Fachkräftemangel: Früher Gastronomie, heute Supermarkt

Restaurants und Hotels leiden seit der Pandemie unter verstärktem Fachkräftemangel, vielerorts müssen Lokale an einzelnen Wochentagen sogar geschlossen bleiben. Eine neue Studie des IW Köln zeigt, wo ehemalige Kellnerinnen und Kellner oder Hotelfachfrauen und -männer heute arbeiten.

IW Köln, Pressemitteilung vom 11.07.2022

Restaurants und Hotels leiden seit der Pandemie unter verstärktem Fachkräftemangel, vielerorts müssen Lokale an einzelnen Wochentagen sogar geschlossen bleiben. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, wo ehemalige Kellnerinnen und Kellner oder Hotelfachfrauen und -männer heute arbeiten.

Die Pandemie hat viele Branchen hart getroffen. Besonders gravierend sind die Folgen jedoch in der Gastronomie, der Hotellerie und im Tourismus: Kaum eine andere Branche hat im ersten Pandemiejahr so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an andere Branchen verloren. 216.000 Menschen kehrten 2020 ihrem Beruf den Rücken, wie eine neue IW-Studie zeigt. Zum Vergleich: Im Jahresschnitt waren in der Branche rund 788.600 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

34.800 neue Starts in Verkaufsberufen

Die allermeisten Jobwechsler fingen in Verkaufsberufen neu an, beispielsweise als Kassierer im Supermarkt: Hier wurden rund 34.800 Wechsler aus Gastronomie, Hotels und Tourismus registriert. Rund 27.200 Menschen traten einen neuen Job im Verkehr- und Logistikbereich an, beispielsweise als Lagerlogistiker oder Paketboten. Auch der Bereich Unternehmensführung und -organisation profitierte von Jobwechseln: Hier fingen 27.100 Menschen neu an, unter anderem in Sekretariaten. Beliebte Ziele waren zudem die Lebensmittelherstellung, Reinigungsberufe und Erziehung.

Sicherheit so wichtig wie nie zuvor

Insgesamt wurden über alle Branchen hinweg weniger Arbeitsverhältnisse beendet als vor der Krise. Ohne politische Maßnahmen wie Kurzarbeit hätten höchstwahrscheinlich deutlich mehr Menschen ihren Job verlassen, schreiben die IW-Wissenschaftlerinnen. Trotzdem orientieren sich viele Mitarbeiter um, wenn die wirtschaftlichen Aussichten getrübt sind, neue Lockdowns drohen und nicht klar ist, welche Perspektive die Branche kurzfristig bieten kann. „Während der Krise dürfte für viele Sicherheit noch wichtiger geworden sein“, sagt Studienautorin Paula Risius. „Aber auch weichere Faktoren spielen eine größere Rolle, beispielsweise feste Arbeitszeiten, die sich gut mit dem Privatleben verbinden lassen.“ Damit Unternehmen wieder mehr Arbeitskräfte finden können, müssen sie als Arbeitgeber attraktiver werden – also beispielsweise die Vereinbarkeit von Schichtarbeit und Familie verbessern, mit Arbeitszeitkonten für mehr Flexibilität oder der Organisation von Kita-Betreuung in Randzeiten. „Allerdings wird sich das Problem des Fachkräftemangels damit nicht komplett lösen lassen“, so Risius. „Ohne weitere politische Unterstützung, beispielsweise bei der Förderung von Fachkräftezuwanderung, wird es nicht gehen.“

Quelle: IW Köln

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Zufriedenstellende Geschäftslage aber große Sorgen beim Blick nach vorn

Das Geschäftsklima im Mittelstand zeigt sich lt. KfW im Juni praktisch unverändert gegenüber dem Vormonat, der entsprechende Index steigt um 0,1 Zähler auf -5,7 Saldenpunkte. Die Lageurteile steigen nach einem kleinen Rücksetzer im März zum dritten Mal in Folge, und zwar um 1,7 Zähler auf jetzt 12,8 Saldenpunkte. Damit beurteilen die mittelständischen Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage trotz zahlreicher Widrigkeiten sogar noch besser als im Juni vor einem Jahr, als die Impfkampagne und sinkende Infektionszahlen das deutsche Wachstum beflügelten.

KfW/KfW Research, Pressemitteilung vom 08.07.2022

  • Mittelständisches Geschäftsklima stagniert im Juni
  • Geschäftslageurteile verbessert, aber Erwartungen immer sorgenvoller
  • Kaufkraftverluste und drohende Energiekrise sorgen für Pessimismus

Das Geschäftsklima im Mittelstand zeigt sich im Juni praktisch unverändert gegenüber dem Vormonat, der entsprechende Index steigt um 0,1 Zähler auf -5,7 Saldenpunkte. Die Lageurteile steigen nach einem kleinen Rücksetzer im März zum dritten Mal in Folge, und zwar um 1,7 Zähler auf jetzt 12,8 Saldenpunkte. Damit beurteilen die mittelständischen Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage trotz zahlreicher Widrigkeiten sogar noch besser als im Juni vor einem Jahr, als die Impfkampagne und sinkende Infektionszahlen das deutsche Wachstum beflügelten. Die Geschäftserwartungen auf Sicht von sechs Monaten werden dagegen immer pessimistischer und sinken im Juni um 1,2 Zähler auf -22,1 Zähler. Damit liegen sie weit unter der Nulllinie, die den langfristigen Durchschnitt anzeigt. Insbesondere die im Winter drohende Energiekrise aufgrund von ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland bereitet vielen Unternehmen Sorgen.

