Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Oktober 2021

Die deutsche Industrieproduktion ging im August deutlich zurück. Die nach wie vor bestehenden Engpässe bei Vorprodukten dürften die Industriekonjunktur dabei auch in den kommenden Monaten dämpfen. Die Dienstleistungsbereiche legen derweil lt. BMWi noch einmal leicht zu.

BMWi, Pressemitteilung vom 14.10.2021

  • Die nach wie vor bestehenden Lieferengpässen bei Vorprodukten und Rohstoffen führen zu Produktionsbeschränkungen in der deutschen Industrie. Der industrielle Ausstoß ging im August kräftig zurück und die Industriekonjunktur dürfte auch in den kommenden Monaten gedämpft verlaufen. Die Dienstleistungsbereiche setzen derweil ihre Erholung fort und das Geschäftsklima verbesserte sich hier wieder. Im weiteren Ausblick dürfte die wirtschaftliche Entwicklung im vierten Quartal seitwärts verlaufen.
  • Die Produktion in der Industrie ist im August gegenüber dem Vormonat um 4,7 % gesunken. Die gewichtigen Bereiche Automobilindustrie und Maschinenbau fuhren ihren Ausstoß kräftig zurück. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe gingen ebenfalls stark zurück, überstiegen aber nach wie vor ihr Niveau von vor der Krise und von Anfang dieses Jahres noch beachtlich. Der Ausblick für die Industriekonjunktur hat sich somit etwas eingetrübt, bleibt aber verhalten optimistisch.
  • Die Umsätze im Einzelhandel erhöhten sich im August wieder leicht und übertrafen ihr Vorkrisenniveau vom Februar 2020 spürbar.
  • Die Inflationsrate liegt mit 4,1 % auf einem hohen Niveau, sie nahm von August auf September saisonbereinigt nicht weiter zu. Schon seit Jahresbeginn ist die Inflationsrate aufgrund von Sonderfaktoren deutlich erhöht. Zu Beginn des Jahres 2022 dürfte sich die Inflationsrate nach Auslaufen der Sondereffekte jedoch wieder spürbar verringern.
  • Auf dem Arbeitsmarkt setzte sich die beachtliche Erholung der letzten Monate im Zuge einer starken Herbstbelebung weiter fort. Erneut hat sich die Arbeitslosigkeit im September saisonbereinigt spürbar reduziert und auch die Erwerbstätigkeit entwickelte sich im August saisonbereinigt abermals günstig. Die Kurzarbeit sank im Juli unter 1 Mio. Personen und dürfte im August weiter fallen.
  • Im ersten Halbjahr 2021 verzeichneten die deutschen Amtsgerichte 17,7 % weniger Anträge als im 1. Halbjahr 2020. Auch im Juli 2021 stagnierten die Unternehmensinsolvenzen in etwa auf Vormonatsniveau (1200, +0,3 %). Für September meldete das StBA einen Anstieg der beantragten Regelinsolvenzen von 8 % gegenüber dem Vormonat bzw. 25 % gegenüber dem Vorjahresmonat, in dem die Antragspflicht allerdings vollumfänglich ausgesetzt war. Ein deutlicher Anstieg in den kommenden Monaten ist nach allgemeiner Einschätzung aktuell nicht zu erwarten.

Lieferengpässe schlagen auf Industriekonjunktur durch – Dienstleistungen halten dagegen

Die deutsche Industrieproduktion ging im August deutlich zurück. Die nach wie vor bestehenden Engpässe bei Vorprodukten dürften die Industriekonjunktur dabei auch in den kommenden Monaten dämpfen. Die Dienstleistungsbereiche legen derweil noch einmal leicht zu. Im Produzierenden Gewerbe kam es im August zu einem breit angelegten und deutlichen Rückgang der Produktion. Insbesondere die Bereiche Kfz und Maschinenbau mussten kräftige Rückgänge ihres Ausstoßes hinnehmen. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe gingen zwar ebenfalls deutlich zurück, befinden sich aber nach wie vor auf sehr hohem Niveau. Sie spiegeln somit weiterhin eine grundsätzlich positive Nachfragesituation wider. Im deutschen Außenhandel kam es erstmals seit 15 Monaten zu einem Rückgang der deutschen Warenausfuhren. Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren verbesserte sich im September wieder und bleibt damit weiter überdurchschnittlich optimistisch. Gleichzeitig sind aber die globale Industrieproduktion und der Welthandel im Juli nur schwach ins dritte Quartal gestartet und stagnierten bzw. waren leicht rückläufig. Im Dienstleistungssektor kam es derweil zu einer Verbesserung des Geschäftsklimas, insbesondere die Erwartungen hellten sich angesichts der stabil verlaufenden Infektionszahlen auf. Auch die Umsätze im Einzelhandel stiegen im August leicht an und signalisieren eine robuste Konjunktur für die Dienstleistungen. Auf dem Arbeitsmarkt setzt sich die Erholung ungebremst fort, die Arbeitslosigkeit nahm erneut kräftig ab und auch die Kurzarbeit wurde weiter zurückgefahren. Laut Hochrechnung ist sie mittlerweile auf einem Niveau von unter 1 Mio. angelangt. Insgesamt dürfte es im laufenden dritten Quartal noch zu einem merklichen Anstieg der Wirtschaftsleistung gekommen sein. Für das vierte Quartal zeichnet sich hingegen eine Normalisierung des Wachstums ab. Neben dem weiteren pandemischen Verlauf stellen die derzeitigen Lieferengpässe das größte Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung dar.

Weltwirtschaft zunehmend gebremst

Nach einer schwachen Entwicklung im zweiten Quartal starteten die globale Industrieproduktion und der Warenhandel recht kraftlos in das zweite Halbjahr: Der weltweite Ausstoß stagnierte im Juli gegenüber dem Vormonat, während der Handel leicht rückläufig war ( 0,9 %). Dafür ist nicht nur der derzeitige Mangel an wichtigen Vorleistungsgütern wie Halbleitern verantwortlich. Die konjunkturelle Abschwächung ging vor allem von Entwicklungs- und Schwellenländern aus. Dort wird der Aufschwung durch einen geringeren Impffortschritt und Infektionsschutzmaßnahmen im Zuge der Verbreitung der Delta-Variante geschwächt. Im Zuge von Lockerungen hellten sich die Stimmungsindikatoren für den globalen Dienstleistungssektor am aktuellen Rand aber leicht auf. Der Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan/IHS Markit stieg im September um 0,6 Punkte auf 53,4 Punkte. Bei unveränderter Stimmung in der Industrie (54,1 Punkte) verhalf diese Verbesserung dem zusammengesetzten Index zu seiner ersten Erholung seit drei Monaten (+0,5 Punkte auf 53,0 Punkte). Damit rangiert er weiter oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Exporte rückläufig, Importe nehmen zu

Der Wert der Waren- und Dienstleistungsexporte ging im August gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 2,5 % zurück (Juli: +2,1 %). Im Zweimonatsvergleich ergab sich eine Zunahme um 0,9 %. Angesichts stärker steigender Ausfuhrpreise dürften sich die Exporte real allerdings verringert haben. Die Waren- und Dienstleistungsimporte stiegen im August im Vormonatsvergleich nominal und saisonbereinigt um 2,5 %. Im Juli hatte sich noch ein leichter Rückgang ergeben (-0,1 %). Im Zweimonatsvergleich stiegen die Importe um 1,9 %. Aufgrund stark steigender Einfuhrpreise dürften die Importe real jedoch zurückgegangen sein.

Auf nationaler Ebene zeichnen die Frühindikatoren zur Außenwirtschaft ein gemischtes Bild. Die Auftragseingänge aus dem Ausland brachen im August um 9,5 % gegenüber dem Vormonat ein. Diesem Minus ging allerdings ein von Großaufträgen geprägtes Plus voraus (+10,4 %). Im weniger volatilen Zweimonatsvergleich ergibt sich eine Steigerung der Auslandorders insgesamt um 5,7 %. Die ifo Exporterwartungen für das Verarbeitende Gewerbe erholten sich im September teilweise von dem deutlichen Dämpfer im Vormonat und fallen damit weiter überdurchschnittlich optimistisch aus. Etwa ein Viertel der Unternehmen rechnet mit einer Verbesserung in den nächsten drei Monaten (zuvor etwa ein Fünftel).

