Erste Anzeichen für Entspannung von Lieferengpässen

Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten in eine Rezession gerät, hat in den vergangenen Wochen etwas abgenommen. Die Entspannung ist zwar moderat, es handelt sich aber um den ersten Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit seit dem Frühjahr 2021, als sich die internationalen Lieferengpässe zugespitzt hatten. Das signalisiert der Konjunkturindikator des IMK der Hans-Böckler-Stiftung.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 15.11.2021

Rezessionsrisiko leicht gesunken

Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten in eine Rezession gerät, hat in den vergangenen Wochen etwas abgenommen. Die Entspannung ist zwar moderat, es handelt sich aber um den ersten Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit seit dem Frühjahr 2021, als sich die internationalen Lieferengpässe zugespitzt hatten. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, der die aktuell verfügbaren Daten zur Wirtschaftslage bündelt. Für den Zeitraum von November bis Ende Januar 2022 weist der Indikator ein Rezessionsrisiko von 40,8 Prozent aus, nach 44,1 Prozent im Vormonat. Damit wächst der Abstand zur 50 Prozent-Schwelle etwas, was eine Fortsetzung des Aufschwungs signalisiert. Korrespondierend ist die Wahrscheinlichkeit für einen Wirtschaftsboom mit deutlich überdurchschnittlichem Zuwachs in den kommenden drei Monaten auf aktuell 25,1 Prozent gestiegen, nach 19,9 Prozent im Oktober. Die statistische Streuung im Indikator, ein Maß für die Unsicherheit von Wirtschaftsakteuren, ist etwas gesunken. Trotz der leichten Aufhellung bleibt der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator auf „gelbrot“. Damit prognostiziert er für die kommenden drei Monate eine „erhöhte konjunkturelle Unsicherheit“, aber kein Ende der wirtschaftlichen Erholung. In seiner aktuellen Konjunkturprognose rechnet das IMK mit einem Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent in diesem Jahr.

IMK-Konjunkturexperte Peter Hohlfeld wertet die neuen Indikator-Zahlen als erstes Anzeichen dafür, dass sich die Situation in den internationalen Lieferketten etwas entspannt. „Es lässt sich noch nicht sicher sagen, ob die aktuelle Datenlage schon eine Trendwende bei den angebotsseitigen Engpässen signalisiert.“, sagt der Forscher. „Trotz aller Unsicherheit deutet sich aber eine Stabilisierung des Wachstumstempos durch das außenwirtschaftliche Umfeld an.“ Allerdings entstünden durch die stark wachsende vierte COVID-Welle in Deutschland gleichzeitig neue Risiken, warnt Hohlfeld: „Es bleibt zu hoffen, dass die binnenwirtschaftliche Dynamik in den nächsten Wochen nicht durch einschränkende Maßnahmen infolge der hohen Corona-Infektionszahlen in Mitleidenschaft gezogen wird.“

Der aktuelle leichte Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit beruht vor allem auf steigenden Auftragseingängen aus dem Ausland für die deutsche Industrie. Diesem Aufwärtstrend, der sich auch in den um Großaufträge bereinigten Daten zeigt, misst der Konjunkturindikator eine hohe Bedeutung zu. Ebenfalls positiv auf die Prognose wirkt sich der anhaltend hohe Auftragsbestand der Unternehmen aus, denn er legt nahe, dass es bislang nicht in einem nennenswerten Umfang zu Stornierungen von Aufträgen gekommen ist. Zudem waren im Oktober erstmals seit Beginn der konjunkturellen Erholung nach der Corona-Krise die Frachtkosten für Container leicht rückläufig, während der Containerumschlag weiterhin moderat wächst. Gebremst wurde die Aufhellung der Aussichten von schlechteren Werten beim ifo-Geschäftsklimaindex und bei den Auftragseingängen aus dem Inland; diese Faktoren haben eine stärkere Abnahme der Rezessionswahrscheinlichkeit verhindert.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt. Der Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im November 2021

Die deutsche Wirtschaft ist weiter auf Wachstumskurs. Die Wirtschaftsleistung legte im dritten Quartal um 1,8 % zu, nach einem Plus von 1,9 % im zweiten Vierteljahr. Die Industriekonjunktur wird lt. BMWi allerdings noch auf absehbare Zeit von den bestehenden Engpässen bei Vorprodukten gebremst werden.

BMWi, Pressemitteilung vom 15.11.2021

  • Die bestehenden Lieferengpässe bei Vorprodukten und Rohstoffen haben sich weiter verfestigt. Sie beschränken die deutsche Industrie. Der industrielle Ausstoß ging im September weiter zurück. Trotz des hohen Auftragsbestands dürfte die Industriekonjunktur bis in das kommende Jahr hinein gedämpft verlaufen. Die Unternehmen in den Dienstleistungsbereichen hingegen profitierten von den vorgenommenen Lockerungen und beurteilten ihre Lage erneut besser. Angesichts des aktuellen Pandemiegeschehens haben die Risiken aber wieder zugenommen. Insgesamt dürfte die Wirtschaftsleistung im Schlussquartal des Jahres nur noch geringfügig zunehmen.
  • Die Produktion in der Industrie nahm im September weiter ab. Die Automobilindustrie konnte ihren Ausstoß zwar wieder steigern, aber die Bereiche Maschinenbau, elektrische Ausrüstungen, Datenverarbeitungsgeräte und Metallerzeugnisse meldeten Rückgänge. Der Ausblick für die Industriekonjunktur hat sich trotz hoher Nachfrage eingetrübt.
  • Die Umsätze im Einzelhandel verringerten sich im September wieder, übertrafen ihr Vorkrisenniveau vom Februar 2020 allerdings weiterhin.
  • Die Inflationsrate lag im Oktober mit 4,5 % auf einem hohen Niveau. Schon seit Jahresbeginn ist die Inflationsrate aufgrund von Sonderfaktoren deutlich erhöht und zur Jahresmitte hat sie sich wegen eines Basiseffekt durch die vorübergehende Senkung der Umsatzsteuersätze erwartungsgemäß sprunghaft erhöht. Zu Beginn nächsten Jahres nach Auslaufen der Sondereffekte dürfte sich der Auftrieb der Verbraucherpreise wieder deutlich abschwächen.
  • Auf dem Arbeitsmarkt setzte sich die Erholung mit gemäßigtem Tempo fort. Erneut hat sich die Arbeitslosigkeit im Oktober saisonbereinigt reduziert, die Erwerbstätigkeit nahm im September saisonbereinigt weiter zu. Die Kurzarbeit sank im August auf 0,8 Mio. Personen und dürfte im September weiter fallen.
  • Im Jahr 2021 dürfte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen niedriger ausfallen als im Vorjahr und damit ein neues Rekordtief erreichen. Von Januar bis August gab es lediglich 9.637 Unternehmensinsolvenzen – 16 % weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum – und auch im Herbst deutet sich kein Anstieg an. Große Nachholeffekte sind auch im kommenden Jahr nicht zu erwarten.

