Deutsche Wirtschaft nach Dämpfer weiter auf Wachstumskurs

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte laut DIW-Prognose nach schwachem Frühjahr um 1,5 Prozent in diesem und 1,8 Prozent im kommenden Jahr steigen. Die Wirtschaft im Euroraum komme jedoch kaum in Fahrt. Auch bestünden Risiken durch den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine.

 

DIW Berlin, Pressemitteilung vom 17.09.2014

 

 
Das Bruttoinlandsprodukt dürfte laut DIW-Prognose nach schwachem Frühjahr um 1,5 Prozent in diesem und 1,8 Prozent im kommenden Jahr steigen – Wirtschaft im Euroraum kommt nicht in Fahrt – Risiken durch Konflikt zwischen Russland und der Ukraine

 

Die deutsche Wirtschaft setzt ihren moderaten Aufschwung nach einer vorübergehenden Eintrübung fort. In diesem Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt wohl um 1,5 Prozent steigen, im kommenden Jahr dürfte das Wachstum bei 1,8 Prozent liegen. Das geht aus den Herbstgrundlinien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor.

 

Ein wichtiges Fundament der deutschen Konjunktur ist die Konsumnachfrage, die sich auf eine anhaltend gute Arbeitsmarktlage und kräftige Lohnsteigerungen stützen kann. Auch die Realeinkommen steigen merklich. Die deutsche Wirtschaft dürfte zunächst aber nur wenig Fahrt aufnehmen, weil sich die Weltkonjunktur verhalten entwickelt und die Konjunktur im Euroraum auf der Stelle tritt. Hinzu kommt die Unsicherheit aufgrund der Ukrainekrise, die den Außenhandel und die Investitionen dämpft. Wenn sich die hohe Unsicherheit infolge der geopolitischen Krisen ab der Jahreswende auflöst, dürften die Unternehmen im weiteren Prognosezeitraum wieder mehr investieren. Die Lage der öffentlichen Haushalte bleibt derweil gut. Sowohl 2014 als auch 2015 wird der Überschuss bei 0,3 Prozent in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt liegen, trotz deutlich steigender Ausgaben.

 

Erholung der Wirtschaft im Euroraum ist zum Stillstand gekommen
Die Weltwirtschaft hat sich in der ersten Jahreshälfte 2014 etwas abgekühlt, das Wachstum war deutlich geringer als im Jahresverlauf 2013. Vor allem in den Schwellenländern verlangsamte sich das Expansionstempo bis zuletzt weiter, nur in China nicht. Während die russische Wirtschaft – auch infolge der Verunsicherung infolge der Ukrainekrise – stagnierte, rutschte Brasilien sogar in die Rezession. Unter den Industrieländern haben die USA aktuell wieder die Rolle der Lokomotive übernommen: Im zweiten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt um 4,2 Prozent gestiegen. Das kräftige Wachstum der US-Wirtschaft dürfte im weiteren Jahresverlauf und auch im kommenden Jahr anhalten, wenn auch mit leicht abnehmenden Raten. Sorgenkind ist nach wie vor Japan, wo die Wirtschaft mit geringen Wachstumsraten weiterhin kaum Fahrt aufnimmt.

 

Nur schwer in die Gänge kommt auch der Euroraum: Die Erholung der Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal nicht fortgesetzt. Zwar sind die Exporte und auch die Konsumausgaben gestiegen, allerdings weisen Stimmungsindikatoren darauf hin, dass sich dies nicht fortsetzen dürfte. Die Investitionen sind bereits gesunken und die Auftragslage bei den Unternehmen deutet auf eine weitere Verschlechterung hin. Zwar scheinen die Reformen in den Krisenländern Spanien, Portugal und Irland allmählich erste Früchte zu tragen; dennoch wird die Wirtschaft im Euroraum den Berechnungen des DIW Berlin zufolge in diesem Jahr nur um 0,7 Prozent und im kommenden Jahr um 1,1 Prozent wachsen – vor allem, weil wirtschaftlich bedeutende Länder wie Frankreich und Italien weiter auf der Stelle treten dürften.

