Das statistische Amt der Europäischen Union hat einige ausgewählte Daten zu Demografie, Wirtschaft und Handel zur Östlichen Partnerschaft der Europäischen Union mit den sechs Partnerländern Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, der Republik Moldau und der Ukraine veröffentlicht.
anlässlich des Gipfeltreffens der Östlichen Partnerschaft am 21. und 22. Mai in Riga
Eurostat, Pressemitteilung vom 20.05.2015
Die Östliche Partnerschaft wurde 2009 als gemeinsame Initiative der Europäischen Union (EU) und von sechs Partnerländern in Osteuropa und im Südkaukasus, nämlich Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, der Republik Moldau und der Ukraine, in die Wege geleitet. Anlässlich des am 21. und 22. Mai in Riga stattfindenden 4. Gipfeltreffens der Östlichen Partnerschaft veröffentlicht Eurostat, das statistische Amt der Europäischen Union, einige ausgewählte Daten zu Demografie, Wirtschaft und Handel für die EU, ihre Mitgliedstaaten und die Östlichen Partnerländer. Auf den Internetseiten von Eurostat findet sich zudem eine Auswahl von Infografiken.
Eine Partnerschaft mit 75 Mio. Menschen
Insgesamt verfügen die östlichen Partnerländer über eine Fläche von etwas über 1 Mio. km² (ein Viertel der Fläche der EU). Ihre Bevölkerung belief sich 2014 auf 75,2 Mio. Personen gegenüber 506,8 Mio. der EU. Das größte Land der östlichen Partner ist die Ukraine. Ihre Fläche von 603.500 km² entspricht in etwa der Fläche Frankreichs, des größten EU-Mitgliedstaats (632.800 km²), ihre Bevölkerung von gut 45 Mio. entspricht mehr oder weniger der Spaniens. In allen östlichen Partnerländern war die Bevölkerung im Durchschnitt jünger als in der EU. Das Medianalter lag zwischen 29,7 Jahren in Aserbaidschan und 39,7 Jahren in der Ukraine, gegenüber 42,2 Jahren in der EU.
Das durchschnittliche BIP pro Kopf von 3.700 Euro in den östlichen Partnerländern entspricht 14% des BIP pro Kopf der EU. Der niedrigste Wert (1.700 Euro) findet sich in Moldau, während Aserbaidschan mit 6.000 Euro fast das Niveau von Bulgarien erreicht. Die Erwerbstätigenquote für die Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren war in den östlichen Partnerländern sehr unterschiedlich, lag jedoch in allen Ländern außer in Aserbaidschan (73,0 %) unter dem Wert für die EU (69,2 %).
Warenverkehr zwischen EU und östlichen Partnerländern 2014 nahezu ausgeglichen
Nach einem drastischen Rückgang im Jahr 2009 im Anschluss an die Finanzkrise erholten sich die EU-Ausfuhren von Waren in die östlichen Partnerländer bis 2013, wo sie einen Rekordwert von 41,3 Mrd. Euro erzielten. 2014 waren sie wieder rückläufig (33,1 Mrd. Euro). Auch die Einfuhren erholten sich nach 2009 und erreichten 36,7 Mrd. Euro im Jahr 2011; danach fielen sie aber bis 2014 stetig auf 32,4 Mrd. Euro. Damit war der EU-Handel mit den östlichen Partnerländern 2014 fast ausgeglichen (+0,6 Mrd. Euro). Im Jahr 2014 entfielen auf die sechs östlichen Partnerländer zusammen fast 2 % des Gesamtwarenverkehrs der EU mit der übrigen Welt. Das entsprach fast dem Handelsvolumen mit Saudi Arabien, dem elftwichtigsten Handelspartner der EU.
Industrieerzeugnisse dominieren EU-Ausfuhren in östliche Partnerländer, Primärerzeugnisse die EU-Einfuhren
Primäres Zielland der EU-Ausfuhren in die östlichen Partnerländer war im Jahr 2014 die Ukraine (17,1 Mrd. Euro oder 52 % der EU-Gesamtausfuhren in die östlichen Partnerländer). Auch bei den EU-Einfuhren aus den östlichen Partnerländern nahm die Ukraine (13,8 Mrd. Euro oder 42 % der EU-Gesamteinfuhren aus den östlichen Partnerländern) die erste Position ein, knapp vor Aserbaidschan (13,2 Mrd. Euro oder 41 %). Anzumerken ist auch, dass aus Aserbaidschan 84 % der EU-Energieeinfuhren aus den östlichen Partnerländern kamen, was zu einem Defizit im EU-Handel mit diesem Land führte (-9,7 Mrd. Euro). Im Gegensatz dazu erwirtschaftete die EU 2014 den größten Überschuss im Handel mit den östlichen Partnerländern mit Belarus (+4,0 Mrd. Euro) und der Ukraine (+3,4 Mrd. Euro).
Den Schwerpunkt der Warenausfuhren der EU in die östlichen Partnerländer bildeten Industrieerzeugnisse, auf die mehr als drei Viertel (77 %) der Gesamtexporte entfielen. Im Gegensatz dazu wurden die EU-Einfuhren aus den östlichen Partnerländern von Primärerzeugnissen dominiert, die etwa 70 % der EU-Gesamteinfuhren aus diesen Ländern insgesamt ausmachten.
Deutschland, Italien und Polen an erster Stelle im EU-Handel mit den östlichen Partnerländern
Von den EU-Mitgliedstaaten sind Deutschland (7,0 Mrd. Euro oder 21 % der Warenausfuhren der EU in die Östlichen Partnerländer) und Polen (5,2 Mrd. Euro oder 16 %) diejenigen, die 2014 am weitaus meisten in die östlichen Partnerländer exportierten, gefolgt von Italien (2,8 Mrd. Euro oder 8 %), Litauen (2,2 Mrd. Euro oder 7 %) und Ungarn (2,1 Mrd. Euro oder 6 %). Im Vergleich zu 2004 erhöhten sich die Ausfuhren in die östlichen Partnerländer im Jahr 2014 in allen EU-Mitgliedstaaten außer in Schweden. Der Wert der in die östlichen Partnerländer ausgeführten Waren hat sich auf EU-Ebene in den letzten 10 Jahren verdoppelt.
Was die Einfuhren aus den östlichen Partnerländern betrifft, so importierte Italien im Jahr 2014 mit Waren im Wert von 8,2 Mrd. Euro oder 25 % der EU-Einfuhren am meisten; es lag damit deutlich vor Deutschland (4,5 Mrd. Euro oder 14 %), Polen (2,4 Mrd. Euro oder 8 %), der Tschechischen Republik (2,3 Mrd. Euro oder 7 %) sowie Frankreich und Spanien (jeweils etwa 2,0 Mrd. Euro oder 6 %). Im Vergleich zu 2004 stiegen die EU-Wareneinfuhren aus den östlichen Partnerländern 2014 um etwa 140 %.
Sechzehn EU-Mitgliedstaaten verzeichneten 2014 einen Überschuss im Handel mit den östlichen Partnerländern, wobei Polen (2,8 Mrd. Euro im Jahr 2014) und Deutschland (2,4 Mrd. Euro 2014) weiterhin die höchsten Überschüsse auswiesen. Das mit Abstand größte Defizit wurde in Italien (-5,4 Mrd. Euro) verzeichnet; es folgten Spanien (-1,4 Mrd. Euro) und die Tschechische Republik (-1,1 Mrd. Euro).
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage von Eurostat.
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Quelle: DATEV eG