Die wirtschaftliche Erholung setzt sich fort, aber das aktuelle Pandemiegeschehen erhöht die Risiken1

Die deutsche Wirtschaft ist weiter auf Wachstumskurs. Die Wirtschaftsleistung legte im dritten Quartal um 1,8 % zu, nach einem Plus von 1,9 % im zweiten Vierteljahr. Die Industriekonjunktur wird allerdings noch auf absehbare Zeit von den bestehenden Engpässen bei Vorprodukten gebremst werden. Dies gilt insbesondere für die gewichtige Automobilindustrie, die unter einem Mangel an Halbleitern leidet. Trotz einer weiterhin hohen weltweiten Nachfrage nach deutschen Waren ist das Verarbeitende Gewerbe somit nicht in der Lage, den Ausstoß in stärkerem Ausmaß hochzufahren. Zuletzt ist die Produktion in der Industrie sogar nochmals zurückgegangen. Dafür haben sich jedoch die Binnenkonjunktur und maßgeblich die Dienstleistungsbereiche wieder deutlich erholt. Auch wenn sich hier der Ausblick aufgrund des aktuellen Pandemiegeschehens etwas eingetrübt hat, sollte die Dienstleistungskonjunktur im weiteren Verlauf des Jahres die Schwäche im Industriebereich ausgleichen können. Insgesamt dürfte das Bruttoninlandsprodukt im Schlussquartal des Jahres jedoch nur noch geringfügig zulegen. Im nächsten Jahr, wenn die Lieferengpässe in der Industrie allmählich überwunden werden, wird es zu einer deutlichen Beschleunigung der wirtschaftlichen Erholung kommen. Die Inflationsrate hat bis zuletzt weiter angezogen. Die Knappheiten bei Rohstoffen und Vorprodukten machen sich auch hier zunehmend bemerkbar. Im nächsten Jahr, wenn maßgebliche Sonderfaktoren wie die temporäre Senkung der Umsatzsteuersätze in zweiten Halbjahr letzten Jahres, der starke Anstieg der Weltmarktpreise für Rohstoffe sowie die Verteuerung von Energie im Rahmen des Klimapakets wieder aus dem Vorjahresvergleich herausfallen, dürfte sich die Inflationsrate merklich verringern. Diese Einschätzung wird von der großen Mehrheit der Wirtschaftsexperten geteilt, wie das derzeitige Prognosespektrum belegt. Auf dem Arbeitsmarkt setzte sich die Erholung weiter fort, wenngleich mit verminderter Dynamik. Die Erwerbstätigkeit entwickelte sich weiter positiv und die Arbeitslosigkeit verringerte sich erneut spürbar. Die Kurzarbeit wurde weiter zurückgefahren, allerdings haben sich die Anzeigen im Verarbeitenden Gewerbe aufgrund der Lieferengpässe wieder erhöht. Die Frühindikatoren sprechen dafür, dass der Aufschwung am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten mit vermindertem Schwung anhält.

Weltwirtschaft weiterhin gedämpft

Nach einem schwachen Verlauf im zweiten Quartal entwickelten sich die globale Industrieproduktion und der weltweite Warenhandel in der Mitte des dritten Quartals kraftlos: Der weltweite Ausstoß ging im August gegenüber dem Vormonat um 0,4 % zurück (Juli: ±0,0 %), was auf einen anhaltenden Mangel an wichtigen Vorleistungsgütern wie Halbleitern zurückzuführen sein dürfte. Der Welthandel legte wieder um 0,8 % zu, nachdem er allerdings im Juli um 1,4 % zurückgegangen war. Die konjunkturelle Abschwächung ging vor allem von Entwicklungs- und Schwellenländern aus, wo aufgrund eines geringen Impffortschritts Maßnahmen zum Infektionsschutz ergriffen wurden. Der Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan/IHS Markit für den globalen Dienstleistungssektor hellte sich im Oktober gleichwohl um 1,8 Punkte auf 55,6 Punkte auf. In der Industrie legte der Stimmungsindikator indes nur leicht um 0,2 Punkte auf 54,3 Punkte zu. Damit erhöhte sich der zusammengesetzte Index erneut (+1,2 Punkte auf 54,5 Punkte) und rangierte merklich oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Exporte und Importe legen zu

Der Wert der Waren- und Dienstleistungsexporte nahm im September gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen leicht um 0,4 % zu (August: -1,8 %). Im Quartalsvergleich ergab sich eine Zunahme um 1,1 %. Angesichts stärker steigender Ausfuhrpreise dürften sich die Exporte real allerdings verringert haben. Die Waren- und Dienstleistungsimporte stiegen im September im Vormonatsvergleich nominal und saisonbereinigt um 1,3 % und damit ähnlich stark wie im August (+1,4 %). Im Quartalsvergleich kam es zu einem Plus von 4,2 %. Aufgrund stark steigender Einfuhrpreise könnten die Importe real jedoch leicht zurückgegangen sein.

Die Frühindikatoren zur deutschen Außenwirtschaft zeichnen ein uneinheitliches Bild. Die Auftragseingänge aus dem Ausland erhöhten sich im September um 6,3 % gegenüber dem Vormonat. Diesem Plus war allerdings ein Rückgang von 9,2 % vorausgegangen. Im weniger volatilen Quartalsvergleich ergibt sich eine Steigerung der Auslandorders insgesamt um 4,1 %. Bei der Entwicklung in den letzten Monaten dürften überdurchschnittlich umfangreiche Großaufträge eine Rolle gespielt haben. Die ifo Exporterwartungen für das Verarbeitende Gewerbe haben im Oktober einen deutlichen Dämpfer erhalten, nachdem sie sich im Vormonat etwas erholt hatten. Die Lieferprobleme bei Vorprodukten wirken sich nun auch auf die Industrieexporte aus. Trotz der Lieferengpässe bleibt der Ausblick für den deutschen Außenhandel grundsätzlich positiv. Die weltweite Nachfrage nach deutschen Gütern ist auf einem hohen Niveau.

Trotz hoher Nachfrage bleibt der Ausblick für Industriekonjunktur angesichts von Lieferengpässen eingetrübt

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich im September gegenüber dem Vormonat um 1,1 % verringert. Die Herstellung der Industrie nahm dabei um 1,5 % ab, während das Baugewerbe seinen Ausstoß um 1,1 % steigern konnte. Im Quartalsvergleich kam es im dritten Vierteljahr gegenüber dem zweiten zu einem Produktionsrückgang im Produzierenden Gewerbe um insgesamt 2,4 %. Die Herstellung der Industrie ist um 2,4 % gesunken und die des Baugewerbes um 2,1 %.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe nahmen im September gegenüber dem Vormonat um 1,3 % zu, nachdem allerdings im August ein Minus von 8,8 % verzeichnet worden war. Damit haben die Ordereingänge ihren seit Beginn des Jahres zu beobachtenden Aufwärtstrend zuletzt wieder moderat fortgesetzt. Im dritten Quartal ergab sich gegenüber dem zweiten Vierteljahr ein Auftragsplus in Höhe von 1,0 %. Ohne Berücksichtigung von Großaufträgen gingen die Ordereingänge allerdings deutlich um 3,6 % zurück. Ausschlaggebend für das leichte Auftragsplus im September war eine starke Nachfrage aus dem Nicht-Euroraum (+14,9 %). Die Bestellungen aus dem Inland und aus dem Euroraum verringerten sich indes um 5,9 % bzw. 7,3 %. Starke Nachfrageimpulse kamen dabei von den beiden gewichtigen Bereichen Automobilindustrie und Maschinenbau, während die Bereiche Sonstiger Fahrzeugbau, Chemie sowie EDV und Optik das Nachfragewachstum spürbar nach unten drückten. Im dritten Vierteljahr lagen die Bestellungen im Verarbeitenden Gewerbe auf hohem Niveau und übertrafen ihr Vorkrisenniveau vom vierten Quartal 2019 um gut 13 %.

Nachdem die Industrieproduktion August deutlich rückläufig gewesen war (-4,3 %), nahm sie im September weiter um 1,5 % ab. Die seit geraumer Zeit anhaltenden Lieferengpässe bei Halbleitern und Vorprodukten sowie Rohstoffen schlagen sich nun auf breiter Front nieder. Die gewichtige Automobilindustrie konnte zwar ihren Ausstoß im September wieder leicht steigern, im August hatte sie aber ein Minus von 18,9 % verzeichnet. Andere Sektoren meldeten Rückgänge, wie der ebenfalls gewichtige Maschinenbau (-3,3 %) oder die Bereiche elektrische Ausrüstungen (-3,3 %), Datenverarbeitung (-4,3 %) und Metallerzeugnisse (-0,5 %). Die Stimmung in den Unternehmen trübte sich im Oktober zum vierten Mal in Folge ein, im ersten Halbjahr war sie aber fast durchweg gestiegen. Die Exporterwartungen der Industrie erhielten im Oktober angesichts der Lieferprobleme bei Vorleistungen einen deutlichen Dämpfer. Bis zur nachhaltigen Auflösung der Knappheiten bei Rohstoffen und Vorprodukten bleibt der weitere Ausblick für die Industriekonjunktur eingetrübt, obwohl die Nachfrage auf sehr hohem Niveau verharrt.

