In strukturschwachen Gegenden drohen bei Jobverlust höhere Erwerbsrisiken

In Deutschland, wie in vielen Industrienationen, ist die Beschäftigung in routine-manuellen Industrieberufen insgesamt rückläufig. Dieser Strukturwandel betrifft jedoch nicht alle regionalen Arbeitsmärkte in gleichem Maße. Wie wirken sich regionale Unterschiede auf individuelle Erwerbsverläufe aus und welche Rolle spielen dabei Entlassungen und berufliche Mobilität? Die kürzlich veröffentlichte ZEW-Studie „Regionaler Strukturwandel und die Folgen eines Arbeitsplatzverlustes“ beantwortet u. a. diese Fragen.

ZEW, Pressemitteilung vom 23.06.2022

Rückgang von Routinetätigkeiten

In Deutschland, wie in vielen Industrienationen, ist die Beschäftigung in routine-manuellen Industrieberufen insgesamt rückläufig. Dieser Strukturwandel betrifft jedoch nicht alle regionalen Arbeitsmärkte in gleichem Maße. Wie wirken sich regionale Unterschiede auf individuelle Erwerbsverläufe aus und welche Rolle spielen dabei Entlassungen und berufliche Mobilität?

Die kürzlich veröffentlichte ZEW-Studie „Regionaler Strukturwandel und die Folgen eines Arbeitsplatzverlustes“ beantwortet diese Fragen am Beispiel Westdeutschland im Zeitraum 1990-2010. Sie entstand aus einer Kooperation von Melanie Arntz und Boris Ivanov des ZEW-Forschungsbereichs „Arbeitsmärkte und Sozialversicherung“ und Laura Pohlan vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Die Autor/-innen konnten erstmals zeigen, wie sich regionale Unterschiede auf den Arbeitsmärkten auf die Erwerbsverläufe einzelner Beschäftigter auswirken und welche Rolle berufliche Flexibilität und regionale Mobilität dabei spielen.

Zunächst lässt sich im Untersuchungszeitraum insgesamt eine Verschiebung der Berufsstruktur weg von routine-manuellen Fertigungsberufen, hin zu analytischen und interaktiven Dienstleistungsberufen feststellen. Dieser Wandel betrifft jedoch nicht alle Regionen in gleichem Maße: Im Untersuchungszeitraum waren insbesondere urbane Industriezentren wie etwa das Ruhrgebiet von einem massivem Stellenabbau bei Fertigungsberufen betroffen, der jedoch kaum durch Jobwachstum in anderen Bereichen ausgeglichen wurde. Andererseits profitierten besonders boomende ländliche Gegenden, bspw. in Süddeutschland, von einem Jobwachstum sowohl in Industrie- als auch Dienstleistungsberufen.

Regionaler Strukturwandel erfordert gezielte politische Maßnahmen

„Wir konnten zeigen, dass sich diese regionalen Unterschiede nur dann auf die Erwerbsverläufe von Personen aus manuellen Fertigungsberufen auswirken, wenn sie aufgrund einer Betriebsschließung oder Massenentlassung ihren Job verlieren und dadurch gezwungen sind, sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen“, erklärt Melanie Arntz. Denn der allgemeine Abbau manueller Fertigungsjobs vollzieht sich weniger durch Entlassungen als durch reduzierte (Neu-)Einstellungen. Wer aber dennoch von einem Jobverlust betroffen ist, hat in strukturschwachen Regionen ein deutlich höheres Risiko, langzeitarbeitslos zu werden. Dies gilt insbesondere für ältere oder geringer qualifizierte Personen, die typischerweise weniger flexibel und mobil sind. Zudem kommt es auch langfristig zu Lohneinbußen, da zuvor hohe Löhne in der Industrie erzielt wurden, die nach dem Wiedereinstieg nicht wieder realisiert werden. Dies gilt insbesondere für einen Wiedereinstieg in einem anderen Berufsfeld.

Die Ergebnisse liefern somit wichtige Impulse zur Gestaltung zukünftiger Transformationsprozesse, wie etwa dem Kohleausstieg oder dem Umstieg auf E-Mobilität, deren Folgen sich ebenfalls stark auf bestimmte Regionen konzentrieren werden. So zeigt die Studie, dass die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt nicht notwendigerweise mit individuellen Erwerbsrisiken einhergehen müssen, insofern die Beschäftigten gezielt auf einen etwaigen Stellenabbau vorbereitet werden. „Es ist daher wichtig, mit einem Bündel an Maßnahmen auf die Herausforderungen des Strukturwandels zu reagieren. Neben Umschulungen zur Förderung der beruflichen Flexibilität sollten auch zeitlich begrenzte, staatliche Beihilfen bei Lohneinbußen nach einem Berufswechsel zum Einsatz kommen. Auch Mobilitätsprämien, die neben monetären auch nicht-monetäre Kosten eines Umzugs berücksichtigen, könnten helfen, einer steigenden Langzeitarbeitslosigkeit in strukturschwachen Regionen entgegenzuwirken“, erläutert Melanie Arntz. Es braucht daher einen Ansatz, der die regionalen Arbeitsmarktbedingungen bei betriebsbedingten Kündigungen berücksichtigt und wenig flexible, vulnerable Gruppen gesondert in den Blick nimmt.

Quelle: ZEW

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Mehr Pioniergeist in unsicheren Zeiten – Vorschläge aus der IHK-Praxis

Wer erfolgreich ein Unternehmen gründet, ist ein Vorbild, das auch Wege aus Krisen aufzeigt und nach vorne blicken lässt. Entsprechend erfreulich ist, dass wieder mehr größere Betriebe neu errichtet werden. Ein weiterer Trend aus dem aktuellen DIHK-Report Unternehmensgründung: Mehr potenzielle Firmenchefinnen und -chefs möchten zunächst nebenberuflich starten. Doch es gibt auch besorgniserregende Entwicklungen. Vor allem in Bereichen, die in der Fläche das Unternehmertum prägen, ist das Gründungsinteresse im Jahr 2021 gesunken.

DIHK, Mitteilung vom 23.06.2022

Gerade in unsicheren Zeiten braucht es unternehmerischen Mut und Weitsicht, um Impulse für Innovationen und Wachstum zu setzen. Erfolgreiche Unternehmensgründerinnen und -gründer sind Vorbilder, die auch Wege aus Krisen aufzeigen. Es ist daher eine erfreuliche Nachricht, dass wieder mehr größere Betriebe gegründet werden. Zudem berichten die Industrie- und Handelskammern (IHKs) aus ihren Beratungsgesprächen von mehr Menschen, die zunächst nebenberuflich in die Selbstständigkeit starten wollen. Die IHKs sehen aber auch eine Reihe von Entwicklungen, die Grund zur Besorgnis sind.

Weniger Gründungsinteresse bei Dienstleistungen, Handel und Gastronomie

Vor allem in Bereichen, die auch in den Regionen das Unternehmertum prägen, ist das Gründungsinteresse 2021 gesunken. So haben im vergangenen Jahr die Lockdown-Phasen infolge der Pandemie besonders im Einzelhandel und in der Gastronomie zu großen Unsicherheiten geführt.

