2013 hat die EU-Kommission weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Gleichstellung von Frauen und Männern ergriffen, darunter auch Maßnahmen zur Reduzierung des geschlechtsspezifischen Beschäftigungs-, Lohn- und Rentengefälles, zur Bekämpfung von Gewalt und zur Förderung der Gleichstellung in Entscheidungsgremien. Die Mühe lohnt sich, so die Schlussfolgerung des jährlichen Berichts der Kommission zur Geschlechtergleichstellung.
EU-Kommission, Pressemitteilung vom 14.04.2014
2013 hat die Europäische Kommission weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Gleichstellung von Frauen und Männern ergriffen, darunter auch Maßnahmen zur Reduzierung des geschlechtsspezifischen Beschäftigungs- Lohn- und Rentengefälles, zur Bekämpfung von Gewalt und zur Förderung der Gleichstellung in Entscheidungsgremien. Die Mühe lohnt sich: Bei der Bekämpfung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles – insbesondere dank einer bedeutenden Initiative der Kommission zur Verbesserung der Lohntransparenz (IP/14/222) – oder bei der Erhöhung der Anzahl der Frauen in Aufsichtsräten (siehe Anhang) wurden konkrete Fortschritte erzielt. Dies sind die hauptsächlichen Schlussfolgerungen des jährlichen Berichts der Kommission zur Geschlechtergleichstellung, der gleichzeitig mit dem Bericht über die Grundrechte veröffentlicht wurde (siehe IP/14/222). Es bleiben jedoch zahlreiche Herausforderungen bestehen: Bei der derzeitigen Fortschrittsgeschwindigkeit dauert es noch fast 30 Jahre, bis das EU-Ziel einer Frauenbeschäftigungsquote von 75 % erreicht wird, 70 Jahre, bis gleicher Lohn Wirklichkeit wird und 20 Jahre, bis der Frauen- und Männeranteil in den nationalen Parlamenten gleich hoch ist (mindestens 40 % pro Geschlecht).
„Europa setzt sich seit 1957 für die Gleichstellung der Geschlechter ein – das ist Teil der europäischen DNS. Und die Wirtschaftskrise hat unsere DNS nicht verändert“, so Vizepräsidentin und EU-Justizkommissarin Viviane Reding. „Für uns Europäer ist die Geschlechtergleichstellung keine Möglichkeit unter vielen, kein Luxus – sie ist ein Muss.
Wir können stolz darauf sein, was Europa in den letzten Jahren erreicht hat. Die Geschlechtergleichstellung ist kein Wunschtraum, sondern wird immer mehr zu einer europäischen Realität. Ich bin überzeugt davon, dass wir gemeinsam auch die letzten Lücken bei Lohn, Beschäftigung und Jobs in Entscheidungspositionen schließen können.“
Der jährliche Geschlechtergleichstellungsbericht lässt erkennen, dass sich geschlechtsspezifische Unterschiede in den letzten Jahren deutlich verringert haben, dass jedoch die Fortschritte in den einzelnen Mitgliedstaaten unterschiedlich sind und in bestimmten Bereichen nach wie vor Unterschiede bestehen – zum Schaden der europäischen Wirtschaft.
EU-Maßnahmen bringen Fortschritte bei der Geschlechtergleichstellung
Steigerung der Beschäftigungsquote von Frauen: die Frauenbeschäftigungsquote in der EU hat sich von 58 % im Jahr 2002 auf 63 % erhöht. EU-Mittel haben dazu beigetragen: Im Finanzierungszeitraum 2007-2013 flossen ca. 3,2 Mrd. Euro aus den Strukturfonds in Kinderbetreuungseinrichtungen und die Förderung der Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt – dadurch wurde eine bedeutende Hebelwirkung erzielt (siehe Anhang).
Verringerung des Lohngefälles, das europaweit noch immer 16,4 % beträgt: Die Europäische Kommission hat ihre Bemühungen verstärkt, indem sie das Bewusstsein für das bestehende geschlechtsspezifische Lohngefälle geschärft und einen europäischen Tag der Lohngleichheit (IP/14/190) eingeführt hat sowie die Anwendung der Gleichbehandlungsgesetzgebung kontrolliert (IP/13/1227). Im März 2014 hat sie mit ihrer Empfehlung an die Mitgliedstaaten, die Lohntransparenz zu verbessern und damit das Lohngefälle zu bekämpfen (IP/14/222), auf weitere Fortschritte gedrängt.
