Der Welthandel erholt sich wieder – wenn auch nur leicht

Die ersten Lockerungen coronabedingter Einschränkungen tragen dazu bei, dass der weltweite Güteraustausch wieder anzieht. Er steht jedoch weiterhin vor Herausforderungen: aufgrund der Pandemie, aber auch wegen zunehmender Handelshemmnisse. Die von den IHKs ausgestellten Warenbegleitpapiere – Ursprungszeugnisse und die sog. Carnets, zeitlich befristete „Reisepässe“ – spiegeln die aktuellen Entwicklungen wider.

DIHK, Mitteilung vom 21.10.2021

Der globale Warenverkehr läuft wieder an, weltweit aktive Unternehmen sind jedoch weiterhin in ihrer Geschäftstätigkeit eingeschränkt. Grund hierfür sind Corona-Einschränkungen sowie Handelshemmnisse. Das geht aus dem aktuellen DIHK-Außenwirtschaftsreport hervor, der auf einer Umfrage unter den Industrie- und Handelskammern mit ihren mehr als 500.000 Kontakten zu auslandsaktiven Mitgliedsunternehmen basiert. Dabei stützt sich der Report vor allem auf Zahlen zu den von den IHKs erfassten Dokumenten im Warenverkehr.

Mehr Warenverkehr, aber auch weiterhin Herausforderungen

Um Produkte in Drittländer exportieren zu können, müssen Unternehmen häufig deren Herkunft nachweisen – mittels eines Ursprungszeugnisses. Wurden im Corona-Jahr 2020 noch zwei Prozent weniger dieser Urkunden ausgestellt als 2019, ist die Zahl im ersten Halbjahr 2021 wieder angestiegen. Rund 730.000 Ursprungsdokumente wurden erfasst, das entspricht einem Zuwachs von einem Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dies liegt auch an Handelshemmnissen wie etwa zusätzlichen Nachweispflichten bei Importen in die Türkei oder daran, dass Unternehmen zunehmend ihren Warenursprung beweisen müssen, um von weltweiten Handelsschutzmaßnahmen ausgenommen zu werden.

Sollen Waren nur vorübergehend in Drittländer ausgeführt werden, können Unternehmen sogenannte Carnets nutzen. Diese zeitlich befristeten „Reisepässe“ kommen vor allem bei Montageprojekten, Messen oder auch Geschäftsreisen zum Einsatz – welche durch die Pandemie erheblich zurückgegangen beziehungsweise komplett ausgefallen sind. Dementsprechend erlitt das Carnet-Geschäft 2020 den stärksten Einbruch überhaupt: Mit rund 13.300 Carnets ging die Nutzung um circa 48 Prozent zurück.

Nach den ersten Lockerungen bei internationalen Geschäftsreisen, Messen und Veranstaltungen steigen nun auch die Carnet-Zahlen seit Januar 2021 wieder leicht an. So wurden im ersten Halbjahr 2021 circa 6.900 Carnets ausgestellt, 20 Prozent mehr als noch im zweiten Halbjahr 2020. Dennoch bleiben die Zahlen deutlich unter Vorkrisenniveau.

Corona immer noch Belastung Nummer 1

Mehr als die Hälfte der IHKs melden auch noch für das erste Halbjahr 2021 negative Effekte der Corona-Krise auf ihre international aktiven Mitgliedsunternehmen. Vor allem das Entsenden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bleibt weiterhin schwierig, insbesondere in Länder außerhalb der Europäischen Union.

Reisebeschränkungen, Quarantäneregelungen, maximale Aufenthaltsdauer sowie Melde- und Testpflichten waren bei Rückfragen der Unternehmen bei den IHKs in den ersten sechs Monaten dieses Jahres besonders häufig. Carnets werden erst dann wieder vermehrt genutzt, wenn der geschäftliche Reiseverkehr mehr zur Normalität zurückkehrt.

Elektronisches Ursprungszeugnis auf der Überholspur

Seit Anfang 2020 können die IHK-Mitgliedsunternehmen von einer verbesserten elektronischen Anwendung namens „eUZ-Web“ profitieren. Sie bietet zahlreiche Vereinfachungen bei der Beantragung von Ursprungszeugnissen und sorgt für spürbare Entlastung für die Unternehmen.

Dieser Vorteil spiegelt sich in den aktuellen Nutzungszahlen wider: Seit der Verbesserung legte der Einsatz um knapp die Hälfte zu. Im Durchschnitt haben 2020 bundesweit 63 Prozent der Unternehmen das Tool genutzt – damit wurden erstmals mehr Ursprungszeugnisse im elektronischen Verfahren ausgestellt als im manuellen.

Auch im Bereich der sonstigen Handelsdokumente setzt sich der Digitalisierungstrend fort: Die Zahl der von den IHKs elektronisch bescheinigten Handelsrechnungen, Packlisten, Freiverkäuflichkeitsbescheinigungen sowie Gesundheitszertifikate kletterte 2020 um knapp 27 Prozent auf über 190.000. Die Bundesregierung und die Europäische Union sollten die Lehren aus der Corona-Krise nutzen, um ihrerseits schneller mit der stockenden Zolldigitalisierung voranzukommen.

Quelle: DIHK

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Unternehmen setzen verstärkt auf Crowdworking

Die Nutzung von Crowdworking-Plattformen durch Unternehmen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. In 2020 setzten lt. ZEW 8,3 % der Unternehmen in der Informationswirtschaft und 6,1 % der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe Crowdworking ein.