Beim Blick auf das mittelständische Geschäftsklima im Juni sind erhebliche Branchenunterschiede festzustellen. Das deutlichste Plus verzeichnet das Baugewerbe, dessen Klima um 4,3 Zähler auf -3,8 Saldenpunkte ansteigt. Hier hat es im März und April einen Stimmungseinbruch gegeben, der unter anderem mit einer zeitgleichen Verschärfung der Materialknappheit zu erklären sein dürfte. Laut der aktuellen ifo-Umfrage bessern sich diese Engpässe derzeit. Einen regelrechten Absturz verzeichnet dagegen der Einzelhandel, dessen Klima um 11,8 Zähler auf nur noch -17,8 Saldenpunkte fällt. Insbesondere die geschmälerte Kaufkraft des Konsumenten wegen der stark gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise schlägt hier auf die Stimmung. Trotz des Entlastungspakets der Bundesregierung hat das Konsumklima laut der GfK-Verbraucherbefragung im Juni sogar ein neues Allzeittief erreicht. Aber auch im verarbeitenden Gewerbe sind die Probleme derzeit groß: Insbesondere wegen zusätzlichen Materialengpässen durch den Krieg in der Ukraine und den Lockdowns in China sowie der akuten Gefahr von ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland hat sich die Stimmung hier ebenfalls seit März schlagartig eingetrübt. Im Juni gibt das Geschäftsklima der mittelständischen Industrie erneut nach (-0,8 Zähler auf -10,5 Saldenpunkte).

Schlechter als im Mittelstand entwickelt sich im Juni die Stimmung unter den Großunternehmen. Sie verzeichnen einen erheblichen Rückgang des Geschäftsklimas um 5,4 Zähler auf weit unterdurchschnittliche -16,4 Saldenpunkte. Sowohl die Erwartungen als auch die Lage trüben sich hier deutlich ein, nachdem sich die kurzzeitige Stimmungsaufhellung im Mai offenbar als Eintagsfliege entpuppt hat.

Die Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib sagt: „Trotz aller Widrigkeiten hat die deutsche Wirtschaft und insbesondere der Mittelstand ein recht zufriedenstellendes Frühjahr erlebt. Den insgesamt soliden Urteilen zur aktuellen Geschäftslage stehen seit dem russischen Überfall auf die Ukraine allerdings sehr düstere Geschäftserwartungen gegenüber. Vor allem der deutlich wahrscheinlicher gewordene Lieferstopp von russischem Gas ist ein handfester Grund für Rezessionssorgen, die von den inflationsbedingten Kaufkraftverlusten und der rapiden Straffung der Finanzierungsbedingungen durch die globale Zinswende der Notenbanken noch verstärkt werden. Jetzt gilt es, die Investitionsbereitschaft der Unternehmen aufrechtzuerhalten, denn nur mit Investitionen können die akuten Herausforderungen wie die seit Kriegsausbruch noch dringendere Energiewende, gemeistert werden.

Quelle: KfW

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Technologischer Wandel begünstigte Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt

Mit zunehmendem technologischen Wandel in Deutschland verringerte sich der Einfluss der sozialen Herkunft auf den beruflichen Erfolg. So erleichterte in den 1990er Jahren die zunehmende Computerisierung am Arbeitsplatz Arbeitnehmer/innen, deren Eltern kein Abitur haben, den Zugang zu Berufen mit starkem technologischen Wandel. Darüber hinaus glichen sich in diesen Berufen ihre Löhne an die von Arbeitnehmern/-innen aus bildungsnahen Elternhäusern an, wie eine aktuelle Studie des ZEW zeigt.

ZEW, Pressemitteilung vom 11.07.2022

Mit zunehmendem technologischen Wandel in Deutschland verringerte sich der Einfluss der sozialen Herkunft auf den beruflichen Erfolg. So erleichterte in den 1990er Jahren die zunehmende Computerisierung am Arbeitsplatz Arbeitnehmer/innen, deren Eltern kein Abitur haben, den Zugang zu Berufen mit starkem technologischen Wandel. Darüber hinaus glichen sich in diesen Berufen ihre Löhne an die von Arbeitnehmern/-innen aus bildungsnahen Elternhäusern an, wie eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim zeigt.

Der Grund für diese Entwicklungen: Technologischer Wandel verändert die beruflichen Anforderungen. „Dadurch verlieren Wissen und Netzwerke der Eltern, die beim beruflichen Aufstieg vorteilhaft sein können, an Bedeutung. Im Gegenzug rücken individuelle Fähigkeiten und Qualifikationen der einzelnen Arbeitnehmer/innen in den Vordergrund“, erklärt Cäcilia Lipowski, eine der Studienautoren/-innen und wissenschaftliche Mitarbeiterin im ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte und Sozialversicherungen“.

In den 1990er Jahre schritt in Deutschland die Computerisierung der Arbeitsplätze rasch voran. Nutzten im Jahr 1992 lediglich 16 Prozent aller Arbeitnehmer/innen bei ihrer Arbeit vor allem rechnergestützte Geräte, waren es 1999 bereits 38 Prozent und damit mehr als das Doppelte. Dies wirkte sich positiv auf die Chancengleichheit aus: In Berufen, in denen Angestellte bei ihrer Arbeit verstärkt rechnergestützte Geräte einsetzen, stieg der Anteil der Arbeitnehmer/innen aus bildungsfernen Familien erheblich. Dies trifft insbesondere auf höherqualifizierte Arbeitnehmer/innen zu, die selber Abitur haben: „Steigt die Computerisierung in einem Beruf um zehn Prozentpunkte – das heißt nutzen in diesem Beruf zehn Prozentpunkte mehr Angestellte hauptsächlich rechnergestützte Geräte bei ihrer Arbeit –, nimmt unter den höherqualifizierten Beschäftigten der Anteil derjenigen, deren Eltern kein Abitur haben, um etwa vier Prozentpunkte zu“, so Lipowski.