Einzelhandelsumsatz wieder rückläufig

Im Einzelhandel ohne Kfz verringerten sich die Umsätze im September um 2,5 %, nachdem sie August leicht um 1,2 % gestiegen waren. Steigende Preise und Unsicherheit über das Infektionsgeschehen könnten Konsumenten und Händler wieder etwas verunsichert haben. Der Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren meldete für den September ein Umsatzminus von 9,6 % und lag damit deutlich unter dem Vorkrisenniveau vom Februar 2020 (-7,8 %). Auch der Internet- und Versandhandel verzeichnete einen Umsatzrückgang von 2,0 %, übertraf das Vorkrisenniveau aber weiterhin kräftig (+27,2 %). Bei den Neuzulassungen von Pkw durch private Halter kam es im Oktober zu einem spürbaren Rückgang von 3,4 %, nachdem in den fünf Monaten zuvor Zuwächse verzeichnet worden waren.

Die Frühindikatoren von ifo und GfK zum weiteren Verlauf des privaten Verbrauchs sendeten zuletzt uneinheitliche Signale. Die ifo Geschäftserwartungen im Einzelhandel fielen im Oktober per saldo noch einmal etwas negativer aus und haben sich damit den vierten Monat in Folge verschlechtert. Das GfK Konsumklima hat sich hingegen im Oktober spürbar verbessert und lag wieder im positiven Bereich. Für November wird ein weiterer Anstieg erwartet, da die Sparneigung der Konsumenten zurückgehe.

Das Verbraucherpreisniveau hat sich im Oktober gegenüber dem Vormonat um 0,5 % erhöht (August und September: jeweils ±0,0 %). Die Inflationsrate, die Preisniveauentwicklung gegenüber dem Vorjahr, nahm im Oktober um 0,4 Prozentpunkte auf 4,5 % zu. Das war der höchste Wert seit August 1993. Die Inflationsrate hatte erwartungsgemäß im Juli dieses Jahres einen sprunghaften Anstieg um 1,5 Prozentpunkte verzeichnet. Ausschlaggebend für das erhöhte Niveau ab der Jahresmitte ist ein Basiseffekt aufgrund der temporären Senkung der Umsatzsteuersätze ein Jahr zuvor. Hierbei kommt es zu einem Vergleich der aktuellen Verbraucherpreise mit den „normalen“ Umsatzsteuersätzen mit denjenigen mit verminderten Umsatzsteuersätzen. Bereits zu Jahresbeginn hatten weitere Sonderfaktoren wie die Erholung der Import- und Rohstoffpreise sowie die Einführung der CO2-Bepreisung für einen deutlichen Anstieg der Inflationsrate gesorgt. Nach Auslaufen der Sondereffekte dürfte sich der Auftrieb zum Jahreswechsel wieder deutlich abschwächen. Des Weiteren wirkt der Mangel an Vorleistungsgütern wie Halbleitern preistreibend. Hier ist erst im Jahresverlauf 2022 mit einer allmählichen Entspannung zu rechnen. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) lag im Oktober unverändert bei +2,9 %. Energie verteuerte sich zuletzt binnen Jahresfrist beachtlich um 18,6 % (September: +14,3 %). Aktuell lassen die Entwicklungen an den Rohstoffmärkten aber eine mittelfristige Entspannung beim Ölpreis erwarten. Bei Nahrungsmitteln betrug die Jahresrate zuletzt 4,4 % (September: 4,9 %).

Aufschwung am Arbeitsmarkt mit geringerem Tempo

Die Herbstbelegung auf dem Arbeitsmarkt setzte sich fort, verlief aber gemäßigter als in den Monaten zuvor. Im weiteren Jahresverlauf dürfte der Aufschwung mit vermindertem Schwung anhalten. Aufgrund der Lockerungen in vielen Dienstleistungsbereichen verringerten sich Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung im Oktober saisonbereinigt erneut um jeweils 39.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen sank die Arbeitslosigkeit kräftig um 88.000 auf 2,38 Mio. Personen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren damit 383.000 Personen weniger arbeitslos gemeldet. Auch die Erwerbstätigkeit und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung entwickelten sich abermals positiv. Die Erwerbstätigkeit erhöhte sich im September saisonbereinigt um 31.000 Personen. In Ursprungszahlen waren damit 45,2 Millionen Menschen erwerbstätig, 267.000 Personen mehr als im Vorjahresmonat. Im August erhöhte sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um 33.000 Personen gegenüber dem Vormonat. Die Kurzarbeit verringerte sich laut Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im August auf 0,8 Millionen Personen. Die Zahl der Kurzarbeitenden dürfte im September weiter fallen, im Verarbeitenden Gewerbe steigen die Anzeigen allerdings aufgrund der Lieferengpässe wieder an. Die Nachfrage nach Arbeitskräften nahm weiter zu. Die Frühindikatoren von ifo und IAB entwickelten sich im Oktober etwas schwächer. Das ifo Beschäftigungsbarometer hat einen leichten Dämpfer erhalten. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer signalisiert einen positiven Beschäftigungsausblick und weitere Rückgänge der Arbeitslosigkeit, die allerdings unter den Höchstwerten vom Sommer liegen. In den kommenden Monaten dürfte sich der Aufschwung am Arbeitsmarkt daher mit verminderter Dynamik fortsetzen.

Weniger Insolvenzen als im Vorjahr

Von Januar bis August verzeichneten die Amtsgerichte 9.637 Unternehmensinsolvenzen. Das sind noch einmal knapp 16 % weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Regelinsolvenzen, die im September um 6 % anstieg und im Oktober deutlich um 29 % fiel, sowie der Insolvenztrend des IW Halle deuten ebenfalls keinen Anstieg der Insolvenzzahlen im Herbst an. Für das Gesamtjahr 2021 dürfte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen damit noch einmal unter dem Wert des Vorjahres liegen und ein neues Allzeittief erreichen. Große Nachholeffekte sind auch im kommenden Jahr nicht zu erwarten. Im Gegensatz zu früheren Wirtschaftskrisen konnte ein Anstieg der Insolvenzzahlen verhindert werden.

Fußnote

1 In diesem Bericht werden Daten genutzt, die bis zum 12. November 2021 vorlagen. Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie kalender- und saisonbereinigter Daten.

Quelle: BMWi

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Trotz Lockdown mehr Existenzgründungen im 1. Halbjahr 2021

Der zweite Lockdown ab November 2020 sowie der dritte Lockdown ab April 2021 haben das Gründungsgeschehen im gewerblichen Bereich lt. IfM Bonn deutlich weniger ausgebremst als der erste Lockdown im Frühjahr 2020. Gleichwohl haben die Gründungsaktivitäten noch nicht das Vorpandemie-Niveau erreicht.

IfM Bonn, Pressemitteilung vom 11.11.2021

IfM Bonn erwartet keine Unternehmensschließungswelle

Der zweite Lockdown ab November 2020 sowie der dritte Lockdown ab April 2021 haben das Gründungsgeschehen im gewerblichen Bereich deutlich weniger ausgebremst als der erste Lockdown im Frühjahr 2020: Gleichwohl haben die Gründungsaktivitäten noch nicht das Vorpandemie-Niveau erreicht – nur im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in den Finanz-/Versicherungsdienstleistungen zeigten sich im ersten Halbjahr 2021 deutliche Zuwächse gegenüber dem ersten Halbjahr 2019. Zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IfM Bonn bei ihrer Analyse des Gründungsgeschehens während der vergangenen Pandemiemonate auf Basis der Gewerbeanzeigenstatistik des Statistischen Bundesamtes.