 

Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt gut
Nach dem schwachen zweiten Quartal ist die deutsche Wirtschaft wieder auf einen – wenn auch moderaten – Aufwärtskurs eingeschwenkt. Zwar verliert der Beschäftigungsaufbau etwas an Schwung, dennoch dürften im laufenden Jahr 330.000 und im kommenden Jahr 120.000 neue Stellen besetzt werden. Die Arbeitslosigkeit wird in diesem Jahr auf durchschnittlich 2,91 Millionen Personen sinken. Im nächsten Jahr wird der Beschäftigungsaufbau wohl nicht mehr ausreichen, um den Anstieg der Erwerbspersonenzahl zu kompensieren – obwohl mit der Einführung der „Rente mit 63“ das Erwerbspersonenpotenzial zurückgeht. Die Arbeitslosenzahl wird dann leicht auf 3,06 Millionen Personen steigen und die Arbeitslosenquote mit sieben Prozent um 0,3 Prozentpunkte höher liegen als noch in diesem Jahr. Die insgesamt positive Situation auf dem Arbeitsmarkt stützt die private Konsumnachfrage in Deutschland, zumal die Reallöhne kräftig steigen. Allerdings ist die niedrige Inflationsrate in Deutschland ein Risikofaktor, da fallende Preise die Konsum- und Investitionsnachfrage schwächen könnten.

 

Die Exporttätigkeit ist zuletzt zwar weiter gestiegen, wird aber zunehmend von der Ukrainekrise belastet. Das DIW Berlin nimmt für seine Prognose an, dass die Verunsicherung im Zusammenhang mit den geopolitischen Krisen bis zum Jahresende anhält. Die Ausfuhren werden daher im vierten Quartal schwächer expandieren. Wenn die Unsicherheit nach dem Jahreswechsel an Bedeutung verliert, wird die Exportdynamik wieder anziehen – auch, weil die Investitionen dann wieder kräftig zunehmen dürften.

 

Diese waren zuletzt ebenfalls schwächer; die Unternehmen investierten im zweiten Quartal 1,6 Prozent weniger in Ausrüstungen als noch im ersten Vierteljahr. Bei weiterhin günstigen Rahmenbedingungen – dazu zählen auch die niedrigen Zinsen – werden die Ausrüstungsinvestitionen im laufenden Jahr wohl dennoch um knapp vier Prozent steigen.

 

Bei nachlassender Unsicherheit dürften sie im Jahr 2015 um rund sieben Prozent zulegen.

 

Öffentliche Haushalte trotz steigender Ausgaben mit Überschüssen
Die Lage der öffentlichen Haushalte hat sich in den vergangenen Jahren stetig verbessert und ist insgesamt gut, dürfte sich fortan aber nicht weiter aufhellen. Zwar hinterlässt die kurze Schwächephase der wirtschaftlichen Entwicklung kaum Spuren bei den Steuereinnahmen; vor allem die Lohnsteuereinnahmen steigen aufgrund der zunehmenden Beschäftigung und steigenden Löhne. Gleichwohl werden die Steuereinnahmen wohl insgesamt weniger expandieren als noch im vergangenen Jahr. Die Ausgaben des Staates legen im Prognosezeitraum kräftig zu: So haben Bund und Kommunen für ihre Beschäftigten spürbare Lohnanhebungen vereinbart. Die sozialen Sachleistungen werden vor allem im Gesundheitsbereich deutlich steigen, ebenso wie die monetären Sozialleistungen aufgrund der „Rente mit 63“ und der Mütterrente sowie der steigenden Arbeitslosenzahl. Alles in allem dürfte der öffentliche Gesamthaushalt in beiden Jahren mit einem Überschuss von 0,3 Prozent in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt abschließen. Während die Gebietskörperschaften ihre Finanzlage dabei weiter verbessern können, rutschen die Sozialversicherungen nach und nach ins Minus.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des DIW Berlin.

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Quelle: DATEV eG