Bitkom zum Entwurf der Digitalstrategie

Der Digitalverband Bitkom nimmt zum aktuell in der Öffentlichkeit diskutierten Entwurf für eine Digitalstrategie der Bundesregierung Stellung.

Bitkom, Pressemitteilung vom 05.07.2022

  • Gut, dass der Entwurf endlich da ist, aber viele Fragen bleiben offen
  • Es ist unklar, welche Maßnahmen wann umgesetzt sein sollen
  • Berg: „Wir brauchen eine Zeitenwende in Deutschlands Digitalpolitik“

Zum aktuell in der Öffentlichkeit diskutierten Entwurf für eine Digitalstrategie der Bundesregierung erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg:

„Wir begrüßen, dass mit mehrmonatiger Verspätung nun der Entwurf einer Digitalstrategie in die Ressortabstimmung geht. Handlungsleitend war das Prinzip ‚Gründlichkeit vor Schnelligkeit‘. Daran gemessen ist das Ergebnis in vielen Handlungsfeldern noch zu dünn. Einige entscheidende Bereiche wie zum Beispiel die Datenökonomie führen vornehmlich Bestandsprojekte auf, denen obendrein – wie zum Beispiel bei Gaia-X – an anderer Stelle gerade die Mittel gekürzt wurden. Die in der Forschungsförderung notwendige Umkehr des Gießkannenprinzips zu einer starken Konzentration der Mittel auf digitale Schlüsseltechnologien wird nicht entschieden angegangen. Auch ein klares Bekenntnis zur weitestgehenden Abschaffung der unzähligen Schriftformerfordernisse fehlt. Gut ist, dass nun ein erster Strategieentwurf vorliegt, der Stoff für Diskussionen und Raum für Weiterentwicklungen bietet. Diese Entwicklungsräume müssen in den weiteren Abstimmungen mutig und konsequent gefüllt werden. Die Bundesregierung hat sich für diese Legislatur einen umfassenden digitalen Aufbruch vorgenommen. Übersetzt in das Jahr 2022 heißt das: Wir brauchen eine echte Zeitenwende in Deutschlands Digitalpolitik.

Die allgemeine Zielstellung des Strategieentwurfs ist klar: Wir müssen liegengebliebene Hausaufgaben endlich erledigen, um digital vom Fleck zu kommen. Die Strategie macht klar, dass es kein Erkenntnisproblem gibt, sondern bei der Umsetzung hapert. Dieser Umsetzungsstau soll jetzt angegangen und aufgelöst werden. Es ist positiv, dass die Digitalstrategie eine Weiterentwicklung der bisherigen Regierungspraxis anstrebt, wonach eine Unzahl an Digitalkommissionen bereits Bekanntes erneut durchdiskutiert haben. Jetzt soll es vornehmlich an die Umsetzung gehen und dazu gibt es zum Beispiel ein einheitliches Zielbild, hinter dem sich alle Ressorts versammeln sollen. Ein entsprechender Kabinettsbeschluss muss künftig in allen Ministerien als Verpflichtung verstanden werden, diese Ziele aktiv zu verfolgen und zu erreichen.

Es ist richtig, drei Themen mit besonderer Hebelwirkung besonders breiten Raum einzuräumen: Gigabitnetze und Datenverfügbarkeit, Standards für Interoperabilität und Skalierbarkeit und die Einführung sicherer digitaler Identitäten. In der Konkretisierung muss aber mehr als nur nachgeschärft werden. So bleibt unklar, was aus dieser Priorisierung folgt und bis wann substanzielle Fortschritte erzielt worden sein sollen. Vor allem muss es darum gehen, den Fortschritt messbar zu machen – hier lässt die Strategie noch vieles offen. Gerade beim E-Government laufen wir den Versäumnissen aus zwei Jahrzehnten hinterher. Bis 2025, also noch in dieser Legislatur, sollen alle Behördengänge online erledigt werden können, digitales Lernen und digitale Schulen selbstverständlich werden, Künstliche Intelligenz in der Industrie und im Kampf gegen Desinformation zur Anwendung kommen, bei digitalen Schlüsseltechnologien wie KI, Robotik, Blockchain und Mikroelektronik zur Weltspitze aufgeschlossen werden und digitale Technologien zum Klimaschutz eingesetzt werden. Es ist richtig, drei Projekte mit Hebelwirkung zu definieren, die uns helfen, alle diese Ziele schneller zu erreichen.

Im nächsten Schritt ist es wichtig, offene Fragen zu klären. Wie soll der Gigabitausbau im Rahmen der Strategie vorangetrieben werden? Was muss genau getan werden, um die Datenverfügbarkeit zu steigern? Bis wann kommt die eID – zum Jahresende, was aus unserer Sicht unbedingt geboten ist? Wir brauchen eine Priorisierung, welche Ziele zuerst erreicht werden sollen, welche Maßnahmen dafür notwendig sind und vor allem, bis wann.

Die Digitalstrategie ist ein Grundstein, auf dem wir aufbauen können. Jetzt geht es darum, konkreter zu werden: Wir brauchen einen Plan, wir müssen dabei ehrgeizig und schnell sein und es ist sicherzustellen, dass die Maßnahmen auch finanziert werden.“

Quelle: Bitkom

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Entwicklung der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im Mai 2022

Wie das BMWK mitteilt, sind die Auftragseingänge nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Mai gegenüber dem Vormonat nahezu unverändert geblieben (+0,1 %). In den drei Monaten zuvor waren sie infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine stetig zurückgegangen. Die Ordereingänge lagen damit zuletzt arbeitstäglich bereinigt unter ihrem Niveau von einem Jahr zuvor (-3,1 %).

BMWK, Pressemitteilung vom 06.07.2022

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind die Auftragseingänge im Mai gegenüber dem Vormonat nahezu unverändert geblieben (+0,1 %). In den drei Monaten zuvor waren sie infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine stetig zurückgegangen. Die Ordereingänge lagen damit zuletzt arbeitstäglich bereinigt unter ihrem Niveau von einem Jahr zuvor (-3,1 %).

Die Produzenten von Investitionsgütern meldeten im Mai 3,3 % mehr Bestellungen gegenüber dem Vormonat. Vorleistungs- und Konsumgüter wurden hingegen um 3,2 % bzw. 4,5 % weniger nachgefragt.

Aus dem Inland gingen 1,5 % weniger Bestellungen ein. Die Auslandsnachfrage legte um 1,3 % zu, wobei ein Orderplus aus dem Nicht-Euroraum von 3,7 % zu Buche schlägt. Aus dem Euroraum gingen indes 2,4 % weniger Aufträge ein.

In den einzelnen Wirtschaftszweigen entwickelte sich die Nachfrage unterschiedlich. Während der gewichtige Bereich Kfz/Kfz-Teile ein kräftiges Plus von 12,8 % verzeichnete, meldeten andere Bereiche wie Maschinenbau und Metallerzeugung überwiegend mehr oder weniger starke Rückgänge. Die chemische Industrie registrierte hingegen unveränderte Auftragseingänge. Der Ausblick für die Industriekonjunktur in den nächsten Monaten bleibt angesichts der hohen Unsicherheit durch den Krieg und des drohenden Lieferstopps beim russischen Gas zurückhaltend.