Auch langfristige Trends wirken sich hier aus – wie etwa die Demografie: Die besonders gründungsaktiven jüngeren Jahrgänge werden immer kleiner. Und: Aufgrund des Fachkräftemangels gibt es viele Möglichkeiten für lukrative Beschäftigungsverhältnisse.

Zudem berichten die Gründerinnen und Gründer von vielen Hürden wie etwa komplizierten Anträgen und schwierigen Finanzierungszugängen, die schon im Vorfeld abschrecken. Insgesamt sank aus diesen Gründen die Zahl der persönlichen IHK-Gespräche mit Gründerinnen und Gründern 2021 nochmals deutlich um 10 Prozent gegenüber 2020 auf knapp 160.000 – und damit auf ein historisches Tief in der seit 2002 geführten IHK-Statistik.

Nebenerwerbsgründungen werden beliebter

Erfreulich: Gegen den Trend wuchs das Interesse an Nebenerwerbsgründungen – 4 Prozent mehr Gründerinnen und Gründer wollten sich ein zweites Standbein aufbauen. Um das Thema Nebenerwerbsgründung ging es 2021 in 40 Prozent der IHK-Gründungsberatungen (2020: 34 Prozent), auch infolge der Unsicherheiten während der Corona-Pandemie. Einen Zuwachs vermelden die IHKs auch bei ihren Seminaren zu betriebswirtschaftlichen Themen wie Marketing oder Planrechnungen: Hier stieg die Teilnehmerzahl um 5 Prozent auf gut 24.000. Dabei fanden vor allem Online-Formate wie Webinare oder virtuelle Sprechstunden steigendes Interesse. Auch niederschwellige Events wie Gründertage waren stärker besucht und verzeichneten mit rund 17.500 Teilnehmenden ein Plus von 13 Prozent.

Jetzt gefragt: vor allem Bürokratieabbau und besserer Finanzierungszugang

Aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie lassen sich Lehren ziehen, um gute Bedingungen für Unternehmensgründungen zu schaffen. Der DIHK hat bundesweit Gründerinnen und Gründer nach den drängendsten Herausforderungen befragt und über 250 Antworten ausgewertet. Ganz oben auf der Agenda stehen dabei weniger Bürokratie (von 79 Prozent der Teilnehmenden gewünscht), Vereinfachungen im Steuerrecht (63 Prozent) und ein besserer Zugang zu öffentlichen Fördermitteln (36 Prozent).

  • Gut ist, dass der Koalitionsvertrag wichtige Maßnahmen zum Bürokratieabbau aufgreift – etwa die Einführung des Once-only-Prinzips, nach dem bei Genehmigungs- und Meldeverfahren Daten nicht doppelt anzugeben sind. Auch das Ziel, die Gründung eines Unternehmens innerhalb von 24 Stunden zu ermöglichen, sollte rasch angegangen werden.
  • Für eine Vereinfachung des Steuersystems gibt es nach Einschätzung der IHK-Organisation viele Anknüpfungspunkte wie die Abschaffung oder zumindest deutliche Vereinfachung des von vielen Kleinunternehmen anzuwendenden Formulars „Einnahme-Überschussrechnung“.
  • Nebenerwerbsgründungen gewinnen nach den IHK-Erfahrungen immer mehr an Bedeutung, gerade in Krisenzeiten. Bund und Länder sollten daher ihre Förderinstrumentarien systematisch auf ihre Eignung für Nebenerwerbsgründungen hin überprüfen.
  • Gerade innovative Start-ups fordern einen besseren Zugang zu Beteiligungskapital (bezogen auf sämtliche Befragten mahnen dies 11 Prozent an). Der Koalitionsvertrag enthält hierfür gute Maßnahmen – etwa den Einsatz öffentlichen Kapitals als Anker. Auch der Entwurf der Start-up-Strategie der Bundesregierung sieht Maßnahmen für mehr Beteiligungskapital vor. Gründerinnen und Gründer wünschen sich zudem Anpassungen von im internationalen Vergleich sehr restriktiven Regelungen. So können Verluste in Deutschland lediglich unter Einhaltung bestimmter Vorgaben vorgetragen werden. Eine einschränkende Bedingung dafür ist, dass das Geschäftsmodell nicht verändert wird – gerade für Start-ups in einem hoch innovativen Umfeld eine praxisferne Regel.

In seinem aktuellen DIHK-Report Unternehmensgründungen fasst der DIHK die Erkenntnisse aus der Praxis zusammen und unterbreitet konkrete Vorschläge.

Quelle: DIHK

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Deutsche Wirtschaft wächst 2022 um 1,9 % und 2023 um 2,6 %

Das IMK der Hans-Böckler-Stiftung reduziert die Wachstumserwartung in seiner neuen Prognose noch einmal etwas. Die Ökonominnen und Ökonomen rechnen für 2022 mit einer Zunahme des BIP um 1,9 Prozent. Für 2023 prognostizieren sie ein Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent. Damit veranschlagen sie 0,2 bzw. 0,6 Prozentpunkte weniger als bei der Frühjahrsprognose im März.

 

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 22.06.2022

Weitere Entlastungen für private Haushalte und Steuern auf Extraprofite sinnvoll

Der anhaltende Krieg in der Ukraine, fortgesetzte Lieferkettenprobleme und eine schwächere globale Wirtschaftsentwicklung haben die konjunkturellen Aussichten in Deutschland für 2022 und 2023 weiter eintrüben lassen und gleichzeitig den Inflationsdruck noch einmal erhöht. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung reduziert deshalb die Wachstumserwartung in seiner am 22.06.2022 vorgelegten neuen Prognose noch einmal etwas. Die Ökonominnen und Ökonomen rechnen für 2022 mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,9 Prozent. Für 2023 prognostizieren sie ein Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent. Damit veranschlagen sie 0,2 bzw. 0,6 Prozentpunkte weniger als bei der Frühjahrsprognose im März. Weiter relativ positiv entwickelt sich der Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erwerbstätigen wird laut IMK 2022 und 2023 spürbar steigen, die Arbeitslosenquote sinkt im Jahresschnitt 2022 auf 5,0 und 2023 auf 4,7 Prozent, nach 5,7 Prozent 2021. Die Inflation sieht das IMK im Durchschnitt des laufenden Jahres bei 6,9 Prozent. Für 2023 rechnet das Institut mit einem Rückgang der Teuerungsrate auf 2,6 Prozent (Detaildaten in der Tabelle in der pdf-Version dieser PM; Link unten).