ZEW, Pressemitteilung vom 21.10.2021

Umfrage in Informationswirtschaft und Verarbeitendem Gewerbe

Die Nutzung von Crowdworking-Plattformen durch Unternehmen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. „Im Jahr 2020 setzten 8,3 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft und 6,1 Prozent der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe Crowdworking ein“, sagt Dr. Daniel Erdsiek, Wissenschaftler im Forschungsbereich „Digitale Ökonomie“ am ZEW Mannheim. „Darüber hinaus plante etwa ein Prozent der Unternehmen, bis Ende des Jahres 2021 mit dem Einsatz von Crowdworking zu beginnen“.

Als Crowdworking bezeichnet man die Nutzung von Online-Plattformen für die Vergabe von traditionell unternehmensinternen Aufgaben und Projekten an externe Arbeitskräfte. Die gegen Bezahlung ausgeführten Aufgaben reichen dabei von weniger komplexen Tätigkeiten bis hin zur Erbringung vollständiger Projekte, z.B. im Bereich Design oder Webprogrammierung. Neben dem Crowdworking ermöglicht der anhaltende technische Fortschritt auch die Etablierung von ortsgebundener Plattformarbeit etwa in Form von Fahrdienstleistungen. Beide Formen der plattformbasierten Erwerbsarbeit haben in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit sowie in der politischen Debatte verstärkt Beachtung gefunden und werden international auch unter dem Begriff der Gig Economy diskutiert. Eine Unternehmensbefragung des ZEW liefert nun neue Erkenntnisse speziell zur Nutzung von Crowdworking.

An der Unternehmensbefragung in Deutschland beteiligten sich im September 2020 fast 800 Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe und der Informationswirtschaft, welche die IKT-Branche, Mediendienstleister und wissensintensive Dienstleister umfasst. Wie die repräsentativen Ergebnisse verdeutlichen, hat der Einsatz von Crowdworking in den untersuchten Branchen in Deutschland einen deutlichen Schub erlebt. Im Jahr 2020 setzten 9,5 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft Crowdworking bereits ein oder planten einen Einsatz bis zum Ende des Jahres 2021. Im Vergleich zu den aktuellen Ergebnissen haben in der Vergangenheit deutlich weniger Unternehmen Crowdworking eingesetzt oder einen Einsatz geplant. In der Informationswirtschaft belief sich dieser Anteil im Jahr 2016 noch auf 4,3 Prozent und im Jahr 2018 auf 4,5 Prozent. Im Verarbeitenden Gewerbe ist dieser Anteil derweil von 2,0 Prozent im Jahr 2016 und 3,2 Prozent im Jahr 2018 auf aktuell 6,9 Prozent gestiegen. Für den Zeitraum von 2018 bis 2020 ist damit in beiden Sektoren ein deutlicher Schub beim Einsatz von Crowdworking zu verzeichnen. Da die aktuellste Befragung im September 2020 durchgeführt wurde, könnte ein Teil dieses Nutzungsanstiegs auch auf Corona-bedingte Anpassungen der Arbeitsorganisation zurückzuführen sein.

Potenzielle Einsatzzwecke für Crowdworking sind vielfältig

Die möglichen Einsatzzwecke für die Arbeitsvergabe über Online-Plattformen sind vielfältig; sowohl für Unternehmen, die Crowdworking bereits einsetzen, als auch für solche, die Crowdworking bislang nicht nutzen. So zählt etwa ein Drittel der Unternehmen in der Informationswirtschaft und im Verarbeitenden Gewerbe technische Arbeiten, z.B. in Bezug auf Internet, Programmierung und Datenanalyse, zu den möglichen Einsatzzwecken in ihrem Unternehmen. Fast ebenso viele Unternehmen sehen Potenzial für die Vergabe von kreativen Arbeiten über Crowdworking-Plattformen, dazu zählen etwa Tätigkeiten in den Bereichen Graphikdesign, Marketing oder das Verfassen von Texten. Administrative Arbeiten, wie Buchführung, Kundendienst oder Projektmanagement, sind für fast 20 Prozent der Unternehmen ein mögliches Anwendungsgebiet, während sich etwa 15 Prozent die Auslagerung von unterstützenden Datenarbeiten, wie Kategorisierung und Tagging, vorstellen könnten.

Neben den potenziellen Anwendungsgebieten variieren auch die Ziele, welche die Unternehmen mit einem möglichen Einsatz von Crowdworking verfolgen würden. Mit Anteilen von über 50 Prozent nennen die Unternehmen besonders häufig das Nutzen von Spezialwissen als potenzielles Ziel. Dem Einsatzbereich entsprechend könnte sich dieses Spezialwissen beispielsweise auf Designkenntnisse oder Programmierfähigkeiten beziehen. Zudem würden zwischen 37 Prozent (Verarbeitendes Gewerbe) und 46 Prozent (Informationswirtschaft) der befragten Unternehmen durch einen Einsatz von Crowdworking mehr Personalflexibilität erreichen wollen, wie etwa zum Abbau von Lastspitzen oder eine schnellere Bearbeitung von Projekten. Die Einsparung von Kosten wäre darüber hinaus sowohl für die Informationswirtschaft (31 Prozent) als auch das Verarbeitende Gewerbe (41 Prozent) ebenfalls ein Ziel beim Einsatz von Crowdworking.