Insgesamt wurden rund 123.000 Existenzgründungen im 1. Halbjahr 2021 angemeldet – 4,3 % mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. „Der Zuwachs an Gründungen von Hauptniederlassungen um 15 % im Vergleich zum Frühjahr 2020 ist aus volkswirtschaftlicher Perspektive besonders bedeutsam, da in diesen Betrieben meist weitere Arbeitsplätze eingerichtet werden. Ihr Anteil an allen Existenzgründungen ist auf 40 % gestiegen. Der Anteil der Kleingewerbegründungen ist hingegen erstmals seit vielen Jahren unter 50 % gefallen“, berichtet Dr. Rosemarie Kay, stellvertretende Geschäftsführerin des IfM Bonn. Zugleich hat die Pandemie den Trend zu Nebenerwerbsgründungen weiter verstärkt: Mit 176.000 Nebenerwerbsgründungen nahmen 25 % mehr Personen als im Vorjahresvergleich zusätzlich zu einer abhängigen Beschäftigung eine gewerbliche Tätigkeit auf. Damit übersteigt ihre Anzahl inzwischen die der gewerblichen Existenzgründungen um mehr als 40 %.

Auch im Gastgewerbe wird wieder gegründet

Im ersten Halbjahr 2021 fanden die meisten gewerblichen Existenzgründungen im Handel und Baugewerbe statt, gefolgt von den Gründungen in den unternehmensnahen Dienstleistungsbereichen und im Gastgewerbe.

Ausblick bis Ende 2021

Insgesamt gehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IfM Bonn davon aus, dass sich das Gründungsgeschehen im zweiten Halbjahr 2021 weiter positiv entwickelt. Dies gilt auch für die Branchen, die langanhaltende Einschränkungen hinnehmen mussten wie im Tourismus, in der Kultur und anderen Veranstaltungsbereichen. Gleichwohl dürfte das Vorpandemieniveau an gewerblichen Existenzgründungen in diesem Jahr kaum erreicht werden, auch weil der Rückgang im Bausektor wegen der Wiedereinführung der Meisterpflicht in einigen Gewerken Anfang 2020 von Dauer sein wird. Zudem gehen vom Arbeitsmarkt kaum Impulse auf das Existenzgründungsgeschehen aus, da das Gründungsmotiv „Drohende Arbeitslosigkeit“ aktuell unter anderem wegen der Kurzarbeit-Regelungen keine herausragende Bedeutung besitzt.

Anders als gelegentlich gemutmaßt erwarten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht, dass es im zweiten Halbjahr zu einer Welle an Unternehmensschließungen kommt. Schließlich kann die Mehrzahl der Unternehmen ihrer Geschäftstätigkeit inzwischen weitgehend ohne pandemiebedingte Einschränkungen nachgehen. Allerdings könnten Engpässe bei Vorprodukten und Arbeitskräften sowie Preissteigerungen einige Unternehmen in ihrer Existenz bedrohen.

Quelle: IfM Bonn

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Unternehmensinsolvenzen im August 2021: -2,1 % zum Vorjahresmonat

Im August 2021 haben die deutschen Amtsgerichte 1.029 beantragte Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2,1 % weniger als im August 2020. Der rückläufige Trend der vergangenen Monate setzte sich somit auch nach Auslaufen vieler Sonderregelungen, wie der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen, fort.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 12.11.2021

  • Zahl beantragter Regelinsolvenzverfahren im Oktober 2021 nach vorläufigen Angaben knapp ein Drittel niedriger als im Vormonat (-29,2 %)
  • Verbraucherinsolvenzen im August 2021 gegenüber Vorjahresmonat mehr als verdreifacht (+217,7 %)

Im August 2021 haben die deutschen Amtsgerichte 1.029 beantragte Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2,1 % weniger als im August 2020. Der rückläufige Trend der vergangenen Monate setzte sich somit auch nach Auslaufen vieler Sonderregelungen, wie der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen, fort. Im Vergleich zum August 2019, also vor der Corona-Krise, war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im August 2021 um 36,7 % niedriger.

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus beantragten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte im August 2021 auf rund 8,2 Milliarden Euro. Im August 2020 hatten sie noch bei etwa 17,4 Milliarden Euro gelegen.

Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es im August 2021 im Baugewerbe mit 190 Fällen (August 2020: 174; +9,2 %). Im Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) waren es 141 Verfahren (August 2020: 165; -14,5 %). Im Bereich der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (zum Beispiel Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften, Reisebüros und Reiseveranstalter, Wach- und Sicherheitsdienste sowie Detekteien, Reinigung von Gebäuden, Straßen und Verkehrsmitteln, sowie Messe-, Ausstellungs- und Kongressveranstalter) wurden 110 Insolvenzen gemeldet (August 2020: 129, -14,7 %).

Sonderregelungen in den Jahren 2020 und 2021 durch Corona und Hochwasser

Beim zeitlichen Vergleich der Insolvenzzahlen ist zu beachten, dass das Insolvenzgeschehen in den Jahren 2020 und 2021 von Sonderregelungen geprägt war. Von Anfang März 2020 bis Ende 2020 war die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen infolge der Corona-Pandemie ausgesetzt. Diese Regelung galt bis Ende April 2021 weiterhin für Unternehmen, bei denen die Auszahlung der seit 1. November 2020 vorgesehenen staatlichen Hilfeleistungen noch ausstand. Für diese Unternehmen wurde die Pflicht zur Beantragung eines Insolvenzverfahrens erst zum 1. Mai 2021 wieder vollumfänglich eingesetzt. In den Zahlen für August 2021 ist, unter anderem aufgrund der Bearbeitungszeit bei den Gerichten, weiterhin keine Trendumkehr bei der Zahl der Unternehmensinsolvenzen zu beobachten.

Beruht der Eintritt einer Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung auf den Auswirkungen der Starkregenfälle oder des Hochwassers im Juli 2021, ist die Insolvenzantragspflicht noch bis maximal 31. Januar 2022 ausgesetzt.

29,2 % weniger beantragte Regelinsolvenzverfahren im Oktober 2021 gegenüber Vormonat

Hinweise auf die künftige Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen gibt die Zahl der beantragten Regelinsolvenzverfahren. Im Oktober 2021 sank diese Zahl laut vorläufigen Angaben um 29,2 % gegenüber September 2021, nachdem sie zuletzt gestiegen war (+6,0 % im September 2021 gegenüber August 2021).

Im Vergleich zu Oktober 2020 lag die Zahl um 15,1 % niedriger. Damals war die Antragspflicht noch vollumfänglich ausgesetzt, was zu einem deutlichen Rückgang im Vergleich zu Oktober 2019 (-39,2 %) geführt hatte.

217,7 % mehr Verbraucherinsolvenzen im August 2021 als im August 2020

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen hat sich im August 2021 im Vergleich zum Vorjahresmonat mehr als verdreifacht. 5.779 Verbraucherinnen und Verbraucher stellten einen Insolvenzantrag, das war ein Anstieg um 217,7 % gegenüber August 2020. Der starke Anstieg steht im Zusammenhang mit einem Gesetz zur schrittweisen Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre. Die Neuregelung gilt für ab dem 1. Oktober 2020 beantragte Verbraucherinsolvenzverfahren. Sie ermöglicht den Betroffenen einen schnelleren wirtschaftlichen Neuanfang im Anschluss an ein Insolvenzverfahren. Daher ist davon auszugehen, dass viele überschuldete Privatpersonen ihren Insolvenzantrag zunächst zurückhielten, um von der Neuregelung zu profitieren. Gegenüber August 2019, also vor Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland, stieg die Zahl der Verbraucherinsolvenzen im August 2021 um 10,3 %.

Hinweise zu Regelinsolvenzverfahren:

Die Insolvenzstatistik erfasst keine Unternehmensschließungen, die unabhängig von einer Insolvenzantragspflicht aus anderen Gründen erfolgen. Von den Insolvenzverfahren in Deutschland sind 30 % Regelinsolvenzverfahren, zu denen in erster Linie alle Verfahren von Unternehmen zählen (rund 55 % aller Regelinsolvenzverfahren). Außerdem findet das Regelinsolvenzverfahren Anwendung bei Personen, die wirtschaftlich tätig sind. Dazu gehören unter anderem die persönlich haftenden Gesellschafter einer offenen Handelsgesellschaft (oHG), Mehrheitsgesellschafter einer Kapitalgesellschaft sowie ehemals selbstständig Tätige, deren Vermögensverhältnisse als nicht überschaubar eingestuft werden.