Das IMK geht in seinem Prognose-Update davon aus, dass der Krieg in der Ukraine nicht noch weiter eskaliert, dass es zu keinen anhaltenden Unterbrechungen der Gaslieferungen aus Russland kommt und dass es im Prognosezeitraum keine neuen großen Corona-Wellen zu deutlichen Einschränkungen führen. Daraus ergibt sich aber natürlich auch, dass die „Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung außergewöhnlich hoch“ sind, so die Forschenden. In der kurzen Frist der kommenden Monate signalisiert der IMK-Konjunkturindikator sogar ein erhebliches Rezessionsrisiko. Nach dem schwachen ersten Quartal 2022 werde sich die deutsche Wirtschaft dementsprechend auch im Sommer nur verhalten entwickeln. Die Gründe: kriegsbedingte Unsicherheit, Lieferprobleme, ein eingetrübtes weltwirtschaftliches Umfeld, durch Preisschocks geminderter Konsum, steigende Kapitalmarktzinsen. Erst ab Herbst rechnen die Düsseldorfer Konjunkturfachleute mit einer Belebung. Neben einer gewissen Entspannung bei den Lieferketten und anziehenden Investitionen ist ein wichtiger Faktor dafür, dass im Spätsommer und im Herbst Zahlungen aus den beiden Entlastungspaketen der Bundesregierung für private Haushalte fließen werden.

Insbesondere die größeren Einmalzahlungen wie Energiegeld und Kinderbonus werden nach Einschätzung des IMK dazu beitragen, den Konsum zu stabilisieren. Das ist aber noch nicht ausreichend. Denn eine zentrale Herausforderung für die Wirtschaftspolitik bestehe nun darin, den inflationsbedingten Kaufkraftverlust der Erwerbstätigen durch weitere staatliche Entlastungen wenigstens teilweise auszugleichen. Lohnerhöhungen seien ein weiterer wichtiger Beitrag, betonen die Forschenden. Die Lohnpolitik könne in diesem und im nächsten Jahr aber nicht allein für die nötige Kaufkraftsicherung sorgen, weil so genannte Zweitrundeneffekte oder eine Preis-Lohn-Spirale vermieden werden müssten. Nachzudenken sei hingegen darüber, ob Unternehmen Steuern auf Extraprofite zahlen sollten. „Im Rahmen der konzertierten Aktion gilt es auch auszuloten, welchen Beitrag die Unternehmen leisten können, wobei eine höhere Besteuerung von Extraprofiten, die nicht Folge von Innovationskraft, sondern von Knappheiten sind, geprüft werden sollte“, schreiben die Ökonominnen und Ökonomen.

Kerndaten der Prognose für 2022 und 2023

Arbeitsmarkt

Die negativen Auswirkungen insbesondere des Ukrainekrieges auf privaten Konsum, Investitionen und Außenhandel dämpfen auch die Arbeitsmarktentwicklung. Trotzdem bleibt der Trend bei der Erwerbstätigkeit im Vergleich zum Jahr 2021 positiv. So legt die Zahl der Erwerbstätigen 2022 jahresdurchschnittlich um mehr als 620.000 Personen bzw. 1,4 Prozent zu. Für 2023 erwartet das IMK einen weiteren Zuwachs der Erwerbstätigkeit um 1,0 Prozent im Jahresmittel.

Bei den Arbeitslosenzahlen prognostiziert das IMK im Jahresdurchschnitt 2022 einen nach wie vor spürbaren Rückgang um rund 340.000 Personen, so dass im Jahresmittel rund 2,27 Millionen Menschen arbeitslos sein werden. Das entspricht einer Quote von 5,0 Prozent. Für 2023 veranschlagen die Forschenden rund 2,14 Millionen Arbeitslose, was einem Rückgang um rund 130.000 Personen und einer Quote von 4,7 Prozent entspricht.

Weltwirtschaft und Außenhandel

Auch wenn der deutsche Export nach Russland nur einen recht geringen Anteil an den Gesamtausfuhren der Bundesrepublik hatte, schlägt sich der sanktionsbedingte komplette Wegfall spürbar in der Statistik nieder. Ebenfalls deutlich sind die Folgen der schwächeren Wirtschaftsentwicklung bei wichtigen Handelspartnern. In den USA schwächt sich das Wachstum auf 2,8 Prozent im Jahresmittel 2022 und auf 2,3 Prozent im kommenden Jahr ab. Auch die wirtschaftliche Erholung im Euroraum verliert durch den Ukraine-Krieg spürbar an Dynamik: Das IMK veranschlagt hier für 2022 ein Wachstum von 2,6 Prozent. 2023 prognostizieren die Forschenden 2,4 Prozent.

Das hinterlässt insbesondere in diesem Jahr tiefe Spuren im deutschen Außenhandel. Trotz weiterhin voller Auftragsbücher gehen die Exporte leicht um 0,6 Prozent zurück. Im kommenden Jahr erholen sich die Ausfuhren aber und wachsen um 3,3 Prozent im Jahresdurchschnitt. Auch die Importentwicklung verläuft deutlich gedämpft: Im Jahresmittel 2022 steigen die Einfuhren um 2,5 Prozent, 2023 um 3,7 Prozent.

Investitionen

Bei den Ausrüstungsinvestitionen wirken sich Lieferengpässe und vor allem die hohe Unsicherheit in diesem Jahr ebenfalls stark negativ aus. Die Forschenden rechnen mit einem minimalen Wachstum um 0,3 Prozent. Für 2023 prognostiziert das IMK dann aber ein wieder deutlich anziehendes Wachstum auf jahresdurchschnittlich 5,5 Prozent. Dabei spielen neben wieder verstärkten Erweiterungsinvestitionen der Industrie auch die höheren Verteidigungsausgaben eine Rolle sowie Investitionen in die Energiewende, die durch die hohen Energiepreise attraktiver werden.

Die Bauinvestitionen bleiben robust. Höhere Hypothekenzinsen dämpfen zwar den Wohnungsbau, doch staatliche Bauprojekte und im kommenden Jahr auch ein wieder etwas stärkerer Wirtschaftsbau liefern Impulse. Unter dem Strich steigen die Bauinvestitionen im Jahresmittel 2022 um 2,5 Prozent und 2023 um 3,4 Prozent.

Einkommen und Konsum

Die hohe Inflation drückt zwar auf die realen Einkommen. Da die privaten Haushalte aber deutlich weniger sparen und durch die Entlastungspakete spürbare staatliche Transfers fließen, wird der private Konsum gestützt. Im Jahresmittel 2022 wächst er um 2,9 Prozent, wobei dieser Durchschnittswert die Dynamik erheblich überzeichnet. Im kommenden Jahr legt der private Konsum dann um 3,8 Prozent zu.

Inflation und öffentliche Finanzen

Der Ukraine-Krieg treibt die Inflation in diesem Jahr zeitweilig auf Höhen, wie sie zuletzt während der Ölkrise der 1970er Jahre gemessen wurden. Im Jahresdurchschnitt 2022 rechnet das IMK mit 6,9 Prozent Inflation. 2023 geht die Teuerungsrate spürbar zurück, bleibt aber im Jahresmittel abermals über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank: Das IMK prognostiziert 2,6 Prozent.

