Geschichte der Bundesrepublik setzt die Wirtschaft unter Druck: Die hohen Energiepreise und die unsichere Versorgung bereiten Unternehmen weiterhin große Sorgen und bedrohen ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten. Nun steht die deutsche Wirtschaft vor zwei Herausforderungen: sich von der Krise zu erholen und gleichzeitig klimaneutral zu werden. In einem Positionspapier hat die DIHK wesentliche Punkte für eine künftig sichere und klimafreundliche Energieversorgung formuliert.

Ein resilienter Mix aus erneuerbaren und anderen Energieträgern

Auf dem Weg zur Klimaneutralität spielen erneuerbare Energien eine entscheidende Rolle – denn sie tragen dazu bei, CO2-Emission zu reduzieren. Allerdings ist der Ausbau in Deutschland nach wie vor zu langsam. Es ist zur Beschleunigung dringend erforderlich, mehr Fläche für Wind- und Photovoltaik-Anlagen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig sollen die Genehmigungsverfahren etwa durch Wegfallen von Prüfschritten beschleunigt werden. Virtuelle langfristige Stromlieferverträge – sog. Virtual Power Purchase Agreements (PPA) – können Unternehmen dazu motivieren, mehr im Ausland in den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren. Hierbei kaufen Unternehmen Herkunftsnachweise für Grünstrom von einem in- oder auch ausländischen Erzeuger, erhalten aber den tatsächlichen Strom von ihren örtlichen Lieferanten.

Neben Wind- und Solarenergie ist Wasserstoff ein Hoffnungsträger und kann Unternehmen mittel- und langfristig dabei helfen, ihre Klimaziele zu erreichen. Daher ist es notwendig, den Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft zu beschleunigen beziehungsweise Betrieben den Bezug von Wasserstoff – auch in großer Menge – zu ermöglichen. Hier ist eine gute Infrastruktur ein entscheidender Faktor. Solange diese nicht vorhanden ist, sollten in der Übergangszeit Unternehmen ihre betrieblichen Klimaneutralitätsziele auch durch den bilanziellen Bezug von Wasserstoff erreichen können. Das heißt: Die Unternehmen kaufen diesen, beziehen aber vorerst weiterhin Erdgas.

Es ist noch ein langer Weg, bis Deutschland klimaneutral ist. Der Wandel des Energiemix von fossilen zu erneuerbaren Energien ist zweifellos eine Herkulesaufgabe. Um zu einer resilienten und wettbewerbsfähigen Energieversorgung zu gelangen, benötigt es in der Übergangszeit verschiedene, vor allem wetterunabhängige Brückentechnologien. Hierzu zählen konventionelle Gasförderung, Wasserkraft, Tiefen-Geothermie und Biomasse. Kraftwerke sollten nur abgeschaltet werden, wenn es ausreichend Ersatz gibt. Daher ist davon auszugehen, dass auch Kohlekraftwerke noch länger zur Absicherung benötigt werden.

Wettbewerbsfähige Preise und Infrastrukturausbau

Die gestiegenen Energiekosten belasten die Wirtschaft enorm – und beeinflussen die Attraktivität des Standorts Deutschland negativ. Obwohl die Politik bereits viele Maßnahmen ergriffen hat, um die Preise zu senken, liegen diese für energieintensive Prozesse und Dienstleistungen deutlich über den Beschaffungskosten in Frankreich oder den USA. Dauerhaft sinken die Energiekosten nur, wenn das Angebot zunimmt. Parallel dazu sind konkrete Entlastungen für Unternehmen notwendig – etwa durch reduzierte Strom- und Energiesteuern auf Gas oder direkte Steuervergünstigungen für Anlagen mit langfristigen Stromlieferverträgen.

Der Ausweitung des Energieangebots verlangt einen Ausbau der Infrastruktur. Ohne entsprechenden Infrastrukturzugang können Unternehmen sich nicht oder nur eingeschränkt an der Energiewende beteiligen. Es ist daher erforderlich, den Ausbau der Netzinfrastruktur – nicht nur national, sondern auch grenzüberschreitend – zu koordinieren, und über alle Energieträger hinweg beschleunigt umzusetzen.

Mehr Offenheit für Innovationen

Neue Technologien und Innovationen sind für eine erfolgreiche Energie- und Klimaschutzpolitik von großer Bedeutung. Sie können dazu beitragen, die Energieeffizienz zu erhöhen. Gleichzeitig erfordern sie besonders hohe Investitionen. An dieser Stelle sollte die Regierung mit geeigneter und technologieoffener Förderungspolitik die Betriebe verstärkt unterstützen. Wichtig ist auch der der Wissensaustausch zwischen Wissenschaft und Unternehmen, aber auch zwischen Unternehmen untereinander. Bürokratische Nachweis- und Berichtspflichten sind hingegen kontraproduktiv.