Trotz Produktionsdämpfer bleibt Ausblick für Industriekonjunktur angesichts hoher Nachfrage-Verhalten optimistisch

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich im August gegenüber dem Vormonat um 4,0 % verringert. Dabei nahm die Herstellung der Industrie um 4,7 % ab, im Baugewerbe kam es zu einem Minus von 3,1 %. Im Zweimonatsvergleich Juli/August gegenüber Mai/Juni ging die Produktion im Produzierenden Gewerbe um 1,1 % zurück. Während der Ausstoß in der Industrie um 1,3 % gesunken ist, blieb er im Baugewerbe unverändert.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe nahmen im August gegenüber dem Vormonat um 7,7 % ab. Im Zweimonatsvergleich Juli/August gegenüber Mai/Juni kam es indes zu einem Plus in Höhe von 3,1 %. Ohne Berücksichtigung von Großaufträgen gingen die Ordereingänge allerdings um 1,3 % zurück. Nach einem deutlichen Aufwärtstrend seit Beginn des Jahres haben sich die Bestellungen zuletzt kräftig verringert. Maßgeblich hierfür war eine schwache Auslandsnachfrage (-9,5 %), insbesondere aus dem Nicht-Euroraum (-15,2 %). Die inländische Nachfrage war jedoch ebenfalls rückläufig (-5,2 %). Im gewichtigen Bereich Kfz und Kfz-Teile betrug das Auftragsminus 12,0 %, während es sich im ebenfalls gewichtigen Maschinenbau mit -1,0 % in Grenzen hielt. Bei der jüngsten Nachfrageschwäche dürften Großaufträge im Vormonat eine Rolle gespielt haben sowie des Weiteren der Umstand, dass bei einigen Automobilherstellern die Betriebsferien dieses Jahr in den August gefallen sind. Trotz des schwachen Augusts lagen die Bestellungen im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt immer noch auf hohem Niveau und verzeichneten Zuwächse gegenüber dem Vorkrisenmonat Februar 2020 von rund 8 ½ % und gegenüber Januar 2021 von etwa 4 %.

Die Industrieproduktion nahm nach einem freundlichen Start ins dritte Quartal im August spürbar ab. Die Lieferengpässe bei Halbleitern und Vorprodukten sowie Rohstoffen erweisen sich als gravierender als bislang erwartet. Bei dem sehr kräftigen Rückgang in der Automobilindustrie (-17,5 %) hat auch der Umstand eine Rolle gespielt, dass bei einigen Herstellern die Betriebsferien dieses Jahr im August stattfanden. Die Stimmung in den Unternehmen trübte sich zuletzt zwar dreimal hintereinander ein, war aber im ersten Halbjahr fast durchweg angestiegen. Die Exporterwartungen der Industrie verbesserten sich hingegen wieder. Insgesamt hat sich der Ausblick für die Industriekonjunktur somit zuletzt etwas eingetrübt, bleibt aber angesichts der nach wie vor hohen Nachfrage verhalten optimistisch.

Einzelhandel legt wieder etwas zu

Im Einzelhandel ohne Kfz erhöhten sich die Umsätze im August leicht um 1,1 %, nachdem sie Juli um 4,5 % gesunken waren. Das Infektionsgeschehen hatte sich wieder beruhigt, so dass die Konsumenten und die Händler weniger verunsichert waren. Der Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung und Schuhen meldete für den August ein Umsatzplus von 3,9 % und lag damit wieder leicht über dem Vorkrisenniveau vom Februar 2020 (+0,6 %). Der Internet- und Versandhandel verzeichnete einen Umsatzzuwachs von 9,0 %, womit das Vorkrisenniveau deutlich übertroffen wurde (+29,8 %). Bei den Neuzulassungen von Pkw durch private Halter kam es im September den fünften Monat in Folge zu einem Aufwuchs (+1,3 %).

Die ifo Geschäftserwartungen im Einzelhandel fielen allerdings im September per saldo noch einmal etwas negativer aus, nachdem sie sich bereits im August deutlich verschlechtert hatten. Auch das GfK Konsumklima war im September spürbar gesunken, für Oktober wird jedoch wieder ein merklicher Anstieg erwartet. Die Konsumenten gehen wohl davon aus, dass die vierte Welle doch weniger intensiv ausgeprägt sein dürfte als bislang befürchtet.

Das Verbraucherpreisniveau blieb im September gegenüber dem Vormonat erneut stabil (±0,0 %). Die Inflationsrate, die Preisniveauentwicklung gegenüber dem Vorjahr, nahm im September um 0,2 Prozentpunkte auf 4,1 % zu. Das war der höchste Wert seit Dezember 1993. Maßgeblich für diesen leichten Anstieg im Vorjahresvergleich ist vor allem ein Basiseffekt. Im September 2020 war der Verbraucherpreisindex um 0,2 Prozentpunkte wegen niedrigerer Kraftstoffpreise zurückgegangen. Einen sprunghaften Anstieg um 1,5 Prozentpunkte verzeichnete die Inflationsrate indes erwartungsgemäß im Juli dieses Jahres. Ausschlaggebend für das erhöhte Niveau ab der Jahresmitte ist ein Basiseffekt aufgrund der temporären Senkung der Umsatzsteuersätze ein Jahr zuvor. Hierbei kommt es zu einem Vergleich der aktuellen Verbraucherpreise mit den „normalen“ Umsatzsteuersätzen mit denjenigen mit verminderten Umsatzsteuersätzen. Bereits zu Jahresbeginn hatten weitere Sonderfaktoren wie die Erholung der Import- und Rohstoffpreise sowie die Einführung der CO2-Bepreisung für einen deutlichen Anstieg der Inflationsrate gesorgt. Nach Auslaufen der Sondereffekte dürfte sich der Auftrieb zum Jahreswechsel wieder deutlich abschwächen. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) stieg im September ebenfalls leicht auf +2,9 % (August: +2,8 %). Energie und Nahrungsmittel verteuerten sich zuletzt binnen Jahresfrist beachtlich um 14,3 % bzw. 4,9 % (August: +12,6 % bzw. 4,6 %). Aktuell lassen die Entwicklungen an den Rohstoffmärkten aber eine mittelfristige Entspannung beim Ölpreis erwarten.

Starke Herbstbelebung am Arbeitsmarkt

Auf dem Arbeitsmarkt setzt sich die beachtliche Erholung im September fort und die Aussichten für die nächsten Monate sind weiterhin positiv. Aufgrund der Lockerungen in vielen Dienstleistungsbereichen verringerten sich Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung im September saisonbereinigt erneut um 30.000 bzw. 54.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen sank die Arbeitslosigkeit um 114.000 auf 2,47 Mio. Personen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren damit 393.000 Personen weniger arbeitslos gemeldet. Auch die Erwerbstätigkeit entwickelte sich abermals positiv. Sie erhöhte sich im August saisonbereinigt um 66.000 Personen. In Ursprungszahlen waren damit 45,1 Millionen Menschen erwerbstätig, 328.000 Personen mehr als im Vorjahresmonat. Im Juli erhöhte sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um 32.000 Personen gegenüber dem Vormonat. Die Kurzarbeit verringerte sich laut Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Juni auf 0,9 Millionen Personen. Die Zahl der Kurzarbeitenden dürfte im August erneut fallen. Die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt weiter an. Die Frühindikatoren von ifo und IAB entwickelten sich im September uneinheitlich. Während das ifo Beschäftigungsbarometer auf den höchsten Wert seit Oktober 2018 anstieg, ist das IAB-Arbeitsmarktbarometer von seinem Höchststand aus gesunken. Insgesamt sprechen die beiden Frühindikatoren aber ebenso wie der Bestand gemeldeter offener Stellen dafür, dass sich der Aufschwung am Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten fortsetzt.