Quelle: BMWK

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Deutsche Arbeitskosten 2021 um 1,2 % gestiegen, in EU weiter auf Position sieben – Keine Anzeichen für Preis-Lohn-Spirale

Durch Kurzarbeit und staatliche Unterstützungszahlungen ist es gelungen, zahlreiche Unternehmen und mehrere Millionen Arbeitsplätze in den Corona-Jahren 2020 und 2021 zu retten. Gleichzeitig haben sich die Arbeits- und die Lohnstückkosten der deutschen Privatwirtschaft über die gesamte Krise hinweg absolut stabilitätskompatibel entwickelt. Es gibt lt. Hans-Böckler-Stiftung bislang keine Anzeichen für eine Preis-Lohn-Spirale – trotz der schon im zweiten Halbjahr 2021 deutlich anziehenden Inflation.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 05.07.2022

Durch Kurzarbeit und staatliche Unterstützungszahlungen ist es gelungen, zahlreiche Unternehmen und mehrere Millionen Arbeitsplätze in den Corona-Jahren 2020 und 2021 zu retten. Gleichzeitig haben sich die Arbeits- und die Lohnstückkosten der deutschen Privatwirtschaft über die gesamte Krise hinweg absolut stabilitätskompatibel entwickelt, es gibt bislang keine Anzeichen für eine Preis-Lohn-Spirale – trotz der schon im zweiten Halbjahr 2021 deutlich anziehenden Inflation. Im Jahresdurchschnitt 2021 sind die Arbeitskosten in Deutschland lediglich um 1,2 Prozent gestiegen und damit deutlich schwächer als im ersten Corona-Jahr 2020, als der Zuwachs mit 2,2 Prozent bereits recht moderat ausfiel. Trotz der auch im zweiten Krisenjahr verbreiteten Kurzarbeit zur Beschäftigungssicherung, die für Betriebe trotz staatlicher Erstattung einige Rest-(Remanenz-)kosten bedeutet, war der Zuwachs auch etwas niedriger als im Durchschnitt der EU (1,5 Prozent) und nur geringfügig höher als im sehr niedrigen Mittel des Euroraums (1,0 Prozent). Damit rangiert die Bundesrepublik bei den Arbeitskosten für die private Wirtschaft weiterhin im oberen Mittelfeld Westeuropas, 2021 wie im Vorjahr auf Position sieben im EU-Vergleich. Das zeigt eine neue Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.

„Deutschland und Europa sind seit zweieinhalb Jahren mit außergewöhnlich heftigen gesellschaftlichen und außenwirtschaftlichen Schocks konfrontiert. Erst die Pandemie, aktuell der russische Angriffskrieg in der Ukraine – und aus beiden Schocks folgend eine Inflation, wie wir sie seit den 1980er Jahren nicht mehr erlebt haben. Umso bemerkenswerter ist der Befund, den die Analyse der Arbeits- und Lohnstückkosten bringt: Die tiefe Krise hat in den Daten kaum Spuren hinterlassen“, sagt Prof. Dr. Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des IMK. „Im Gegenteil: Die meisten europäischen Länder und insbesondere Deutschland sind bislang binnenwirtschaftlich recht stabil und außenwirtschaftlich hoch wettbewerbsfähig durch die vergangenen Jahre gekommen. Die von manchen beschworene Preis-Lohn-Spirale ist bislang kein Thema. Hier zeigt sich wieder einmal, wie stabilitätsfördernd das deutsche Modell der Sozialpartnerschaft ist – sowohl durch die direkte Mitwirkung der Beschäftigten an strategischen Unternehmensentscheidungen im Rahmen der Mitbestimmung wie auch durch die relativ zentralisierten und gut koordinierten Tarifverhandlungen.“

Stärker von der Pandemie betroffen waren zwar zunächst die Lohnstückkosten, weil krisenbedingt die Arbeitnehmerentgelte etwas stärker gestiegen sind bei gleichzeitig schwacher Produktivitätsentwicklung. Diese Entwicklung war schon während der Wirtschafts- und Finanzkrise zu beobachten und ist ein Zeichen der erfolgreichen Beschäftigungssicherung: Durch die Nutzung der Kurzarbeit werden zwar die Arbeitskosten insgesamt für die Betriebe reduziert, die Arbeitskosten je Stunde steigen jedoch temporär, da aufgrund von Remanenzkosten der Kurzarbeit die Arbeitskosten weniger stark zurückgingen als die geleisteten Arbeitsstunden. Dieser Effekt hat sich mit der relativen Entspannung im zweiten Corona-Jahr jedoch umgekehrt, so dass im Jahresdurchschnitt 2021 die deutschen Lohnstückkosten um lediglich 0,8 Prozent gestiegen sind, nach 3,4 Prozent 2020. Schaut man auf beide Corona-Jahre, lag der jährliche Durchschnitt bei 2,1 Prozent – und damit fast genau auf dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von 2,0 Prozent. Zudem haben die deutschen Lohnstückkosten selbst mit dem vergleichsweise kräftigen Anstieg 2020 im gesamten Zeitraum von 2000 bis 2021 im Jahresmittel nur um 1,3 Prozent zugenommen – langsamer als im ebenfalls geringen Durchschnitt des Euroraums ohne Deutschland (1,9 Prozent) und weitaus weniger als mit dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von 2 Prozent vereinbar. Dies sei auch ein Grund, warum wesentliche Teile der deutschen Wirtschaft weiterhin große Reserven hätten, wie man an den hohen Gewinnen vieler Großunternehmen sehe, so Dullien.

Trotz der aktuell hohen Unsicherheit durch den Krieg in der Ukraine mahnt der wissenschaftliche Direktor des IMK zu mehr Gelassenheit: „Stabilitätskonform ist ein gesamtwirtschaftliches Lohnwachstum im Rahmen der Zielinflationsrate der EZB von zwei Prozent plus dem Produktivitätswachstum von im Trend ein Prozent. Bei der Bewertung des Lohnwachstums 2022 und 2023 muss zudem mit einbezogen werden, dass die Lohnkosten 2020 und 2021 langsam gestiegen sind. Selbst wenn wir im Jahr 2022 mit dem Lohnkostenanstieg im Durchschnitt aller Branchen etwas über 3 Prozent lägen, wäre das noch keine echte Preis-Lohn-Spirale, sondern lediglich eine Korrektur der schwachen Vorjahre.“

„Die Entwicklung der Lohnstückkosten in der Corona-Pandemie hat erneut vor Augen geführt, dass der Euroraum als Ganzes und insbesondere Deutschland nichts an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt haben und auch während der Corona-Krise von Seiten der Lohnentwicklung keine Gefahr für die internationale Wettbewerbsfähigkeit drohte“, betonen auch Prof. Dr. Alexander Herzog-Stein und Dr. Ulrike Stein, die die neue Studie zusammen mit Friederike Kotthaus geschrieben haben.

Das unterstrichen auch die Außenhandelsüberschüsse des Euroraums und Deutschlands: Die Euroländer insgesamt verzeichneten 2021 einen Leistungsbilanzüberschuss von 3,1 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP). Noch weitaus höher war der Wert für die Bundesrepublik: Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds belief sich der deutsche Leistungsbilanzüberschuss auf 238 Milliarden Euro oder 6,7 Prozent des BIP. Das war zwar ein Prozentpunkt weniger als vor Ausbruch der Pandemie, aber immer noch oberhalb der Grenze von 6 Prozent, welche die EU als problematisch ansieht. Viele internationale Ökonomen und Politiker sind mit Blick auf das seit vielen Jahren immense Plus im deutschen Außenhandel ohnehin noch deutlich kritischer und sehen darin einen Störfaktor für die internationalen Wirtschaftsbeziehungen.