Verstärkte Kooperation mit EU-Staaten, aber auch mit Drittländern

Für eine stärkere Resilienz der europäischen Energieversorgung ist es sinnvoll, die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten etwa beim Ausbau erneuerbarer Energien auszuweiten. Gleichzeitig werden Kooperationsmöglichkeiten mit Ländern außerhalb der Europäischen Union immer wichtiger. Schließlich bleibt die deutsche Wirtschaft dauerhaft auf Energie- und Rohstoffimporte angewiesen. Der Ausbau von diversifizierten Energiepartnerschaften kann hierbei Abhängigkeiten von einzelnen Lieferländern reduzieren.

Quelle: DIHK

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Gesucht werden: Arbeitnehmer mit digitalen Kenntnissen

Arbeitnehmer mit digitalen Kenntnissen werden von den Firmen besonders gesucht. Das geht aus einer ifo-Auswertung von 1,8 Millionen Online-Stellenanzeigen von Unternehmen in München und Oberbayern im Zeitraum 2019 bis Mitte 2022 hervor.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 23.03.2023

Arbeitnehmer mit digitalen Kenntnissen werden von den Firmen besonders gesucht. Das geht hervor aus einer ifo-Auswertung von 1,8 Millionen Online-Stellenanzeigen von Unternehmen in München und Oberbayern im Zeitraum 2019 bis Mitte 2022. Dabei wurden digitale Fähigkeiten in 70 Prozent der ausgewerteten Stellenanzeigen gefordert. „Für Beschäftigte sind neben Fachwissen zunehmend Fähigkeiten wichtig, die sie anpassungsfähig an den technischen Wandel machen“, erläutert Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

„Unternehmen erwarten insbesondere digitale Fähigkeiten sowie Problemlösefähigkeit und Flexibilität, die für eine Vielzahl an Tätigkeiten nützlich sind“, fügt er hinzu. „Bei den digitalen Kompetenzen sind nicht nur Anwendungskompetenzen gefragt, sondern auch die Analyse großer Datenmengen oder die Beherrschung der Cloud gewinnen an Bedeutung. Erwartungsgemäß führen die IT-Dienstleistungen und die Telekommunikationsbranche die Rangliste bei diesen technischen Digitalkenntnissen an, aber auch die Automobilbranche und der Maschinenbau sind ganz vorne mit dabei“, erläutert Falck. Er ist Mitautor einer ifo-Studie zu den Kompetenzen und Fähigkeiten in der modernen Arbeitswelt.

Quelle: ifo Institut

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Sachverständigenrat zur Wirtschaftsentwicklung – Konjunkturprognose leicht verbessert

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung rechnet für 2023 und 2024 mit einer etwas besseren wirtschaftlichen Entwicklung. Das geht aus seiner aktualisierten Konjunkturprognose hervor, über die die Bundesregierung informiert.

Bundesregierung, Mitteilung vom 22.03.2023

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung rechnet für 2023 und 2024 mit einer etwas besseren wirtschaftlichen Entwicklung. Das geht aus seiner aktualisierten Konjunkturprognose hervor. Der Arbeitsmarkt sei stabil, die Lage der öffentlichen Finanzen gebe Anlass zu Optimismus.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) hat die Konjunkturprognose für 2023 und 2024 leicht nach oben korrigiert. Das teilte der Sachverständigenrat am Mittwoch in einer Aktualisierung der Konjunkturprognose vom 9. November 2022 mitgeteilt.

Für Deutschland erwartet der Sachverständigenrat nun, dass das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent im laufenden Jahr und um 1,3 Prozent im nächsten Jahr wachsen wird – etwas mehr als noch im Herbst vorhergesagt. Die Inflation dürfte im Verlauf des Jahres zwar abnehmen, bleibe aber laut der Prognose mit durchschnittlich 6,6 Prozent deutlich erhöht.

Stabiler Arbeitsmarkt, Optimismus bei öffentlichen Finanzen

Trotz der insgesamt weiterhin angespannten wirtschaftlichen Lage prognostiziert der SVR einen stabilen Arbeitsmarkt. Die Erwerbstätigkeit dürfte bis Ende 2024 leicht zunehmen, die Löhne deutlich steigen. Aber erst 2024 sei damit zu rechnen, dass die Löhne stärker zunehmen als die Inflation.