Anstieg der Regelinsolenzen im September 2021 Für das Jahr 2021 insgesamt jedoch keine Insolvenzwelle zu erwarten

Im ersten Halbjahr 2021 verzeichneten die deutschen Amtsgerichte 17,7 % weniger beantragte Unternehmensinsolvenzen als im 1. Halbjahr 2020. Auch im Juli 2021 Stagnation auf Vormonatsniveau (+0,3). Auf Basis von Insolvenzbekanntmachungen meldete das Statistische Bundesamt für September einen Anstieg der Regelinsolvenzen von 6 % gegenüber dem Vormonat bzw. 25 % gegenüber dem Vorjahr, in dem die Antragspflicht allerdings noch vollumfänglich ausgesetzt war. Im weiteren Jahresverlauf ist ein leichter Anstieg der Unternehmensinsolvenzen nicht vollständig auszuschließen, allerdings dürfte dieser – wenn überhaupt – sehr moderat ausfallen. Einige Experten gehen in aktuellen Prognosen von einer Stagnation der Unternehmensinsolvenzen im Gesamtjahr 2021 aus (Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raffeisenbanken: -1 %; Euler Hermes: -5 % jeweils ggü. 2020).

Quelle: BMWi

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Homeoffice stärkt die Identifikation mit dem Unternehmen – wenn Arbeit und Privatleben sauber getrennt werden können

Wenn Beschäftigte die Möglichkeit haben, im Homeoffice zu arbeiten, identifizieren sie sich stärker mit ihrem Unternehmen. Das gilt besonders für diejenigen, die Arbeit und Freizeit gut auseinanderhalten können. Damit das gelingt, ist Fairness im Verhältnis zum Vorgesetzten wichtig. Umgekehrt sinkt die Bereitschaft, sich für den Arbeitgeber zu engagieren, wenn Beschäftigte die Erfahrung machen, dass die Grenze zwischen Beruflichem und Privatem im Homeoffice verschwimmt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung und der Universität Bielefeld.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 13.10.2021

Wenn Beschäftigte die Möglichkeit haben, im Homeoffice zu arbeiten, identifizieren sie sich stärker mit ihrem Unternehmen. Das gilt besonders für diejenigen, die Arbeit und Freizeit gut auseinanderhalten können. Damit das gelingt, ist Fairness im Verhältnis zum Vorgesetzten wichtig. Umgekehrt sinkt die Bereitschaft, sich für den Arbeitgeber zu engagieren, wenn Beschäftigte die Erfahrung machen, dass die Grenze zwischen Beruflichem und Privatem im Homeoffice verschwimmt. Das ist das Ergebnis einer Studie von Dr. Yvonne Lott, Forscherin am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, und Prof. Dr. Anja Abendroth von der Universität Bielefeld.

Arbeit im Homeoffice hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Und auch die Forschung beschäftigt sich verstärkt mit dem Thema, oft mit Blick darauf, welche Beschäftigten von zu Hause arbeiten und wie ihre Arbeitsbedingungen sind. Bislang noch kaum beachtet wurde, wie sich die Erfahrungen, die Beschäftigte mit Heimarbeit machen, auf das „Commitment“ von Beschäftigten auswirkt, also auf emotionale Bindung, Identifikation oder Engagement.

Um diese Lücke zu schließen, haben Lott und Abendroth Befragungsdaten aus dem Linked Personal Panel des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ausgewertet. Darin abgefragt werden unter anderem Einschätzungen zu Aussagen wie „Dieses Unternehmen hat einen bedeutenden persönlichen Wert für mich“ oder „Ich betrachte die Probleme des Unternehmens als meine eigenen“. Je nach Zustimmung oder Ablehnung lässt sich daraus das „Commitment“ gegenüber dem Arbeitgeber ableiten. Die Daten stammen aus der Befragungswelle von 2014/15. Eine Verzerrung durch Sondereffekte der Coronakrise, als ein großer Teil der Beschäftigten zeitweise von zu Hause arbeiten musste, ist damit ausgeschlossen. Die Ergebnisse sind repräsentativ für Unternehmen in Deutschland mit mehr als 50 Beschäftigten.

Knapp 16 Prozent aller Beschäftigten haben zum Zeitpunkt der Befragung zumindest zeitweise von zu Hause aus gearbeitet. Der Studie zufolge fiel ihre Identifikation mit dem Arbeitgeber im Schnitt höher aus als bei Beschäftigten, die keine Möglichkeit haben, im Homeoffice zu arbeiten. Allerdings gibt es unter den Beschäftigten im Homeoffice große Unterschiede: Etwa die Hälfte gibt an, dass sich ihre Work-Life-Balance durch Heimarbeit verbessert. Das wiederum kann sich positiv auf die Motivation auswirken – und auf die Identifikation mit dem Arbeitgeber. Die andere Hälfte der Beschäftigten im Homeoffice macht eine gegenteilige Erfahrung: Für sie verschwimmt die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit, etwa weil sie ständig erreichbar sein müssen oder weil sie das Gefühl haben, besonders viel und lange arbeiten zu müssen, um zu beweisen, dass sie im häuslichen Umfeld produktiv sind. Letztlich kann darunter die Identifikation mit dem Unternehmen leiden.

Ob die Beschäftigten positive oder negative Erfahrungen im Homeoffice machen, hängt Lott und Abendroth zufolge eng zusammen mit den Arbeitsbeziehungen im Unternehmen. Sind diese von Fairness geprägt, haben Beschäftigte seltener das Gefühl von Entgrenzung. Ein Mangel an Fairness bewirkt das Gegenteil.

Unternehmen müssten die Interessen der Beschäftigten in Bezug auf Homeoffice stärker berücksichtigen, so die Wissenschaftlerinnen. Außerdem müsse ein vertrauenswürdiges und faires Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern gefördert werden. Entscheidend sei, dass beide Seiten von der gewonnenen Flexibilität profitieren. Dies sei auch wichtig, um Arbeitskräfte zu halten. Denn: Sinkt die Identifikation mit dem Arbeitgeber, steigt das Risiko einer Kündigung. „Angesichts der zunehmenden Forderungen der Arbeitnehmer nach Vereinbarkeit, ist zu erwarten, dass mitarbeiterorientierte Flexibilität eine noch wichtigere Rolle spielen wird“, analysiert Lott.

Hilfreich für die nötige Balance sei es, wenn es im Betrieb einen Betriebs- oder Personalrat gibt, sagt die Forscherin. Das zeigen etwa WSI-Umfragedaten aus den ersten Phasen der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr: Befragte, die in mitbestimmten Unternehmen arbeiteten, berichteten deutlich häufiger von klaren Regeln fürs Homeoffice. Und Personen mit solchen Regelungen empfanden die Arbeit zu Hause seltener als belastend.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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Corona-Effekt: Deutscher Handel so digital wie nie

Werbung in sozialen Medien, Verkauf über Online-Plattformen, kontaktloses Bezahlen per Smartphone im Geschäft: Der Einzelhandel in Deutschland ist seit der Corona-Pandemie lt. Bitkom so digital wie nie. Zugleich schätzen sich viele Handelsunternehmen als Nachzügler ein, was ihre eigenen Digitalisierungsbemühungen betrifft.

Bitkom, Pressemitteilung vom 13.10.2021

  • Deutlich mehr Einzelhändler verkaufen ihre Waren im Netz
  • Für 9 von 10 Händlern hat Digitalisierung an Bedeutung gewonnen
  • Aber: Kaum ein Handelsunternehmen investiert dauerhaft in die Digitalisierung

Werbung in sozialen Medien, Verkauf über Online-Plattformen, kontaktloses Bezahlen per Smartphone im Geschäft: Der Einzelhandel in Deutschland ist seit der Corona-Pandemie so digital wie nie. Zugleich schätzen sich viele Handelsunternehmen als Nachzügler ein, was ihre eigenen Digitalisierungsbemühungen betrifft. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Befragung von mehr als 500 stationär oder online tätigen Groß- und Einzelhändlern in Deutschland, die im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt wurde.