Quelle: Statistisches Bundesamt

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Europas Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet

Die Wirtschaft der EU erholt sich schneller als erwartet von der pandemiebedingten Rezession. Zu diesem Schluss kommt die EU-Kommission in ihrer Herbstprognose. Demnach dürfte die EU-Wirtschaft in diesem Jahr um 5 Prozent und im Jahr 2022 um 4,3 Prozent wachsen. Gleiches gilt für den Euro-Raum. Im Jahr 2023 soll das Wachstum in der EU 2,5 Prozent und im Euroraum 2,4 Prozent betragen.

EU-Kommission, Pressemitteilung vom 11.11.2021

Die Wirtschaft der EU erholt sich schneller als erwartet von der pandemiebedingten Rezession. Zu diesem Schluss kommt die Europäische Kommission in ihrer Herbstprognose, die sie am 11.11.2021 vorgelegt hat. Demnach dürfte die EU-Wirtschaft in diesem Jahr um 5 Prozent und im Jahr 2022 um 4,3 Prozent wachsen. Gleiches gilt für den Euro-Raum. Im Jahr 2023 soll das Wachstum in der EU 2,5 Prozent und im Euroraum 2,4 Prozent betragen.

Mit fast 14 Prozent pro Jahr lag die BIP-Wachstumsrate in der EU im zweiten Quartal 2021 so hoch wie nie zuvor: Sie fiel genauso stark aus wie der beispiellose BIP-Rückgang, der im selben Zeitraum des Vorjahres während der ersten Pandemiewelle verzeichnet wurde. Im dritten Quartal 2021 fand die EU zu ihrer vor der Pandemie verzeichneten Gesamtwirtschaftsleistung zurück und wechselte von der Erholungsphase in eine Expansionsphase.

„Die europäische Wirtschaft erholt sich kräftig von der Rezession und kann dieses Jahr eine Wachstumsprognose von 5 Prozent vorweisen. Unsere Maßnahmen zur Abfederung des Pandemieschocks und zur Beschleunigung der Impfungen in der gesamten EU haben eindeutig zu diesem Erfolg beigetragen“, erklärte Valdis Dombrovskis, Exekutiv-Vizepräsident für eine Wirtschaft im Dienste der Menschen. „Wir sollten uns aber nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, denn wir haben das Virus noch nicht vollständig im Griff, sodass noch einige Unsicherheiten und Risiken bestehen. Um auf Kurs zu bleiben, müssen wir uns nun darauf konzentrieren, unser wirtschaftliches Potenzial zu steigern, indem wir die im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität geplanten Investitionen und Reformen durchführen.“

Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni ergänzte: „Die europäische Wirtschaft geht von der Erholungsphase in eine Expansionsphase über. Dieses positive Bild trüben drei wesentliche Risikofaktoren: eine deutliche Zunahme der COVID-19-Neuansteckungen, insbesondere in Gebieten mit relativ niedrigen Impfquoten, die steigende Inflation, die vor allem vom sprunghaften Anstieg der Energiepreise verursacht wird, und die Störungen in den Lieferketten, die für zahlreiche Branchen ein ernstes Problem darstellen. Wir müssen wachsam bleiben und bei Bedarf eingreifen, um sicherzustellen, dass uns dieser Gegenwind nicht von unserem auf die Erholung gerichteten Kurs abtreibt.“

Zwei Faktoren beeinflussen diese Entwicklungsaussichten wesentlich: Einerseits wird der weitere Verlauf der COVID-19-Pandemie ausschlaggebend sein. Andererseits wird wichtig sein, wie gut die Angebotsseite mit der Nachfrage mithalten kann: Durch die Wiederbelebung der Wirtschaft steigt die Nachfragekurve wieder an.

Die europäische Wirtschaft kehrt schneller als erwartet zu ihrem expansiven Kurs zurück

Die Expansion dürfte von der Binnennachfrage weiterhin getragen werden. Die sich aufhellende Arbeitsmarktlage und der erwartete Rückgang der Sparquote dürften den Konsum nachhaltig stützen. Auch die Umsetzung der Aufbau- und Resilienzfazilität beginnt ihre Wirkung zu entfalten und stimuliert sowohl private als auch öffentliche Investitionen.

Dennoch erfährt die Wachstumsdynamik neuen Gegenwind. Engpässe und Störungen der globalen Lieferketten belasten die Wirtschaftstätigkeit in der EU, insbesondere in der verarbeitenden Industrie, wo der Grad der Integration besonders hoch ist. Zudem sind die Energiepreise insbesondere für Erdgas nach einem drastischen Rückgang im Jahr 2020 im vergangenen Monat rasant gestiegen und liegen nun deutlich über ihrem Niveau vor der Pandemie. Dies dürfte sowohl den Konsum als auch die Investitionen bremsen.

Der Arbeitsmarkt dürfte sich weiter erholen

Mit der Lockerung der Beschränkungsmaßnahmen bei den auf private Verbraucher ausgerichteten Wirtschaftstätigkeiten haben sich die Arbeitsmarktbedingungen in der EU deutlich verbessert. Im zweiten Quartal dieses Jahres wurden in der EU rund 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen, viele Arbeitnehmer konnten die Programme zur Arbeitsplatzerhaltung verlassen und die Arbeitslosenquote ging zurück. Die Gesamtzahl der Beschäftigten in der EU lag jedoch noch immer 1 Prozent unter ihrem vor der Pandemie verzeichneten Niveau.

Seither ist die Arbeitslosigkeit weiter zurückgegangen. Im August lag die Arbeitslosenquote in der EU mit 6,8 Prozent knapp über dem Ende 2019 verzeichneten Wert. Wie die nach dem Stichtag der Prognose veröffentlichten Zahlen zeigen, waren sie im September weiter leicht rückläufig. Aus den Konjunkturerhebungen der Kommission geht hervor, dass sich in bestimmten Bereichen ein Arbeitskräftemangel herausbildet, insbesondere in Sektoren, in denen die Wirtschaftstätigkeit am stärksten wächst. Je länger dieser Arbeitskräftemangel andauert, desto größer ist die Gefahr, dass er die Wirtschaftstätigkeit belastet und durch Lohnauftrieb die Inflation begünstigt.

In der Prognose wird ein Beschäftigungswachstum in der EU von 0,8 Prozent in diesem Jahr, 1 Prozent im Jahr 2022 und 0,6 Prozent im Jahr 2023 veranschlagt. Die Beschäftigungsquote dürfte nächstes Jahr einen Wert über dem Vorkrisenniveau erreichen und 2023 weiter wachsen. Die Arbeitslosenquote in der EU dürfte dieses Jahr 7,1 Prozent betragen und im Jahr 2022 auf 6,7 Prozent und 2023 auf 6,5 Prozent zurückgehen. Für den Euroraum werden in den nächsten drei Jahren 7,9 Prozent 7,5 Prozent und 7,3 Prozent prognostiziert.

Geringere Defizite als erwartet

Die verbesserten Wachstumsaussichten deuten darauf hin, dass die Defizite 2021 niedriger ausfallen werden als im Frühjahr erwartet. Im Jahr 2020 lag das Gesamtdefizit in der EU bei 6,9 Prozent des BIP; im Jahr 2021 dürfte es sich aufgrund der zu Beginn des Jahres nach wie vor hohen fiskalischen Unterstützung geringfügig auf 6,6 Prozent verringern.

Da der Einfluss der Unterstützungsmaßnahmen und der automatischen Stabilisatoren in Anbetracht des anhaltenden Wirtschaftswachstums nach und nach zurückgehen wird, dürfte sich das gesamtwirtschaftliche Defizit der EU im Jahr 2022 auf rund 3,6 Prozent des BIP halbieren und 2023 weiter auf 2,3 Prozent des BIP zurückgehen.

