Boom bei KI-Startups

KI-Startup-Gründungen haben sich in Deutschland außerordentlich dynamisch entwickelt: Zwischen 2014 bis 2018 gab es einen regelrechten Gründungsboom mit einem Anstieg der jährlichen Gründungszahlen von 250 auf über 450. KI-Startups zeichnen sich außerdem durch eine sehr hohe Überlebenswahrscheinlichkeit am Markt sowie durch stark wachsende Beschäftigungszahlen aus, wie eine umfassende Bestandsaufnahme der KI-Szene des ZEW zeigt.

ZEW, Pressemitteilung vom 23.03.2022

Künstliche Intelligenz: Erste Bestandsaufnahme zu Gründungen

KI-Startup-Gründungen haben sich in Deutschland außerordentlich dynamisch entwickelt: Zwischen 2014 bis 2018 gab es einen regelrechten Gründungsboom mit einem Anstieg der jährlichen Gründungszahlen von 250 auf über 450. KI-Startups zeichnen sich außerdem durch eine sehr hohe Überlebenswahrscheinlichkeit am Markt sowie durch stark wachsende Beschäftigungszahlen aus, wie eine umfassende Bestandsaufnahme der KI-Szene des ZEW Mannheim zeigt. „Die hohe Dynamik und gute Performanz der Startups verdeutlicht, dass Künstliche Intelligenz ein ausgesprochenes Wachstumsfeld mit viel Raum für neu gegründete Unternehmen ist“, sagt ZEW-Ökonom Dr. Christian Rammer im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“.

Die Studie stellt die erste umfassende Bestandsaufnahme zur Gründungstätigkeit im Bereich KI in Deutschland dar, die die gesamte Vielfalt der Gründungsaktivitäten zum Thema KI abbildet – mit einer deutlichen positiven Entwicklung der KI-Startup-Szene in den vergangenen Jahren. „Für die Wirtschaftspolitik stellt die starke KI-Startup-Szene eine hervorragende Ausgangsbasis dar, um die Verbreitung von KI-Anwendungen in der deutschen Wirtschaft zu forcieren. Damit kann die Politik hohe Innovationspotenziale und positiven Auswirkungen auf Produktivität und wirtschaftliches Wachstum umfassend nutzen“, so Studienautor Dr. Christian Rammer.

Es zeigt sich ein starker Anstieg der Gründungszahlen: Seit 1995 wurden in Deutschland hochgerechnet mehr als 6.600 Unternehmen gegründet, deren Geschäftsmodelle eng mit dem Thema KI verbunden sind. Die Anzahl der KI-Startups steigt ab 2014 stark an und erreicht 2017 und 2018 mit jeweils mehr als 450 neu gegründeten Unternehmen einen Höchststand. 2019 ging die Anzahl der neu gegründeten KI-Startups seit 2005 erstmals auf rund 420 Gründungen zurück und sank im ersten Pandemiejahr 2020 auf rund 310 Gründungen. Für 2021 zeichnet sich kein weiterer Rückgang ab.

Sehr hohe Überlebensrate und günstige Bonitätseinstufung

Maßgeblich für positive Entwicklung der KI-Startups ist ihre extrem hohe Überlebenswahrscheinlichkeit im Vergleich zu Startups aller Branchen. Im Jahr 2021 waren 92 Prozent aller untersuchten KI-Startups, also gut 6.000 Unternehmen, noch wirtschaftsaktiv – doppelt so viele wie im Durchschnitt aller Gründungen in Deutschland. 2019 und 2020 kam es allerdings zu einem merklichen Anstieg der Unternehmensschließungen von KI-Startups. Auch die Bonitätseinstufung der KI-Unternehmen – als ein zentraler Indikator für wirtschaftlichen Erfolg – ist deutlich günstiger als für andere Gründungen und liegt um 13 Prozent über dem Durchschnitt aller Gründungen in Deutschland.

Mit Blick auf das Tätigkeitsfeld der KI-Startups zeigt sich, dass gut zwei Drittel sich mit der Entwicklung von KI-Technologien oder KI-Anwendungen befassen, die entweder als Produkte oder Dienstleistungen für andere Unternehmen eingesetzt werden oder zentralen Bestandteil des Leistungsangebots des Startups sind. Rund zehn Prozent können als KI-Berater bezeichnet werden, die eine Beratung zum Thema KI für andere Unternehmen oder Einrichtungen anbieten. Ein gutes Fünftel der erfassten KI-Startups setzt KI als Prozesstechnik für die Herstellung eigener Produkte oder die Erbringung von Dienstleistungen ein.

Auch die Anzahl der in KI-Startups tätigen Personen nahm kontinuierlich zu und erreichte 2021 voraussichtlich den Wert von rund 150.000 Beschäftigten. Fast sieben Prozent der KI-Startups hatten die Schwelle von 100 Beschäftigten überschritten. Mehr als 90 KI-Startups zählten bereits zu Großunternehmen (250 oder mehr Beschäftigte).

KI-Startups und potenzielle Anwender stärker zusammenbringen

Weiterhin zeigt die Studie, dass 93 Prozent aller KI-Startups in den zentral gelegenen Regionen Deutschlands angesiedelt sind. Im Bereich der KI-Entwickler liegt dieser Anteil sogar bei 95 Prozent. Hotspots von KI-Startups sind die Großstädte Berlin, München, Hamburg, Köln und Frankfurt. „Eine Herausforderung ist es, die KI-Startup-Szene, die stark auf die großen Agglomerationsräume in Deutschland konzentriert ist, mit der Breite der Anwenderunterneh-men, die oft auch außerhalb dieser Zentralräume angesiedelt sind, zusammenzubringen. Hier könnte den spezialisierten intermediären Organisationen, die die Vernetzung der KI-Startups voranbringen, eine wichtige Rolle zukommen“, schließt Rammer.

Quelle: ZEW

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Wie staatliche Unterstützung in der Krise wirkt

Die unterschiedlichen staatlichen Hilfspakete haben bei vielen Soloselbständigen sowie Kleinunternehmerinnen und Kleinstunternehmern die erhoffte stabilisierende Wirkung entfaltet. Direktzahlungen wie die Corona-Überbrückungshilfen, aber auch die Möglichkeit der Kurzarbeit für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte haben Handlungsspielräume für den aktiven Umgang mit der Krise eröffnet. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie von fünf Forschungsinstituten und der Bertelsmann Stiftung.

IfM Bonn, Pressemitteilung vom 22.09.2021

Eine Zwischenbilanz von 5 Forschungsinstituten und der Bertelsmann Stiftung

Die unterschiedlichen staatlichen Hilfspakete haben bei vielen Soloselbständigen sowie Kleinunternehmerinnen und Kleinstunternehmern die erhoffte stabilisierende Wirkung entfaltet. Direktzahlungen wie die Corona-Überbrückungshilfen, aber auch die Möglichkeit der Kurzarbeit für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte haben Handlungsspielräume für den aktiven Umgang mit der Krise eröffnet. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „ReCOVery. Unternehmerisches Handeln und staatliche Unterstützungsmaßnahmen in der COVID-19-Pandemie“, die das IfM Bonn gemeinsam mit dem Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen (IAT), der Universität Jena, dem Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim, dem Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM Bonn), der Fachstelle Migrantenökonomie im IQ-Netzwerk und der Bertelsmann Stiftung erstellt hat.

Zugleich zeigt die Studie, dass die staatlichen Hilfsmaßnahmen nur eines der Elemente sind, die über die Überlebensfähigkeit der Betriebe entschieden. Der unternehmerische Geist und die Kreativität der Selbständigen waren ebenfalls wichtig. Wer aktiv mit der wirtschaftlichen Ausnahmesituation umgegangen ist, konnte dem eigenen Betrieb in der Regel eine Perspektive eröffnen. So nutzten viele Unternehmerinnen und Unternehmer im Bereich der Gastronomie und des Einzelhandels Spielräume, um neue Vertriebskanäle aufzubauen oder Teile ihres Geschäftsmodells zu digitalisieren.

Das positive Gesamtbild darf jedoch nicht über konkrete Mängel bei Umsetzung und Kommunikation der Corona-Hilfen hinwegtäuschen. Die Angaben der Unternehmerinnen und Unternehmer aus wissensintensiven Bereichen sowie der Gastronomie und dem Einzelhandel lassen darauf schließen, dass die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen mehr Wirkung entfaltet hätten, wenn sie durch zielgruppengerechtere Kommunikations- und Informationsmaßnahmen flankiert worden wären.