In kurzem zeitlichem Abstand zur Befragung in Deutschland wurden ebenfalls Unternehmen in Frankreich zu ihrer Nutzung von Crowdworking befragt. Hinsichtlich der Einsatzzwecke und Ziele zeigen sich viele Übereinstimmungen zwischen den Unternehmen in beiden Ländern. Die ZEW-Kurzexpertise mit dem Titel „Crowdworking in France and Germany“ beschreibt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Nutzung von Crowdworking durch Unternehmen in Deutschland und Frankreich im Detail.

Quelle: ZEW

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Bitkom zum Lagebericht der IT-Sicherheit 2021

Cyberangriffe haben laut Bitkom-Studien bei 86 % der Unternehmen in Deutschland zuletzt einen Schaden verursacht. Das BSI hat am 21.10.2021 seinen Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2021 veröffentlicht. Bitkom nimmt dazu Stellung.

Bitkom, Pressemitteilung vom 21.10.2021

  • Bitkom-Studie: Cyberangriffe führen bei 86 Prozent aller Unternehmen zu Schäden
  • Schäden durch Erpressung und Systemausfälle sind seit 2019 um 358 Prozent gestiegen

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat heute seinen Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2021 veröffentlicht. Dazu erklärt Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung:

„Cyberangriffe sind zu einer enormen Bedrohung für die deutsche Wirtschaft geworden. Jedes zehnte Unternehmen sieht deshalb laut unseren Erkenntnissen seine Existenz bedroht. Der diesjährige Lagebericht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik untermauert eindrucksvoll, wie ernst die Lage für die deutsche Wirtschaft, aber auch für Privatpersonen, Behörden und andere Institutionen ist.

Cyberangriffe haben laut Bitkom-Studien bei 86 Prozent der Unternehmen in Deutschland zuletzt einen Schaden verursacht. Die Wucht, mit der insbesondere Ransomware-Angriffe unsere Wirtschaft erschüttern, ist besorgniserregend und trifft Betriebe aller Branchen und Größen. Die Schäden durch Erpressung, verbunden mit dem Ausfall von Systemen oder der Störung von Betriebsabläufen, sind seit 2019 um 358 Prozent gestiegen.

Auch Schutzgeld wird mittlerweile im Internet erpresst. Die Angreifer drohen damit, bestimmte Ressourcen gezielt zu überlasten und zum Beispiel Server mit massenhaften Anfragen in die Knie zu zwingen. Zuletzt waren 27 Prozent der Unternehmen im Land von solchen DDoS-Attacken betroffen.

Darauf müssen wir reagieren. Wir brauchen die Möglichkeit, dass sich jeder Mensch und jedes Unternehmen in Echtzeit über die Cyber-Bedrohungslage informieren kann. Dazu müssen wir Echtzeit-Informationen nutzen und EU-weit in einem zentralen Dashboard sammeln – ähnlich dem Corona-Dashboard des Robert-Koch-Instituts. Nur wenn Hinweise auf Gefahren sekundengenau gesammelt werden, können wir auch umgehend darauf reagieren und uns sowie unsere Wirtschaft besser schützen.

Wesentlich für mehr Cybersicherheit ist auch die zukunftsfähige Bildung aller Menschen. Medienkompetenz und IT-Wissen müssen spätestens ab der Grundschule in die Bildungspläne integriert werden. Wir brauchen deshalb unbedingt Informatik als Pflichtfach ab Sekundarstufe I.“

Quelle: Bitkom

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Kreditnachfrage im Mittelstand bleibt schwach

Der Abwärtstrend bei der Kreditnachfrage kleiner und mittlerer Unternehmen ist auch im dritten Quartal ungebrochen. Zwischen Juli und September verhandelten nur noch 17,7 % der Mittelständler in Deutschland mit Banken und Sparkassen über Kredite (-1,8 Prozentpunkte ggü. Vorquartal), wie die aktuelle KfW-ifo-Kredithürde zeigt.

KfW, Pressemitteilung vom 20.10.2021

  • Nur 18 % der kleinen und mittleren Unternehmen im 3. Quartal in Kreditverhandlungen
  • Kredithürde für den Mittelstand moderat höher
  • Kreditnachfrage dürfte vorerst unterdurchschnittlich bleiben

Der Abwärtstrend bei der Kreditnachfrage kleiner und mittlerer Unternehmen ist auch im dritten Quartal ungebrochen. Zwischen Juli und September verhandelten nur noch 17,7 % der Mittelständler in Deutschland mit Banken und Sparkassen über Kredite (-1,8 Prozentpunkte ggü. Vorquartal), wie die aktuelle KfW-ifo-Kredithürde zeigt. Damit markiert die Quote zum dritten Mal in Folge ein Rekordtief. Auch von den Großunternehmen suchen erneut weniger bei Finanzinstituten um ein Darlehen nach. Der Rückgang fiel mit -0,3 Prozentpunkten zwar nur marginal aus, mit 27,6 % Großunternehmen in Kreditverhandlungen ist allerdings ebenfalls ein neuer Tiefstwert seit Beginn der Befragung im Jahr 2017 zu vermelden.

Von den Mittelständlern, die einen Kredit nachfragen, spürt im dritten Quartal jeder fünfte (20,1 %) ein restriktiveres Bankenverhalten – das sind wieder etwas mehr als im Vorquartal (+1,7 Prozentpunkte). Damit bleibt die Kredithürde überdurchschnittlich hoch, aber zugleich unterhalb der Werte vom Jahresbeginn. Von Verschärfungen bei der Kreditvergabepolitik sind aktuell besonders die kleinen und mittleren Dienstleister betroffen (+6,6 auf 26,9 %), während das mittelständische Verarbeitende Gewerbe trotz der Betroffenheit durch anhaltende Lieferengpässe nur geringe Verschlechterungen hinnehmen muss (+1,9 auf 17,3 %). Kleine und mittlere Unternehmen aus dem Einzel-, Großhandel und Bauhauptgewerbe können hingegen sogar von deutlichen Lockerungen beim Kreditzugang profitieren. Die Kredithürde für die Großunternehmen bewegt sich seitwärts und liegt mit 12,9 % weiterhin leicht über dem Durchschnitt seit dem Jahr 2017.