Nach einem Wert von rund 92 Prozent in der EU (und 99 Prozent im Euro-Währungsgebiet) dürfte sich die Gesamtschuldenquote in diesem Jahr weitgehend stabilisieren, ab dem Jahr 2022 zurückgehen und im Jahr 2023 einen Wert von 89 Prozent des BIP (97 Prozent im Euro-Währungsgebiet) erreichen.

Der vorübergehende globale Preisdruck treibt die Inflation auf den höchsten Wert seit zehn Jahren

Nach mehreren Jahren mit geringen Inflationswerten ging der kräftige Neustart der Wirtschaftstätigkeit in der EU wie in vielen anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften mit einem Anstieg der Inflation einher, der die prognostizierten Werte übertraf.

Im Euro-Währungsgebiet stieg die jährliche Teuerungsrate ausgehend von einem negativen Wert im vierten Quartal 2020 (-0,3 Prozent) im dritten Quartal 2021 auf 2,8 Prozent. Gemäß den im Oktober veröffentlichten Zahlen betrug sie 4,1 Prozent und erreichte damit einen Wert, der seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1997 nur einmal verzeichnet wurde.

Diese starke Teuerung ist in der Hauptsache auf den sprunghaften Anstieg der Energiepreise zurückzuführen, aber auch vor dem Hintergrund der vielfältigen wirtschaftlichen Anpassungen nach der Pandemie zu sehen, was nahelegt, dass es sich bei diesen hohen Werten in erster Linie um ein vorübergehendes Phänomen handelt.

Die Inflation im Euro-Währungsgebiet dürfte 2021 einen Höchstwert von 2,4 Prozent erreichen und – mit der allmählichen Stabilisierung der Energiepreise – 2022 auf 2,2 Prozent und 2023 auf 1,4 Prozent zurückgehen. Für die EU insgesamt wird eine Inflation von 2,6 Prozent im Jahr 2021, 2,5 Prozent im Jahr 2022 und 1,6 Prozent im Jahr 2023 erwartet.

Die Wachstumsaussichten sind weiterhin mit sehr hohen Ungewissheiten und Risiken behaftet

Obwohl die Wirtschaftstätigkeit nunmehr sehr viel weniger von der Pandemie beeinträchtigt wird, ist das COVID-19-Virus noch nicht besiegt, und die wirtschaftliche Erholung ist in hohem Maße vom weiteren Verlauf der Pandemie innerhalb und außerhalb der EU abhängig.

Wirtschaftliche Risiken ergeben sich auch aus den derzeitigen Versorgungsschwierigkeiten und Engpässen, die längerfristige Auswirkungen haben könnten. Die wichtigsten Aufwärtsfaktoren für die Wachstumsaussichten sind die potenziellen Effizienzgewinne und dauerhaften Produktivitätszuwächse, die sich aus den pandemiebedingten strukturellen Veränderungen ergeben.

Investitionen, die durch die Aufbau- und Resilienzfazilität und die damit verbundenen Strukturreformen gefördert werden, werden dabei von entscheidender Bedeutung sein. Insgesamt überwiegen bei dieser Prognose die Abwärtsrisiken. Falls die Lieferengpässe länger anhalten und die über dem Produktivitätswachstum liegenden Lohnsteigerungen auf die Verbraucherpreise durchschlagen, könnte die Inflation höher ausfallen als in der Prognose angenommen.

Quelle: EU-Kommission

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Deutsche Unternehmen wollen mehr digitale Souveränität

Die Stärkung der digitalen Souveränität und der Datenhoheit von Unternehmen sind zentral für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Eine repräsentative Unternehmensbefragung im Rahmen einer Studie von ZEW und BMWi kommt zu dem Ergebnis, dass sich Schlüsselbereiche der deutschen Wirtschaft bei der Digitalisierung vom Ausland abhängig fühlen. Der Verbesserung der digitalen Souveränität messen rund 70 Prozent der Unternehmen langfristig eine hohe Bedeutung bei. Die Datenhoheit, also Herr über die eigenen Daten zu sein, ist ihnen dabei besonders wichtig.

BMWi, Pressemitteilung vom 11.11.2021

Aktuelle Studie zeigt: Digitale Souveränität und Datenhoheit sind zentral für die deutsche Wirtschaft.

Eine am 11.11.2021 veröffentlichte Studie zeigt: Die Stärkung der digitalen Souveränität und der Datenhoheit von Unternehmen sind zentral für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Eine repräsentative Unternehmensbefragung im Rahmen der Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Schlüsselbereiche der deutschen Wirtschaft sich bei der Digitalisierung vom Ausland abhängig fühlen. Der Verbesserung der digitalen Souveränität für die deutsche Wirtschaft messen rund 70 Prozent der Unternehmen langfristig eine hohe Bedeutung bei. Die Datenhoheit, also Herr über die eigenen Daten zu sein, ist ihnen dabei besonders wichtig. Die Studie „Digitale Souveränität“ hat das ZEW Mannheim im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) durchgeführt.

Der Beauftragte des BMWi für die Digitale Wirtschaft und Start-ups, Thomas Jarzombek: „Die Studie zeigt, wie wichtig die digitale Souveränität für die Wirtschaft ist. Deutschland und Europa müssen mehr Eigenständigkeit erlangen und Abhängigkeiten von ausländischen Anbietern reduzieren, denn mehr als drei Viertel der Unternehmen fühlen sich technologisch abhängig. Wir brauchen die ganze Kompetenzkette: von der Hardware über Anwendungen und Daten bis hin zu KI und Plattformen. Nur so können Deutschland und Europa wettbewerbsfähig und innovativ bleiben. Das BMWi hat deshalb mit dem ersten IPCEI Mikroelektronik und Gaia-X zentrale Vorhaben für mehr digitale Souveränität und Datennutzung angestoßen.“

Im Rahmen der Studie gaben über 80 Prozent der befragten Unternehmen an, in mindestens einem Technologiefeld abhängig von nicht-europäischen Anbietern zu sein. Für eine höhere digitale Souveränität erachten die Unternehmen die Datenhoheit, die Interoperabilität von IT-Systemen sowie den Standort eines Technologie-Anbieters in Deutschland oder der EU als die drei wichtigsten Faktoren.

Mit Gaia-X entwickeln Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auf internationaler Ebene die nächste Generation einer europäischen Dateninfrastruktur. Das Projekt wurde 2019 vom BMWi angestoßen. Ziel ist eine sichere und vernetzte Dateninfrastruktur, die den höchsten Ansprüchen an digitale Souveränität genügt und Innovationen fördert. Auch im Konjunktur- und Zukunftspaket 2020 hat die Bundesregierung einen besonderen Schwerpunkt auf die Entwicklung digitaler Technologien gelegt. So werden für die Bereiche Künstliche Intelligenz, neue Kommunikationstechnologien und Quantentechnologien in den nächsten Jahren jeweils 2 Milliarden Euro zur Verfügung stehen.

Die Studie „Digitale Souveränität“ ist Teil eines umfassenden Forschungsauftrags mit dem Titel „Messung des Digitalisierungsgrades der deutschen Wirtschaft“, den das BMWi für zunächst drei Jahre vergeben hat. Der Forschungsauftrag wird von einem Projektkonsortium durchgeführt, bestehend aus dem ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim (Konsortialführer), dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V., dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH, dem Forschungsinstitut für Rationalisierung e.V. an der RWTH Aachen und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

Quelle: BMWi

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Konjunkturerwartungen steigen

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland steigen in der aktuellen Umfrage vom November 2021 um 9,4 Punkte auf einen neuen Wert von 31,7 Punkten. Dies ist der erste Anstieg des Indikators seit Mai.

ZEW, Pressemitteilung vom 09.11.2021

Der ZEW-Indikator liegt bei 31,7 Punkten.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland steigen in der aktuellen Umfrage vom November 2021 um 9,4 Punkte auf einen neuen Wert von 31,7 Punkten. Dies ist der erste Anstieg des Indikators seit Mai.