Durchbrechen der gläsernen Decke: Der Vorschlag der Kommission für eine Richtlinie zur Durchsetzung eines 40 %igen Frauenanteils unter den nicht-geschäftsführenden Direktoren/Aufsichtsratsmitgliedern bis 2020 hat gute Fortschritte im Gesetzgebungsverfahren gemacht und wurde im November 2013 vom Europäischen Parlament nachdrücklich unterstützt (IP/13/1118). Seit die Kommission im Oktober 2010 mögliche gesetzliche Maßnahmen angekündigt hat, steigt der Frauenanteil in Aufsichtsräten beständig an: von 11 % im Jahr 2010 auf 17,8 % im Jahr 2014: Die Zuwachsrate ist damit viermal so hoch wie zwischen 2003 und 2010 (siehe Anhang).
2013 hat die EU Maßnahmen zum Schutz von Frauen und Mädchen vor geschlechtsspezifischer Gewalt in Form von Rechtsvorschriften, praktischen Maßnahmen für Opferrechte und eines umfassenden Maßnahmenpakets gegen weibliche Genitalverstümmelung ergriffen (IP/13/1153). Sie hat auch vierzehn nationale Regierungskampagnen gegen geschlechtsspezifische Gewalt mit 3,7 Mio. Euro sowie von NRO durchgeführte Projekte mit 11,4 Mio. Euro kofinanziert.
Kinderbetreuung: Seit 2007 hat sich die Anzahl der in Kinderbetreuungseinrichtungen betreuten Kinder beträchtlich erhöht (von 26 % im Jahr 2007 auf 30 % im Jahr 2011 bei Kindern unter drei Jahren, und von 81 % auf 86 % bei Kindern zwischen drei Jahren und dem schulpflichtigen Alter (IP/13/495). Die Kommission hat 2013 einen umfassenden Bericht zum Erreichen der „Barcelona-Ziele“ im Bereich der Kinderbetreuung angenommen.
Welche Herausforderungen bleiben bestehen?
Obwohl 60 % der Hochschulabsolventen weiblich sind, erhalten sie noch immer 16 % weniger Lohn pro Stunde als Männer. Außerdem arbeiten sie häufiger Teilzeit (32 % gegenüber 8,2 % bei den Männern) und unterbrechen ihre Karriere häufiger, um andere zu pflegen. Das führt zu einem geschlechtsspezifischen Rentengefälle von 39 %. Witwen und Alleinerziehende – hauptsächlich Mütter – sind eine besonders gefährdete Gruppe, und mehr als ein Drittel der Alleinerziehenden hat ein zu geringes Einkommen.
Obwohl sich die Frauenbeschäftigungsquote erhöht hat, liegt sie immer noch bei 63 % gegenüber 75 % bei den Männern. Das liegt hauptsächlich an der Wirtschaftskrise, in der sich die Beschäftigungssituation der Männer verschlechtert hat.
Die Frauen tragen immer noch die Last der unbezahlten Arbeit in Haushalt und Familie. Frauen verbringen durchschnittlich 26 Stunden pro Woche mit Pflege und Haushaltstätigkeiten, bei Männern sind es lediglich 9 Stunden.
Es gibt noch immer zu wenig Frauen in Führungspositionen. Sie stellen im Durchschnitt 17,8 % der Aufsichtsratsmitglieder in den größten börsennotierten Unternehmen, 2,8 % der Geschäftsführer, 27 % der leitenden Regierungsvertreter und 27 % der nationalen Parlamentsabgeordneten.
Die Ergebnisse der ersten von der Grundrechteagentur der Europäischen Union durchgeführten EU-weiten Umfrage zu Gewalt gegen Frauen, die sich auf Interviews mit 42.000 Frauen stützt, zeigen, dass eine von drei Frauen (33 %) ab einem Alter von 15 Jahren von physischer und/oder sexueller Gewalt betroffen war.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der EU-Kommission
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Quelle: DATEV eG