Darüber hinaus empfehlen die Expertinnen und Experten die Entwicklung eines Finanzinstruments zur Sicherung eines Mindesteinkommens für Soloselbständige sowie Kleinunternehmerinnen und Kleinunternehmer. Die Studie deute darauf hin, dass der vorübergehende erleichterte Zugang zur Grundsicherung für Soloselbstständige, Freiberuflerinnen und Freiberufler sowie Kleinunternehmerinnen und Kleinunternehmer nur bedingt in Anspruch genommen wurde. Denkbar wäre beispielsweise, künftig in den Überbrückungshilfen auch die Lebenshaltungskosten dieser Gruppe zu berücksichtigen. Auch wäre der Aufbau von Strukturen zur Bewältigung kommender Krisen hilfreich. Ein Baustein hierfür könne ein dauerhafter Expertinnen- und Expertenrat sein. Dieser solle darauf hinwirken, dass im Falle künftiger Krisen schneller, bedarfsorientierter und zielgerichteter agiert werden könne.

Die Studie „Unternehmerisches Handeln und staatliche Unterstützungsmaßnahmen in der COVID-19-Pandemie“ ist auf der Homepage des Institut für Mittelstandsforschung abrufbar.

Quelle: IfM Bonn

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ifo Institut kappt seine Prognose auf 2,2 bis 3,1 Prozent Wachstum

Der russische Angriff auf die Ukraine schmälert das Wirtschaftswachstum und beschleunigt die Inflation in Deutschland. Im Dezember hatte das ifo Institut 3,7 Prozent für das laufende Jahr vorhergesagt. Umgekehrt dürfte die Inflation schneller zunehmen als bislang erwartet. Das ifo rechnet nun mit 5,1 bis 6,1 Prozent, statt 3,3 Prozent, wie noch im Dezember gedacht.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 23.03.2022

Der russische Angriff auf die Ukraine schmälert das Wirtschaftswachstum und beschleunigt die Inflation in Deutschland. „Wir erwarten in diesem Jahr nur noch zwischen 2,2 und 3,1 Prozent Wachstum“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Im Dezember hatte das ifo Institut 3,7 Prozent für das laufende Jahr vorhergesagt. Umgekehrt dürfte die Inflation schneller zunehmen als bislang erwartet. Das ifo rechnet nun mit 5,1 bis 6,1 Prozent, statt 3,3 Prozent, wie noch im Dezember gedacht.

„Die russische Attacke dämpft die Konjunktur über deutlich gestiegene Rohstoffpreise, die Sanktionen, zunehmende Lieferengpässe bei Rohmaterialien und Vorprodukten sowie erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit“, sagt Wollmershäuser. Insgesamt geht durch den Anstieg der Verbraucherpreise allein im ersten Vierteljahr Kaufkraft von etwa 6 Milliarden Euro verloren. „Gleichzeitig dürften die vollen Auftragsbücher der Industrie und die Normalisierung bei Corona der Konjunktur einen kräftigen Schub geben.“ Im kommenden Jahr wird das Wachstum dann auf 3,3 bis 3,9 Prozent zulegen. Die Inflation dürfte auf etwa 2,0 Prozent zurückgehen.

Wegen der unsicheren Lage berechnete das ifo Institut zwei Prognosen, die unter anderem eine unterschiedliche Entwicklung der Energiepreise unterstellen. Sie wirken sich in diesem Jahr insbesondere auf die privaten Konsumausgaben aus: Sie könnten zwischen 3,7 und 5,0 Prozent steigen. Die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen werden zwischen 0,0 und 3,9 Prozent steigen. Die Arbeitslosigkeit allerdings dürfte kaum unterschiedlich ausfallen, das ifo rechnet mit 2,27 bis 2,29 Millionen Menschen Menschen. Jedoch dürfte die Kurzarbeit im pessimistischen Szenario deutlich zunehmen.

Das optimistische Szenario nimmt an, dass der Ölpreis von derzeit 101 Euro pro Fass schrittweise sinkt auf 82 Euro zum Jahresende, und der Preis für Erdgas sinkt parallel dazu von 150 Euro pro Megawattstunde auf 108. Im pessimistischen Szenario steigt Öl auf 140 Euro pro Fass bis Mai und sinkt dann erst ab auf 122 zum Jahresende. Erdgas dürfte hierbei bis Mai ansteigen auf 200 Euro und dann nach und nach auf 163 Euro pro Megawattstunde sinken.

Quelle: ifo Institut

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Hohe Rohstoffpreise und Deglobalisierung belasten Wachstum

Deutschlands Wachstumsperspektiven trüben sich lt. IfW Kiel nochmals ein. Vor allem der demografische Wandel schmälert die Wachstumskräfte, zudem drohen dauerhaft höhere Energie- und Rohstoffpreise, den Produktivitätsfortschritt zu belasten. Auch die Weltwirtschaft dürfte künftig mit geringeren Raten wachsen, weil sich die Zugkraft Chinas abschwächt und verkürzte Lieferketten Spezialisierungsvorteile kosten.

IfW Kiel, Pressemitteilung vom 22.03.2022

Deutschlands Wachstumsperspektiven trüben sich nochmals ein. Vor allem der demografische Wandel schmälert die Wachstumskräfte, zudem drohen dauerhaft höhere Energie- und Rohstoffpreise, den Produktivitätsfortschritt zu belasten. Auch die Weltwirtschaft dürfte künftig mit geringeren Raten wachsen, weil sich die Zugkraft Chinas abschwächt und verkürzte Lieferketten Spezialisierungsvorteile kosten.

In Deutschland flacht sich das Wachstum des Produktionspotenzials – die Zunahme der bei normaler Kapazitätsauslastung möglichen Wirtschaftsleistung – mehr und mehr ab. Es dürfte bis zum Jahr 2026 auf nur noch knapp 0,8 Prozent zurückgehen. Bislang wuchs die deutsche Wirtschaft seit der Wiedervereinigung um durchschnittlich 1,4 Prozent jährlich. Auch das Pro-Kopf-Wachstum wird in der mittleren Frist voraussichtlich deutlich zurückgehen und in etwa dem Potenzialwachstum entsprechen. Dies geht aus der heute vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) veröffentlichten Mittelfristprojektion bis 2026 hervor („Mittelfristprojektion für Deutschland im Frühjahr 2022“).

„Weniger Wachstum bedeutet am Ende weniger zusätzliche Güter, über die verfügt werden kann. Zugleich steigen die Ansprüche an die Wirtschaftsleistung ungebremst weiter. Das führt zu gesamtwirtschaftlichen Spannungen. Finanzpolitisch passt ein Ausweichen in immer neue Schulden nicht in die gesamtwirtschaftliche Landschaft. Der Staat muss konsolidieren, idealerweise durch Priorisierung seiner Ausgaben. Wir können uns nicht alles leisten“, sagt Stefan Kooths, Vizepräsident und Konjunkturchef des IfW Kiel.

Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter geht zurück

Maßgeblich für den Wachstumsschwund ist die demografische Alterung. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter geht zurück und dürfte ab Mitte des Jahrzehnts – trotz Zuwanderung – jährlich um 140.000 Personen sinken. Bereits ab dem nächsten Jahr dürfte die Anzahl an Personen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, abnehmen.

Zudem mindern höhere Energie- und Rohstoffpreise das Produktionspotenzial und dürften das Niveau um rund 1 Prozent senken, weil sich Produktionsstrukturen neu ausrichten müssen. Das IfW Kiel erwartet im Projektionszeitraum einen Ölpreis von rund 90 Dollar pro Barrel. Die Corona-Pandemie dürfte die Wachstumskräfte, anders als frühere schwere Wirtschaftskrisen, nur wenig belasten.

„Der Staat sollte die stark gestiegenen Energiepreise im Wesentlichen durchwirken lassen, um den gesamtwirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten. Eingriffe in das Preissystem über Subventionen oder Deckelungen bedeuten nur, dass mit der veränderten Energieknappheit unwirtschaftlich umgegangen wird. Härtefälle kann man abfangen, ohne das Preissystem zu beschädigen”, so Kooths.

„Preissignale sind im marktwirtschaftlichen Gefüge nicht nur Symptome des Problems, sondern auch Teil der Lösung. Die besteht in dezentralen Anreizen, mit diesem Gut sparsamer umzugehen und verstärkt nach Ersatzstoffen oder alternativen Formen der Energiegewinnung zu suchen.“

Globales Wachstum unter langjährigem Durchschnitt

Auch die globalen Wachstumskräfte werden kleiner. Die globale Produktion dürfte in den Jahren 2024 bis 2026 im Durchschnitt mit einer Rate von 2,8 Prozent zunehmen. Der langjährige Durchschnitt liegt bei rund 3,5 Prozent. Auch global dämpft eine alternde Gesellschaft die Wachstumsaussichten.