Da der Staat zur Krisenbekämpfung sehr viel Geld einsetzt, unter anderem für Stützungsmaßnahmen für Bürger und Unternehmen, zur Flüchtlingsaufnahme und ab 2023 für höhere Verteidigungsausgaben, steigt der Staatskonsum spürbar. Das trägt zur Stabilisierung der Konjunktur bei, führt aber auch zu einem Defizit im öffentlichen Budget. 2022 ergibt sich ein Haushaltsdefizit von 1,3 Prozent des BIP. Für 2023 prognostiziert das IMK ein Defizit von 1,0 Prozent.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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Steigende Preise: Kommt jetzt die Energiewende?

Kontinuierlich steigende Strom- und Energiepreise machen den Konsumenten zu schaffen, gleichzeitig sind umweltfreundliche Alternativen noch wenig verbreitet. Beschleunigt der Krieg in der Ukraine nun also die Energiewende in Deutschland? Daten von GfK zeigen, dass jeder fünfte Konsument plant, zu einer nachhaltigen Energieversorgung zu wechseln.

GfK, Pressemitteilung vom 22.06.2022

Kontinuierlich steigende Strom- und Energiepreise machen den Konsumenten zu schaffen, gleichzeitig sind umweltfreundliche Alternativen noch wenig verbreitet. Beschleunigt der Krieg in der Ukraine nun also die Energiewende in Deutschland? Daten von GfK zeigen, dass jeder fünfte Konsument plant, zu einer nachhaltigen Energieversorgung zu wechseln.

Der Krieg in der Ukraine sorgt aktuell in ganz Europa für steigende Strom- und Energiepreise. In Deutschland stiegen die Preise für Energieprodukte laut Daten des statistischen Bundesamtes im Mai dieses Jahres um 38,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Insbesondere bei leichtem Heizöl verdoppelten sich die Preise beinahe (94,8 Prozent). Aber auch bei anderen Energieprodukten wie Erdgas, Kraftstoffen und Strom erhöhten sich die Preise deutlich.

Dem Großteil der deutschen Konsumenten machen die gravierenden Preissteigerungen schwer zu schaffen. Fast 90 Prozent der Befragten einer GfK Studie gaben im März an sich Sorgen wegen der aktuellen Energiepreise zu machen – und dies über alle Einkommensgruppen hinweg gleichermaßen.

Trotz dieser Sorgen greifen die Konsumenten auf umweltfreundliche Alternativen zur Energieversorgung zurück. So gab fast die Hälfte der Befragten (42 Prozent) im April an, dass sie Strom von einem Ökostromanbieter beziehen. Der Gebrauch weiterer Formen der Energieerzeugung schneidet etwas schlechter ab. Nur bei 8 Prozent der Konsumenten war im Frühjahr eine Solaranlage installiert. Eine klimafreundliche Heizung, wie beispielsweise eine Wärmepumpe, eine Biomasse-Anlage oder eine Gas-Hybridheizung, nutzten 12 Prozent der Konsumenten. „Meistens haben die Menschen lediglich Einfluss auf ihren Stromanbieter. Ihre Heizungsart oder die Installation von Solarpanels können sie hingegen nur beeinflussen, wenn sie auch Eigentümer sind“, begründet Petra Süptitz, Expertin für Nachhaltigkeit bei GfK. „Viele tun also schon was sie können. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend vor dem Hintergrund der Preisentwicklung und der wegfallenden EEG-Umlage fortsetzen wird.“

Jeder Fünfte plant zu einer nachhaltigen Energieversorgung zu wechseln

Denn Nachhaltigkeit ist laut des GfK Nachhaltigkeitsindex für die Deutschen nach wie vor ein wichtiges Thema. Auch beim Thema Energieversorgung denken viele Konsumenten nachhaltig. So planten im Frühjahr diesen Jahres knapp ein Fünftel der Konsumenten in den kommenden zwölf Monaten Veränderungen bei der Energieversorgung ihres Haushaltes aufgrund von Nachhaltigkeitsaspekten (22 Prozent). Davon möchte gut ein Drittel (34 Prozent) zu einem Ökostromanbieter wechseln, 38 Prozent planen die Installation einer Solaranlage und 36 Prozent denken über eine klimafreundliche Heizung nach.

Treiber des Klimaschutzes: Junge Menschen, Familien und höher Gebildete

Vor allem für jüngere Menschen zwischen 18 und 39 Jahren sowie Familien ist das Thema Nachhaltigkeit bei der Auswahl ihrer Energieversorgung wichtig. Sie sind auch besonders willig, im kommenden Jahr zu umweltfreundlichen Energieprodukten zu wechseln. Aber auch das Einkommen, der Bildungsgrad sowie das Wohnverhältnis sind von Bedeutung – gebildete Menschen mit höherem Einkommen sowie Menschen mit eigenem Haus planen eher zu nachhaltigen Energieversorgern zu wechseln.

Zusätzlich spielt es auch eine Rolle, wie sehr die Menschen sich selbst für neue Entwicklungen und Trends begeistern. Aufgeschlossene und technikbegeisterte Menschen sind eher geneigt, zu einer umweltfreundlichen Energieversorgung zu wechseln.

„Um noch mehr Menschen vom Wechsel zu klimafreundlichen Energien zu überzeugen, sollten deren Nutzen und die Möglichkeiten noch breiter kommuniziert werden“, so Petra Süptitz. „Insbesondere Menschen mit niedrigen Einkommen sind beim Thema Energieversorgung auf finanzielle Unterstützung angewiesen.“

Quelle: GfK

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Exporte in Nicht-EU-Staaten im Mai 2022: voraussichtlich +1,1 % zum April 2022

Im Mai 2022 sind die Exporte aus Deutschland in die Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittstaaten) gegenüber April 2022 um 1,1 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, wurden im Mai 2022 Waren im Wert von 57,7 Mrd. Euro exportiert.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 21.06.2022

Exporte in Drittstaaten (kalender- und saisonbereinigt), Mai 2022

  • 57,7 Milliarden Euro
  • +1,1 % zum Vormonat
  • +13,4 % zum Vorjahresmonat

Exporte in Drittstaaten (Originalwerte), Mai 2022

  • 59,7 Milliarden Euro
  • +22,7 % zum Vorjahresmonat

Im Mai 2022 sind die Exporte aus Deutschland in die Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittstaaten) gegenüber April 2022 kalender- und saisonbereinigt um 1,1 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, wurden im Mai 2022 kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 57,7 Milliarden Euro exportiert.

Nicht kalender- und saisonbereinigt wurden im Mai 2022 nach vorläufigen Ergebnissen Waren im Wert von 59,7 Milliarden Euro in Drittstaaten exportiert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai 2021 stiegen die Exporte um 22,7 %. Dieser deutliche wertmäßige Anstieg ist auch vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Außenhandelspreise zu sehen.

Wichtigster Handelspartner für die deutschen Exporteure waren im Mai 2022 die Vereinigten Staaten. Dorthin wurden Waren im Wert von 13,6 Milliarden Euro exportiert. Damit stiegen die Exporte in die Vereinigten Staaten gegenüber Mai 2021 um 49,7 %. In die Volksrepublik China wurden Waren im Wert von 9,3 Milliarden Euro exportiert, das waren 10,5 % mehr als im Vorjahresmonat. Die Exporte in das Vereinigte Königreich stiegen im Vorjahresvergleich um 19,3 % auf 5,9 Milliarden Euro.