Die Lage der öffentlichen Finanzen sieht der SVR 2023 und 2024 deutlich optimistischer als zuletzt. Grund hierfür sei, dass insbesondere die erwarteten Ausgaben für die Energiepreisbremsen erheblich niedriger ausfallen als im Herbst 2022 angenommen.

Die Stabilität der Finanzmärkte sei aktuell nicht gefährdet – trotz der gestiegenen Unsicherheit. Anders als in der globalen Finanzkrise basierten die Schwierigkeiten einzelner Banken nicht auf weitgehend wertlosen Finanzprodukten. Zudem seien derzeit der Interbankenmarkt und die Kreditversorgung der Realwirtschaft nicht gestört.

Weitere Informationen zur aktualisierten Konjunkturprognose für die Jahre 2023 und 2024 finden Sie beim Sachverständigenrat.

Quelle: Bundesregierung

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Roundtable Mittelstand – Fit für den Wandel?!

Mittelständische Unternehmen stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Gleichzeitig gestalten sie schon heute den Wandel zu einer digitalen und nachhaltigen Wirtschaft durch ihre Ideen, Innovationen und ihr Engagement tatkräftig mit. Der Roundtable Mittelstand diskutierte, wie die Unternehmen die aktuellen Herausforderungen meistern können. Das IfM Bonn berichtet.

IfM Bonn, Pressemitteilung vom 22.03.2023

Roundtable Mittelstand diskutierte, wie die Unternehmen die aktuellen Herausforderungen meistern können

„Mittelständische Unternehmen stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Gleichzeitig gestalten sie schon heute den Wandel zu einer digitalen und nachhaltigen Wirtschaft durch ihre Ideen, Innovationen und ihr Engagement tatkräftig mit. Aufgabe der Mittelstandspolitik ist es, sie auf diesem Weg weiter zu unterstützen“, mit diesen Worten eröffnete am 22.03.2023 Dr. Armgard Wippler, Leiterin der Unterabteilung für Mittelstandspolitik, Dienstleistungswirtschaft und Corona-Programme, den Roundtable Mittelstand. Rund 30 Vertreterinnen und Vertreter von wissenschaftlichen Instituten, Wirtschaftsverbänden, von der KfW Bankengruppe, der OECD sowie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen nahmen wiederum an dieser jährlich stattfindenden Veranstaltung teil.

Flexibilität und Kreativität führen zu Veränderungen

Wie die mittelständischen Unternehmen mit diesen Herausforderungen umgehen – und wie sie sich im besten Fall sogar wirtschaftlich weiterentwickeln, legte Prof. Dr. Friederike Welter am Beispiel der IfM-Studie „Die Auswirkungen der Innovationstätigkeit von KMU in Krisenzeiten auf ihre wirtschaftliche Entwicklung“ dar. Dieser zufolge hat sich der Anteil der innovationsaktiven Unternehmen während der Corona-Pandemie allein im Jahr 2021 verdoppelt. Schließlich mussten viele Unternehmerinnen und Unternehmer im Zuge der wirtschaftlichen Folgen ihre Geschäftsmodelle oder -prozesse ändern.

Am Vergleich zwischen jungen und etablierten Unternehmen und anhand der Daten aus dem Global Entrepreneurship Monitor erläuterte Dr. Natalia Gorynia-Pfeffer (RKW Kompetenzzentrum), wie sich generell das Verhalten der Unternehmerinnen und Unternehmer durch die jüngsten Herausforderungen geändert hat: So würden mittlerweile junge Unternehmen nicht nur digitaler starten, sondern auch nachhaltiger. Auch würden Gründende häufiger soziale Aspekte in ihrem Unternehmen einführen als etablierte Unternehmerinnen und Unternehmer.