„Ich erwarte auch für die kommenden Monate eine unterdurchschnittliche Kreditnachfrage“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Die wirtschaftliche Erholung und staatliche Zuschusszahlungen von inzwischen über 50 Mrd. Euro haben die finanzielle Lage der Unternehmen verbessert. Hinzu kommt, dass während der Corona-Krise außergewöhnlich hohe Bankeinlagen gebildet wurden. Diesen Liquiditätsvorrat können die Unternehmen für aufkommende Finanzierungsbedarfe nutzen, z. B. für Investitionsausgaben. Auf der anderen Seite sehe ich wenig Spielraum für Verbesserungen beim Kreditzugang. Die hartnäckigen Störungen der globalen Lieferketten und der steile Anstieg der Energiekosten sind relevante Risikofaktoren, die die Finanzinstitute bei der Kreditvergabe zunehmend in den Blick nehmen dürften.“

Quelle: KfW

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Frauen in Führungspositionen: Die Quote wirkt

Die Bundesregierung hat die von der Bundesjustiz- und Bundesfrauenministerin Christine Lambrecht vorgelegte „Fünfte Jährliche Information der Bundesregierung über die Entwicklung des Frauen- und Männeranteils an Führungsebenen und in Gremien der Privatwirtschaft und des öffentlichen Dienstes“ beschlossen.

BMJV, Pressemitteilung vom 20.10.2021

Bundesjustiz- und Bundesfrauenministerin Christine Lambrecht legt „Fünfte Jährliche Information zu Frauen- und Männeranteilen in Führungsebenen“ vor

Die Bundesregierung hat heute die von der Bundesjustiz- und Bundesfrauenministerin Christine Lambrecht vorgelegte „Fünfte Jährliche Information der Bundesregierung über die Entwicklung des Frauen- und Männeranteils an Führungsebenen und in Gremien der Privatwirtschaft und des öffentlichen Dienstes“ beschlossen.

„Die Zahlen zur Quote für die Aufsichtsräte belegen: Feste Vorgaben wirken – und zwar nachhaltig. Sie verändern nicht nur die Zusammensetzung der Führungsgremien, sondern sie wirken sich auf die gesamte Unternehmenskultur aus. Umso wichtiger ist es, dass wir diesen erfolgreichen Weg in diesem Jahr weitergegangen sind und endlich auch für Vorstände großer Unternehmen eine Mindestbeteiligung von Frauen eingeführt haben. Damit haben wir einen weiteren Meilenstein für die vielen ambitionierten und qualifizierten Frauen in diesem Land gesetzt. Jetzt kommt es darauf an, dass auch die neue Bundesregierung dafür Sorge tragen wird, dass noch mehr Frauen in Führungspositionen kommen.“

Bundesjustiz- und Bundesfrauenministerin Christine Lambrecht

Die Kernergebnisse im Überblick

Frauenanteil in den Aufsichtsräten der Privatwirtschaft gestiegen

In der Privatwirtschaft ist der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der Unternehmen, für die seit dem 1. Januar 2016 eine feste Quote gilt, weiter gestiegen. Er lag im Geschäftsjahr 2018 bei 33,4 Prozent und hat sich damit im Vergleich zum Geschäftsjahr 2015 um 8,4 Prozentpunkte gesteigert. Demgegenüber ist der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der untersuchten Unternehmen, die nicht unter die feste Quote fallen, mit 3,7 Prozentpunkten seit 2015 sehr viel weniger angewachsen. Er lag hier 2018 noch immer bei 21,6 Prozent.

Niedriges Niveau des Frauenanteils in Vorständen deutscher Unternehmen

In den Vorständen deutscher Unternehmen waren Frauen auch im Geschäftsjahr 2018 stark unterrepräsentiert. Ihr Anteil in den Vorständen aller untersuchten Unternehmen lag im Geschäftsjahr 2018 bei 8,3 Prozent und somit insgesamt auf einem niedrigen Niveau. 79,5 Prozent der untersuchten Unternehmen hatten keine Frau im Vorstand.

Neue gesetzliche Regelungen für Frauenquote in Vorständen in Kraft getreten

Auf die anhaltend geringe Zahl von Frauen in den Vorständen deutscher Unternehmen hat die Bundesregierung mit dem Gesetz zur Ergänzung und Änderung der Regelungen für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FüPoG II) reagiert. Zentrale Neuerung ist eine Mindestbeteiligung von Frauen für Vorstände mit mehr als drei Mitgliedern in großen deutschen Unternehmen. Das Gesetz ist am 12. August 2021 in Kraft getreten.

Frauenanteil im öffentlichen Dienst entwickelt sich positiv

Im öffentlichen Dienst ist der Frauenanteil überwiegend gestiegen. Dennoch sind Frauen in Führungspositionen in der Bundesverwaltung weiterhin unterrepräsentiert. In den obersten Bundesbehörden lag der Anteil von Frauen in Führungspositionen 2020 bei 37 Prozent.