Nach Analyse von Stein, Herzog-Stein und Kotthaus haben solche Debatten nicht an Dringlichkeit verloren. Im Gegenteil: „In dem vor uns liegenden drastisch veränderten Umfeld einer langsam ausklingenden globalen Pandemie und des schrecklichen Ukrainekriegs direkt vor der Haustüre der Eurozone mit temporär hohen Preissteigerungsraten wird es zukünftig darum gehen, sicherzustellen, dass der Euroraum und seine Mitgliedstaaten mehr als in der Vergangenheit von einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung getragen werden, die ihre Stärke wesentlich aus einer dynamischen Binnenentwicklung erhält und so die Herausforderungen der sozial-ökologischen Transformation, die in diesem veränderten Umfeld noch an Dringlichkeit gewonnen hat, erfolgreich meistern können“, schreiben die Forschenden. „Eine Lohnentwicklung, die sicherstellt, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am gesellschaftlichen Wohlstandsfortschritt auch in diesen Zeiten des Wandels ausreichend partizipieren, ist hierfür unerlässlich.“

Dies sicherzustellen könne bei den derzeitigen Inflationsraten aber nicht allein die Lohnpolitik leisten, betont IMK-Direktor Dullien. „Hier wird die Wirtschaftspolitik als Ganzes gefragt sein.“ Etwa mit weiteren direkten Entlastungszahlungen an Haushalte mit niedrigen bis mittleren Einkommen, die unter der Teuerung von Gütern und Dienstleistungen des Grundbedarfs wie Lebensmitteln und Haushaltsenergie besonders stark leiden. „Das nimmt dann auch Druck aus den Tarifverhandlungen und reduziert das Risiko, dass doch noch Preis-Lohn-Spiralen in Gang kommen.“

Detaillierte Ergebnisse der neuen Studie

Arbeitskosten: Wieder Position sieben in der EU

Zu den Arbeitskosten zählen neben dem Bruttolohn die Arbeitgeberanteile an den Sozialbeiträgen, Aufwendungen für Aus- und Weiterbildung sowie als Arbeitskosten geltende Steuern. Das IMK nutzt für seine Studie die neuesten verfügbaren Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat.

Die Arbeitskosten in der deutschen Privatwirtschaft sind 2021 nominal um 1,2 Prozent gestiegen. Das liegt leicht unter dem Durchschnitt der EU (1,5 Prozent) und leicht über dem des Euroraums (1,0 Prozent). Diese im Vergleich moderate Zunahme ist nach Analyse des IMK auch deshalb bemerkenswert, weil die Entwicklung auch davon beeinflusst war, ob die Länder zur Sicherung von Beschäftigung Lohnsubventions- oder Kurzarbeitsprogramme einsetzten, so wie Deutschland. Wegen unterschiedlicher statistischer Erfassung reduziert ersteres die Arbeitskosten temporär, während letzteres sie zeitweilig erhöht.

Mit Arbeitskosten von 37,30 Euro pro Stunde lag Deutschland 2021 an siebter Stelle unter den EU-Ländern hinter Dänemark, Luxemburg, Schweden, Belgien, Frankreich und Österreich (Arbeitskosten zwischen 48,30 und 37,70 Euro; siehe auch Tabelle 1 in der Studie sowie im Anhang). Die Arbeitskosten in den Niederlanden liegen mit 36,90 Euro nahe bei den deutschen. Der Durchschnitt des Euroraums beträgt 32,50 Euro. Italien weist mit 28,50 Euro die höchsten Arbeitskosten in Südeuropa auf, liegt aber nach einem leichten Rückgang im Jahr 2021 etwas unter dem EU-Mittel von 28,70 Euro. In den übrigen südlichen EU-Staaten betragen die Arbeitskosten zwischen 22,40 Euro (Spanien) und 14,70 Euro (Portugal). Die „alten“ EU-Länder Griechenland und Portugal liegen mittlerweile deutlich hinter dem EU-Beitrittsland Slowenien mit 20,80 Euro. In der Tschechischen Republik, der Slowakei, den baltischen Staaten, Polen, Ungarn und Kroatien betragen die Stundenwerte zwischen 15,10 und 10,90 Euro. Schlusslichter sind Rumänien und Bulgarien mit Arbeitskosten von 8,10 bzw. 6,90 Euro pro Stunde, allerdings bei überdurchschnittlichen Zuwächsen von 4,2 und 7,7 Prozent.

Arbeitskosten bei Industrie und Dienstleistungen

Im Verarbeitenden Gewerbe betrugen 2021 die Arbeitskosten in Deutschland 41,90 Euro pro Arbeitsstunde. Im EU-Vergleich rangiert die Bundesrepublik damit auf Position vier (Vorjahr: drei) als Teil einer größeren Gruppe von Industrieländern, die deutlich über dem Euroraum-Durchschnitt von 34,50 Euro liegen. Dazu zählen auch Dänemark mit industriellen Arbeitskosten von 48,50 Euro, Belgien (44,80 Euro), Schweden (43,50 Euro) sowie die Niederlande (41,0 Euro), Österreich (39,90 Euro), Frankreich (39,80 Euro) und Finnland (38,80 Euro). Dabei ist nicht berücksichtigt, dass das Verarbeitende Gewerbe in der Bundesrepublik relativ stark von günstigeren Vorleistungen aus dem Dienstleistungsbereich profitiert, weil der Unterschied zwischen beiden Sektoren deutlich größer ist als in anderen EU-Staaten. 2021 stiegen die industriellen Arbeitskosten in Deutschland um lediglich 0,6 Prozent und damit schwächer als im Durchschnitt der EU (1,1 Prozent) und praktisch im gleichen Tempo wie im Euroraum insgesamt (0,5 Prozent).

Im privaten Dienstleistungssektor lagen die deutschen Arbeitskosten 2021 mit 34,80 Euro an neunter Stelle nach Dänemark, Luxemburg, Schweden, Belgien, Frankreich, Österreich, den Niederlanden und Finnland. In Dänemark lagen die Dienstleistungsarbeitskosten bei 48,60 Euro, der Durchschnitt im Euroraum betrug 31,10 Euro, in der gesamten EU 28,20 Euro. 2021 stiegen die Arbeitskosten im deutschen Dienstleistungssektor um 1,4 Prozent. Damit lag der Zuwachs leicht unter dem Durchschnitt in der EU (1,7 Prozent) und geringfügig über dem im Euroraum (1,3 Prozent).

Lohnstückkostenentwicklung: Langfristig 5,3 Prozentpunkte unter dem Mittel des Euroraums

Auch bei den Lohnstückkosten, die die Arbeitskosten ins Verhältnis zum Produktivitätsfortschritt setzen, weist Deutschland für den Zeitraum von 2000 bis Ende 2021 weiterhin eine moderate Tendenz auf. Trotz einer etwas stärkeren Steigerung in den vergangenen Jahren bis 2020 sind sie seit der Jahrtausendwende, als Deutschland eine fast ausgeglichene Leistungsbilanz aufwies, im Jahresmittel um lediglich 1,3 Prozent gewachsen. Das ist schwächer als in den anderen großen Mitgliedsstaaten des Euroraums und weitaus weniger als mit dem Inflationsziel der EZB vereinbar gewesen wäre. Die langfristige deutsche Lohnstückkostenentwicklung seit der Jahrtausendwende lag Ende 2021 laut IMK immer noch um kumuliert 5,3 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt des Euroraums.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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Lage deutscher Autohersteller leicht verbessert

Die Geschäftslage der deutschen Autobauer hat sich im Juni etwas verbessert. Sie stieg auf 23,6 Punkte, nach 17,8 im Mai. Lt. ifo Institut können die Autohersteller weiterhin hohe Verkaufspreise durchsetzen. Der Indikator für die Preiserwartungen blieb bei hohen 74,7 Punkten, nach 80,5 im Mai.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 05.07.2022

Die Geschäftslage der deutschen Autobauer hat sich im Juni etwas verbessert. Sie stieg auf 23,6 Punkte, nach 17,8 im Mai. „Die Autohersteller können weiterhin hohe Verkaufspreise durchsetzen“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien. Der Indikator für die Preiserwartungen blieb bei hohen 74,7 Punkten, nach 80,5 im Mai.

