Immer mehr Unternehmen unterstützen die Gesundheitsvorsorge ihrer Mitarbeiter weit über die Vorgaben des gesetzlichen Arbeitsschutzes hinaus. Unter Verweis auf eine aktuelle Umfrage warnt der DIHK davor, das vielfältige Engagement der Wirtschaft durch Regulierung und Bürokratie auszubremsen. Stattdessen gelte es, Finanzierungshilfen zu verbessern und die Betriebe stärker über mögliche Maßnahmen, Angebote und Best-Practice-Beispiele zu informieren.
DIHK, Mitteilung vom 27.02.2014
Länger gesund und fit bleiben – das wird mit Blick auf den demografischen Wandel und den zunehmenden Fachkräftemangel immer wichtiger. Eine aktuelle DIHK-Umfrage zeigt: 90 Prozent der Unternehmen unterstützen deshalb bereits die Gesundheitsvorsorge ihrer Mitarbeiter aktiv oder planen dies konkret – über die Vorgaben des gesetzlichen Arbeitsschutzes hinaus. In den vergangenen fünf Jahren hat die Bedeutung der Gesundheitsförderung bei fast zwei von drei Unternehmen zugenommen. Und gut jeder dritte Betrieb plant für die kommenden fünf Jahre ein noch stärkeres Engagement.
Das Engagement ist vielfältig
Dabei steht eine gesundheitsgerechte Ausstattung des Arbeitsplatzes an erster Stelle: 70 Prozent der Betriebe bieten sie an oder planen z. B. die Anschaffung von ergonomischen Bürostühlen, Stehpulten, verstellbaren Arbeitsplatten oder speziellen Fertigungsbänken. 45 Prozent der Betriebe haben Impfungen oder Vorsorgeuntersuchungen am Arbeitsplatz im Programm bzw. in Planung, fast ebenso viele Sport- und Bewegungsangebote. Die Debatte etwa um „Burn-out“ bringt das Thema der psychischen Gesundheit der Beschäftigten auf die politische Agenda. Angesichts der vielen Einflussfaktoren auf die menschliche Psyche wäre es verfehlt, nur das Arbeitsumfeld in den Blick zu nehmen. Zugleich sind die Betriebe hier bemerkenswert aktiv. Angebote zur Stressbewältigung stehen bei einem guten Viertel der an der Umfrage beteiligten Betriebe auf der Tagesordnung.
Ohne die Führungskräfte geht es nicht
45 Prozent der Unternehmen setzen auf eine Sensibilisierung der Führungskräfte für das Thema Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter. Allerdings: Gesundheitsförderung im Betrieb funktioniert nicht als Einbahnstraße. 39 Prozent der Unternehmen geben an, dass eine stärkere Beteiligung der Mitarbeiter an angebotenen Maßnahmen dazu führen würde, sich auch als Arbeitgeber noch mehr zu engagieren.
Bürokratie in der Gesundheitsförderung vermeiden
Klar ist: Weitere gesetzliche Vorgaben in der Gesundheitsförderung würden nicht zuletzt für mehr Bürokratie in den Unternehmen sorgen. Mehr als neun von zehn Unternehmen lehnen diese zusätzlichen Hürden deshalb ab. Das ist ein wichtiges Signal, denn in der politischen Diskussion wird strengere Regulierung oft als Königsweg gesehen. Damit würde jedoch gerade die Motivation der Unternehmen, kreative und passende Lösungen zu finden, untergraben.
Finanzierungshilfen verbessern
Zur finanziellen Unterstützung gibt es u. a. den Steuerfreibetrag für betriebliche Gesundheitsförderung. 17 Prozent der Betriebe nutzen ihn bereits oder planen dies, allerdings wünschen sich 37 Prozent eine Vereinfachung dieses Instrumentes. 51 Prozent der Betriebe halten eine stärkere finanzielle Unterstützung generell für sinnvoll. Mit Blick auf die positiven Auswirkungen von Prävention auch auf die Finanzen der Sozialversicherungen heißt das: Finanzierungsspielräume innerhalb des Gesetzlichen Krankenversicherungs-Systems sollten zu Investitionen in die betriebliche Gesundheitsförderung genutzt werden.
Wie kann noch mehr erreicht werden?
Die Unternehmen sind der Politik um Meilen voraus, denn sie haben erkannt, dass es wichtig ist, die Beschäftigungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter zu erhalten. Die Bundesregierung kehrt dagegen derzeit mit der abschlagsfreien Rente ab 63 zu einer teuren Frühverrentungspolitik zurück. An Stelle dieser rückwärtsgewandten Ansätze wäre es sinnvoller, wenn Politik, ebenso wie Krankenkassen und Gesundheitseinrichtungen, die Betriebe stärker über mögliche Maßnahmen, Angebote und Best-Practice-Beispiele zur betrieblichen Gesundheitsförderung informieren würde. Für jeden dritten Betrieb wäre ein solcher Vorstoß eine große Hilfe. Auch die IHK-Organisation wird sich hier – insbesondere mit Blick auf kleine und mittlere Unternehmen – einbringen.
———————-
Quelle: DATEV eG