Für die Gremienbesetzung gelten für den Bund durch das Bundesgremienbesetzungsgesetz strengere Regeln als für die Privatwirtschaft. In den Gremien mit vom Bund bestimmten Mitgliedern hat sich der Frauenanteil weiter positiv entwickelt und auf 45,4 Prozent erhöht. Dort, wo der Bund drei oder mehr Gremienmitglieder bestimmen kann, lag der Frauenanteil sogar bei 46,4 Prozent.

Grundlage des Berichtes und weitere Informationen

Mit der „Fünften Jährlichen Information der Bundesregierung über die Entwicklung des Frauen- und Männeranteils an Führungsebenen und in Gremien der Privatwirtschaft und des öffentlichen Dienstes“ kommt die Bundesregierung ihrer Verpflichtung nach, die Öffentlichkeit fundiert über die Entwicklungen im Bereich Frauen in Führungspositionen zu informieren, wie es das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FüPoG) vorsieht. Dem Bericht liegen für die Privatwirtschaft die Datenlage insbesondere aus dem Geschäftsjahr 2018 und für den öffentlichen Dienst des Bundes die Datenlage aus dem Jahre 2019 zugrunde. Aufgrund unterschiedlicher Offenlegungspflichten und abweichender Geschäftsjahre ist eine Auswertung aller Geschäftsberichte nur zeitversetzt möglich.

Quelle: BMJV

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Kiel Trade Indicator: Aussichten für Handel trüben sich ein, Staus drohen sich zu verschärfen

Der Welthandel steht lt. IfW Kiel weiter im Bann gravierender Containerstaus, und eine Entspannung zeichnet sich nicht ab. Mittlerweile sind rund 9 Prozent der weltweiten Frachtkapazität in vier großen Warteschlangen gebunden, über die Hälfte davon staut sich vor Häfen in den USA.

IfW Kiel, Pressemitteilung vom 20.10.2021

Der Welthandel steht weiter im Bann gravierender Containerstaus, und eine Entspannung zeichnet sich nicht ab. Mittlerweile sind rund 9 Prozent der weltweiten Frachtkapazität in vier großen Warteschlangen gebunden, über die Hälfte davon staut sich vor Häfen in den USA. Deutschland hat sich vom Einbruch seiner Importe im Sommer bislang nicht erholt. Der weltweite Handel stagniert nun schon für ungewöhnlich lange Zeit.

Chinas Handel verharrt auf dem Niveau vom Frühjahr. Der Kiel Trade Indicator signalisiert für die Exporte im Monat Oktober ein Minus von 4,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat (nominal, saisonbereinigt) und für die Importe ein Plus von 2,7 Prozent.

Der Handel der USA ist seit dem Frühjahr leicht rückläufig. Für die Exporte im Oktober weist der Kiel Trade Indicator ein Minus von 1,8 Prozent aus, für die Importe ein sehr leichtes Plus von 0,4 Prozent.

Deutschlands Importe brachen im Sommer deutlich ein und konnten sich seitdem noch nicht wieder erholen, hier signalisiert der Kiel Trade Indicator mit +0,2 Prozent im Oktober eine schwarze Null. Für die Exporte ist ein Minus von 1,2 Prozent zu erwarten. Für die EU zeigt der Trade Indicator einen Rückgang bei Exporten (-1,3 Prozent) und Importen (-1,1 Prozent) an.

Der Welthandel dürfte im Oktober leicht zurückgehen (-0,6 Prozent).

„Dem globalen Handel fehlt ein positiver Impuls, der ihn nach vorne bringt. Er verharrt derzeit auf dem Niveau vor Ausbruch der Corona-Krise und stagniert nun schon ungewöhnlich lange“, sagt Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator. „Der Blick auf die Staus von Containerschiffen trübt die Hoffnung auf einen zeitnahen Zuwachs. Erstmals stauen sich die Frachter nun vor den großen Seehäfen Chinas und den USA gleichzeitig in besorgniserregendem Ausmaß.“

Während der Stau vor dem chinesischen Hafen Ningbo-Zhoushan etwas zurückgeht, seit wieder alle Terminals in Betrieb sind, hat sich der Andrang von Containerschiffen im Perlflussdelta verschärft. Vor den Häfen der USA nehmen die Staus von Containerschiffen deutlich zu. Vor Los Angeles und Long Beach stecken fast drei Prozent der weltweiten Frachtkapazität fest, vor Savannah über zwei Prozent.

Weltweit sind rund 9 Prozent der Frachtkapazität durch Containerstaus gebunden, auch durch leere Containerschiffe, die auf Beladung warten. Über 3 Prozent aller verschifften Waren auf dem Seeweg stecken in wartenden Schiffen fest. Das Frachtvolumen im Roten Meer – der wichtigsten See-Handelsroute zwischen China und Europa – liegt gegenwärtig etwa 10 Prozent niedriger, als unter normalen Umständen zu erwarten wäre.