Außerdem verliert das bisherige Zugpferd China an Kraft. Das Land wird die Steigerung seiner Produktivität, die im Wesentlichen durch die Adaption fremder Technologien erfolgte, nicht mehr im bisherigen Tempo steigern können, weil sich die Möglichkeiten dafür zunehmend erschöpfen. Im Ergebnis dürfte die chinesische Volkswirtschaft ab 2025 jährlich nur noch um unter 5 Prozent wachsen.

Auch drohen Wachstumsimpulse durch die Globalisierung künftig auszubleiben. Politisch motivierte Handelshemmnisse verbunden mit zunehmenden geopolitischen Risiken belasten die internationale Arbeitsteilung. Um Lieferketten robuster zu machen, dürften diese künftig verstärkt auf Versorgungssicherheit ausgerichtet sein, anstatt auf Spezialisierungsvorteile. Dies geht jedoch auf Kosten der Produktivität und verringert das Wachstum.

Quelle: IfW Kiel

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Exporte in Nicht-EU-Staaten im Februar 2022: voraussichtlich +3,1 % zum Januar 2022

Im Februar 2022 sind die Exporte aus Deutschland in die Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittstaaten) gegenüber Januar 2022 um 3,1 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, wurden im Februar 2022 Waren im Wert von 57,2 Mrd. Euro exportiert.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 21.03.2022

Exporte in Drittstaaten (kalender- und saisonbereinigt), Februar 2022

  • 57,2 Milliarden Euro
  • +3,1 % zum Vormonat
  • +12,3 % zum Vorjahresmonat

Exporte in Drittstaaten (Originalwerte), Februar 2022

  • 55,1 Milliarden Euro
  • +11,5 % zum Vorjahresmonat

Im Februar 2022 sind die Exporte aus Deutschland in die Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittstaaten) gegenüber Januar 2022 kalender- und saisonbereinigt um 3,1 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, wurden im Februar 2022 kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 57,2 Milliarden Euro exportiert. Die Exporte in Drittstaaten lagen kalender- und saisonbereinigt 7,9 % über dem Niveau vom Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland.

Nicht kalender- und saisonbereinigt wurden nach vorläufigen Ergebnissen im Februar 2022 Waren im Wert von 55,1 Milliarden Euro in Drittstaaten exportiert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Februar 2021 stiegen die Exporte um 11,5 %.

Wichtigster Handelspartner für die deutschen Exporteure waren im Februar 2022 die Vereinigten Staaten. Dorthin wurden Waren im Wert von 11,0 Milliarden Euro exportiert. Damit stiegen die Exporte in die Vereinigten Staaten gegenüber Februar 2021 um 16,0 %. In die Volksrepublik China wurden Waren im Wert von 9,2 Milliarden Euro exportiert, das waren 10,0 % mehr als im Vorjahresmonat. Die Exporte in das Vereinigte Königreich stiegen im Vorjahresvergleich um 6,3 % auf 5,8 Milliarden Euro.

Im Außenhandel mit der Russischen Föderation stiegen die deutschen Exporte gegenüber Februar 2021 auch aufgrund der stark gestiegenen Außenhandelspreise um 20,3 % auf 2,4 Milliarden Euro. Der Außenhandel mit Russland war erst ab Ende Februar 2022 durch den Angriffs Russlands auf die Ukraine und die in der Folge getroffenen Sanktionen eingeschränkt. Inwieweit sich die Sanktionen, andere Maßnahmen zur Exportbeschränkung und nicht sanktioniertes Verhalten der Marktteilnehmer auf den deutschen Außenhandel mit der Russischen Föderation auswirken, werden somit erst die Zahlen der Außenhandelsstatistik ab dem Berichtsmonat März detailliert zeigen.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2022

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Explodierende Energiepreise aktuell sehr große Herausforderung für die Wirtschaft

Schon vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine bewerteten zwei Drittel aller deutschen Unternehmen die Energie- und Rohstoffkosten als großes Geschäftsrisiko; mit dem Konflikt hat sich die Situation lt. DIHK nochmals dramatisch zugespitzt. Dazu kommt, dass angesichts der bereits zuvor sehr hohen Preise viele Unternehmen nur kurzfristige Lieferverträge abgeschlossen hatten. Nun muss noch etwa die Hälfte der Betriebe nachordern – und das zu weitaus schlechteren Konditionen. Ohne Gegenmaßnahmen droht jetzt vielen Unternehmen das Aus am Standort Deutschland.

DIHK, Mitteilung vom 17.03.2022

Der Russland-Ukraine-Krieg hat die Belastung der Unternehmen durch hohe Energie- und Rohstoffpreise nochmals verstärkt. Aber schon in der jüngsten DIHK-Konjunkturumfrage kurz vor Kriegsbeginn nannten zwei Drittel der Betriebe aus allen Branchen und Regionen die Energie- und Rohstoffpreise als großes Geschäftsrisiko. In der Industrie berichteten sogar 85 Prozent davon. Damit liegen diese Werte so hoch wie noch nie. Und nun verschärft sich die Situation noch weiter.

Strom und Gas zu noch teureren Konditionen

Viele Unternehmen hatten aufgrund der sehr hohen Preise in den vergangenen Monaten beim Energieeinkauf abgewartet, nur für kurze Zeiträume Lieferverträge abgeschlossen oder auch durch die hohen Preise ihren Versorger verloren. Sie hatten teilweise bei ihrer Beschaffung auf eine Entspannung der Märkte gesetzt. Bei Ausbruch des Krieges in der Ukraine hatte die Hälfte der Unternehmen ihre Strom- und Gasbeschaffung für das laufende Jahr noch nicht abgeschlossen. Das hat eine aktuelle Befragung des DIHK bei 2.000 Betrieben aller Branchen ergeben. Fast jedes dritte Unternehmen muss noch mehr als 70 Prozent des für 2022 benötigten Stroms einkaufen, ein Viertel muss sogar noch mehr als 70 Prozent seiner Gasmengen beschaffen – nun mit weitaus höheren Kosten.

Denn die aktuellen Entwicklungen nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben die Preise weiter in die Höhe schnellen lassen. Russland ist beim Export der Energieträger Erdöl, Erdgas und Kohle eines der wichtigsten Länder weltweit. Deutschland bezieht 55 Prozent seiner Gas- und 35 Prozent seiner Öllieferungen aus russischen Quellen. Tatsächliche oder erwartete Knappheit, aber auch ein möglicher Ausfall von Lieferungen sind derzeit preistreibende Faktoren.

Betriebe von klein bis groß stark beeinträchtigt

Der sprunghafte Preisanstieg trifft die deutsche Wirtschaft massiv. Mittelständler mussten auch aufgrund staatlicher Zusatzlasten bereits in Vor-Krisenzeiten die höchsten Preise in Europa zahlen – etwa doppelt so viel wie vergleichbare Unternehmen in Frankreich. Nun wird immer öfter eine Existenz gefährdende Schwelle überschritten: Busbetriebe, teilweise schon stark von Reiseeinschränkungen durch die Corona-Krise gebeutelt, können anstehende Touren wegen der hohen Spritkosten nicht mehr kostendeckend bewältigen.

Logistikunternehmen leiden neben fehlenden Lkw-Fahrern inzwischen so sehr unter den hohen Preisen, dass die ersten aufgeben. Auch ganze Industriebranchen schlagen Alarm, dass sie bei diesem Energiepreis-Niveau am Standort Deutschland aufgeben müssen. So hat ein mittleres Unternehmen der Glasindustrie 2015 im Durchschnitt noch 100.000 Euro monatlich für seine Energieversorgung bezahlt. Aktuell ist dafür das Fünf- bis Sechsfache oder gar noch mehr fällig. In Bayern hat das erste Stahlwerk aus Kostengründen für einige Tage abgeschaltet, und ein norddeutscher Verpackungsmittelhersteller hat seine Papierproduktion nach 60 Jahren trotz voller Auftragsbücher geschlossen.

Mix aus kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen notwendig

Die EEG-Umlage wird zum 1. Juli 2022 abgeschafft – ein halbes Jahr früher als geplant. Sie gleicht allerdings nur einen Bruchteil der höheren Beschaffungskosten aus. An kurzfristigen Maßnahmen müssen hinzukommen: eine Verlagerung der übrigen Strompreisumlagen in den Bundeshaushalt sowie eine Absenkung der Stromsteuer zusammen mit zinsgünstigen KfW-Krediten bis hin zu direkten Notfallzahlungen. Es werden aber auch mittelfristige Lösungen gebraucht, um die Höhe der Energiekosten in Deutschland auf einem wettbewerbsfähigen Niveau zu halten. So sollten beispielsweise die Rahmenbedingungen für grüne Direktverträge verbessert werden. Der Grünstrombezug über Direktlieferverträge (PPA) bietet die Möglichkeit, sich langfristig stabile Strompreise zu sichern und zugleich die betriebliche Klimabilanz zu verbessern.

