Europäische kleine und mittelständische Unternehmen nutzen die Chancen, die ihnen außereuropäische Märkte bieten, noch nicht in vollem Umfang. Dies geht aus einer von der EU-Kommission vorgelegten Studie zu Internationalisierungsstrategien von KMU hervor. Der DIHK berichtet.
DIHK, Mitteilung vom 18.10.2011
Europäische kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) nutzen die Chancen, die ihnen außereuropäische Märkte bieten, noch nicht in vollem Umfang. Dies geht aus einer von der Europäischen Kommission vorgelegten Studie zu Internationalisierungsstrategien von KMU hervor. Von den 21 Millionen KMU in der EU unterhalten demnach nur ca. 15 % Geschäftsbeziehungen mit außereuropäischen Staaten. Die Studie untersucht im speziellen sieben aufstrebende Märkte: Brasilien, Russland, Indien, China (die so genannten BRIC-Staaten), Japan, Südkorea und die Ukraine. Heute sei die Zahl der europäischen KMU, die in diesen Märkten aktiv sind, noch niedrig (Russland ca. 13 %, China ca. 10 %). Die größten Hürden für die Internationalisierung von KMU stellen laut Studie Zahlungsausfallrisiken, zu hoher bürokratischer Aufwand, mangelnde Finanzierung, aber auch fehlende Marktinformationen, Unklarheiten bezüglich Gesetze und Regelungen und unbekannte technische Standards dar.
Die Mitgliedstaaten und die EU haben insgesamt über 300 Maßnahmen und Programme zur Internationalisierungsförderung, von denen 100 speziell die sieben Zielmärkte ansprechen. Davon wurden zehn Programme und deren Erfolge ausgewertet: 42 % der KMU die von diesen Programmen profitierten, haben mehr internationale Geschäfte durchgeführt, 25 % haben dank dieser Maßnahmen eine Internationalisierung in Angriff genommen und weitere 25 % haben früher als geplant damit begonnen. 23 % der befragten KMU haben jedoch keine unmittelbaren Erfolge aufgrund der Maßnahmen festgestellt.
Die Europäische Kommission sieht in dieser Studie eine Grundlage für ihre neue EU-Internationalisierungsstrategie für KMU. Darüber hat sie bereits eine öffentliche Konsultation durchgeführt, an der der DIHK sich beteiligt hat. Die entsprechende Mitteilung wird für Ende Oktober erwartet. Unter anderem soll es bei der Strategie um die Einrichtung von EU-KMU-Centres, wie sie bereits in China, Thailand und Indien existieren, gehen. Aus DIHK-Sicht ist dabei jedoch unbedingt zu berücksichtigen, dass keine Parallelstrukturen zu den bestehenden bewährten nationalen Strukturen vor Ort geschaffen werden, wie z. B. den bilateralen Deutschen Auslandshandelskammern. Außerdem sollte gerade angesichts der hohen Anzahl an Maßnahmen der Mitgliedstaaten darauf geachtet werden, dass die Initiative der Kommission nur eine Ergänzung darstellt und das Engagement der Mitgliedstaaten nicht verdrängt. Schließlich muss eine Evaluierung der drei gegründeten KMU-Centres durchgeführt werden, um Lehren aus den Ergebnissen zu ziehen.
Quelle: DIHK
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