Exporte nach Russland gegenüber dem Vorjahresmonat um 50 % gesunken

Die deutschen Exporte in die Russische Föderation sanken im Mai 2022 gegenüber Mai 2021 infolge der wegen des Kriegs in der Ukraine gegen Russland getroffenen Sanktionen, anderer Maßnahmen zur Exportbeschränkung und nicht sanktioniertem Verhalten der Marktteilnehmer um 50,0 % auf 1,1 Milliarden Euro, nachdem sie im April 2022 gegenüber April 2021 um 64,1 % auf 0,8 Milliarden Euro gefallen waren. Im Mai 2022 lag die Russische Föderation damit auf Rang 10 der wichtigsten Bestimmungsländer für deutsche Exporte außerhalb der EU. Im April 2022 hatte Russland Rang 14 und im Februar 2022 Rang 5 belegt.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2022

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Dämpfer für die Digitalisierung: Weltlage bremst digitale Transformation der Wirtschaft

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, Unterbrechung von Lieferketten, steigende Energiekosten und eine beschleunigte Inflation drohen der Digitalisierung der deutschen Wirtschaft einen Dämpfer zu geben – nachdem die Corona-Pandemie zuletzt noch für einen spürbaren Digitalisierungsschub sorgte. So hat lt. Bitkom u. a. in 94 Prozent der Unternehmen die Digitalisierung zwar durch die Pandemie an Bedeutung gewonnen, aber 95 Prozent erwarten, dass Störungen in den Lieferketten nun die Digitalisierung bremsen werden.

Bitkom, Pressemitteilung vom 20.06.2022

  • Zwei Drittel sehen digitale Geschäftsmodelle als Voraussetzung für künftigen wirtschaftlichen Erfolg
  • Aber zwei von drei Unternehmen halten sich für Nachzügler bei der Digitalisierung
  • 2023 will jedes dritte Unternehmen Digitalisierungs-Investitionen zurückfahren

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, Unterbrechung von Lieferketten, steigende Energiekosten und eine beschleunigte Inflation drohen der Digitalisierung der deutschen Wirtschaft einen Dämpfer zu geben – nachdem die Corona-Pandemie zuletzt noch für einen spürbaren Digitalisierungsschub sorgte. So hat in 94 Prozent der Unternehmen die Digitalisierung zwar durch die Pandemie an Bedeutung gewonnen, aber 95 Prozent erwarten, dass Störungen in den Lieferketten nun die Digitalisierung bremsen werden. 92 Prozent haben diese Sorge aufgrund der hohen Inflationsrate, 78 Prozent wegen steigender Energiekosten und 57 Prozent aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine. Zugleich gehen zwei Drittel (69 Prozent) davon aus, dass in fünf Jahren digitale Geschäftsmodelle von sehr großer Bedeutung oder sogar entscheidend für den eigenen wirtschaftlichen Erfolg sein werden. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland. „Digitalisierung ist das beste Mittel für Widerstandsfähigkeit und Resilienz gegenüber Krisen jeder Art. Wir müssen alles daransetzen, dass die in der Pandemie erzielten Digitalisierungs-Fortschritte in der Pandemie jetzt nicht verpuffen, sondern nachgehalten und verstärkt werden“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Digitalisierung fällt vielen schwer – macht aber wettbewerbsfähiger

In der Vergangenheit sind viele Unternehmen bei der Digitalisierung auf unerwartete Schwierigkeiten gestoßen. Das geben 9 von 10 (89 Prozent) Befragten an. Gleichzeitig sind 61 Prozent überzeugt: Digitalisierung hat unser Unternehmen wettbewerbsfähiger gemacht. Und 51 Prozent stellen fest, dass sie durch Digitalisierung als Arbeitgeber attraktiver geworden sind. „Digitalisierung ist kein Selbstläufer und lässt sich nicht nebenher aus dem Ärmel schütteln. Digitalisierung braucht Strategie, Kompetenz und Ressourcen. Digitalisierung erfordert neben Investitionen in Hardware und Software auch einschlägiges Know-how auf allen Ebenen und die Bereitschaft, Prozesse umzubauen und nicht selten auch die Unternehmenskultur fortzuentwickeln“, so Berg. „Klug aufgesetzt, macht Digitalisierung die Unternehmen effizienter, schneller und wettbewerbsfähiger – und verschafft ihnen einen Vorteil bei der Gewinnung von Talenten.“

Unternehmen haben verstärkt auf digitale Top-Technologien gesetzt

Beim der Beschäftigung mit zukunftsweisenden digitalen Technologien ist die deutsche Wirtschaft zuletzt gut vorangekommen. So geben drei Viertel (74 Prozent) der Unternehmen an, Datenanalyse und Big Data zu nutzen, den Einsatz zu planen oder darüber zu diskutieren, vor zwei Jahren waren es erst 62 Prozent. Beim Internet of Things sind es zwei Drittel (66 Prozent, 2020: 49 Prozent). Jeweils rund die Hälfte nutzen oder beschäftigen sich mit 3D-Druck (53 Prozent, 2020: 51 Prozent) und 5G (51 Prozent, 2020: 38 Prozent). Rund ein Drittel sind es bei autonomen Fahrzeugen (38 Prozent, 2020: 20 Prozent) und Künstliche Intelligenz (37 Prozent, 2020: 28 Prozent). In rund jedem zehnten Unternehmen (9 Prozent) wird Blockchain-Technologie eingesetzt, der Einsatz geplant oder darüber diskutiert (2020: 6 Prozent). „Nicht jede Technologie ist für jedes Unternehmen und jeden Einsatzzweck geeignet, das ist völlig klar. Aber alle Unternehmen sollten sehr ernsthaft prüfen, ob und inwieweit sie neue Technologien wie Blockchain, KI oder 5G voranbringen können“, so Berg.

Digitale Angebote sind zum Standard geworden

Fast alle Unternehmen haben in den vergangenen fünf Jahren ihr Angebot digitalisiert. So geben 10 Prozent an, neue digitale Produkte auf den Markt gebracht zu haben, bestehende Produkte haben 7 Prozent durch digitale ersetzt und 14 Prozent mit digitalen ergänzt. Ein Drittel (33 Prozent) hat neue digitale Dienstleistungen ins Angebot genommen, 56 Prozent haben bestehende Dienstleistungen mit digitalen ergänzt und 10 Prozent haben bestehende Dienstleistungen durch digitale ersetzt. Nur 3 Prozent der Unternehmen geben an, in den vergangenen fünf Jahren überhaupt keine digitalen Produkte oder Dienstleistungen entwickelt zu haben. „Die Unternehmen haben auf den digitalen Wandel reagiert“, sagt Berg. „Was es jetzt braucht, sind zukunftsfeste Entscheidungen und eine konsequente Umsetzung für den digitalen Umbau der deutschen Wirtschaft.“

Die große Mehrheit der Unternehmen geht davon aus, dass digitale Geschäftsmodelle für den eigenen wirtschaftlichen Erfolg wichtiger werden. Jedes Vierte (26 Prozent) sagt, dass sie in fünf Jahren eine eher große Bedeutung haben werden, 38 Prozent gehen von einer sehr großen Bedeutung aus und 31 Prozent rechnen damit, dass die Digitalisierung für ihren Geschäftserfolg sogar entscheidend sein wird. Nur 3 Prozent sprechen ihr eine geringe Bedeutung zu. „Es reicht nicht, irgendwas mit Digital zu machen. Es geht darum, das Geschäftsmodell des eigenen Unternehmens sehr gezielt auf die digitale Welt auszurichten“, so Berg.