Doch der Bildungshintergrund der Eltern beeinflusste nicht nur die Jobchancen, sondern auch die Löhne: Bis zu den frühen 1990er Jahren waren die Löhne von Beschäftigten aus bildungsfernen Familien je nach eigenem Bildungsniveau zwischen fünf bis zehn Prozentpunkte niedriger im Vergleich zu Beschäftigten, deren Eltern einen Abiturabschluss haben. Die ZEW-Studie belegt, dass diese Lohnbenachteiligung ab Mitte der 1990er Jahre stetig zurückging, und zwar getrieben von Berufen mit starkem technologischen Wandel. Für Personen, die selbst Abitur gemacht hatten, verschwand der Lohnnachteil ab den frühen 2000er Jahren sogar völlig. „Bemerkenswert ist, dass die Lohnbenachteiligung in den Folgejahren nicht wieder zunahm, obwohl die Nutzung von Computern in vielen Berufen gängige Praxis geworden ist“, sagt Lipowski.

Quelle: ZEW

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Startups suchen wieder verstärkt nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sind Startups lt. Bitkom auf der Suche nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. 8 von 10 Startups planen Neueinstellungen, 12 Prozent erwarten keine Veränderung und praktisch kein Startup plant einen Stellenabbau.

Bitkom, Pressemitteilung vom 11.07.2022

  • 8 von 10 Startups planen Neueinstellungen, durchschnittlich sind derzeit fünf Stellen vakant
  • Im Schnitt haben Startups in Deutschland 20 Beschäftigte

Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sind Startups auf der Suche nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. 8 von 10 Startups (80 Prozent) planen Neueinstellungen, 12 Prozent erwarten keine Veränderung und praktisch kein Startup plant einen Stellenabbau. Im Schnitt haben Startups 20 Beschäftigte und fünf offene Stellen. Das sind Ergebnisse aus einer Befragung von rund 150 Tech-Startups im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind schwieriger geworden – auch für Gründerinnen und Gründer“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Die offensive Personalplanung zeigt aber, dass Tech-Startups optimistisch in die Zukunft blicken.“ Zuletzt hatten Startups Personal an etablierte Unternehmen und Mittelständler verloren. Die durchschnittliche Beschäftigtenzahl lag im Jahr 2000 bei 21 und 2021 bei 24. Um den Fachkräftebedarf von Startups zu decken, brauche es eine attraktivere Ausgestaltung der Mitarbeiterkapitalbeteiligung, um mit etablierten Unternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen zu können. Auch ausreisewillige IT-Fachkräfte aus Russland und Belarus können nach Bitkom-Ansicht helfen, den hohen Bedarf zu decken. Berg: „Jede fünfte Stelle bei Startups ist derzeit vakant, das ist dramatisch.“

Rund die Hälfte der Startups (53 Prozent) hat 9 Beschäftigte oder weniger, ein Viertel (24 Prozent) zählt 20 oder mehr. Dazu kommen noch durchschnittlich drei Gründerinnen und Gründer, die für das Unternehmen tätig sind. Zwei Drittel (66 Prozent) der Startups geben an, dass sie aktuell offene Stellen haben (2021: 62 Prozent). Im Durchschnitt sind bei jedem Startup fünf Stellen zu besetzen, das ist deutlich mehr als noch vor einem Jahr mit durchschnittlich drei offenen Stellen. Berg: „Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften entwickelt sich zum Wachstumshemmnis Nummer eins.“

Quelle: Bitkom

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Kiel Trade Indicator 06/22: Ungewöhnlich lange Staus in der Nordsee, Entspannung in Nordamerika

Der globale Handel zeigt im Juni im Vergleich zum Vormonat eine leicht positive Tendenz. Dies geht aus dem jüngsten Datenupdate des Kiel Trade Indicator hervor. Gleichzeitig beeinträchtigt der Containerschiffstau in der Nordsee und ein Einbruch des Frachtvolumens im Roten Meer den Handel Europas. In Russlands Häfen verfestigt sich das Bild eines verminderten Warenaustauschs mit Europa und eines ansteigenden mit Asien.

IfW Kiel, Pressemitteilung vom 06.07.2022

Der globale Handel zeigt im Juni im Vergleich zum Vormonat eine leicht positive Tendenz (preis- und saisonbereinigt). Dies geht aus dem jüngsten Datenupdate des Kiel Trade Indicator hervor. Gleichzeitig beeinträchtigt der Containerschiffstau in der Nordsee und ein Einbruch des Frachtvolumens im Roten Meer den Handel Europas. In Russlands Häfen verfestigt sich das Bild eines verminderten Warenaustauschs mit Europa und eines ansteigenden mit Asien.

Laut jüngstem Datenupdate des Kiel Trade Indicator steht der Welthandel im Juni im Vergleich zum Vormonat mit 0,4 Prozent im Plus (preis- und saisonbereinigt). Für Deutschland zeigen die Werte einen Zuwachs bei den Importen an (+2,5 Prozent) und eine rote Null bei den Exporten (-0,1 Prozent). In der EU zeichnen sich nur moderate Veränderungen sowohl bei den Exporten (-0,5 Prozent) als auch Importen (+0,8 Prozent) ab.

