EU-Kommission sendet Google Beschwerdepunkte zu Android

 

Die EU-Kommission hat Google seine Bedenken dargelegt, dass das Unternehmen seine marktbeherrschende Stellung unter Verstoß gegen die EU-Kartellvorschriften missbräuchlich ausnutze, indem das Unternehmen Herstellern von Android-Geräten und Mobilfunknetzbetreibern Beschränkungen auferlege.

 

EU-Kommission sendet Google Beschwerdepunkte zu Android

 

EU-Kommission, Pressemitteilung vom 20.04.2016

 

Die Europäische Kommission ist der vorläufigen Auffassung, dass Google seine marktbeherrschende Stellung unter Verstoß gegen die EU-Kartellvorschriften missbräuchlich ausnutze, indem das Unternehmen Herstellern von Android-Geräten und Mobilfunknetzbetreibern Beschränkungen auferlege. Die Kommission hat ihre Bedenken am 20.04.2016 in einer Mitteilung der Beschwerdepunkte dargelegt, die sie an Google und dessen Muttergesellschaft Alphabet richtete. Google verfolge eine Strategie für Mobilgeräte, um seine beherrschende Stellung bei der allgemeinen Internetsuche zu wahren und auszubauen. Erstens wurde so erreicht, dass die Google-Suche auf den meisten in Europa verkauften Android-Geräten vorinstalliert und als Standardsuchdienst bzw. einziger Suchdienst festgelegt ist. Zweitens wird Konkurrenten auf dem Suchmaschinenmarkt auf diese Weise der Marktzugang über konkurrierende mobile Browser und Betriebssysteme versperrt. Außerdem würde den Verbrauchern durch diese Strategie geschadet, weil der Wettbewerb beschränkt und Innovationen bei Mobilgeräten gebremst werden. Die Übermittlung einer Mitteilung der Beschwerdepunkte greift dem Ergebnis der Untersuchung nicht vor.

 

Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-KommissarinMargretheVestager erklärte dazu: „Für Verbraucher und Unternehmen in Europa wird ein wettbewerbsfähiger mobiler Internetbereich immer wichtiger. Unsere bisherigen Ermittlungen lassen darauf schließen, dass Google durch sein Verhalten den Verbrauchern eine größere Auswahl an mobilen Anwendungen und Dienstleistungen vorenthält, Innovationen anderer Unternehmen bremst und damit gegen die EU-Kartellvorschriften verstößt. Diese Vorschriften gelten für alle in Europa tätigen Unternehmen. Google hat jetzt Gelegenheit, sich zu den Bedenken der Kommission zu äußern.“

 

Über die Hälfte des weltweiten Internetverkehrs erfolgt über Smartphones und Tablets und voraussichtlich wird ihr Anteil in Zukunft weiter steigen. Rund 80 Prozent der intelligenten Mobilgeräte sind mit dem von Google entwickelten Betriebssystem Android ausgestattet. Google vergibt für sein Android-Betriebssystem Lizenzen an Hersteller von Mobilgeräten.

 

Im April 2015 leitete die Kommission ein Verfahren ein, um das Verhalten von Google im Zusammenhang mit dessen Betriebssystem Android und den entsprechenden Anwendungen zu untersuchen. Die Kommission ist beim derzeitigen Stand der Auffassung, dass Google auf den Märkten für allgemeine Internetsuchdienste, für lizenzpflichtige Betriebssysteme für intelligente Mobilgeräte sowie für App-Stores für das Android-Betriebssystem für Mobilgeräte eine beherrschende Stellung innehat. Google verfügt auf jedem dieser Märkte im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) über einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent.

 

In der am 20.04.2016 übermittelten Mitteilung der Beschwerdepunkte vertritt die Kommission die Auffassung, dass Google gegen das EU-Kartellrecht verstößt, indem es

 

  • von Herstellern als Vorbedingung für die Lizenzierung bestimmter geschützter Google-Apps verlangt, die Google-Suche und den Browser GoogleChromevorzuinstallieren und die Google-Suche auf ihren Geräten als Standardsuchdienst festzulegen;
  • Hersteller am Verkauf von intelligenten Mobilgeräten mit konkurrierenden Betriebssystemen, die sich auf den offenen Android-Quellcode stützen, hindert;
  • Herstellern und Betreibern von Mobilfunknetzen finanzielle Anreize dafür bietet, wenn sie ausschließlich die Google-Suche auf ihren Geräten vorinstallieren.

 

Die Kommission hat Bedenken, dass diese Geschäftspraktiken zu einer weiteren Stärkung der beherrschenden Stellung von Google auf dem Markt für allgemeine Internetsuchdienste führen könnten. Sie befürchtet ferner, dass mobile Browser von Konkurrenzanbietern durch diese Geschäftspraktiken im Wettbewerb mit GoogleChrome benachteiligt werden und zudem die Entwicklung von Betriebssystemen, die sich auf den offenen Android-Quellcode stützen und Chancen für die Entwicklung neuer Anwendungen und Dienste bieten würden, behindert wird.