Die Einschätzung der konjunkturellen Lage für Deutschland verschlechtert sich in der aktuellen Umfrage erneut. Der Wert des Lageindikators fällt um 9,1 Punkte und liegt damit bei 12,5 Punkten.

„Die Finanzmarktexpertinnen und -experten blicken optimistischer auf die nächsten sechs Monate. Der erneute Rückgang der Lageeinschätzung zeigt jedoch, dass die Expertinnen und Experten für das aktuelle Quartal davon ausgehen, dass die Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten sowie die hohe Inflationsrate die konjunkturelle Entwicklung belasten werden. Für das erste Quartal 2022 gehen sie von einer Wachstumserholung und einem Rückgang der Inflationsrate in Deutschland und im Eurogebiet aus“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, PhD die aktuellen Erwartungen.

Die Erwartungen der Finanzmarktexperten und Finanzmarktexpertinnen an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone steigen im November zum ersten Mal wieder seit Mai. Sie liegen aktuell bei 25,9 Punkten. Dies entspricht einem leichten Anstieg um 4,9 Punkte gegenüber dem Vormonat. Der neue Wert des Lageindikators beträgt 11,6 Punkte. Der Lageindikator ist damit um 4,3 Punkte gegenüber Oktober gesunken.

Die Inflationserwartungen für das Eurogebiet gehen in der aktuellen Umfrage sehr stark zurück. Der Inflationsindikator liegt jetzt bei minus 14,3 Punkten, dies sind 31,4 Punkte weniger als noch im Vormonat. Dies zeigt, dass die Expertinnen und Experten auf Sicht von sechs Monaten mit einem Rückgang der Inflationsrate im Eurogebiet rechnen.

Quelle: ZEW

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Inflationsrate im Oktober 2021 bei +4,5 %

Die Inflationsrate in Deutschland – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahresmonat – lag im Oktober 2021 lt. Statistischem Bundesamt bei +4,5 %. Im September 2021 hatte sie bei +4,1 % gelegen. Eine höhere Inflationsrate gab es zuletzt im August 1993 mit +4,6 %.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 10.11.2021

Insbesondere die weiter steigenden Energiepreise führen erneut zu hoher Inflationsrate

Verbraucherpreisindex, Oktober 2021
+4,5 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
+0,5 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Oktober 2021
+4,6 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
+0,5 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Die Inflationsrate in Deutschland – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – lag im Oktober 2021 bei +4,5 %. Im September 2021 hatte sie bei +4,1 % gelegen. Eine höhere Inflationsrate gab es zuletzt im August 1993 mit +4,6 %. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum September 2021 um 0,5 %.

Temporäre Sondereffekte wirken weiterhin erhöhend auf die Inflationsrate

Die hohe Inflationsrate hat verschiedene Gründe, darunter Basiseffekte durch niedrige Preise im Jahr 2020. Insbesondere die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze im 2. Halbjahr 2020 und der Preisverfall der Mineralölprodukte im Vorjahr wirken sich erhöhend auf die aktuelle Gesamtteuerung aus. Zusätzlich wirken zunehmend krisenbedingte Effekte, wie Lieferengpässe und die deutlichen Preisanstiege auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen, die sich ebenfalls im Verbraucherpreisindex niederschlagen.

Energiepreise zogen binnen Jahresfrist um 18,6 % an, Heizölpreis hat sich verdoppelt

Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich von Oktober 2020 bis Oktober 2021 überdurchschnittlich um 7,0 %. Vor allem die Preise für Energieprodukte lagen mit +18,6 % deutlich über der Gesamtteuerung. „Die Teuerungsrate für Energie hat sich den vierten Monat in Folge erhöht. Wesentlich dafür waren die Basiseffekte, da wir die aktuellen Preise mit den sehr niedrigen Preisen des Vorjahres vergleichen. Gleichzeitig wirkten sich die zu Jahresbeginn eingeführte CO2-Abgabe und die erneut gestiegenen Rohölpreise auf dem Weltmarkt erhöhend auf die Teuerungsrate der Energieprodukte aus“, sagt Christoph-Martin Mai, Leiter des Referats „Verbraucherpreise“ im Statistischen Bundesamt. Mit +101,1 % verdoppelten sich die Preise für Heizöl binnen Jahresfrist, ferner wurden die Kraftstoffe merklich teurer (+35,0 %). Auch die Preise für Erdgas (+7,4 %) und Strom (+2,5 %) erhöhten sich.

Nahrungsmittel verteuerten sich binnen Jahresfrist um 4,4 %

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich im Oktober 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,4 %. Spürbar teurer für die Verbraucherinnen und Verbraucher wurden zum Beispiel Molkereiprodukte und Eier (+6,0 %) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (+5,0 %). Insgesamt verteuerten sich die Verbrauchsgüter um 8,7 %. Auch die Preise für Gebrauchsgüter erhöhten sich (+3,7 %, darunter Fahrzeuge: +7,2 %; Möbel und Leuchten: +5,0 %).

Inflationsrate ohne Energie bei +3,1 %

Die Preiserhöhungen bei Energie und bei Nahrungsmitteln gegenüber dem Vorjahresmonat wirkten sich deutlich auf die Inflationsrate aus: Ohne Berücksichtigung der Energie hätte die Inflationsrate im Oktober 2021 bei +3,1 % gelegen, ohne beide Güterbereiche bei +2,9 %.

Dienstleistungen verteuerten sich binnen Jahresfrist um 2,4 %

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt lagen im Oktober 2021 um 2,4 % über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die aufgrund des großen Anteils an den Konsumausgaben der privaten Haushalte bedeutsamen Nettokaltmieten verteuerten sich um 1,4 %. Deutlicher erhöhten sich unter anderem die Preise für Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (+5,5 %), Leistungen sozialer Einrichtungen (+4,7 %) sowie für Gaststättendienstleistungen (+3,8 %).

Kräftiger Preisanstiege bei Heizöl mit 17,5 % gegenüber dem Vormonat

Im Vergleich zum September 2021 stieg der Verbraucherpreisindex im Oktober 2021 um 0,5 %. Vor allem erhöhten sich die Preise für Energieprodukte insgesamt um 4,0 %. Auffällig stark war der Preisanstieg bei Heizöl mit +17,5 %. Auch Kraftstoffe wurden mit +5,8 % spürbar teurer. Die Preise für Nahrungsmittel insgesamt blieben im Vergleich zum Vormonat nahezu unverändert (-0,1 %, darunter frisches Gemüse: -2,7 %, aber Kaffee: +1,1 %). Die Preise für Pauschalreisen gingen vor allem saisonbedingt um 4,7 % zurück.

Quelle: Statistisches Bundesamt

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Exporte im September 2021: -0,7 % zum August 2021

Im September 2021 sind die Exporte in Deutschland gegenüber August 2021 kalender- und saisonbereinigt um 0,7 % gesunken und die Importe um 0,1 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, lagen die Exporte kalender- und saisonbereinigt 0,3 % niedriger und die Importe 7,8 % höher als im Februar 2020.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 09.11.2021

Exporte liegen 0,3 % unter dem Vorkrisenniveau von Februar 2020

Exporte, September 2021
117,8 Milliarden Euro
-0,7 % zum Vormonat (kalender- und saisonbereinigt)
+7,1 % zum Vorjahresmonat

Importe, September 2021
101,6 Milliarden Euro
+0,1 % zum Vormonat (kalender- und saisonbereinigt)
+12,9 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, September 2021
16,2 Milliarden Euro
13,2 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Leistungsbilanz nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank, September 2021
19,6 Milliarden Euro

Im September 2021 sind die Exporte in Deutschland gegenüber August 2021 kalender- und saisonbereinigt um 0,7 % gesunken und die Importe um 0,1 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, lagen die Exporte kalender- und saisonbereinigt 0,3 % niedriger und die Importe 7,8 % höher als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland.

Im September 2021 wurden Waren im Wert von 117,8 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 101,6 Milliarden Euro importiert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat September 2020 stiegen die Exporte im September 2021 damit um 7,1 % sowie die Importe um 12,9 %.