Etwas eindeutiger fallen die Signale für den Junihandel der USA aus, sowohl Exporte (+3,2 Prozent) als auch Importe (+1,1 Prozent) sind mit einem Plus versehen. Auch für Chinas Handel sind die Vorzeichen bei Exporten (+1,7 Prozent) und Importen (+4,0 Prozent) positiv. Der Kiel Trade Indicator weist für Russland im Juni eine schwarze Null im Export (+0,3 Prozent) und einen abermaligen Rückgang im Import (-5,8 Prozent) aus.

„Grundsätzlich zeigt der Welthandel im Juni eine leicht positive Tendenz, aber massive Schiffsstaus, hohe Transportkosten und daraus resultierende Lieferengpässe hemmen den Warenaustausch, insbesondere mit Blick auf Europa“, sagt Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator.

„Dagegen entspannt sich die Lage in Nordamerika. Die pandemiebedingt hohe Nachfrage nach Konsumgütern in den USA hat nachgelassen, der Stau vor dem Hafen von Los Angeles hat sich aufgelöst. Das entlastet die Transportwege, und so sind die Frachtkosten von Asien an die Westküste Nordamerikas seit Beginn dieses Jahres um knapp die Hälfte gefallen. Frachtraten auf dem Weg von Asien nach Nordeuropa sind dagegen noch immer sechs Mal so hoch wie vor zwei Jahren.“

Die Staus von Containerschiffen in der Nordsee halten an und sind in der Tendenz steigend, über 2 Prozent der globalen Frachtkapazität stehen dort still und können weder be- noch entladen werden. Auch vor Shanghai und Zhejiang wächst die Warteschlange, über 4 Prozent der globalen Frachtkapazität stecken hier fest.

„Ein Ende der Staus in der Containerschifffahrt ist derzeit nicht in Sicht. Während beispielsweise vor Shanghai auch schon in der Vergangenheit lange Warteschlangen beobachtet wurden, ist dies für die Nordsee sehr ungewöhnlich. Für Deutschland und die EU beeinträchtigt dies vor allem den Überseehandel, speziell mit Asien, woher etwa Unterhaltungselektronik, Möbel oder Textilien geliefert werden“, so Stamer.

Auf dem Roten Meer, der wichtigsten Handelsroute zwischen Europa und Asien, sind derzeit über 20 Prozent weniger Containerschiffe unterwegs, als unter normalen Umständen zu erwarten wären. So groß war die Lücke zuletzt nach Ausbruch der Corona-Pandemie vor zwei Jahren. „Maßgeblich dafür könnte sein, dass sich die negativen Effekte des Lockdowns in Shanghai aufgrund der 40-tägigen Fahrt von China nach Europa nun erst zeigen. Auch der Containerschiffstau in der Nordsee und eine zunehmende Bedeutung des Schienentransports auf der Neuen Seidenstraße reduzieren dort womöglich das Frachtaufkommen“, so Stamer.

Das Frachtaufkommen in Russlands Häfen lässt mittlerweile recht eindeutig auf den Versuch schließen, den verlorenen Handel mit Europa durch Asien zu substituieren. Im Ostseehafen St. Petersburg, wo Waren aus Europa ankommen, ist das Frachtaufkommen nachhaltig eingebrochen. In den übrigen, im Asienhandel eingebundenen Häfen, erholt es sich dagegen etwas. „Allerdings können die Importe aus Asien bisher noch nicht den Handel mit Europa ersetzen“, so Stamer.

Die nächsten Aktualisierungen des Kiel Trade Indicator erfolgen am 20. Juli (ohne Medieninformation) und am 5. August (mit Medieninformation für die Handelsdaten im Juli 2022).

Quelle: IfW Kiel

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Online-Handel: Großes Potenzial mit einigen Hindernissen

Der Online-Handel boomt und eröffnet auch über Grenzen hinweg attraktive Geschäftsmöglichkeiten – allerdings treffen Unternehmen im internationalen Vertrieb auch auf zahlreiche Stolpersteine. Neben rechtlichen und formalen Hürden gehören dazu nach einer aktuellen Befragung von DIHK, IHKs und dem Forschungsinstitut ibi research etwa auch die Versandkosten oder die Retourenabwicklung. Um dennoch mehr Anbietern den Einstieg in den grenzüberschreitenden E-Commerce zu ermöglichen, setzt sich der DIHK für eine EU-weite und auch internationale Harmonisierung der Regeln ein.

DIHK, Mitteilung vom 07.07.2022

Die Digitalisierung verändert auch die Vertriebswege vieler Waren. Plattformen und Online-Shops ermöglichen es Herstellern und Händlern, immer besser Kundinnen und Kunden in anderen Ländern zu erreichen. Auf den ersten Blick erscheint der internationale Vertrieb von Waren und Dienstleistungen unproblematisch – doch schon innerhalb des Binnenmarktes der Europäischen Union gibt es zum Beispiel eine problematische Uneinheitlichkeit bei Umsatzsteuersätzen sowie bei den Anforderungen an Verpackung und Entsorgung von Elektroschrott. Beim Vertrieb in Drittstaaten kommen viele weitere Hürden wie etwa die Zollabwicklung oder andere gesetzliche Anforderungen an Produkte hinzu (z. B. in Hinblick auf Sicherheit oder Energieeffizienz).