Quelle: DIHK

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Auf dem Weg aus der Corona-Krise: Deutsche und europäische Wirtschaft im Vergleich

Die andauernde Corona-Pandemie und die damit verbundenen Liefer- und Materialengpässe haben sich auf die deutsche Wirtschaft stärker ausgewirkt als auf die wirtschaftliche Entwicklung der meisten anderen Mitgliedstaaten in der Europäischen Union (EU). Das BIP für Deutschland war im 4. Quartal 2021 noch 1,1 % niedriger als im 4. Quartal 2019, dem Quartal vor Beginn der Corona-Krise. Dagegen hatte die Wirtschaftsleistung in 20 anderen Mitgliedstaaten der EU zum Jahresende 2021 bereits ihr jeweiliges Vorkrisenniveau erreicht oder übertroffen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 17.03.2022

Deutschland bei Privaten Konsumausgaben, Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe und Erwerbstätigkeit noch deutlicher unter Vorkrisenniveau als EU-Durchschnitt

Die andauernde Corona-Pandemie und die damit verbundenen Liefer- und Materialengpässe haben sich auf die deutsche Wirtschaft stärker ausgewirkt als auf die wirtschaftliche Entwicklung der meisten anderen Mitgliedstaaten in der Europäischen Union (EU). Das preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) für Deutschland war im 4. Quartal 2021 noch 1,1 % niedriger als im 4. Quartal 2019, dem Quartal vor Beginn der Corona-Krise. Dagegen hatte die Wirtschaftsleistung in 20 anderen Mitgliedstaaten der EU zum Jahresende 2021 bereits ihr jeweiliges Vorkrisenniveau erreicht oder übertroffen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Die aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine bilden die Daten nicht ab.

„Die vierte Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft zum Jahresende vergleichsweise deutlich ausgebremst“, sagt Dr. Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes, „das zeigt der Vorkrisenvergleich im europäischen Kontext vor allem bei den privaten Konsumausgaben und in der Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe, aber auch bei der Erwerbstätigkeit.“

Deutlicher als in Deutschland (-1,1 %) blieb das BIP lediglich in Spanien (-4,0 %), Tschechien (-1,9 %), Portugal (-1,4 %) und der Slowakei (-1,2 %) hinter dem jeweiligen Vorkrisenniveau zurück. Die EU-Länder mit dem stärksten Wirtschaftswachstum im Vorkrisenvergleich innerhalb der EU waren laut dem europäischen Statistikamt Eurostat Irland (+15,3 %), Estland (+7,2 %) und Slowenien (+6,6 %). Die Vereinigten Staaten kamen mit einem Wirtschaftswachstum von 3,2 % im Vorkrisenvergleich deutlich besser durch die Corona-Pandemie als die EU (+0,6 %).

Auch die Zahl der Erwerbstätigen erreichte in Deutschland im 4. Quartal 2021 noch nicht wieder das Niveau vom 4. Quartal 2019. Zum Jahresende 2021 waren in Deutschland saison- und kalenderbereinigt 0,4 % weniger Personen erwerbstätig als vor der Corona-Pandemie. Dieser Rückgang ist vorwiegend auf Einbrüche bei den geringfügig Beschäftigten zurückzuführen, während die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter das Vorkrisenniveau bereits übertroffen hat. In der EU insgesamt legte die Zahl der Erwerbstätigen zu (+0,6 %). Merkliche Beschäftigungszuwächse gab es unter anderem in Irland (+5.4 %), den Niederlanden (+2,2 %) und Frankreich (+1,6 %). Anders als diese Volkswirtschaften war Deutschland allerdings auch aus einer Situation der Vollbeschäftigung in die Pandemie gestartet. Diese konnte noch nicht wieder erreicht werden.

Privater Konsum erholt sich in vielen Ländern nur langsam

Die preis-, saison- und kalenderbereinigten privaten Konsumausgaben haben sich bisher in vielen Ländern der EU noch nicht von den Einbrüchen im Zusammenhang mit den Corona-Schutzmaßnahmen der letzten beiden Jahre erholt. Stärker als in Deutschland (-3,8 %) blieben die privaten Konsumausgaben allerdings nur in Spanien (-7,9 %) hinter ihrem Vorkrisenniveau zurück. Während in einigen EU-Mitgliedstaaten im 4. Quartal 2021 bereits wieder mehr konsumiert wurde als vor Beginn der Pandemie (z.B. Litauen, +6,8 %), wurde das Vorkrisenniveau in anderen Volkswirtschaften gerade erst (z.B. Frankreich, +0,1 %) oder noch nicht wieder (z.B. Italien -3,3 %) erreicht.

Staatskonsum in Deutschland vergleichsweise stark gestiegen

Die staatlichen Konsumausgaben wurden während der Corona-Pandemie in fast allen Mitgliedstaaten der EU deutlich ausgeweitet. Dabei nahm der Staatskonsum in Deutschland (+6,3 %) im Vorkrisenvergleich stärker zu als in anderen großen Volkswirtschaften wie Spanien (+6,0 %), Frankreich (+4,1 %) und Italien (+2,6 %). Noch stärkere Anstiege der staatlichen Konsumausgaben gab es allerdings in kleineren EU-Ländern wie Irland (+17,2 %) oder Kroatien (+16,9 %).

Weniger Investitionen in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge in Deutschland

Bei den Bruttoanlageinvestitionen zeigt sich im internationalen Vergleich ein zweigeteiltes Bild. Während sich die Rückgänge der Bruttoanlageinvestitionen in Deutschland oder den Niederlanden vor allem auf merklich niedrigere Investitionen in Ausrüstungen – also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge – zurückführen lassen, waren in einigen Mitgliedstaaten der EU wie zum Beispiel Italien und Rumänien deutlich höhere Bauinvestitionen Haupttreiber der Zuwächse bei den Bruttoanlageinvestitionen im Vorkrisenvergleich.

Internationaler Handel in fast allen EU-Ländern wieder über Vorkrisenniveau

Nachdem die Corona-Pandemie den internationalen Handel deutlich gedämpft hatte, wurde in der EU insgesamt sowie den meisten Mitgliedstaaten im 4. Quartal 2021 teilweise wieder deutlich mehr exportiert und importiert als vor Beginn der Corona-Krise. Dabei lag der Zuwachs im Vorkrisenvergleich in Deutschland bei den Exporten mit +2,3 % unter dem EU-Durchschnitt, bei den Importen mit +2,9 % darüber. Insbesondere Frankreich blieb bei Exporten (‑3,2 %) und Importen (-0,7 %) noch unter seinem Vorkrisenniveau.

Verarbeitendes Gewerbe erholt sich in den meisten großen EU-Ländern nur langsam

Die verschiedenen Wirtschaftsbereiche konnten sich europaweit bisher nur teilweise von den Folgen der anhaltenden Corona-Pandemie erholen. Das Verarbeitende Gewerbe hatte zum Jahresende 2021 vor allem in den großen Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich und Spanien die Einbußen der letzten zwei Jahre noch nicht vollständig aufgeholt. In einigen kleinen Ländern wie Irland (+35,8 %), Litauen (+17,1 %) oder Griechenland (+16,7 %) lag die preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe im 4. Quartal 2021 hingegen deutlich über ihrem Niveau vom 4. Quartal 2019. In diesen Ländern war die Wirtschaftsleistung des Verarbeitenden Gewerbes im Verlauf der Corona-Krise aber auch kaum oder gar nicht zurückgegangen. Hintergrund ist der in diesen Ländern vergleichsweise kleinere Anteil der stark von den Liefer- und Materialengpässen betroffenen Automobilindustrie.

Länderspezifische Entwicklungen im Baugewerbe

Im Baugewerbe sind die länderspezifischen unterschiedlichen Entwicklungen noch deutlicher ausgeprägt. Während die Bruttowertschöpfung in diesem Bereich in Deutschland bei +2,7 % lag, erreichte sie in Ungarn (+19,5 %) und Italien (+19,1 %) zweistellige Zuwachsraten im Vorkrisenvergleich. In Spanien (-14,1 %) und Bulgarien (-13,0 %) hingegen blieb sie im 4. Quartal 2021 noch weit unter dem jeweiligen Vorkrisenniveau.

Dienstleistungsbereiche EU-weit stark von Pandemie betroffen

Viele Dienstleistungsbereiche waren in Europa stark von den Corona-Schutzmaßnahmen betroffen. In mehr als der Hälfte der EU-Länder erreichte die Bruttowertschöpfung im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe zum Jahresende 2021 noch nicht wieder ihre Vorkrisenwerte. Auch die sonstigen Dienstleister, zu denen unter anderem die Bereiche Unterhaltung und Erholung zählen, blieben in ihrer Wirtschaftsleistung im 4. Quartal 2021 in fast allen Volkswirtschaften weit unter ihrem jeweiligen Niveau vom 4. Quartal 2019. Spanien war hier am stärksten betroffen (-26,0 %), gefolgt von Lettland (-25,4 %) und der Slowakei (-23,0 %). In Deutschland blieben die Sonstigen Dienstleister mit -11,7 % ähnlich stark hinter dem Vorkrisenquartal zurück wie im EU-Durchschnitt.