„Als Reaktion auf eine gestiegene Nachfrage und Lieferengpässe ordern viele große Einzelhändler und produzierende Unternehmen derzeit Waren auf Vorrat, was die begrenzten Kapazitäten im Transportnetzwerk zusätzlich bindet. Anzeichen für eine Normalisierung dürften sich erst nach dem chinesischen Neujahrsfest im ersten Halbjahr 2022 zeigen, frühestens ab Sommer könnte sich die Lage auf breiter Front entspannen. Für Weihnachten ist von einer eingeschränkten Produktauswahl und gerade bei elektronischen Produkten von höheren Preisen auszugehen.“

Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator

Quelle: IfW Kiel

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Erzeugerpreise September 2021: +14,2 % gegenüber September 2020

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte waren im September 2021 um 14,2 % höher als im September 2020. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, war dies der höchste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit Oktober 1974 (+14,5 %), als die Preise im Zusammenhang mit der ersten Ölkrise stark gestiegen waren. Gegenüber August 2021 stiegen die gewerblichen Erzeugerpreise um 2,3 %.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 20.10.2021

Erzeugerpreise gewerblicher Produkte (Inlandsabsatz), September 2021

  • +2,3 % zum Vormonat
  • +14,2 % zum Vorjahresmonat

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte waren im September 2021 um 14,2 % höher als im September 2020. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, war dies der höchste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit Oktober 1974 (+14,5 %), als die Preise im Zusammenhang mit der ersten Ölkrise stark gestiegen waren. Gegenüber August 2021 stiegen die gewerblichen Erzeugerpreise um 2,3 %.

Hauptverantwortlich für den Anstieg der gewerblichen Erzeugerpreise gegenüber September 2020 war die Preisentwicklung bei Energie.

Starke Preissteigerungen bei allen Energieträgern

Die Energiepreise waren im September 2021 im Durchschnitt 32,6 % höher als im Vorjahresmonat. Allein gegenüber August 2021 stiegen diese Preise um 8,0 %. Den höchsten Einfluss auf die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr bei Energie hatte Erdgas in der Verteilung mit einem Plus von 58,9 %.

Ohne Berücksichtigung von Energie waren die Erzeugerpreise 8,6 % höher als im September 2020 (+ 0,4 % gegenüber August 2021).

Hohe Preissteigerungen bei den Vorleistungsgütern, vor allem bei Holz, Sekundärrohstoffen und Metallen

Vorleistungsgüterwaren 17,4 % teurer als ein Jahr zuvor. Gegenüber August 2021 stiegen diese Preise um 0,6 %. Besonders hoch waren die Preisanstiege gegenüber dem Vorjahr bei Nadelschnittholz (+117,9 %), dessen Preise jedoch gegenüber August 2021 leicht nachgaben (-2,0 %). Besonders hoch waren die Preisanstiege gegenüber dem Vorjahr aber auch bei Verpackungsmitteln aus Holz (+92,5 %), Sekundärrohstoffen (+87,2 %) und Betonstahl in Stäben (+81,8 %). Metalle waren im Durchschnitt insgesamt 35,5 % teurer als ein Jahr zuvor. Die Preise für Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen waren 59,8 % höher, Nichteisenmetalle und deren Halbzeug kosteten 21,1 % mehr. Der starke Preisanstieg bei den Stahl- und Holzpreisen dürfte, wie schon in den vergangenen Monaten, insbesondere in der hohen Nachfrage im In- und Ausland sowie in Problemen in der Versorgung mit Rohstoffen begründet sein – bei den Stahlpreisen zusätzlich in den kräftigen Preissteigerungen für Eisenerzimporte in den letzten Monaten (+96,8 % von August 2020 bis August 2021). Ein ebenfalls starkes Plus gegenüber dem Vorjahresmonat wiesen die Preise für Kunststoffe in Primärformen (+22,2 %) sowie für Düngemittel und Stickstoffverbindungen auf (+21,1 %). Getreidemehl kostete 9,6 % mehr als im September 2020. Nur sehr wenige Vorleistungsgüter kosteten weniger als im Vorjahresmonat. Hierzu gehörten Holz in Form von Plättchen oder Schnitzeln (-14,7 %) sowie Edelmetalle und Halbzeug daraus (-7,2 %).

Die Preise für Gebrauchsgüter waren im September 2021 um 3,2 % höher als ein Jahr zuvor, insbesondere bedingt durch die Preisentwicklung für Möbel (+3,9 %). Investitionsgüter, wie beispielsweise Maschinen und Fahrzeuge, kosteten 2,8 % mehr. Besonders hoch war hier der Preisanstieg gegenüber September 2020 bei Stahl- und Leichtmetallbauerzeugnissen (+13,6 %), aber auch bei Metallbehältern, Heizkörpern und Heizkesseln (+10,1 %).

Preisanstieg bei Verbrauchsgütern vor allem durch gestiegene Preise für Öle und Fette

Die Preise für Verbrauchsgüter waren im September 2021 um 2,2 % höher als im September 2020, blieben jedoch gegenüber August 2021 unverändert. Nahrungsmittel waren 2,8 % teurer als im Vorjahr. Besonders stark stiegen die Preise für pflanzliche, nicht behandelte Öle (+43,8 %), Butter (+15,5 %) und Rindfleisch (+11,3 %). Backwaren kosteten 3,9 % mehr als ein Jahr zuvor. Dagegen war vor allem Schweinefleisch (-5,5 %) billiger als im September 2020. Allein gegenüber August 2021 sanken hier die Preise um 5,4 %. Verarbeitete Kartoffeln kosteten 2,2 % weniger als im Vorjahr.

Quelle: Statistisches Bundesamt

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KfW Kreditmarktausblick: Talfahrt am Unternehmenskreditmarkt hält an

Deutsche Unternehmen und Selbständige haben im zweiten Quartal erheblich weniger Kredite aufgenommen als im Vorjahr. Nach den Berechnungen von KfW Research schrumpfte das Kreditneugeschäft der Banken und Sparkassen mit den gewerblichen Kunden um 12,7 %. Einen höheren prozentualen Rückgang gab es zuletzt während der globalen Finanzkrise. Das Tempo der Talfahrt am Kreditmarkt hat sich damit gegenüber dem Jahresbeginn nahezu verdoppelt. Im gerade abgelaufenen dritten Quartal dürfte nun jedoch die Trendwende erfolgen: KfW Research erwartet, dass sich die Schrumpfungsrate des Kreditneugeschäfts auf -8 % abschwächt.