Der DIHK hat in einer Untersuchung gemeinsam mit IHKs und ibi research die Situation des internationalen E-Commerce deutscher Unternehmen analysiert und gefragt, wo Hindernisse und Chancen beim grenzüberschreitenden Online-Handel liegen.

Vertriebskanäle: der eigene Online-Shop belegt Platz 1

Knapp drei Viertel der Betriebe verkaufen im oder ins Ausland. Vor allem große Handelsunternehmen und Hersteller nutzen diese Option. Für kleinere Unternehmen ist das Auslandsgeschäft oft zu aufwendig. Zugleich ist der eigene Online-Shop bei 54 Prozent der Unternehmen der bevorzugte Vertriebskanal. Danach folgt der Außendienst, doch auch der Katalog, Telefonvertrieb und stationäre Geschäfte im jeweiligen Land werden noch genutzt. Dabei gibt es branchenspezifische Unterschiede: Während bei Herstellern der Außendienst vorne liegt, sind es im Einzelhandel Online-Shops und Marktplätze wie etwa Amazon und eBay.

Kostenfaktoren: Versand & Regulierungen

Hohe Versandkosten, (steuer-)rechtliche Unsicherheiten sowie komplexe Zollabwicklungen sind die Hauptgründe, warum Unternehmen nicht international verkaufen. Betriebe, die bereits im Cross-Border-E-Commerce aktiv sind, machen die Erfahrung, dass die Versandabwicklung, Retouren sowie das Umsetzen rechtlicher Vorgaben zu den größten Kostentreibern zählen.

Mit mehr Unterstützung das Potenzial fördern

Trotz der formalen Hürden birgt der Auslandsvertrieb über digitale Kanäle enormes Potenzial. Unternehmen aller Größen können auf diese Weise ihre Umsätze steigern und unabhängiger von einzelnen Märkten und Vertriebskanälen werden. Um diesen Online-Handel ins Ausland richtig angehen zu können, wünscht sich mehr als die Hälfte der Unternehmen Unterstützung bei den Themen Zoll und Steuern sowie bei rechtlichen Vorgaben. Bisher bereiten sich vier von zehn kleinen Unternehmen, die bereits grenzübergreifend aktiv sind, nicht ausreichend auf den Auslandsvertrieb vor, sagen die Betriebe. Bei den mittleren sind es dagegen 16 und bei den großen Unternehmen 10 Prozent.

Auf Grundlage der Befragungsergebnisse rund um die „Cross-Border-E-Commerce“-Studie wird sich der DIHK weiterhin für den Abbau der beschriebenen Hürden einsetzen. Gerade auf europäischer Ebene sollte in diesen Fragen Harmonisierung mehr als nur ein Schlagwort sein – das gilt insbesondere für das Steuer- und Umweltrecht. Neben einer solchen EU-weiten Harmonisierung von Regeln ist es wichtig, ein internationales E-Commerce-Abkommen innerhalb der WTO voranzutreiben. Die IHK-Organisation ihrerseits informiert in Webinaren, Leitfäden und anderen Formaten, damit Unternehmen sich auf dem digitalen Weg ins Ausland erfolgreich aufstellen können.

Quelle: DIHK

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Entwicklung der Produktion im Produzierenden Gewerbe im Mai 2022

Wie das BMWK mitteilt, ist die Produktion im Produzierenden Gewerbe nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Mai gegenüber dem Vormonat geringfügig gestiegen (+0,2 %). Während die Industrie und das Baugewerbe ihren Ausstoß um 0,6 % bzw. 0,4 % steigern konnten, wurde im Bereich Energie die Produktion um 5,8 % gedrosselt.

BMWK, Pressemitteilung vom 07.07.2022

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Produktion im Produzierenden Gewerbe im Mai gegenüber dem Vormonat geringfügig gestiegen (+0,2 %). Während die Industrie und das Baugewerbe ihren Ausstoß um 0,6 % bzw. 0,4 % steigern konnten, wurde im Bereich Energie die Produktion um 5,8 % gedrosselt.

Innerhalb der Industrie waren unterschiedliche Entwicklungen zu verzeichnen: In gewichtigen Bereichen wie Kfz und Kfz-Teile, Maschinenbau sowie Metallerzeugnisse legte die Produktion um 5,9 %, 1,4 % bzw. 0,9 % zu. Andere Wirtschaftszweige wie pharmazeutische Erzeugnisse (-4,3 %), chemische Erzeugnisse (-2,7 %), Papier und Pappe (-2,5 %) sowie Nahrungs- und Futtermittel (-2,2 %) meldeten Rückgänge.

Das Verarbeitende Gewerbe erholte sich im Berichtsmonat Mai ein Stück weit von dem externen Schock, den sie durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erhalten hatte. Aufgrund ihrer Exportorientierung ist die deutsche Industrie überproportional von den Handelssanktionen gegen Russland und den gestörten Lieferketten durch den Mangel an wichtigen Vorleistungsgütern betroffen. Nach einem kräftigen Rückgang im März hat sich die Industrieproduktion wieder stabilisiert und ist im April und Mai merklich gestiegen. Die nach wie vor hohe Unsicherheit durch den Krieg und das Risiko eines weitgehenden Lieferstopps beim russischen Gas wird jedoch viele Industrieunternehmen in den kommenden Monaten vor sehr große Herausforderungen stellen.