Ihren Auftragsbestand bewerteten die Hersteller deutlich besser. Er stieg im Vergleich zum Vormonat etwas an. „Die Autobauer hoffen, ihre Produktion in den nächsten Monaten auszuweiten“, sagt Falck. Die Produktionserwartungen stiegen auf gute 56,2 Punkte, nach 45,6 im Mai. Auch wollen sie neues Personal einstellen. Ihre Perspektive insgesamt bewerteten die Autoproduzenten aber als wenig optimistisch. Die Erwartungen fielen auf 9,8 Punkte, nach 41,3 im Mai. „Das EU-Parlament hat für das Verbrenner-Aus in Europa im Jahre 2035 gestimmt. Ford hat sich gegen den Produktionsstandort Saarlouis entschieden und wird Elektroautos in Valencia produzieren. Und es herrscht weiterhin ein großer Mangel an wichtigen Vorprodukten. Das alles drückt die Erwartungen“, sagt Falck.

Bei den Zulieferern der Automobilbranche blieb die Geschäftslage im Juni angespannt. Der Wert sank auf 2,5 Punkte, nach 8,1 im Mai. Das gilt auch für ihre Geschäftsaussichten. Die Erwartungen fielen deutlich auf minus 33,1 Punkte, nach minus 19,0 im Mai. Sie meldeten einen gesunkenen Auftragsbestand und erwarten, ihre Produktion einzuschränken.

Quelle: ifo Institut

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Probleme bei Stellenbesetzungen: Unattraktive Arbeitsbedingungen sind oft wichtiger Grund

Viele Betriebe haben lt. Hans-Böckler-Stiftung Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Auch aus Sicht von Betriebs- und Personalräten ist das ein großes Problem. Die Beschäftigtenvertreterinnen und -vertreter weisen aber auch auf einen wichtigen Grund hin, den Unternehmensleitungen eher selten nennen: unattraktive Arbeitsbedingungen wie niedrige Bezahlung oder ungünstige Arbeitszeiten.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 04.07.2022

Viele Betriebe haben Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Auch aus Sicht von Betriebs- und Personalräten ist das ein großes Problem, zeigt eine repräsentative Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Beschäftigtenvertreterinnen und -vertreter weisen aber auch auf einen wichtigen Grund hin, den Unternehmensleitungen eher selten nennen: unattraktive Arbeitsbedingungen wie niedrige Bezahlung oder ungünstige Arbeitszeiten. Je nach Qualifikationsprofil der offenen Stellen sehen ein Viertel bis ein Drittel der Befragten darin den wichtigsten Faktor für Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung in ihrem Betrieb.

Arbeitskraft ist knapp – zumindest in bestimmten Branchen: Laut der Bundesagentur für Arbeit gibt es etwa in Bauberufen, dem Handwerk, der Pflege oder dem IT-Bereich seit geraumer Zeit einen Mangel an Fachkräften. Wie Vertreter und Vertreterinnen der Beschäftigten dieses Problem sehen, hat WSI-Forscherin Dr. Elke Ahlers zusammen mit Valeria Quispe Villalobos analysiert. Ihre neue Studie basiert auf Daten der WSI-Betriebs- und Personalrätebefragung 2021/22, an der knapp 3.900 Arbeitnehmervertretungen in Betrieben und Dienststellen ab 20 Beschäftigten teilgenommen haben. Die Befragung ist damit repräsentativ für mitbestimmte Betriebe oder Organisationen ab 20 Beschäftigten.

Dass Fachkräftemangel in der deutschen Wirtschaft verbreitet ist, bestätigen die befragten Betriebs- und Personalräte: 56,2 Prozent von ihnen geben an, dass in den vergangenen 24 Monaten nicht alle ausgeschriebenen Stellen besetzt werden konnten. Besonders hoch ist der Anteil mit 80,2 Prozent im Gesundheitswesen und mit 72,2 Prozent im Baugewerbe. Neben der Branche spielt das erforderliche Qualifikationsniveau eine wichtige Rolle: Von den Befragten, deren Betrieb von Personalnot betroffen ist, berichten 70,5 Prozent, dass Stellen für Hochqualifizierte vakant geblieben sind, bei 63,2 Prozent waren es Arbeitsplätze für Fachkräfte mit Berufsausbildung. Probleme bei der Gewinnung von Auszubildenden geben 28,6 Prozent zu Protokoll, Personal für einfache Tätigkeiten fehlt bei 19,4 Prozent.

Als Hauptgrund für die Probleme nennen die Betriebs- und Personalräte mehrheitlich den Mangel geeigneter Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt. Relevant sind aber auch schlechte Arbeitsbedingungen als „hausgemachter“ Faktor: Wenn es um fehlendes Personal für einfache Tätigkeiten geht, halten gut 32 Prozent die unattraktiven Konditionen für ausschlaggebend. Mit Blick auf Schwierigkeiten bei der Besetzung hochqualifizierter Stellen sagen das knapp 31 Prozent und bei der Gewinnung von Fachkräften mit Berufsausbildung 24 Prozent. In den Branchen Verkehr, Lagerei sowie Gastgewerbe ist der Anteil der Befragten, die die Arbeitsbedingungen vor Ort verantwortlich machen, sogar größer als der Anteil derjenigen, die auf den Arbeitsmarkt verweisen.

Der Fachkräftemangel in Deutschland sei real und müsse zur Kenntnis genommen werden, auch wegen der negativen Folgen für Belegschaften wie Arbeitsintensivierung und Überlastung, so Ahlers. Attraktivere Arbeitsbedingungen könnten nach ihrer Einschätzung dazu beitragen, das Problem in den Griff zu bekommen.

Um insbesondere Geringqualifizierte, Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund besser ins Arbeitsleben zu integrieren, brauche es zudem mehr Weiterbildung. Mehr Kita-Plätze, familienfreundliche Arbeitszeiten, eine gerechtere partnerschaftliche Aufteilung der Sorgearbeit und Homeoffice könnten jungen Eltern die Teilhabe am Erwerbsleben erleichtern. Zudem könnten gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen und eine bessere Prävention Älteren den Verbleib im Job ermöglichen. Um ausländische Fachkräfte zu gewinnen, sollten die Kosten von Sprachkursen vom Staat oder von Unternehmen übernommen, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse erleichtert und Anpassungsqualifizierungen ermöglicht werden.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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Geschäftsklima für Soloselbstständige und Kleinstunternehmen gestiegen

Das Geschäftsklima für Kleinstunternehmen und Soloselbstständige hat sich verbessert. Das sind die Ergebnisse des aktuellen Indexes für dieses Segment („Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex“). Er stieg im Juni auf minus 1,1 Punkte (nicht saisonbereinigt), nach minus 2,5 im Mai.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 04.07.2022

Das Geschäftsklima für Kleinstunternehmen und Soloselbstständige hat sich verbessert. Das sind die Ergebnisse des aktuellen Indexes für dieses Segment („Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex“). Er stieg im Juni auf minus 1,1 Punkte (nicht saisonbereinigt), nach minus 2,5 im Mai. „Die Geschäfte laufen merklich besser“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. „Jedoch bleiben große Sorgenfalten mit Blick auf das zweite Halbjahr.“

Die Unternehmen waren deutlich zufriedener mit den laufenden Geschäften. Der Lageindikator stieg auf den höchsten bisher gemessenen Wert. Diese Entwicklung wird vor allem durch den Dienstleistungssektor getragen. Die Erwartungen fielen jedoch etwas pessimistischer aus. Hier sticht insbesondere der Einzelhandel negativ heraus.