Allerdings ist nach Aussagen von Dr. Dominika Wach (Technische Universität Dresden) unternehmerische Tätigkeit schon zu normalen Zeiten durch zahlreiche Stressoren gekennzeichnet. In Zeiten wirtschaftlicher Krisen und Unsicherheiten kann dies jedoch das Wohlbefinden von Unternehmerinnen und Unternehmern gefährden. In ihrem Vortrag berichtete sie, welche Erholungsstrategien Unternehmerinnen und Unternehmer während und nach der Arbeit anwenden: „Unsere Studienergebnisse zeigen, dass sie besonders viel Wert auf die eigene Kontrolle über ihre arbeitsfreie Zeit legen. Darüber hinaus bevorzugen sie Erholungsstrategien mit dem Fokus auf das Schlafverhalten, soziale Beziehungen, körperliche Aktivität sowie auf die Fähigkeit, von arbeitsbezogenen Inhalten abschalten zu können.“

Konsequenter Hürden abbauen

Die größte Herausforderung bleibt für die mittelständischen Unternehmen jedoch der Fachkräftemangel: „Bei unserer Befragung für das Zukunftspanel Mittelstand bezeichneten erneut die Führungskräfte in mittelständischen Unternehmen diese Herausforderung als am bedeutsamsten für ihre aktuelle und zukünftige wirtschaftliche Entwicklung“, sagte Dr. Siegrun Brink (IfM Bonn). Erst auf den Plätzen danach würden die Herausforderungen „Klimawandel und Nachhaltigkeit““, „Energieversorgung und -sicherheit“, „Digitalisierung“ sowie „Inflation/Krisen“ folgen. Dr. Christoph Sajons (ifm Mannheim) zeigte in diesem Zusammenhang auf, welche Faktoren die Entscheidung von Unternehmen zur Ausbildung von Geflüchteten positiv beeinflussen können: „Neben den klassischen Faktoren wie fortgeschrittenen Deutschkenntnissen und einem sicheren Aufenthaltsstatus sind vor allem die weichen Faktoren Disziplin und Motivation entscheidend. Um diese bei einer Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz effektiv signalisieren zu können, sind schriftliche Nachweise erfolgreich absolvierter Praktika und geringer Fehlzeiten bei Bildungsangeboten sehr hilfreich und sinnvoll“. Außerdem könnten Politik und Verbände durch die flächendeckende Einführung von Kombimodellen für Spracherwerb und Ausbildung zu einer besseren Ausbildungsquote von Geflüchteten beitragen.

Allerdings habe sich infolge der Inflation und der steigenden Zinssätze seit 2022 die Zugänglichkeit und die Kosten der Fremdfinanzierung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verschlechtert. Dr. Nicola Brandt (OECD Berlin Centre) forderte daher die Regierungen auf, noch mehr die Diversifizierung der Finanzierungsinstrumente und -kanäle für KMU zu fördern, damit diese ihre Widerstandsfähigkeit ausbauen und beispielsweise Investitionen in die Digitalisierung und die Ökologisierung fortführen könnten.

Quelle: IfM Bonn

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Kiel Trade Indicator: Schwächerer Handel führt zu weniger Schiffsstaus

Der weltweite Warenverkehr präsentiert sich laut jüngstem Update des IfW-Kiel Trade Indicator im März kraftlos. Für Deutschland zeichnet sich ein Rückgang sowohl bei Importen als auch Exporten ab.

IfW Kiel, Mitteilung vom 21.03.2023

Der weltweite Warenverkehr präsentiert sich laut jüngstem Update des Kiel Trade Indicator im März kraftlos (Monat zu Monat, preis- und saisonbereinigt). Anhand der ersten Daten des laufenden Monats sieht der Algorithmus sowohl den Welthandel insgesamt als auch die Warenströme vieler Volkswirtschaften im Vergleich zum Februar im roten Bereich. Chinas Ausfuhren dürften erneut sinken und damit ihren negativen Trend fortsetzen. Für Deutschland zeichnet sich ein Rückgang sowohl bei Importen als auch Exporten ab. „Nach dem schwachen Winterhalbjahr lässt ein breit angelegter Handelsaufschwung auf sich warten“, sagt Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator.

Der schwächere Handel führt zu Entspannung im Containerschiffnetzwerk. Der Anteil aller weltweit verschifften Waren, die im Stau stecken, fällt erstmals seit 2,5 Jahren wieder unter 8 Prozent. „Bis zu dieser Marke sind Schiffsstaus im historischen Vergleich normal“, so Stamer. „Der maritime Handel kehrt langsam, aber sicher in den Gleichschritt zurück.“

Quelle: IfW Kiel

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Großunternehmen halten Klimaneutralität und Wettbewerbsfähigkeit für vereinbar

Die Mehrheit der deutschen Großunternehmen erwartet, dass der Umbau der deutschen Wirtschaft hin zur Klimaneutralität keine negativen oder sogar positive Auswirkungen auf ihre eigene internationale Wettbewerbsfähigkeit haben wird. Dies zeigen Befragungsergebnisse im Rahmen des KfW-Klimabarometers.