Deutlicher Zuwachs im Bereich Information und Kommunikation

Der Bereich Information und Kommunikation konnte seine Bruttowertschöpfung in nahezu allen EU-Ländern im Verlauf der Corona-Krise steigern. Der Anstieg in Deutschland (+3,6 %) fiel international noch vergleichsweise gering aus. Die stärksten Zuwächse im Vorkrisenvergleich verzeichneten Irland (+36,6 %), Estland (+29,1 %) und Rumänien (+25,0 %). Die gegenüber ihrem Vorkrisenniveau kaum gestiegene Wirtschaftsleistung in Spanien (+0,2 %) stellt hier im europäischen Vergleich eine Ausnahme dar.

Quelle: Statistisches Bundesamt

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Frühjahrsprognose: Ukraine-Krieg belastet deutsche Wirtschaft deutlich, Inflation bricht Rekord

Der Krieg in der Ukraine belastet die deutsche Wirtschaft spürbar und erhöht den ohnehin schon starken inflationären Druck. Die Erholung bricht aber nicht ab. In seiner aktuellen Frühjahrsprognose halbiert das IfW Kiel seine Vorhersage für die Zunahme der Wirtschaftsleistung in Deutschland im laufenden Jahr nahezu.

IfW Kiel, Pressemitteilung vom 17.03.2022

Der Krieg in der Ukraine belastet die deutsche Wirtschaft spürbar und erhöht den ohnehin schon starken inflationären Druck. Die Erholung bricht aber nicht ab. In seiner aktuellen Frühjahrsprognose halbiert das IfW Kiel seine Vorhersage für die Zunahme der Wirtschaftsleistung in Deutschland im laufenden Jahr nahezu. Es erwartet nun nur noch ein Plus von 2,1 Prozent (bislang 4 Prozent). Die Inflationsrate dürfte auf 5,8 Prozent steigen, so hoch wie noch nie seit der Wiedervereinigung.

Der Ukraine-Schock verzögert die Rückkehr zum Vor-Corona-Niveau in die zweite Jahreshälfte. Die Produktionskapazitäten bleiben bis Ende des Jahres nicht voll ausgelastet und damit die Wirtschaftsleistung unter den Möglichkeiten. Im kommenden Jahr dürfte ein Teil der nun entfallenden Produktion nachgeholt werden und die Wirtschaft dann um 3,5 Prozent zulegen (bislang 3,3 Prozent erwartet). Die ökonomischen Verwerfungen infolge des Ukraine-Krieges dürften Deutschland in diesem und im kommenden Jahr insgesamt rund 90 Mrd. Euro an Wirtschaftsleistung kosten.

„Ohne die starken postpandemischen Auftriebskräfte wäre die deutsche Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr rückläufig. Die Konjunktur in Deutschland wie weltweit ist gegenläufigen Kräften ausgesetzt. Den kräftigen Auf- und Nachholeffekten nach dem Wegfall der meisten Infektionsschutzmaßnahmen stehen die Schockwellen infolge des Ukraine-Krieges gegenüber“, sagte Stefan Kooths, Konjunkturchef und Vizepräsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel), anlässlich der heute vorgestellten Frühjahrsprognosen für Deutschland, den Euroraum und die Weltwirtschaft.

Im Euroraum dürfte das BIP um 2,8 Prozent (2022) und 3,1 Prozent (2023) steigen. Die Weltwirtschaft expandiert deutlich schwächer als ohne den Krieg zu erwarten gewesen wäre. Sie dürfte mit Raten von 3,5 Prozent in diesem und 3,6 Prozent im nächsten Jahr aber immer noch etwas stärker zulegen als im längerfristigen Trend. Die russische Wirtschaft wird in eine schwere Rezession rutschen.

Der Ukraine-Krieg belastet die Konjunktur über höhere Unsicherheit, neuen Stress in den Lieferketten und nochmals verteuerte Rohstoffpreise, insbesondere für Öl und Gas. Insgesamt dürfte die deutsche Energieimportrechnung im Jahr 2022 um rund 40 Mrd. Euro höher ausfallen, als noch in der Dezemberprognose veranschlagt war.

Allerdings haben in Deutschland die Konsumenten während der Pandemiephase zusätzliche Ersparnisse in Höhe von 220 Mrd. Euro angehäuft. Ferner sitzen die Industrieunternehmen auf rekordhohen Auftragsbeständen von 100 Mrd. Euro, rund 17 Prozent ihrer Jahresproduktion. Diese Sonderfaktoren federn den Ukraine-Schock ab, so dass die konjunkturelle Erholung nach der Corona-Pandemie zwar kurzfristig stark belastet wird, aber nicht abbricht.

Rekordinflation im wiedervereinigten Deutschland und im Euroraum

Die stark gestiegenen Preise für importierte Rohstoffe und Vorleistungen sind noch nicht vollständig bei den Verbrauchern angekommen. Es hat sich bereits vor dem Ukraine-Krieg ein erheblicher, breit angelegter Inflationsdruck aufgebaut, der sich das gesamte Jahr über in hohen Teuerungsraten zeigen wird, selbst wenn – wie in der Prognose unterstellt – die Rohstoffpreise wieder etwas nachgeben und die Lieferengpässe in der zweiten Jahreshälfte sukzessive nachlassen.

Im Jahresdurchschnitt wird die Inflation mit voraussichtlich 5,8 Prozent so hoch sein wie noch nie im wiedervereinigten Deutschland. 2023 werden die Zuwachsraten nur allmählich nachlassen, und die Inflation dürfte auf Jahressicht bei 3,4 Prozent liegen. Insbesondere in der Bauwirtschaft steigen die Preise drastisch, im letzten Jahr waren es 8,6 Prozent – die bei weitem höchste Preissteigerung seit der Wiedervereinigung. Sie dürfte in diesem Jahr noch darüber liegen, bevor sie im nächsten Jahr wieder moderater ausfällt.

Im Euroraum dürfte die Inflationsrate mit 5,2 Prozent den höchsten Stand seit Bestehen der Währungsunion erreichen. Auch 2023 dürfte die Teuerungsrate mit 2,8 Prozent weiterhin klar das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) übertreffen.

„Der Inflationsdruck ist auch der weltweit expansiven Geld- und Fiskalpolitik während der Pandemiephase geschuldet. Die massiven Finanzhilfen haben – weitgehend finanziert über die Notenbanken – in großem Stil Phantom-Einkommen im privaten Sektor geschaffen, also Einkommen, denen keine Produktion gegenüberstand und die daher inflationär wirken. Kriegsbedingt bekommt die Teuerung einen weiteren Schub, in Gang gekommen war sie aber längst vor dem Überfall auf die Ukraine”, so Kooths.

Schulden steigen, Arbeitsmarkt bleibt robust

Die Erwerbstätigkeit setzt ihre Erholung von der Corona-Krise fort, wenngleich das Tempo nachlassen dürfte. Die Zahl der Erwerbstätigen steigt von 45,5 Millionen in diesem auf 45,7 Millionen im nächsten Jahr. Dämpfend wirken zum einen die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges. Zum anderen wird die Erhöhung des Mindestlohnes auf 12 Euro zu Beschäftigungsverlusten führen (vgl. IfW Kiel Medieninformation: Mindestlohn von 12 Euro: Risiken für Beschäftigung steigen, Armut sinkt kaum). Außerdem erreicht das Arbeitskräfteangebot im nächsten Jahr wegen der Alterung der Gesellschaft seinen Zenit. Die Arbeitslosigkeit sinkt von 5,7 Prozent (2021) auf neue gesamtdeutsche Tiefstände von 4,9 Prozent (2022) und 4,7 Prozent (2023).

Die Schulden der öffentlichen Haushalte gehen nach der Corona-Pandemie zwar zurück, bleiben aber hoch. Der Bund hat in Form von Sondervermögen für den Klimaschutz und die Verteidigung die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass trotz Schuldenbremse Finanzierungsdefizite in größerem Umfang möglich sind. 2022 beträgt das Minus 92 Mrd. Euro, 2023, wenn die Schuldenbremse wieder greifen soll, gut 81 Mrd. Euro. Deutschlands öffentliche Schulden betragen dann 68 Prozent (2022) bzw. gut 65 Prozent (2023) des Bruttoinlandsproduktes (BIP).