Die Außenhandelsbilanz schloss im September 2021 mit einem Überschuss von 16,2 Milliarden Euro ab. Im September 2020 hatte der Saldo der Außenhandelsbilanz 20,0 Milliarden Euro betragen. Kalender- und saisonbereinigt lag der Überschuss der Außenhandelsbilanz im September 2021 bei 13,2 Milliarden Euro.

Die Leistungsbilanz schloss unter Berücksichtigung der Salden für Warenhandel (+16,0 Milliarden Euro), Dienstleistungen (-1,9 Milliarden Euro), Primäreinkommen (+10,4 Milliarden Euro) und Sekundäreinkommen (-4,9 Milliarden Euro) im September 2021 mit einem Überschuss von 19,6 Milliarden Euro ab. Im September 2020 hatte die Leistungsbilanz einen Aktivsaldo von 25,0 Milliarden Euro ausgewiesen.

Außenhandel mit EU-Staaten

In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) wurden im September 2021 Waren im Wert von 64,6 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 53,5 Milliarden Euro von dort importiert. Gegenüber September 2020 stiegen die Exporte in die EU-Staaten um 9,2 % und die Importe aus diesen Staaten um 9,4 %. In die Staaten der Eurozone wurden im September 2021 Waren im Wert von 45,0 Milliarden Euro (+9,2 %) exportiert und Waren im Wert von 36,4 Milliarden Euro (+11,9 %) aus diesen Staaten importiert. In die EU-Staaten, die nicht der Eurozone angehören, wurden im September 2021 Waren im Wert von 19,7 Milliarden Euro (+9,4 %) exportiert und Waren im Wert von 17,0 Milliarden Euro (+4,5 %) von dort importiert.

Außenhandel mit Nicht-EU-Staaten

In die Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittstaaten) wurden im September 2021 Waren im Wert von 53,2 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 48,1 Milliarden Euro aus diesen Staaten importiert. Gegenüber September 2020 nahmen die Exporte in die Drittstaaten um 4,7 % und die Importe von dort um 17,1 % zu.

Außenhandel mit dem Vereinigten Königreich

Die Exporte in das Vereinigte Königreich sanken im September 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,0 % auf 5,7 Milliarden Euro. Die deutschen Importe aus dem Vereinigten Königreich nahmen im gleichen Zeitraum um 20,0 % auf 2,3 Milliarden Euro ab.

Am 1. Januar 2021 trat der zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ausgehandelte Partnerschaftsvertrag vorläufig in Kraft. Mit dem Austritt aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion ist der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU endgültig vollzogen. Weitere Informationen zum Brexit sowie eine Auswahl statistischer Indikatoren, bei denen von einem Einfluss des Brexits auszugehen ist, bietet der „Brexit-Monitor“ des Statistischen Bundesamtes.

Außenhandel mit weiteren ausgewählten Staaten

Im September 2021 sanken die Exporte in die Volksrepublik China gegenüber September 2020 um 0,2 % auf 8,5 Milliarden Euro. Die Exporte in die Vereinigten Staaten nahmen um 16,2 % auf 10,8 Milliarden Euro zu.

Die meisten Importe kamen im September 2021 aus der Volksrepublik China nach Deutschland. Von dort wurden Waren im Wert von 12,3 Milliarden Euro eingeführt (+24,2 % zum Vorjahresmonat). Die Importe aus den Vereinigten Staaten stiegen im September 2021 um 0,9 % auf einen Wert von 6,3 Milliarden Euro.

Quelle: Statistisches Bundesamt

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Stimmung im Mittelstand stabilisiert sich

Nach drei Rückgängen in den Vormonaten steigt das mittelständische Geschäftsklima im Oktober erstmals wieder an und unterbricht damit seinen Abwärtstrend, wie das aktuelle KfW-ifo-Mittelstandsbarometer zeigt.

KfW, Pressemitteilung vom 08.11.2021

  • Mittelständisches Geschäftsklima steigt im Oktober wieder etwas
  • Geschäftslage und Erwartungen verbessern sich geringfügig
  • Abwärtstrend unterbrochen, aber Angebotsengpässe bleiben eine Belastung

Nach drei Rückgängen in den Vormonaten steigt das mittelständische Geschäftsklima im Oktober erstmals wieder an und unterbricht damit seinen Abwärtstrend, wie das aktuelle KfW-ifo-Mittelstandsbarometer zeigt. Ursächlich für den Anstieg um 1,0 Zähler auf nun 6,6 Saldenpunkte sind verbesserte Lageurteile und geringfügig optimistischere Erwartungen der kleinen und mittleren Unternehmen. Die Geschäftserwartungen verbessern sich um 0,4 Zähler auf -0,1 Saldenpunkte und nähern sich der Nulllinie, die für den langfristigen Durchschnitt steht. Die Geschäftslageurteile steigen um 1,6 Zähler auf 13,5 Saldenpunkte.

Deutlich schlechter als im Mittelstand entwickelt sich im Oktober das Geschäftsklima der Großunternehmen (-2,7 Zähler auf 3,2 Saldenpunkte). Dabei geht ihre Geschäftslage ein stückweit zurück (-1,6 Zähler auf 11,1 Punkte), vor allem aber werden die Geschäftserwartungen deutlich pessimistischer (-3,7 Zähler auf -4,1 Punkte). Ein Treiber bleibt der Abwärtstrend bei der Stimmung in den großen Industrieunternehmen, die besonders stark unter den anhaltenden Material- und Lieferengpässen leiden. Aus der mittelständischen Industrie hingegen kommt zu Beginn des Schlussquartals ein besseres Stimmungsbild. Obwohl im September fast 80% der kleinen und mittleren Industrieunternehmen von Materialknappheiten oder Lieferengpässen betroffen waren und die Energiepreise seit dem Spätsommer rapide steigen, schätzen diese ihre Geschäftslage weiterhin überdurchschnittlich gut ein. Bei den Geschäftserwartungen ist zwar die Euphorie des Frühsommers verflogen, der Rückgang im Oktober ist aber so klein, dass das Geschäftsklima der mittelständischen Industrie insgesamt sogar um 1,0 Zähler ansteigt. Im Großhandel hingegen haben sich die Lieferprobleme offenbar deutlich verschärft, denn sowohl mittelständische als auch große Unternehmen dieses Wirtschaftsbereichs melden gleichermaßen einen markanten Einbruch des Geschäftsklimas. Die Stimmung im Bau bleibt weiterhin gut, die mittelständischen Dienstleister verharren auf durchschnittlichem Niveau – wobei hier die meisten Unternehmen ihre Meldung wohl noch vor dem starken Anstieg der Neuinfektionen gemacht haben, der in der zweiten Oktoberhälfte begonnen hat.

„Das derzeit stabile Geschäftsklima im Mittelstand bietet einen kleinen Lichtblick im Vergleich zu den sonst eher trüben Konjunkturaussichten zu Beginn des Herbstquartals“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Doch der rasante Anstieg der Neuinfektionen seit Ende Oktober zeigt, dass die Pandemie auch in Deutschland noch Zähne hat.“ Mit dem Einbruch der kalten Jahreszeit verlagert sich das Leben wieder in die Innenräume, was die Infektionsgefahren erhöht. Kontaktintensive Dienstleistungen könnten hier leiden, wenn Konsumenten sich freiwillig zurückhalten. „Die hartnäckigen Materialengpässe und die vor allem seit dem Spätsommer rapide steigenden Energiepreise betreffen den Mittelstand außerdem in ähnlichem Ausmaß wie die Großunternehmen“, so Köhler-Geib. “Auch wenn Materialien und Vorprodukte voraussichtlich noch für längere Zeit knapp bleiben, kann aber jede Verbesserung der Versorgungslage für Wachstum sorgen. Nach einer Konjunkturdelle im Winterhalbjahr rechne ich im Verlauf von 2022 mit einem neuen Wachstumsschub, sobald die angebotsseitigen Verwerfungen abebben.“

Quelle: KfW

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