KfW, Mitteilung vom 20.03.2023

Deutschland will bis zum Jahr 2045 klimaneutral werden. Das sich damit verändernde wirtschaftliche und regulatorische Umfeld ist insbesondere für stark im internationalen Wettbewerb stehende Unternehmen eine Herausforderung. Gleichzeitig ergeben sich aus dem weltweit steigenden Bedarf an Klimaschutztechnologien und treibhausgasneutralen Produkten auch Wachstumschancen für deutsche Unternehmen.

Die Mehrheit der deutschen Großunternehmen erwartet, dass der Umbau der deutschen Wirtschaft hin zur Klimaneutralität keine negativen oder sogar positive Auswirkungen auf ihre eigene internationale Wettbewerbsfähigkeit haben wird. Auch der Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt dürfte ihrer Einschätzung nach durch die grüne Transformation an Attraktivität gewinnen. Dies zeigen Befragungsergebnisse im Rahmen des KfW-Klimabarometers. Entscheidend wird jedoch die Rahmensetzung durch die nationale und EU-Klimapolitik sein.

Quelle: KfW

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ZEW-Konjunkturerwartungen sinken deutlich

Die ZEW-Konjunkturerwartungen gehen in der aktuellen Umfrage vom März 2023 spürbar zurück. Sie liegen mit 13,0 Punkten um 15,1 Punkte unterhalb des Wertes vom Vormonat. Die Erwartungen liegen damit aber immerhin noch im positiven Bereich.

ZEW, Pressemitteilung vom 21.03.2023

Der ZEW-Indikator liegt bei 13,0 Punkten

Die ZEW-Konjunkturerwartungen gehen in der aktuellen Umfrage vom März 2023 spürbar zurück. Sie liegen mit 13,0 Punkten um 15,1 Punkte unterhalb des Wertes vom Vormonat. Die Erwartungen liegen damit aber immerhin noch im positiven Bereich. Die Einschätzung der konjunkturellen Lage für Deutschland verschlechtert sich minimal. Sie liegt aktuell bei minus 46,5 Punkten und somit 1,4 Punkte unter dem Wert des Vormonats.

„Die internationalen Finanzmärkte stehen stark unter Druck. Diese aktuell hohe Unsicherheit schlägt sich auch in den ZEW-Konjunkturerwartungen nieder. Die Einschätzung zur Ertragsentwicklung der Banken verschlechtert sich ganz erheblich, bleibt allerdings noch leicht positiv. Auch die Einschätzungen zum Bereich Versicherungswirtschaft gehen deutlich zurück“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, PhD die aktuellen Ergebnisse.

Die Erwartungen der Finanzmarktexpertinnen und -experten an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone verschlechtern sich im März ebenfalls erheblich. Sie sinken um 19,7 Punkte und liegen aktuell bei 10,0 Punkten. Der Lageindikator geht um 3,0 Punkte auf einen neuen Stand von minus 44,6 Punkten zurück.

Quelle: ZEW

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Windindustrie braucht schnellere Verfahren und bessere Arbeitsbedingungen, um notwendigen Ausbau stemmen zu können

Deutschland muss mehr erneuerbare Energie gewinnen. Um die Windindustrie wieder zu stärken, sind neben mehr Flächenausweisungen oder schnelleren Genehmigungsverfahren insbesondere bessere Arbeitsbedingungen zentral, auch um die benötigten Fachkräfte für den Ausbau gewinnen zu können. Das ergibt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 20.03.2023

Deutschland muss mehr erneuerbare Energie gewinnen. Der Ausbau der Windenergie stockt jedoch. Um die Windindustrie wieder zu stärken, sind neben mehr Flächenausweisungen oder schnelleren Genehmigungsverfahren insbesondere bessere Arbeitsbedingungen zentral, auch um die benötigten Fachkräfte für den Ausbau gewinnen zu können. Der Staat kann unter anderem mit weiterentwickelten Ausschreibungsbedingungen für Windprojekte auch dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Das ergibt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung.

Ohne mehr Windräder keine Energiewende, ohne Energiewende wären die gesteckten Klimaziele Makulatur. Die Windindustrie ist daher eine Schlüsselbranche, die prosperieren sollte. Davon ist sie jedoch weit entfernt: „Der deutsche Markt ist seit dem Jahr 2017 massiv eingebrochen. Die Ausbauzahlen sind sowohl an Land als auch auf See in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. In der Folge hat auch die Windindustrie in Deutschland deutlich an Substanz verloren. Ein signifikanter Teil der Unternehmen der Branche ist in den vergangenen Jahren vom Markt verschwunden.“ Das schreibt ein Forschungsteam von der Bremer Agentur für Struktur- und Personalentwicklung in der neuen Branchenanalyse, die die Hans-Böckler-Stiftung in Kooperation mit der IG Metall gefördert hat.