„Deutschlands Liste der ungelösten Verteilungskonflikte wird immer länger. Ungedeckte Leistungsversprechen im Renten- und Gesundheitssystem, ambitionierte Maßnahmen zum Klimaschutz, mehr Verteidigungsausgaben, Abfederung der hohen Energiepreise – bislang weicht die Finanzpolitik stets in neue Schulden aus. Nicht die Schuldentragfähigkeit ist das Problem, sondern dass dieser Kurs immer weniger in die gesamtwirtschaftliche Landschaft passt, auch weil dadurch die Inflation neue Nahrung bekommt. In Zeiten demografisch bedingt schwindender Wachstumskräfte gilt es, die Ansprüche an die Möglichkeiten anzupassen. Das erfordert Haushaltskonsolidierung, idealerweise durch Priorisierung der Ausgaben“, so Kooths.

Quelle: IfW Kiel

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im März 2022

Die deutsche Wirtschaftsleistung ist lt. BMWK im Schlussquartal 2021 gemäß der jüngsten Meldung des Statistischen Bundesamts um 0,3 % zurückgegangen. Der Rückgang war weniger stark als ursprünglich befürchtet, weshalb das Jahresergebnis 2021 um weitere 0,1 Prozentpunkte auf 2,9 % aufwärts korrigiert wurde.

BMWK, Pressemitteilung vom 16.03.2022

  • Im Schlussquartal 2021 ist das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 % zurückgegangen, während es im Gesamtjahr 2021 um 2,9 % zulegte.
  • Der russische Angriffskrieg in der Ukraine birgt substanzielle Risiken für die deutsche Konjunktur. Die Auswirkungen lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös beziffern. Sie hängen stark von der Dauer und der Intensität des Konflikts ab.
  • Seit Beginn der militärischen Invasion hat es extreme Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen gegeben. Auch Handelsströme und Lieferkettenbeziehungen sind stark beeinträchtigt. Die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung bleibt hoch.
  • Da die gängigen Konjunkturindikatoren mit einem zeitlichen Verzug von ein bis zwei Monaten veröffentlicht werden, ist der Krieg in der Ukraine in ihnen noch nicht abgebildet. Zuletzt (also mit Berichtsstand Januar) zeigten die Indikatoren eine weitere Stabilisierung der Industriekonjunktur, während die Entwicklung der Dienstleistungsbereiche weiterhin durch den Pandemieverlauf geprägt war.
  • Sowohl im gesamten Produzierenden Gewerbe (+2,7 %) als auch in der Industrie (1,3 %) hat sich die Produktion mit ihrem vierten konsekutiven Anstieg weiter stabilisiert. Auch die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe legten mit einem Plus von 1,8 % erneut zu. Der Krieg in der Ukraine bringt allerdings die Gefahr einer erneuten Verschärfung von Lieferengpässen und einer einhergehenden Bremsung der konjunkturellen Entwicklung mit sich.
  • Die Umsätze im Einzelhandel sind im Januar trotz weiterhin geltender 2G-Regeln gestiegen, nachdem es im Dezember zu einem deutlichen Rückgang gekommen war. Das Vorkrisenniveau vom Februar 2020 wurde zuletzt wieder spürbar überschritten. In den kommenden Monaten dürfte die von den Energiepreisen getriebene Inflationsrate den privaten Konsum belasten.
  • Die Inflationsrate stieg von zuvor 4,9 % auf 5,1 % im Februar an. Die Preise für Energie und auch für Nahrungsmittel trugen maßgeblich zu dem weiterhin starken Auftrieb des Preisniveaus bei. Die Kernrate, bei der diese beiden volatilen Preiskomponenten herausgerechnet werden, veränderte sich kaum. Die Preissteigerungen aufgrund der Eskalation des Russland-Ukraine-Konflikts bildet die Inflationsrate bislang aber nur teilweise ab.
  • Am Arbeitsmarkt hielt die positive Entwicklung im Februar an. Der russische Angriff auf die Ukraine wird sich hier erst zeitverzögert zeigen. Im Februar reduzierte sich die registrierte Arbeitslosigkeit saisonbereinigt erneut spürbar und die Erwerbstätigkeit hat im Januar saisonbereinigt abermals kräftig zugenommen. Die Kurzarbeit ging im Dezember weiter leicht auf rd. 0,6 Mio. Personen zurück.
  • Auch im zweiten Corona-Jahr war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen rückläufig. Mit knapp 14.000 Insolvenzen wurde das Vorkrisenniveau um 25 % unterschritten. Einen Rückgang gab es 2021 u. a. im Gastgewerbe (-22 %), im Handel (-14 %) sowie im Bereich Kunst, Kultur und Unterhaltung (-21 %).

Robuste Industriekonjunktur mit unklaren Aussichten aufgrund des Kriegs in der Ukraine

Die deutsche Wirtschaftsleistung ist im Schlussquartal 2021 gemäß der jüngsten Meldung des Statistischen Bundesamts um 0,3 % zurückgegangen. Der Rückgang war weniger stark als ursprünglich befürchtet, weshalb das Jahresergebnis 2021 um weitere 0,1 Prozentpunkte auf 2,9 % aufwärts korrigiert wurde.

Die wirtschaftliche Entwicklung im laufenden Jahr steht seit wenigen Wochen ganz im Zeichen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. Die beschlossenen Sanktionen treffen vor allem die russische Wirtschaft. Aber auch deutsche Unternehmen sind betroffen, wenn bestehende Handelspartner wegbrechen oder Lieferketten reißen. Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland spüren den Konflikt vor allem an den stark gestiegenen Energiepreisen. Die hohen Inflationsraten dürften den privaten Konsum im Jahresverlauf dämpfen. Ebenso dürfte die gestiegene Unsicherheit zu Investitionszurückhaltung und einem negativen Effekt auf den Welthandel führen. Wie groß diese Effekte sind und was sie für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts bedeuten, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös beziffern. Die in der Konjunkturberichterstattung genutzten Indikatoren zur Einschätzung der wirtschaftlichen Lage haben nämlich einen zeitlichen Nachlauf von ein bis zwei Monaten. Die aktuellsten Indikatoren sind vom Stand Ende Januar. Damals zeigte sich die deutsche Industriekonjunktur in guter Verfassung: So stieg die Industrieproduktion im Januar erneut, nachdem sie bereits in den drei vorangegangenen Monaten zulegen konnte. Damit schien die Industrie zunehmend besser mit den Lieferengpässen bei wichtigen Vorleistungen und Rohstoffen zurecht zu kommen. Dementsprechend hatte sich auch die Stimmung in den Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes weiter aufgehellt. Auch der Boom am Arbeitsmarkt setzte sich fort: Die registrierte Arbeitslosigkeit sank im Februar weiter, die Erwerbstätigkeit nahm im Januar zu. Gleichzeitig erholten sich die Einzelhandelsumsätze nach einem schwachen Weihnachtsgeschäft.

Ein Grund zur Sorge bleibt jedoch die Inflationsrate: Sie lag im Februar 2022 bei 5,1 %, maßgeblich getrieben durch einen weiteren Anstieg der Energiepreise. Die weitere Preisniveauentwicklung lässt sich kaum verlässlich vorhersagen, weil weder die Dauer noch Ausgang des Krieges zurzeit absehbar sind. Da Deutschland große Teile seines Gasbedarfs aus Russland importiert, sind die Preise für diesen Energieträger eng an die Entwicklung des Kriegs Russlands gegen die Ukraine gekoppelt. Zwar deuten Terminkontrakte zuletzt auf eine gewisse Entspannung bei den Energiepreisen im Zeitverlauf hin, allerdings ausgehend von einem stark schwankenden und sehr hohen Niveau. Deutschland wird im Jahr 2022 deutlich mehr für Energie bezahlen müssen als in den Vorjahren. Da die Preisniveauentwicklung durch Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten im Vorfeld der aktuellen Höchststände der Energiepreise bereits sehr dynamisch verlief, sind auch in den nächsten Monaten deutlich erhöhte Inflationsraten zu erwarten.

Weltwirtschaft legt bis zuletzt weiter zu

Der globale Warenhandel stieg im Dezember um 1,1 % gegenüber dem Vormonat und damit zum dritten Mal in Folge. Die globale Industrieproduktion wurde im Dezember ebenfalls mit +1,2 % deutlich ausgeweitet, wenngleich das Verarbeitende Gewerbe weltweit weiterhin von Knappheiten betroffen ist. Entgegen dieser positiven Entwicklung in der Industrie dürften sich die Dienstleistungsbereiche vor dem Hintergrund zusätzlicher Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen zu Beginn des Jahres etwas schwächer entwickelt haben. Der OECD Composite Leading Indicator ging dementsprechend im Januar erneut zurück. Die Stimmung bei den Unternehmen stieg im Februar hingegen. So stieg der Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan/IHS Markit im Februar erstmals seit November wieder und erreichte 53,4 Punkte. Der Teilindex für den Dienstleistungssektor stieg besonders stark von 51,0 auf 53,9 Punkte, während die Industrie einen moderaten Anstieg von 53,2 auf 53,6 Punkte verzeichnete. Beide Teilindizes bewegen sich damit deutlich oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Am aktuellen Rand dürften die weiteren Aussichten aufgrund des Kriegs in der Ukraine allerdings deutlich gedämpft ausfallen.

