Als „Vorschlag mit Nebenwirkungen“ bewertet der DIHK das Maßnahmenpaket, mit dem die EU-Kommission europäischen Unternehmen den Zugang zu Finanzierung erleichtern möchte. Zwar gebe es richtige Ansätze bei Verbriefungen und bei der Schwarmfinanzierung, doch seien bewährte Finanzierungsmodelle nicht ausreichend berücksichtigt.
DIHK, Mitteilung vom 17.04.2014
Viele Unternehmen in Europa haben noch immer große Probleme mit ihrer Finanzierung. In einer Umfrage der Europäischen Zentralbank nennen 32 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Griechenland den Zugang zu Finanzierung als ihr größtes Problem überhaupt, in Spanien sind es 23 Prozent. Die Europäische Kommission hat deshalb Ende März 2014 ein Maßnahmenpaket vorgelegt, das diesen Zugang erleichtern soll. Doch es ist ein Vorschlag mit Nebenwirkungen.
Bewährte Finanzierungsmodelle nicht ausreichend berücksichtigt
Selbst in Deutschland zeichnen sich trotz guter wirtschaftlicher Lage Risiken für die Unternehmensfinanzierung am Horizont ab. Ganz zentral sind hier die Nebenwirkungen der Basel-III-Regulierung. Die Kommission erwähnt sie im Zusammenhang mit dem vorgeschlagenen Maßnahmenpaket aber nur am Rande. Basel III sieht u. a. vor, dass zukünftig langlaufende Kredite von den Kreditinstituten auch ihrerseits langlaufend refinanziert werden müssen – sonst können sie nicht mehr angeboten werden. Das Risiko einer langfristigen Investitionsfinanzierung (z. B. durch Zinsänderungen) landet somit allein beim Kreditkunden – den Unternehmen. Die Kommission sollte hier dringend nachjustieren und die Unternehmensfinanzierung nicht weiter erschweren.
Unnötige Parallelstrukturen durch EU-Sparbuch und EU-Finanzierungsberatung
Um die KMU-Finanzierung zu verbessern, prüft die Kommission zudem die Einführung eines EU-Sparbuchs. Die eingesammelten Mittel sollen KMU als Kredite zur Verfügung gestellt werden. Dabei soll das Sparbuch z. B. durch Steuervergünstigungen besonders attraktiv gestaltet werden. Damit würde ohne Not ein wettbewerbsverzerrendes, öffentlich subventioniertes Konkurrenzmodell zu normalen Sparkonten bei Banken und Sparkassen geschaffen. Bei der Beratung von KMU in deren Finanzierungsfragen will die Kommission darüber hinaus die Angebote des von ihr finanzierten European Enterprise Networks (EEN) ausbauen. Auch hier sollte in jedem Fall auf den Aufbau unnötiger Parallelstrukturen verzichtet werden. So hat sich in Deutschland etwa die erfolgreiche Finanzierungsberatung der Industrie- und Handelskammern bewährt.
Richtige Ansätze bei Verbriefungen …
Richtig ist hingegen, dass die Kommission die große Bedeutung von Verbriefungen für die Unternehmensfinanzierung mittlerweile anerkennt. Dabei werden Gruppen von Forderungen in einem Wertpapier gebündelt, das dann über den Kapitalmarkt gehandelt werden kann. Eine solche Verbriefung von KMU-Krediten kann zusätzliche Finanzmittel für Unternehmen mobilisieren. Für die Industrie hat u. a. die Verbriefung von Autokrediten große Bedeutung, da ohne günstige Finanzierungsangebote für Käufer ein deutlicher Absatzrückgang drohen würde – immerhin werden knapp 60 Prozent der abgesetzten Pkw so finanziert. Zu Recht will die Kommission an einer differenzierten Behandlung qualitativ hochwertiger Verbriefungen arbeiten. Allerdings will sie gleichzeitig unter den Basel-III-Regeln Verbriefungen von Autokrediten nicht mehr als hochliquide Vermögenswerte anerkennen. Dies schränkt Finanzierungsmöglichkeiten ein. Bei europäischen Verbriefungen sind Exzesse wie beim amerikanischen Subprime-Markt ohnehin nicht aufgetreten. Zur weiteren Absicherung sind zudem inzwischen erheblich verschärfte Anforderungen an Verbriefungen, z. B. durch Selbstbehalte, festgelegt worden.
… und bei der Schwarmfinanzierung
Die Kommission will auch die Schwarmfinanzierung (Crowdfunding) fördern, die gerade für junge Unternehmen zunehmend wichtiger wird. Hier beteiligen sich viele Anleger mit meist kleinen Beträgen über das Internet. Hilfreich ist, dass die Kommission hier vor allem darauf setzt, dass die Branche selbst Transparenz-, Informations- und Verbraucherschutzstandards entwickelt. In Deutschland geschieht das bereits im Rahmen des German Crowdfunding Network.
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Quelle: DATEV eG