Politische Entscheidungen wie die auf möglichst niedrige Preise ausgerichtete Ausschreibungspolitik für Windprojekte ab 2017 und strenge Abstandsregelungen in verschiedenen Bundesländern haben deutliche Spuren hinterlassen. In den Jahren 2017 bis 2019 hat die Branche über 40.000 Arbeitsplätze verloren – und damit auch viel Knowhow. Die Fertigungstiefe hat stark abgenommen, seit dem vergangenen Jahr werden in Deutschland zum Beispiel keine Rotorblätter für Windräder mehr hergestellt. Größere, international tätige Firmen haben wichtige Teile der Produktion ins Ausland verlagert, unter anderem weil bei Ausschreibungen in etlichen Ländern gefordert wird, dass wesentliche Teile der Wertschöpfung vor Ort („local content“) stattfinden.

Fortschritt durch Osterpaket, doch weiter erheblicher Verbesserungsbedarf

Was muss geschehen, damit es mit der deutschen Windbranche wieder bergauf geht? Das Bremer Expertenteam macht in seiner Analyse eine Reihe von Faktoren aus. Zunächst müssten mehr neue Flächen ausgewiesen und Projekte schneller genehmigt werden. Dazu gehöre auch, für mehr Personal und eine bessere technische Ausstattung in den Behörden zu sorgen. Mit den Oster- und Sommerpaketen von 2022 setzt die Bundesregierung bereits bei Flächenausweisung und Genehmigungsverfahren an, die politischen Rahmenbedingungen, Förderungsregularien und Vergabekriterien, seien aber weiterhin verbesserungsbedürftig, so die Forschenden. Denn die Branche steht, wie etwa viele Betriebsräte monieren, seit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes von 2017 unter enormem Kostendruck. In der Folge werde häufig gespart statt investiert.

Staatliche Unterstützung und weitere Forschungsförderung wäre auch bei der Entwicklung neuer Technologien hilfreich. Hier geht es vor allem um schwimmende Windräder, die weit vor der Küste installiert werden könnten, oder Anlagen, die den vom Windrad erzeugten Strom unmittelbar zur Erzeugung grünen Wasserstoffs nutzen. Zudem wäre es laut den Experten und Expertinnen sinnvoll, Allianzen zwischen Windbranche und Werftindustrie zu bilden, wenn es um Off-Shore-Projekte geht. Ein anderes Feld, auf dem noch viel zu tun ist, wäre die Verbesserung der Ökobilanz der Windindustrie selbst. Hier geht es insbesondere um das Recycling der riesigen Rotorblätter, die aus schwer zu trennenden Verbundmaterialien hergestellt sind.

Bezahlung nach Tarif, lokale Wertschöpfung als zusätzliche Kriterien bei Ausschreibungen

Der letztlich entscheidende Faktor ist der Untersuchung zufolge aber die menschliche Arbeit: Die Branche braucht hoch qualifizierte Beschäftigte, die sie nur bekommt, wenn sie gute Arbeitsbedingungen bieten kann. In dieser Hinsicht steht die Windindustrie jedoch eher bescheiden da. Es ist zu konstatieren, „dass Tarifverträge und Mitbestimmung in der Branche nicht die Regel sind“. Nach einer Befragung von Betriebsräten liegt die Tarifbindung unter 40 Prozent. Auch bei der Qualifizierung und Nachwuchsgewinnung hapert es. Die Ausbildungsquote liegt bei gerade einmal 3,6 Prozent – verglichen mit rund 6 Prozent im gesamten Maschinenbau.

Die Autorinnen und Autoren der Branchenstudie schlagen daher vor, eine „Arbeitsmarktstrategie zur Erreichung der Energiewende-Ziele“ zu initiieren. Neben Aus- und Weiterbildung müsste es dabei um eine Stärkung der Tarifbindung gehen. Zum Beispiel könnte die Bezahlung nach Tarif als zusätzliches Kriterium bei Ausschreibungen von Windkraftanlagen berücksichtigt werden. Ein weiteres Kriterium könnte der Anteil regionaler Wertschöpfung sein – als Reaktion auf „local-content“-Bestimmungen in vielen anderen Ländern.