Aktuell werden die Umsätze vor allem noch in der analogen Welt gemacht. Nur 5 Prozent der Unternehmen erzielen heute mindestens die Hälfte ihrer Umsätze mit digitalen Produkten und Dienstleistungen, ein Fünftel des Umsatzes oder mehr erreicht jedes zweite dieser Unternehmen (52 Prozent). Ein Grund dafür: Es fällt Unternehmen immer noch schwer, ganz neue digitale Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln. Nur 3 Prozent sagen, dies sei sehr leicht, 9 Prozent, es sei eher leicht. Dagegen geben 33 Prozent an, dies falle ihnen sehr schwer, weiteren 15 Prozent fällt es eher schwer. Und jedes dritte Unternehmen (34 Prozent) entwickelt selbst überhaupt keine neuen digitalen Produkte oder Dienstleistungen.

Das größte Hemmnis bei der Entwicklung digitaler Produkte oder Dienstleistungen ist die fehlende Zeit, zum Beispiel im Management, die 61 Prozent der Unternehmen anführen. Die Hälfte der Unternehmen (53 Prozent) klagt über fehlende Fachkräfte, 45 Prozent erleben, dass die Anforderungen an den Datenschutz neue digitale Lösungen bremsen oder verhindern. 3 von 10 Unternehmen (29 Prozent) haben nicht ausreichend finanzielle Mittel für die Entwicklung digitaler Angebote. Nur 5 Prozent geben an, dass sie keinen Bedarf an digitalen Produkten oder Dienstleistungen sehen, in gerade einmal 1 Prozent bremst das Top-Management solche Entwicklungen. „Digitalisierung ist die entscheidende Zukunftsfrage für die meisten Unternehmen und für die deutsche Wirtschaft insgesamt. Niemand sollte heute noch sagen, er habe keine Zeit für Digitalisierung“, so Berg. „Unternehmen, denen es an Know-how fehlt, sollten stärker als bisher auf Kooperationen setzen – mit Unternehmen aus der eigenen Branche, mit Digitalunternehmen und insbesondere auch mit innovativen Tech-Startups. Die Möglichkeiten sind da, sie müssen nur genutzt werden.“

Investitionen steigen 2022 – und sollen 2023 wieder sinken

Im laufenden Jahr investieren 4 von 10 Unternehmen (43 Prozent) mehr in Digitalisierung als noch 2021, davon 28 Prozent eher mehr, 15 Prozent sogar deutlich mehr. 3 von 10 (31 Prozent) halten die Investitionen stabil. Und 17 Prozent fahren die Ausgaben eher zurück, 5 Prozent kürzen sie sogar deutlich. Im kommenden Jahr wollen die Unternehmen stärker auf die Investitionsbremse drücken. Dann wollen nur noch 2 Prozent deutlich mehr für die Digitalisierung ausgeben, 16 Prozent eher mehr. Aber 19 Prozent wollen eher weniger in Digitalisierung investieren, 14 Prozent sogar deutlich weniger. 42 Prozent wollen die Ausgaben verglichen mit dem laufenden Jahr unverändert lassen. „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtern sich und belasten auch die Unternehmen“, so Berg.

Unverändert sehen sich zwei Drittel (66 Prozent, 2021: 65 Prozent) der Unternehmen eher als Nachzügler bei der Digitalisierung. Nur 32 Prozent (2021: 34 Prozent) halten sich für Vorreiter, aber wie im Vorjahr meint kein Unternehmen, den Anschluss verpasst zu haben. Nach einer Schulnote für den Stand der Digitalisierung des eigenen Unternehmens gefragt, geben sich die Verantwortlichen gerade einmal die Note „befriedigend“ (3,1). Die Unternehmen mit 2.000 und mehr Beschäftigten schneiden mit der Durchschnittsnote 2,5 etwas besser ab, jene mit 500 bis 1.999 Beschäftigten kommen auf eine 3,0.

Entsprechend kritisch gehen die befragten Unternehmen auch mit der deutschen Wirtschaft insgesamt um. Nur 2 Prozent der Unternehmen sehen Deutschland im weltweiten Vergleich bei der Digitalisierung als führend an, 24 Prozent sehen die Wirtschaft in der Spitzengruppe. Aber ein Drittel (36 Prozent) verortet Deutschland im Mittelfeld, 27 Prozent unter den Nachzüglern und 8 Prozent sogar als abgeschlagen. „Digitales Mittelfeld kann nicht unser Anspruch sein. In Sachen Digitalisierung sollte jetzt jeder eine Schippe drauflegen“, sagt Berg.

Von der Politik wünscht sich eine große Mehrheit der Unternehmen vor allem schnellere Genehmigungsverfahren und den Abbau baurechtlicher Hürden, um den Ausbau der Gigabit-Netze voranzubringen (96 Prozent). Mit Blick auf mehr digitale Souveränität sollten die Fördermittel stärker konzentriert werden und dorthin fließen, wo sie die größte Wirkung entfalten, statt sie mit der Gießkanne zu verteilen (94 Prozent). Jeweils 8 von 10 Unternehmen wünschen sich ein tagesaktuelles Lagebild zur Cybersicherheit (84 Prozent) sowie die Abschaffung von Schriftformerfordernissen und einen Ausbau der Möglichkeiten zur digitalen Signatur (81 Prozent). Drei Viertel (77 Prozent) fordern, die Landesdatenschutzgesetze und föderale Datenschutzregelungen in ein bundesweites Rahmengesetz zu überführen und so für mehr Rechtssicherheit beim Datenschutz zu sorgen. Und zwei Drittel (64 Prozent) halten es für notwendig, kurzfristig eine sichere und praxistaugliche Wallet-Lösung für elektronische Identitäten der Bürgerinnen und Bürger einzuführen. Berg: „Die Politik hat viele digitale Baustellen, und die müssen mit der angekündigten Digitalstrategie schnellstmöglich abgearbeitet werden.“

Quelle: Bitkom

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Bitkom zu den geplanten neuen Regeln für Arbeitsverträge auf Papier

Der Bundestag über die Umsetzung der EU-Richtlinie über transparente und vorhersehbare Arbeitsbedingungen ins deutsche Recht. Bitkom kritisiert die geplanten Regeln.