Preiserhöhungen bleiben auf der Agenda. Etwa jedes zweite Unternehmen hat entsprechende Pläne.

Seit August 2021 berechnet das ifo Institut den Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex für Soloselbstständige und Kleinstunternehmen (weniger als 9 Mitarbeiter). Wie im Gesamtindex sind alle Sektoren abgebildet. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem Dienstleistungssektor. Der Index basiert auf einer Zusammenarbeit mit Jimdo, einem Anbieter von Online-Tools speziell für Soloselbstständige und kleine Unternehmen, und hat das Ziel die Sichtbarkeit der Kleinstunternehmen zu erhöhen. Neben Jimdo trägt auch der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschlands (VGSD e.V.) zur Gewinnung neuer Teilnehmer bei.

Quelle: ifo Institut

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Exporte im Mai 2022: -0,5 % zum April 2022

Im Mai 2022 sind die deutschen Exporte gegenüber April 2022 um 0,5 % gesunken und die Importe um 2,7 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, stiegen die Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai 2021 um 11,7 % und die Importe um 27,8 %. Die Exporte in die Russische Föderation stiegen im Mai 2022 gegenüber April 2022 um 29,4 % auf 1,0 Mrd. Euro, nachdem sie im März 2022 um fast 60 % gegenüber Februar 2022 und im April 2022 um 9,9 % gegenüber März 2022 eingebrochen waren.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 04.07.2022

Exporte nach Russland kalender- und saisonbereinigt um 29,4 % gegenüber dem Vormonat April 2022 gestiegen, gegenüber Mai 2021 um 54,6 % gesunken

Exporte (kalender- und saisonbereinigt), Mai 2022

  • 125,8 Milliarden Euro
  • -0,5 % zum Vormonat
  • +11,7 % zum Vorjahresmonat

Importe (kalender- und saisonbereinigt), Mai 2022

  • 126,7 Milliarden Euro
  • +2,7 % zum Vormonat
  • +27,8 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz (kalender- und saisonbereinigt), Mai 2022

  • -1,0 Milliarden Euro

Im Mai 2022 sind die deutschen Exporte gegenüber April 2022 kalender- und saisonbereinigt um 0,5 % gesunken und die Importe um 2,7 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, stiegen die Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai 2021 um 11,7 % und die Importe um 27,8 %. Die Exporte in die Russische Föderation stiegen im Mai 2022 gegenüber April 2022 um 29,4 % auf 1,0 Milliarden Euro, nachdem sie im März 2022 um fast 60 % gegenüber Februar 2022 und im April 2022 um 9,9 % gegenüber März 2022 eingebrochen waren. Gegenüber dem Vorjahresmonat Mai 2021 lagen sie um 54,6 % niedriger. Die Importe aus Russland gingen im Mai 2022 gegenüber April 2022 um 9,8 % auf 3,3 Milliarden Euro zurück.

Insgesamt wurden im Mai 2022 kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 125,8 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert und Waren im Wert von 126,7 Milliarden Euro nach Deutschland importiert. Die Außenhandelsbilanz schloss im Mai 2022 mit einem negativen Saldo von 1,0 Milliarden Euro ab. Im April 2022 hatte der kalender- und saisonbereinigte Saldo der Außenhandelsstatistik bei +3,1 Milliarden Euro gelegen, im Mai 2021 bei +13,4 Milliarden Euro.

Außenhandel mit EU-Staaten

In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) wurden im Mai 2022 kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 67,5 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 61,8 Milliarden Euro von dort importiert. Gegenüber April 2022 sanken die kalender- und saisonbereinigten Exporte in die EU-Staaten um 2,8 %, die Importe aus diesen Staaten stiegen um 2,5 %. In die Staaten der Eurozone wurden Waren im Wert von 46,8 Milliarden Euro (-2,8 %) exportiert und Waren im Wert von 42,5 Milliarden Euro (+1,6 %) aus diesen Staaten importiert. In die EU-Staaten, die nicht der Eurozone angehören, wurden Waren im Wert von 20,6 Milliarden Euro (-2,9 %) exportiert und Waren im Wert von 19,3 Milliarden Euro (+4,7 %) von dort importiert.

Außenhandel mit Nicht-EU-Staaten

In die Staaten außerhalb der EU (Drittstaaten) wurden im Mai 2022 kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 58,3 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 65,0 Milliarden Euro aus diesen Staaten importiert. Gegenüber April 2022 nahmen die Exporte in die Drittstaaten um 2,3 % und die Importe von dort um 2,9 % zu.

Die meisten deutschen Exporte gingen im Mai 2022 in die Vereinigten Staaten. Dorthin wurden kalender- und saisonbereinigt 5,7 % mehr Waren exportiert als im April 2022. Damit stiegen die Exporte in die Vereinigten Staaten auf einen Wert von 13,4 Milliarden Euro. Die Exporte in die Volksrepublik China stiegen um 0,5 % auf 8,7 Milliarden Euro und die Exporte in das Vereinigte Königreich sanken um 2,5 % auf 5,8 Milliarden Euro.

Die meisten Importe kamen im Mai 2022 aus der Volksrepublik China. Von dort wurden kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 18,0 Milliarden Euro eingeführt, das waren 1,6 % weniger als im Vormonat. Die Importe aus den Vereinigten Staaten stiegen um 9,7 % auf 7,4 Milliarden Euro. Die Importe aus dem Vereinigten Königreich nahmen im gleichen Zeitraum um 2,0 % auf 3,4 Milliarden Euro ab.

Originalwerte für den Außenhandel (nicht kalender- und saisonbereinigt)

Nominal (nicht kalender- und saisonbereinigt) wurden im Mai 2022 Waren im Wert von 130,3 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert und Waren im Wert von 129,8 Milliarden Euro nach Deutschland importiert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai 2021 stiegen die Exporte damit um 19,0 % und die Importe um 33,6 %. Die unbereinigte Außenhandelsbilanz schloss im Mai 2022 mit einem Überschuss von 0,5 Milliarden Euro ab. Im Mai 2021 hatte der Saldo +12,4 Milliarden Euro betragen.

Im Mai 2022 wurden nominal Waren im Wert von 1,1 Milliarden Euro nach Russland exportiert. Damit lag die Russische Föderation im Mai 2022 auf Rang 25 der wichtigsten Bestimmungsländer für deutsche Exporte. Im Mai 2021 belegte die Russische Föderation noch Rang 14 der Handelspartner.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2022

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Energiearmut: Jeder Vierte gibt mehr als zehn Prozent seines Einkommens für Energie aus

Wegen des Krieges in der Ukraine steigen die Energiepreise rasant – eine enorme Belastung für deutsche Haushalte. Eine neue Studie des IW Köln zeigt, dass immer mehr Menschen von Energiearmut bedroht sind – auch die Mittelschicht.