KfW, Pressemitteilung vom 18.10.2021

  • Rückgang ggü. Vorjahr um 12,7 % im 2. Quartal 2021
  • Einbruch weiterhin nachfragebedingt
  • KfW Research erwartet Trendwende im laufenden 3. Quartal

Deutsche Unternehmen und Selbstständige haben im zweiten Quartal erheblich weniger Kredite aufgenommen als im Vorjahr. Nach den Berechnungen von KfW Research schrumpfte das Kreditneugeschäft der Banken und Sparkassen mit den gewerblichen Kunden um 12,7 %. Einen höheren prozentualen Rückgang gab es zuletzt während der globalen Finanzkrise. Das Tempo der Talfahrt am Kreditmarkt hat sich damit gegenüber dem Jahresbeginn nahezu verdoppelt. Im gerade abgelaufenen dritten Quartal dürfte nun jedoch die Trendwende erfolgen: KfW Research erwartet, dass sich die Schrumpfungsrate des Kreditneugeschäfts auf -8 % abschwächt.

Wie bereits im Auftaktquartal 2021 drückt auch im zweiten ein negativer Basiseffekt die Wachstumsrate des Kreditneugeschäfts: Im ersten Halbjahr 2020 hatten viele Unternehmen auf Kredite zurückgriffen, um ihre Liquiditätsposition vorsorglich zu stärken oder pandemiebedingte Liquiditätslücken zu schließen. Dieser technische Effekt ist aber nicht allein ursächlich für die aktuelle Talfahrt am Kreditmarkt, wie der Blick auf dessen längerfristige Entwicklung zeigt. Die Ausleihungen der Unternehmen sind aktuell auf das durchschnittliche Niveau des Jahres 2018 gefallen.

Die treibende Kraft hinter der Schwäche bleibt die geringe Nachfrage der Unternehmen. Im zweiten Quartal ist der Anteil der Firmen in Kreditverhandlungen mit Banken in allen Größenklassen gemäß KfW-ifo-Kredithürde auf ein neues Tief gefallen. Gleichzeitig liegen die neu vergebenen Kredite im kurzfristigen Laufzeitsegment (bis zu einem Jahr) auf besonders niedrigem Niveau. Dies deutet darauf hin, dass die Unternehmen ihre zuvor pandemiebedingt aufgestockte „Vorsichtskasse“ mit Blick auf die wirtschaftliche Erholung nun zurückführen. Hinzu kommt, dass sich die Auszahlungen aus den staatlichen Zuschussprogrammen (Überbrückungshilfen u.a.) im zweiten Quartal auf rund 15 Mrd. Euro beschleunigten. Auch dies dämpft den Bedarf an zusätzlichen Finanzmitteln.

Trotz der Größenordnung des Einbruchs am Kreditmarkt gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass ein übermäßig restriktives Bankverhalten die (Mit-) Ursache sein könnte. Zwar haben die deutschen Finanzinstitute seit 2019 ihre Kreditvergabepolitik im Trend moderat gestrafft. Nun dürfte dieser Verschärfungszyklus jedoch auslaufen. Im zweiten Quartal zeigten die Banken ihren Unternehmenskunden gegenüber jedenfalls wieder mehr Entgegenkommen. Begünstigt wird die vorsichtige Entschärfung der Angebotsbedingungen von den anhaltend niedrigen Insolvenzzahlen.

„Vorbehaltlich aller Unwägbarkeiten, die die Pandemie mit sich bringt, erwarte ich, dass der Unternehmenskreditmarkt die Talsohle nun hinter sich lässt“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Neben dem Schwinden des negativen Basiseffekts in der zweiten Jahreshälfte ist auch die Erholung der Investitionsausgaben der Unternehmen ursächlich hierfür – auch wenn zum Vorkrisenniveau noch ein Stück, nämlich rd. 1,5 %, fehlen. Der Finanzierungsbedarf, der aus Unternehmensinvestitionen resultiert, wird sich über kurz oder lang in einem stärkeren Kreditneugeschäft niederschlagen.“ Auch die Banken selbst rechnen mehrheitlich mit einem Anziehen der Kreditnachfrage im dritten Quartal im Vergleich zum davorliegenden Dreimonatszeitraum. „Bis auch die Jahresrate des Kreditneugeschäfts in Plus dreht, wird es aber noch etwas länger dauern. Meiner Einschätzung nach dürfte dies Anfang 2022 der Fall sein.“

Quelle: KfW

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Randstad-ifo-Umfrage: Pandemie erschwert Suche nach Auszubildenden

Für deutsche Unternehmen wird es immer schwieriger, geeignete Auszubildende zu finden. Das geht aus der Randstad-ifo-Personalleiterbefragung hervor. Zum Ausbildungsbeginn im September 2021 berichten 63 Prozent über Probleme bei der Suche, nach 45 Prozent im vorherigen Jahr.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 15.10.2021

Für deutsche Unternehmen wird es immer schwieriger, geeignete Auszubildende zu finden. Das geht aus der Randstad-ifo-Personalleiterbefragung hervor. Zum Ausbildungsbeginn im September 2021 berichten 63 Prozent über Probleme bei der Suche, nach 45 Prozent im vorherigen Jahr. 14 Prozent der befragten Unternehmen konnten ihre Ausbildungsplätze zum September 2021 nicht besetzen, etwas mehr als im Jahr 2020. „Etwa die Hälfte der Industrie- und Handelsunternehmen begründen das mit unzureichenden Qualifikationen der Bewerber*innen“, sagt ifo-Forscherin Johanna Garnitz.