Bitkom, Pressemitteilung vom 17.06.2022

  • Präsident Berg: „Politik erzwingt Rückschritt in die analoge Welt“
  • Millionen Seiten Papier werden sinnlos bedruckt

Der Bundestag berät aktuell über die Umsetzung der EU-Richtlinie über transparente und vorhersehbare Arbeitsbedingungen ins deutsche Recht. Der aktuelle Entwurf wird am 20.06.2022 in einer Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales diskutiert. Dazu erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg:

„Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, Digitalisierungshürden wie Schriftformerfordernisse abzubauen. Allerdings: Die geplanten Regeln für Arbeitsverträge sind kein Schritt vorwärts, sondern zurück. Jetzt fehlt nur noch, dass man die Verträge mit der Postkutsche zum Adressaten transportieren muss. Künftig können Arbeitgeber mit einem empfindlichen Bußgeld belegt werden, wenn sie Arbeitsverträge nur digital und nicht auf Papier ausfertigen. Der Gesetzgeber zwingt Unternehmen und private Arbeitgeber also, Arbeitsverträge in jedem Einzelfall auszudrucken. Dies widerspricht den Anforderungen einer modernen und auf Ressourcenschonung bedachten Arbeitswelt. Ab August droht für jeden Arbeitsvertrag, der nur digital vorliegt, ein Bußgeld von 2.000 Euro. Da darf sich niemand wundern, wenn Deutschland als digital rückständig belächelt wird. Anstatt die Behörden endlich aus dem Faxzeitalter zur reißen, werden nun die Unternehmen gezwungen, das Rad zurückzudrehen und wieder mit Papier zu arbeiten. Das ist nicht nur überflüssig, es macht unnötig Arbeit, hilft den Beschäftigten nicht und verbraucht wertvolle Ressourcen. Jedes Jahr werden Millionen Seiten Papier für Arbeitsverträge sinnlos bedruckt. Digital geht das sehr viel einfacher, günstiger und klimafreundlicher. Die EU-Richtlinie zu den Arbeitsbedingungen, die den Neuregelungen zu Grunde liegt, sieht ausdrücklich auch Arbeitsverträge in elektronischer Form vor. Bei der Umsetzung der Richtlinie verspielt der deutsche Gesetzgeber die Chance, die Nachweispflicht von Arbeitsverträgen zeitgemäß digital zu gestalten. Stattdessen frönt die deutsche Politik dem Papierfetisch.“

Quelle: Bitkom

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Tourismus: Der Optimismus kehrt langsam zurück

Die Ergebnisse der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage zeigen: Die Geschäftslage im Tourismus rangiert weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau.

DIHK, Mitteilung vom 16.06.2022

Die Sonne scheint, die Straßencafés sind voll, die Hotelbuchungen in vielen Regionen Deutschlands ziehen an, und die Vorfreude auf den Sommerurlaub wächst. Dennoch ist die Stimmung besser als die tatsächliche Situation. Die Ergebnisse der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage zeigen nämlich: Die Geschäftslage im Tourismus rangiert weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau.

Der im Zuge der inflationsbedingten Preissteigerungen zu erwartende Nachfragerückgang, der Fachkräftemangel und die hohen Arbeitskosten sind Risiken, die die Branche aktuell belasten. Die Unternehmen möchten Mitarbeitende einstellen, aber Bewerber fehlen. Der Optimismus kehrt dennoch schrittweise zurück: Nach dem Auslaufen der Corona-Maßnahmen rechnen im Gastgewerbe 42 Prozent der Betriebe für das kommende Jahr mit besseren Geschäften. Damit dreht die Stimmung beim Gastgewerbe erstmalig seit dem Ausbruch der Coronapandemie wieder ins Positive und liegt aktuell deutlich über den durchschnittlichen Geschäftserwartung der gesamten Wirtschaft. Dort blicken laut DIHK-Konjunkturumfrage vom Frühsommer lediglich 19 Prozent der Unternehmen optimistisch auf die Geschäfte der nächsten zwölf Monate.

Preissteigerungen auch im Tourismus

Mehr als 40 Prozent der Corona-Hilfen wurden von der Tourismuswirtschaft in Anspruch genommen – und ermöglichten zahlreichen Betrieben das Überleben. Da der weitere Verlauf des Pandemiegeschehens schwer absehbar ist, sollte die Politik das Auslaufen des befristeten EU-Rahmens für staatliche Beihilfen im Blick behalten, um sich diese Optionen auch in Zukunft offen zu halten.
Das Eigenkapital ist bei vielen Unternehmen während der Pandemie deutlich geschrumpft. Preissteigerungen lassen sich also nur schwer abfedern. 85 Prozent der gastgewerblichen Betriebe werden Preissteigerungen weitergeben oder haben dies bereits getan. Kunden müssen künftig also auch bei touristischen Aktivitäten tiefer in die Tasche greifen.

Weitere Belastungen vermeiden

Wichtig für die Erholung der Tourismuswirtschaft ist jetzt, dass keine neuen Störfaktoren geschaffen und bürokratische Hindernisse möglichst zügig beseitigt werden. Vor diesem Hintergrund sollten die Kommunen aus der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zur Verfassungsmäßigkeit der Bettensteuer keine falschen Schlussfolgerungen ziehen. Denn fiskalische Belastungen wie die Bettensteuer können das Zünglein an der Waage werden, wenn es um die wirtschaftliche Gesundung der Branche geht.

Betriebe brauchen weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit

Der Fokus in Politik und Wirtschaft sollte jetzt auf einer besseren Planungssicherheit für die kommende Herbst-/Winter-Saison liegen – gerade im Hinblick auf ein möglicherweise wieder zunehmendes Pandemiegeschehen –, um die Unternehmen am Laufen zu halten und damit die dringend benötigten Einnahmen zu erwirtschaften. Auch das entsprechende Personal ist dafür ein zentraler Faktor, die geplante Vereinfachung der Zuwanderung sollte dringend umgesetzt werden.

Bürokratieabbau bleibt das Gebot der Stunde. Er schafft Freiraum für das Kerngeschäft und begünstigt die Einnahmen. Denn Bürokratiekosten machen für ein typisches familiengeführtes Unternehmen im Gastgewerbe jedes Jahr 2,5 Prozent des Umsatzes aus.

Quelle: DIHK

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ifo Konjunkturprognose Sommer 2022: Inflation, Lieferengpässe und Krieg bremsen wirtschaftliche Erholung in Deutschland

Auch in den kommenden Monaten dürfte die Konjunktur lt. ifo Institut durch sehr unterschiedliche Kräfte bestimmt werden. Belastend für die Produktion wirken weiterhin die angebotsseitigen Störungen, die gleichzeitig für einen anhaltend hohen Preisauftrieb sorgen.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 15.06.2022

Die deutsche Wirtschaft erholt sich seit Jahresbeginn von den zurückliegenden Coronawellen. Die damit einhergehende Normalisierung der Ausgaben in den konsumnahen Dienstleistungsbereichen verleihen der Konjunktur einen kräftigen Schub. Allerdings bremsen die hohe Inflation, der Krieg in der Ukraine und die anhaltenden Lieferengpässe die wirtschaftliche Erholung in nahezu allen Wirtschaftsbereichen. Das Bruttoinlandsprodukt wird im Jahr 2022 um 2,5% und im Jahr 2023 um 3,7% zulegen. Die Inflationsrate dürfte in diesem Jahr mit 6,8% den höchsten Wert seit dem Jahr 1974 erreichen. Auch im kommenden Jahr dürften die Verbraucherpreise mit 3,3% überdurchschnittlich stark steigen.