IW Köln, Pressemitteilung vom 03.07.2022

Wegen des Krieges in der Ukraine steigen die Energiepreise rasant – eine enorme Belastung für deutsche Haushalte. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass immer mehr Menschen von Energiearmut bedroht sind – auch die Mittelschicht.

Gut 25 Prozent der Deutschen gaben im Mai 2022 mehr als zehn Prozent ihres Nettoeinkommens für Energie aus. Dazu gehören Ausgaben für Heizen, Warmwasser und Strom. Zum Vergleich: 2021 waren es nur 14,5 Prozent. Insgesamt sind Personen aus allen Einkommensschichten von den steigenden Energiepreisen betroffen. Die Belastung fällt jedoch unterschiedlich stark aus: Je höher das Einkommen, desto niedriger ist der Anteil, der für Energie fällig wird. Gibt eine Person mehr als zehn Prozent ihres Nettoeinkommens für Energie aus, gilt sie als „energiearm“. Eine von Energiearmut bedrohte Person muss dieses Jahr voraussichtlich knapp 2.500 Euro für Haushaltsenergie ausgeben.

Energiearmut betrifft zunehmend auch die Mittelschicht

Mittlerweile belasten die hohen Preise längst nicht mehr nur Haushalte mit niedrigerem Einkommen. „Energiearmut betrifft zunehmend auch die Mittelschicht“, sagt IW-Ökonom Maximilian Stockhausen. Tatsächlich lässt sich auch in der unteren Mittelschicht beobachten, dass der Anteil der sog. energiearmen Personen ansteigt. Zur unteren Mitte gehört eine Person, wenn ihr bedarfsgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen zwischen 60 und 80 Prozent des Medianeinkommens liegt. Zwischen 2021 und Mai 2022 verdoppelte sich der Anteil der von Energiearmut gefährdeten Personen in dieser Einkommensklasse auf knapp 41 Prozent.

Menschen unter der Armutsrisikogrenze – die also weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltsnettoeinkommens haben – sind besonders betroffen. 65 Prozent dieser Personen geben mehr als zehn Prozent ihres Nettoeinkommens für Energie aus. Verglichen mit dem Vorjahr ist das ein Anstieg um 16 Prozentpunkte. Um ihre Strom-, Gas- und Ölrechnungen zu bezahlen, könnten viele dieser Haushalte zukünftig auf Unterstützung angewiesen sein.

Zusätzliche Hilfen könnten nötig werden

Grundsicherungsempfängern werden Heiz- und Warmwasserkosten erstattet, hier kommt es daher vorrangig auf eine zeitnahe Kostenübernahme und Anpassung der Regelsätze an die höheren Stromkosten an. Die IW-Forscher plädieren vor allem für zielgerichtete Hilfen für Haushalte, die knapp oberhalb der Grundsicherungsgrenze stehen. Viele Maßnahmen der beiden Entlastungspakete, wie die Abschaffung der EEG-Umlage zum 1. Juli, werden diese Gruppe am stärksten entlasten. Darüber hinaus sollten diejenigen, die Wohngeld und in den nächsten Monaten einen einmaligen Heizkostenzuschuss erhalten, mehr Leistungen erhalten. „Eine dauerhafte und flexibel anpassbare Heizkostenpauschale im Wohngeld, wie in den Jahren 2009 und 2010, kann einkommensschwache Haushalte gezielt und dauerhaft unterstützen“, sagt IW-Ökonom Ralph Henger.

Quelle: IW Köln

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Roboter, Drohnen, smarte Software: Das Handwerk wird digitaler

Das Handwerk in Deutschland wird digitaler. Schon zwei Drittel aller Handwerksbetriebe in Deutschland nutzen digitale Technologien und Anwendungen. Vor zwei Jahren waren es mit 53 Prozent noch deutlich weniger, 2017 waren es sogar nur 45 Prozent. Bei mehr als der Hälfte der Handwerksbetriebe hat die Digitalisierung insbesondere durch die Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. Und 55 Prozent der Handwerker:innen sagen lt. Bitkom mittlerweile: Die Digitalisierung sichert die Existenz unseres Betriebes.

Bitkom, Pressemitteilung vom 01.07.2022

  • Neue Studie von Bitkom und Zentralverband des Deutschen Handwerks
  • Zwei Drittel der Handwerksunternehmen nutzen digitale Technologien und Anwendungen
  • Corona-Effekt: Starker Schub bei Plattformnutzung und Social Media

Das Handwerk in Deutschland wird digitaler. Schon zwei Drittel (68 Prozent) aller Handwerksbetriebe in Deutschland nutzen digitale Technologien und Anwendungen. Vor zwei Jahren waren es mit 53 Prozent noch deutlich weniger, 2017 waren es sogar nur 45 Prozent. Bei mehr als der Hälfte der Handwerksbetriebe (56 Prozent) hat die Digitalisierung insbesondere durch die Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. Und 55 Prozent der Handwerkerinnen und Handwerker sagen mittlerweile: Die Digitalisierung sichert die Existenz unseres Betriebes. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Befragung unter 503 Handwerksbetrieben in Deutschland, die im Auftrag des Digitalverbands Bitkom und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) durchgeführt wurde.

Demnach nutzen aktuell 45 Prozent der Handwerksunternehmen Cloud Computing. Jedes Siebte (15 Prozent) hat Trackingsysteme im Einsatz, mit denen sich Maschinen und Betriebsmittel nachverfolgen lassen. Ebenso viele (14 Prozent) verwenden vorrausschauende Wartung, bei der mit Sensoren und Datenanalyse drohende Ausfälle von Anlagen frühzeitig erkannt werden und 11 Prozent smarte Software, die zum Beispiel Arbeitszeiten automatisch nach Projektstatus einteilt. 3D-Technologie ist bei jedem zehnten Handwerksunternehmen im Einsatz (10 Prozent) und Drohnen bereits bei 8 Prozent – die unbemannten kleinen Fluggeräte sind insbesondere für das Bauhauptgewerbe interessant. 7 Prozent vernetzen Geräte oder Anlagen über das Internet der Dinge, das so genannte Internet of Things (IoT). Roboter (6 Prozent), Virtual oder Augmented Reality (3 Prozent) sind kaum verbreitet, Künstliche Intelligenz spielt im Handwerk derzeit noch so gut wie keine Rolle (1 Prozent). ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte: „Die zu beobachtende Entwicklung stimmt uns positiv. Bereits gut zwei Drittel der Handwerksbetriebe nutzen digitale Technologien. Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass der Einsatz in den vergangenen zwei Jahren enorm gestiegen ist.“ Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp ergänzt: „Die Digitalisierung ist im Handwerk in den vergangenen zwei Jahren deutlich vorangeschritten. Auch in Zeiten voller Auftragsbücher können digitale Tools und Anwendungen kleine wie große Unternehmen effektiv unterstützen und sie für die Zukunft stark machen.“

Die Nutzung digitaler Technologien und Anwendungen zahlt sich dabei direkt auf die tägliche Arbeit der Handwerksbetriebe aus: 83 Prozent sehen als größten Vorteil Zeitersparnis, 78 Prozent eine optimierte Lagerung und Logistik und 73 Prozent eine flexiblere Arbeitsorganisation. Eine höhere Sichtbarkeit bei der Kundschaft (71 Prozent) sowie körperliche Entlastung (60 Prozent) spielen ebenfalls eine große Rolle.