 

Dies würde nach der vorläufigen Auffassung der Kommission letztlich den Verbrauchern schaden, weil dann nicht die größtmögliche Auswahl gewährleistet würde und Innovationen gehemmt würden.

 

Die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission

 

Lizenzvergabe für die geschützten Apps von Google

Die Untersuchung der Kommission ergab, dass es für die geschäftlichen Interessen der Hersteller von Geräten mit Android-Betriebssystem wichtig ist, GooglesApp-Store für Android-Anwendungen (PlayStore) auf ihren Geräten vorzuinstallieren. In seinen Verträgen mit Herstellern knüpft Google die Lizenzvergabe für den PlayStore auf Android-Geräten an die Bedingung, dass die Google-Suche als Standardsuchdienst vorinstalliert wird. Folglich können konkurrierende Suchmaschinen auf der großen Mehrheit der im EWR verkauften Geräte nicht der Standardsuchdienst werden. Ferner wird dadurch der Anreiz für Hersteller, die Suchanwendungen von Wettbewerbern vorzuinstallieren, bzw. für Verbraucher, solche Anwendungen herunterzuladen, verringert.

 

Außerdem verlangt Google in seinen Verträgen mit Herstellern die Vorinstallation seines mobilen Browsers GoogleChrome als Gegenleistung für die Lizenzvergabe für den PlayStore oder die Google-Suche. Dadurch stellt das Unternehmen sicher, dass auch sein mobiler Browser auf den weitaus meisten im EWR verkauften Geräten vorinstalliert ist. Ein Browser ist ein wichtiger Zugang zu Suchanfragen auf mobilen Geräten. Durch die Verringerung der Anreize der Hersteller zur Vorinstallation von konkurrierenden Browseranwendungen bzw. der Verbraucher zum Herunterladen dieser Anwendungen wird der Wettbewerb auf dem Markt für mobile Browser wie auch auf dem Markt für allgemeine Suchdienste beeinträchtigt.

 

Verhinderung der Fragmentierung

Android ist ein System mit offenem Quellcode (OpenSource), kann also von jedem frei genutzt und als Grundlage für die Entwicklung eines geänderten Betriebssystems für Mobilgeräte (sogenannteAndroid-Forks) verwendet werden. Wenn ein Hersteller jedoch geschützte Google-Anwendungen wie den PlayStore oder die Google-Suche auf einem seiner Geräte vorinstallieren möchte, verlangt Google den Abschluss eines „Anti-FragmentationAgreement“, nach dem der Hersteller keine mit Android-Forks betriebenen Geräte verkaufen darf.

 

Das Verhalten von Google hat direkte Auswirkungen auf Verbraucher, da es ihnen den Zugang zu innovativen intelligenten Mobilgeräten versperrt, auf denen andere, möglicherweise bessere Versionen des Betriebssystems Android laufen. So hat die Kommission beispielsweise Beweise dafür gefunden, dass das Verhalten von Google Hersteller am Verkauf von intelligenten Mobilgeräten hinderte, die mit einer konkurrierenden Android-Fork ausgestattet waren, welche das Potenzial hatte, zu einer ernstzunehmenden Alternative für das Google-Betriebssystem Android zu werden. Damit hat Google seinen Wettbewerbern gleichzeitig eine wichtige Möglichkeit genommen, Anwendungen und Dienste (insbesondere allgemeinen Suchdiensten) einzuführen, die auf Android-Forks vorinstalliert werden könnten.

 

Ausschließlichkeit

Google hat einigen der größten Smartphone- und Tablet-Herstellern sowie Betreibern von Mobilfunknetzen große finanzielle Anreize dafür gewährt, dass auf deren Geräten ausschließlich die Google-Suche vorinstalliert wird.

 

Auf diese Weise hat Google die Anreize für Hersteller und Mobilfunknetzbetreiber verringert, auf den von ihnen vertriebenen Geräten konkurrierende Suchdienste vorzuinstallieren. Der Kommission liegen Beweise vor, dass die Ausschließlichkeitsbedingung sich auf bestimmte Gerätehersteller und Betreiber von Mobilfunknetzenausgewirkt hat in ihrer Entscheidung, ob sie konkurrierende Suchdienste vorinstallieren.

 

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache enthält das Factsheet.

 

Diese Untersuchung wird getrennt von der laufenden kartellrechtlichen Prüfung anderer Aspekte des Verhaltens von Google im EWR geführt, die beispielsweise die Bevorzugung der anderen spezialisierten Suchdienste von Google in den Ergebnissen der allgemeinen Google-Suche und Bedenken im Hinblick auf das Kopieren von Webinhalten konkurrierender Unternehmen („Scraping“), Exklusivwerbung und übermäßige Beschränkungen für werbende Unternehmen betrifft.

 

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Quelle: DATEV eG