Quelle: ifo Institut

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Inflationsrate im Mai 2022 bei +7,9 %

Die Inflationsrate in Deutschland − gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahresmonat – lag lt. Statistischem Bundesamt im Mai 2022 bei +7,9 %.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 14.06.2022

Inflationsrate auf neuem Höchststand: Steigende Preise in fast allen Bereichen, überdurchschnittliche Preiserhöhungen bei Energie und Nahrungsmitteln

Die Inflationsrate in Deutschland − gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – lag im Mai 2022 bei +7,9 %. „Die Inflationsrate erreichte damit im dritten Monat in Folge einen neuen Höchststand im vereinigten Deutschland. Hauptursache für die hohe Inflation sind nach wie vor Preiserhöhungen bei den Energieprodukten. Aber wir beobachten auch Preisanstiege bei vielen anderen Gütern, besonders bei den Nahrungsmitteln“, sagt Dr. Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes (Destatis). „Eine ähnlich hohe Inflationsrate gab es zuletzt im Winter 1973/1974 im früheren Bundesgebiet, als infolge der ersten Ölkrise die Mineralölpreise stark gestiegen waren“, so Thiel weiter. Im März 2022 hatte die Inflationsrate bei +7,3 % und im April 2022 bei +7,4 % gelegen. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, stiegen die Verbraucherpreise im Mai 2022 gegenüber April 2022 um 0,9 %.

Kriegs- und Krisensituation wirkt sich weiterhin auf die Inflationsrate aus

Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine hat sich der bereits zuvor beobachtete Anstieg der Preise für Energie merklich verstärkt und beeinflusst die Inflationsrate erheblich. Hinzu kommen Lieferengpässe durch unterbrochene Lieferketten, auch aufgrund der Corona-Pandemie, sowie deutliche Preisanstiege auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen. Nicht nur die Energieprodukte, sondern auch andere Güter verteuerten sich infolge der Kriegs- und Krisensituation zunehmend für die Verbraucherinnen und Verbraucher, insbesondere erneut viele Nahrungsmittel.

Energiepreise ziehen um 38,3% binnen Jahresfrist erheblich an

Die Preise für Energieprodukte lagen im Mai 2022 um 38,3 % über dem Niveau des Vorjahresmonats, nach +35,3 % im April 2022. Dabei haben sich die Preise für leichtes Heizöl mit +94,8 % im Mai 2022 nahezu verdoppelt. Auch Erdgas (+55,2 %) und Kraftstoffe (+41,0 %) verteuerten sich merklich. Die Preiserhöhungen für die anderen Energieprodukte lagen ebenfalls deutlich über der Gesamtteuerung, zum Beispiel für feste Brennstoffe (+33,4 %) und Strom (+21,5 %). Der Preisauftrieb bei den Energieprodukten wurde von mehreren Faktoren beeinflusst: Neben den kriegs- und krisenbedingten Effekten wirkte sich unter anderem die zu Jahresbeginn gestiegene CO2-Abgabe von 25 Euro auf 30 Euro pro Tonne CO2 aus.

Nahrungsmittel verteuern sich binnen Jahresfrist überdurchschnittlich um 11,1 %

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich im Mai 2022 für die privaten Haushalte um 11,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Damit hat sich der Preisauftrieb erneut deutlich verstärkt, nach 8,6 % im April 2022. Bei allen Nahrungsmittelgruppen wurden dabei Preiserhöhungen ermittelt. Erheblich teurer wurden Speisefette und Speiseöle (+38,7 %). Ebenso wurden für Fleisch und Fleischwaren (+16,5 %), Molkereiprodukte und Eier (+13,1 %) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (+10,8 %) Teuerungsraten im zweistelligen Bereich beobachtet.

Waren verteuerten sich gegenüber Mai 2021 um 13,6 %

Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich im Mai 2022 gegenüber dem Vorjahr um 13,6 %. Neben Energie und Nahrungsmitteln verteuerten sich auch andere Waren deutlich, etwa Fahrzeuge (+9,1 %), Geräte für Informationsverarbeitung (+8,0 %) sowie Möbel und Leuchten (+7,4 %). Insgesamt verteuerten sich Verbrauchsgüter, die sogenannten Güter des täglichen Bedarfs, deutlich um 17,9 %. Die Preise für Gebrauchsgüter erhöhten sich binnen Jahresfrist um 5,5 %.

Inflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel bei +3,8 %

Im Mai 2022 lag die Inflationsrate ohne Energie bei +4,5 %. Wie stark aktuell zudem die Nahrungsmittelpreise Einfluss auf die Gesamtteuerungsrate nehmen, zeigt sich an der Inflationsrate ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln: Sie lag bei +3,8 % und damit nicht einmal halb so hoch wie die Gesamtinflationsrate. Gleichzeitig wird an der noch verbleibenden hohen Inflationsrate deutlich, dass Preiserhöhungen in fast allen Bereichen vorliegen.

Dienstleistungen verteuern sich binnen Jahresfrist um 2,9 %

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt lagen im Mai 2022 um 2,9 % über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die aufgrund des großen Anteils an den Konsumausgaben der privaten Haushalte bedeutsamen Nettokaltmieten verteuerten sich um 1,7 % (April 2022: +1,6 %). Zudem gingen die Preise für Telekommunikation (-0,9 %) sowie für Leistungen sozialer Einrichtungen (-2,5 %) zurück, letztere infolge der Umsetzung der im Juni 2021 beschlossenen Pflegereform. Insgesamt erhöhten sich jedoch die meisten Dienstleistungspreise, unter anderem die Wartung und Reparatur von Wohnungen und Wohnhäusern (+12,1 %) sowie von Fahrzeugen (+6,1 %).

Preisanstieg zum Vormonat um 0,9 %, Preise für Energie und Nahrungsmittel steigen deutlich

Im Vergleich zum April 2022 stieg der Verbraucherpreisindex im Mai 2022 um 0,9 %. Preisanstiege mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher in fast allen Gütebereichen hinnehmen. Die Energiepreise insgesamt stiegen um 2,8 %. Teurer wurden sowohl die Haushaltenergie (+2,8 %, darunter Erdgas: +5,3 %; Strom: +2,0 %; Heizöl: +1,9 %) als auch die Kraftstoffe (+2,7 %). Für Nahrungsmittel mussten die privaten Haushalte durchschnittlich 2,1 % mehr bezahlen, vor allem für Speisefette und Speiseöle (+9,9 %), Fleisch und Fleischwaren (+4,4 %) sowie Molkereiprodukte (+4,2 %). Den Preisanstiegen standen nur wenige Preisrückgänge gegenüber, insbesondere bei Gemüse (-4,7 %, darunter Tomaten: -25,5 %; Gurken: -19,0 %).

Quelle: Statistisches Bundesamt

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