Genauso wichtig wie die Arbeitsbedingungen in der Produktion sind diejenigen im Bereich Wartung und Betrieb. Auch für diese Jobs sind hoch qualifizierte Fachkräfte nötig – die nicht nur mit der komplexen Technik zurechtkommen müssen, sondern dies auch in mehr als hundert Metern Höhe bei eisigem Wind und im Offshore-Sektor über dem tosenden Meer. Und das alles bei vergleichsweise unattraktiven Arbeitszeitmodellen, in denen sich mehrtägige Arbeits- und Freizeitphasen abwechseln, weil die Entfernungen für eine tägliche Heimreise zu groß sind. Die Forschenden empfehlen, für bessere und attraktivere Jobs an zwei Stellen anzusetzen: Erstens mit einer kritischen Evaluation der Offshore-Arbeitszeitverordnung, bei der insbesondere Beschäftigte zu Wort kommen sollten, die in Offshore-Services arbeiten. Zweitens durch eine Stärkung der – bislang niedrigen – Tarifbindung.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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Erzeugerpreise für Dienstleistungen im Jahr 2022 um 5,5 % gegenüber 2021 gestiegen

Die Erzeugerpreise für Dienstleistungen in Deutschland stiegen im Jahresdurchschnitt 2022 um 5,5 % gegenüber dem Jahr 2021. Gegenüber dem Vorjahr fiel der Preisanstieg damit etwas geringer aus (2021 zu 2020: +8,0 %). Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, schwächte sich der Anstieg zuletzt ab.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 21.03.2023

Steigende Kraftstoffpreise sowie Fachkräftemangel und Mindestlohnerhöhung bewirken steigende Erzeugerpreise für Dienstleistungen

Die Erzeugerpreise für Dienstleistungen in Deutschland stiegen im Jahresdurchschnitt 2022 um 5,5 % gegenüber dem Jahr 2021. Gegenüber dem Vorjahr fiel der Preisanstieg damit etwas geringer aus (2021 zu 2020: +8,0 %). Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, schwächte sich der Anstieg zuletzt ab, die Erzeugerpreise für Dienstleistungen stiegen im 4. Quartal 2022 gegenüber dem 4. Quartal 2021 mit +0,9 % nur noch geringfügig. Im Vergleich mit dem 3. Quartal 2022 gab es mit -2,7 % sogar einen Preisrückgang.

Stärkster Anstieg im Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei: +9,6 % gegenüber dem Vorjahr

Über das gesamte Jahr 2022 gab es mit +9,6 % den größten Anstieg der Erzeugerpreise im Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei. Im Vergleich zum Vorjahr fällt der Preisanstieg jedoch geringer aus (2021 zu 2020: +19,5 %). Maßgeblichen Einfluss hatten die außergewöhnlichen Preisentwicklungen im Wirtschaftszweig See- und Küstenschifffahrt. Als einziger Wirtschaftszweig innerhalb des Abschnitts verzeichnet die See- und Küstenschifffahrt in 2022 mit +8,0 % einen deutlich geringeren Preisanstieg als im Vorjahr (2021 zu 2020: +111 %). In allen anderen Wirtschaftszweigen war der Preisanstieg 2022 höher als 2021. Der massive Preisanstieg in der See- und Küstenschifffahrt rührte 2021 aus den coronabedingten Verwerfungen im Seehandel, welche in Verbindung mit gestiegenen Treibstoffkosten auch in der ersten Jahreshälfte 2022 noch nachwirkten und die Preise hoch hielten. Im weiteren Jahresverlauf normalisierten sich die Lieferketten zunehmend, was in der Folge im 4. Quartal 2022 zu einem massiven Preisrückgang führte (-35,5 % gegenüber dem Vorjahresquartal).

Demgegenüber führten in den anderen Verkehrsbereichen gestiegene Treibstoffkosten sowie ein Mangel an Lkw-Fahrerinnen und -Fahrern zu höheren Lohnkosten und Laderaumknappheit, was zu deutlich gestiegenen Preisen beitrug. Mit +13,4 % gegenüber 2021 war der Anstieg im Wirtschaftszweig Güterbeförderung im Straßenverkehr innerhalb des Abschnitts insgesamt am größten (2021 zu 2020: +2,6 %) und hat im 4. Quartal 2022 mit einer Preissteigerung von +15,5 % gegenüber dem Vorjahresquartal einen neuen Höchstwert erreicht. Ebenfalls stark betroffen ist der Wirtschaftszweig Spedition mit einem Anstieg von +12,1 % gegenüber dem Vorjahr, vor allem bedingt durch die Kraftwagenspedition.