Demnach besitzen zwei Drittel (68 Prozent) der Einzelhändler eigene Social-Media-Profile, um auf sich aufmerksam zu machen. Ein Drittel (34 Prozent) bezahlt für Anzeigen etwa in Form von gesponserten Posts. Insgesamt sind fast drei Viertel (72 Prozent) auf Facebook, Instagram und Co. aktiv – doppelt so viele wie vor zwei Jahren, als es 28 Prozent waren. Auch die Zusammenarbeit mit Influencerinnen und Influencern hat während der vergangenen beiden Jahre deutlich an Bedeutung gewonnen: 8 Prozent der Einzelhändler kooperieren mittlerweile mit ihnen, 2019 waren es noch weniger als ein Prozent. Eine eigene Website gehört ohnehin für fast alle Einzelhändler zum Standard (98 Prozent). „Die Corona-Pandemie war für einen großen Teil der Handelsunternehmen ein Weckruf. Viele haben die Digitalisierung in den vergangenen zwei Jahren vorangetrieben und sich online ein zweites Standbein aufgebaut“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Spätestens jetzt ist klar: Eine gute Online-Präsenz ist für Einzelhändler kein Nice-to-have – sie ist Pflichtprogramm.“

85 Prozent der Einzelhändler verkaufen im Netz

Aktuell verkaufen 85 Prozent der Einzelhändler ihre Waren komplett oder parallel zu einem stationären Geschäft im Internet. 2019 waren es mit 58 Prozent noch deutlich weniger. Insbesondere Plattformen spielen eine entscheidende Rolle: Von jenen Händlern, die online verkaufen, bieten drei Viertel (72 Prozent) ihre Produkte und Dienstleistungen auf Online-Marktplätzen bzw. Online-Verkaufsplattformen wie Ebay, Amazon oder Zalando an. Vor zwei Jahren waren es erst 46 Prozent. Einen unternehmenseigenen Webshop betreiben 92 Prozent, diese Zahl ist im Vergleich zu 2019 konstant geblieben. So gut wie jeder Einzelhändler, der ganz oder teilweise online verkauft, nimmt auch Bestellungen per E-Mail entgegen (99 Prozent). „Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten beim Online-Shopping längst nicht mehr nur, dass der technische Teil funktioniert – erwartet wird Professionalität auf in jeder Hinsicht hohem Niveau. Während der Corona-Krise sind die Ansprüche der Kundinnen und Kunden enorm gestiegen“, betont Berg. „Gleichzeitig bieten große Plattformen auch kleinsten Händlern mit wenig Aufwand Zugang zu besten E-Commerce-Lösungen.“

8 von 10 stationären Händlern bieten kontaktloses Bezahlen per Smartphone

Auch der stationäre Handel baut seine digitalen Services aus. An der Kasse bieten mittlerweile 8 von 10 Einzelhändlern (79 Prozent) die Möglichkeit an, bargeldlos via Smartphone oder Smartwatch zu bezahlen. Vor Corona waren es erst 44 Prozent. Auch insgesamt werden Kassensysteme digitaler und mobiler: Tablet- oder Smartphone-gestützte Kassensysteme waren bei 23 Prozent bereits vor Corona im Einsatz, fast genauso viele (20 Prozent) kamen seitdem hinzu. 27 Prozent der stationären Einzelhandelsunternehmen setzen Tablet-PCs und interaktive Bildschirme ein, um ihre Kundschaft zu informieren und zu beraten – 13 Prozent waren es vor Corona. W-Lan im Geschäft (88 Prozent) gehört mittlerweile für die meisten stationären Händler zum Standard (vor Corona: 77 Prozent). Und Loyalitäts- bzw. Bonusprogramme, mit denen man per Smartphone Treuepunkte sammeln kann, gibt es bei 56 Prozent der Einzelhändler (plus 4 Prozentpunkte gegenüber der Vor-Corona-Zeit).

Die Lieferoptionen wurden in der Pandemie ebenfalls deutlich ausgebaut. So bieten heute 77 Prozent „Click & Collect“ an, wobei Produkte online gekauft und im Laden abgeholt werden. 36 Prozent waren es vor der Pandemie. Auch „Dropshipping“, wenn die im Laden bestellte Ware direkt durch den Hersteller bzw. Großhändler an die Kundin oder den Kunden geliefert wird, gibt es bei jedem dritten Händler (33 Prozent) – das sind doppelt so viele wie noch vor Corona (16 Prozent).

Digitalisierung ist für den Handel entscheidender Erfolgsfaktor in der Pandemie

Ob Einzel- oder Großhandel: Fast alle der befragten Unternehmen (91 Prozent) sagen, dass durch die Corona-Pandemie Digitalisierung für ihr Unternehmen an Bedeutung gewonnen hat. Mehr noch: Der Einsatz digitaler Lösungen wird von den meisten als entscheidender Vorteil in der Pandemie gesehen. So sind 8 von 10 Händlern (79 Prozent) der Meinung, dass Handelsunternehmen, deren Geschäftsmodell bereits digitalisiert ist, besser durch die Corona-Pandemie kommen. Gleiches gilt für digitale Geschäftsprozesse, sagen 74 Prozent. 54 Prozent geben an, dass digitale Technologien ihnen helfen, die Pandemie zu bewältigen. Bei 45 Prozent sorgt die Pandemie für einen Innovationsschub. Dennoch sieht sich der Großteil der Händler (73 Prozent) eher als Nachzügler beim Thema Digitalisierung. Nur ein Viertel (26 Prozent) sieht sich eher als Vorreiter.

Berg: „Für große Handelsunternehmen wie für kleine Geschäfte gilt: Wer erfolgreich digitalisieren will, muss das Thema zur Chefsache machen – und im Kern des Unternehmens verankern.“ Viele Händler haben das bereits erkannt: 8 von 10 Unternehmen (79 Prozent) verfolgen eine Strategie zur Bewältigung des digitalen Wandels – etwas mehr als 2019, als es 70 Prozent waren. Weitere 12 Prozent planen die Einführung einer Digitalstrategie, nur jedes zwölfte Handelsunternehmen (7 Prozent) ist in Sachen Digitalisierung bislang nicht aktiv geworden und hat auch nichts geplant.

Corona verändert die Geschäftsmodelle der Handelsunternehmen

Über alle Größen und Handelsbereiche hinweg ist jedes zweite Unternehmen nach eigenen Angaben bislang gut durch die Corona-Krise gekommen (53 Prozent). Ein mit 45 Prozent etwas geringerer Anteil der Händler kann das nicht von sich behaupten und ist sehr schlecht oder eher schlecht durch die Coronazeit gekommen. 3 von 10 Händlern (29 Prozent) hatten sogar Sorge, Insolvenz anmelden zu müssen.

Zugleich gab es einen starken Einfluss auf die Geschäftsmodelle der Handelsunternehmen in Deutschland: So geben 8 von 10 Händlern (83 Prozent) an, infolge der Pandemie bestehende Produkte und Dienstleistungen anzupassen. Jeder Zweite (55 Prozent) bietet neue Produkte und Dienstleistungen an und fast ein Viertel (23 Prozent) nimmt bestimmte Produkte und Dienstleistungen vom Markt. Die Auswirkungen gehen aber auch noch einen Schritt weiter: So spricht ein Drittel (35 Prozent) von Veränderungen seines gesamten Geschäftsmodells.

Kaum anhaltende Investitionen in die Digitalisierung

Drei Viertel (75 Prozent) der Händler sehen Digitalisierung als Chance für ihr Unternehmen – nur 22 Prozent als Risiko. Und viele Unternehmen stellen Budget für Digitalvorhaben bereit. So haben 4 von 10 Händlern (41 Prozent) im Jahr 2020 in die Digitalisierung ihres Unternehmens investiert. Etwas weniger (35 Prozent) investieren in diesem Jahr – mit einem durchschnittlichen Anteil von 5 Prozent an den Gesamtinvestitionen. Die Hälfte (50 Prozent) plant, im Jahr 2022 oder später zu investieren. Die meisten (59 Prozent) haben bereits vor 2020 Geld für die Digitalisierung ihres Unternehmens aufgebracht. Nur 12 Prozent haben noch nicht investiert und planen dies auch nicht.