Deutscher Außenhandel geht im Januar zurück

Entgegen der positiven weltwirtschaftlichen Entwicklung korrigieren die deutschen Waren- und Dienstleistungsexporte im Januar laut Meldung der Deutschen Bundesbank ihr Wachstum des Schlussquartals 2021 deutlich. Gegenüber dem Vormonat gingen die Ausfuhren saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 5,5 % zurück (Dezember: +0,6 %). Bei einer Zunahme der Ausfuhrpreise um 1,6 % fällt der Rückgang der Exporte preisbereinigt noch deutlicher aus. Die Waren- und Dienstleistungsimporte gingen im Januar gegenüber dem Vormonat nominal und saisonbereinigt ebenfalls um kräftige 4,9 % zurück (Dezember: +2,3 %). Auch hier fällt der preisbereinigte Rückgang vor dem Hintergrund deutlich steigender Einfuhrpreise stärker aus.

In den Frühindikatoren zur Außenwirtschaft auf nationaler Ebene zeichnete sich vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine eine weitere Erholung ab: Die Auftragseingänge aus dem Ausland stiegen kräftig an, während sich die ifo Exporterwartungen für das Verarbeitende Gewerbe im Februar kaum verändert haben. Zuletzt rechnete noch knapp ein Viertel der Unternehmen mit einer verbesserten Lage bis Mai 2022. Die aktuelle Indikatorenlage spiegelt somit die Auswirkungen der Russland-Ukraine-Konflikts noch nicht wider. Der weitere Ausblick für den deutschen Außenhandel fällt vor diesem Hintergrund deutlich getrübt aus.

Die Stabilisierung in der Industrie setzt sich fort

Im Januar ist die Produktion im Produzierenden Gewerbe im Vormonatsvergleich um 2,7 % gestiegen. Hier spielte insbesondere die Erholung des im Vormonat rückläufigen Baugewerbes (+10,1 %) eine maßgebliche Rolle. Die Industrieproduktion wirkte mit einem Wachstum von 1,3 % ebenfalls stützend.

In Folge von Nachmeldungen im Vormonat markierte der Januar sowohl bei der Gesamt- als auch bei der Industrieproduktion das vierte Plus in Folge. Während die Produktion im Bereich Kfz & Kfz-Teile kontrahierte (- 3,1 %), trug vor allem der gewichtige Maschinenbau (+9,9 %) zur positiven Entwicklung bei. Zuwächse in den Bereichen Nahrungs- und Futtermittel (+11,7 %) und der Reparatur und Installation von Maschinen (+11,5 %) stärkten die Aufwärtsbewegung.

Im Januar sind die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem Vormonat ebenfalls erneut gestiegen (+1,8 %). Die Bestellungen von Investitionsgütern nahmen kräftig zu (+5,5 %), während die Nachfrage nach Vorleistungs- (-2,6 %) und Konsumgütern (-4,6 %) rückläufig war. Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen fiel der allgemeine Anstieg mit 0,8 % etwas geringer aus.

Das Plus entstammte vorwiegend Ländern außerhalb der Eurozone (+17,0 %). Im Gegensatz dazu schrumpfte die Nachfrage sowohl im Inland (- 8,3 %), als auch im Rest des Euroraums (-2,6 %). Insbesondere der Kfz & Kfz-Teile Bereich (+2,5 %) profitierte von einer höheren Nachfrage, während die Auftragsbestände im Maschinenbau etwas sanken (-1,6 %). Zusammen mit der abermals gestiegenen Produktion sollte der erneute Zuwachs der Auftragseingänge für eine weitere Stabilisierung der Konjunktur sprechen. Allerdings erscheint es angesichts des russischen Kriegs in der Ukraine unsicher, inwiefern sich Lieferengpässe bei wichtigen Vorleistungsgütern und Rohstoffen wieder verschärfen könnten. Der Konflikt birgt somit das Risiko einer verzögerten Abarbeitung des nach wie vor hohen Auftragsbestandes und damit einer merklichen Dämpfung der konjunkturellen Entwicklung.

Einzelhandelsumsatz deutlich gestiegen

Im Einzelhandel ohne Kfz sind die Umsätze im Januar gegenüber dem Vormonat trotz weiterhin geltender 2G-Regeln voraussichtlich um 2,0 % gestiegen, nachdem sie im Dezember deutlich um 4,6 % zurückgegangen waren. Damit lagen die Umsätze zuletzt um 4,1 % über ihrem Niveau im Vorkrisenmonat Februar 2020. Der Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren meldete allerdings für den Januar einen starken Rückgang der Umsätze gegenüber dem Vormonat um 8,6 %. Der Internet- und Versandhandel verzeichnete im Januar eine leichte Abnahme seines Umsatzes um 0,7 %. Bei den Neuzulassungen von Pkw durch private Halter kam es im Februar und Januar zu Rückgängen von 0,1 % bzw. 6,6 %, nachdem allerdings im Dezember zu einem kräftigen Plus von 17,6 % gekommen war.

Nachdem bislang vor allem der Pandemieverlauf die Entwicklung des privaten Verbrauchs belastet hat, treten nun die hohe Inflationsrate und die Unsicherheit aufgrund des Russland-Ukraine-Kriegs in den Vordergrund. In die beiden gängigen Frühindikatoren sind die jüngsten Ereignisse aber noch nicht eingeflossen, sie bieten zudem ein uneinheitliches Bild: So haben sich die ifo Geschäftserwartungen im Einzelhandel im Februar per Saldo weiter aufgehellt. Für das GfK Konsumklima werden indes für März Einbußen prognostiziert.

Das Niveau der Verbraucherpreise hat sich im Februar gegenüber dem Vormonat um 0,9 % erhöht (Januar: +0,4 %). Die Inflationsrate, also die Preisniveauentwicklung gegenüber dem Vorjahr, erhöhte sich im Februar um 0,2 Prozentpunkte auf 5,1 %. Ausschlaggebend hierfür sind insbesondere deutliche Steigerungen bei den Preisen für Energie (+22,5 %; zuvor +20,5 %) und auch bei Nahrungsmitteln (+5,3 %; zuvor +5,0 %). Die weitere Entwicklung des Russland-Ukraine-Kriegs wird die Energiepreise maßgeblich beeinflussen. So ist der Preis für Rohöl, einer der maßgeblichen Indikatoren, vor dem Hintergrund des russischen Einmarschs in die Ukraine zunächst auf fast 130 US-Dollar je Barrel geklettert, aktuell liegt dieser bei rund 110 US-Dollar je Barrel. Dies sind Höchststände, die seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/08 nicht mehr beobachtet wurden. Eine rasche Entspannung ist aktuell nicht absehbar. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) lag im Februar bei 3,0 %.

Bis in den Februar hinein positive Entwicklung am Arbeitsmarkt

Auf dem Arbeitsmarkt hielt die positive Tendenz weiter an. Der militärische Überfall Russlands auf die Ukraine dürfte sich am Arbeitsmarkt erst mit Zeitverzögerung auswirken. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung verringerten sich im Februar saisonbereinigt erneut um 33.000 bzw. 35.000 Personen. In Ursprungswerten verringerte sich die Arbeitslosigkeit um 34.000 auf 2,43 Mio. Personen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren 476.000 Personen weniger arbeitslos gemeldet. Auch bei Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung setzte sich der positive Verlauf fort. Die Erwerbstätigkeit expandierte im Januar saisonbereinigt deutlich um 80.000 Personen. In Ursprungswerten waren damit 45,1 Millionen Menschen erwerbstätig, 636.000 Personen mehr als im Vorjahresmonat. Im Dezember erhöhte sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ebenfalls deutlich um 82.000 Personen gegenüber dem Vormonat. Die Kurzarbeit ging laut Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Dezember erneut leicht zurück und lag bei rund 0,6 Millionen Personen. Nach BA- Schätzungen sollte sich die Zahl im Februar kaum verändern. Die Anzeigen dürften im Februar eher rückläufig gewesen sein. Die Frühindikatoren von ifo und IAB deuteten einen positiven Ausblick für den Arbeitsmarkt an. Beim IAB-Arbeitsmarktbarometer verbesserten sich beide Teilkomponenten für Arbeitslosigkeit und Beschäftigung. Das ifo- Barometer zeigte eine deutlich gestiegene Einstellungsbereitschaft, wobei nahezu alle Branchen neue Arbeitskräfte suchten. Die Umfragen von IAB und ifo fanden aber vor dem russischen Angriff auf die Ukraine statt.