Mit +11,1 % gegenüber 2021 verzeichneten auch die Preise für Luftfahrt einen stärkeren Anstieg als im Vorjahr (2021 zu 2020: +8,3 %). Neben gestiegenen Kosten für Kerosin erforderte zudem die Sperrung des russischen Luftraums infolge des Kriegs in der Ukraine längere Flugrouten nach Asien, was sich in höheren Preisen niederschlug. Mit einem Anstieg von 5,6 % gegenüber dem Vorjahresquartal schwächte sich die Entwicklung im 4. Quartal 2022 gegenüber den ersten drei Quartalen (zwischen +8,6 % und +16,4 %) ab. Gegenüber dem 3. Quartal 2022 gab es im 4. Quartal 2022 durch sinkende Kerosinpreise mit -4,2 % sogar einen leichten Preisrückgang.

Preise im Wirtschaftsabschnitt Information und Kommunikation 2022 um 1,6 % höher als im Vorjahr

Im Wirtschaftsabschnitt Information und Kommunikation gab es mit +1,6 % einen leichten Anstieg gegenüber 2021, womit sich die Entwicklung aus dem Vorjahr fortgesetzt hat (2021 zu 2020: +1,5 %). Maßgeblichen Anteil daran hatte der Wirtschaftszweig für Telekommunikationsdienstleistungen mit einem Anstieg von +3,0 % gegenüber 2021. Innerhalb dieses Wirtschaftszweigs stiegen vor allem die Preise im Bereich Festnetz/Internet mit +4,4 % gegenüber 2021. Im Mobilfunk war der Preisanstieg mit +0,4 % zum Vorjahr hingegen deutlich geringer.
Mit +0,9 % stiegen die Preise für IT-Dienstleistungen gegenüber 2021 nur moderat.

Wirtschaftsabschnitt freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen: +3,7 % gegenüber 2021

Mit +3,7 % gab es im Abschnitt freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen einen deutlichen Anstieg zu 2021. Damit war der Preisanstieg in diesem Abschnitt stärker als noch im Vorjahr (2021 zu 2020: +2,5 %). Insbesondere im Wirtschaftszweig der Architektur- und Ingenieurdienstleistungen hat sich der Preisanstieg mit +5,9 % gegenüber dem Vorjahr beschleunigt (2021 zu 2020: +2,5 %), vor allem getrieben durch die baubezogenen Architektur- und Ingenieurdienstleistungen. Neben allgemeinen Preisanpassungen als Reaktion auf gestiegene Kosten wirkten höhere Planungskosten und Baustoffpreise mittelbar auf die Honorare für die genannten baubezogenen Dienstleistungen.

Ebenfalls stark gestiegen sind die Preise für technische Untersuchungen mit +4,2 % (2021 zu 2020: +1,9 %). Ursächlich hierfür waren gestiegene Preise für Fahrzeuguntersuchungen zu Beginn des Jahres. Des Weiteren wirkten sich steigende Energie- und Rohstoffkosten auf die Preise aus.

Wirtschaftsabschnitt Verwaltungs- und Unterstützungsleistungen: +4,1 % im Vergleich zum Vorjahr

Im Wirtschaftsabschnitt Verwaltungs- und Unterstützungsleistungen gab es gegenüber 2021 einen Preisanstieg von 4,1 % (2021 zu 2020: +2,7 %). Mit +4,8 % erhöhten sich die Preise für die Vermittlung von Arbeitskräften am stärksten. Durch den Rückgang der Kurzarbeit nach Corona sowie Lohn- und Gehaltssteigerungen ist das Lohnniveau im Vergleich zum Vorjahr insgesamt gestiegen, sodass auch die Vermittlungskosten beziehungsweise -provisionen stiegen. Weitere Preissteigerungen gegenüber dem Vorjahr gab es in den Bereichen Reinigung von Gebäuden, Straßen und Verkehrsmitteln (+4,7 %), Überlassung von Arbeitskräften (+4,1 %) und private Wach- und Sicherheitsdienste (+2,8 %). Neben tariflichen Lohnsteigerungen zu Jahresbeginn hat außerdem die Erhöhung des Mindestlohns zum 1. Oktober im 4. Quartal 2022 zu höheren Preisen gegenüber dem Vorjahresquartal geführt: +9,2 % in der Reinigung von Gebäuden, Straßen und Verkehrsmitteln, +6,0 % bei privaten Wach- und Sicherheitsdiensten.

Quelle: Statistisches Bundesamt

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