Quelle: BMWK

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Multiple Krise belastet künftiges Digitalgeschäft

Die aktuellen Herausforderungen für die Weltmärkte führen in der digitalen Wirtschaft in Deutschland zu Verunsicherung. Derzeit laufen die Geschäfte noch gut, allerdings blickt die Branche lt. Bitkom verhalten auf die zweite Jahreshälfte.

Bitkom, Pressemitteilung vom 06.07.2022

  • Dennoch: Digitalbranche schafft in diesem Jahr 30.000 neue Jobs und steigert Umsätze um 4,3 Prozent auf 189 Milliarden Euro
  • Unternehmen berichten von sehr guter Geschäftslage, blicken aber mit gedämpften Erwartungen auf das zweite Halbjahr

Ukraine-Krieg, explodierende Energiepreise und unterbrochene Lieferketten: Die aktuellen Herausforderungen für die Weltmärkte führen in der digitalen Wirtschaft in Deutschland zu Verunsicherung. Derzeit laufen die Geschäfte noch gut, allerdings blickt die Branche verhalten auf die zweite Jahreshälfte. Für 2022 erwartet der Digitalverband Bitkom für die Unternehmen der IT, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik ein Umsatzplus von 4,3 Prozent auf 189,4 Milliarden Euro. Das berichtet der Bitkom auf Basis aktueller Berechnungen. Im Juni 2022 beurteilten die ITK-Unternehmen ihre Geschäftslage insgesamt als sehr gut, wie Erhebungen von Bitkom und ifo Institut zeigen. Der Bitkom-ifo-Digitalindex, der das Geschäftsklima abbildet und sich aus der aktuellen Lage und den künftigen Erwartungen berechnet, stieg um 2,3 auf 22,8 Punkte – das entspricht dem Niveau von vor der Corona-Pandemie. Dass sich der Aufwärtstrend fortsetzt, glauben allerdings nur wenige Unternehmen. Dementsprechend notiert der Teilindex für die Erwartungen an die kommenden sechs Monate nur schwach im Plus (2,9 Punkte), das ist deutlich niedriger als in den Monaten vor Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine. „Die aktuelle Weltlage stürzt von einer Krise zur nächsten, und die entsprechenden Unsicherheiten verstärken sich gegenseitig. Die Corona-Lockdowns in China lassen die Lieferketten immer wieder reißen, der russische Angriffskrieg hat die Energiepreise explodieren lassen und die Inflation setzt Unternehmen und Haushalte gleichermaßen unter Druck“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Trotz der zunehmenden Unsicherheiten bleibt die Aufgabe bestehen, Wirtschaft und Verwaltung schnell und umfassend zu digitalisieren. Viele Unternehmen haben erkannt, wie herausragend wichtig eine resiliente IT in diesen Zeiten ist. War es in den ersten Jahren der Pandemie der Consumer-Bereich, wird das Branchenwachstum jetzt von Unternehmensinvestitionen getragen.“ Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt setzt sich fort. Ende des Jahres werden voraussichtlich 1,3 Millionen Menschen in der ITK-Branche beschäftigt sein, gut 30.000 mehr als im Vorjahr. Mehr Ausgaben für Forschung und Entwicklung, gelebte Homeoffice-Kultur

Die Bereitschaft, mit neuen Technologien zu experimentieren und in die Anwendung zu gehen, ist in der Digitalbranche nach Erhebungen von Bitkom und ifo Institut deutlich stärker ausgeprägt als in der Gesamtwirtschaft. Mehr als ein Drittel der ITK-Unternehmen (36 Prozent) will in diesem Jahr seine Investitionen in Forschung und Entwicklung steigern. In der Gesamtwirtschaft ist es nur etwa ein Sechstel (18 Prozent). Auch digitales und mobiles Arbeiten ist bei Digitalunternehmen überdurchschnittlich stark verbreitet. In der ITK-Branche arbeiten sechs von zehn Beschäftigten (61 Prozent) zumindest teilweise im Homeoffice, in der Gesamtwirtschaft ist es nur ein Viertel (25 Prozent). Die steigenden Energiepreise treffen Digitalunternehmen weniger stark. Die Ausgaben für Strom sind um ein Fünftel (19 Prozent) gestiegen, in der Gesamtwirtschaft um ein Drittel (34 Prozent).

Investitionen in resiliente Infrastrukturen treiben IT-Wachstum

Die beschleunigte Digitalisierung treibt das Wachstum in der Informationstechnik. Mit IT werden 2022 nach aktueller Prognose 113,0 Milliarden Euro umgesetzt. Das entspricht einem Wachstum von 6,7 Prozent. Am stärksten im Plus liegen demnach die Umsätze mit Software (32,4 Milliarden Euro; +8,8 Prozent), die vom boomenden Cloud-Geschäft angetrieben werden. Das Hardware-Segment wächst auf 37,0 Milliarden Euro (+6,7 Prozent). Insbesondere Unternehmen investieren mit einem Fokus auf Digital Work und sichere und resiliente Infrastrukturen, wie Infrastructure-as-a-Service (IaaS), also gemietete Server, Netzwerk- und Speicherkapazitäten (+33,2 Prozent), und Workstations (+27 Prozent). Die Umsätze mit IT-Services steigen auf 43,6 Milliarden Euro (+5,3 Prozent). Das Projektgeschäft ist überwiegend langfristig angelegt und weniger stark von Konjunkturschwankungen beeinflusst.