Auch im zweiten Krisenjahr weniger Insolvenzen

Im Jahr 2021 gab es laut Statistischem Bundesamt knapp 14.000 Unternehmensinsolvenzen, etwa 12 % weniger als im Vorjahr. Dies entspricht 46 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Das Vorkrisenniveau wird damit um 25 % unterschritten.

Insgesamt waren im vergangenen Jahr 75.000 Arbeitnehmer von einer Insolvenz betroffen. Die Gläubigerforderungen summierten sich auf 48 Mrd. Euro. Rückgänge bei den Unternehmensinsolvenzen gab es u. a. auch im Gastgewerbe (-22 %), im Handel (-14 %) sowie im Bereich Kunst, Kultur und Unterhaltung (-21 %), was maßgeblich auf die umfangreichen, staatlichen Stützungsmaßnahmen zurückzuführen sein dürfte.

Frühindikatoren deuten auch für das erste Quartal 2022 keinen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen an. Experten rechnen auch für das Gesamtjahr mit geringen Nachholeffekten. Der russische Krieg in der Ukraine stellt ein zusätzliches Risiko für Unternehmen dar, das aktuell allerdings noch kaum einschätzbar ist.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, 2022

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Inflation: Paare und Familien mit mittlerem und niedrigem Einkommen von Preisschocks aktuell am stärksten betroffen

Familien mit niedrigem oder mittlerem Einkommen sowie kinderlose Paare mit mittlerem Einkommen tragen aktuell die höchste Inflationsbelastung, Singles mit hohem Einkommen die geringste. Das ergibt der IMK-Inflationsmonitor der Hans-Böckler-Stiftung.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 15.03.2022

Familien mit niedrigem oder mittlerem Einkommen sowie kinderlose Paare mit mittlerem Einkommen tragen aktuell die höchste Inflationsbelastung, Singles mit hohem Einkommen die geringste: Gemessen an den für diese Haushaltstypen repräsentativen Warenkörben sind die Preise im Februar 2022 um 5,2 Prozent bzw. um 4,4 Prozent gestiegen, während der Wert über alle Haushalte hinweg bei 5,1 Prozent lag. Auch für Singles mit niedrigen, mittleren und höheren Einkommen lagen die Raten mit 4,7 bis 4,9 Prozent im Februar etwas unterhalb der allgemeinen Preissteigerung. Bei Familien mit zwei Kindern und höherem Einkommen verteuerte sich der haushaltsspezifische Warenkorb um 5,0 Prozent. Für Alleinerziehende mit einem Kind und mittlerem Einkommen betrug die Teuerungsrate 5,1 Prozent. Das ergibt der IMK Inflationsmonitor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Er liefert monatlich die spezifischen Teuerungsraten für neun repräsentative Haushaltstypen, die sich nach Personenzahl und Einkommen unterscheiden.

Die Energiepreise sind weiterhin die wichtigsten Inflationstreiber. Ihr starker Anstieg hat dazu geführt, dass die Inflationsrate im Februar wieder fast so hoch ausfiel wie im Dezember 2021. Von den 5,1 Prozent Preissteigerung waren allein 2,3 Prozentpunkte den weiter anziehenden Preisen für Haushaltsenergie bzw. Kraft- und Schmierstoffe geschuldet. Relativ stark gestiegen sind im Februar zudem auch die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke. Der Krieg in der Ukraine hat die Energiepreise, insbesondere die Kosten für Gas, seit Ende Februar noch einmal emporschnellen lassen, so dass die Inflationsrate auch in den kommenden Monaten weiter steigen dürfte, erwartet IMK-Inflationsexpertin Dr. Silke Tober, die die neue Auswertung zusammen mit Prof. Dr. Sebastian Dullien erstellt hat, dem wissenschaftlichen Direktor des IMK.

Die aktuellen Einflussfaktoren bei den haushaltsspezifischen Inflationsraten beschreiben Dullien und Tober so: „Zusammenfassend lässt sich schlussfolgern, dass Haushalte mit geringeren Einkommen durch den Preisanstieg bei Nahrungsmitteln überproportional belastet sind und zunehmend auch durch die Verteuerung bei der Haushaltsenergie.“ Dieser Trend dürfte sich weiter verschärfen, denn Gas, Strom oder Heizöl fallen als Waren des Grundbedarfs bei den Ausgaben ärmerer Haushalte sehr stark ins Gewicht, während sie bei Haushalten mit hohem Einkommen und insbesondere bei wohlhabenden Alleinlebenden einen deutlich kleineren Anteil des Warenkorbs ausmachen. Bei Familien mit Kindern und niedrigem bis mittlerem Einkommen schlagen aktuell zudem die weiter steigenden Preise für Kraftstoffe relativ stark zu Buche. Grundsätzlich haben Haushalte mit niedrigem Einkommen ein besonderes Problem mit starker Teuerung, weil sie vor allem unverzichtbare Alltagsgüter kaufen und kaum Spielräume besitzen, ihr Konsumniveau durch Rückgriff auf Erspartes aufrecht zu erhalten.

Die aktuell im Vergleich relativ hohe Inflationsrate bei Paaren ohne Kinder und mittlerem Einkommen hängt wiederum wesentlich damit zusammen, dass im Februar auch die Preise für Ausgabenposten wie Wohnungsinstandhaltung oder Reisen deutlich angezogen haben. Die haushaltsspezifische Inflationsrate bei Alleinlebenden mit geringem Einkommen ist nach der Analyse von Dullien und Tober deshalb noch unterdurchschnittlich, weil solche Güterarten sowie Ausgaben für Kraftstoffe oder Fahrzeugkauf mangels finanzieller Möglichkeiten bei ihnen kaum ins Gewicht fallen. Eine fortgesetzte Preisexplosion bei der Haushaltsenergie werde aber gerade auch ärmere Singles empfindlich treffen, wenn nicht gegengesteuert werde.

Die Europäische Zentralbank, unter normalen Umständen erste Instanz bei der Kontrolle der Preisentwicklung, sei in der aktuellen Situation machtlos, betonen die Forschenden. „Gegen Preisschocks, insbesondere solche, die aus dem Ausland kommen, hat die EZB keine geeigneten Maßnahmen.“ Zinserhöhungen könnten den Energiepreisanstieg nicht stoppen, stattdessen würden sie die Konjunktur weiter schwächen, was wiederum Arbeitsplätze kosten würde. Dullien und Tober sehen daher die Bundesregierung weiter am Zuge. Zwar habe die Regierung bereits durch die Senkung der EEG-Umlage Anfang des Jahres, ihre Abschaffung im Juli 2022 sowie die Anhebung der Pendlerpauschale und die Heizkostenzuschüsse an Geringverdienende einzelne Gegenmaßnahmen ergriffen. „Allerdings ist inzwischen abzusehen, dass diese Entlastungen angesichts des sich abzeichnenden massiven weiteren Energiepreisschubs nicht ausreichend sind, um die Belastungen insbesondere von Haushalten mit niedrigen und mittleren Einkommen angemessen abzufedern“, so die Fachleute des IMK.

Bei der Wahl weiterer Entlastungsschritte solle die Politik berücksichtigen, „dass die drastische Verteuerung von Gas und Erdöl durch den Ukraine-Krieg nicht nur einen neuen Schub bekommen hat, sondern auch eine neue Dimension. Diese fossilen Energieträger müssen nun nicht nur aus klimapolitischen Gründen möglichst sparsam verwendet werden, sondern auch um die Abhängigkeit Deutschlands insbesondere von russischem Gas zu verringern“, schreiben Dullien und Tober.

Aus diesem Grund sei etwa eine staatliche Subventionierung für einen Grundsockel des häuslichen Gasverbrauchs einer allgemeinen Senkung der Energiesteuern beziehungsweise der Mehrwertsteuer überlegen. So könnte der Staat beispielsweise für die ersten 8.000 Kilowattstunden Gas, die Haushalte beziehen, den Preis auf dem aktuellen Niveau festschreiben und die Versorgungsunternehmen für eigene Mehrkosten entschädigen. Das würde ungefähr dem halben Jahresverbrauch einer Wohnung mit 100 Quadratmetern entsprechen. Mit diesem Modell einer teilweisen Gaspreisdeckelung ließen sich drei Ziele erreichen: Sie würde viele Haushalte entlasten, die gemessene Inflationsrate senken und gleichzeitig den Anreiz für einen sparsamen Verbrauch aufrechterhalten.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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