Die weltwirtschaftliche Dynamik hat in den Sommermonaten etwas zugenommen. Vor allem in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften haben sich die Perspektiven aufgehellt. Das teilte das IfW Kiel mit.
IfW Kiel, Pressemitteilung vom 12.09.2013
Die weltwirtschaftliche Dynamik hat in den Sommermonaten etwas zugenommen. Vor allem in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften haben sich die Perspektiven aufgehellt. In den Schwellenländern bleiben die Aussichten hingegen gedämpft. Die Ankündigung der US-Notenbank, ihre Anleihekäufe in absehbarer Zeit zu reduzieren, führte dazu, dass eine Reihe von Schwellenländern durch einen schlagartigen Abzug von Portfoliokapital unter Druck geraten ist. So rechnen wir damit, dass der Anstieg des globalen Bruttoinlandsprodukts trotz allmählicher Erholung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften auch im kommenden Jahr mit 3,8 Prozent (Juniprognose: 3,9 Prozent) mäßig bleibt. Für 2013 revidieren wir ebenfalls geringfügig nach unten, und erwarten nun einen Zuwachs der Weltproduktion um 3,1 Prozent.
- Konjunkturelle Belebung
Die Weltwirtschaft hat im Sommerhalbjahr etwas an Fahrt gewonnen. Die konjunkturelle Dynamik ist aber immer noch mäßig. - Aufhellung vor allem in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften
Die Expansion in den Vereinigten Staaten hat sich trotz des Gegenwindes von der Finanzpolitik wieder beschleunigt, in Japan hat sich die konjunkturelle Erholung dank kräftiger wirtschaftspolitischer Impulse fortgesetzt, und im Euroraum ist die Rezession nach fast zwei Jahren zu Ende gegangen. - Konjunktur in den Schwellenländern hingegen weiterhin gedämpft
Zwar hat sich die Konjunktur in China offenbar wieder gefangen, zuletzt gerieten aber mehrere der anderen aufstrebenden Volkswirtschaften vonseiten der Finanzmärkte unter Druck. - Dynamik in den Schwellenländern offenbar nachhaltig abgeschwächt
Der Umschwung bei den internationalen Kapitalströmen belastet gegenwärtig die Konjunktur in den betroffenen Ländern. Darüber hinaus ist er aber auch ein weiteres Signal dafür, dass das Tempo des Potenzialwachstums in den Schwellenländern derzeit deutlich niedriger ist als im vergangenen Jahrzehnt. Ursache sind zum Teil demographische Faktoren, vor allem aber hat sich offenbar der zugrundeliegende Produktivitätstrend abgeflacht. - Niedrigerer Wachstumspfad in den Schwellenländern von großer Bedeutung für die globale Wachstumsdynamik
Das Wachstum der Weltproduktion fand seit dem Jahr 2000 zum überwiegenden Teil in den Schwellenländern. Eine Verlangsamung des Trendwachstums in den Schwellenländern bedeutet daher eine beträchtliche Verringerung der globalen Wachstumsrate. Gleichwohl wird die weltwirtschaftliche Expansion weiterhin zum überwiegenden Teil von den Entwicklungs- und Schwellenländern getragen werden. - Geldpolitische Straffung in den Vereinigten Staaten wirft ihren Schatten voraus
Die US-Notenbank hat angekündigt, in Kürze ihre Wertpapierkäufe zu verringern. Dies hat dazu geführt, dass die langfristigen Zinsen in den Vereinigten Staaten etwas gestiegen sind. Vor allem aber haben sich die monetären Rahmenbedingungen für viele Schwellenländer verschlechtert. Im Prognosezeitraum bleibt die Geldpolitik in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften dennoch überall expansiv ausgerichtet. - Weiter bremsende Wirkungen der Finanzpolitik
Diese werden zwar im Euroraum an Gewicht verlieren und auch in den Vereinigten Staaten geringer werden, in Japan steht aber ein ausgeprägter Schwenk hin zu einer restriktiven Finanzpolitik bevor. - Weltwirtschaftliche Risiken bleiben
Die Krise im Euroraum ist nach wie vor nicht gelöst, Rückschläge sind möglich. Die massiv expansive Geldpolitik in den großen fortgeschrittenen Volkswirtschaften birgt Stabilitätsrisiken vor allem auf die mittlere Frist; sie könnten aber auch schon im Prognosezeitraum virulent werden. Die bevorstehende Abkehr von der massiven Liquiditätsausweitung durch die Fed birgt andererseits das Risiko, dass die internationalen Finanzmärkte weiter destabilisiert werden. Schließlich ist das Risiko eines neuerlichen deutlichen Ölpreisanstiegs vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Unsicherheit über das Vorgehen in Syrien und der allgemein labilen Lage in der Region hoch. All dies könnte die sich anbahnende Erholung der Weltkonjunktur empfindlich stören.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des IfW Kiel.
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Quelle: DATEV eG