Netzausbau begründet Wachstum in der Telekommunikation

Der Markt für Telekommunikation setzt in diesem Jahr sein moderates Wachstum fort. 2022 soll das Segment um 1,5 Prozent auf 67,7 Milliarden Euro zunehmen. Mit Telekommunikationsdiensten werden nach Bitkom-Berechnungen 48,8 Milliarden Euro umgesetzt, das entspricht einem Plus von 1,0 Prozent. Das Geschäft mit Endgeräten legt auf 11,9 Milliarden Euro (+2,9 Prozent) zu, die Investitionen in die Telekommunikations-Infrastruktur wachsen ähnlich schnell auf 6,9 Milliarden Euro (+2,7 Prozent). „Die Telekommunikationsunternehmen setzen den Ausbau von Festnetz und Mobilfunk kontinuierlich fort. Nahezu jeder Haushalt kann inzwischen mit schnellem Internet versorgt werden, und der neue 5G-Mobilfunkstandard ist jetzt schon in den meisten Regionen verfügbar“, sagt Berg.

Zurückhaltung der Haushalte dämpft Markt für Unterhaltungselektronik

In der Unterhaltungselektronik wartet man weiter vergeblich auf Wachstum. Nach dem zwischenzeitlichen Corona-Hoch sinken die Umsätze im zweiten Jahr in Folge, um 2,6 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. 2020 wurden noch 9,3 Milliarden Euro umgesetzt. Berg: „Viele Verbraucherinnen und Verbraucher sind verunsichert, weil sie nicht wissen, wie viel ihr Geld morgen noch wert ist, und halten sich bei größeren Anschaffungen wie einem neuen Fernseher zurück. Der Trend geht zu bewussteren Kaufentscheidungen, im Zweifel wird lieber auf teurere und langlebige Produkte gesetzt.“

Digitale Agenda für Teilhabe, Nachhaltigkeit, Souveränität und Krisenresilienz

Bitkom setzt sich dafür ein, die digitale Transformation in allen Bereichen aktiv zu gestalten und zu beschleunigen. „Digitalisierung ist die Antwort auf die vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit. Es geht darum, unsere Widerstandsfähigkeit und Resilienz gegenüber Krisen jeder Art zu steigern. Digitale Technologien können uns dabei unterstützen, die Treibhausemissionen zu verringern, sichere und verlässliche Infrastrukturen zu schaffen und die Handlungsfähigkeit von Staat und Unternehmen auch unter widrigen Bedingungen zu erhalten.“ Die Vorschläge des Bitkom umfassen konkrete Maßnahmen zur Steigerung der digitalen Teilhabe, für das Erreichen der Klimaziele mit digitaler Nachhaltigkeit, den Weg zu digitaler Souveränität durch Innovationen in Schlüsseltechnologien und Krisen-Resilienz mit digitalen Lösungen. Das Programm ist online abrufbar unter www.bitkom.org/Kurzpositionen.

Quelle: Bitkom

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Kein Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivität durch Corona-Pandemie

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigenstunde, ist nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im 1. Quartal 2022 um 0,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Auch in den Jahren 2020 und 2021, die stark von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie geprägt waren, lag die Arbeitsproduktivität je Stunde höher als im jeweiligen Vorjahr, mit Zuwächsen von +0,4 % (2020) und +1,1 % (2021).

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 07.07.2022

Arbeitsproduktivität hat sich in den Branchen unterschiedlich entwickelt

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigenstunde, ist nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im 1. Quartal 2022 um 0,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Auch in den Jahren 2020 und 2021, die stark von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie geprägt waren, lag die Arbeitsproduktivität je Stunde höher als im jeweiligen Vorjahr, mit Zuwächsen von +0,4 % (2020) und +1,1 % (2021). Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 ergibt sich ein Anstieg um 1,5 %. Bei der Arbeitsproduktivität gab es jedoch große Unterschiede zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen, da sich die zugrundeliegende preisbereinigte Bruttowertschöpfung (Output) und die geleisteten Arbeitsstunden der Erwerbstätigen (Input) in den Branchen unterschiedlich entwickelten.

Deutlicher Rückgang der Arbeitsproduktivität im Verarbeitenden Gewerbe im Jahr 2020, Gegenbewegung im Folgejahr

Produktionseinbrüche durch die Corona-Pandemie und in deren Folge auch Materialengpässe haben in vielen Bereichen zu einer sinkenden Zahl der Arbeitsstunden geführt. So hat sich im Jahr 2020 im Verarbeitenden Gewerbe der Arbeitsinput um 6,2 % reduziert. Der Anteil an Kurzarbeitenden erreichte im Mai 2020 seinen historischen Höchststand von 29,2 %. Im Fahrzeugbau war sogar mehr als die Hälfte der Belegschaft in Kurzarbeit. Der Rückgang der Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe war mit -10,0 % jedoch noch stärker. Dadurch sank die Arbeitsproduktivität im Jahr 2020 um 4,1 %. Ursache hierfür könnte sein, dass der Arbeitsinput nicht unmittelbar und in vollem Umfang an den Produktionsumfang angepasst wurde.

Im Jahr 2021 blieb die konjunkturelle Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe trotz starker Nachfrage gebremst. Dies lag vor allem an der eingeschränkten Versorgung mit wichtigen Vorprodukten wie Halbleitern und an Störungen der internationalen Lieferketten. In der Folge konnte nur ein Teil des Produktionseinbruchs wieder wettgemacht werden, die Bruttowertschöpfung stieg um 4,6 %. Gleichzeitig stieg die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden der Erwerbstätigen jedoch nur um 1,3 %. So verharrte die Kurzarbeiterquote in der zweiten Jahreshälfte 2021 bei etwa 5 % und war damit rund doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft. Da die Produktion deutlich stärker wuchs als die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden, nahm die Arbeitsproduktivität um 3,3 % zu. Gegenüber dem Jahr 2019, vor der Corona-Pandemie, war die Produktivität 2021 noch um 0,8 % niedriger.