Allerdings sind nur die Wenigsten bereit, dauerhaft Geld in die Digitalisierung zu stecken; Lediglich 2 Prozent der Handelsunternehmen wollen Jahr für Jahr in die Digitalisierung investieren. „Digitalisierung hat einen Anfang, aber letztlich kein festes Ende – Digitalisierung ist ein dauerhafter Prozess. Der digitale Wandel verlangt entsprechend dauerhafte Investitionen“, erklärt Berg.

Der stationäre Handel hat eine Zukunft, muss sich aber verändern

Leerstehende Ladengeschäfte in Fußgängerzonen, finanzielle Belastungen in Folge der Corona-Pandemie, Konkurrenz aus dem Netz: Der stationäre Handel steht unter Druck. Allerdings ist seine Existenz grundsätzlich nicht bedroht, wie ein Großteil der Handelsunternehmen meint. Fast alle sind der Meinung, dass der stationäre Handel auch in Zukunft bestehen bleibt, nur 2 Prozent sagen, dass er keine Zukunft hat. „Innenstädte sind mehr als Orte des Konsums“, kommentiert Berg. „Sie sind ein Raum, in dem Menschen zusammenkommen und wo öffentliches Leben stattfindet und dazu gehört auch in Zukunft zwingend der Handel.“

Dem stimmen auch die meisten Händler zu: 7 von 10 der befragten Unternehmen (71 Prozent) sagen, dass sich der stationäre Handel in den Innenstädten neu erfinden muss. „Digitale Technologien können bei der Neu- und Wiederbelebung des niedergelassenen Einzelhandels helfen – und viele von ihnen sind inzwischen ausgereift und für wenig Geld am Markt verfügbar“, so Berg. „Es darf nicht darum gehen, Online-Handel und stationären Einzelhandel gegeneinander auszuspielen. Um krisenfest und langfristig erfolgreich zu sein, benötigen Händler zwei Standbeine: vor Ort und im Netz.“

Quelle: Bitkom

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Inflationsrate im September 2021 bei +4,1 %

Die Inflationsrate in Deutschland – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahresmonat – lag im September 2021 bei +4,1 %. In den beiden Vormonaten Juli und August 2021 hatte sie noch knapp unter 4 % gelegen. Eine höhere Inflationsrate gab es zuletzt im Dezember 1993 mit +4,3 %. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, blieben die Verbraucherpreise im Vergleich zum August 2021 jedoch unverändert.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 13.10.2021

Höchste Inflationsrate seit Dezember 1993

Verbraucherpreisindex, September 2021

  • +4,1 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
  • +0,0 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Harmonisierter Verbraucherpreisindex, September 2021

  • +4,1 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
  • +0,3 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Die Inflationsrate in Deutschland − gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – lag im September 2021 bei +4,1 %. In den beiden Vormonaten Juli und August 2021 hatte sie noch knapp unter 4 % gelegen. Eine höhere Inflationsrate gab es zuletzt im Dezember 1993 mit +4,3 %. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, blieben die Verbraucherpreise im Vergleich zum August 2021 jedoch unverändert.

Temporäre Sondereffekte wirken weiterhin erhöhend auf die Inflationsrate

Die hohe Inflationsrate hat verschiedene Gründe, darunter Basiseffekte durch niedrige Preise im Jahr 2020. Insbesondere die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze im zweiten Halbjahr 2020 und der Preisverfall der Mineralölprodukte im Vorjahr wirken sich erhöhend auf die Gesamtteuerung aus. Zusätzlich wirken krisenbedingte Effekte, wie die deutlichen Preisanstiege auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen, die sich bisher nur teilweise oder abge­schwächt im Verbraucherpreisindex niederschlagen.

Energie verteuerte sich binnen Jahresfrist kräftig um 14,3 %

Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich von September 2020 bis September 2021 überdurchschnittlich um 6,1 %. Vor allem die Preise für Energieprodukte lagen mit +14,3 % deutlich über der Gesamtteuerung. „Die Teuerungsrate hierfür hat sich den dritten Monat in Folge erhöht. Wesentlich dafür waren die Basiseffekte, da wir die aktuellen Preise mit den sehr niedrigen Preisen des Vorjahres vergleichen. Auch die zu Jahresbeginn eingeführte CO2-Abgabe wirkt insbesondere erhöhend auf die Teuerungsrate der Energieprodukte“, sagt Christoph-Martin Mai, Leiter des Referats „Verbraucherpreise“ im Statistischen Bundesamt. Merklich teurer wurden Heizöl (+76,5 %) und Kraftstoffe (+28,4 %). Auch die Preise für Erdgas (+5,7 %) und Strom (+2,0 %) erhöhten sich.

Nahrungsmittel verteuerten sich binnen Jahresfrist überdurchschnittlich um 4,9 %

Nicht nur die Preise für Energieprodukte, sondern auch die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich im September 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat überdurchschnittlich mit +4,9 %. Spürbar teurer gegenüber September 2020 wurden Gemüse (+9,2 %) sowie Molkereiprodukte und Eier (+5,5 %). Darüber hinaus verteuerten sich neben den Verbrauchsgütern auch Gebrauchsgüter wie Fahrzeuge (+6,4 %) oder Möbel und Leuchten (+4,4 %) deutlich.

Inflationsrate ohne Energie bei +3,1 %

Die Preiserhöhungen bei Energieprodukten und bei Nahrungsmitteln gegenüber dem Vorjahresmonat wirkten sich deutlich auf die Inflationsrate aus: Ohne Berücksichtigung der Energieprodukte hätte die Inflationsrate im September 2021 bei +3,1 % gelegen, ohne beide Güterbereiche bei +2,9 %.

Dienstleistungen verteuerten sich binnen Jahresfrist um 2,5 %

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt lagen im September 2021 um 2,5 % über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die aufgrund des großen Anteils an den Konsumausgaben der privaten Haushalte bedeutsamen Nettokaltmieten verteuerten sich um 1,4 %. Deutlicher erhöhten sich unter anderem die Preise für Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (+5,4 %), Leistungen sozialer Einrichtungen (+5,0 %) sowie für Gaststättendienstleistungen (+3,6 %).

Preise insgesamt gegenüber dem Vormonat stabil

Im Vergleich zum August 2021 blieb der Verbraucherpreisindex im September 2021 stabil. Auch die Preise für Nahrungsmittel insgesamt blieben unverändert. Die Preise für Energieprodukte insgesamt erhöhten sich um 0,7 % gegenüber dem Vormonat, darunter deutliche Preisanstiege beim Heizöl (+4,4 %). Auch die Preise für Bekleidung und Schuhe (+3,8 %) stiegen, vor allem durch die Umstellung auf die Herbst-/Winterkollektion. Hingegen sanken die Preise für Pauschalreisen (-9,2 %) zum Ende der Sommerferien saisonbedingt.

Quelle: Statistisches Bundesamt

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Konjunktur: Lage und Erwartungen fallen

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland gehen in der aktuellen Umfrage vom Oktober 2021 um 4,2 Punkte auf einen neuen Wert von 22,3 Punkten zurück. Dies ist lt. ZEW der fünfte Rückgang in Folge. Die Einschätzung der konjunkturellen Lage für Deutschland verschlechtert sich in der aktuellen Umfrage um 10,3 Punkte und liegt damit bei 21,6 Punkten.

ZEW, Pressemitteilung vom 12.10.2021

Der ZEW-Indikator liegt bei 22,3 Punkten

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland gehen in der aktuellen Umfrage vom Oktober 2021 um 4,2 Punkte auf einen neuen Wert von 22,3 Punkten zurück. Dies ist der fünfte Rückgang in Folge. Die Einschätzung der konjunkturellen Lage für Deutschland verschlechtert sich in der aktuellen Umfrage um 10,3 Punkte und liegt damit bei 21,6 Punkten. Dies ist der erste Rückgang seit dem kontinuierlichen Anstieg zwischen Februar und September 2021. Gegenüber dem Vormonat hat sich damit der Ausblick auf die wirtschaftliche Entwicklung der nächsten sechs Monate erkennbar verschlechtert.