4 von 10 Handwerksbetrieben nutzen Social Media

Einen starken Schub hat es im Handwerk auch bei der Nutzung digitaler Plattformen gegeben. 4 von 10 Betrieben machen in sozialen Medien auf sich aufmerksam (2020: 30 Prozent), wobei kleine Betriebe mit weniger als 5 Mitarbeitenden für Facebook, Instagram, LinkedIn und Co. offenbar deutlich weniger Ressourcen aufbringen können (29 Prozent) als größere Betriebe ab 5 Mitarbeitenden (57 Prozent). Mehr als ein Viertel (27 Prozent) hat einen Eintrag auf einer Bewertungsplattform wie Yelp (2020: 23 Prozent) und 22 Prozent nutzen Online-Plattformen für Aufträge und Termine wie MyHammer oder Treatwell (2020: 14 Prozent). „Plattformen und insbesondere soziale Medien gehören für viele Menschen in Deutschland zum Leben dazu. Sie machen es potenziellen Kundinnen und Kunden besonders einfach, sich zu informieren oder Termine zu buchen. Um ihre Zielgruppe anzusprechen, sollten Handwerksunternehmen prüfen, auf welchen digitalen Plattformen es sich für sie lohnt, aktiv sein“, sagt Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp. Fast alle Handwerkerinnen und Handwerker (97 Prozent) verfügen jedoch über eine eigene Website, 76 Prozent haben einen Eintrag in Online-Verzeichnissen wie gelbeseiten.de, und 23 Prozent schalten Werbeanzeigen im Netz. Ebenfalls mehr als jeder fünfte Betrieb (22 Prozent) setzt auf Marketing via E-Mail oder Newsletter.

Onlinekommunikation gewinnt auch im Handwerk deutlich an Bedeutung

Ob für Aufträge, Terminabsprachen oder den fachlichen Austausch: In der Pandemie sind digitale Tools und Lösungen für die Kommunikation mit Kundinnen und Kunden, Mitarbeitenden oder Geschäftspartnern insgesamt deutlich wichtiger geworden. In der internen wie externen Kommunikation ist die Nutzung von Videokonferenzen etwa über Zoom, Skype oder GoToMeeting im Vergleich zu 2020 am stärksten gewachsen: intern von 5 Prozent auf 29 Prozent und von 11 Prozent auf 42 Prozent bei der externen Kommunikation. Jeder fünfte Handwerksbetrieb (20 Prozent) setzt intern bereits auf Kollaborationstools wie MS Teams oder Slack, 18 Prozent kommunizieren auch extern darüber. Messenger-Dienste wie WhatsApp, Signal oder Telegram werden mittlerweile von den allermeisten Handwerkerinnen und Handwerkern für die interne (91 Prozent) Kommunikation genutzt – fast zwei Drittel (63 Prozent) tauschen sich auch extern beruflich darüber aus.

Gleichwohl haben die digitalen Tools auch die Beziehungen zu den Kundinnen und Kunden verändert – nicht immer zum Positiven. 97 Prozent der Handwerkerinnen und Handwerker stimmen der Aussage zu, Kundinnen und Kunden würden durch die Digitalisierung eine schnelle Rückmeldung erwarten. 82 Prozent erleben, dass die Kundschaft eine schnelle Lieferung erwartet und 81 Prozent, dass zugleich individuellere Angebote gewünscht sind. Drei Viertel der Handwerksbetriebe stellen auch fest: Kundinnen und Kunden erwarten ständige Erreichbarkeit 24/7 auf allen Kanälen. Neben dem Alltagsgeschäft auf diese veränderten Kundenbedürfnisse und Entwicklungen entsprechend zu reagieren, stellt Handwerksbetriebe vor neue Herausforderungen. Die Digitalisierung ist hierbei Ursache und Lösung zugleich. „Ein Grund mehr, sich aktiv mit dem Thema und dessen Einsatzmöglichkeiten im eigenen Betrieb auseinander zu setzen.“, sagt ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte.

Drei Viertel sehen Digitalisierung als Chance

Insgesamt zeigt sich die überwiegende Mehrheit der Handwerksbetriebe der Digitalisierung gegenüber aufgeschlossen (83 Prozent). 77 Prozent sehen in ihr eine konkrete Chance für den eigenen Betrieb, 8 Prozent halten die Digitalisierung jedoch auch für ein Risiko. Noch 14 Prozent der Handwerksbetriebe in Deutschland sagen: Die Digitalisierung hat keinen Einfluss auf unseren Betrieb. ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte sagt hierzu: „Die Potenziale, die sich für Betriebe durch die Digitalisierung erschließen, sind vielfältig. Eine große Mehrheit unserer Betriebe hat bereits erkannt, dass die Chancen der Digitalisierung überwiegen und zur Sicherung der Existenz und Zukunftsfähigkeit beitragen. Das Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk hat in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass sich Handwerksbetriebe mit dem Thema auseinandersetzen. Es unterstützt besonders kleine Handwerksbetriebe bei der Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen.“

Dabei zeigen sich die Betriebe auch selbstkritisch und geben sich auf einer Schulnoten-Skala für den Stand der eigenen Digitalisierung ein „befriedigend“ (3,1). Am besten schätzen sich größere Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten ein, die sich im Schnitt mit 2,7 beurteilen. Sehr kleine Betriebe mit bis zu vier Beschäftigen geben sich dagegen eine 3,2 als Digitalisierungs-Note. Insgesamt nur jeder fünfte Handwerksbetrieb (20 Prozent) sagt, die Digitalisierung habe Einfluss auf das eigene Geschäftsmodell. 30 Prozent bieten aufgrund der Digitalisierung mittlerweile neue Produkte und Dienstleistungen an.

IT-Sicherheit ist für zwei Drittel der Betriebe wichtig

Die größten Hürden beim Einsatz neuer Technologien sind nach Ansicht der Betriebe hohe Investitionskosten (71 Prozent), die Sorge um IT-Sicherheit (65 Prozent) sowie hohe Anforderungen an den Datenschutz (62 Prozent). Dahinter folgen eine unzureichende Internetversorgung (61 Prozent) und die Sorge um den Verlust von Datenhoheit (59 Prozent). Gleichwohl betonen 67 Prozent, das Thema IT-Sicherheit habe in ihrem Betrieb einen großen Stellenwert. Lediglich 15 Prozent sorgen sich vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine vor Hackerangriffen auf ihren Betrieb. „Die Cyberkriminalität steigt seit Jahren. Daher sollten auch Handwerksbetriebe die eigenen Sicherheitsvorkehrungen überprüfen und wo nötig nachbessern“, betont Bitkom-Geschäftsleiter Veltkamp. Karl-Sebastian Schulte ergänzt: „Cybersicherheit wird vor diesem Hintergrund eine zentrale Voraussetzung für die Digitalisierung, die jeder Betrieb von Anfang an mitdenken sollte. Unterstützung bietet hier beispielweise der Routenplaner für Cybersicherheit im Handwerk.“

Insgesamt sagen fast zwei Drittel der Handwerkerinnen und Handwerker (64 Prozent): Die Digitalisierung ist eine Herausforderung für unseren Betrieb. Damit liegt die Digitalisierung jedoch hinter anderen aktuellen Herausforderungen für die Branche, so etwa die hohen Energiepreise (68 Prozent), die Suche nach qualifizierten Fachkräften (77 Prozent) oder unterbrochene Lieferketten aufgrund der weltpolitischen Lage (77 Prozent).