Nur 3 Prozent der großen Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten berichteten über unbesetzte Ausbildungsplätze. Dagegen meldeten 23 Prozent der kleineren Unternehmen bis 49 Beschäftigten von nicht besetzten Plätzen. „Insbesondere Dienstleister haben Probleme freie Ausbildungsplätze zu besetzen“, sagt Garnitz. Hier waren es 19 Prozent, in der Industrie 13 und im Handel 10.

Hinsichtlich der theoretischen und praktischen Leistungen ihrer Auszubildenden gingen die Befragten davon aus, dass sich die Corona-Pandemie etwas negativ auswirken wird (21 Prozent). 5 Prozent rechnen mit schlechteren Leistungen. 50 Prozent erwarten die gleichen Leistungen, 15 Prozent können die Entwicklung nicht einschätzen. Nur 8 Prozent erwarten leicht bessere Leistungen.

39 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sich das Wohlbefinden der Auszubildenden ihrem Empfinden nach nicht veränderte. 32 Prozent berichteten allerdings von einem schlechteren Wohlbefinden. „Gerade in der jetzigen Übergangsphase von der Corona-Situation zur neuen Normalität ist es für ausbildende Betriebe wichtig, ihre Nachwuchskräfte eng zu begleiten und sensibel für ihre Belange zu sein“, betont Richard Jager, CEO von Randstad Deutschland. „So stärken sie die Bindung und vermeiden Abbrüche.“ Die Hälfte der Ausbildungsbetriebe hat verschiedene Leistungen zur Unterstützung angeboten. Davon haben 57 Prozent in die technische Ausstattung investiert. Eine persönliche Sprechstunde haben 40 Prozent ihren Auszubildenden angeboten. Besonders die Dienstleister haben das persönliche Gespräch gesucht. Mentorenprogramme bzw. Coaching haben ein Viertel der hilfestellenden Betriebe eingeführt.

Quelle: ifo Institut

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Krise wird allmählich überwunden – Handeln an geringerem Wachstum ausrichten

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist nach wie vor von der Corona-Pandemie gekennzeichnet. Eine vollständige Normalisierung kontaktintensiver Aktivitäten ist kurzfristig nicht zu erwarten. Außerdem behindern Lieferengpässe vorerst das Verarbeitende Gewerbe. Im Verlauf des Jahres 2022 dürfte die deutsche Wirtschaft wieder die Normalauslastung erreichen. Gemäß Prognose der Institute steigt das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2021 um 2,4 % und wird im Jahr 2022 um 4,8 % zulegen.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 14.10.2021

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist nach wie vor von der Corona-Pandemie gekennzeichnet. Eine vollständige Normalisierung kontaktintensiver Aktivitäten ist kurzfristig nicht zu erwarten. Außerdem behindern Lieferengpässe vorerst das Verarbeitende Gewerbe. Im Verlauf des Jahres 2022 dürfte die deutsche Wirtschaft wieder die Normalauslastung erreichen. Gemäß Prognose der Institute steigt das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2021 um 2,4 % und wird im Jahr 2022 um 4,8 % zulegen.

Nachdem neue Infektionswellen die Erholung im Winterhalbjahr 2020/2021 verzögert hatten, steigt das Bruttoinlandsprodukt seit dem Abebben des Infektionsgeschehens im Frühjahr deutlich. Allerdings behindern im Verarbeitenden Gewerbe Lieferengpässe bei Vorprodukten die Produktion, sodass nur die konsumnahen Dienstleistungsbranchen zulegen.

Im Winterhalbjahr 2021/2022 dürfte die Erholung weiterhin gebremst werden. So ist davon auszugehen, dass in der kalten Jahreszeit die Aktivität im Dienstleistungsbereich auch bei geringem Infektionsgeschehen unter dem sonst üblichen Niveau bleiben wird. Zudem werden die Lieferengpässe die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe vorerst weiter belasten.

Im kommenden Jahr werden die Beeinträchtigungen durch Pandemie und Lieferengpässe nach Einschätzung der Institute allmählich überwunden, sodass die Normalauslastung wieder erreicht wird. „Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2021 um 2,4 % und im Jahr 2022 um 4,8 % zulegen“, sagt Oliver Holtemöller, Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

Die Institute rechnen mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 3 % im laufenden Jahr und um 2,5 % im Jahr 2022. Das Defizit der öffentlichen Haushalte dürfte von 4,9 % in Relation zum Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr auf 2,1 % im Folgejahr zurückgehen. Angesichts der kräftigen Zunahme des nominalen Bruttoinlandsprodukts wird die öffentliche Schuldenstandsquote wohl von 71 % im Jahr 2021 auf 67 % im Jahr 2022 abnehmen. Zwar dürften die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise mit der Rückkehr zur Normalauslastung allmählich überwunden werden. „Allerdings führen die Herausforderungen des Klimawandels und das demografisch bedingt absehbar niedrigere Wirtschaftswachstum zu geringeren Konsummöglichkeiten“, so Holtemöller.

Quelle: ifo Institut

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