„Der konjunkturelle Ausblick für die deutsche Wirtschaft hat sich spürbar eingetrübt. Der erneute Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen geht hauptsächlich auf die weiterhin bestehenden Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten zurück. Die Finanzmarktexpertinnen und -experten erwarten vor allem bei den exportorientierten Branchen wie z. B. Fahrzeugbau und Chemie/Pharma eine Verschlechterung der Ertragslage“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, PhD die aktuellen Erwartungen.

Die Erwartungen der Finanzmarktexpertinnen und Finanzmarktexperten an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone gehen im Oktober ebenfalls zum fünften Mal in Folge zurück. Sie liegen aktuell bei 21,0 Punkten. Dies entspricht einem Rückgang um 10,1 Punkte gegenüber dem Vormonat. Der neue Wert des Lageindikators beträgt 15,9 Punkte. Der Lageindikator ist damit um 6,6 Punkte gegenüber September gesunken.

Die Inflationserwartungen für das Eurogebiet gehen leicht zurück. Der Inflationsindikator liegt im September bei 17,1 Punkten, 3,0 Punkte niedriger als im Vormonat. 49,1 Prozent der Expertinnen und Experten rechnen allerdings noch mit einem weiteren Anstieg der Inflationsrate in den nächsten sechs Monaten.

Quelle: ZEW

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Einzelhandel klagt über Lieferprobleme

Im Einzelhandel kann gegenwärtig nicht jede Bestellung erfüllt werden. 74 Prozent der Einzelhändler klagten im September über entsprechende Probleme. Das geht aus einer Umfrage des ifo Instituts hervor.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 12.10.2021

Im Einzelhandel kann gegenwärtig nicht jede Bestellung erfüllt werden. 74 Prozent der Einzelhändler klagten im September über entsprechende Probleme. Das geht aus einer Umfrage des ifo Instituts hervor. „Die Beschaffungsprobleme aus der Industrie sind nun auch hier angekommen“, sagt der Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Manches Weihnachtsgeschenk wird vielleicht nicht lieferbar sein oder teuer werden.“

Im Fahrradeinzelhandel berichteten 100 Prozent aller befragten Unternehmen von Problemen bei ihren Bestellungen. „Gegenwärtig ist Sand im Getriebe der weltweiten Logistik. Zudem sind Frachtraten in der Schifffahrt deutlich erhöht worden“, sagt Wohlrabe. Bei den Baumärkten (99 Prozent) und Möbelhäusern zeigen sich die Nachwirkungen der Holzpreisrally im ersten Halbjahr. Durch die Knappheit bei Chips und Halbleitern führt bei Händlern mit elektronischen Produkten aller Art dazu, dass nicht jedes Produkt sofort verfügbar ist. Das melden 97 Prozent der Einzelhändler von Unterhaltungselektronik. Im Kfz-Handel (88 Prozent) zeigen sich die Lieferprobleme insbesondere bei Elektroautos.

Als Konsequenz nehmen jetzt auch die Einzelhändler Preiserhöhungen ins Visier. „Die Industrie hat Preiserhöhungen angekündigt und diese kommt jetzt zwangsläufig im Einzelhandel an“, sagt Wohlrabe.

Quelle: ifo Institut

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Juli 2021: 12,3 % weniger Unternehmensinsolvenzen als im Juli 2020

Im Juli 2021 haben die deutschen Amtsgerichte 1.200 beantragte Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 12,3 % weniger als im Juli 2020.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 12.10.2021

  • Zahl der beantragten Regelinsolvenzverfahren im September 2021 laut vorläufigen Angaben 6,0 % höher als im Vormonat
  • Verbraucherinsolvenzen steigen im Juli 2021 um mehr als die Hälfte gegenüber Vorjahresmonat

Im Juli 2021 haben die deutschen Amtsgerichte 1.200 beantragte Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 12,3 % weniger als im Juli 2020. Der rückläufige Trend bei der Zahl der Unternehmensinsolvenzen der vergangenen Monate setzte sich somit auch nach Auslaufen vieler Sonderregelungen, wie der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen infolge der Corona-Pandemie, fort. Gegenüber Juli 2019, also vor Beginn der Ausbreitung der Corona-Pandemie in Deutschland, ging die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Juli 2021 um 27,0 % zurück.

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus beantragten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte im Juli 2021 auf rund 4,6 Milliarden Euro. Im Juli 2020 hatten sie noch bei etwa 3,9 Milliarden Euro gelegen. Dieser Anstieg bei gleichzeitigem Rückgang der Unternehmensinsolvenzen ist darauf zurückzuführen, dass im Juli 2021 mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten als im Juli 2020.

Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es im Juli 2021 im Baugewerbe mit 222 Fällen (Juli 2020:204; +8,8 %). Im Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) waren es 189 Verfahren (Juli 2020: 228; -17,1 %). Im Bereich der freiberuflichen, wissenschaftlichen- und technischen Dienstleistungen (zum Beispiel Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung, Architektur- und Ingenieursbüros, Forschung und Entwicklung, Werbung und Marktforschung, Fotolabors sowie Veterinärwesen) wurden 131 Insolvenzen gemeldet (Juli 2020: 182, -28,0 %).

Sonderregelungen in den Jahren 2020 und 2021

Beim zeitlichen Vergleich der Insolvenzzahlen ist zu beachten, dass das Insolvenzgeschehen in den Jahren 2020 und 2021 von Sonderregelungen geprägt war. Von Anfang März 2020 bis Ende 2020 war die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen infolge der Corona-Pandemie ausgesetzt. Diese Regelung galt bis Ende April 2021 weiterhin für Unternehmen, bei denen die Auszahlung der seit 1. November 2020 vorgesehenen staatlichen Hilfeleistungen noch ausstand. Für diese Unternehmen wurde die Pflicht zur Beantragung eines Insolvenzverfahrens erst zum 1. Mai 2021 wieder vollumfänglich eingesetzt. In den Zahlen für Juli 2021 ist, unter anderem aufgrund der Bearbeitungszeit bei den Gerichten, weiterhin keine Trendumkehr bei der Zahl der Unternehmensinsolvenzen zu beobachten.

Beruht der Eintritt einer Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung auf den Auswirkungen der Starkregenfälle oder des Hochwassers im Juli 2021, ist die Insolvenzantragspflicht noch bis maximal zum 31. Januar 2022 ausgesetzt.

6,0 % mehr beantragte Regelinsolvenzverfahren im September 2021 gegenüber Vormonat

Hinweise auf die künftige Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen gibt die Zahl der beantragten Regelinsolvenzverfahren. Im September 2021 stieg diese Zahl laut vorläufigen Angaben um 6,0 % gegenüber August 2021. Im Vergleich zu September 2020 lag die Zahl um 25,0 % höher, als die Antragspflicht vollumfänglich ausgesetzt gewesen und es zu einem deutlichen Rückgang im Vergleich zu September 2019 (-31,0 %) gekommen war.

78,0 % mehr Verbraucherinsolvenzen im Juli 2021 als im Juli 2020

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist im Juli 2021 im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich gestiegen. 7.164 Verbraucherinnen und Verbraucher stellten einen Insolvenzantrag, das war ein Anstieg um mehr als die Hälfte (+78,0 % gegenüber Juli 2020). Der starke Anstieg steht im Zusammenhang mit einem Gesetz zur schrittweisen Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre. Die Neuregelung gilt für ab dem 1. Oktober 2020 beantragte Verbraucherinsolvenzverfahren. Sie ermöglicht den Betroffenen einen schnelleren wirtschaftlichen Neuanfang im Anschluss an ein Insolvenzverfahren. Daher ist davon auszugehen, dass viele überschuldete Privatpersonen ihren Insolvenzantrag zunächst zurückhielten, um von der Neuregelung zu profitieren.