Im Vergleich zum Verarbeitenden Gewerbe war das Baugewerbe zunächst kaum von der Corona-Pandemie betroffen. So stieg die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im Jahr 2020 um 3,8 % an. Gleichzeitig lag die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden 2,2 % unter dem Vorjahreswert, sodass die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigenstunde 2020 deutlich um 6,1 % zunahm. Im Folgejahr war mit -4,6 % jedoch ein ähnlich starker Verlust an Produktivität zu verzeichnen. Der Grund hierfür ist, dass einerseits die preisbereinigte Bruttowertschöpfung um 1,7 % zurückging. Preisanstiege und Lieferprobleme bei Vormaterialien dürften hierzu beigetragen haben. Andererseits nahm die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden um 3,1 % zu, unter anderem durch vermehrte Überstunden und verringerte Kurzarbeit. Die Arbeitsproduktivität im Baugewerbe lag damit um 1,2 % über dem Vorkrisenniveau des Jahres 2019.

Dienstleistungsbereiche: Unter dem Strich keine Produktivitätsverluste

Ähnlich wie im Verarbeitenden Gewerbe ging die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in den Dienstleistungsbereichen im ersten Corona-Jahr 2020 stark zurück, und zwar um 4,9 %. Grund hierfür waren vor allem die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie, die zu einer zeitweisen Einstellung vieler wirtschaftlicher Tätigkeiten führten, gerade in den besonders kontaktintensiven Branchen: So brach der Arbeitsinput im Gastgewerbe und bei den sonstigen Dienstleistern, zu denen auch die Kreativwirtschaft zählt, noch erheblich stärker ein. Die Kurzarbeiterquote stieg in einigen Branchen zeitweise auf rund zwei Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Zugleich ging die Wirtschaftsleistung in den meisten Branchen deutlich zurück. Wirtschaftszweige wie der Onlinehandel oder die Post-, Kurier- und Expressdienste konnten hingegen im Jahr 2020 ihre Wertschöpfung steigern.

Da die Wirtschaftsleistung über alle Dienstleistungsbereiche hinweg mit -4,0 % etwas schwächer zurückging als das Arbeitsvolumen, ergab sich im Jahr 2020 ein rechnerischer Anstieg der Arbeitsproduktivität um 1,0 %. Im Jahr 2021 ging die konjunkturelle Erholung des Dienstleistungsbereichs (+2,8 %) mit einem etwas schwächeren Anstieg des Arbeitsinputs einher (+1,9 %). Die Arbeitsproduktivität erhöhte sich nochmal um 0,9 %. Allerdings können diese Durchschnittswerte die sehr unterschiedliche Situation in den einzelnen Branchen nicht widerspiegeln: So konnten sich etwa die Erziehungs- und Gesundheitsdienstleister im Jahr 2021 ihrem Vorkrisenniveau wieder annähern, der Bereich Verkehr und Lagerei dieses sogar leicht überschreiten. Dagegen blieben Arbeitsinput und Produktion im Reise- und Gastgewerbe, in Teilen der Unternehmensdienstleister und bei den sonstigen Dienstleistern im Jahr 2021 im Vorkrisenvergleich noch erheblich eingeschränkt. Insgesamt betrachtet lag die Arbeitsproduktivität in den Dienstleistungsbereichen 2,0 % über dem Vorkrisenniveau des Jahres 2019.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2022

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Einzelhändler befürchten Lieferprobleme bis Mitte 2023

Der Einzelhandel befürchtet noch für ein ganzes Jahr Lieferprobleme. Gleichzeitig klagten 75,7 Prozent der Einzelhändler im Juni, dass nicht alle bestellten Waren geliefert werden können. Im Mai waren es 80,1 Prozent. Das geht aus einer Umfrage des ifo Instituts hervor.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 06.07.2022

Der Einzelhandel befürchtet noch für ein ganzes Jahr Lieferprobleme. Gleichzeitig klagten 75,7 Prozent der Einzelhändler im Juni, dass nicht alle bestellten Waren geliefert werden können. Im Mai waren es 80,1 Prozent. Das geht aus einer Umfrage des ifo Instituts hervor. „Auch in diesem Jahr wird es zu Weihnachten wieder Lücken in den Regalen geben“, sagt der Leiter der ifo Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Die Lieferprobleme sind zu einem Dauerproblem für den Einzelhandel geworden.“

Die längste Dauer der Lieferprobleme mit 18 Monaten erwarten die Fahrradhändler. Auch die Autohändler gehen davon aus, dass die Engpässe noch mehr als ein Jahr andauern werden. Ähnliches gilt für die Möbelhändler. Ein schnelleres Ende der Lücken in den Regalen erwarten die Bekleidungsbranche (9 Monate) und die Supermärkte (8,2 Monate).

Bei den Lebensmittelhändlern hat sich die Lage ein wenig entspannt. Nachdem im Mai noch fast 100 Prozent Probleme bei der Beschaffung meldeten, sind es im Juni noch rund 77 Prozent. Auch bei den Bekleidungshändlern sank der Anteil um knapp 10 Prozentpunkte von 64,5 auf 54 Prozent.

Quelle: ifo Institut

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