Allerdings hat auch jeder dritte Handwerksbetrieb (37 Prozent) konkrete Probleme, die Digitalisierung insgesamt zu bewältigen. 81 Prozent halten viele digitale Anwendungen auf dem Markt für überdimensioniert für den eigenen Betrieb, die Hälfte (54 Prozent) kann sich viele Anwendungen nicht leisten. Die dafür vorhandenen Förderprogramme von Bund und Ländern schneiden in diesem Zusammenhang bei den Handwerksbetrieben in Deutschland eher schlecht ab: 97 Prozent halten die Beantragung von Fördergeldern für Digitalisierungsmaßnahmen oft für zu bürokratisch und 88 Prozent meinen, diese gehen am Bedarf der Betriebe vorbei. Bei lediglich 26 Prozent sind Förderprogramme ein wesentlicher Bestandteil für die Digitalisierung des eigenen Betriebs. ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte: „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass Digitalisierungsvorhaben weiterhin von der Politik unterstützt werden. Es gibt gute Ansätze, beispielsweise die Förderprogramme „go digital“ und „digital jetzt“, die professionelle Beratungen, Mitarbeiterschulungen und die Implementierung von digitalen Technologien bezuschussen. Die Handhabbarkeit ist aber ausbaufähig: Die Antragsstellung erscheint für Kleinstbetriebe oft zu bürokratisch und aufwendig. Zugleich bietet die Bundesregierung mit der Förderung des Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk eine konkrete Anlaufstelle, die praxisnahe Informations-, Qualifizierungs- und Unterstützungsangebote für Handwerksbetriebe und KMU bereitstellt. “ Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp: „Vor allem kommt es auch auf die Handwerks-Unternehmen selbst an: Wer digitalisieren will, muss loslegen. Jetzt gilt es, den Digitalisierungs-Boost durch die Corona-Pandemie fortzuführen und zu verstetigen. Unternehmen, die digital aufgestellt sind, sind nicht nur wettbewerbsfähiger, sie kommen auch besser durch die Krise.“

Quelle: Bitkom

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Novum und Krisensituation – Alarmstufe des Notfallplans Gas aktiviert

Auch wenn die Gasversorgung in Deutschland momentan noch gesichert ist: Die Szenarien für den kommenden Winter fallen düster aus. Denn die Speicherfüllstände sind niedrig und zusätzliche Lieferkapazitäten aus Norwegen oder den Niederlanden begrenzt. Gleichzeitig sorgt ein weltweiter Wettbewerb um Flüssiggas für Engpässe bei den verfügbaren Tankschiffen. Das BMWK will die Vorsorgesituation mit einer Reihe von Maßnahmen weiter stärken; Unternehmen sind lt. DIHK dennoch gut beraten, sich auf eine Gasmangellage vorzubereiten.

DIHK, Mitteilung vom 30.06.2022

Bereits das Ausrufen der Frühwarnstufe des Notfallplans Gas am 30. März war ein Novum in der deutschen Geschichte. Nun hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) am 23. Juni die sog. Alarmstufe aktiviert, die zweite und vorletzte Stufe der Eskalationskaskade. Damit setzt die Bundesregierung ein deutliches Zeichen zum Ernst der Lage.

Auch wenn die Versorgung momentan noch gesichert ist, zeichnen die neuesten Berechnungen der Bundesnetzagentur (BNetzA) in nahezu allen Szenarien ein düsteres Bild für die Gasversorgung im kommenden Winter.

Versorgungssituation sehr kritisch

Die deutlich reduzierten russischen Gaslieferungen lassen das Erreichen der erst kürzlich gesetzlich normierten Speicherfüllstände in weite Ferne rücken. Ob die Liefermengen wieder steigen oder nach der geplanten Revision der Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 im Juli gar völlig versiegen, liegt voraussichtlich allein im politischen Kalkül Moskaus. Begrenzte zusätzliche Lieferkapazitäten aus Norwegen und den Niederlanden, ein weltweiter Wettbewerb um Flüssiggas (LNG) und entsprechend knappe Tanker-Kapazitäten verschärfen die Lage.

Zudem verfügt Deutschland bisher über keine eigenen LNG-Terminals. Ob die ersten beiden schwimmenden Terminals in Wilhelmshafen und Brunsbüttel wie geplant zum Ende des Jahres vor Anker gehen, muss sich noch zeigen. Auch dann werden die dort umschlagbaren Mengen die bisherigen russischen Gaslieferungen bei Weitem nicht ersetzen können. Angesichts der kritischen Situation auf der Versorgungsseite rückt auch die Verbraucherseite immer stärker in den Fokus.

Einsparungen dringend notwendig

Die fehlenden Lieferungen werden nur durch eine deutliche Senkung des deutschen Gasverbrauchs auszugleichen sein. Sonst käme es zu einer ernsthaften Mangellage, die gravierende Auswirkungen für Wirtschaft und Gesellschaft hätte. Dieses Signal hat das BMWK mit der Alarmstufe nochmal eindringlich gesendet.

Flankiert wird die Alarmstufe durch eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen, mit denen das BMWK die Vorsorgesituation weiter stärken will. Dazu gehören gesetzliche Grundlagen für den verstärkten Einsatz von Kohlekraftwerken in der Stromproduktion, dazu zählt aber auch ein Auktionsmodell, mit dem Industriekunden gegen eine arbeitspreisbasierte Vergütung ihren Verbrauch reduzieren sollen, sowie zusätzliche KfW-Kreditlinien für die Speicherbefüllung.

Auf die Möglichkeit zur Weitergabe der höheren Beschaffungskosten an die Endkunden innerhalb bestehender Verträge (§ 24 Energiesicherungsgesetz) wurde hingegen vorerst verzichtet. Daher bringt die Alarmstufe zunächst keine direkten Änderungen für die Unternehmen mit sich. Spätestens in der Notfallstufe wären aber Markteingriffe durch die BNetzA, beispielweise Vorgaben über Zuteilung, Bezug und Verwendung von Gas oder sogar ein Ausschluss vom Gasbezug die Folge.

Unternehmen sollten sich vorbereiten

Gewerbliche Gaskunden wären als „ungeschützte Kunden“ als erstes von Kürzungen oder Abschaltungen betroffen. Umso wichtiger ist es jetzt, sich intensiv mit seinen betrieblichen Energieverbräuchen auseinanderzusetzen. Kurzfristige Einspar- und Substitutionsmöglichkeiten beim Gasverbrauch sollten geprüft und interne Abschaltszenarien entwickelt werden.

Gegebenenfalls lohnt sich auch der Kontakt zum Netzbetreiber beziehungsweise Versorger, um die betriebliche Situation zu klären, sofern dies nicht bereits im Rahmen der Befragung der größten Gasverbraucher durch die BNetzA im Mai geschehen ist. Für den Energieträgerwechsel weg vom Gas sollte mit den für den Immissionsschutz zuständigen Behörden gesprochen werden. Ob es hier zu gesetzlichen Erleichterungen bei den Genehmigungen kommt, ist noch offen.

Immerhin ist zur Abfederung des hohen Preisniveaus ein Entlastungsprogramm in Vorbereitung, das einen befristeten und eng umgrenzten Kostenzuschuss ohne Rückzahlungspflichten für besonders von Erdgas- und Strompreisanstiegen betroffene Unternehmen ermöglicht. Nach der in Kürze erwarteten beihilferechtlichen Genehmigung ist mit dem Start der Antragstellung in den kommenden Wochen zu rechnen.

Quelle: DIHK

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