Quelle: Statistisches Bundesamt

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Jeder zweite Mittelständler derzeit von Lieferengpässen betroffen

Das Wirtschaftswachstum dürfte in diesem Jahr niedriger ausfallen als noch vor einigen Monaten erwartet. Ein wesentlicher Grund für die schwächeren Wachstumsaussichten in diesem Jahr sind lt. KfW Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten, die weite Teile der Wirtschaft erfasst haben – auch den deutschen Mittelstand. Gegenwärtig kämpft knapp jedes zweite (48 %) der rund 3,8 Mio. kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland mit den Folgen von Lieferproblemen.

KfW, Pressemitteilung vom 11.10.2021

  • Repräsentative Ergebnisse einer Befragung kleiner und mittlerer Unternehmen im September
  • Größte Probleme im Verarbeitenden Gewerbe und in der Bauindustrie

Höherer Beschaffungsaufwand, Produktionsstörungen sowie Preisanpassungen häufigste Folgen
Das Wirtschaftswachstum dürfte in diesem Jahr niedriger ausfallen als noch vor einigen Monaten erwartet. Ein wesentlicher Grund für die schwächeren Wachstumsaussichten in diesem Jahr sind Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten, die weite Teile der Wirtschaft erfasst haben – auch den deutschen Mittelstand. Gegenwärtig kämpft knapp jedes zweite (48 %) der rund 3,8 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland mit den Folgen von Lieferproblemen, wie eine im September durchgeführte Sonderbefragung von KfW Research im Rahmen des KfW Mittelstandspanels zeigt.

Besonders stark betroffen ist das mittelständische Verarbeitende Gewerbe – vier von fünf Unternehmen (78 %) beklagen hier Lieferengpässe. Nicht weniger heftig sind die Auswirkungen auf das Baugewerbe, wo sich 78 % der Unternehmen mit Materialknappheit auseinandersetzen müssen. Im Groß- und Einzelhandel ist der Anteil der betroffenen Mittelständler mit 63 % etwas geringer. Und selbst im Dienstleistungssektor, der grundsätzlich weniger stark von Vorleistungen abhängt, sehen sich immer noch rund vier von zehn kleinen und mittleren Unternehmen mit Lieferengpässen konfrontiert.

Dass der Mittelstand in der Breite betroffen ist, liegt nicht zuletzt daran, dass derzeit eine Vielzahl von Materialien und Vorprodukten nicht in der nachgefragten Menge zur Verfügung steht. Schwierigkeiten gibt es nicht nur bei Mikroprozessoren, auch einfache Steuerungselemente fehlen, genauso wie Stahl, Aluminium, Kupfer und andere Metalle, Kunststoffe und Verpackungsmaterialien oder auch Holz für die Bau- und Möbelindustrie. Ein wesentlicher Grund ist, dass viele Unternehmen in der Corona-Krise ihre Kapazitäten zurückgefahren haben und nun auf die wieder anspringende Nachfrage nur langsam reagieren können. Andere Ursachen wie Störungen im internationalen Frachtverkehr, die weiter anhaltenden Handelskonflikte oder einzelne Ereignisse wie die Waldbrände in Kalifornien spielen ebenfalls eine Rolle.

Die Lieferengpässe wirken sich unterschiedlich auf den Mittelstand aus.

  • Am häufigsten verzeichnen kleine und mittlere Unternehmen einen erhöhten Arbeitsaufwand in der Beschaffung (29 %).
  • Zu Beeinträchtigungen in der Produktion oder Dienstleistungserstellung wegen fehlender Rohstoffe oder Vorprodukte kommt es bei etwa jedem vierten Mittelständler (28 %). Das Verarbeitende Gewerbe leidet hierunter am stärksten (56 %).
  • Ebenfalls jedes vierte Unternehmen (26 %) sieht sich gezwungen, infolge gestiegener Preise für Rohstoffe und Vorprodukte die Preise für seine eigenen Produkte oder Dienstleistungen anzupassen. Am häufigsten kommt es zu Preiserhöhungen in der Baubranche (61 %).
  • Etwa 25 % aller Mittelständler sind gegenwärtig aufgrund der Engpässe im Lieferverzug gegenüber ihren Kunden. Jeder zehnte Mittelständler muss Aufträge sogar ablehnen, weil das benötigte Material fehlt. Insbesondere in der Bauindustrie, die Handwerksbetriebe vom Fensterbauer bis zu Dachdecker umfasst, ist dies ein Problem (21 %).
  • Zu Beschäftigungseinschnitten führen die Lieferengpässe bislang in erster Linie im Verarbeitenden Gewerbe. Hier hat nahezu jedes zehnte Unternehmen seine Beschäftigung zumindest temporär durch den Abbau von Überstunden, Urlaub oder auch das Instrument der Kurzarbeit reduziert.

Eine schnelle Auflösung der Lieferengpässe erwartet der Mittelstand nicht. Nur 5 % der betroffenen kleinen und mittleren Unternehmen gehen von einer Entspannung bis zum Jahresende 2021 aus. Der Großteil rechnet damit, dass die Schwierigkeiten noch ein halbes bis ganzes Jahr andauern. Fast jedes fünfte Unternehmen ist sogar überzeugt, dass sich die Situation frühestens in einem Jahr normalisiert haben wird.

„Die Lieferengpässe legen den kleinen und mittleren Unternehmen enorme Steine auf ihren Weg aus der Corona-Krise“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Am stärksten belasten sie das Verarbeitende Gewerbe und die Bauindustrie, aber auch der Handel und Dienstleister leiden. Das nimmt der gerade wieder angesprungenen Konjunktur ihren Schwung.“ Das Wirtschaftswachstum dürfe in den nächsten Monaten abflachen, werde aber weiterhin positiv ausfallen. „Bis sich die Lieferengpässe auflösen, dürfte es dauern. Ich gehe aber davon aus, dass sich die Materialknappheit im Laufe der kommenden Monate zumindest etwas entschärft. Nachholeffekte können dann im kommenden Jahr einen Impuls für einen neuen Wachstumsschub geben“, so Köhler-Geib.

Quelle: KfW

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Mit Forschung und Innovationen die Zukunft sichern

Bei den Forschungs- und Entwicklungsausgaben liegt Deutschland im internationalen Vergleich im oberen Drittel; die Rahmenbedingungen für Innovationen verschlechtern sich aus Sicht der Unternehmen aber tendenziell. Helfen könnten lt. DIHK vor allem ein deutlicher Bürokratieabbau, die stärkere Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft, eine Verstetigung der Forschungsförderung und der vermehrte Einsatz von Reallaboren.

DIHK, Mitteilung vom 07.10.2021

Mehr als 53 Millionen Geimpfte in Deutschland konnten in diesem Jahr die Bedeutung von Forschung und Innovation am eigenen Leib erfahren. Ohne die rasante Entwicklung der COVID-Impfstoffe wäre vermutlich noch heute ein fast wieder normales Leben mit der Pandemie nicht in Sicht – und ein wirtschaftlicher Erholungsprozess kaum möglich.

Bereits in den Wahlprogrammen der Parteien haben Forschung und Entwicklung eine wichtige Rolle gespielt – das dürfte auch im Koalitionsvertrag seinen Niederschlag finden.

Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben machen hierzulande zuletzt knapp 3,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus: Damit bewegt sich Deutschland international im oberen Drittel, jedoch hinter Ländern wie Israel und Südkorea. Im IHK-Unternehmensbarometer zur Bundestagswahl 2021 verschlechtert sich die Sicht der Unternehmen auf das Zukunftsfeld „Innovation und Forschung“ – zum dritten Mal in Folge. Mit einer Bewertung von 2,9 auf einer Skala von 1 bis 6 gibt es für den Standort Deutschland zwar eine befriedigende Einschätzung, aber seit einigen Jahren mit Tendenz nach unten.

Zu viel Bürokratie als Hemmschuh für Innovationen

Bürokratische Hürden rund um den Innovationsprozess sind ein zentrales Hemmnis für die Unternehmen – das zeigt der aktuelle DIHK-Innovationsreport 2020. Dazu zählt, neben komplexen Genehmigungsverfahren, kleinteiligen Produktvorschriften und zunehmenden regulatorischen Anforderungen, die Papierflut bei der Beantragung von Förderprogrammen.

In der Corona-Krise gab es zuletzt bei einigen Programmen Raum für schlankere Verfahren und mehr Flexibilität: Benötigte Dokumente konnten etwa in elektronischer Form statt in Papierform übermittelt werden. Unternehmen und Partner durften Projekte bereits auf eigenes Risiko nach der Eingangsbestätigung des Förderantrags starten, anstatt mehrere Monate lang auf den Förderbescheid warten zu müssen. Zudem wurden Fördermittel in kürzeren Zeitabständen ausgezahlt.

Diese Flexibilität sollte künftig Standard sein – und auf weitere Förderprogramme ausgeweitet werden. Insgesamt würde es der Wirtschaft helfen, wenn weitere Entschlackungen im Sinne eines „so viel wie nötig“ im Innovationsprozess ermöglicht würden. Das reicht von A wie Ausschreibungen bis Z wie Zulassungsverfahren.

Mehr Ideen in die Praxis umsetzen …

Kluge Köpfe sind das A und O, um Innovationen zu entwickeln – und Vorreiter bei Spitzentechnologien „made in Germany“ zu werden. Dafür ist die stärkere Vernetzung von Fachkräften aus der Wirtschaft untereinander und mit der Wissenschaft unumgänglich. Mehr Transfer aus der Forschung in die unternehmerische Praxis sollte auch in der neuen Legislaturperiode ein prioritäres Ziel sein – und zwar mit ausreichender finanzieller Unterstützung. Bewährte Förderinstrumente wie zum Beispiel das „Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand“ (ZIM), „INNO-KOM“ oder „KMU-innovativ“, aber auch die steuerliche Forschungsförderung sollte die Politik verstetigen.

… auch mit Hilfe von Reallaboren

Reallabore oder Experimentierräume sind eine niederschwellige Möglichkeit für Unternehmen, Forschungsinstitute, Kommunen oder Verbände, neue Technologien oder Produkte innerhalb eines einfacheren Regulierungsrahmens voranzutreiben und in einer realen Umgebung zu erproben. Dazu zählen zum Beispiel realitätsnahe Tests bei autonomen Fahrzeugen, Drohnen oder auch telemedizinischen Anwendungen. Unter dem Strich entstehen neue, womöglich sogar disruptive Innovationen und innovationsfreundlichere Gesetze.

Damit solche Testräume für Innovation und Regulierung flächendeckend und technologieoffen zum Einsatz kommen können, sollten ihnen auch künftig besonderes Augenmerk geschenkt werden. Ideen wie die Einrichtung eines One-Stop-Shops für Reallabore als zentraler Ansprechpartner oder ein verbindlicher Experimentierklausel-Check in der Gesetzgebung weisen in die richtige Richtung.

Quelle: DIHK

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Exporte im August 2021: -1,2 % zum Juli 2021

Im August 2021 sind die Exporte in Deutschland gegenüber Juli 2021 kalender- und saisonbereinigt um 1,2 % gesunken und die Importe um 3,5 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, lagen die Exporte kalender- und saisonbereinigt 0,5 % und die Importe 9,9 % höher als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 08.10.2021

Exporte liegen 0,5 % über dem Vorkrisenniveau von Februar 2020

Exporte, August 2021

  • 104,4 Milliarden Euro
  • -1,2 % zum Vormonat (kalender- und saisonbereinigt)
  • +14,4 % zum Vorjahresmonat

Importe, August 2021

  • 93,8 Milliarden Euro
  • +3,5 % zum Vormonat (kalender- und saisonbereinigt)
  • +18,1 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, August 2021

  • 10,7 Milliarden Euro
  • 13,0 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Leistungsbilanz nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank, August 2021

  • 11,8 Milliarden Euro

Im August 2021 sind die Exporte in Deutschland gegenüber Juli 2021 kalender- und saisonbereinigt um 1,2 % gesunken und die Importe um 3,5 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, lagen die Exporte kalender- und saisonbereinigt 0,5 % und die Importe 9,9 % höher als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland.

Im August 2021 wurden Waren im Wert von 104,4 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 93,8 Milliarden Euro importiert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat August 2020 stiegen die Exporte im August 2021 damit um 14,4 % sowie die Importe um 18,1 %.

Die Außenhandelsbilanz schloss im August 2021 mit einem Überschuss von 10,7 Milliarden Euro ab. Im August 2020 hatte der Saldo der Außenhandelsbilanz 11,9 Milliarden Euro betragen. Kalender- und saisonbereinigt lag der Überschuss der Außenhandelsbilanz im August 2021 bei 13,0 Milliarden Euro.

Die Leistungsbilanz schloss unter Berücksichtigung der Salden für Warenhandel (+11,0 Milliarden Euro), Dienstleistungen (-4,8 Milliarden Euro), Primäreinkommen (+10,3 Milliarden Euro) und Sekundäreinkommen (-4,8 Milliarden Euro) im August 2021 mit einem Überschuss von 11,8 Milliarden Euro ab. Im August 2020 hatte die Leistungsbilanz einen Aktivsaldo von 16,7 Milliarden Euro ausgewiesen.

Außenhandel mit EU-Staaten

In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) wurden im August 2021 Waren im Wert von 55,7 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 47,0 Milliarden Euro von dort importiert. Gegenüber August 2020 stiegen die Exporte in die EU-Staaten um 15,7 % und die Importe aus diesen Staaten um 11,2 %. In die Staaten der Eurozone wurden im August 2021 Waren im Wert von 37,8 Milliarden Euro (+16,9 %) exportiert und Waren im Wert von 32,4 Milliarden Euro (+13,5 %) aus diesen Staaten importiert. In die EU-Staaten, die nicht der Eurozone angehören, wurden im August 2021 Waren im Wert von 17,9 Milliarden Euro (+13,2 %) exportiert und Waren im Wert von 14,6 Milliarden Euro (+6,3 %) von dort importiert.

Außenhandel mit Nicht-EU-Staaten

In die Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittstaaten) wurden im August 2021 Waren im Wert von 48,8 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 46,8 Milliarden Euro aus diesen Staaten importiert. Gegenüber August 2020 nahmen die Exporte in die Drittstaaten um 13,1 % und die Importe von dort um 25,9 % zu.

Außenhandel mit dem Vereinigten Königreich

Die Exporte in das Vereinigte Königreich sanken im August 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat um 15,1 % auf 4,8 Milliarden Euro. Die deutschen Importe aus dem Vereinigten Königreich nahmen im gleichen Zeitraum um 7,9 % auf 2,3 Milliarden Euro ab.

Am 1. Januar 2021 trat der zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ausgehandelte Partnerschaftsvertrag vorläufig in Kraft. Mit dem Austritt aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion ist der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU endgültig vollzogen. Weitere Informationen zum Brexit sowie eine Auswahl statistischer Indikatoren, bei denen von einem Einfluss des Brexits auszugehen ist, bietet der „Brexit-Monitor“ des Statistischen Bundesamtes.

Außenhandel mit weiteren ausgewählten Staaten

Im August 2021 stiegen die Exporte in die Volksrepublik China gegenüber August 2020 um 4,4 % auf 7,6 Milliarden Euro. Die Exporte in die Vereinigten Staaten nahmen um 22,4 % auf 9,4 Milliarden Euro zu.

Die meisten Importe kamen im August 2021 aus der Volksrepublik China nach Deutschland. Von dort wurden Waren im Wert von 11,4 Milliarden Euro eingeführt

(+20,4 % zum Vorjahresmonat). Die Importe aus den Vereinigten Staaten stiegen im August 2021 um 12,3 % auf einen Wert von 6,3 Milliarden Euro.

Quelle: Statistisches Bundesamt

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